Ein eindringliches Zeugnis der Revolution mit einem Vorwort von Natalie Amiri
Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022, der landesweite Proteste auslöste, geht auch Nila auf die Straße. Die Angst ist der ständige Begleiter der Frauen, die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen - bedroht und eingeschüchtert von der berüchtigten Sittenpolizei, die wahllos verhaftet, foltert und tötet. Eindringlich und bewegend schildert Nila ihre persönlichen Erfahrungen als Aktivistin auf den Straßen Teherans und setzt diese in den Kontext einer langen Geschichte weiblicher Stärke in Iran. Ein mutiges Zeugnis, das einen tiefen Einblick in die gegenwärtigen Proteste und die anhaltende Unterdrückung in Iran bietet.
4,5 Mir ist jetzt schlecht. Das Buch ist sehr berührend, poetisch, deskriptiv und intelligent. Es erfordert auf jeden Fall Vorwissen. "Im Herzen der Katze" vorher zu lesen, war für mich ideal.
These kinds of very personal books are difficult to rate, it feels like you are rating someone’s life and in this case also a movement, a revolution. But I recommend it strongly.
everyone needs to read this book!! a heartbreaking and beautifully written glimpse into the women’s liberation movement in iran. it’s very personal with a kind of fragmented/episodic narrative. i really can’t express enough just how much i enjoyed this.
tw: folter, gewalt, sexualisierte gewalt wünschte wir würden über die geschichte irans in der schule lernen! hab so viel neues gelernt: über filizide, die hintergründe der islamischen revolution 1979, den babismus, etc.
Wichtiges Zeugnis der Revolution – mit einer notwendigen Differenzierung
Auf den Straßen Teherans ist ein wichtiges, mutiges und berührendes Buch. Es macht die Realität auf den Straßen Teherans greifbar und zeigt eindrücklich, wie sehr Frauen und die Gesellschaft insgesamt unter dem iranischen Regime leiden. Ich stehe klar an der Seite der Frauen im Iran und unterstütze ihren Kampf um Freiheit, Selbstbestimmung und Würde. Dieses Buch ist ein starkes Zeitzeugnis – und genau deshalb so wichtig.
Eine zentrale Stelle möchte ich jedoch kritisch, aber auch verständnisvoll einordnen: Sinngemäß wird behauptet, der Islam sei nicht renaissance- oder aufklärungsfähig. Ich kann nachvollziehen, warum sich das für die Autorin so anfühlt. Wer den Islam fast ausschließlich in der repressiven Form eines autoritären Regimes erlebt hat, verbindet ihn verständlicherweise mit Zwang, Kontrolle und Unterdrückung. In diesem Sinn ist diese Aussage für mich weniger eine sachliche Analyse als Ausdruck von erlebtem Trauma und persönlicher Erfahrung – und das ist menschlich absolut nachvollziehbar.
Trotzdem halte ich die Verallgemeinerung für problematisch. Dass das iranische Regime Religion zur Machtsicherung missbraucht und Menschen traumatisiert, sagt nichts über den Islam als solchen aus. Die Härte und Starrheit, die hier beschrieben werden, sind menschengemacht – sie entstehen durch politische Machtstrukturen und ideologische Auslegung, nicht durch die Religion an sich. Der Islam ist – wie jede große Weltreligion – historisch und kulturell vielfältig ausgelegt worden und in seiner Praxis wandelbar.
Für mich ist dabei zentral: Im Islam heißt es „la ikraha fid-din“ – es gibt keinen Zwang in der Religion. Zwangsverschleierung, Kontrolle über Körper und Leben von Frauen widersprechen diesem Grundsatz. Gerade deshalb ist der Protest der Frauen in Teheran nicht nur politisch mutig, sondern auch religiös und moralisch richtig und wichtig!!! Er richtet sich gegen Unterdrückung und Machtmissbrauch – nicht gegen Glauben.
Trotz dieser Differenzierung bleibt das Buch ein enorm wichtiges Zeugnis. Es hilft zu verstehen, was Menschen im Iran erleben, und verdient Aufmerksamkeit und Solidarität. Meine Kritik soll nicht abwerten, sondern einordnen – aus Respekt vor den Betroffenen und aus dem Wunsch heraus, Machtmissbrauch klar zu benennen, ohne Religion pauschal zu verurteilen.
Definitiv 5 Sterne, weil es eine so wichtige (und aktuelle) Thematik ist und es extrem viel Mut erfordert so ein Buch zu schreiben und damit Zeugin zu sein.
Allerdings fyi: Ich persönlich würde es nicht als „Einsteiger:innen-Buch“ empfehlen + der Schreibstil ist oft sehr akademisch / wissenschaftlich gehalten.
Auf den Straßen Teherans ist der Zeugenbericht einer jungen Frau über die iranischen Proteste 2022, bei denen die ProtestantInnen versucht haben für mehr Rechte für Frauen einzustehen und dabei brutal niedergeschlagen wurden.
Nila schreibt über ihre persönlichen Erfahrungen, aber auch über die Geschichte der Frauen im muslimischen Iran und ihr Stil ist dabei ausgesprochen schön und poetisch; es finden sich zahlreiche wunderbare Zitate. Der Zeugenbericht ist erschreckend, wütend und hoffnungsvoll zugleich und informiert die weltweite Öffentlichkeit über die brutale Vorgehensweise des Mullah-Regimes, aber auch über die Schönheit, welche in diesem Land und der überwiegenden Mehrheit der Menschen dort steckt.
Die Proteste 2022 und nun auch jene 2026 wurden zwar niedergeschlagen, aber im Iran wird die Hoffnung auf eine freie Zukunft nicht aufgegeben! Das mindeste, das ein jeder/eine jede in anderen Ländern tun kann, ist sich über die Lage dort zu informieren und nicht wegzusehen.
„Jedes Mal, wenn mich die Nachricht erreicht, dass ein*e Demonstrant*in ermordet oder hingerichtet wurde, stelle ich mir wieder einmal die Frage: was geschieht mit den Träumen dieser Personen? Mit den Momenten in ihrem Leben, in denen sie etwas begehrte, sich mehr wünschte. Die Tränen, das Bedauern, die Sehnsüchte. Was geschieht mit alldem? Wohin verschwindet das alles? Diese Fragen schreien wir seit September 2022 zum ersten Mal direkt ins Gesicht der Geschichte.“
Auf den Straßen Teherans ist ein eindringliches, wütendes und zugleich sehr persönliches Buch. Nila schreibt über Protest, Angst, Mut und Unterdrückung. Dies nicht aus sicherer Distanz, sondern aus einer unmittelbaren Erfahrung heraus. Es wirkt entsprechend auch nicht wie eine nüchterne Analyse, sondern wie ein Zeugnis, das beim Lesen sehr nah kommt.
Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr das Buch politische Gewalt und persönliche Verletzlichkeit miteinander verbindet. Es geht um Widerstand, aber auch um Erschöpfung, Gefahr und die Frage, wie viel Mut Menschen aufbringen müssen, wenn Freiheit nicht selbstverständlich ist.
Der Stil ist direkt, stellenweise poetisch, aber nie beschönigend. Für mich ist das kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Es gibt den Protesten im Iran eine sehr menschliche Stimme und zeigt, dass hinter großen politischen Schlagworten immer konkrete Leben stehen.
In the Streets of Tehran is a powerful, angry, and at the same time deeply personal book. Nila writes about protest, fear, courage, and oppression not from a safe distance, but from direct experience. Because of that, it does not read like a detached analysis, but rather like a testimony that comes very close while reading.
What impressed me most was how strongly the book connects political violence with personal vulnerability. It is about resistance, but also about exhaustion, danger, and the question of how much courage people have to summon when freedom is not something they can take for granted.
The style is direct, at times poetic, but never sugarcoated. For me, this is not an easy book, but an important one. It gives the protests in Iran a deeply human voice and shows that behind major political slogans there are always real lives.
Breve memoir – pubblicato con pseudonimo, per forza di cose – sulla rivolta delle donne e di tutta la società iraniana dopo la morte di Mahsa Amini, rivolta che sta andando avanti, anche se non se ne parla più. L'autrice cerca di fare una breve analisi sulla base delle sue esperienze della diversità di questa ondata di proteste rispetto alle precedenti ma cerca anche di analizzare come la narrazione di un Iran progressista, illuminato e moderno prima della rivoluzione del 1979 sia pretestuosa. Le emozioni e le esperienze delle proteste si mescolano con la storia di Tahereh, poetessa e teologa del Babismo vissuta nel XIX secolo che rivendicava il diritto come donna di essere alla pari degli uomini e che fu assassinata nel 1852 in quanto figura storica. Fu la prima donna giustiziata con l'accusa di "portare corruzione nel mondo", la stessa che viene rivolta alle donne e agli uomini uccisi dal regime iraniano odierno, per le manifestazioni e per qualunque forma di dissenso. Si capisce dunque il fil rouge tra la biografia di questa donna del passato e la contemporaneità. L'autrice rimane su un racconto semplice, cercando di spiegare anche le difficoltà generazionali, i legacci psicologici ed emotivi che il regime ha stretto sulla popolazione e la volontà della società di andare oltre delle imposizioni spesso kafkiane e aprirsi al mondo. Semplice, ma è una lettura che mi sento di consigliare.
„Wir möchten, dass alle aufwachen und sehen, was geschieht. Es ist, als würden wir versuchen, den Bewohner*innen der Erde telegrafische Botschaften von einem anderen Planeten zu senden.“
(Gänsehaut. Ein must-read.)
„Ich träume, dass ich frei bin. Ich träume, dass ich keine Ketten an den Füßen trage.“
(Ohne weitere Worte, weil schier unmöglich.)
„Seit Jahren verwandeln wir dieses Leben in eines, das im Untergrund stattfindet.“
Nécessaire, bouleversant, intelligent. Un mélange de faits, de ressentis et de légendes (mais aussi d’histoires vraies). Ces légendes et histoires qui font partie de l’inconscient collectif et dessinent une nation. C’est un témoignage saisissant sur l’Iran depuis 2022 et finalement, sur l’Iran depuis bien plus longtemps. Témoignage d’une jeunesse vivante, brulante, fatiguée. Cette auteure m’a donné envie de savoir lire le persan, qui semble pouvoir décrire tant de choses, mais surtout, cette auteure est une porte parole de « femme, vie, liberté » et cela en dit long sur ce qui nous attend dans le livre, et de tous les combats des iranien.ne.s. Force !
Je suis tombée sur ce petit livre par hasard à la librairie. Une très belle découverte qui permet de mieux comprendre la réalité des femmes dans la République islamique d'Iran, mais surtout, la profonde révolte qui les anime et les pousse à affronter l'autorité en place, au péril de leur vie.
Malgré une écriture très accessible et agréable à lire, il vaut mieux avoir un minimum de connaissances générales sur l'histoire récente de l'Iran avant de se lancer. À ce propos, je suggère la lecture de "Femmes, vie, liberté" et de "Persepolis" de Marjane Satrapi.
Incredibly written. Shows a real and raw insight into life under the Islamic Republic. The oppression and violence is indiscriminate. My favourite quote was ‘living can be passive. Witnessing is not passive’. I really want to live by that when thinking about Palestine.
Auf den Straßen Teherans ist ein kurzes, aber sehr eindringliches Sachbuch über die Proteste im Iran nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022. Die Autorin schreibt unter dem Pseudonym Nila und bleibt anonym, weil ihre Erfahrungen politisch gefährlich sind. Sie ist Aktivistin und Teil der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“.
Einordnen lässt sich das Buch als politisches Sachbuch, autobiografischer Erfahrungsbericht und feministisches Protestzeugnis. In der Hörbuchfassung wird Auf den Straßen Teherans von Nagmeh Alaei gesprochen. Deutsche Schauspielerin, in Teheran geboren. Diese Leistung, Nilas Gefühle und Erlebnisse so vorzutragen hat mich sprachlos gemacht, denn ich konnte zum Teil nach diesen Schilderungen nicht mal mehr atmen.
Emotional ist das Buch sehr intensiv. Es macht betroffen, weil es von realer Unterdrückung, Gewalt und Angst handelt. Es vermittelt aber auch Hoffnung, Stärke und Solidarität. Deswegen ist dieses Buch auch über die iranischen Grenzen hinweg transportiert worden. Dadurch wird Nilas Erzählung nicht nur ein iranisches Zeugnis, sondern ein international verständlicher Appell gegen Unterdrückung.
Nilas Geschichte wurde über die iranischen Grenzen getragen, weil sie eine persönliche Stimme für eine weltweite Menschenrechtsfrage ist. Die UN-Menschenrechtsmission sprach später im Zusammenhang mit der staatlichen Gewalt gegen die Protestierenden sogar von schweren Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Es eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die sich für Menschenrechte, Feminismus, Iran, Protestbewegungen oder aktuelle politische Literatur interessieren. Es ist kein leichtes Buch, aber genau das ist Literatur, die besprochen werden muss.
Es erinnert daran, dass Freiheit für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit ist, sondern etwas, wofür sie täglich ihr Leben riskieren. Am 20.05. stellt Angela Merkel das Buch zusammen mit Sprecherin Nagmeh Alaei, Übersetzerin Asal Dardan, Gilda Sahebi (Deutsch-iranische Journalistin) sowie Isabel Shayani (Deutsch-iranische Journalistin) und Phoebe Gaa (ZDF Aussenkorrespondentin u. a. im Iran) vor. Ein wichtiger Schritt für internationale Solidarität und die Verantwortung Europas für eine freie Welt.
It feels strange to rate a book that is so emotional, expressive and raw. Nila allows the reader an insight into what is happening in the streets of Tehran right now. By sharing her experience, she illustrates what it means to be part of a movement, how unity is created and felt, how resistance is shaped and what it means to be a witness. What it means for a movement, a revolution to be 'successful'. How the history of Iran has shaped this movement, and how the movement will forever shape the history of Iran, even if it does not immediately lead to a regime change. She describes what leads women and men to risk their life by expressing their anger, their frustration. How the mixture of fear and anger allows them to look death in the eye. And why this mixture is so dangerous for the Islamic regime.
Ich würde sagen, eine Pflichtlektüre. Ein Zeugenbericht voller Leid, Hoffnung, Wut, Angst und dem eisernen Willen etwas zu verändern. Eine Stimme für Tausende von Frauen, die keine Stimme haben, dabei so schön geschrieben wie ein Gedicht. Die Schönheit der Sprache verleitet, einen dazu für einen Moment zu vergessen, die grausam seine Inhalte sind. Ich habe größten Respekt vor dem Mut dieser Frauen und Männer, und ich hoffe sehr, dass er sich auszahlt und das sie eines Tages frei und unbeschwert leben können.
“E i suoi sogni? Quei momenti in cui, nel corso della vita, ha desiderato dare maggior ampiezza ai suoi sogni: che ne è stato delle lacrime, dei rimpianti e delle privazioni che si è imposta per realizzare un'aspirazione che non si concretizzerà mai? Che fine fanno i sogni? È da un anno che urliamo queste domande, che le rivolgiamo alla storia, per la prima volta.”
„Leben kann passiv sein, etwas zu bezeugen ist nicht passiv. Dies sind die Worte die ich in die Zukunft senden möchte, nachdem ich durch Blut gegangen bin. Für diejenigen die nach uns kommen und im Strudel unserer Geschichte nach uns suchen werden. Falls sie uns suchen werden.“
Sehr erschreckend. Habe viel gelernt und mitgenommen! Ich habe jedoch definitiv zu wenig Vorwissen, um alles zu verstehen. Daran muss ich also arbeiten!
La révolution vue de l'intérieur, tragique, touchant et à la fois précis et pas trop compliqué à suivre pour les éloignés de cette culture. Un livre très bien écrit qui narre cette révolution de 2022, raconte l'histoire des témoins et évoque des souvenirs enfouis. Une perspective riche et essentielle pour essayer de comprendre cette histoire et culture complexe et entrelacée aux drames de la région. Une lecture passionnante aussi bien qu'enrageante. Femme, Vie, Liberté !
Che fine fanno i sogni? Se lo chiede spesso l’autrice, pensando a tutte le persone la cui morte rischia di sparire insieme ai loro corpi violentati e privati della propria libertà, dalla Repubblica islamica di Khamanei. Questa testimonianza è un inno alla libertà delle donne (ma non solo), dove “testimoniare è una parola più ardente di vivere”. Credo nella necessità di leggerlo, anche fosse soltanto per farci prestare gli occhi da chi quegli orrori li vive e, nonostante ciò, decide di lottare.
Unica nota negativa, secondo me che non è che sono l’esperta quindi vabbè, è la traduzione, che non sempre mi ha convinto.
'In the Streets of Tehran: Woman. Life. Freedom.' is a book that should be mandatory reading for everyone. The story contained within is written beautifully and my heart aches for the author, especially given that she had to write under an alias for her safety. The story is told in fragmented sections, with the author walking through the streets of Tehran, seeing every day acts of rebellion from women in Iran- something not previously considered possible due to her parents generation, who have accepted the brutal nature of the regime because of their fear. The normalisation of violence against women by the so called 'morality police' is abhorrent, and feminists across the world should use their voices to support the women in Iran, who are subjected to extreme violence if they resist the regime. This was an incredibly powerful and emotional read, despite how short it was.
Der (sehr) kurze Text setzt entweder einiges an Hintergrundwissen, oder - wie in meinem Fall - etwas Recherche voraus. Der Aufbau hat mich zunächst etwas verwirrt, erst gegen Ende habe ich verstanden, dass der Text gerade dadurch seine Wirkung voll entfaltet.
,, Auf den Straßen Teherans" ist keine schlichte Erzählung, Nacherzählung oder Biographie. Es ist ein Zeugnis, ein Brief, eine Wissensweitergabe, eine Ablegung von Zeugenschaft. Das Elend, das Leid, die Angst, die Verbrechen, die Gewalt, der Hass. Die Mut, die Stärke, die Kraft. Gemeinschaft, die eint und sich gegenseitig stützt, die sich trägt und ermutigt. Die mutigen, protestierenden Iraner*innen selbst auf der einen Seite, das korruptbereite, gewalttätige islamistische Regime auf der anderen Seite.
Nach dem Lesen dieses Buches sind wir selbst Mitzeug*innen geworden. Wir haben das Leid mitgelesen, die Angst der anonymen Nila mitgefühlt, und aller Iranerinnen, wir haben ihren Schmerz gefühlt, der seit Jahrtausenden aufrechterhalten wird. Nila legt nicht nur einen Bericht über das vor, was sie miterlebt hat, was sie gesehen, gefühlt, gedacht und gefürchtet hat auf den Straßen Teherans, nein, sie nimmt uns mit in jahrhundertealte iranische Entrechtungsgeschichte von Frauen und in ihren Widerstand dagegen. ,,Frau.Leben.Freiheit." ist das revolutiönäre Resultat einer Vorgeschichte unzähliger Frauen, die ihre Hijabs abnahmen, die hinter Vorhängen hervortraten, die Heiratsanträge ablehnten, die dem Patriarchat den Mittelfinger ins Gesicht hielten.
,,Hier sind Frauen, die ihre Uniformen missachten und sich damit gegen Männer stellen, deren Identität durch Uniformen definiert wird."
In Nilas Worten steckt Hoffnung und Angst, beides gleichermaßen, Kraft und Furcht, Gemeinschaft und schweigsame Einsamkeit.
Wir haben alle 2022 die Berichte gehört. Doch wir haben wohl kaum eine Iranerin darüber sprechen hören, ungefiltert, ehrlich, wahr - darin liegt die schmerzliche Kraft und Stärke dieses Werkes, das noch sehr lange in mir nachklingen wird.
,,Ich bin eine echte Zeugin, anwesend am Schauplatz des Verbrechens. Mein ganzes Leben lang schon. Ich, eine Frau, deren Aussage nur halb so viel wert ist wie die eines Mannes. Wenn ich bei Tageslicht das Haus verlasse, dann deshalb, weil ich alles in seiner Klarheit sehen will - auch so etwas. Damit ich eine vollwertige Zeugin meiner Zeit sein kann. Leben kann passiv sein. Etwas zu bezeugen ist nicht passiv. Das sind die Worte, die ich in die Zukunft senden möchte, nachdem ich durch Blut gegangen bin. Für diejenigen, die nach uns kommen und im Strudel unserer Geschichte nach uns suchen werden. Falls sie nach uns suchen werden."