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Nelka

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Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.

200 pages, Hardcover

Published February 18, 2026

10 people are currently reading
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About the author

Svenja Leiber

7 books5 followers
She grew up in nothern Germany. In 2005 she plubished Büchsenlicht (a short story collection) and in 2010, the novel Schipino. In 2014 she published Das Letze Land with great welcome criticism and consecrated as one of the most significant authors of German literature. It has several awards, including the Werner Bergengruen.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Sandra.
213 reviews55 followers
March 13, 2026
Nelka wird im Jahr 1941 von den Deutschen aus ihrem polnischen Heimatort verschleppt und zur Zwangsarbeiterin auf einem Gutshof in Deutschland gemacht. Auf Grund ihrer Jugend, Schönheit und insbesondere ihrer tiefgehenden Kenntnisse zum Apfelbaumanbau, erregt sie die unerwünschte Aufmerksamkeit des Gutsverwalters. Einige Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort und zu dem Gutsverwalter zurück, um sich den Dämonen ihrer Vergangenheit zu stellen.

Das Buch ist sehr melancholisch, sowohl im Ton als auch im Inhalt. Nelkas Schicksal, als junges 16-Jähriges Mädchen im Krieg, wird sehr eindringlich beschrieben. Die Lesenden bekommen anhand von fiktiven Einzelschicksalen ein umfassendes Bild vom Leid, das vielen, völlig unschuldigen, wehrlosen Menschen widerfahren ist. 

Insbesondere depremierend ist das Gefühl von grenzenloser Ungerechtigkeit, das wir bei der Lektüre aushalten müssen. Befriedigend sind ja nun mal Geschichten, in denen die "bösen" am Ende bekommen, was sie verdienen und bestraft werden. Diese Geschichte ist realitätsnah gehalten, so dass das befriedigende Gefühl uns natürlich versagt bleibt. Stattdessen wird uns gezeigt, wie Menschen am Ende von ihren rücksichtslosen, teilweise unmenschlichen Verhaltensweisen, profitieren und immer wieder profitieren.

Ein gutes Buch, das ein Schlaglicht auf diesen, nicht oft thematisierten, Teil der Geschichte wirft.
Profile Image for Dunja Brala.
637 reviews55 followers
March 12, 2026
Geschätzte 20 Millionen Zwangsarbeiter wurden während des dritten Reich in Deutschland als Arbeitskräfte missbraucht. Wie Sklaven wurden sie gehalten und behandelt. Gelesen habe ich darüber in der Vergangenheit nur peripher. Svenja Leiber widmet sich diesem dunklen Fleck unserer gemeinsamen Geschichte.

Nelka reist zurück an den Ort, der sie körperlich und psychisch viel Kraft gekostet hat. Als 15-jährige wird sie aus Lemberg verschleppt und landet auf einem Gutshof in Norddeutschland. Dort muss sie mit anderen Menschen schwerste Arbeiten verrichten und trägt somit unfreiwillig dazu bei, dass das deutsche Volk gut mit Lebensmitteln versorgt wird. Ein engerer Kontakt zu den „Herrenmenschen“ ist nicht erlaubt. Das schert besonders die Männer in höheren Positionen nicht. Sie missbrauchen die Frauen für einen Becher Sahne. Lehnt sich jemand gegen die schwere Arbeit oder die übergriffigen Handlungen auf, so wird man hart bestraft.

Nelka wechselt in das Haus des Verwalters und übernimmt Dienstbotentätigkeiten. Als sie eine Schale mit Äpfeln sieht, ruft das ihre Erinnerungen an zu Hause wach, denn ihr Vater war ein Bekannter Experte für die Veredelung von Sorten. Als Marten dies bekannt wird, verpflichtet er sie, ihr Know-how an ihn weiterzugeben. Auf diesem Wissen fußt sein späterer Reichtum.
Jahrzehnte später stehen sich die beiden wieder gegenüber.

Svenja Leiber hat dieses Buch mit einer ganz besondere Stimmung ausgestattet. Es wirkt in seiner Grausamkeit ruhig und sanft erzählt. Dabei wühlte es mich ziemlich auf, denn die Willkür mit der Menschen hier benutzt wurden ist nur schwer auszuhalten. Um diese Intensität herzustellen, muss nicht alles ausgeschrieben werden. Svenja Leiber hat es hervorragend geschafft Worte wegzulassen und trotzdem alles zu sagen. Das betrifft insbesondere die Gefühle der Protagonisten. Nelkas Blick auf die Vergangenheit bekommt mit ihrer Reise eine andere Kraft. Besonders gut, finde ich dargestellt, wie sie sich gegen die Erinnerung wehrt und sie gleichzeitig zum Überleben braucht. Einmal mehr wird deutlich, dass es hier nicht ausschließlich um das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten und deren Auswirkungen geht, sondern um die Macht von Männern, die sich nehmen, was sie wollen.

Die Beschreibung von Apfelsorten, deren Aussehen und Geruch hat etwas sehr sinnliches. Der Roman berührt literarisch nicht nur meinen Kopf und mein Herz, sondern spricht auch meine fünf Sinne an. Die literarisch hochwertige Arbeit von Svenja Leiber ist in all dem schrecklichen voll Poesie und trotzdem leicht zugänglich.

Ein stilles und gleichzeitig kraftvolles Buch, das zeigt, wie man Menschen bricht und gleichzeitig überlebt. Ich empfehle es allen, die auf der Suche nach Literatur sind, die eine Zeit widerspiegelt, die niemals wiederkommen darf und die gleichzeitig in dieser eine neue Perspektive verfolgen möchten.
Profile Image for Johanna Berger.
135 reviews5 followers
February 28, 2026
Großartig erzählt. Oft schlimme, herzerschütternde Bilder und Szenen, manchmal nur in Andeutungen. Ein Denkmal für die Frauen, die während des Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeit verrichten mussten.
Als alte Frau reist Nelka aus der Ukraine zurück auf den norddeutschen Gutshof, auf den sie verschleppt wurde. Sie trifft dort nur noch auf den Verwalter von damals:
„In diesem Moment trifft ihn Nelkas Blick. Auch wenn sie schweigt, ist ihm, als antwortete sie doch auf seine Frage, warum sie hergekommen ist: nicht um deinetwillen.“
Sie muss sich erinnern, um die Bilder, die sie verfolgen, auf diese Weise zu bannen. Er muss sich erinnern, damit Nelka das Erlebte zurücklassen kann.
Damals, als Lemberg gerade polnisch ist, lebt sie zusammen mit ihrem deutschstämmigen Vater und der jüdischen Mutter in der Vielvölkerstadt Lemberg. Der Vater, ein Apfelforscher, bringt der Tochter alles bei, was er über Äpfel und Apfelbäume weiß – auf deutsch.
Mit sechzehn Jahren wird sie mit tausenden anderen zur Zwangsarbeit auf ein Gut in Schleswig-Holstein verschleppen, wo sie das Grauen erlebt. Die Mädchen und Frauen aus den besetzten Gebieten sind Nutzobjekte. Mehr nicht. Nelka muss sich unter Schmerzen der Macht annähern, um andere zu schützen. „Er kann sie nicht haben, aber er kann sie gebrauchen.“ Besonders für die neue Idee, die er verfolgt, nachdem Nelka ihr pomologisches Wissen preisgegeben hat. (Nach dem Krieg wird er mit einer Apfelplantage reich.)
Svenja Leiber erzählt von der Rückkehr Nelkas und den Erinnerungen, die dabei aufflammen. Sie erzählt auch von dem Mann, der im Zentrum des Grauens stand, dem Verwalter Marten. Die Erzählstränge wechseln sich ab: Da ist das Mädchen, das gerade die erste Liebe erlebt hat und das Böse der Gegenwart mit ihren Erinnerungen an den geliebten Yasha verdrängt – bis auch diese Erinnerung ausgelöscht ist. Da ist auch der Verwalter, durchdrungen von der Ideologie der Herrenrasse und dem Gefühl, Macht über so viele Menschen zu besitzen. Alles verbrämt von der Notwendigkeit, das Land mit seinem Hof zu ernähren.
Als Nelka lange nach dem Krieg vor seiner Tür steht, denkt er wie so viele Deutsche: „Aber es gibt Dinge und Zeiten, in denen soll man nicht herumwühlen. Die sind Vergangenheit.“ Dennoch wühlt die Erinnerung auch in ihm und bereitet ihm Schmerzen. Von der Erkenntnis der eigenen Schuld ist er aber weit entfernt.
Ein Roman über die lebenswichtige Bedeutung von Erinnerung, aber auch über Mut, weibliche Solidarität, Freundschaft und Liebe.
Ein Lese-Highlight, vor allem auch wegen der feinfühligen Sprache, in der Svenja Leiber vom Schrecklichen erzählt.
Mehr auf www.kultursalon.blog
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