Sophie steckt fest – im Hamsterrad aus Studium und Leistung, in einem sterbenslanweiligen Praktikum. Dabei sind sich alle aus ihr wird mal was. Nur was, das weiß selbst Sophie nicht. Und so folgt sie einem Impuls und kauft per Klick im Internet für einen Spottbetrag ein altes, verfallenes Haus in der ostdeutschen Provinz. Doch die Renovierungsarbeiten stellen sich als schwieriger heraus als auf YouTube dargestellt. Und was macht man mit den langen Stunden der Stille zwischen den Tagen? Dort, wo nur weite Felder und flirrendes Licht sind, beginnt Sophie endlich, die Erwartungen anderer abzustreifen und sich zu Was will ich eigentlich? Und warum?
Jaa also irgendwie auf jeden Fall ein moody Read, ne leichte Lektüre für den Sommer, aber irgendwie so oder so ähnlich schon oft gelesen. Hat mich nicht überrascht sondern war für mich vorhersehbar & irgendwie teilweise unrealistisch. Das Placement in Ostdeutschland nicht genug reflektiert. Habe mich gefragt if I‘m too old for it und einfach nicht mehr Zielgruppe, vielleicht hätte es mir mit 23-24 mehr gegeben :)
"Statt aus dem Fenster zu schauen" war eine dieser Neuerscheinungen, die ich mir bei der Programmvorschau letztes Jahr markiert, abgespeichert und sehnlichst hingefiebert habe, dass sie endlich erscheint. Nun nachdem das Buch erschienen und ich es an diesem langen Osterwochenende gelesen habe, kann ich bestätigen: es ist eines der besten Bücher, die ich in meinem ganzem Leben je gelesen habe.
Das Cover lädt bereits dazu ein, es sich auf einer alten Gartenbank mit einem Kaffee und Stück Kuchen gemütlich zu machen. Der Frühling ist da und damit auch der Debütroman von Anna Katharina Scheidemantel, die uns in ihrem Werk auf Sophie's Reise vom ersten Eigenheim mitnimmt. "Wie schön!" denken sich jetzt vielleicht einige, aber ganz so einfach ist es nicht. Schließlich erwirbt Sophie ihr erstes Haus eher in einer Nebel und Nachtaktion auf Kleinanzeigen für knappe 3000€ und das eigentlich nur, weil sie in ihrem Bürojob aus dem Fenster schaut, während sie Exceltabellen bearbeitet und dabei nur daran denken kann, wie es wäre, wenn sie auf der anderen Seite des Fenster leben würde. Würde sie freier sein? Glücklicher? Lebendiger? Und so beginnt ihre Reise. Sie packt buchstäblich ihre sieben Sachen, steigt zuerst in den ICE, dann in die Regio und läuft irgendwann mit ihrem Fahrrad die Landstraße entlang, zu ihrem neuen zu Hause. Oder zumindest zu dem Ort, an dem sie ein neues zu Hause erschaffen möchte.
"Die Landschaft bäumt sich zu Hügeln auf, ertrinkt in dunklen Wäldern, windet sich dramatisch um Flüsse und steigert sich bis in ein Mittelgebirge, bis sie sich im tiefblauen Dämmerlicht wieder flach zur Ruhe legt, ein Teppich aus Indigo, durchwebt mit den Perlen leuchtender Fenster."
Ich habe Sophie's Impulsivität und Mut von Anfang bewundert und auch befürwortet. Wann kriegt man schon mal ein ganz gut erhaltenes Haus zum Spottpreis von drei Riesen? Im Leben muss man auch mal was wagen, gegen den Strom schwimmen und Dinge für sich tun, von denen keine Menschenseele etwas weiß. Das ist das pure Leben und Sophie entscheidet sich genau dafür - einfach mal in's kalte Wasser springen und schauen was passiert.
"Vielleicht dachte ich das auch mal. Aber alles, was ich bisher gemacht habe, war irgendwie nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Irgendwie habe ich mich immer gefragt, wann der Teil kommt, bei dem ich wirklich mal das Gefühl habe, einen Unterschied zu machen. Für irgendwas. Muss ja nicht mal die Welt retten sein. Ich dachte immer, das kommt nach der nächsten Ecke. Aber es kam nie, weißt du?"
Oscar Wilde sagte eins "Zu leben ist das Seltenste auf der Welt. Die meisten Menschen existieren nur." und es scheint als würde Sophie genau dieses Zitat auf vollste Art und Weise ausleben. In einem kleinen Dorf, namens Günderode, in der ostdeutschen Provinz. Dort wo man mit Social Media, Pilates, Studium und Matcha Latte nichts anfangen kann. Hier zählt ein Handschlag mehr als eine Unterschrift. Und genau das hat in mir so viel bewegt und mich auch sehr beseelt. Da ich selbst aus einer Kleinstadt aus dem Osten komme, weiß ich ganz genau wovon die Autorin hier gesprochen hat. Es ist diese robuste Art und Weise wie man sich unterhält. Mit einem groben "Tach" wird sich begrüßt und man kommt immer direkt auf den Punkt. Die Dinge werden erledigt und man zerdenkt nicht alles. Genau das lernt auch Sophie im Laufe der Zeit. Und das war so spannend und unterhaltsam zu lesen, wie sie sich ihren Weg bahnt und auf welche Ideen man kommt, wenn man gar keine Ahnung hat, was man eigentlich gerade tut. Wie stark und klug man wird, wenn man mutig und neugierig durch das Leben geht. Sophie's Leben ändert sich rapide von einer zuverlässigen Büromaus zu einer Abenteuerin, die Holzdielen schleift und ölt, die Bretter an die Wand nagelt und Kartoffeln anbaut. Und es hätte dabei nicht humorvoller und friedlicher beschrieben sein können. Selbst die aussichtsloseste Nacht endet irgendwann und dieses Buch erinnert uns daran, dass die Sonne wieder aufgehen wird, der nächste Regen alles Schlechte und Verdorbene wegspült und die Luft auf dem Lande besser die Dinge verheilt, als das 500. Online Coaching auf Instagram.
"Wenn ich aus all der Verwirrung und Überforderung diese Momente herausdestilliere und zusammenkippe, dann ergeben sie ein schillerndes Mosaik davon, wie das Leben sein kann, auf seine beste Art und Weise."
Ich habe dieses Buch geliebt und verschlungen. Jedes einzelne Wort habe ich von Anna Katharina Scheidemantel aufgesaugt. Schon lange hatte ich nicht mehr so viele Bilder im Kopf, wie alles aussehen mag, was beschrieben wird. Wahrscheinlich konnte ich es so gut nachempfinden und mich mit Sophie einfach wegträumen. Wie das Haus, der Garten, der Tümpel, die Leute aus dem Dorf aussehen könnten, weil ich es selbst erlebt habe und Sophie verstehe. Und es war grandios. Absolut grandios mit welcher Neugier, Lebensfreude, Euphorie, Willem und Charisma Sophie durch den Tag gegangen ist. Niemand konnte ihr dazwischen reden, sie hat es einfach gemacht und das Beste dabei: sie ist sich stets treu geblieben!
"Statt aus dem Fenster zu schauen" erzählt von unverhofften zweiten Begegnungen, von den Menschen, die im Leben etwas wagen und sich trauen ihren eigenen Weg zu gehen, von den 5 wilden Hühnern und am meisten davon, was passiert wenn wir statt nur aus dem Fenster zu schauen, in die Welt hinausgehen und erleben, was auf der anderen Seite des Fensters auf uns wartet. Ein unfassbar schönes Debüt, welches ich gerne auch auf der großen Leinwand sehen wollen würde, da bin ich ganz ehrlich. Danke Anna Katharina Scheidemantel für diese Geschichte, dich mich zum Lachen, Weinen und Nachdenken gebracht hat.
Denn wenn mich das Buch eines gelehrt hat, dann das wir den Nachtisch zuerst essen sollten. Das Leben ist zu kurz.
“vielleicht bist du gar nicht so verrückt. vielleicht bist du uns allen einfach nur ein paar jahre voraus. ich meine, früher oder später muss doch jeder durchdrehen.”
irgendetwas in statt aus dem fenster zu schauen hat mich innerlich geheilt. das klingt jetzt sehr pathetisch, aber let me explain.
ich liebe es zu lesen, um der realität und dem alltag zu entfliehen. dieses buch ist exakt dieses gefühl, nach dem ich mich so sehne, und wurde verschriftlicht. die protagonistin sophie ist ungefähr so alt wie ich, weshalb ich mich auch sehr in ihr gesehen habe. ich habe komplett nachempfinden können, wie sie sich verloren fühlt und allem entfliehen möchte.
mit einem lockeren, humorvollen und vor allem sehr bildlichen schreibstil schafft es die autorin, die atmosphäre mitten im nirgendwo aufzugreifen und zu transportieren. vielleicht hätte ich nachzählen sollen, wie viele stellen ich im buch markiert habe; denn es gab so viele tolle sätze, die mein inneres ich widergespiegelt haben.
auch, wenn wir manchmal nicht so recht wissen, was wir möchten und das gefühl haben, dass alle einem einteilen, ist es wichtig, ein bisschen mehr zu sein wie sophie: es ist okay zu scheitern, zu hinterfragen, und dann weiterzumachen — auf die eigene art und weise.
Ich könnte ganz bestimmt Punkte aufzählen, bei denen ich (etwas sehr) selbstbewusst gedacht habe, die hätte ich vielleicht lieber anders geschrieben oder gerafft oder weggelassen, aber am Ende hat mich dieses Buch einen ganzen Monat lang bezaubert und den Frühling fühlen lassen und mir Mut fürs Schreiben und fürs Leben gegeben mit seiner Eigenwilligkeit, und wenn das nicht fünf Sterne wert sind, weiß ich auch nicht🌟🌸
Und ich frage mich, ob irgendwann der Punkt im Leben kommt, an dem man weiß, was man tut, und sich dabei sicherer fühlt, oder ob einem einfach nur immer bewusster wird, dass niemand weiß, was er oder sie tut, und man sich deshalb weniger unsicher fühlt.“ (S.280) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Sophie Geiger macht derzeit ein Praktikum in München. Doch als die Studentin in den Kleinanzeigen ein Inserat für ein kleines Haus in Günderode entdeckt, bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und zieht spontan aufs Land. Sie erzählt niemandem davon, renoviert ihr verkommenes Häuschen und baut sich ein neues Leben auf - doch immer wieder steigen Zweifel in ihr auf: Was will sie eigentlich wirklich anfangen mit diesem Leben? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es liest sich wirklich flüssig weg. Ich mochte den „Wilden-Hühner-Vibe“ total gern und fand auch das Landleben schön geschildert. Sophie fand ich sehr interessant, denn sie ist nicht ganz so Typ „Macherin“ wie man aufgrund der spontanen Entscheidung, ein ungesehenes Haus in der Pampa zu kaufen, denken könnte. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Das Landleben wird zwar hier und da romantisiert (was mich nicht gestört hat), aber auch realistisch dargestellt. Der Selbstfindungs-Hauskauf löst bei Sophie ein großes Gedankenkaroussell aus, was ich gut nachvollziehen konnte. Trotzdem hatte ich am Ende das Gefühl, dass mir etwas gefehlt hat, um Sophie vollständig einschätzen zu können. Gerade die Entscheidung, niemanden über den Kauf zu informieren, hat sich mir nicht ganz erschlossen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ich empfehle „Statt aus dem Fenster zu schauen“ gerne weiter, ein spannendes Debüt von der sympathischen Anna Katharina Scheidemantel! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Das Cover finde ich übrigens großartig, weil es den Vibe so gut vermittelt! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 4/5 ⭐️
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Rezensionsexemplar I Danke @vorablesen @pola_stories 💛
„Wilma legt nur den Kopf schief, guckt mich mit ihren Perlenaugen an und stößt meinen Finger dann leicht mit ihrem Schnabel an, wie um zu testen, was das für ein Wesen ist, was da vor ihrem Stall steht, ob es warm ist oder kalt, ob es sich bewegt, wenn sie es berührt, oder ob es bleibt. Und ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht ganz, was das für ein Wesen ist, das einfach so fünf Hühner kauft und sie in ihrer eigenen Scheune unterbringt. Ich glaube nicht, dass ich diese Person früher überhaupt gekannt habe. War sie schon da? Oder ist sie erst hier entstanden, gewachsen auf den grünen Feldern, wie meine Tomatensetzlinge?“ 🐓🧺💌🍅🌾
Große Liebe für dieses Buch. Die Zeilen haben etwas in mir geheilt und Lust aufs Leben gemacht. Wieder mehr im Moment leben, wieder mehr inne halten.
Drei Sterne, weil es mich in der Mitte kurz verloren hatte, aber trotzdem ein soooooooo wunderschönes Buch, dank dem ich mir wieder eBay Kleinanzeigen runtergeladen hab.
Wenn man eine sommerliche Geschichte lesen will, in der so gut wie nichts passiert, und wegen der Protagonistin zwischen durch die Augen verdrehen will, dann ist das auf jeden Fall ne gute Wahl. Die Sommer und „Wilde-Hühner“ Vibes waren auf jeden Fall da und die mochte ich auch, mir persönlich war es aber zu langweilig und zu unrealistisch und vier „Probleme“ wirkten für mich etwas an den Haaren herbeigezogen. Klassischer Fall von „kann man lesen, muss man aber nicht“.
2.5 ⭐️ Ein Text, der so tief in der eigenen Bedeutungslosigkeit versinkt, dass man sich fast wünscht, die Autorin hätte tatsächlich einfach nur aus dem Fenster geschaut, statt in die Tastatur zu hauen. Was hier als tiefgründige Beobachtung verkauft wird, ist in Wahrheit eine Aneinanderreihung von Banalitäten, die man so oder so ähnlich schon tausend Mal gelesen hat. Der Text schleppt sich durch Alltagsminiaturen, die weder durch sprachliche Präzision noch durch originelle Gedanken glänzen. Es passiert nichts – und das Schlimme daran ist nicht die Ereignislosigkeit an sich, sondern dass man rein gar nichts aus dem Text mitnimmt. Vielleicht als Hörbuch zum Einschlafen.
* Vielen Dank an vorablesen und die pola Verlagsgruppe für das Leseexemplar *
Manchmal liest man ein Buch genau zur richtigen Zeit. Manchmal - beispielsweise als naturverbundene Studentin gegen Ende ihres Studiums - ist der Zeitpunkt dann vielleicht sogar ein wenig gefährlich, denn "Statt aus dem Fenster zu schauen" verleitet schnell zum eigenen Träumen: "Was wäre wenn...?"
Vor einem solchen "Was wäre wenn?" steht auch Sophie, die Protagonistin des Romanes zu dessen Beginn. "Was wäre, wenn ich morgen mein Praktikum, meine WG und mein altes Leben in München hinter mir lasse, um in ein renovierungsbedürftiges Haus mitten in der Natur am Allerwertesten von Nirgendwo zu ziehen?" Anstelle lange darüber nachzudenken, entscheidet sie impulsiv genau dies herauszufinden, und nimmt den Leser fortan auf der Findung nach Antworten mit. Gemeinsam mit Sophie erlebt man nun keineswegs ein spannendes Abenteuer, sondern ein gemeinsames, leises Ankommen - in ihrem neuen Leben, sowie den Gedanken, die es beim Lesen in einem selbst anstößt. Das langsame Tempo eignet sich dabei perfekt für Lesezeit in der Sonne an den momentanen wärmer werdenden Frühlingstagen und lässt abschalten, vermag es dabei aber dennoch genug Neugier zu wecken, um immer weiterlesen zu wollen. Was macht Sophie aus dieser neuen Situation? Wie kommt sie zurecht? Das Interesse an ihrer Person und ihrem Vorhaben, das früh geweckt wird, trägt dabei die ruhige Handlung voran. Der Schreibstil schafft währenddessen eine behagliche Atmosphäre, ist locker-leicht zu lesen und nimmt den Leser trotz des flachen Spannungsbogens stetig mit. Nichtsdestotrotz muss man sich auf die Alltäglichkeit der Handlungen und die entschleunigende Wirkung des Buches einlassen, denn auf seinen rund 350 Seiten besitzt es keine Kapitel, von denen man "nur mal eben noch eines lesen" kann, ist lediglich dreigeteilt - meiner Meinung nach aber sehr passend zum Untermauern des Inhaltes.
Ein Aspekt, der mir das Buch wohl letztlich besonders nahe gebracht hat, ist wie persönlich es mich anzusprechen scheint. Als Studentin deren Studium sich langsam dem Ende neigt, konnte ich mich in Sophies Schwebezustand sehr gut wiederfinden. In dem Gefühl, zwischen Abschied und Neuanfang zu stehen, nicht sicher zu sein, wo die Reise denn hingehen soll, wie meine Wünsche alle unter einen Hut passen. Und vielleicht habe ich deshalb genau diesen reminder gebraucht, den Sophies Entscheidung und deren Konsequenzen dem Leser geben, denke ich mir nun nach Beenden des Romans. Einen reminder, dass es okay ist, nicht immer zu wissen, wie die Zukunft aussehen soll, oder wohin das Leben gerade genau führt. Manchmal reicht es auch, einfach loszugehen. Den Rest schreibt die Zeit.
Fazit: Ein Buch wie ein warmer Frühlingstag, das sich auch am besten in dieser Jahreszeit lesen lässt. Ein Neubeginn zum Neubeginn - und dabei ein klein wenig Träumen. Ich vergebe letztlich 4/5 Sterne und spreche eine Leseempfehlung an jeden aus, der sich im Klappentext wiedererkennt. Das Cover macht sich außerdem wirklich wunderhübsch im Regal!
4.5* Ach, ich habs doch geliebt. Das Buch ist so schön wie sein Einband, und ich befürchte, dass ich und eine Schar anderer Mittzwanzigjährige nun Kleinanzeigen nach verfallenen Häusern in Norddeutschland zum Preis eines durchschnittlichen Rennrads oder einer besseren Siebträgermaschine durchforsten werden. Beim Lesen wurde mehrmals lauthals aufgelacht, innerlich Handwerk-Ratschläge verteilt als wäre ich mein eigener Vater, die Sehnsucht nach hohen Gräsern und Tümpeln wuchs, die Freude beim Treffen auf die wilden Hühner war groß, ebenso wie die Sorge, dass ein Fuchs tut, was Füchse eben so tun. Im Grunde reicht es nur deshalb nicht für den Status "Lieblingsbuch", weil in meiner engstirnigen Welt kein Platz für abgedruckte Hashtags ist, und wenn das Wort "chillen" außerhalb der direkten Rede verwendet werden sollte, bin ich direkt so Anti-Chillen wie die Günderoder Omas im Kuchenhimmel Anti-Alles sind. Ansonsten war die Sprache teilweise aber ganz kurz vor ganz wunderbar, die jungen Worte waren mir persönlich aber so wenig willkommen wie Wasserfälle an der Zimmerdecke. Es ist wahrscheinlich auch kein Buch, in dem ich in zehn oder zwanzig Jahren noch neue Weisheiten finde und das mich in verschiedenen Etappen meines Lebens verschiedenlich ansprechen und abholen wird, aber das sind auch unglaubliche Ansprüche und genau jetzt, genau hier, habe ich es sehr genossen. Außerdem war die sonnengebräunte Sophie zwar sehr unterhaltsam, aber Moritz und Pauline sind mir zu blass geblieben. Mehr Kritik gibt es bei bestem Willen nicht, also werde ich jetzt sehnsuchtsvoll aus dem Fenster der Uni-Bibliothek schauen, mich in die Norddeutsche Pampa zu den Hühnern wünschen und bei der nächsten Sinnkrise meiner Zwanziger wahlweise nochmal in das Buch flüchten, oder Kleinanzeigen bemühen. Wird man dann sehen.
Ich habe nicht erwartet, dass mich das Buch derart begeistern würde. Doch "Statt aus dem Fenster zu schauen" hat genau das gemacht.
Es ist ein coming of age Roman von der ganz besonderen Sorte. Sophie ist gelangweilt von ihrem Praktikum. Die Aussichtslosigkeit, die Sinnlosigkeit ihrer Tätigkeit macht ihr zu schaffen. Und so kauft sie, völlig spontan und unüberlegt, ein baufälliges Haus in Ostdeutschland. Ohne groß darüber nachzudenken verlässt sie ihre WG in München, packt ihren Rucksack und ihr Fahrrad und fährt mit dem Zug zu ihrem neuen Eigenheim.
Und dort wächst nicht nur Unkraut, sondern auch Sophie. Sie überschreitet jegliche innere Grenzen, um sich selbst zu verwirklichen. Um zu sehen, was Leben auch sein kann. Sie beginnt in der Einsamkeit das Haus wohnlich zu machen. Sie denkt über all ihre Entscheidungen nach, die sie bis in dieses Haus geführt haben. Sie reflektiert das Leben als solches und versucht für sich einen Weg zu finden, um mittendrin zu erkennen, dass der Weg auch Sinn und Zweck des Lebens sein kann. Nicht immer die Frage nach dem "Danach", sondern auch der Weg im "Jetzt".
Anna Katharina Scheidemantel schreibt klug, witzig und mit unglaublich viel Tiefgang. Sie lässt Sophie blauäugig ein völlig anderes Leben leben. Und es funktioniert. Ganz ohne Plan, ohne Rückversicherung, ohne Absicherung. Etwas, das ich niemals gewagt hätte, schon gar nicht mit 25. Dennoch wird die Botschaft klar: wir wachsen an allem. Wir müssen nicht geradlinig einen Weg gehen, weil Familie, Freunde oder die Gesellschaft es so erwartet. Wir dürfen Abzweigungen nehmen. Wir dürfen auch Fehler machen. Oder ein vermeintlicher Fehler kann sich als ein großes Glück herausstellen.
Mit Sophie diesen Weg zu gehen hat mir gezeigt, dass wir jederzeit mutig sein dürfen. Dass wir auch einmal Wege einschlagen können, die völlig ungewiss sind. Es ist unser Leben und wir sollten es vollends genießen, mit allem was wir haben.
"Statt aus dem Fenster zu schauen" sollten wir manchmal auch einfach nach draußen gehen und machen.
Als eine 25-Jährige ( bald 26-Jährige), fast Studentin die immer noch nicht weiß was sie studieren möchte, nachdem sie das Abitur nachgeholt hat und eine Ausbildung abgeschlossen hat, möchte ich hier sagen wie unfassbar es gut getan hat dieses Buch zu lesen.
Sophie hat sich aus ihrem Leben zurückgezogen und entschieden für 3,000€ eine beschädigte Hütte irgendwo im Niemandsland im Osten Deutschlands zu kaufen, da sie sich eingeengt hat von den Erwartungen an sie selbst und an ihr Studium. So beginnt sie einen Abschnitt ihres Lebens der sie aus ihrem Alltag rausholt und für den Sommer einfach mal lebt. Und honestly genauso hat es für mich, als Leser auch angefühlt. Einfach mal für eine Weile NICHT an mein potentielles Studium denken.
Wenn man 10 Jahre nach dem Realabschluss immer noch herumläuft und sich fragt was man werden möchte und innerhalb dieser 10 Jahre das Abitur nachgeholt hat und noch ne Ausbildung gemacht hat wird man wahnsinnig. Wenn man dazu noch Kommentare hört wie : "Ja studier das nicht, weil KI wird den Beruf sowieso in 10 Jahren ersetzt haben" dann wird man noch wahnsinniger. Ich kann echt nur sagen, dass ich wirklich die Schnauze voll habe.
Sophie hat genau das getan, um diesen Kommentaren zu entkommen und ich wünschte ich könnte das auch. Aber deshalb les ich auch Bücher. Um dem großen "was will ich werden" zu entkommen und es hat mich sehr gefreut ein Buch zu finden, dass genau meinen Lebensabschnitt thematisiert.
~ Denn im 21. Jahrhundert ist Langeweile die Größte Todessünde von allen. Schlimmer als Verrücktsein oder Durchdrehen oder Kontrollverlust. Für all das gibt es Publikum, Resonanz, Likes … Nur Langeweile … Langeweile bleib unsichtbar. Unbedeutsam. Vergessenswert.
~ Ich will nicht vergessen, dass meine Finger mehr können als auf einer Tastatur herumzutippen. Dass sie Unkraut jäten und Dielen schleifen und Kartoffeln ziehen können. Ich will nicht vergessen, dass meine Füße nicht nur ungeduldig auf dem S-Bahnsteig auf und ab gehen können. Sie springen auch auf Spaten herum und klettern Scheunenleiter hoch. Ich will nicht vergessen, dass mein Kopf auch mit sich allein sein kann! Ich will nicht vergessen, dass ich mehr bin als zwei bedruckte Seiten und das, was andere darin sehen oder eben nicht!
Ein sehr wichtiges Buch darüber wie man sich in den 20er selbst verliert oder eben wieder findet. Weil es niemals einfach ist einen Weg einzuschlagen und Entscheidungen zu treffen! Mich hat das Buch positiv sehr überrascht & obwohl es sehr ruhig ist - hat es sehr viel in mir bewegt oder vielleicht gerade deswegen. ✨
„Statt aus dem Fenster zu schauen“ hat mich vor allem mit seiner ruhigen, unaufgeregten Art überzeugt. Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. (I mean, look at it?! 👀) Und ich finde, dass es den Vibe des Buches perfekt einfängt.
Nach dem Hörbuch wollte ich jedenfalls direkt selbst ein kleines Haus im Nirgendwo, einen Gemüsegarten und (wilde) Hühner.
Ich war erst unsicher, ob ich mich mit Sophie identifizieren kann, weil sie mit 25 an einem anderen Punkt im Leben steht. Aber eigentlich geht es hier um etwas, das wohl viele von uns kennen: dieses Suchen, Zweifeln und die Frage, ob irgendwann der Moment kommt, in dem man wirklich weiß, was man tut.
Besonders schön fand ich dieses Zitat: „Und ich frage mich, ob irgendwann der Punkt im Leben kommt, an dem man weiß, was man tut, und sich dabei sicherer fühlt, oder ob einem einfach nur immer bewusster wird, dass niemand weiß, was er oder sie tut, und man sich deshalb weniger unsicher fühlt."
Dass ich mir beim Hörbuch ein Zitat notiere, ist immer ein gutes Zeichen!
Ein stilles Buch über Neuanfänge, Unsicherheit und die Sehnsucht danach, irgendwo anzukommen (vielleicht auch bei sich selbst).
irgendwie passiert in dem buch gar nicht so viel, und irgendwie passiert doch auch alles. wie die hauptfigur sophie ich bin gerade (mal wieder) in meiner "es kann doch nicht sein, dass es im leben nicht mehr gibt als computerbildschirme"-phase, und konnte mich deswegen sehr gut in sie hineinversetzen. generell habe ich mir soo viele stellen in dem buch markiert, bei denen einfach meine gedanken zu papier gebracht wurden.
der schreibstil ist schön, und die atmosphäre, die hier erschaffen wird, noch schöner, und ich bin ein bisschen traurig, dass das buch nun vorbei ist, denn es hat sich fast angefühlt wie mein eigenes kleines abenteuer auf dem land. ein bisschen nostalgisch und wie sommer, bevor man irgendwann nach dem schulabschluss verlernt hat, den sommer so richtig zu genießen.
In einer Welt voller Erwartungen den eigenen Lebensinhalt finden In vier Entwicklungsschritten folgt der Leser der Hauptfigur Sophie Geiger, 25, BWL-Studentin im Praktikum in München. Bei gähnender Langeweile vor endlosen Excel-Tabellen am PC sitzend kauft sie über e-Bay Kleinanzeigen aus einem spontanen Impuls heraus ein altes Haus in der ostdeutschen Provinz für 3000 €. Was zunächst wie eine mutige und unüberlegte Aktion erscheint, entwickelt sich zu einem konstruktiven Sinnfindungsprozess während einsamer Renovierungs- und Gartenarbeiten im bzw. am baufälligen Objekt im Nirgendwo. Über langjährige Freunde wie Pauline und Moritz Feldhammer kommt es neben interessanten Exkursionen vor Ort bis zur Ostsee auch zu tiefergehendem Gedankenaustausch. Das dörfliche Zusammenleben in Günderode und Nichwitz im Norden Ostdeutschlands wird realistisch beschrieben mit einem Touch von Nostalgie. Auch die Kindheitserinnerungen der sympathischen Ich-Erzählerin und Oma Monikas achtzigster Geburtstag stellen den schönen Familienbezug her. All diese detaillierten Facetten des dortigen Alltags vermitteln ein angenehmes Gefühl von Freiheit in meist sommerlicher Natur. Spannung kommt auf durch die spätere notarielle Eintragung des Grundbesitzes ins Grundbuch, da sich die einfache Möglichkeit öffnet, alles rückgängig zu machen. So verlockend dieser Notausgang vielleicht sein mag, mit gewachsenem Selbstbewusstsein und verändertem Leben vertraut Sophie lieber auf ihre weitere Sinnsuche, auch nach dem richtigen Arbeitsplatz. Die anfangs planlose, ahnungslose und teils naive Studentin entpuppt sich allmählich zu einer standfesten Frau, die neben Studium und Arbeit das Freiheitsgefühl im Nirgendwo nicht missen möchte. Dieses realitätsnahe Setting charakterisiert Sophie als mutige Frau, die unvoreingenommen neue Situationen meistert. Der teils humorvolle Schreibstil gefällt.
Ich war sehr gespannt auf „Statt aus dem Fenster zu schauen“ und wurde auch nicht enttäuscht. Der Einstieg ist mir sehr leicht gefallen. Sophie ist eine sehr zugängliche Protagonistin, auch wenn sie die Motive für ihr Handeln nur Stück für Stück und nie so richtig verrät, die man gerne verfolgt. Gut, ich hätte viele Entscheidungen anders als sie getroffen, aber das macht sie als Protagonistin nicht weniger gut. Der Schreibstil ist sehr schön und an vielen Stellen auch sehr humorvoll. Die Geschichte an sich ist sehr langsam und tröpfelnd. Ich liebe character driven-Storys eigentlich sehr, aber ab und an war es mir dann doch ein bisschen zu langsam und zu viel innerer Monolog. Dadurch wurde es an manchen Stellen auch etwas repetitiv. Dennoch hat mir der Roman gut gefallen. Ich mochte die Atmosphäre, die Sprache und ja, auch die Protagonistin (das ist allerdings bestimmt nicht bei allen so). Ein Highlight ist es dennoch nicht geworden, dazu hat mich die Geschichte einfach nicht genug gepackt. Aber meh Frühling/Sommer in Deutschland (auf dem Land) geht fast gar nicht - wer das also sucht, ist definitiv an der richtigen Adresse.
(4,5) Hab das Buch zu einem sehr guten Zeitpunkt gehört. Passt wirklich perfekt in die Jahreszeit und die Protagonistin ist genau in meinem Alter und in meiner Lebensphase. Es ist ganz atmosphärisch, ich hatte wirklich ganz klare Bilder von dem Setting und hat mich irgendwie einfach sehr berührt. Es sind keine komplett neuen & einzigartigen Gedankengänge, die in dem Buch aufkommen, aber in der Art und Weise, wie sie in der Geschichte eingeflochten sind, sind sie es dann doch. Hat mich einfach sehr glücklich fühlen lassen
Der Roman war genau das, was ich gerade brauchte: Stille, eine Flucht vorm Alltag, raus in die Natur. Ich habe beim Lesen richtig gemerkt, wie ich zur Ruhe kam. Im Roman passiert von der Handlung her nicht viel. Aber viel passiert im Inneren von Sophie, die ihr Praktikum in München schmeißt und raus aufs Land in Ostdeutschland zieht. In ein, wie sich rausstellt, verfallenes Haus, das sie für 3000€ auf Ebay erworben hat. Es ist ungewohnt für Sophie mit sich selbst zu sein. Ohne Strom, ohne Empfang ist sie zuerst nur allein mit ihren Gedanken, die kreisen kreisen kreisen, aber immer mehr zur Ruhe kommen, sobald sie anfängt, sich mit dem Haus und ihren Bedürfnissen zu beschäftigen...
Die Autorin hat eine sehr bildhafte Sprache. Ich Bin mir sicher, dass der Roman eines meiner Lesehighlights des Jahres wird!
3,5* An sich mochte ich das Buch schon gerne, vor allem der Schreibstil und die Protagonistin haben mir gefallen, aber irgendwie war es mir am Ende inhaltlich zu wenig. Das Ende hat mir gleichzeitig zu viel und zu wenig offen gelassen, die Storyline mit Max war für mich weder flirty Verliebtheit noch ne richtige Freundschaft, dann lowkey unrealistisch, dass sie so supportive Eltern hat, die 4 Monate nicht checken, dass die Tochter nicht mehr da wohnt,... War schon eine unterhaltsame Lektüre, aber vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen rangegangen
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So so schön 🫶 sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Ich habe mich so sehr in Sophie und ihrer Gefühlswelt wiederfinden können. Hat sehr viel Spaß gemacht und mich positiv zum Denken angeregt
ich glaub ich hab gar keine worte dafür wie toll ich dieses buch finde. einfach wilde hühner für erwachsene mit dem reminder, dass man gar nichts muss außer leben und dass die besten sachen passieren wenn man sich nur traut! 🧚♀️🦋⭐
dieses buch war genau das, was ich brauchte und definitiv ein neues lieblingsbuch!! ich habe das buch geliebt, die themen und sophie als charakter. es fühlte sich an, wie ein kleiner urlaub fürs gehirn, regte aber auch an, seine eigenen entscheidungen zu hinterfragen. ein wundervolles buch!! 10/10