Eine Klingel mit vier Paul hat das Tennisspielen aufgegeben und nichts Neues angefangen. Elif redet dauernd, fragt, nervt, lacht, als würde sie einen schon ewig kennen. Julia ist so leise, dass man nicht weiß, ob sie zu Hause ist. Und Kenni? Er weiß selbst nicht, was er in Wien will. Er musste einfach weg. Von den Leuten, die in ihm den Typen sehen, der er war, bevor er der wurde, dessen Freundin bei einem Autounfall gestorben ist. Ihre letzte Reise, ohne ihn. Obwohl sie doch einen Sommer lang Frankreich entdecken wollten. Wider Erwarten wird die WG für Kenni zur neuen Heimat. Das Leben geht einfach weiter. Auch die geplante Reise findet statt – mit Elif auf dem Beifahrersitz, was keine gute Idee ist.
Zehn Jahre später, Kenni steht am Anfang seiner Karriere als Maler, treffen die vier sich in Zürich wieder. Es wird eine lange, laute Nacht, die lauter Fragen aufwirft. Erst zurück in Wien, aus Kenni ist inzwischen ein renommierter Künstler in den Vierzigern geworden, beginnt mit einem kurzen Gespräch ein Nachmittag, ein Abend, ein Anfang …
Nach dem traumatischen Verlust seiner Freundin bei einem Autounfall zieht Kenni aus seinem alten Umfeld weg und in eine Vierer-WG mitten in Wien. Seine Mitbewohner begegnen ihm aus Unkenntnis vorurteilsfrei und er ist hin- und hergerissen zwischen diesem neuen Leben und der Trauer um seine Freundin. In seinem neuen Leben kann er sich sogar vorstellen, seine Gefühle für die Mitbewohnerin Elif zuzulassen. Doch er schwankt sehr und sieht es teils als Verrat an seiner Ex-Freundin. Wie kann er sich selbst und seinen neuen Freunden gerecht werden?
Das Buch ist einfach extrem gut geschrieben und hat mich wie schon “Blaues Wunder” total in den Sog gezogen, sodass ich es fast an einem Tag beendet hatte. Es kommen nach und nach immer tiefere Schichten zum Vorschein und es bleibt bis zum Ende spannend. Die vorhandene Romance erweckte bei mir erstaunlicherweise weder das Gefühl, die Figuren anschreien zu müssen (à la “küsst euch doch einfach) noch ein cringe Gefühl. Es war einfach passend. Die männliche Perspektive des Protagonisten wurde, soweit ich das als Frau beurteilen kann, auch sehr gut von der Autorin umgesetzt.
Pascal Houdus liest es wirklich sehr gut, also auch als Hörbuch zu empfehlen.
Ich möchte das Buch allen ans Herz legen, die Romane mit starken Charakterentwicklungen und schweren Themen sowie Liebe ohne Kitsch mögen!
Was für eine coole Socke ist Anne Freytag eigentlich? Ich war auf einer ihrer Lesungen zu diesem Roman und man lernt dabei so viel über sie, über ihren Schreibprozess, über ihre ganz persönliche Bindung zu den Charakteren. Leider wurde in dieser Lesung schon fast die gesamte Story von Laute Nächte vorweggenommen. Das in Kombination mit der Tatsache, dass wirklich ALLES in diesem Roman im Text erklärt wird und man als Leser wirklich gar keine Transferleistung mehr bringen muss / darf, bedeutet für mich 3 Sterne. Ich mag die Geschichte trotzdem und bin ganz gespannt auf Freytags weitere Bücher ☺️
4.5/5 Man schreibt und liest so ein Buch nicht jeden Tag. Es ist eine ruhige Geschichte über das Leben in einer WG, aber mit einem spannenden Hintergrund der Hauptcharaktere. Nicht viele Schriftsteller schaffen es, gleichzeitig humorvoll, realistisch und düster über den Tod eines geliebten Menschen zu schreiben und dabei auch noch zu zeigen, wie man weitermachen kann. Das finde ich mutig.
Allerdings hat sich der Hype für mich in den letzten Kapiteln etwas reduziert, weil sich die Geschichte teilweise ein wenig gezogen und wiederholt. Teilweise hat sie sich auch zu sehr in Richtung einer traumhaften Liebesgeschichte entwickelt, wie wir sie uns im Teenageralter gewünscht hätten. Trotzdem blieb die Freundschaft zwischen den Figuren immer im Mittelpunkt. Das hat mir wirklich sehr gefallen.
Das Buch ist auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Als Hörbuch kann man alle Gefühle besonders intensiv spüren, von Herzen lachen und gleichzeitig weinen.
Wenn du deine alte WG vermisst & die Zeit, als ihr ständig zusammen gechillt habt, lies dieses Buch. Anne Freytag schreibt nahbar und federleicht über eine Freundesgruppe in Wien, über Verlust, Trauer, Freundschaft und Liebe.
Als Anne-Freytag-Fan habe ich mir vorgenommen, ganz unbefangen an LAUTE NÄCHTE heranzugehen. Nach den fantastischen vorherigen Werken nicht zu viel zu erwarten; sie nicht miteinander zu vergleichen. Und wie immer ist das auch gar nicht möglich aufgrund der wunderbaren, starken Vielfalt dieser Autorin.
„Wenn jemand stirbt, den man liebt, bekommt man ein gewisses Trauerfenster eingeräumt: den Part des Nicht-wahrhaben-Wollens gestehen sie einem noch zu, schätzungsweise, weil es ihnen selbst so geht. Aber mit der Zeit nimmt das Verständnis ab.“
Dieses Buch war vor allem eins: fantastisch. Fantastisch in genau dem richtigen Tempo, in dem wir Kenni über Dekaden begleiten. Ich habe es als sehr faszinierend empfunden, dass dieses Buch über Trauer, Liebe, Freundschaften und die Kunst des Weitermachens niemals kitschig, künstlich oder unpassend war.
„[…] Es macht einfach weiter. Und irgendwie tun wir das alle. Selbst wenn wir nicht wissen, wie.“
Ich bin noch nicht bereit, diesem Buch einen Platz im Regal zuzuordnen, weil ich es noch länger auf dem Tisch, auf der Kommode liegend betrachten möchte, wann immer ich daran vorbeigehe.
'Laute Nächte' ist einer dieser Romane, der mir nach dem Lesen der letzten Seiten Herzschmerz bereitet - ich bin noch nicht dazu bereit, die Figuren gehen zu lassen. Berührend und wirklich mitreißend aus den folgenden Gründen:
- Liebevoll geschilderte Freundschaften und das WG-Leben in den 20ern - Diese Trauer, die ein Loch in dich frisst und nie wieder verschwindet - Figuren, die dich ihren Schmerz fühlen lassen - Eine Liebesgeschichte, die berührt und darauf aufbaut, dass beide zunächst lernen, nicht von anderen abhängig zu sein.
Laut dem Klappentext geht es im Roman um die Menschen, die Spuren in deinem Leben hinterlassen - genauso, wie das Lesen dieses Romans Spuren hinterlässt.
das buch hat mich hin und wieder tränen gekostet. sehr tiefgründige emotionen, vor allem trauer - bei mehreren figuren auf unterschiedliche art. die trauer von kenni wird im buch unglaublich wahrhaftig wiedergeben. das ende hat mich glücklich gestimmt und ich fand es sehr passend.
LIEBE Anne Freytag! Das war irgendwie wie „Mein Leben beruht auf einer wahren Begebenheit“ aber besser? Es war ganz schön, aber seeeeehr kitschig. Hat mich aber sehr in den Bann gezogen und ich habe mich ein bisschen wie mit 17 gefühlt. Edit: ehrlicherweise muss ich sagen, dass der Plot die 4 Sterne nicht verdient hat. Aber irgendwas hat mich dann trotzdem sehr abgeholt! Muss erst noch ergründen, was das war.
Die Sprache war die meiste Zeit sehr intensiv emotional. Der Trauerprozess ist berührend schön und komplex eingefangen. Ich war sehr glücklich, dass das Ende offen war. So konnte ich mir vorstellen, dass es doch noch ein weiteres Lernen über die Fixierung auf und Obsession von erste(n) und zweite(n) Lieben geben könnte.
This entire review has been hidden because of spoilers.
eine erzählung von einem typen namens kenni der seine freundin durch einen unfall verliert. in eine wg in wien zieht und dort und die jahre danach anfängt sich mit seinen eigenen gefühlen auseinanderzusetzen. zudem geht es um neuanfänge die nie zu spät sind. ich mochte die geschichte und die entwicklung der person. es hat sich aber doch an vielen stellen gezogen, vor allem durch die für meinen geschmack etwas zu detaillierter erzählweise. zudem hat mir spannung gefehlt. es gab kurze spannenungsbögen welche dann aber schnell abgenommen haben. es ist ein gutes buch für ein sommerurlaub zum weglesen, aber kein muss.. :-)
eine wunderschöne geschichte über tiefe trauer, übers erwachsenwerden und erwachsensein - erzählt anhand von ehrlichen "raw" charakteren.
ich schließe mit zwei levin-liam-zitaten:
"Alles sieht aus wie auf Panorama Nichts sieht mehr aus wie, bevor du da warst Hm, hm, hm, komm zurück" (Panorama, 2026)
"Ich schreib' nur dieses eine dumme Lied noch Es ist halt nur, dass es nur eine wie dich gibt, doch Ich würd auch lieber wieder ruhig schlafen Ich mach' auch lieber Lieder, die nix verhandeln Der Schmerz war schöner, als er noch ausgedacht war Wär noch viel schöner, hätt ich dich nicht verstanden Warum muss ich nur der sein, der's in' Sand gesetzt hat?" (Ausgedacht, 2026)
Nachdem ich „Blaues Wunder“ von Anne Freytag großartig fand, waren meine Erwartungen an „Laute Nächte“ ziemlich hoch. Und was soll ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht.
Allein das Cover liebe ich sehr. Und ich mag es besonders, wenn ein Cover nicht nur hübsch aussieht, sondern auch wirklich einen Bezug zur Geschichte hat.
Inhaltlich war das Buch für mich wieder genau diese besondere Mischung, die Anne Freytag so gut kann: ruhig und unaufgeregt erzählt, aber trotzdem unglaublich tiefgründig, berührend und schmerzhaft schön. Es geht um Trauer, Verlust, Liebe, Freundschaft und darum, wie schwer es sein kann, weiterzugehen, ohne das Vergangene loslassen zu wollen.
Gerade das Thema Trauer hat viel mit mir gemacht, weil es für mich noch immer sehr präsent ist. Ich habe beim Lesen so viel gefühlt und die Charaktere total ins Herz geschlossen. Auch die Zeitsprünge haben für mich richtig gut funktioniert und der Geschichte nochmal mehr Tiefe gegeben.
Die männliche Erzählperspektive fand ich außerdem sehr gelungen und mal erfrischend anders. Kenni war für mich als Protagonist greifbar, verletzlich und echt.
Kenni flüchtet sich nach Wien. Er muss weg aus München. Weg von dem Ort, an dem er mit seiner Freundin Pläne geschmiedet hat, die durch den Autounfall zerstört wurden. Geblieben sind ihm nur Erinnerungen und ihr Kater. Er findet einen Platz in der WG von Paul und hofft in der neuen Stadt unter neuen Menschen auf einen Neuanfang.
Kennis Trauer ist greifbar. Lange kann er nicht über den Tod seiner Freundin sprechen, weil das den Verlust wieder an die Oberfläche holt. Deshalb betrachtet er umso genauer seine Mitbewohner, vor allem Elif. Sie ist die, die für ihn am meisten präsent ist, die sich in seine Trauer drängt und versucht, ihn in die Gruppe zu integrieren.
Je näher sich die ungleichen, desto mehr erfährt man über sie. Oft entspricht der erste Eindruck nicht dem ganzen Bild. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind und sich über die Eigenarten der anderen ärgern, werden sie doch Freunde. Nach und nach schafft es Kenni, sich seinen Erinnerungen zu stellen und über seinen Verlust zu sprechen. Und er verliebt sich in Elif, die für ihn lange unerreichbar ist, aber es scheint nie der richtige Zeitpunkt zu sein.
Auch als die Mitbewohner ihre eigenen Wege gehen und Kenni als Künstler durchstartet, bleibt die Erinnerung an diese Zeit. Bei den Wiedersehen ist es so, als ob sie sich gestern erst gesehen hätten und trotzdem anders. Sie haben sich verändert, aber vielleicht hat es das gebraucht, um nochmal neu anzufangen.
Für mich teilt sich der Roman in zwei Teile auf: die Zeit in der WG, die sehr intensiv beschrieben wird und in der mir die Bewohner mit allen Marotten ans Herz wachsen. Und die Zeit danach, als Kenni wieder einmal mit den Erinnerungen an eine Zeit lebt, in der er glücklicher war, als er es jetzt zu sein scheint. Der erste Teil ist so schön geschrieben, dass der zweite nicht ganz heranreichen kann.
Der Klappentext erzählt sehr viel von der Handlung, deshalb wir ich mir nicht sicher, ob ich den Roman wirklich lesen will. Aber es gibt noch viel zu entdecken, gerade was die Charaktere und die Dynamik zwischen ihnen angeht, deshalb bin ich froh, dass ich mich nicht habe abschrecken lassen.
"Wenn jemand stirbt, den man liebt, bekommt man ein gewisses Trauerfenster eingeräumt: den Part des Nicht-wahrhaben-Wollens gestehen sie einem noch zu, schätzungsweise, weil es ihnen selbst so geht. Aber mit der Zeit nimmt das Verständnis ab. Weil sie ihr Leben genießen wollen, was nicht recht funktioniert, wenn immer einer mies drauf ist."
Kenni ist grade mit der Schule fertig geworden und möchte mit seiner Freundin Jasmin einen Roadtrip durch Frankreich machen, als Jasmin bei einem Unfall verstirbt. Da er es im heimischen München, mit dem fertigen Camper in der Garage, nicht mehr aushält, zieht er in eine Vierer-WG nach Wien - eine Stadt, mit der ihn nichts verbindet, in der es keine gemeinsamen Erinnerungen gibt.
In seiner WG knüpft Kenni unverhofft enge Freundschaften, doch er merkt schnell, dass seine Vergangenheit sich nicht abschütteln lässt. Um Jasmins Tod zu verarbeiten, muss er den Roadtrip nachholen. Doch ist es eine gute Idee, seine Mitbewohnerin Elif mitzunehmen?
Der Roman teilt sich auf vier Zeitabschnitte auf, die nicht chronologisch erfolgen. Das macht es etwas spannender, da man bis zum Schluss nicht weiß, ob und wie sich die Beziehungen der WG-Mitbewohner:innen in der Gegenwart abspielen, in der Kenni bereits in den Vierzigern ist.
Anne Freytag hat den Ton eines Coming-of-Age Romans gut getroffen. Die kurzen, pointierten Sätze beinhalten oft sehr viel Dramatik und Weltschmerz. Die handelnden Charaktere stehen allesamt an der Schwelle zwischen Altem und Neuem, wissen nicht so recht, in welche Richtung es weitergehen soll oder wen sie lieben sollen. In dieser Schwebesituation entstehen tiefe Freundschaften, doch nicht alle überstehen das Erwachsenwerden unbeschadet.
Beim Lesen hat mir leider der Zugang zu den Figuren gefehlt, so ganz reingefunden habe ich nicht. Richtig gut gefallen hat mir der Umgang mit Trauer, dazu habe ich mir einige Sätze angestrichen, die voll ins Herz gehen. Teilweise war mir die Sprache aber zu Poetry Slam-mäßig, zu gewollt tragisch. Für Coming-of-Age Fans ist es aber sicherlich genau das Richtige.
Funfact: im Roman wird auf das gleiche Filmzitat Bezug genommen wie in Cora Wucherers “All die Farben, all das Licht”, das ebenfalls vor kurzem veröffentlicht wurde.
Wow, wow, wow. Ich kenne niemanden, der so wundervoll über Trauer und Verlust schreibt wie Anne Freytag - so tief und schmerzhaft und ehrlich. Ich habe so mitgefühlt und mit jedem Stück, das Kenni geheilt ist, ist auch irgendwas in mir geheilt. Ich liebe diese WG-Atmosphäre am Anfang und das geborgene Sich-wieder-über-den-Weg-laufen, und Wien sowieso. Und nebenbei die ungefähr süßeste Liebesgeschichte die ich seit langem gelesen hab, was soll ich da noch sagen 🥹❤️🩹
Wenn ich mehr als 5 Sterne vergeben könnte, würde ich es tun. Anne Freytags Schreibstil ist so besonders und lässt einen tief in die Geschichte eintauchen. Erstaunlich, dass die erste Hälfte des Buchs ausschließlich an einem Ort, in einer WG spielt, und ich trotzdem das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Die Charaktere haben mich tief berührt und bis zum Ende mitfühlen lassen. Eine Geschichte, die nachhallt.