Im Osten entscheidet sich die Zukunft unserer Demokratie.
Wende verschlafen, Lebensleistungen entwertet, Chefsessel westdeutsch besetzt – eine wirklich gerechte Einheit wurde verpasst. Nicht nur politisch, auch medial, wirtschaftlich und im Ostdeutschland wird oft karikiert, als Klischee statt als Realität wahrgenommen.
Marieke Reimann, 1987 in Rostock geboren und im Plattenbau aufgewachsen, kennt die Brüche aus erster Hand. Als Journalistin und ehemalige Chefredakteurin kämpft sie seit Jahren für eine Sichtbarkeit, die über den «Jammer-Ossi» hinausgeht. Warum finden Einheitsfeiern ohne Ostdeutsche statt? Warum ist Friedrich Merz froh, im Westen geboren zu sein? Warum wird da am rechten Rand gewählt, wo es viel Abwanderung und wenig Frauen gibt? Und können Angela Merkel und Tokio Hotel Vorbilder sein?
Marieke Reimann verbindet persönliche Reportage mit scharfer Analyse und benennt die Leerstellen unserer Gesellschaft auf brillante, ungeschönte Art. Ihr Buch ist ein eindringlicher Appell für den Osten – und für eine Zukunft, in der unsere Demokratie nur gewinnen kann, wenn die Wende endlich bei allen ankommt.
«Genau so eine streitbare Stimme brauchen wir jetzt.» Giovanni di Lorenzo
«Marieke Reimann mischt sich pointiert und meinungsstark ein. Erfrischend und unverstellt!» Steffen Mau
Oost-Duitsland wordt in de Duitse media en de Duitse samenleving veel te weinig vertegenwoordigd, schrijft Marieke Reimann (zelf opgegroeid in Rostock en de eerste Oost-Duitse hoofdredacteur bij een West-Duits medium) in dit boek. En wat in West-Duitse media over Oost-Duitsland wordt geschreven, blijft vaak hangen in clichés als Stasi en AfD en titels als ‘So isser, der Ossi’ (Der Spiegel).
In hoofdstukken over media, democratie, opleiding, huisvesting en herinnering laat Reimann zien dat Oost- en West-Duitsland meer dan 35 jaar na de eenwording nog steeds niet echt één zijn. (Treurigste feitje: op de officiële foto bij de officiële viering van 35 jaar eenheid stond wel een televisiepresentator maar niemand uit de voormalige DDR.)
Van het boek heb ik van alles geleerd. Van sommige passages – vooral die waarin Reimann over haar eigen ervaringen in Rostock en met de Duitse media-elite schrijft – meer dan van andere. Want soms verliest Reimann de lijn van haar betoog uit het oog, waardoor het boek vaart en scherpte verliest.
Gerade für Menschen wie mich, die im Westen der Republik aufgewachsen sind, ein Must-Read. Ein super wichtiges Buch, um den Osten des Landes, Gesamtdeutschland und unsere schwächelnde Demokratie besser zu verstehen - und damit auch, was sich politisch und gesellschaftlich vielleicht endlich mal ändern müsste.
Genauso wie ich mir wünschen würde, dass mehr Männer feministische Literatur lesen, würde ich mir wünschen, dass mehr Westdeutsche (und gerade solche in Machtpositionen) Bücher wie das von Marieke Reimann lesen. Das würde angesichts der aktuellen Wahlergebnisse dafür sorgen, dass man sich seltener fragt "OMG! Wie kann man nur?" und sich stattdessen problemorientierter mit Gründen und sogar möglichen Lösungsansätzen auseinandersetzt - die Reimann direkt mitliefert und so komplex sind die gar nicht (Stichwort: Repräsentation).
Wer solche Ostdeutschen hat, braucht keine Wessis mehr.
„Zweite Wende“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass eine von Armut geprägte Biografie sich nicht automatisch in sinnvolle politische Positionen übersetzt. Reimann gibt zwar immer wieder Anekdoten aus ihrer Kindheit oder ihrem Grind an die Spitze des Journalismus zum besten, kann und will daraus aber kein zusammenhängendes Gesamtbild von ostdeutscher Annexion und Enteignung zeichnen. Stattdessen lenken die Geschichtchen nur notdürftig davon ab, dass nicht nur die Lösungsvorschläge, sondern auch die Problemstellungen selbst keine ernsthafte Substanz haben, sondern sich weitgehend auf Fragen von politischer PR und Repräsentation beschränken, im Sinne eines extrem angepassten zentristischen Liberalismus. Die Zentrale Frage des Buches ist in etwa: „Wie können wir die Ostdeutschen dazu bringen endlich mal mit *unserer Demokratie* zufrieden zu sein und den Mund zu halten“. Durchzogen ist das ganze von unerträglichem, feigen ÖRR-Sprech. So hat die Treuhand nicht die Ostdeutschen enteignet, sondern „muss sich den Vorwurf des Ausverkaufs gefallen lassen“.
Selbstverständlich dürfen auch absurde Behauptungen über die DDR nicht fehlen, diese soll u.a. eine „völkisch-nationalistische Ideologie“ zur Grundlage gehabt haben, eine Behauptung die selbst unter antikommunistischen Historikern nur die blödesten vertreten können. Auch die Bedrohung durch Russland muss beschworen werden. Wie bei Oschmann wird sich präventiv von allem distanziert, was für die westdeutschen Herrschenden wirklich unbequem sein könnte, um zu zeigen dass von einem ja nichts zu befürchten ist, damit einem Eintritt in die gehobenen Kreise gestattet wird.
Zum Schluss noch ein Zitat, dass den Grad der Naivität und ideologischen Verblendung in diesem Buch ganz gut auf den Punkt bringt: „Wählen ist mir trotzdem heilig. Ich habe noch nie in meinem Leben per Brief gewählt, weil mir schleierhaft ist, wie man an einem Wahlsonntag etwas Wichtigeres als Wählen-gehen vorhaben kann. Dieser eine Tag, an dem ich einmal alle paar Jahre die Demokratie unseres Landes mit einem Kuli in der Hand mitgestalten kann, vertrödel ich doch nicht. Im Gegenteil: Ich möchte bewusst genießen, dass ich gerade als Frau die Möglichkeit habe, meine Stimme mit allen in eine Urne zu werfen, und sie zählt genauso viel wie die von Hans-Peter, Christian und Andreas, deren Stimmen in anderen Kontexten gefühlt doppelt so viel Einfluss haben wie meine. Stolz setzte ich mein Kreuzchen, um über Kanzlerin oder Kanzler [in diesem Fall Angela Merkel!!!!!] zu entscheiden.“
Große Lese-Empehlung. Es ist ein sehr zeitgenössisches Buch, in dem es auch viel um aktuelle Politik von der Linken bis zur AfD geht, um Bundeskanzler Merz, der sagt, zum Glück sei er im Westen geboren worden, und um gesellschaftliche News der letzten Jahre. Ich persönlich fand das äußerst spannend, zumal ich Einiges verpasst hatte, aber kann mir vorstellen, dass das Buch dadurch in wenigen Jahren schon viel an Wert verlieren wird, weil es eben nicht ganz zeitlos ist.
Nachdem das erste Kapitel zum Thema Medien mich weniger überzeugt hat, war ich ab dem zweiten Kapitel Feuer und Flamme und mochte die restlichen Kapitel sehr. Obwohl ich schon in Ost- und Westdeutschland gelebt habe, ist meine Familie westdeutsch und ich habe hier noch mal viel Neues zur Geschichte der DDR und den Nachwendejahren erfahren. Zum Beispiel wie das antifaschistische Selbstverständis der DDR dazu geführt hat, dass rechtsextreme Gruppierungen überwiegend junger Männer nicht ernst genommen und als "Raudis" abgetan wurden. Die Analyse von Merkels Regierungsstil als "in-cognito"-Ostdeutschen, die Entstehung der heute als "Plattenbauten" bezeichneten Wohnhäuser und vieles mehr war äußerst spannend.
Teils fand ich die Sätze extrem lang und unnötig verschachtelt. Dennoch eine flüssige und spannende Lektüre, die ich besonders den "Wessis" ans Herz legen werde!
Ein ganz wichtiges Buch, da in diesen Zeiten oft mit Verachtung oder Unverständnis auf die Entwicklungen im Osten der Republik geschaut wird, aber selten mal eine Fehleranalyse oder Verbesserungsvorschläge auf Bundesebeene thematisiert werden. Die persönlichen Erfahrungen, die die Autorin wunderbar in den Kontext der politischen Entwicklungen stellt, bringen das Thema näher ohne die Übersicht verlieren zu lassen. Man kann nur hoffen, dass sich Parteistrategen dieses Buch zu Herzen nehmen und Lösungsansätze entwickeln die den Aufstieg des braunen Morasts noch Einhalt gebieten kann.