Mit einem heimlich geschlachteten Schaf beginnt der Blick in die Innereien einer Familie. Hier rührt die Urgroßmutter das Blut für die Würste, der Großonkel schläft fünfzehn Jahre lang, und die Großmutter stiehlt nachts die Ziegel vom Dach. Am Ende steht die Urenkelin Alma und fügt die Einzelteile ihrer Familiengeschichte zusammen – vom kargen Alltag auf einem Bauernhof an der Nordsee über den Neuanfang nach dem Krieg bis in die Gegenwart, in der Alma das jüngste und einzig verbliebene Glied in der Kette ist. Behutsam werden die großen Linien des Lebens das ständige Werden und Vergehen und die Prägungen, die sich weitertragen zwischen den Generationen. Es ist eine Geschichte von bevorzugten Geschwistern, vom Scheitern am Schlaf und an der Sprache, von der Verwandlung in ein Möbel, einen Wolf, einen Zitronenbaum. Lakonisch und zugleich voll schwebender Magie erzählt sie davon, was Vorbestimmung ist und ob man ihr entkommen kann.
Ein definitives Highlight dieses Jahr, ein Herzensbuch!
Erzählt wird die Familiengeschichte der Erzählerin. Immer wieder taucht sie in der Gegenwart auf, verliert sich dann wieder in Erinnerungen. An diesen Hof an der See. An die Urgroßmutter, die Großmutter, die Mutter. Die Großväter, die Onkel. Fragmentarisch erinnert sie sich, oder erinnert sich an Erzählungen, setzt die einzelnen Geschichten mit ihrer eigenen in Beziehung und macht deutlich, wie transgenerationales Trauma weitergegeben wird.
Zum Inhalt möchte ich gar nicht so viel sagen, die Spoiler-Gefahr ist zu groß, aber WIE Anna Maschik das alles erzählt, ist so fantastisch, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Es ist voller Poesie - also wirklich lyrisch an manchen Stellen - , magischem Realismus und insgesamt einer Sprache, die einen sanften, aber dennoch unaufhaltsamen Sog entwickelt.
Ich liebe alles an diesem Buch, dessen erste Seiten mich schon in ihren Bann geschlagen haben. Lest das unbedingt, ich bin mir sicher, ihr werdet es genauso lieben!
Anna Maschik hat ihren Roman, an die eigene Familiengerichten im 20. Jahrhundert angelegt. Wir starten bei Uroma und enden bei der Mutter der Ich-Erzählerin. Ist nichts neues, scheint das doch der Lieblingsinhalt der neueren deutschen Literatur zu sein.
Tendenziell nervt es mich eigentlich. Trotzdem konnte ich diesem Buch einiges abgewinnen und hatte viel Lesefreude damit. Märchenhafte Elemente, sehr gute Figurenzeichnung und starke Bilder in den Beschreibungen haben aus der unoriginellen Idee ein einigermaßen originelles Buch gemacht.
Auf Grund der recht kurzen Kapitel bin ich durch die Lektüre durchgerauscht und das Buch ist vielleicht insbesondere dann eine gute Wahl, wenn die Konzentration nicht für lange komplexe Texte reicht. Die Autorin schafft es, auf sehr kleinem Raum, in gekonntem Gebrauch von Sprache und Stilmitteln, viel spannendes zu erzählen.
Ein wunderbares Wunderbuch Die Überschrift lässt ahnen: Ich bin hingerissen von diesem Buch. Es steckt voller Wunder und aus dem Staunen kommt man nicht raus. Als würde ein Zitronenfalter von der Nordsee nach Österreich fliegen, von vergangener Zeit ins Heutige. Sich schlängeln durch Generationen, nicht geradeaus mit Pfeilspitze, sondern wie Schmetterlinge sind: Hin und her und wieder mal zurück, im Rundflug immer dort, wo das Besondere ganz besonders ist. Ein Wunder ist die Sprachkunst in diesem Buch und seine kunstvolle Form ebenso. Kleine Abschnitte, etwas längere, Listen, die lustig sind, fast leere Seiten ab und zu, die sprechen können. Ein Buch voller Surrealismus und Heiterkeit, wundersamer Bilder und Begebenheiten, ja, das Irreale charakterisiert das Wirkliche so gut, dass wir es uns ganz wunderbar vorstellen können. Die Frauen sind wichtig in diesem Buch und alles ist handfest und zart skizziert zugleich. Es tänzelt und schlängelt sich - und ganz am Ende klärt sich dann auch der Bezug zu dem wirklich auch ganz wunderbaren Cover aus. Dieses Buch hätte einen Platz auf der Longlist zum Buchpreis verdient.
Una obra que m'ha sorprès d'inici a final, com ho fan les bones històries, aquelles que contenen tots els ingredients perquè les gaudim.
Amb una estructura original i un estil lleuger l'autora ens endinsa en un món rural on les tradicions, el rol de les dones i el pes de la família prenen tot el protagonisme dins d'aquest llinatge de dones valentes de diferents generacions.
Un dels punts més forts és la construcció dels personatges i com esdevé una obra coral; coneixem els punts de vista i les inquietuds de tots i cadascun dels protagonistes.
Els elements de la natura són un element clau i reparador en aquesta novel·la costumista.
Tot comença amb una escena quotidiana en l'entorn rural com és el sacrifici del bestiar.
La Henrike (besàvia de l'Alma) és una dona forta i amb empenta, des de ben aviat aprèn a espavilar-se sola i li toca tenir cura dels germans i de la casa. Quan el seu pare marxa a la guerra i els germans se'n van, es casa amb el Georg. Arriba el primer fill, en Benedikt i aquest no vol obrir els ulls fins molts anys després. Naix la segona filla (la Hilde) i les dones han d'assumir les tasques de l'hort, treballar la terra, pasturar ja que els homes són cridats al front.
La Hilde es queda embarassada, i ella i el Konrad es converteixen en pares del Wolfgang i es traslladen a la ciutat. Després arriba més mainada, el David i la Miriam. Trobarà a faltar el poble la resta de la seva vida i només en l'hort troba consol.
La Miriam és mare soltera i és així com neix l'Alma, la darrera descendent que vol conèixer els secrets familiars i que troba en el llimoner el millor símbol on aferrar-se.
Acompanyem a les dones d'aquesta genealogia en tots els canvis que la societat i elles viuen: desarrelament de la terra, abandonament del món rural, prosperitat...
Totes les històries tenen un fil invisible que les enxarxa, un fil amb molt de simbolisme que representa la vida i la mort i que encarnen la llevadora i l'amortalladora.
Anna Maschik - Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten. Luchterhand 2025 | Rezensionsexemplar
Anna Maschiks Debütroman trägt einen der besten Titel dieses Jahres, hinter dem sich viel mehr verbirgt, als man vermutet. "Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten" ist eine magische, verdichtete Familiengeschichte über vier Generationen mit Leerstellen. Der Titel ist zudem der erste Satz, der uns in eine bäuerliche Szenerie wirft, die mich direkt gepackt hat.
Alma erzählt die Geschichte ihrer Familie, der Text setzt bei ihrer Urgroßmutter Henrike ein, die das Schlachten beherrscht. Mit ihrem Mann Georg hat sie zwei Kinder, Hilde und Benedikt, der erst als junger Mann aufwacht und am Familienleben teilnimmt. Henrike bevorzugt ihren Sohn spürbar gegenüber ihrer Tochter. Hilde wird einen Funker heiraten und drei Kinder zur Welt bringen: Wolfgang, David, Miriam. In dieser Generation setzt sich ein Muster fort, auch Hilde wird eines ihrer Kinder bevorzugen. Viel mehr Figuren gibt es nicht, wichtig ist noch Nora, die im Dorf für den Tod zuständig ist. Bei Todesfällen erscheint sie mit den verstorbenen Verwandten. Ein gleichsam tröstlicher wie verstörender Einfall, zeigt er doch die Verbundenheit der Familienmitglieder. Aus den familiären Strukturen kann sich niemand lösen.
Sprachlich ist der Text oft sehr knapp, doch trotz der Leerstellen spüren wir die Verbindungen zwischen den Familienmitgliedern, unabhängig davon, wie nahe sie sich stehen. Oft werden nur kurze Begebenheiten erzählt, zum Teil auch nur Listen aufgeführt, die viel über das Familiengefüge verraten. Die Antworten beispielsweise zur Kategorie "Was mir die Großmutter über den Krieg erzählt", fallen spärlich aus. Auf der gegenüberliegenden Seite zur Kategorie "Was mir die Großmutter nicht über den Krieg erzählt" ist lediglich das Wort "alles" vermerkt. Das ist sowohl klug gesetzt als auch inhaltlich ausreichend, um diese Leere darzustellen.
Das Leben ist hart zu manchen Figuren, sie sind es auch untereinander. Das bäuerliche Leben ist karg und entbehrungsreich, der Krieg verschont auch diese Familie nicht, Vater und Sohn müssen an die Front.
Ein Element, das mich überrascht hat, ist die Magie. David wird zu einem Möbel, Benedikt zu einem Wesen mit langem Bart und Fingernägeln, auch die Zitronen auf dem Cover lassen sich mit diesem Element erklären. Es mag merkwürdig klingen, fügt sich aber gut in die Geschichte ein. "Manchmal rede ich mit der Kommode, die der Ururgroßvater ist. Ich erzähle ihr vom Holzwurm, der im Haus der Großmutter wohnt, und verspreche, ihn nicht mit nach Hause zu bringen."
"Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten" ist ein ungewöhnliches, verknapptes Portrait über vier Generationen, das ich ausdrücklich empfehlen möchte. Es ist erfreulich, dass Anna Maschik für den Österreichischen Debütpreis 2025 nominiert ist. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Protagonistin Alma erzählt in diesem Buch fragmentarisch die Geschichte ihrer Familie. Großenteils geht es um den Alltag auf dem Bauernhof der Familie, der an der Nordsee liegt. Von alten Bauerntraditionen bis in die moderne Gegenwart entsteht so das Abbild einer Familie, die schlimme Zeiten zu überstehen hatte. Die Urgroßmutter, der Onkel, der 15 Jahre lang geschlafen hat - eigenartige, persönliche Schicksale, Es ist eine besondere Familiengeschichte, die hier erzählt wird und die einen in den Bann zieht, egal wie wirr sie auch wirken mag.
Ich habe das Buch mit dem außergewöhnlichen Titel sehr gerne gelesen. Positiv überrascht war ich von den Elementen des magischen Realismus. die sich perfekt in die Geschichte eingewoben haben. Auch die fragmentarische Erzählweise und die eigenartige Perspektive hat mir gut gewirkt. An manchen Stellen hat es sich so angefühlt, als würde Alma erzählen, an anderen so, als gäbe es eine weitere, namenlose und unabhängige Erzählinstanz.
Ich mochte die Leitthemen des Werkes, den Fokus auf die familiären Strukturen und die Eigenarten der Charaktere. Auch der "Konflikt" zwischen Land- und Stadtleben hat mir gut gefallen.
Leseempfehlung! Die Nominierung für den Österreichischen Buchpreis kann ich auf jeden Fall sehr gut nachvollziehen.
Ich liebe alles an diesem Text und habe ihn verschlungen: Anna Maschik beherrscht ihr Handwerk extrem gut, es gibt so viele schöne Motive, so viel angelegtes in den Figuren, so vieles, was mich mit einer enormen Kraft berührt hat. Niemand ist eine Schablone, alles wird durchleuchtet, und die Beschreibungen sind so gut und klar und auf den Punkt, die Sprache wie eine Beschwörung. Wem darin der Plot fehlt, der hat das Buch nicht verstanden. Es könnte mein liebstes des Jahres werden.
"Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten, heißt es. Die Schweine verraten dich mit ihrem entsetzlichen Geschrei, die Schafe aber sterben still."
"Sie singt Guten Abend, gut' Nacht. Sie singt, Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt. Sie geht aus dem Zimmer. Ich liege mit weit geöffneten Augen wach und denke, was, wenn er nun morgen nicht will."
"Die Landschaft ist ein großer schlafender Körper, an den sie sich mit Blicken schmiegen kann, und das Meer ist seine Atmung."
"Schlafende sind mir nicht geheuer. Sie sind freiwillige Tote, die mich allein hier zurückgelassen haben. Wohin sie sind, kann ich nicht folgen, und das verzeihe ich ihnen nicht."
"Frauen, die bluten: Lassen Einmachgläser aufgehen Lassen Pökelschinken kein Salz aufnehmen Lassen Bier nicht gären Lassen Teig nicht gehen Lassen Sahne ausflocken Lassen Blumen verwelken Lassen Ernten verkümmern Lassen Obst verderben Lassen Stürme wüten"
"Es wohnen Monster unter meinem Bett, weil ich sie dahin eingeladen habe. Es ist mir lieber, sie wohnen unter meinem Bett als in irgendwelchen Ecken, aus denen sie mich beobachten können."
"Ich fürchte mich vor meinem Nabel, der einst meine Tür zur Welt war und mein erster Mund. Jetzt ist er eine kreisrunde Narbe in meiner Mitte, und ich denke, wenn ich einen Finger hineinstecke, bohre ich damit bis in mein Innerstes. Dann ist da ein Loch, durch das ich, wenn ich mich vornüberbeuge, den Eingeweiden bei der Arbeit zusehen kann."
"Die Mutter geht jedes Jahr an ihrem Geburtstag zur Magenspiegelung, als feiere sie ein Fest, zu dem ich nicht eingeladen bin. Sie lässt sich einen glänzenden Taucher die Speiseröhre hinabsenken, er sieht sich um mit seinem kleinen Licht, und ihre Innereien werfen rote Schatten an die Wand."
"Wenn im Winter der Schnee den Garten löscht und die Tage kurz werden und grau, wird die Mutter unruhig. Kommt dann doch einmal die Sonne durch, sagt sie, jetzt kann ich endlich nach draußen, als hätten die Wolken sie im Haus gehalten. So lerne ich, dass der Winter zu fürchten und auf den Sommer zu hoffen ist. Wenn ich morgens aufwache und vor den Fenstern der Hochnebel eine Decke über die Welt gelegt hat, erstarre ich. Der Himmel drückt schwer auf meine Brust, ich kann den Blick nicht von ihm wenden, wie ein Reh, das in die Scheinwerfer des Autos starrt, regungslos auf den Aufprall wartend."
Wie sehr prägt uns die Geschichte der eigenen Familie? Woher kommen wir? Und wie werden wir zu denen, die wir sind? »Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten«, das Debüt von Anna Maschik, geht diesen Fragen nach und erzählt von den vier Generationen einer Bauernfamilie: Schicht für Schicht trägt die Ich-Erzählerin die Geschichte ihrer Familie ab – angefangen von der Urgroßmutter bis zu sich selbst.
Das Buch ist sprachlich unglaublich reich und komplex. Teile des Textes erinnern an kurze Gedichte, der Stil ist metaphorisch und poetisch, wodurch es oft fast an ein Märchen erinnert. Durch seine kurzen Passagen liest es sich schnell, gleichzeitig lassen die vielen Leerstellen auch genug Raum für eigene Interpretationen.
In dem Roman geht es um Armut, die harte Lebensrealität, Einsamkeit, Verluste und Traumata – alles anhand verschiedener Familienmitglieder. Erzählt wird jedoch nicht chronologisch, sondern fragmentarisch und bruchstückhaft: Erinnerungen, Erzählungen, fein beobachtete Alltagsmomente und kleine Details machen die Geschichte der Familie aus. Gekonnt verwebt Anna Maschik Gegenwart und Vergangenheit zu einem kleinen literarischen Kunstwerk. Ganz große Empfehlung!
Eine Familiengeschichte über mehrere Generationen spannend aufgearbeitet. Man sieht gut wie sich Trauma weiter vererbt und dadurch Beziehungen in der Familie beeinflusst. Die Sichtweise der Kinder finde ich persönlich auch sehr nett dargestellt. Ein Buch das sich schnell lesen lässt durch kurze Texte, die die Gedanken und Gefühle der verschiedenen Familienmitglieder nachvollziehbar an die Leser vermittelt.
tolle bildhafte sprache, irgendwie sehr unique und eigenwillig (positiv gemeint), für mich durch die magischen elemente manchmal ein bisschen verwirrend aber es war auf jeden fall ein vibe
Das Buch hat mir sehr viel Spaß gemacht zu lesen und dennoch muss ich zugeben, dass ich als Mama eines zwei monatigem Kind echt häufig schlucken musste. Die Themen rund um Kinder werden echt unverblümt dargestellt und ist trotz der trockenen Sprache nichts für schwache Nerven.
Zweites Buch gelesen auf einer langen Autofahrt. Titel fängt einen sofort ein (mich zumindest), das Cover passt auch, wenn man die letzten Seiten gelesen hat. Eine kleine Familienchronik, kurze Abschnitte, keine klaren Kapitel, alles fließt ineinander dadurch. Tragisch, wie sich Verhaltensmuster, die von den Vorfahren gehasst wurden, sich unbewusst auch in den Nachfahren zeigen.
tw/cw: Schlachten von Tieren, Suizidversuche, erwähnt Krieg, Gewalt, Blut, Dornröschen-Syndrom (?) etc.
1. mal gelesen: 3⭐️ (schöne Sprache & Form, klare Anekdoten, aber insgesamt verwirrend) 2. mal gelesen: 4.5⭐️ (wenn ich nicht 2 Versuche gebraucht hätte, wär's 5⭐️)
Um ehrlich zu sein, habe ich Familiengeschichten so ein bisschen über. Entweder sind sie sehr ausführlich, leicht kitschig und ein bisschen langweilig (so viele unterschiedliche Geschichten gibt es einfach nicht) oder sie strengen mich mit gewollter Literarizität an. Anna Maschik aber hat mich irgendwie auf dem genau richtigen Fuß erwischt. Ich wollte schon ein bisschen genervt sein, als es mit einer Schlachtszene (edgy!) losging - aber dann war ich einfach hooked.
Ich mochte den Ton, ich mochte den Blick auf die Figuren, ich mochte, wie sich Verhalten von einer Generation zur nächsten weitervererbt hat. Ich mochte erstaunlicher Weise auch die ganz selbstverständlich eingestreuten magisch-realistischen Szenen, die mich nie irritiert oder aus der Erzählung herausgeworfen haben. Ich war ein großer Fan der Listen in diesem Buch - schon bei Nach den Fähren (Mengeler) und Lebensversicherung (Bach) mochte ich das Stilmittel, und jetzt scheint klar zu sein, dass das für mich oft funktioniert.
An manchen Stellen hätte man noch etwas differenzierter auf einzelne Personen eingehen können - aber der Roman schafft auf so wenig Seiten schon so viel, dass das Detailkritik bleiben muss. An einem schlechteren Tag hätte ich dem Buch auch 4 Sterne geben können, aber ich fand es überraschend, fesselnd und literarisch interessant. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
Was ich am Buch mag: Die Effizienz Die Form Die Sprünge Dass Hilde auch denkt, dass man nur eine begrenzte Anzahl an Worten und Schritten im Leben hat und sparsam damit umgehen sollte.
„Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ von Anna Maschik ist bestimmt einer der längsten Titel, den ich je gelesen habe. Was mich nicht weniger neugierig auf das Buch gemacht hat – im Gegenteil, sowohl der Titel als auch das Cover haben mich schon sehr angesprochen.
Der Roman erzählt die Geschichte einer Bauernfamilie über mehrere Generationen hinweg, wobei vor allem der Fokus auf den weiblichen Familienmitgliedern liegt. Es beginnt mit der Urgroßmutter Henrike der Protagonistin Alma, die im heimlichen ein Schaf schlachtet und endet mit einem Zitronenbaum. Dabei bleibt die Erzählung keinesfalls chronologisch, viel mehr werden fragmentarisch Ausschnitte der verschiedenen Leben gezeigt, die Almas Leben generationsübergreifend beeinflusst haben. Dabei ist vor allem spannend, nicht was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird. Maschik bedient sich verschiedener Erzählperspektiven und -verfahren, um einen Zusammenhang zwischen den Familienmitgliedern herzustellen. Dabei passiert vor allem zwischen den Zeilen und intertextuell ganz viel. Sprachlich erinnert Maschiks Schreibstil dabei unter anderem an Romane von Mariana Leky oder Juli Zeh – beides große Autorinnen der heutigen Zeit, die auch zu meinen Lieblingsautorinnen zählen.
Ich fand den Roman so großartig, dass ich ihn direkt nochmal lesen musste, um wirklich alle Zusammenhänge zu verstehen. Dieses Buch lädt durch seine besondere Erzählweise aber auch wirklich dazu ein, mehrmals gelesen zu werden und auch während des Lesens immer wieder zurückzublättern. Denn die Lektüre des Buchs erinnert an das, als was die Protagonistin ihre eigene Lebensgeschichte bezeichnet: eine „Eingeweideschau“. Dadurch regt der Roman trotz seiner relativen Kürze mit 240 Seiten zum Nachdenken an und lässt nicht so schnell wieder los. Ich gehe davon aus, dass der Roman deshalb auch nicht für jede:n so ansprechend ist, wie er es für mich war. Wer aber Lust hat, ein Buch nicht nur zu lesen, sondern es „auf seine Beschaffenheit zu untersuchen“ und sich damit wirklich auseinanderzusetzen, landet hier wirklich einen Volltreffer.
Ich persönlich liebe es, ein Buch sowohl sprachlich als auch erzähltechnisch und inhaltlich zu analysieren und selbst auf Zusammenhänge, wiederkehrende Symbole, Sätze und Metaphern zu stoßen. Und damit war „Schafe töten“ für mich wirklich ein perfekter Roman! Ich glaube, dieses Buch könnte man auch perfekt in der Schule oder einem Uni-Seminar gemeinsam lesen und besprechen, da ich trotz zweifacher Lektüre gewiss nicht auf alles gekommen bin, was dieses Buch zu bieten hat und ich große Lust hätte, mich mit anderen darüber auszutauschen.
Für mich war „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ jedenfalls perfekt und definitiv ein Jahres-, wenn nicht sogar Lebenshighlight! Ein sehr gelungener Debütroman, der hoffen lässt, noch mehr von der Autorin zu hören!
Ich war sehr beeindruckt von den sprachlichen Fähigkeiten der Autorin und absolut gerührt über deren Verbindung mit der Familiengeschichte. Das Buch ist intelligent und dennoch leicht zu lesen, trotz hoher Motivik und verschiedenen Figuren sowie Perspektiven. Oft scheint es wie ein Fluss, dem man ohne Anstrengung folgen kann. Leider war ich ein wenig verwirrt über die Motivik von Tod & Leben, beziehungsweise Nora und Anna, ebenso wie manche sehr fantasievolle Bilder, die über den Verlauf des Romans immer häufiger auftreten. Da hätte mir am Ende irgendwie ein konkreteres Zusammenbringen aller Fäden gefehlt. Dies ist aber kein Kritikpunkt, sondern lediglich eine Rechtfertigung, weshalb ich diesem Roman keine 5 Sterne gebe.
- Gefühlvoll und authentisch - das unspannende wird spannend - großartige Motivik
eine familiengeschichte über vier generationen, eingepackt in verschiedene erzählungen, die alleinstehen und doch alle zusammenhängen. einerseits unglaublich echt und ehrlich, anderseits mit einer wunderbaren prise fantasie versehen.
eine bewegende reise durch leid, familiäre verhaltensmuster, umgang mit enttäuschungen und abschied. anna maschik gelingt es, mit wenigen worten viel zu sagen. der nüchterne erzählstil schafft eine distanzierte atmosphäre, die dennoch mitreißt und mitfühlen lässt.