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Nelka

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Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.

200 pages, Hardcover

Published February 18, 2026

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About the author

Svenja Leiber

7 books10 followers
She grew up in nothern Germany. In 2005 she plubished Büchsenlicht (a short story collection) and in 2010, the novel Schipino. In 2014 she published Das Letze Land with great welcome criticism and consecrated as one of the most significant authors of German literature. It has several awards, including the Werner Bergengruen.

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Profile Image for Uralte  Morla.
399 reviews197 followers
July 13, 2026
"Der Krieg ist in alles eingedrungen, sogar ins Licht. Und auch in die Geräusche, in die Stimmen der Tiere und in die Körper der Menschen, in die Gesichter der Kinder, die an den Stationen Gurken verkaufen und dabbei aussehen wie Steine." (Seite 158)

Während des zweite Weltkrieges wird Nelka im Jahr 1941 von den Nazis aufgegriffen und nach Deutschland verschleppt. Eben noch war sie in Lwów, Lemberg, dem heutigen ukrainischen Lwiw auf dem Weg zu ihrer Tante, plötzlich sitzt sie auf einem Wagen, dann in einem Zug, und arbeitet schließlich mit vielen anderen jungen Frauen (viele davon sind wie Nelka jüdischer Abstammung) und französischen Kriegsgefangenen wie eine Sklavin auf einem Gutshof irgendwo in Norddeutschland. Die Arbeit umfasst Viehdienst und Ernte, sie dauert den ganzen Tag, geschlafen wird in engen Baracken.
Zum Zeitpunkt ihrer Verschleppung ist Nelka 16, die meisten der anderen Frauen sind in ihrem Alter, sie alle wurden ohne Vorwarnung aus ihrem Leben gerissen, entmenschlicht und sind nun der Willkür der Gutsherren und vor allem, der des Verwalters ausgeliefert. Als er erfährt, dass Nelka viel über den Anbau von Äpfeln weiß (ihr Vater war Pomologe), macht er sich ihr Wissen zu Nutze und baut sich damit ein Imperium auf. Durch ihr Wissen erfährt Nelka gewisse Privilegien auf dem Hof, zahlt aber auch einen hohen Preis dafür.

"Es wird heute angenommen, dass rund 20 Millionen Menschen für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten [...]. Ohne die von ihnen geleistete und oft tödliche Arbeit wäre sowohl die Ernährung als auch die Bewaffnung der Deutschen während des Krieges nicht möglich gewesen." (Seite 202, Nachwort)

Svenja Leiber hat mit "Nelka" einen unglaublich intensiven, sehr schmerzhaften Roman geschrieben, dessen historischer Hintergrund mir tatsächlich nicht bekannt war. Wie sie es schafft, diesen wirklich harten Stoff - ich habe mehrmals beim Lesen geweint - in einer poetischen Sachlichkeit zu erzählen, ist bewundernswert. Viele gewaltvolle Szenen inklusive sexueller Übergriffe erzählt sie nicht aus, deutet sie nur an und allein in diesen Andeutungen liegt genug Schrecklichkeit.

"Nelka" ist ein Buch voller Gewalt, Machtmissbrauch, Ungerechtigkeit und Entmenschlichung. Es ist aber auch eins, das von Solidarität und Freundschaft unter Frauen erzählt. Und von einer Protagonistin, die es trotz ihres Traumas schafft, sich ein Leben aufzubauen. Die sogar 50 Jahre später
ihren Peiniger konfrontiert, in dessen Gedankenwelt wir ebenfalls Einblicke bekommen.

Auf gerade mal 200 Seiten entfaltet Svenja Leiber hier eine Geschichte, die gleichzeitig leichtfüßig und unendlich schwer daherkommt und erzählt ein Kapitel dunkekster deutscher Geschichte, ein großartiges, wichtiges Buch!


Profile Image for Sandra.
216 reviews63 followers
March 13, 2026
Nelka wird im Jahr 1941 von den Deutschen aus ihrem polnischen Heimatort verschleppt und zur Zwangsarbeiterin auf einem Gutshof in Deutschland gemacht. Auf Grund ihrer Jugend, Schönheit und insbesondere ihrer tiefgehenden Kenntnisse zum Apfelbaumanbau, erregt sie die unerwünschte Aufmerksamkeit des Gutsverwalters. Einige Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort und zu dem Gutsverwalter zurück, um sich den Dämonen ihrer Vergangenheit zu stellen.

Das Buch ist sehr melancholisch, sowohl im Ton als auch im Inhalt. Nelkas Schicksal, als junges 16-Jähriges Mädchen im Krieg, wird sehr eindringlich beschrieben. Die Lesenden bekommen anhand von fiktiven Einzelschicksalen ein umfassendes Bild vom Leid, das vielen, völlig unschuldigen, wehrlosen Menschen widerfahren ist. 

Insbesondere depremierend ist das Gefühl von grenzenloser Ungerechtigkeit, das wir bei der Lektüre aushalten müssen. Befriedigend sind ja nun mal Geschichten, in denen die "bösen" am Ende bekommen, was sie verdienen und bestraft werden. Diese Geschichte ist realitätsnah gehalten, so dass das befriedigende Gefühl uns natürlich versagt bleibt. Stattdessen wird uns gezeigt, wie Menschen am Ende von ihren rücksichtslosen, teilweise unmenschlichen Verhaltensweisen, profitieren und immer wieder profitieren.

Ein gutes Buch, das ein Schlaglicht auf diesen, nicht oft thematisierten, Teil der Geschichte wirft.
Profile Image for LeserinLu.
425 reviews55 followers
September 1, 2026
Svenja Leiber gehört schon länger zu meinen Lieblingsautorinnen und auch „Nelka“ hat mich wieder sehr berührt. Im Mittelpunkt steht die sechzehnjährige Nelka aus Lemberg, die verschleppt und zur Zwangsarbeit auf einen norddeutschen Hof gebracht wird. Mit ihrem Wissen über den Apfelanbau, das sie von ihrem Vater gelernt hat, wird Verwalter Marten nach dem Krieg erfolgreich. Jahrzehnte später kehrt Nelka an diesen Ort zurück.

Leiber erzählt diese Geschichte unglaublich poetisch und herzzerreißend. Und trotzdem ist der Roman für mich gleichzeitig erstaunlich leicht und sogar ermutigend. Gerade diese Verbindung hat mir gefallen. Die Geschichte erzählt von Gewalt, Ausbeutung und Erinnerung, bleibt dabei aber nicht hoffnungslos. Besonders gefallen hat mir außerdem, dass „Nelka“ ein Kapitel der deutschen Geschichte in den Mittelpunkt stellt, über das ich in historischen Romanen bisher tatsächlich kaum gelesen habe. Das war schon bei Leibers letztem Roman so und auch dafür liebe ich die Autorin.

Ein wunderschön geschriebener und zugleich schmerzhafter Roman, der eine wichtige Geschichte erzählt und zum Nachdenken und Nachfragen anregt. Für mich wieder ein Beweis dafür, warum Svenja Leiber zu meinen Lieblingsautorinnen gehört.
Profile Image for Dunja Brala.
684 reviews71 followers
March 12, 2026
Geschätzte 20 Millionen Zwangsarbeiter wurden während des dritten Reich in Deutschland als Arbeitskräfte missbraucht. Wie Sklaven wurden sie gehalten und behandelt. Gelesen habe ich darüber in der Vergangenheit nur peripher. Svenja Leiber widmet sich diesem dunklen Fleck unserer gemeinsamen Geschichte.

Nelka reist zurück an den Ort, der sie körperlich und psychisch viel Kraft gekostet hat. Als 15-jährige wird sie aus Lemberg verschleppt und landet auf einem Gutshof in Norddeutschland. Dort muss sie mit anderen Menschen schwerste Arbeiten verrichten und trägt somit unfreiwillig dazu bei, dass das deutsche Volk gut mit Lebensmitteln versorgt wird. Ein engerer Kontakt zu den „Herrenmenschen“ ist nicht erlaubt. Das schert besonders die Männer in höheren Positionen nicht. Sie missbrauchen die Frauen für einen Becher Sahne. Lehnt sich jemand gegen die schwere Arbeit oder die übergriffigen Handlungen auf, so wird man hart bestraft.

Nelka wechselt in das Haus des Verwalters und übernimmt Dienstbotentätigkeiten. Als sie eine Schale mit Äpfeln sieht, ruft das ihre Erinnerungen an zu Hause wach, denn ihr Vater war ein Bekannter Experte für die Veredelung von Sorten. Als Marten dies bekannt wird, verpflichtet er sie, ihr Know-how an ihn weiterzugeben. Auf diesem Wissen fußt sein späterer Reichtum.
Jahrzehnte später stehen sich die beiden wieder gegenüber.

Svenja Leiber hat dieses Buch mit einer ganz besondere Stimmung ausgestattet. Es wirkt in seiner Grausamkeit ruhig und sanft erzählt. Dabei wühlte es mich ziemlich auf, denn die Willkür mit der Menschen hier benutzt wurden ist nur schwer auszuhalten. Um diese Intensität herzustellen, muss nicht alles ausgeschrieben werden. Svenja Leiber hat es hervorragend geschafft Worte wegzulassen und trotzdem alles zu sagen. Das betrifft insbesondere die Gefühle der Protagonisten. Nelkas Blick auf die Vergangenheit bekommt mit ihrer Reise eine andere Kraft. Besonders gut, finde ich dargestellt, wie sie sich gegen die Erinnerung wehrt und sie gleichzeitig zum Überleben braucht. Einmal mehr wird deutlich, dass es hier nicht ausschließlich um das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten und deren Auswirkungen geht, sondern um die Macht von Männern, die sich nehmen, was sie wollen.

Die Beschreibung von Apfelsorten, deren Aussehen und Geruch hat etwas sehr sinnliches. Der Roman berührt literarisch nicht nur meinen Kopf und mein Herz, sondern spricht auch meine fünf Sinne an. Die literarisch hochwertige Arbeit von Svenja Leiber ist in all dem schrecklichen voll Poesie und trotzdem leicht zugänglich.

Ein stilles und gleichzeitig kraftvolles Buch, das zeigt, wie man Menschen bricht und gleichzeitig überlebt. Ich empfehle es allen, die auf der Suche nach Literatur sind, die eine Zeit widerspiegelt, die niemals wiederkommen darf und die gleichzeitig in dieser eine neue Perspektive verfolgen möchten.
Profile Image for Babywave.
424 reviews150 followers
August 30, 2026
Was für eine starke Geschichte.

Nelka ist 16 Jahre alt, als sie 1941 von Lemberg in Richtung Westen auf ein Gut in den Norden Deutschlands zur Zwangsarbeit verschleppt wird.

Schnell darf sie aus der Baracke in das Haus des Verwalters Marten einziehen. Hier hilft sie ihm, den Apfelanbau zu planen. Denn seit ihrer Kindheit unterstützte sie ihren Vater dabei. Dieser war Pomologe, also Experte im Obstanbau.

Noch in der Baracke freundet sich Nelka mit zwei weiteren Zwangsarbeiterinnen an. Das Schicksal der beiden wird ein wenig mit begleitet. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf Nelka und dem Gutsverwalter.

Es geht in diesem Text um Gewalt, Schuld, Erinnerung und Resilienz.

Ich empfand die Spannung zwischen Marten und Nelka sehr bedrückend und eindringlich. Der Verwalter hat offensichtlich körperliches Interesse an ihr, hat aber aufgrund rechtlicher Verbote , eine Hemmschwelle sich ihr intensiver zu nähern.

Vieles wird nicht direkt von der Autorin bis zum Ende auserzählt. Dennoch transportiert sie durch Beschreibungen von Blicken und Gesten bestimmte Handlungen.

Ich empfand Nelkas Situation als wirklich beängstigend. Obwohl es keiner massiv dramatischen Szenen bedurfte, war dennoch die Machtlosigkeit und das Ausgeliefert sein greif-und spürbar.

Auch das Nachwort der Autorin fand ich interessant und ungemein bewegend.
Es ist erschütternd, wieviele Menschen allein durch Zwangsarbeit umgekommen sind.

Als extrem spannend habe ich die zweite Zeitebene empfunden. Denn Nelka kehrt im Alter wieder auf den Gutshof zurück, besucht den Verwalter. Auch hier braucht es nicht viele Worte zwischen den Beiden. Die Dynamik ist sehr gut dargestellt. Marten windet sich innerlich und versucht, seine Schuld herunterzuspielen. Nelka hingegen gelingt etwas wahnsinnig starkes.

Ein Buch, wofür man sich Zeit nehmen sollte, worüber man Nachdenken und sich austauschen kann.

Hoffe, es kommt zumindest auf die Short- List. Erinnerungskultur ist leider heutzutage wieder wahnsinnig wichtig geworden.
Profile Image for Anni K. Mars.
446 reviews97 followers
June 29, 2026
4,5
Ich bin seeeehr nachdenklich geworden durch dieses Buch. Hat mich mal wieder in ein Rabbit Hole geschickt.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
309 reviews62 followers
August 24, 2026
„Nelka“ beginnt mit einem Brief, der zugleich erwartet und unerwartet ist. Ähnliche Briefe treffen seit einiger Zeit in der Gegend ein, „in den Herbst der Leute, niemand hatte noch damit gerechnet“. Dieser eine Brief erreicht Marten Wilhelmsen, einen 77-jährigen Witwer, der in einem für eine Person viel zu großen Gutshaus wohnt und eine Apfelbaumplantage führt. Marten erinnert sich an die Absenderin, die er als junge Frau kannte, Nelka. Diesen Teil seiner Vergangenheit hat Marten stets versucht zu verdrängen. Nelka, die mit ihrer Familie außerhalb von Lwiw lebt, kündigt in dem Brief ihren Besuch auf Martens Hof an.

Sehr verdichtet, in einer schlichten, schönen, verhaltenen Sprache, erzählt Svenja Leiber Nelkas Geschichte. Eine Geschichte, wie sie sich nach Schätzungen 20 Millionen Mal so oder ähnlich in Deutschland zugetragen hat. Wie sie noch heute wieder und wieder verdrängt und verschwiegen wird. Die Geschichte der Zwangsarbeit, durch die etliche deutsche Familien den Reichtum angehäuft haben, von dem sie nach wie vor profitieren.

Fast märchenhaft beginnt Nelkas Erzählung: die Vielstimmigkeit Lembergs/ Lwóws/ Lwiws wird beschrieben, dieses echten „Zankapfels“ unter den Städten, begehrt von russischer, polnischer, ukrainischer und deutscher Seite, die jüdischen Wurzeln ihrer Mutter, die Expertise des Vaters, von dem Nelka die Grundlagen der Pomologie (Obstkunde) und der Veredelung von Obstbäumen erlernt.
„Sicher wäre auch Nelka Baumwärterin geworden. Aber nichts im Leben ist sicher. Glaubte man gerade an die Vorteile des Friedens, tat sich im nächsten Moment ein Gelangweilter, ein Gieriger, ein Revolutionär, ein Faschist oder ein sonstwie gearteter Aggressor hervor.“

Als Nelka 16 ist, wird sie von deutschen Soldaten auf der Straße verschleppt. Auf dem Transport im Eisenbahnwaggon altern sie und die Mitgefangenen um Jahre. Niemand aus der Familie weiß, was Nelka zugestoßen ist. Nelka lernt Margaryta kennen und Schura, die dreistöckig flucht und sie und Margaryta zu schützen versucht. Schura, Nelka und Margaryta hoffen, in drei Monaten wieder zurück in ihre Heimat zu können. Sie sollen die Knechte und Hilfsarbeiter ersetzen, die an der Front gefallen sind. Nelka schafft es, ihre jüdische Mutter zu verschweigen, als sie einen provisorischen Pass erhält.

Deutsche Bauern und Gutsbesitzer wählen unter den Frauen, prüfen Zähne und Hände. Eine Annäherung an deutsche Männer wird den Verschleppten unter Todesstrafe verboten, den Deutschen droht Zuchthaus.
Auf dem riesigen Gut ist Nelka eine von 30 sogenannten Fremdarbeiterinnen. Hinzu kommen zwanzig französische Kriegsgefangene.
Die Arbeit ist hart und menschenunwürdig: Hunger, Heimweh, endlose Erschöpfung, drakonische Strafen und sexualisierte Gewalt sind an der Tagesordnung.
Nelka erregt bald die Aufmerksamkeit des Verwalters Marten, wird von der Feldarbeit ins Verwalterhaus abgezogen, bedient dort hohe Funktionsträger. Durch einen Zufall wird Marten auf Nelkas Wissen in Bezug auf Obstanbau aufmerksam. An diesem Wissen wird er sich bis in die Gegenwart bereichern. Ist sein Wohlstand der Grund für Nelkas Besuch 50 Jahre später? Will sie Marten konfrontieren mit der sexualisierten Gewalt, die er ihr antat?

„Sie reden von nichts als vom Krieg. Der ist jetzt Beruf und Berufung und geht bald ins vierte Jahr. früher waren sie Malermeister, Lehrer, Juristen, Verkäufer. Jetzt sind sie andere. Jetzt denken sie in Kampfgeist und Härte, in Regimentern und Kompanien. Sie kennen sich aus mit Mörsergranaten, Flammenwerfern und Maschinengewehren, mit Kalibern, mit Ladehemmung und Rohrkrepierern, mit Kopfschuss, Streifschuss, Heimatschuss, mit Blankwaffen, dem Seitengewehr 84/ 98 und damit, wie man es gebraucht, wie man eine Klinge von fünfundzwanzig Zentimetern Länge in einen Körper stößt. Das alles wissen sie, nur über sich selbst wissen sie nicht mehr viel. Etwas hat sie von sich entfremdet. Ihre Körper sind im Einsatz für etwas, sie haben getötet, auch Kinder, aus Überzeugung, damit der Feind nicht nachwächst, oder weil sie sich vor ihren Blicken schämten. Sie haben die Blicke getötet, aber die Blicke verfolgen sie doch. Ihr Schlaf ist entweder versiegt oder entgrenzt. Ihre Libido auch. Ihre Sucht nach Pervitin und anderen Stoffen hat sich längst chronifiziert. Trotzdem funktionieren Sie, stehen herum, stecken die Revolver zurück in die Halfter, lassen die Hunde die Tauben zerfetzen und lachen.“

„Nelka“ ist sehr gut und sensibel recherchiert, elegant geschrieben und von erschütternder Wirkmächtigkeit, was die Sichtbarmachung der so oft ignorierten Zwangsarbeit angeht.

Für mich schwierig war die Figur des Marten und seine Perspektive, die diesen Täter sehr menschlich erscheinen lässt. Ich bin noch immer hin- und hergerissen, weil ich die Nähe zu, das Verständnis für Marten einerseits als unnötig empfand, es mir auf der anderen Seite aber als Bild für die „Banalität des Bösen“ nach Arendt erklären kann.

Erinnerung und Schuld sind die großen Themen in „Nelka“. Ob sich etwas wie Gerechtigkeit finden lässt, wenn der Gutsverwalter und seine Ehefrau beim Einmarsch der Allierten flüchten und zwei Wochen später zurückkehren, um das Gut fast nahtlos weiterzuführen, mit Landarbeitern aus dem Osten diesmal, die in die Baracken ziehen, ist ziemlich klar zu verneinen.
Nach der Befreiung geht es eben weiter: während Marten ein Verdienstkreuz erhält, lebt Nelka zurück in Lwiw bescheiden in sozialistischen Verhältnissen, begleitet von Misstrauen, weil sie einmal bei den Deutschen war.

„Jetzt scheint das Licht geborsten. Der Krieg ist in alles eingedrungen, sogar ins Licht und auch in die Geräusche, in die Stimmen der Tiere und in die Körper der Menschen, in die Gesichter der Kinder, die an den Stationen Gurken verkaufen und dabei aussehen wie Steine.“

Nach dem Lesen des Romans trifft das Nachwort mit voller Wucht. Wie allgegenwärtig ein Leben wie das der Protagonistin gewesen sein muss, zieht einer den Boden unter den Füßen weg. Wie die absurde, verachtende Sprache aus dieser Zeit bis heute geblieben ist und noch immer verwendet wird, um Menschen abzuwerten.
„Die Gegenbilder waren schon damals 'Schmarotzer', 'Arbeitsscheue' oder 'Parasiten'. Vor allem im Rahmen der antisemitischen, antiziganistischen und antislawischen 'Rassentheorie' wurden diese abwertenden Gegenbilder konstruiert und verbreitet, um, in grausamer Umkehrung, ebendiese Gruppen später für sich arbeiten zu lassen und sie durch Arbeit zu vernichten.“
Profile Image for Wolf Macbeth.
234 reviews2 followers
August 25, 2026
NELKA ZWISCHEN MACHT UND ÜBERLEBEN

"Nelka" erzählt von einer jungen Frau, die während des Zweiten Weltkriegs aus Lemberg verschleppt wird und als Zwangsarbeiterin auf einem norddeutschen Gut landet. Jahrzehnte später kehrt sie dorthin zurück. Im Zentrum stehen Zwangsarbeit, Macht, Abhängigkeit, Erinnerung und die Frage, wie man unter solchen Bedingungen überhaupt überlebt.

Am Anfang hat mich das Buch durchaus gepackt. Vor allem sprachlich gab es immer wieder Sätze, die ich wirklich großartig fand. Leiber schreibt oft sehr klar und leicht verständlich, ohne dass die Sprache deshalb banal sein muss. Manche Formulierungen haben mit ganz wenigen Worten sehr viel ausgelöst. Gerade deshalb war ich lange ziemlich angetan von der Sprache.

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat sich dieser Eindruck aber verändert. Neben diesen starken Stellen gibt es auch viele Sätze, die für mich eher wie Floskeln oder etwas gewollt bedeutungsvoll wirken. Besonders nach dem Krieg wurde die Sprache für mich immer gewöhnlicher, und gleichzeitig verlor auch die Handlung immer mehr an Spannung.

Mein größtes Problem ist aber Nelka selbst. Für eine Figur, nach der der ganze Roman benannt ist, bleibt sie für mich erstaunlich blass. Ich weiß am Ende sehr viel darüber, was ihr passiert und was andere Menschen für sie empfinden, aber viel weniger darüber, wer sie eigentlich ist. Was denkt sie wirklich? Was will sie? Wie beurteilt sie ihre eigenen Entscheidungen? Was empfindet sie gegenüber den Menschen um sie herum? Vieles bleibt so offen, dass es für mich irgendwann nicht mehr wie spannende Ambivalenz, sondern eher wie eine zu wenig ausgearbeitete Hauptfigur wirkte.

Dazu kommt, dass Nelka sehr stark über Männer gezeichnet wird. Männer begehren sie, verlieben sich in sie, beschützen sie oder üben Macht über sie aus. Gerade das Begehren des Verwalters wird zu einem wichtigen Motor der Handlung. Dadurch bekommt der Roman für mich immer stärker etwas von einem Kammerspiel über Macht, Abhängigkeit und Begehren – und immer weniger von einem Roman über Zwangsarbeiterinnen und ihre Solidarität, wie es der Verlagstext nahelegt.

Auch die beiden anderen Frauenfiguren, Margaryta und Schura, bleiben für mich viel zu sehr Nebenfiguren. Es gibt zwischen den Frauen durchaus Nähe, Freundschaft und einzelne starke Momente. Aber von einer Geschichte über weibliche Solidarität habe ich persönlich wenig gespürt. Gerade wenn Solidarität etwas kosten würde, steht bei Nelka oft das eigene Überleben im Vordergrund. Das kann ich nachvollziehen und möchte ich überhaupt nicht moralisch verurteilen. Aber dann sollte man es für mich auch genau so erzählen und nicht etwas Größeres daraus machen, als tatsächlich im Roman zu sehen ist.

Immer stärker gestört hat mich außerdem, wie sichtbar konstruiert die Handlung wirkt. Figuren und Ereignisse scheinen oft genau dann aufzutauchen, wenn die Geschichte sie braucht. Beziehungen, Zufälle, Familienähnlichkeiten und wiederkehrende Motive greifen mir teilweise zu sauber ineinander. Irgendwann habe ich nicht mehr einfach die Geschichte erlebt, sondern immer stärker die Autorin hinter der Konstruktion gesehen.

Die spätere Zeitebene hätte für mich eigentlich sehr viel hergegeben. Nach Jahrzehnten an den Ort zurückzukehren, an dem so Entscheidendes passiert ist, könnte ein enormer Konflikt sein. Aber auch daraus macht der Roman für mich überraschend wenig. Lange wird erinnert, geschwiegen und zurückgeschaut, ohne dass aus dieser Gegenwart eine wirklich starke eigene Handlung entsteht. Und auch die Nachkriegszeit fand ich zunehmend langatmig. Dass Täter nach 1945 weiterleben, profitieren und oft nicht zur Verantwortung gezogen werden, ist wichtig – aber der Roman hat mir dazu wenig gezeigt, was ich nicht schon wusste oder auf eine neue Weise empfunden hätte.

Das ist vielleicht meine größte Enttäuschung: Das Buch hat große Themen – Zwangsarbeit, Gewalt, Macht, Schuld, Überleben, Erinnerung – aber die Geschichte selbst erreicht für mich diese Tiefe nicht. Einzelne Szenen und Sätze können sehr stark sein, doch als Ganzes blieb der Roman für mich deutlich dahinter zurück.
Profile Image for Aglaja.
146 reviews15 followers
September 13, 2026
Ein wichtiges, sehr gut geschriebenes Buch, das ich auch gebannt gelesen habe.

Für mich ist es aber irgendwie.. zu perfekt. Darf man das sagen?
Ich mag es fetziger, frecher, keine Ahnung.
Eine Verfilmung des Buches würde mich nicht wundern.
27 reviews7 followers
September 29, 2026
Nelka - Was für ein Buch. Was kann ein Mensch ertragen? Herzzerreißend geschrieben. Ein Jahreshighlight!
Profile Image for Aglaia.
26 reviews
July 11, 2026
Wunderschöne poetische Sprache, die neben dem so wichtigen Inhalt (Zwangsarbeit und Vertreibung in der NS-Zeit) dazu geführt haben, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Profile Image for Michelle Curie.
1,167 reviews481 followers
September 21, 2026
A poetic and intense novel that uses the power of fiction to illuminate the kind of life shockingly many Ukrainian and Polish forced labourers had to lead during World War II. It's a part of history I knew very little about and this book managed to both educate and involve me as a reader.



Nelka is the name of this novel's protagonist, who at one point in the story is a 16-year old girl abducted from Lviv in order to work at a North German estate. Taught by her father, she's got deep knowledge of growing apples, which sparks the interest of estate manager Marten. Before she knows it, she's trapped in a web of power imbalance and abusive obsession.

This is based on a real slice of history. Apparently, over 200.000 people were abducted by the Nazis to Northern Germany, which to me is an insane number. Svenja Leiber got the idea for this book from chasing up on the history of the apple trees in her hometown and while the story she came up with is fictional, there were probably many women like Nelka. The book actually begins with Nelka as a 60-something-year old woman, who returns to the place which has haunted her for so many decades. The additional time level adds an intensity, as it lets the story begin with us knowing that whatever is going to happen, is going to have severe and long-lasting effects on the people involved.

Leiber's writing style is sensitive, delicate and poignant. I really enjoyed how the story was written — there's something gentle in the language used and while it's atmospheric and vivid, it's always to the point. We watch what happens from a distance, but Leiber still manages to create a warm web of intimacy. With its mere 200 pages, this novel is a short one, but it still takes its time to illustrate the difficulty and ambiguity of power dynamics displayed. The way Marten's feelings towards Nelka are described were particularly interesting to me: he's undeniably abusive and violent, but his genuine fascination with the young woman is not as easy to categorise as his unforgivable actions are.

I also liked reading about female friendships, and the way the bond between Nelka and her "co-workers" (for the lack of a better word) strengthens over time. It's easy to see why they would stick together, but there's also care and a deeper understanding conveyed between them. I think having this dimension in here makes the book better as a whole as well, as it's not a mere perpetrator-victim story, but something much deeper and realer than that.
Profile Image for lea.
10 reviews
September 21, 2026
in dem buech gahts um es vergessenes thema, nämlich d gschicht vo unzählige fraue us osteuropa, wo während em nationalsozialismus als zwangsarbeiterinne nach dütschland verschleppt worde sind. d autorin verzellt im nachwort, dass sie erfahre het, dass de öpfelbaum in ihrem garte, damals vo französische zwangsarbeiterinne pflanzt worde sind. d’ landschafte vo hüt sind kontaminiert vo de gschicht. das het d‘autorin veranlasst, das buech z schriebe.

mir begleiten d protagonistin nelka, wo als zwangsarbeiterin nach dütschland verschleppt worde isch. s buech fangt demit ah, dass d nelka nach mehrere jahrzehnte nach de verschleppug de marten, de chef vom hof vo damals, mittels brief informiert, dass sie ihn bsueche wird. «Er hat keine Angst, sagt er sich. Sollte er? Vor ihr? Nach so vielen Jahren? Oder gerade deshalb? Über alles, wachst irgendwann irgendwas, Haut, Gras, Narben, Rinde.» (S. 9).


de vater vo de nelka isch pomologe gsi, also öpfelforscher. das wüsse het de nelka e sonderposition bim marten verschafft, denn er het mit mit ihrere expertise eh öpfelplantage errichtet, wo ihm bald sehr viel gwünn ibracht het. d nelka het dur die sonderbehandlig, aber viel schlimms erfahre müesse. immer meh erfahrt die lesendi person, was d’nelka alles erlebe het müesse uf dem hof. chraft git de nelka an de schön garte vo ihrere kindheit z’denke und mit ihren vater gmeinsam d’öpfel z’ernte.

was mir vom buech bliebe isch: s buech het so e sanfti sprach bi so meh schlimme thema. es het so viel schöni zitat im buech, wo irgendwie de ganzi schmerz vo de fraue die sprach und wort spiegelt. usserdem hani die verknüpfig us jahrzehntelangem schmerz und de natur würklich so guet gmacht gfunde.

mis lieblingszitat:
«Menschen sind darauf bedacht, ihre Untaten zu verwischen, Gonda, auch bei uns. Aber die Natur ist wahrhaftig. Die Natur», sagt Nelka, «spricht immer die Wahrheit. Sie erinnert, ohne dass wir sie dazu auffordern müssen. Nur Menschen sind vergesslich. Die Natur sehen bedeutet, sie zu lesen, auch wenn sie vom Tod handelt.» (S. 194)

das buech isch sehr schön gsi, wichtig und so sanft gsi, trotz dem thema. letztlich gaht das buech um d‘ entgültige gerechtigkeit und ob die überhaupt möglich isch. sehr wertvoll ischs nachwort vo de autorin gsi, in dem si uf das vergessene kapitel vo de gschicht hiwiist und generell kontext zu de gschicht git. darum isches für mich berechtigt, dass das buech uf de longlist für de dütschi buechpriis isch. ⭐️⭐️⭐️⭐️
Profile Image for Geli.
274 reviews12 followers
May 27, 2026
Bei hochgelobten Büchern bin ich eigentlich immer skeptisch. Dieses Buch wurde mir aber von einer Mitleserin aus meinem Lesekreis in die Hand gedrückt, die es sehr lesenswert fand. Da sie einen ähnlichen Geschmack wie ich habe, habe ich das Buch also mitgenommen.

Das Cover zeigt aufgeschnittene Äpfel, stellt einen schönen Zusammenhang zu Nelka und ihrem Vater her, der Experte für Äpfel in Lwow, bzw. dem heutigen Lwiw in der Ukraine war. Er hat Äpfel gezüchtet und veredelt und sein Wissen an seine Tochter weitergegeben. Dieses Wissen wird ihr das Überleben sichern, was damals noch niemand ahnen konnte.

Es ist 1941 und Nelka ist morgens in Lwow zum Brötchen holen unterwegs, als sie von den Deutschen auf der Straße aufgegriffen wird. Einfach so, weil die deutschen Besatzer das Recht dazu haben. Sie wird verschleppt und nach Norddeutschland gebracht mit anderen Frauen, die dort als Arbeitskräfte eingesetzt werden. Sie schlafen in Baracken, leiden unter Hunger und Kälte und der einzige Lichtblick ist, dass Nelka zwei andere Frauen kennengelernt hat, die ihr zu Freundinnen werden.

Nelka fällt dem Verwalter des Gutshofs auf, was Glück und Unglück zugleich bedeutet. Wir begleiten sie durch die Jahre des Kriegs, durch ihr Leid und durch schlimme Momente, aber auch durch Zusammenhalt und Freundschaft, die sie über die Zeit tragen.

Jahre später taucht Nelka auf dem Gutshof auf und stellt sich dem Verwalter gegenüber, der durch ihr Wissen und ihre Kenntnisse nach dem Krieg reich wurde. Sie hat die Erinnerungen an ihn nie überwinden können. Er dagegen wurde nie belangt und hat sein Fähnchen immer wieder neu ausgerichtet. Bis ihm Nelka gegenüber steht.

ich habe wirklich mit Nelka mitgelitten, mich für die Deutschen geschämt, die diese Untaten begangen haben und mich gefreut, wenn es Momente gab, die zu Hoffnung und Freude führten. Wie geht man mit solchen Erinnerungen um? Wie mit der Schuld als Täter oder Mitläufer?

Die Sprache ist anschaulich und ich war mitten im Geschehen auf diesem Hof. Auf nur 200 Seiten wird ein ganzes Menschenleben geschildert, mitreißend und bedrückend, ich habe den Roman wirklich verschlungen.

Mein Monatshighlight, sehr empfehlenswert.
Profile Image for Carmen Schäfmann.
20 reviews
September 10, 2026
ich has gern glese und au spannend gfunde. es het mich gliichziitig noed meega packt und s endi het glaubs fette plotwist sölle sii, aber han de chli „guete morge“ gfunde. gschriebe hanichs sehr cool gfunde wills viel beschriebige het und mer sich alles sehr guet chan vorstelle.
Profile Image for thrays.
55 reviews24 followers
September 15, 2026
tml es zu sagen aber man hätte die geschichte auch in 50 seiten erzählen können :-(
3 reviews1 follower
May 26, 2026
Grandioses Buch, welches mit ruhiger Sprache eine unfassbare emotionale und inhaltliche Tiefe entfaltet. Das Buch richtet den Fokus auf ein zu wenig aufgearbeitetes Thema der NS-Zeit während die Protagonist*innen nachvollziehbar handeln und ihre Umwelt authentisch dargestellt wird. Absolut empfehlenswert.
Profile Image for Magnolia .
717 reviews3 followers
October 11, 2026
Zwangsarbeit in Zeiten des Nationalsozialismus

Nach Jahrzehnten treibt es sie zurück auf den Gutshof in Norddeutschland. 1941 wurde sie als 16jährige aus dem damals polnischen Lemberg hierher verschleppt, um Zwangsarbeit zu leisten. NELKA.

Der Roman beginnt mit dem Brief, den Marten, der damalige Gutsverwalter, heute in Händen hält. Nelka teilt ihm ihr Kommen mit. Er erinnert sich an sie und auch an die Apfelbäume, die sie für ihn veredelt hat und an noch so einiges mehr. In dieses Gegenwärtige fließen das Vergangene, also ihre Kindheit und Jugend bis zu ihrer Verschleppung, gekonnt ineinander. Bis dann der Fokus auf den Jahren der Zwangsarbeit liegt.

Svenja Leiber erzählt hier speziell von den Frauen, die als Arbeitssklavinnen nach Nazideutschland deportiert wurden. Erzählt über brutale Gewalt und Ausbeutung bis hin zu Missbrauch und Abhängigkeiten. Und das in einer ruhigen Sprache ohne Effekthascherei. Ein Stück unserer unrühmlichen Vergangenheit wird hier klar dargeboten mit Nelka als Hauptfigur. Ihr Leidensweg und auch der ihrer Leidensgenossinnen werden unaufgeregt nachgezeichnet. Es entsteht ein bedrückendes Bild dieser Jahre in einer geradezu poetischen, ja einer eindringlichen Erzählweise, der ich gebannt gefolgt bin.

In ihrem Nachwort greift die Autorin dieses Thema nochmal auf. 20 Millionen Menschen mussten für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit mit all den damit einhergehenden Grausamkeiten erleiden. Der Roman ist fiktiv, die Zwangsarbeiter waren es nicht. Ein Roman, eine Erzählung, die mich so schnell nicht loslässt.
Profile Image for Sarah.
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April 14, 2026
"Über alles wächst irgendwann irgendwas, Haut, Gras, Narben, Rinde."

"Und da ist es wieder, kommt wie eine Welle auf ihn zu, kommt über ihn, brausend, schrecklich. Er fühlt ein rauschendes Verlangen, bemerkt nicht, wie sein Kiefer arbeitet, als widersetzte der Körper sich diesen Gefühlen, als wüsste er die Wahrheit, die er seit Jahren unterdrückt hat, so sehr, dass eine Klärung unmöglich scheint und sich die Muskeln unter dieser Spannung verkrampfen. Es ist auch kein direktes Verlangen des Körpers, vielmehr ein körperloses, fast untotes Verlangen nach etwas, das nicht benennbar ist. Etwas, das aus allen Erzählungen getilgt und mit der Zeit tatsächlich verblasst war. Diese Lücke, die sich irgendwann scheinbar geschlossen hatte, jetzt reißt sie auf. Wie eine billige Naht. Darunter kommt das Fleisch der Geschichte zum Vorschein, roh und zart. Es kommt
hervor. Das Fleisch kehrt zu ihm zurück."

"Sie hatte etwas länger stillgehalten, als es nötig gewesen wäre. Als hinge sie an dem Moment, wie man an einem Gedanken hängen kann."

"Und für jedes Stück bekam sie einen Wunsch zurück: »Keinen Fußbreit Boden deines Herzens an die Falschen«, sagten sie."

"Wer kann denn, denkt sie, mit Sicherheit wissen, ob das Ende einer Reise noch innerhalb der eigenen Lebenszeit liegen wird."

"Nelka betrachtet das versilberte Besteck, die Gabel mit den langen Zinken, das Messer, den Dessertlöffel, die Kuchengabel. Sie denkt den Abend am Besteck entlang."

"Da ist also das Heimweh. Sie war nie fort, sie hat es nicht gekannt, wie es einen biegt und drückt und schwer macht. Jetzt ist es da und geht nicht mehr."
Profile Image for Ellinor.
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September 15, 2026
Ich finde es immer spannend, Bücher zu Themen zu lesen, zu denen ich mir bisher keine oder nur wenige Gedanken gemacht habe. Zu diesen Themen gehört leider auch Zwangsarbeit während des NS-Regimes. Nelka behandelt genau dieses Gebiet.
Nelka ist gerade einmal sechzehn, als sie in Lemberg auf der Straße aufgegriffen und nach Deutschland verschleppt wird. Mit vielen anderen - hauptsächlich Frauen, die das gleiche Schicksal erleiden - landet sie auf einem Gut in Schleswig-Holstein. Mekkas Glück im Unglück ist es, dass in den Wirren des Krieges ihre jüdische Identität unbemerkt bleibt, wodurch ihr weitaus schlimmeres verschont bleibt. Auf dem Gut wird sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Der Verwalter wirft jedoch ein Auge auf sie und holt sie als persönliche Bedienstete ins Haus. Er merkt bald, dass Nelka ungemein viel von Apfelbäumen versteht und lässt sich von ihr alles zeigen. Jahre später kehrt Nelka zurück, um endlich mit ihrer Vergangenheit aufzuräumen.
Nelka war nicht nur durch diese andere Perspektive interessant zu lesen, auch die unterschiedlichen Figuren wuchsen mir schnell ans Herz. Besonders die drei Protagonistinnen sind wahnsinnig starke Frauen, die auch unter den widrigsten Umständen die Hoffnung nicht aufgeben.
Das Buch lässt sich erstaunlich gut lesen. Nicht alles wird auserzählt, vieles muss auch zwischen den Zeilen gelesen werden. Gerade das gefiel mir besonders gut, denn es verstärkte gleichzeitig die Emotionen.
Nelka ist ein besonderes Buch und wurde zurecht für den Deutschen Buchpreis nominiert.
Profile Image for Marie.
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August 31, 2026
Joa.. das Positive am Buch ist für mich, dass es relativ kurz und ich wissen wollte,was vorgefallen ist. Deshalb ich es zuende gelesen. Manchmal habe ich ein bisschen den Überblick zwischen den Zeitsprüngen verloren.
Dieser Einblick in die Lebensrealität von Frauen während und nach dem Krieg ist erschütternd. Dennoch verstehe ich nicht, wieso es auf der Longlist für den deutschen Buchpreis steht.
Profile Image for Anne.
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July 15, 2026
Ich hab ein bisschen gebraucht um reinzukommen aber dann ist es ein tolles Buch!
Profile Image for Britta Böhler.
Author 8 books2,056 followers
August 30, 2026
Dieses Buch zeigt sehr anschaulich, dass aus einem wichtigen Thema und einer 'wahren Geschichte' eben nicht automatisch ein guter Roman wird. Flüßig erzählt, ja, aber das reicht halt nicht. Schade.
Profile Image for Clara.
3 reviews1 follower
May 27, 2026
Hab Tränen vor Rührung und Tränen vor Wut runtergeschluckt
Wahnsinnig schön und wahnsinnig schlimm
Profile Image for Fiona.
196 reviews74 followers
May 21, 2026
Nelka ist 16 Jahre alt, als sie von den Nazis aus ihrem Heimatland Polen verschleppt und auf einen norddeutschen Hof gebracht wird. Dort muss sie gemeinsam mit anderen Frauen und Mädchen Zwangsarbeit verrichten – und das unter unmenschlichen Bedingungen: physische und sexuelle Gewalt, Hunger, Kälte und die ständige Angst vor Bestrafungen oder gar dem Tod bestimmen von nun an ihr Leben. Als der Verwalter des Hofes herausfindet, wie viel Nelka durch ihren Vater über den Anbau von Apfelbäumen gelernt hat, macht er sich das Mädchen und ihr Wissen zu Nutze. Jahre später kehrt Nelka nun auf den Hof zurück, wo auch der Verwalter nach wie vor lebt. Nur so kann sie ihre Vergangenheit endlich loslassen.

Nelkas Geschichte hat mich von Seite eins an wahnsinnig gefesselt und bewegt. Das Buch behandelt ein sehr düsteres und oft verschwiegenes Kapitel der Vergangenheit. Es ist die tieftraurige und (leider) wahre Realität, mit der Svenja Leiber an die Opfer der NS-Zeit erinnert. Sie schreibt klar und schnörkellos, trotzdem baut das Buch von Anfang an einen Spannungsbogen auf, der sich bis zum Ende hält. Und trotz der sehr harten und unschönen Passagen, gibt es auch wunderschöne Momente. Insgesamt zwar kein leichtes, aber ein unfassbar tolles & so wichtiges Stück Erinnerungsliteratur, das traurig und zugleich hoffnungsvoll macht. Unbedingte Lese-Empfehlung!
Profile Image for Kirsten.
3,523 reviews16 followers
June 21, 2026
Im Alter reist Nelka wieder nach Norddeutschland. Sie kehrt zurück an den Ort, an dem sie als Zwangsarbeiterin jahrelang arbeiten musste. Ihr Wissen bei der Veredlung von Apfelbäumen hat dem Gutsherrn während des Kriegs gute Dienste geleistet und ihm danach zu seinem Vermögen verholfen. Sie will Marten damit konfrontieren, wie sehr er von ihr profitiert hat.

Nelkas Vater hat ihr schon früh beigebracht, mit Apfelbäumen zu arbeiten. Dieses Wissen hat ihr das Leben gerettet. Es hat ihre eine Sonderstellung auf dem Hof verschafft, die sie von der ganz schweren Arbeit teilweise ausgeschlossen, aber auch die Aufmerksamkeit des Gutsherrn auf sie gelenkt hat

Die Selbstverständlichkeit, wie Nelka von der Straße gesammelt und mit zahlreichen anderen Frauen nach Deutschland gebracht wurde, ist erschreckend. Noch schlimmer fand ich den Umgang mit den Frauen und Männern auf dem Gut. Sie waren nur so viel wert, wie sie arbeiten konnten. Die deutschen Herren konnten über sie in jeder Lebenslage verfügen und haben das auch getan.

Svenja Leiber erzählt eine bedrückende Geschichte, aber sie hat mich nicht so berühren können, wie ich das vom Klappentext her erwartet habe. Dafür waren mir die Charaktere zu flach.
Profile Image for Inge H..
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August 20, 2026
Zwangsarbeit

Svenja Leiber schreibt in ihrem Roman „Nelka“ über Zwangsarbeiter in der Nazizeit. In der norddeutschen Heimat der Autorin gab es einen Apfelbaum, den die Zwangsarbeiter noch gepflanzt haben.

Schon aus anderen Romanen kenne ich diese schlimmen Zeiten. Außerdem kannte ich eine Frau aus Polen, die nach Deutschland deportiert worden war.
Das Ganze ist schon schwer, aber als sie in die Heimat zurückkamen, wurden sie auch noch diskretisiert.

Die Autorin beschreibt die Lage der Frauen aus Lemberg, die in ein Gut in Norddeutschland kamen, sehr detailliert und genau.
Die Autorin versteht es gut, mit diesem Thema, den Leser in ihren Bann zu ziehen.
Es ist ein perfekt konstruierter Roman, den ich gerne weiter empfehle.

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