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Medusa in Paradise: Roman

248 pages, Kindle Edition

Published March 3, 2026

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Laura Melina Berling

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May 12, 2026
Medusa in Paradise – Laura Melina Berling




ok wow. Wo bin ich hier eigentlich gelandet?

Das denkt Cara, die Protagonistin dieses Romans. Und ich fühl’s sehr.

Bereits der Klappentext verrät, dass es in Sachen feministischer Diskurs hier richtig heiß her geht und kaum ein Thema unangetastet bleibt.

Nach einem Flugzeugabsturz stranden 20 Frauen – oder nein lasst es mich sprachlich korrekt definieren – 20 Personen auf einer abgelegenen Insel. Jetzt müsste es vorrangig ums Überleben gehen: Trinkwasserquellen ausfindig machen, Nahrung und Schutz suchen, auf Rettung hoffen, gemeinsames Brainstorming für einen Weg zurück, runter von der Insel, back to real life. Ich denke natürlich als erstes an eine feministische Adaption von ‚Cast Away‘ bzw. ‚Robinson Crusoe‘ und zack tappe ich ins erste feministische Fettnäpfchen. Denn Robinson Crusoe? „Sorry, das ist total rassistisch.“ Findet jedenfalls Aurelia. Oder Au. Oder Auli. (S. 51)

Cara hat durch den Absturz ihr Gedächtnis verloren und findet sich mitten in dieser Gruppe wieder. Überfordert. Orientierungslos. Umgeben von Menschen, die alle sehr genau wissen, was richtig ist. Oder zumindest sehr genau wissen, was falsch ist. IIm „Stuhlkreis aus Treibholz“ (S. 47) wird ihr schwindelig bei all den Grundsatzdebatten über Abhängigkeit, Begriffe, Bodyshaming, Care-Arbeit, Diskriminierung, Femizide, gewaltfreie Sprache, Gleichstellung, Inklusion, Klassismus, Konsens, kulturelle Aneignung, Macht, Männerhass, Matriarchat, Menstruation, Mutterschaft, Patriarchat, Privilegien, Pronomen, Queerfeindlichkeit, Religion, rassistisches und ableistisches Verhalten, Scham, Schuld, Trauma und Wut.

50 shades of feminism.
Welcome to Medusa Paradise Club.
Herzlich willkommen auf der „Insel der Korrektheit“. (S. 146)

Laura Melina Berling entwirft mit dieser Konstellation kein cozy Survival-Setting, sondern ein feministisches Versuchslabor. Nina Lagrande schreibt in ihrem Blurb zurecht: „Laura Melina Berling richtet ein Brennglas auf sämtliche feministische Kämpfe unserer Zeit: scharfzüngig, pointiert und klug. Fast schade, dass das hier Fiktion ist.“

Auf engstem Raum wird alles verhandelt, was Feminismus ohnehin oft vorgeworfen wird: zu laut, zu viel, zu wütend, zu verbissen, zu emotional, zu kompliziert, zu anstrengend.
Laura Melina setzt sich mit feministischer Streitkultur auseinander, sie zeigt nicht nur, wie Feminismus von außen abgewertet wird, sondern behandelt eine emanzipatorische Bewegung, die innerhalb feministischer Räume Finger pointing betreibt und ihre Waffen gegen sich selbst richtet: Wer spricht legitim, wer darf welche Begriffe benutzen. Ein Diskurs der sich verschiebt, Korrektheit und sensitive speaking sind wichtiger als der eigentliche Kerngedanke des Feminismus: der gemeinschaftliche Kampf gegen das Patriarchat, das Banden bilden, die Schwesternschaft.

Die Dialoge sind scharf, überspitzt, oft witzig und herrlich absurd, die Situationskomik on Point. Gleichzeitig war das Buch für mich stellenweise auch herausfordernd und anstrengend zu lesen. Einfach weil so viele Themen, Stimmen und Positionen aufeinandertreffen.

Diese 20 Figuren wirken dabei nicht immer wie voll ausgearbeitete Charaktere, sondern eher wie Stereotype, politische Haltungen oder Debatten auf zwei Beinen.

Das kann Distanz schaffen. Gleichzeitig passt das genau zu Caras (und auch meiner) Überforderung und damit ziemlich gut zu dem, was das Buch aussagen will: Wie schwer es ist, solidarisch zu bleiben, wenn alle kritisiert werden, verletzt sind, alle etwas zu sagen haben und alle glauben, den richtigen Weg zu kennen und andere für ihre Meinung canceln. Dieses ständige Korrigieren, Erklären, Einordnen, Rechtfertigen. Dieses Gefühl, nie genug zu wissen und trotzdem ständig Position beziehen zu müssen.

Mein Learning aus diesem wilden, klugen, diskussionsfreudigen Gedankenexperiment: Es geht um Schwesternschaft, Banden zu bilden. Support unter Frauen, „Empowerment“ –übrigens auch so ein Begriff der im Buch diskutiert wird (S. 55).


Lasst uns nicht im Kreis drehen, nicht gegeneinander kämpfen. Wir kennen unseren gemeinsamen Gegner. Das Patriarchat schaut sonst nur zu und lacht sich eins.
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