Vom Tech-Milliardär Peter Thiel bis hin zu Alexander Dugin, dem ultranationalistischen Sichwortgeber Putins, neuerdings bemühen alle ein biblisches den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft kann er das Böse aufhalten, seine irdische Gestalt soll ausgerechnet Donald Trump sein. Über eine Figur der politischen Theologie, mit der alles begründet, aber nichts erklärt werden kann.
Wer ist der »Katechon«? Seit einiger Zeit verkünden rechte und religiöse Fundamentalisten, dass eine höhere Kraft den »falschen Verheißungen« des »Antichristen« entgegentrete. Diese Verlockungen gaukeln als Werte einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft den Menschen Sicherheit und Stabilität vor, während sie doch in Wahrheit nur Werke des Teufels sind. Mit dem Katechon als »Aufhalter« dieses Bösen wird nun eine theologische Figur in den Dienst genommen, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Spätestens, seit sich der Tech-Milliardär und Trump-Unterstützer Peter Thiel als Verfechter dieses Gedankens zu erkennen gab, ist das biblische Motiv einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Der Essay geht den Spuren des »Katechon«-Motivs bis in die Schriften des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt nach.
Ein gutes Buch, das sich mit dem Phänomen des ziemlich unbekannten Begriff des "Katechon" und seine Bedeutung durch die Jahrhunderte auseinandersetzt. Ein guter Einstieg für alle, die mehr über die politische Theologie wissen möchten!
Volker Weiß neuer Essay behandelt eindrücklich und intensiv, jedoch etwas zäh, den Begriff des Katechon (griech.: "Aufhalten") anhand zeitgenössischer Beispiele wie Peter Thiel, MAGA, Putin und Alexander Dugin. Dabei ist der Katechon ein von vielen, teils konträren Seiten vereinnahmter Begriff, dem ein eigener Handlungsspielraum zugewiesen wird, welcher jedem Zweifel erhaben und naturgemäß ambivalent ist. Religiös konnotiert mit der messianischen Endzeit, dem Antichristen zuwider und politisch missbraucht zum Hinauszögern stürzender Imperien, schwindende Macht und im Kampf gegen den Liberalismus. Einen solchen komplexen Begriff versteht Volker Weiß verständlich zu erklären und auf aktuelle Personen und Begebenheiten zu münzen.
Der Katechon, eine theologische Figur, weit auslegbar als etwas aufhaltendes, ein Aufhalter, eine Eigenschaft, eine Person, ein Volk. Immer gegen den Antichrist, der den Menschen das Paradies auf Erden, die Erlösung, falsch vorspielt. Es gibt kein Paradies auf Erden, der Mensch, sündig wie er ist, muss strebend sich bemühen bis zur Endzeit sündenfrei zu werden. Der Antichrist als scheinbarer Sieger wird vom wiederkehrenden Christus triumphal besiegt, die Endzeit bricht an, jetzt hat der Mensch keine Möglichkeit mehr, sich zu bessern. Daher muss der Katechon durch permanentes Ankämpfen gegen den Antichristen die Bewährungszeit zu verlängern. So habe ich dieses spannende Konstrukt im Buch von Weiss verstanden. Immer wieder haben sich rechte Gruppierungen dieses Katechon angenommen, Carl Schmitt hat die philosophischen Grundlagen gelegt. Weiss zeigt, was Personen und Gruppierungen in den USA ( rund um Peter Thiel, einen Trump und Vance Unterstützer) und in Russland (rund um den Oligarchen Konstantin Malifeyew, Unterstützer von Putin und Dugin) daraus machen, wie unterschiedliche Philosophen diese Figur interpretierten. Zum Verständnis der rechten Denkweise spannendes Büchlein, leider werden die einfach gestrickten rechten Wähler ihre Verführung nicht verstehen. Und zur theologischen Hilfe den 2. Thessalonikerbrief lesen.