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Territorium: "Ein völlig unbekanntes Kapitel der Geschichte - Sabrina Janeschs Roman ist ebenso spannend wie erhellend." Knut Elstermann

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Hawaii 1893: Noch wiegen sich Kokospalmen im Wind, stehen Regenbögen am Himmel, da braut sich am Horizont bereits ein Sturm zusammen. Amerikanische Großkapitalisten stürzen in einem Staatsstreich die Königin und bereiten die Annexion durch die USA vor. In Honolulu beginnt es zu brodeln, gehen die Risse auch durch die einflussreiche deutsche Auswanderergemeinde des Archipels, denn ein Land wird gestohlen – und wehrt sich. Als die alles entscheidende Schlacht naht, muss jeder für sich eine Entscheidung treffen.
Territorium lässt die charismatischen Figuren in diesem Geschehen leuchten und zeichnet ein eindrückliches Bild von Annexion, Unterdrückung und Widerstand. Während der große Widemann auf Diplomatie setzt, wählt Sohn Carl den Weg in die Rebellion. Gertrude Wolf hortet Waffen, Emma Nāwahī schreibt um ihr Leben, Leutnant Ziegler hat Ambitionen und Eduard Suhr, spin doctor der Landräuber, eine Vision. Und Königin Lili'uokalani? Bewahrt vor allem Haltung. – Mit Leidenschaft erzählt Sabrina Janesch davon, wie Menschen in schicksalhaften Zeiten über sich hinauswachsen – oder sich verführen lassen. Ein mitreißender, bildgewaltiger Roman über den Preis der Freiheit und der Selbstbestimmung.

463 pages, Kindle Edition

Published September 4, 2026

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Sabrina Janesch

9 books18 followers

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79 reviews4 followers
September 4, 2026
Wenig Abenteuer dafür viel Politik

Ich muss zugeben, an den aktuellen Roman „Territorium“ von Sabrina Janesch mit hohen Erwartungen herangegangen zu sein. Die beiden vorherigen Romane der Autorin „Die goldene Stadt“ und „Sibir“ haben mich ab den ersten Seiten sofort in die abenteuerlichen Geschichten dieser sehr markanten Hauptfiguren hineingesogen und erst auf der letzten Seite mit vielen gesammelten Eindrücken und Bildern in meinem Kopf wieder ausgespuckt. Ein ähnliches Leseerlebnis zum Eintauchen hatte ich von „Territorium“ erwartet, welches in 1893 beginnt und sich mit der widerrechtlichen Annexion der hawaiischen Inselkette im Pazifik durch die USA beschäftigt. Laut Klappentext folgen wir dabei den drei Hauptfiguren Lili‘uokalani, frisch abgesetzte und im Hausarrest befindliche hawaiische Königin, Gertrude Wolf, eine Deutsche, die als Assistentin eines Zauberers auf die Inseln kam und zwischenzeitlich als Wirtschaftsministerin und Vertraute der Königin agierte, sowie Emma Nawahi, hawaiische Journalistin und emanzipierte Frau.

Das Buch beginnt fulminant mit verschiedenen Erzählperspektiven und der ungewöhnlichen Figurenvorstellung von Gertrude Wolf, die sich gerade im Opiumrausch befindet. Das vorangestellte Personenregister las ich mir zu Beginn durch und dachte noch, es handle sich lediglich um eine Hilfestellung, um die vielen Nebenfiguren auseinanderhalten zu können. Allerdings zeigte sich über den Verlauf des Buches hinweg, dass viele der genannten Figuren der verschiedenstens Fraktionen auf Hawaii tatsächlich immer wieder auch Kapitel bekommen, in denen sie als Hauptfiguren agieren. So entsteht ein unglaubliches Wirrwarr an Figuren, die zwar durchaus unterscheidbar dargestellt sind, was aber gleichzeitig dazu führt, dass eine engere Bindung an eine oder gar alle drei der herausgestellten Frauenfiguren nicht entsteht. Wurde ich bei den vorangegangenen Büchern durch die gut herausgearbeiteten Einzel-Hauptfiguren an die Hand genommen und durch ihr Abenteuer begleitet, kommt im vorliegenden Roman diese Konstellation nicht ein einziges Mal zustande. Verloren fühlte ich mich zwischen all diesen Akteuren.

Dazu beigetragen hat außerdem die Fixierung der Autorin auf die politischen Geschehnisse. Bis ins kleinste Detail werden Diskussionen, Handlungen, Vorhaben ausformuliert. Hier wirkt das Buch eher wie ein Sachbuch als ein Roman. Zäh und trocken fühlte sich die Lektüre an. Da kann die Autorin so viele Naturbeschreibungen, wie sie will, einfügen, es entsteht einfach keine Atmosphäre.

Besonders nervig empfand ich den Drang der Autorin jeden einzelnen Straßennamen Honolulus zu benennen, wenn sich die Figuren durch die Stadt bewegen. Auch werden immer wieder die Bezeichnungen von Landmarken eingeworfen, wenn sie sich über die Inseln bewegen. Der Verlag hat zwar im Vorsatzpapier Landkarten abgedruckt, die hübsch anzusehen sind und farblich auch zum wunderschönen Cover des Buches passen, aber ich lese ja hier kein Sachbuch, sondern einen Roman. Und da zählt nun einmal das Konzept „Show, don‘t tell!“. Leider „erzählt“ uns Janesch wirklich alles bis ins kleinste Detail, ohne dass mir eine Atmosphäre oder die Interaktionen und psychologische Verbindungen der Figuren untereinander „gezeigt“ werden. Es werden unglaublich viele politische Zusammenhänge aufgeschlüsselt, aber ehrlich gesagt, reizt das dann jedenfalls mich überhaupt nicht mehr zu lesen, wenn doch bekannt ist, wie die ganze Sache ausgehen wird.

Anerkennend muss ich sagen, dass die Rechercheleistung zum Roman erheblich sein muss. Und dass die Autorin ein Thema auf den Tisch holt, welches bisher seltenst literarisch bearbeitet wurde. Wobei ich hier das „literarisch“ eher hintanstellen würde. Ich habe ein paar Sachverhalte gelernt, wie zum Beispiel wie präsent die deutschstämmige Bevölkerungsgruppe auf Hawaii zu dieser Zeit war. Oder wie fortschrittlich die Reformbemühungen der hawaiischen Königin waren, bevor die US-Amerikaner dem ein Ende setzten.

Obwohl ich mich wirklich durch diesen Roman kämpfen, ja fast quälen, musste, runde ich von 2,5 Sternen trotzdem auf, weil ich glaube, dass der Roman durchaus etwas für Leser:innen ist, die sich für historische politische Zusammenhänge interessieren. Er ist nicht per se schlecht geschrieben, konnte mich persönlich allerdings überhaupt nicht abholen.

2,5/5 Sterne
38 reviews1 follower
Review of advance copy received from Publisher
August 26, 2026
Großartiger, bildgewaltiger historischer Roman

Das Buch "Territorium" von Sabrina Janesch handelt von einer jungen Frau, die sich auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte auf die Spuren ihrer Ahnen zur Zeit der Annexion Hawaiis durch die USA ab dem Jahr 1893 begibt.
Drei Frauen, darunter die Königin, ihre Beraterinnen, Gertrude Wolf, ein deutsches Medium und die Journalistin Emma Näwahi stehen in der historischen Erzählung im Mittelpunkt. Sie alle verbindet die Liebe zu Hawaii, eine Vision für die Zukunft und eine tiefe Freundschaft. Ihre Leben verändern sich durch das Ende der Monarchie grundlegend und es beginnt eine Zeit in der sie sich entscheiden müssen: Kampf oder Unterwerfung, Liebe oder Hass, Haltung oder Resignation.

Was für ein grandioses Buch. Der Roman schöpft aus historischen Ereignissen, ist inspiriert von den Biografien realer Personen und lebt doch von der Freiheit der Fiktion der Autorin. Wir sind durch die Erzählung an den Ereignisse in Hawaii ab 1893 ganz nah dran und dürfen durch verschiedene Perspektiven und Zeitebenen tief in die Geschehnisse eintauchen. Die Geschichte ist von Anfang bis zum Ende äußerst spannend erzählt. Der Schreibstil der Autorin ist sehr atmosphärisch und insbesondere die Landschaft Hawaiis und die Gebäude werden ganz detailliert und malerisch, teils auch sehr poetisch beschrieben. Die Autorin schreibt mit einer Leidenschaft und Eindringlichkeit, die sehr besonders ist und die Ereignisse lebendig werden lässt. Dabei erfahren wir viele lehrreiche politische und historische Hintergründe über die Lage in Hawaii im Wandel der Zeit und die Rolle des Patriarchats und der Frauen. Großartig fand ich die fein eingeflochtene, kritische Betrachtung der USA und ihren Machthunger.

Durch die verschiedenen Perspektiven können wir tief in die Gedanken und Gefühle der Personen vor Ort eintauchen. Hier haben mich besonders die Sichtweisen der Königin, Getrude Wolfs und Emma Näwahis beeindruckt. Ihre Werte, die Zerrissenheit, Selbstzweifel aber auch ihre Weisheit und den Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen, fand ich sehr bemerkenswert und beeindruckend.

Fazit: Ein großartiges, historisch bestens recherchiertes Buch voller starker Frauencharaktere. Mit vielen interessanten Aspekten zur Annexion Hawaiis. Bildgewaltig, beeindruckend und mitreißend erzählt. Ich spreche eine ganz große Leseempfehlung aus.
Profile Image for Yellowistheone.
32 reviews
Review of advance copy received from Publisher
September 2, 2026
Mit „Territorium“ gelingt Sabrina Janesch für mich ein sehr interessanter Einblick in einen Teil der hawaiianischen Geschichte, der mir bisher kaum bekannt war. Im Mittelpunkt steht das Aufbegehren der hawaiianischen Bevölkerung gegen die Annexion Hawaiis durch die USA. Besonders spannend fand ich dabei, wie vielschichtig die historischen Ereignisse dargestellt werden und welche überraschenden Verbindungen es auch nach Deutschland gibt.

Erzählt wird aus der Perspektive verschiedener Personen, wobei mir besonders die überwiegend weiblichen Perspektiven gefallen haben. Dadurch bekommt die Geschichte eine sehr persönliche und menschliche Ebene. Während historische Ereignisse in Sachbüchern oder umfangreichen historischen Romanen schnell distanziert wirken können, werden hier die persönlichen Beweggründe und inneren Konflikte der Figuren deutlich. Besonders gelungen fand ich die Darstellung des Spannungsfeldes zwischen dem Gefühl, für das eigene Land kämpfen zu müssen, und der Überzeugung, grundsätzlich Pazifist zu sein. Dadurch wird der Konflikt nicht einfach in Gut und Böse aufgeteilt, sondern aus unterschiedlichen Perspektiven nachvollziehbar.

Einige Jahre zuvor hatte ich „Hawaii“ von James A. Michener gelesen, das die Geschichte Hawaiis wesentlich umfangreicher erzählt, auf mich aber auch deutlich trockener wirkte. „Territorium“ konnte mir die historischen Zusammenhänge deshalb auf eine ganz andere Weise näherbringen. Sabrina Janesch verleiht den Ereignissen eine menschliche Seite und macht dadurch verständlich, was die politischen Veränderungen für die einzelnen Menschen bedeutet haben.

Allerdings fiel mir das Lesen stellenweise etwas schwer. Einige Passagen wirkten auf mich etwas stockend, sodass die Geschichte nicht immer den gewünschten Lesefluss entwickelt hat. Trotzdem fand ich die historischen Einblicke und die unterschiedlichen Perspektiven sehr lohnenswert.

Insgesamt ist „Territorium“ für mich ein lesenswerter historischer Roman, der einen interessanten und eher unbekannten Teil der Geschichte Hawaiis beleuchtet. Wer sich für historische Zusammenhänge, unterschiedliche Perspektiven und die menschliche Seite politischer Konflikte interessiert, dem kann ich das Buch empfehlen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
11 reviews
September 9, 2026
Hawaii – Territorium – Historisch gesehen und fiktiv ergänzt
Einen großen Roman hat Sabrina Janesch mit Territorium aufgelegt. Neben dem landschaftlichem, botanischem und sprachlichem Reichtum erfahren wir auch vom Sog, den dieses Land als Kolonie hatte. Wir erfahren über deutsche Zuckerbarone, englische Handelshäuser, amerikanisches Militär und Männern, die besessen nach Macht, Geld, Land und Wohlstand sind. Von starken Frauen und deren Willen eine besondere Naturlandschaft mit ihren Ureinwohnern zu erhalten.
Auf 480 Seiten führt Janesch uns in ein historisches Hawaii in das Jahr 1893. Zur Erklärung werden erstmal Stadtplan von Downtown Honolulu und Details der Buchten von O’ahu gezeigt. Alle Akteure des Romans aufgelistet und erklärt. Beides ist für den ahnungslosen Leser unerlässlich, wenn er sich in dieses Buch begibt. Anzumerken sei, dass Hawaii, damals Hawaii-Territorium genannt wurde.
Zu meiner großen Begeisterung spielen Frauen eine wichtige Rolle, und zwar an vorderster Stelle die Deutschlehrerin, Gertrude Wolf, auch Medium und Beraterin der Königin. Die Journalistin Emma Nawahi, auch Gesellschaftsdame und letztlich die Königin selbst, Lili’uokalani, die ihrem verstorbenen Bruder auf den Thron nachfolgte. Diese kluge Frau gründete mehrere Schulen, damit jungen hawaiianischen Frauen eine ordentliche Ausbildung und Erziehung genossen. Ihre Vorliebe galt der Musik und so komponierte Sie, vor ihrer Zeit als Königin, über 100 Lieder und Musikstücke.
Davon erfahren wir im Buch leider weniger, denn womit wir konfrontiert werden, ist die Annexion Hawaiis von Amerika, Kampf zwischen Hawaiis Royalisten und Unabhängigkeitsverfechtern gegen Putschisten und Annexionsbefürwortern.
Wen wundert’s da, wenn im fiktiven Part Ähnlichkeiten mit aktuellen Akteuren zu finden sind.
Wer noch mehr Einstimmung braucht, dem empfehle ich das berühmteste Lied von Lili’uokalani, das Aloha’Oe.
Profile Image for Tortuga.
229 reviews2 followers
September 6, 2026
Als großer Fan von historischen Romanen habe ich mich sehr gefreut in dieses spannende Kapitel der Geschichte einzutauchen und da das Buch enorm gut recherchiert ist ist es auch Sehr komplex.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven und zeitweise auch in der „Du“ Form geschrieben (was mich ehrlicherweise sehr irritiert hat). Diese verschiedenen Perspektiven waren zwar interessant haben aber die Erwartung dass das Buch aus der Perspektive einer (oder drei) starker Frauen zu erfahren zunichte gemacht.

Die Recherche des Romans ist äußerst beeindruckend aber durch die komplexe Erzählung durch verschiedene Protagonisten geht verloren was ich an historischen Romanen so liebe: große historische Ereignisse anhand von einzelnen Personen greifbar zu erfahren und zu verstehen.

Ich empfehle den Roman gerne an historisch interessierte „Sachbuch“ Leser aber eher weniger für solche die historische „Unterhaltungsromane“ mögen.
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