Eine Sammlung von Essays unterschiedlicher Personen, die sich früher einmal als politisch "links" verortet haben, diese Selbsteinschätzung aber abgelegt haben. Ein interessantes Thema - insgesamt aber hatte ich mir von dem Buch mehr versprochen. Die Essays sind - wie immer in solchen Sammlungen - von unterschiedlicher Güte. Von der hingehauenen Glosse (Henryk M. Broder) über tieferreichende Analysen bis hin zu biographischen Versuchen ist alles dabei. Hervorstechend sind die Texte von Antonia Grunenberg, Hubert Kleinert und Mathias Brodkorb. Da wird man als Leser nicht abgespeist, sondern die erhellen die intellektuelle Geschichte der (west)deutschen Linken seit dem 2. Weltkrieg. Und beleuchten auch, ab wann sie den Weg der "Linken" nicht mehr mitgehen konnten bzw. wo diese sich so veränderte, dass sie ihre Ziele nicht mehr teilen konnten.
Einen weiteren Stern Abzug gab es, weil das Buch wirklich erbärmlich schlecht lektoriert ist und von Fehlern nur so wimmelt.
Die Beiträge von Dieter Nur und Andreas Grebers lagen mir am meisten, alle anderen waren aber auch gut. Allerdings muss ich zugeben, daß ich ein wenig schockiert war, wie viele der, teilweise auch mir bekannten, Autoren in ihrer Jugend In den 60er oder 70er Jahren nicht nur zum Beispiel Juso-mäßig unterwegs, sondern sogar in kommunistischen Gruppen aktiv waren. Das hätte ich nicht gedacht...