Jump to ratings and reviews
Rate this book

LAHEA

Rate this book
Ebria ist eine Insel – fern unserer Zeit und doch erschreckend nah. Als ein toter Wal, begraben unter Plastikmüll, an die Küste von Ipane gespült wird, nehmen sich die Bewohner:innen nur, was sie brauchen – nie mehr, als ihnen zusteht. Sie leben im Gleichgewicht mit der Natur und in einer Gesellschaft, die Gier und Herrschaft hinter sich gelassen hat, wohlwissend, wie fragil dieses Gleichgewicht ist. Lahea, Tochter der Dorfvorsteherin, soll bald selbst dieses Amt übernehmen. Wie es das Abkommen verlangt, verlässt sie ihr Zuhause, ihre Tochter und ihre beiden Partner und bricht zu einer Reise über Ebria auf. Was als Erkundung beginnt, wird schnell zur Konfrontation: mit verdrängten Wahrheiten, mit Rissen im Fundament des Miteinanders – und mit einem Übergriff, der sie an die Grenzen von Macht und Ohnmacht bringt. Denn tief in den Höhlen wächst eine Bewegung, die alles infrage stellt, wofür Ebria steht. Als Lahea deren Spuren folgt, gerät sie in einen Sog aus Verrat, Rebellion und gefährlicher Sehnsucht nach alter Macht. Sie muss entscheiden, wie viel sie zu riskieren bereit ist: für Freiheit, für Gemeinschaft und für sich selbst. Mit eindringlicher Sprache erzählt Lisa-Viktoria Niederberger in ihrem ersten Roman von einer Welt zwischen archaischem Tun und fortschrittlicher Vision, von einer Gesellschaft zwischen Fürsorge und Verrat – und davon, wie weit eine Gemeinschaft gehen darf, wenn sie der Gewalt standhalten will, ohne selbst gewalttätig zu werden. Das Porträt einer Gesellschaft, die alles anders machen will und an ihren Widersprüchen wächst. Feministische Perspektiven, ökologische Fragen und solidarische Lebensentwürfe – eindrucksvoll, visionär und poetisch erzählt. Für Leser:innen, die mehr wollen: Fürsorge, Zusammenhalt und neue Familienformen statt alter Rollenbilder.

370 pages, Hardcover

Published March 5, 2026

Loading...
Loading...

About the author

Lisa-Viktoria Niederberger

7 books2 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
21 (46%)
4 stars
17 (37%)
3 stars
5 (11%)
2 stars
2 (4%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Svea.
89 reviews
June 12, 2026
Im Roman wird das Bild einer Gesellschaft entworfen, die sowohl Rollenbilder überwunden hat als auch nachhaltig mit der Natur umgeht und lebt. Die Charaktere gefallen mir gut und die Grundstory auch! An manchen Stellen sind mir die Zusammentreffen der Figuren zu konstruiert, zu "zufällig". Es hat aber total viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen - insbesondere weil es im letzten Drittel nochmal spannend und interessanter wurde.
Profile Image for kristinaliest.
759 reviews12 followers
March 5, 2026
Gestern hatte ich die wunderbare Gelegenheit, bei einem Blogger:innen-Event zum Roman „LAHEA“ dabei zu sein. Neben spannenden Einblicken in die Geschichte selbst war es besonders interessant, mehr über den Entstehungsprozess des Buches zu erfahren, wie sich Ideen entwickeln, verändern und teilweise wieder verworfen wurden. „LAHEA“ hat eine atmosphärische Erzählweise. Die Welt wirkt lebendig und durchdacht, das Worldbuilding ist detailreich, ohne überladen zu sein. Man spürt beim Lesen, wie viel Feingefühl in die Gestaltung dieser Welt geflossen ist.
Besonders schön fand ich, wie wichtige Themen, wie beispielsweise Zyklusernährung ganz selbstverständlich in die Handlung integriert werden. Sie stehen nicht belehrend im Vordergrund und werden nicht künstlich aufgebauscht, sondern sind Teil der Geschichte und unterbrechen nicht den Lesefluss. Ich persönlich hätte mir mehr Details zur Außenwelt gewünscht, kann aber durch das Event gut nachvollziehen, dass aus Sorge vor Logikfehlern darauf verzichtet wurde, mehr darüber zu erzählen.
148 reviews
May 15, 2026
Dieser Roman überzeugt vor allem durch seine kluge und faszinierende Grundidee: eine Gesellschaft, die versucht, Gleichheit und ein Leben im Einklang mit der Natur zu verwirklichen – und dabei dennoch an ihre eigenen Grenzen stößt. Gerade dieser Widerspruch macht die Geschichte besonders spannend und aktuell.

Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und gewinnen zusätzlich an Tiefe durch die wechselnden Perspektiven. Dass die Handlung immer wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wird, sorgt dafür, dass man die Entwicklungen differenziert wahrnimmt und sich gut in die Figuren hineinversetzen kann.

Besonders interessant ist der Gedanke, dass selbst in einer Welt, die bewusst mit alten Machtstrukturen brechen will, neue Ungleichheiten entstehen können. Die Bevorzugung von Frauen wirkt dabei wie ein verständlicher Reflex auf vergangene Unterdrückung – zeigt aber gleichzeitig, wie schwierig es ist, echte Gleichberechtigung zu schaffen.

Der Schreibstil ist flüssig und ermöglicht einen leichten Zugang, während die emotionalen Momente durchaus Wirkung entfalten. Gerade zu Beginn trifft es einen, wenn die scheinbar heile Welt erste Risse bekommt – auch wenn man insgeheim weiß, dass genau das passieren muss, damit die Geschichte sich entfalten kann.

Insgesamt ein durchdachter, vielschichtiger Roman, der gesellschaftliche Fragen spannend verpackt und zum Nachdenken anregt.
Profile Image for Callibso.
1,062 reviews20 followers
October 8, 2026
Ein sehr schön gestaltetes Hardcover mit einer Karte der Insel Ebria. Jeder Kapitelanfang wird durch eine kleine Vignette verschönert und diese wechseln und passen sogar thematisch zur Handlung.

Lahea lebt mit ihren beiden Partnern Ilyas und Enian in einem von mehreren Dörfern auf der Insel Ebria. Sie lebt in einer Welt nach der Klimakatastrophe, nach der “Emergentia”, über die wir allerdings nie viel erfahren. Details dazu, wie die Welt in den beschriebenen Zustand gekommen ist und auch, wie die Außenwelt aussieht, bekommen wir nicht. Das Buch konzentriert sich ganz auf den abgeschlossenen Raum der Insel. Es schildert eine utopische von Frauen geführte Gesellschaft auf Ebria. Weder zeitlich noch räumlich ist die Handlung genau positioniert.
Der Roman setzt sich in einem sehr guten, poetischen Stil mit der Frage auseinander, wie wir anders als heute zusammen leben könnten - insbesondere wie wir ressourcenschonender und nicht so natur-ausbeuterisch leben könnten, solidarischer und gewaltfreier. Dabei verheimlicht er aber Probleme nicht.

Die Handlung beginnt damit, dass vor der Insel ein toter Wal angespült wird, der nun von der Dorfgemeinschaft auseinandergenommen wird. Nicht als Nahrung, sondern zur anderweitigen Verwertung, denn alle ernähren sich vegetarisch. In der Nacht wird Lahea von Geräuschen wach und hilft schließlich Sakura bei der Geburt ihres Kindes.
Gerade am Anfang gibt es viele Beschreibungen alltäglichen Lebens, wie Nahrung erzeugt wird, wie und wie viel gearbeitet wird, wie die Aufgaben verteilt sind. Das ist gut, damit wir diese neue Gesellschaft verstehen, ist aber auch etwas langatmig. Erwähnt sei auch eine Begräbniszeremonie: Sie lassen dabei den Leichnam durch Zugabe von Bakterien beschleunigt verwesen, die Erde wird verteilt. In der Totenrede heißt: “... es uns überwiegend gelungen ist, genau jene freie, solidarische und im Einklang mit unserer Umwelt lebende Gesellschaft zu verwirklichen…”(S. 55). Am Ende der schönen Zeremonie gibt Lahea ihre Nominierung als Nachfolgerin ihrer Mutter im Amt der Dorfvorsteherin bekannt. Leben im Kollektiv, Solidargemeinschaft, der Versuch, im Einklang mit der Natur zu bleiben, bewahren, ohne Patriarchat - das sind die Grundgedanken der neuen Gesellschaft. Laheas meint aber, dass sie inzwischen schon weiter sind und einige Regeln hinter sich lassen könnten, wie z.B. die, dass der Dorfvorstand nur mit Frauen besetzt wird.
Die Wahl zur Dorfvorsteherin ist eher symbolisch und nicht besonders demokratisch:sie findet ohne Gegenkandidatin und auch nicht geheim statt, etwas, dass Lahea auch nicht gefällt. Als Dorfvorsitzende muss sie nun in eine andere Stadt wandern und sich dem dort residierenden Ältestenrat, der nur aus Frauen besteht, vorstellen. Auf dem Weg dorthin wird sie vergewaltigt. Wie sehr dieses traumatische Erlebnis sie beschäftigt, wird gut geschildert.

Zusammen mit Flora soll Lahea als Dorfvorsteherin im Auftrag des Ältestenrats die Insel kennenlernen. Sie wandern von einem Dorf zum nächsten, Lahea spricht mit den Menschen, hört ihre Verbesserungsvorschläge und bemerkt auch deren Unzufriedenheit. Dabei stellt sich heraus, dass es ein großes Geheimnis gibt, das Lahea persönlich direkt betrifft und sie in einen Zwiespalt bringt: Es gibt offensichtlich Gewalt in dieser utopischen Gesellschaft. Gewalt, die von Unzufriedenen ausgeht und dabei meistens - aber nicht nur - von Männern. Auf der anderen Seite ist sie nicht zufrieden damit, wie der Ältestenrat mit dem Problem umgeht. Sie sagt: “Probleme löst nicht, wer jene, die sie verursacht haben, einfach wegsperrt." Im Dorf Barra, (“Barra ist der perfekte Ort, um zusammen allein zu sein”(S. 164)), in dem nur Frauen leben, kommen Lahea und Flora sich näher und Flora erklärt Lahea, dass sie asexuell ist.
Der Konflikt über die Art und Weise, wie die Gesellschaft sich weiter entwickeln soll, eskaliert und im letzten Drittel wird das Buch spannend..

Mir hat das Buch gut gefallen, ich sehe aber auch einige Defizite: Gerade den ersten Teil, also die Beschreibung der Welt, fand ich etwas langweilig, zu harmonisch und konfliktfrei. Dies wird insbesondere im letzten Drittel besser. Die Auflösung hat mich aber nicht ganz überzeugt, das ging irgendwie doch viel zu einfach…
Im Weltenbau gab es mir zu wenig Hinweise dazu, wie diese Welt entstanden ist.

P.S. Mir fallen zwei Texte ein, die diese feministische Utopie beeinflusst haben könnten, beide von Ursula K. LeGuin: Die Wanderung von Lahea und Flora erinnerte mich an “The left hand of darkness” und die Frage, ob eine Utopie nur funktioniert, wenn einige Menschen (ein Mensch) leidet, wird in “The ones who walked away from Omelas” thematisiert.
Profile Image for Silvio Weitzl.
153 reviews
March 23, 2026
Die beste aller möglichen Welten oder Ahabs weisser Wal?

Lisa-Viktoria Niederberger erschafft eine vorzeigbare Version des Terminus „Idylle“ und bringt diese im Laufe der Erzählung, wie ein Kartenhaus im Wind, mit Vorsatz ins Wanken. Immer wieder schwenkt sie das Scheinwerferlicht auf moralische Defizite der Menschheit und bietet mögliche Alternativen zum heutigen Miteinander. In moderne und geistreiche literarische Tracht gehüllt und mit hollywoodreifen Actionszenen gewürzt, bringt dieser utopisch/dystopische und feministische Inselroman willkommene Abwechslung auf die belletristische Speisekarte Österreichs.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews