Dieser Band bündelt zwei hochaktuelle Beiträge Michel Foucaults zum Thema Sexualität. Im Mittelpunkt des 1982 geführten Gesprächs »Sex, Macht und die Politik der Identität« steht seine Hoffnung, durch andere Begierden neue Lebensformen zu erschaffen. In »Das wahre Geschlecht«, ursprünglich als Vorwort zu den Memoiren Herculine Barbins verfasst, beschäftigt sich Foucault mit Geschlechtsidentitäten jenseits binärer Kategorien. Weitsichtig und klar äußert er sich jeweils zu Fragen, die viele bis heute beschäftigen: Gibt es so etwas wie ein »wahres« Geschlecht? Braucht es eine genuin homosexuelle Kultur? Und wie könnte diese gedacht werden?
Obwohl Michel Foucault das 21. Jahrhundert nicht mehr erlebt hat, sind viele seiner Ideen und Konzepte – von der Biopolitik bis zur Freundschaft als Lebensform – aktueller denn je. Man könnte sogar sagen, dass sie erst im Kontext heutiger Debatten ihre volle Kraft entfalten.
Paul-Michel Foucault was a French philosopher, historian of ideas, writer, political activist, and literary critic. Foucault's theories primarily address the relationships between power and knowledge, and how they are used as a form of social control through societal institutions. Though often cited as a structuralist and postmodernist, Foucault rejected these labels. His thought has influenced academics, especially those working in communication studies, anthropology, psychology, sociology, criminology, cultural studies, literary theory, feminism, Marxism and critical theory. Born in Poitiers, France, into an upper-middle-class family, Foucault was educated at the Lycée Henri-IV, at the École Normale Supérieure, where he developed an interest in philosophy and came under the influence of his tutors Jean Hyppolite and Louis Althusser, and at the University of Paris (Sorbonne), where he earned degrees in philosophy and psychology. After several years as a cultural diplomat abroad, he returned to France and published his first major book, The History of Madness (1961). After obtaining work between 1960 and 1966 at the University of Clermont-Ferrand, he produced The Birth of the Clinic (1963) and The Order of Things (1966), publications that displayed his increasing involvement with structuralism, from which he later distanced himself. These first three histories exemplified a historiographical technique Foucault was developing called "archaeology". From 1966 to 1968, Foucault lectured at the University of Tunis before returning to France, where he became head of the philosophy department at the new experimental university of Paris VIII. Foucault subsequently published The Archaeology of Knowledge (1969). In 1970, Foucault was admitted to the Collège de France, a membership he retained until his death. He also became active in several left-wing groups involved in campaigns against racism and human rights abuses and for penal reform. Foucault later published Discipline and Punish (1975) and The History of Sexuality (1976), in which he developed archaeological and genealogical methods that emphasized the role that power plays in society. Foucault died in Paris from complications of HIV/AIDS; he became the first public figure in France to die from complications of the disease. His partner Daniel Defert founded the AIDES charity in his memory.
wollte immer schon was von foucault lesen und hab dann dieses kleine kurze buch für einen günstigen taler in einer buchhandlung gesehn und zugeschnappt. es besteht aus zwei texten, einem interview (foucalt als interviewee) und noch nem anderen text (nicht von foucault) den ich schlecht fand :/
Dieses kleine Buch ist schnell gelesen, aber inhaltlich deutlich größer, als sein Umfang zunächst vermuten lässt. Es besteht aus einem Interview und einem kurzen Essay, der ursprünglich einmal als Vorwort diente. Gerade deshalb sollte man hier keine systematische Einführung in Foucault erwarten. Eher handelt es sich um eine konzentrierte, fast fragmentarische Annäherung an einige seiner zentralen Themen: Sexualität, Macht, Identität und die Frage, wie wir überhaupt zu Subjekten werden.
Besonders interessant fand ich den Essay über das wahre Geschlecht. Gerade seine Aktualität macht ihn heute so lesenswert. Foucault zeigt hier einmal mehr, wie problematisch der Wunsch nach eindeutigen Identitäten sein kann. Was zunächst nach Befreiung klingt, kann sehr schnell wieder in neue Formen der Einordnung, Kontrolle und Normierung umschlagen. Genau darin liegt für mich die Stärke dieses kleinen Bandes. Er wirkt nicht wie ein abgeschlossenes Statement, sondern wie ein Denkanstoß, der sich überraschend direkt in gegenwärtige Debatten hinein verlängern lässt.
Auch das Interview ist lesenswert, weil es Foucault in einer etwas unmittelbareren Form zeigt. Weniger streng systematisch, dafür offener und zugänglicher. Man merkt, wie sehr ihn nicht nur Sexualität als Thema interessiert, sondern die Machtmechanismen, die darüber bestimmen, wie wir über uns selbst sprechen und uns selbst verstehen.
Natürlich ersetzt dieses Buch weder Der Wille zum Wissen noch andere größere Texte Foucaults. Dafür ist es zu klein, zu punktuell und auch zu unsystematisch. Aber gerade als Ergänzung oder als kurzer Einstieg in bestimmte Motive seines Denkens funktioniert es sehr gut.
Insgesamt ist das ein kleines, kluges und erstaunlich aktuelles Buch. Keine große Theorieanlage, sondern eher ein präziser Eingriff in Fragen, die uns bis heute beschäftigen. Gerade deshalb eine sehr lohnende Lektüre.