Bestattungsunternehmer Friedrich Ehrlich hat einen ungewöhnlichen Beruf, aber auch vier ungewöhnliche Kinder. Diese bunt gemischte Familie lässt sich auch vor Krisen wie dem Wiederauftauchen einer 25 Jahre alten Wachsleiche und der Erpressung durch einen Ex-Terroristen nicht erschüttern. Wie der Bestatter seine mittlerweile erwachsenen Söhne und Töchter nach Hause holt, um mit einer sehr unorthodoxen Bestattung auch seine RAF-Vergangenheit zu begraben und wie sich das komplizierte Liebesleben des Ich-Erzählers, Samuel Ehrlich, entwickelt, davon berichtet dieser Familienroman mit viel Geist, Herz und gnadenlosem schwarzen Humor.
Der Autor Ewald Arenz kam 1965 in Nürnberg zur Welt und studierte englische und amerikanische Literatur und Geschichte. Seit Beginn der 1990er Jahre ist er als Autor tätig und hat neben einigen Glossen und Kindergeschichten auch Theaterstücke und historische Kriminalromane. Er ist mittlerweile einer der produktivsten und erfolgreichsten Schriftsteller Süddeutschlands, dessen Gesamtauflage weit über 120.000 verkaufte Bücher zählt.
Mit großen Erwartungen, habe ich das Buch gekauft und mir das Lesen noch eine weile aufgehoben. Vielleicht bin ich daher etwas enttäuscht, denn so wirklich begeistert bin ich nicht. Es hat potential und mir gefällt der Humor. Allerdings habe ich das Gefühl es sind zu viele Personen und Namen, die zu ähnlich sind als das ich genau nachvollziehen kann wer wann mit wem unterwegs ist. Auch die Zeitsprünge und uneindeutige Perspektiven machen es schwierig. Trotzdem gefallen mit die Bilder, die durch die Formulierungen und die Sprache entstehen.
Ich musste mich an das Buch und die Handlung ein bisschen gewöhnen, am Ende hat es mir aber doch (bis auf eine der Familiengeschichten) ganz gut gefallen.
Obwohl das Buch eigentlich als eine Komödie beschrieben wird, habe ich kein einziges Mal lachen müssen. Leider wurde ich mit keinem der Charaktere warm - insbesondere nicht mit der Hauptperson, die ein unreflektierter, weißer cis-hetero Mann ist und sich das Patriarchat in zu vielen seiner Aussagen und Gedankengängen wiedergespiegelt (wahrscheinlich sollte das lustig sein). Irritiert hat mich die Reproduktion rassistischer Stereotype sowie die Verharmlosung von Instest, Pädophilie und Untreue. Die einzige Person, zu der ich halbwegs eine Verbindung aufbauen konnte, war die sehr negativ als hysterisch und überempfindlich dargestellte Nebenperson der Geschichte: die betrogene Ehefrau.
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erst dachte ich das buch ist super witzig und angenehm zu lesen... bis mich dann alles genervt hat. die ganze familie ehrlich ist komplett daneben und nicht nachvollziehbar, aber mit abstand der größte döspaddel ist samuel..... und was soll diese bagetellisierung und verharmlosung von inzest, pädophilie und fremdgehen/ehebruch? alles mit sonem augenzwinkern ";)" nee ey auch in der nachkriegszeit ist mit dem 15 jahre altem cousin eine affäre zu haben nichts, "was man halt so macht wenn man jung und dumm is ;)".... und die eigene tante heiraten wollen während man noch verheiratet ist auch nicht? ich liebs ja wenn die einzig normale person -die betreffende ehefrau- als zickig, irrational, kontrollierend und "nicht als familienmensch" dargestellt wird.. rest der story war höchstens okay
Nach dem ich zwei Bücher von Arenz gelesen habe & wirklich begeistert war, muss ich sagen, hat mich dieses gar nicht angesprochen. Dafür muss ich etwas ansprechen:
Rassismus, in jedem seiner Bücher reproduziert Arenz rassistische slurs & selbst in den Neuauflagen wird dies nicht abgeändert? Ihm selbst, wo er sich doch auch „teilweise“ mit Faschismus auseinandersetzt in seinen Romanen… man muss es nicht verstehen oder? Das selbst nicht mal der Dumont-Verlag auf die Idee kommt, dass das unangebracht, veraltet & einfach unverantwortlich ist. Vielleicht ist dies auch ein „alter weißer Mann“ Ding & er will sich ~nichts vorschreiben~ lassen. Schade, denn selbst in alte Sorten ist dies ein Ding von ihm & das hat eigentlich hohes Potenzial.
"sam wusste, dass er sich später an diesen augenblick würde erinnern können, auch nach zwanzig jahren noch, auch dann noch, wenn er über vierzig wäre, was er sich nicht vorstellen konnte. aber dass er sich an diesen sonnigen moment der unvergänglichkeit, des zaubers des allerersten mals in allen dingen, erinnern würde, das wusste er mit großer sicherheit."
"ich hätte auch nicht gewusst, wie ich ihr verständlich machen sollte, dass es ein seltsam leichtes gefühl zwischen trauer und heiterkeit gab, dass es eine fröhlichkeit gab, in der die trauer nicht verschwand und in der ein mensch, den man eben begraben hatte, nicht verschwand, sondern mitten drin war. dass in jedem scherz die erinnerung mitschwang und man gleichzeitig lachen und trauern konnte."
"die welt war schön. die welt war schmerzlich schön, und man durfte nicht zulassen, dass sie unterginge."
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ich bin so grosser fan von familie ehrlich - i want to be a part of them!
Ewald Arenz kann Geschichten erzählen. Ehrlich & Söhne lebt von einer skurrilen Story und der stoischen Gelassenheit und dem sarkastischen Witz mit dem die Familie Situation annimmt und löst. Wir erfahren viel über die Familie Ehrlich und ihre vielen Verwandten und Anverwandten, von denen Alle eine sehr eigene Art haben. Das Buch wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt was es manchmal herausfordernd macht, es zu lesen. Und es sind viele Geschichten erzählt, die manchmal nur angedeutet sind. Deshalb ist man einigen Personen auch deutlich näher als Anderen. Ich mochte die verquere Story sehr und ich mag Ewald Arenz Wortgewandtheit und Sprachwitz. Immer wieder gerne.
Ein seltsames Buch. Ich kann nicht mal sagen, ob ich es deshalb besonders schlecht oder besonders gut fand.
Die Charaktere waren nicht unbedingt mein Fall. Die beiden Söhne fand ich furchtbar anstrengend. Insbesondere Sam in seinem Verhältnis zu seiner Frau Vera oder zu seinen Kollegen. Die Episoden mit dem Polizisten fand ich auch nur zu Beginn lustig, irgendwann hat sich das abgenutzt. Einzig die Geschichte der Frauen in der Familie hat mich wirklich interessiert.
Die vier Sterne gibt es für die Erzählweise. Ich mochte die Zeitsprünge und Perspektivwechsel, die aus diesem seltsamen Buch etwas Besonderes gemacht haben.
Ganz schön viel erleben der Bestatter Friedrich Ehrlich und seine Familie. Als rotem Faden in der Ereignisfolge begleiten wir Samuel, der als Protagonist die Handlung der Gegenwart aus seiner Sicht schildert und beginnt mit der Reise von ihm und seinem Bruder Johannes zur Großmutter, die in ein Heim ziehen soll. Als sie diese tot auffinden, müssen sie ihre Pläne ändern und eine ganze Reihe abenteuerlicher Begebenheiten bringen die Brüder, die beiden Schwestern und die Eltern in die aberwitzigsten, skurrilsten und traurigsten Situationen.
Inmitten dieses Strudels erleben wir die Realität aus den Augen einer Familie, die sich tagtäglich mit dem Tod konfrontiert sieht und dabei einen familieneigenen Sarkasmus und eine Ironie entwickelt hat, die unvergleichlich ist. Schnell hatte ich die Figuren in mein Herz geschlossen, aus deren Perspektiven jeweils immer wieder Anekdoten und Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Handlung einfließen, was dem Roman seine individuelle Note verleiht. Die ständige Präsenz des Todes, die Prüfungen des Lebens, die diese Familie auf teils sehr tragische Weise erlebt, lassen diese als Einheit immer weiter zusammenwachsen. So entstand eine Liebeserklärung an das Leben, an die Familie, auf die Wertschätzung von Gesundheit und Liebe – so vielseitig wie vielschichtig. Enthalten sind philosophische Ansichten, Liebe zur Kunst, Humor, Tiefgang, Dramatik, Romantik und vieles mehr…
Verliebt bin ich seit der Lektüre des ersten Buchs von E. Arenz in die Sprache: Geprägt von Empathie, Liebe zum geschriebenen Wort und dem Fokus auf den Kreislauf des Lebens entstehen hier Kunstwerke.
„Für einen Vierzehnjährigen, der eben begann, sich nach dem Unbedingten, nach Größe und natürlich nach der absoluten Liebe zu sehnen, war das ein guter Ort.“
„Ihr Blick auf die Welt war weiter geworden, heller und freundlicher, während sie den Eindruck hatte, dass Friedrichs Weltsicht dunkler und trauriger geworden war. Es hatte Wochen gedauert, bis diese Fremdheit zwischen ihnen allmählich wieder gewichen war.“
Geprägt ist das Leben von positiven und negativen Erfahrungen, meistens findet es dazwischen statt. Wie ein Magnet schwingen wir zwischen diesen Polen hin und her. In dieser Zwischenzone immer mal wieder innezuhalten und darüber nachzudenken, dass das Gute ohne das Schlechte nicht wahrgenommen werden könnte und für den Augenblick dankbar zu sein – dabei hilft solch überragende Literatur!
In einem lässigen Ton erzählt Ewald Arenz von der Bestatterfamilie Ehrlich.
Verteilt auf drei Zeitebenen, die bis in den Zweiten Weltkrieg zurückreichen, geht es um drei Generationen, die reich an interessanten Charakteren sind. Sei es der Onkel, der auch RAF-Terroristen ein offenes Haus bietet, die Mutter, die sich am liebsten mit möglichst vielen Tieren (besonders Hunden) umgibt, oder Neffe und Tante, die sich nicht nur auf die familiäre Art lieben.
Dominiert wird "Ehrlich & Söhne" durch einen teils schön schwarzen Humor, herrlichen Dialogwitz und einige slapstickartige Szenen, z. B. skurrile Polizeikontrollen, die mich oft haben kichern lassen. Selbst als eine konservierte Leiche auftaucht, die das Leben der Familie Ehrlich gehörig auf den Kopf stellt, verzichtet die temporeiche Geschichte nicht auf den Witz. Sehr gefallen hat mir zudem der Zusammenhalt der Familienmitglieder, der allerdings auch zu Lasten von anderen Beziehungen geht.
Die Wärme innerhalb der Familie, auch wenn sich der Großvater jahrelang siezen lässt, ist stets spürbar und macht Ehrlich & Söhne zu einem wahren Wohlfühlroman. Ich habe ihn sehr genossen und bin der Familie gerne bei ihren alltäglichen und weniger alltäglichen Unternehmungen gefolgt.
Fazit: "Ehrlich & Söhne" ist ein heiterer und temporeicher Familienroman, der mit viel schwarzem Humor und tollen Charakteren punktet. Zudem sorgt auch die spannende Geschichte, die bis in die 1940er Jahre zurückreicht, für unterhaltsame Lesestunden.
Dnf nach 70 Seiten. Ich bin in die Handlung nicht sonderlich gut reingekommen, obwohl ich zu Beginn noch Potential gesehen habe. Zum Abrechen haben mich letztendlich die ständig reproduzierten rassistischen Stereotype gebracht. Am Anfang dachte ich noch, dass es am Alter des Buches liegt, aber als N-Wort gesagt wurde (auch in der Neuauflage vom letzten Jahr) hat es mir gereicht
Ein sehr humorvolles Buch, aber der Humor ist nie platt. Trotzdem hat es auch vieles gegeben, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Die Story hatte mehr als eine Überraschung und war sehr spannend. Mehr als einmal wurde ein scheinbar braver Bürger als heimlicher, aber sehr charmanter "Schurke" entlarvt, das hat mir sehr gut gefallen.
Eine ziemlich weirde Familiengeschichte. Schreibstil gut zu lesen und an vielen Stellen auch durchaus witzig und auch tiefgründig. Insgesamt bleibt aber ein merkwürdiger Nachgeschmack wegen einiger Familienverhältnisse.
Ich würde gern 3,5 Sterne geben. Die Familie ist einfach toll, vielleicht nicht ganz realistisch, aber es macht einfach Freude dabei zu sein. Es zieht sich an manchen Stellen etwas… trotzdem Ewald Arenz lohnt sich eigentlich immer.
Ich verstehe, dass dieses Buch nicht jeden Geschmack trifft - ich fand es großartig und habe mich köstlich amüsiert. Mit treffsicherem Wortwitz, skurrilen Charakteren und einem feinen Gespür für die Absurditäten des Lebens und des Todes schafft er eine wunderbare Mischung aus bissiger Ironie und liebevoller Familiengeschichte. Ein intelligenter, pointierter Roman – perfekt für alle, die schwarzen Humor lieben und das Leben nicht immer allzu ernst nehmen.
Ewald Arenz schafft es, dieses Gefühl vom Sommer in Deutschland zu beschreiben wie kein anderer. Er wechselt in diesem Buch zwischen 3 Perspektiven, drei Generationen zu unterschiedlichen Zeiten, alle brauchten die anderen für ihre Geschichte. Kleiner Abzug dafür, dass ich nicht weiß, wie ich in diesem Buch damit umgehen soll, wenn er das N-Wort ausschreibt, als er über die 70er schreibt. Es hat ein Gefühl von Unwohlsein ausgelöst. Denn obwohl er über früher schreibt und wie früher geredet wurde, hat er es dennoch im und für das 21. Jahrhundert geschrieben und was damals schon nicht okay war, geht jetzt noch weniger. Es hätte meiner Meinung nach elegantere Lösungen gegeben. Doch abgesehen davon, sein Schreibstil fesselt und dieser Roman bietet, neben Alte Sorten oder der Große Sommer, eine zum Teil morbide Leichtigkeit, mit der er durch die Geschichte der Familie Ehrlich tanzt.
This entire review has been hidden because of spoilers.