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Bitch Hunt: Warum wir es lieben, Frauen zu hassen

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Im Sommer 2022 offenbarte die Hasskampagne gegen die Schauspielerin Amber Heard, wie salonfähig es ist, Opfer häuslicher Gewalt zu verhöhnen und wie omnipräsent Frauenhass in unserer Gesellschaft nach wie vor ist. Was früher in den reißerischen Printmedien stattfand, passiert heute online und in Echtzeit. Ein breites Publikum beteiligt sich begeistert an Hass und Hetze gegen Frauen – stellenweise sogar ungehemmt unter vollem Klarnamen. Influencer, deren Content ausschließlich aus Angriffen gegen Frauen und queere Menschen besteht, erreichen auf sozialen Medien ein Millionenpublikum. Digitale Plattformen unterbinden diesen, oft gegen Einzel personen gerichteten Hass, nicht – ganz im Gegenteil, denn hinter dem Hass steckt oft ein System, das gewinnbringende Klicks generiert.
In »Bitch Hunt« analysiert Veronika Kracher die Funktion digi taler Misogynie, welche Rolle misogyne Kampagnen im rechten Kulturkampf spielen, und wieso Soziale Medien alltäglichen Frauen hass in einer patriarchalen Gesellschaft derart verstärken. Letztendlich leiden nicht nur Betroffene unter diesen Dynamiken, sondern unsere Demokratie.

272 pages, Paperback

Published February 26, 2026

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Veronika Kracher

6 books8 followers

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Ole Liebl.
Author 2 books126 followers
March 29, 2026
Veronika Kracher ist eine der führenden deutschen Expertinnen auf dem Gebiet des digitalen Frauenhasses. Und sie hat ein neues Buch geschrieben mit dem Titel: »Bitch Hunt. Warum wir es lieben Frauen zu hassen.« Und dieses Buch kommt genau zur richtigen Zeit.

Es ist ja umfassender feministischer Bildungsarbeit zu verdanken, dass wir heute selbstverständlich über die Manosphere oder Incels reden, zu den Kracher übrigens auch schon vor Jahren geforscht hat. Aber wer 4chan nicht von 8chan unterscheiden kann, wer noch nie etwas von Kiwi-Farms oder der Encyclopedia Dramatica gehört hat, kann nicht verstehen, wie sich moderner Frauenhass im Internet heute organisiert und konstituiert.

In Bitch Hunt gibt es wirklich viel zu lernen: Zum Beispiel, was der Drachenlord mit Amber Heard und Johnny Depp zu tun hat, wie digitale Troll-Armeen das analoge Leben von vor allem mehrfach diskriminierten Menschen zerstören können oder warum Incel-Terrorismus von den Saudis mitfinanziert wird. Krachers Analysen werden immer wieder mit psychoanalytischen Theorien unterfüttert, um verständlich zu machen, warum sich Männer so massenhaft zu Misogynie im Internet hinreißen lassen: Es ist eine ungute Mischung aus narzisstischer Kränkung, Herdentrieb, Strafbedürfnissen und autoritären Sehnsüchten.

Ein Großteil des Buches habe ich entweder mit meinem Kopf genickt oder mit meinem Kopf geschüttelt, entweder weil ich so stark zustimmte oder weil ich so fassungslos über das war, was Veronika Kracher dort berichtet. Besonders gut fand ich, dass sie viele Manosphere-Accounts namentlich benannt hat mit Anzahl der Abonnenten, Anzahl der Videos, Gründungsdatum usw. Damit wird einfach nochmal klar, dass Frauenhass eben nicht nur ein massenpsychologisches Phänomen, sondern auch ein attraktives Geschäftsmodell ist.

Einziger wirklicher Kritikpunkt ist das Lektorat. Gerade der Anfang des Buches wirkt holprig und schlecht strukturiert. Er hat nicht die Wucht und analytische Schärfe des großen Herzstücks über Cyberbullying, das Gamergate und die Prozesse um Amber Heard und Blake Lively. Aber bis auf diese eher formalen Schwächen ist Bitch Hunt von Veronika Kracher ein unglaublich wichtiger Beitrag für die feministische Debatte.

PS: Ich beurteile hier Kracher als feministische Autorin eines Buches, nicht als antideutsch geprägte Publizistin. Hier haben wir ein paar krass unterschiedliche Meinungen, die ich an dieser Stelle aber ausblende, weil sie in »Bitch Hunt« einfach keine Rolle spielen.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
272 reviews49 followers
March 21, 2026
Das Buch der Stunde zwischen Manosphere-Doku und Anzeige wegen digitaler Gewalt wäre auch zu jedem anderen Zeitpunkt das Buch der Stunde. Denn Gewalt gegen Frauen eskaliert tagtäglich, überall.

Veronika Krachers kluges, pointiertes Buch hat mich schon auf der allerersten Seite fest gepackt: mit einem Epigraph von Amber Heard: „I will not be threatened, disheartened or dissuaded by what happened from speaking the truth. No one can and no one will take that away from me. My voice remains forever the most valuable asset I have.“

Für mich war die beispiellose Schmierenkampagne um die Schauspielerin Heard mit ihrer omnipräsenten, gesellschaftlich akzeptierten Brutalität die erschreckendste, ungefilterte Zurschaustellung von Misogynie bisher mit weitreichenden (zum Teil bis heute unabsehbaren) Folgen für Opfer häuslicher und digitaler Gewalt. Und nicht nur für diese. Durch memetische Kriegsführung und mehr kann jede*r zur Zielscheibe koordinierter digitaler Gewalt werden. Für Veronika Kracher gab der demütigende Schauprozess um Heard den Anstoß, „Bitch Hunt“ zu schreiben.

Als Feministin in der Öffentlichkeit gerät Veronika Kracher immer wieder ins Fadenkreuz: Morddrohungen von rechten Hetzpostillen, Beleidigungen nach dem 07. Oktober, weil sich Kracher gegen Antisemitismus positioniert und Hass auf ihre Haltung im Fall Amber Heard. Kracher dröselt anhand zahlreicher Beispiele auf, wie Shitstorms gegen Einzelpersonen von Rechtsaußen gelenkt und als Waffe eingesetzt werden, um unliebsame (Frauen-)Stimmen zum Schweigen zu bringen. Glasklar benennt sie die Verantwortlichen: Amplifizierung von Wut und Hass durch Algorithmen in den Fingern von Leuten wie dem „rechtsradikalen Milliardär Elon Musk“ oder der dauernde Machtmissbrauch des „für sexuellen Missbrauch verurteilten Straftäters Donald Trump“.

Kracher zeigt auf, dass Hass gegen Frauen im Netz vor allem eins ist: ausgesprochen lukrativ. Deshalb mussten sofort weitere Hasskampagnen her, nachdem die gegen Heard etwas abgeebbt war: Meghan Markle, Blake Lively und Evan Rachel Wood, um nur die vernichtendsten zu nennen.

Am Internetpranger Dreck schleudernd treffen wir nicht nur (aber immer auch) Incels, Männerrechtsaktivisten, Bots und Neonazis, sondern auch Menschen, die sich links verorten. Da stellt sich schnell die Frage: Hemmt reaktionäre Radikalisierung (u. a. Abarbeiten an Einzelpersonen) in sozialen Medien im Kapitalismus linke politische Organisation? Und die Antwort darauf ist ja.

Für Menschen, an denen diese Schauplätze bisher vorbeigegangen sind (ich glaube, davon gibt es einige), ist die Lektüre von „Bitch Hunt“ sicher ein Schock. Ich habe mich lange mit von Misogynie angetriebenen Phänomenen wie Gamergate beschäftigt (Gamergate hat übrigens genug gekränkte Männlichkeit und Angst um die eigene Vormachtstellung generiert, dass politische Strategen diese für die Wahl eines faschistischen Sexualstraftäters nutzen konnten) und halte Krachers Rekonstruktionen und Einschätzungen für ungeheuer wertvoll.

Ich möchte hier eine absolute Leseempfehlung aussprechen: für mich ist „Bitchhunt“ jetzt schon das Sachbuch des Jahres.

Noch eine Perle von einem Satz zum An-den-Computer-Tackern: „Solidarität mit den Betroffenen patriarchaler Gewalt darf niemals an Sympathie gekoppelt werden.“
Profile Image for Desastroeses Hörnchen.
68 reviews29 followers
April 15, 2026
Der Text ist wirklich gut und differenziert verfasst. Als jemand, der 1987 geboren wurde und die Entwicklung der patriarchalen Nerd-Kultur selbst erlebt hat, konnte ich so endlich auch die Entwicklungen hin zur Alt-Right besser begreifen.
Es gruselt mich schon sehr.

Aber muss mich leider doch noch einmal äußern: Die massiv unkritische Reproduktion freudianischer Rape Culture, die per se Hass, Gewalt und Verfolgung von FLINTA ermöglicht und bis heute überhaupt erst in diesem Ausmaß ermöglicht, geht (das ist Fakt!) auf Freud und seine Kumpels zurück. Warum benennt Kracher das nicht einfach? :/

Vor allem: Kracher schafft es so gut, die Mechanismen herauszuarbeiten, die FLINTA silencen und exkludieren. Sie benennt auch ganz klar die Folgen von digitalem Hass, der eben real ist.

Deshalb könnte ich mich stundenlang über den freudianischen Schwank im Buch aufregen, denn mehr patriarchale Antiwissenschaft ist kaum möglich.

Aber ich halte es mit Kracher: Wir müssen uns solidarisieren! Widersprüche aushalten und dialogisch und zugewandt kommunizieren und uns organisieren. Dringender denn je. (Nur bitte bitte bitte wirklich ohne Freud, gibt doch ehrlich genug Gewaltforschung die ohne den Dude auskommt)
Profile Image for Basti Moods.
79 reviews9 followers
March 27, 2026
"Das antiisraelische Aktivist*innen die sexuelle Gewalt der Hamas am 7. Oktober verleugnen, macht sie mit Johnny Depp-Fans gemein: Sie verweigern jenen Frauen, die sie nicht mögen, die Anerkennung, Opfer patriarchaler Gewalt sein zu können." (261)
2 reviews
April 3, 2026
wichtiges Buch, passend zur aktuellen Debatte um pornographische Deepfakes. Besonders "Gamergate" war ein sehr aufschlussreiches Kapitel. Viel gelernt und verstanden.
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