Der Historiker Jörn Rüsen steht in der Tradition Johann Gustav Droysens. Er fügt phänomenologische, wissenschaftstheoretische, erkenntnistheoretische, methodologische, geschichtsphilosophische, erzähl- und kulturtheoretische Überlegungen in einen einheitlichen Argumentationszusammenhang, der den Grundlagen, dem Status und der Funktion des historischen Denkens gewidmet ist. Die anthropologisch-universellen Grundlagen dieses Denkens werden ebenso dargelegt, wie der innere Aufbau der Geschichtswissenschaft als kognitives Gebilde und dessen kulturelle Funktion in der menschlichen Lebenspraxis erörtert werden. Zentraler Gesichtspunkt der Theorie ist der »Sinn« dessen, was als Geschichte erkannt wird, und damit verbunden der Sinn des historischen Denkens im Allgemeinen und in seiner Form einer modernen Kulturwissenschaft im Besonderen. Rüsens anthropologisch fundierte Darstellung der theoretischen und methodischen Grundlagen der Geschichtswissenschaft nimmt eine Mittelstellung zwischen modernem Wissenschaftlichkeitsanspruch und postmodernem Konstruktivismus ein.
Jörn Rüsen is a German historian and cultural theorist. He was Professor of Modern History at the Universities of Bochum and Bielefeld for many years. From 1994 to 1997 he was the Executive Director of the Zentrums für interdisziplinäre Forschung (ZiF) (Center for Interdisciplinary Study) of the University of Bielefeld. Between 1997 and 2007 he was President of the Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) (Institute for Advanced Studies in the Humanities) in Essen and Professor for General History and Historical Culture at the University of Witten-Herdecke.