»Miriam Carbe erzählt in einer bewegenden Familiengeschichte von einem ganzen Jahrhundert.« Mariana Leky
Die Familie eines deutschen Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Wer dieses Buch liest, begegnet sich selbst und den eigenen Familiengeschichten. Episch und epochal – ein Meisterwerk.
„Unerwünschte Töchter“ erzählt die Geschichte von vier Frauengenerationen und spannt dabei einen Bogen über fast ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Margarethe, Marianne, Monika und schließlich Miriam als Frauen, deren Leben von Kriegen, gesellschaftlichen Erwartungen, familiären Konflikten und dem Wunsch nach Selbstbestimmung geprägt sind.
Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Art, wie Miriam Carbe Familiengeschichte und Zeitgeschichte miteinander verwebt. Die historischen Ereignisse bilden nicht nur die Kulisse, sondern greifen tief in die Lebenswege der Figuren ein. Gleichzeitig zeigt der Roman eindrucksvoll, wie sich bestimmte Muster und Verletzungen von Generation zu Generation weitertragen, selbst dann, wenn die Töchter fest entschlossen sind, alles anders zu machen als ihre Mütter.
Dabei hat mich „Unerwünschte Töchter“ von Anfang bis Ende gefesselt. Das Buch liest sich angenehm flüssig, verbindet persönliche Schicksale mit gesellschaftlichen Entwicklungen und regt immer wieder dazu an, über die eigene Familiengeschichte nachzudenken. Ein spannender Familienroman über Frauenleben, Generationenkonflikte und die Frage, wie viel Vergangenheit in unserer Gegenwart steckt.
Miriam Carbe ist eine wunderbare Erzählerin, die ihre Familiengeschichte anhand ihrer Urgroßmutter, ihrer Großmutter und ihrer Mutter aufgezeichnet hat. Ein lesenswerter Roman mit vier faszinierenden Frauen.
Margarethe wächst Anfang des zwanzigsten Jahrhundert in wohlbehüteten Verhältnissen auf. Die Dresdener Familie ist finanziell abgesichert. Doch in der Ehe der Eltern gibt es Risse. Ihre Tochter Marianne sucht die Liebe und fürchtet, dass sie nie den Richtigen treffen wird. Als es endlich einer sein soll, ist bereits der zweite Weltkrieg ausgebrochen und der Vater ihrer Tochter Monika fällt kurz vor Kriegsende. Die Frauen gehen in den Westen und landen im ostwestfälischen Herford. Sie tragen Geschichte in sich und bleiben drei Frauen, die auf sich gestellt sind. Schwierig wird es, als Monika während des Studiums einen Nigerianer kennenlernt und schwanger wird.
Vier Frauen, deren Vornamen mit dem Buchstaben M beginnen. Schweißt es sie zusammen? Irgendwie schon. Aber sie sind nicht immer einer Meinung. Manches Beste, dass gewollt wird, hat ein anderes Ergebnis. Wie in jeder Familie gibt es gute und schlechte Zeiten. Es gibt Verirrungen, die wohl der Zeit geschuldet sind. Leid, das unverschuldet ist. Wünsche, die so nicht in Erfüllung gehen. Miriam, die Vierte im Bunde, findet die Tagebücher ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Aus diesen Büchern liest sie Gedanken, die geschrieben anders formuliert wurden als die Frauen es erzählt haben, als sie es erlebt hat. Aus diesen vielschichtigen Informationen komponiert Miriam diesen Roman.
Die Geschichte eines Jahrhunderts, die Geschichte von vier unterschiedlichen Frauen, die doch Zusammenhalt verspüren. Sind sie wirklich unerwünscht? Immerhin sind sie da. Aber sie sind in schwierige Zeiten geboren. Man bekommt den Eindruck, dass sie um ihre Integrität kämpfen. Dass sie an der Zeit leiden. Intelligent, aber ein wenig schwermütig. Ein wenig mehr Fröhlichkeit würde man ihnen wünschen. Doch vielleicht wird das nicht so erinnert, vielleicht steht es nicht in den Tagebüchern. Allerdings sind diese schriftlichen Zeugnisse ein Schatz, aus dem ein beeindruckendes Buch entstanden ist. Vielleicht denkt man auch daran, was in der eigenen Familie erzählt wurde. Man empfindet es als schön, dass die Erinnerung der vier M bleicht und sich in einem sehr lesenswerten Roman präsentiert.
Die erste Aufmerksamkeit erregte allerdings das farblich wunderschön gestaltete Cover.
„Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe, erschienen 2026 bei Hanser, ist ein Jahrhundertroman, der auf besondere Art die Welt aus der weiblichen Perspektive erzählt und mich komplett begeistert hat, definitiv ein Jahreshighlight 2026.
Wir folgen vier Generationen von Frauen, der Urgroßmutter Margarethe, der Großmutter Marianne, der Mutter Monika sowie deren Tochter Miriam aka die Autorin selbst. Schon in den Namen zeigt sich der schöne Mikrofeminismus, der sich durch den Roman zieht, die gewählten Vornamen alle mit M sollen in der Familie die wahre Abkunft über die weibliche Linie anzeigen (statt der bei der Heirat angenommenen Nachnamen der Väter). Mit den Frauen reist ein Schrank durch die Generationen – ein sehr schönes Bild, denn der Schrank speichert sowohl Wissen als auch Emotion und Tradition. Ein Schrank als Generationsgedächtnis. Schade, dass das Bild zwischendurch etwas verlorenging – aber am Ende war es zum Glück wieder da.
Zeitlich beginnend noch vor dem ersten Weltkrieg, fasst das Buch ein ganzes Jahrhundert mit zwei Kriegen und der Teilung eines Landes und lässt dabei historisch nichts aus, macht aber eben diese Historie immer rein auf der menschlichen Ebene erfahrbar. Das Buch ist einfach wundervoll geschrieben, allerdings muss man auch ein bisschen dranbleiben können. Da auch teilweise ein bisschen nach vorn und hinten gesprungen wird, habe ich etwas gebraucht, alles ordnen zu können. Ein Jahrhundert enthält natürlich auch unendlich viele Themen. Was ich wirklich gelungen fand, ist, dass Carbe die Frauen zu keinem Zeitpunkt romantisiert. Ganz im Gegenteil lesen wir hier Figuren, denen ich sehr zwiespältig gegenüberstehe. Was auffällt, ist die Schwierigkeit aller Figuren, echte Beziehungen einzugehen. Und wie sie sich alle daran abarbeiten, gesehen zu werden, dazu zu gehören. Das zieht sich als Muster durch die Generationen.
Auch sehr gut herausgearbeitet von Carbe ist, wie sich das Nazi-Gedankengut aufbaut und breitmacht – und hinterher verharmlost wird und nie wieder verschwindet, ebenso wie Kolonialismus und Rassismus. Die Trennung von Ost und West, Kennedy in Berlin, das Buch lässt nichts aus. Und liest sich trotzdem nie wie eine Chronik. Ich bin echt eingetaucht in diese 100 Jahre. Und irgendwann wird jede Leserin in ihrer eigenen Lebenszeit ankommen und das Buch noch einmal ganz anders und persönlicher wahrnehmen. Intensiv macht die Autorin auch das weibliche Erleben dieser Zeit spürbar, das ewige Thema Gebärfähigkeit, Nachfolge und dieses Heiratsbusiness! Besessenheit mit Körperbild, Pubertät, Blutung bei zeitgleicher Tabuisierung, die totale Objektifizierung der Frau, die wir auch heute noch nicht losgeworden sind. Das kommt nie als aufdringlicher Feminismus her, Carbe erzählt einfach nur eindringlich ihre Familiengeschichte – und stellt sich damit auch der Frage nach der Beteiligung dieser am Naziregime inklusive heikler Fragen wie Euthanasie und Wegschauen.
Trotz des autobiografischen Hintergrunds des Romans gelingt Carbe das Kunststück, hier keine Abrechnung zu schreiben, sondern vielmehr eine sensible Annäherung. Sie versucht, hinter die Fassaden ihrer Verwandten zu blicken, und auch wenn sie nicht mitfühlt, ist ihr Verstehenwollen doch in jeder Zeile spürbar. Die Figuren werden dabei durchweg ambivalent gezeichnet und nie idealisiert oder psychologisiert, hier regiert keine falsche Frauensolidarität, sondern ein sehr klarer Blick – auch auf die Männer. Die Autorin steht dabei folgerichtig am Ende der Geschichte, stellt sich aber nie ins Zentrum.
Formal unterbricht sie ihre Familienchronik immer wieder durch Ich-Perspektive-Kapitel, in denen sie einordnet und in das Große Ganze hineindenkt, vom persönlichen Erleben in die große Struktur der Gesellschaft schaut, was für mich den Roman erst richtig rund gemacht hat. Bis sie am Ende auch sich selbst in die Geschichte hineinschreibt. Ein wirklich großartiger, besonderer Roman, den ich unbedingt zu lesen empfehle, und über den ich einen Roman schreiben müsste, um ihn angemessen zu besprechen.
Ein Nachwort hätte ich mir allerdings gewünscht. Die Autorin verwandelt Tagebücher und Briefe so großartig in Prosa – und natürlich wird man dabei neugierig auf Fakten und Fiktion, aber es ist ihr gutes Recht, das für sich zu behalten. Wie es ihr wohl auf dieser emotionalen Reise gegangen ist? Es muss eindrücklich gewesen sein, diese sehr spezielle Familie so kennenzulernen. Vielleicht haben wir Glück, und dieses Buch wird noch als Serienstoff entdeckt – meiner Meinung nach würde es sich hervorragend dafür eignen.
Ein großes Dankeschön an literarixx.de und den Carl Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar!
Vier Frauen, vier Generationen und ein ganzes Jahrhundert - sie alle versuchen auf ihre Art auszubrechen, sich abzukapseln und es anders zu machen als davor. Schmerzlich schön begleitet dieser Roman Einblicke in die Biografie der Autorin und erzählt, von den Frauen, die vor ihr da waren und dem Vorangegangenen. Mich hat das Buch sehr gefesselt und auch wenn ich die erste Hälfte lieber mochte, hat mich das Band zwischen den einzelnen Frauen doch sehr bewegt. Ein Stammbaum oder eine Personenübersicht wäre ab und an nett gewesen :)
Manche Familiengeschichten klopfen nicht höflich an, die treten einfach durch die Tür, setzen sich an den Küchentisch und sagen: So, jetzt hör mal zu. Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe ist genau so ein Buch. Groß, schwer, emotional und dabei nie billig auf Tränen gedrückt.
Vier Generationen Frauen, ein ganzes deutsches Jahrhundert und mittendrin diese Frage, was Familie eigentlich mit einem macht. Margarethe, Marianne, Monika und Miriam tragen Liebe, Schmerz, Stolz, Schweigen und Verletzungen durch die Jahre. Da sitzt man beim Lesen manchmal da und denkt: Meine Güte, wie viel kann eine Familie eigentlich aushalten, bevor sie innerlich Möbel rückt?
Besonders stark ist, wie Miriam Carbe private Geschichte mit deutscher Geschichte verbindet. Weltkriege, Bildungsbürgertum, alte Erwartungen, westdeutsche Enge, Rassismus, Scham und diese ewige Kontrolle über Frauenkörper. Das klingt nach schwerer Kost und ja, leicht ist das nicht. Aber es liest sich nicht wie ein staubiges Geschichtsbuch, sondern wie eine Familienakte, die jemand endlich geöffnet hat.
Monikas Entscheidung, in den Sechzigerjahren ein uneheliches schwarzes Kind zu bekommen, trifft mitten ins Herz. Nicht, weil das Buch laut schreit, sondern weil es so klar zeigt, wie brutal leise Ablehnung sein kann. Da musste ich öfter schlucken und dachte: Junge, manche Sätze in Familien richten mehr Schaden an als ganze Gewitter.
Unerwünschte Töchter ist kein Buch für mal eben nebenbei zwischen Kaffee und Einkaufszettel. Dafür ist es zu dicht, zu klug und zu ehrlich. Aber wer Familienromane mag, die etwas freilegen, bekommt hier richtig viel. Ein bewegender, unbequemer und sehr menschlicher Roman, der zeigt, dass Herkunft nicht nur Vergangenheit ist, sondern manchmal ein Echo, das bis heute im Raum steht.
Mit „Unerwünschte Töchter“ ist Miriam Carbe ein bemerkenswerter Generationenroman gelungen, der persönliche Familiengeschichte und deutsche Zeitgeschichte auf eindrucksvolle Weise miteinander verwebt. Auf der Grundlage von Tagebüchern, Briefen und Erinnerungen ihrer Vorfahrinnen entfaltet sie ein Panorama von mehr als hundert Jahren, in dessen Mittelpunkt die Lebenswege vierer Frauen stehen. Das Ergebnis ist ein ebenso vielschichtiger wie berührender Roman über Herkunft, Erinnerung und die Frage, wie familiäre Prägungen über Generationen hinweg fortwirken. Den erzählerischen Ausgangspunkt bildet ein 1912 in Dresden angefertigter Bücherschrank, den Urgroßmutter Margarethe anfertigen lässt. Über Jahrzehnte hinweg begleitet dieses Möbelstück die Frauen der Familie und bewahrt nicht nur Bücher, sondern auch Briefe, Tagebücher und persönliche Aufzeichnungen. Es wird damit zu einem eindrucksvollen Symbol des familiären Gedächtnisses, ein stiller Zeuge vergangener Leben, der Erinnerungen konserviert und die Generationen miteinander verbindet. Dieses Motiv zählt für mich zu den schönsten und poetischsten Elementen des Romans. Im Zentrum des Buches stehen Margarethe, Marianne, Monika und schließlich Miriam selbst. Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie historische Ereignisse in den Alltag der Figuren eingebettet werden. Die beiden Weltkriege, die Zeit des Nationalsozialismus, Flucht, Vertreibung, die deutsche Teilung unddie gesellschaftlichen Umbrüche der Nachkriegszeit erscheinen nie als bloße historische Kulisse. Vielmehr werden sie durch die individuellen Schicksale der Frauen unmittelbar erfahrbar. Gerade diese enge Verflechtung von privatem Erleben und gesellschaftlichem Wandel verleiht dem Roman seine außergewöhnliche Authentizität. Erschütternd ist insbesondere die Darstellung jener ideologischen Denkmuster, die lange vor dem Nationalsozialismus in der Gesellschaft verankert waren und sich später nahezu ungehindert entfalten konnten. Miriam Carbe begegnet ihren Figuren mit bemerkenswerter Zurückhaltung. Sie verzichtet konsequent auf moralische Wertungen und zeichnet ihre Protagonistinnen als vielschichtige Persönlichkeiten mit Stärken, Schwächen und Widersprüchen. Keine der Frauen wird idealisiert. Jede von ihnen ringt mit den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit und sucht ihren eigenen Platz innerhalb eines von patriarchalen Strukturen geprägten Umfelds. Besonders Monikas Lebensweg hat mich tief bewegt. Ihr Wunsch nach Selbstbestimmung steht in einem schmerzhaften Gegensatz zu den Begrenzungen, denen sie immer wieder begegnet. Ihr Scheitern erscheint dabei weniger als persönliches Versagen denn als Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse, denen sie ausgesetzt ist. Immer wieder unterbricht Miriam Carbe die Familienchronik durch persönliche Reflexionen in der Ich-Perspektive. Anfangs empfand ich diese Einschübe als ungewohnt, da sie den Erzählfluss kurzzeitig verändern. Mit fortschreitender Lektüre erwiesen sie sich jedoch als bereichernd. Sie machen deutlich, dass jede Rekonstruktion familiärer Vergangenheit notwendigerweise lückenhaft bleibt und Erinnerung stets von offenen Fragen, Unsicherheiten und Interpretationen begleitet wird. Auch sprachlich überzeugt das Werk. Carbe schreibt in einer ruhigen, präzisen und zugleich atmosphärisch dichten Sprache. Sie verzichtet auf pathetische Zuspitzungen und vertraut darauf, dass die Schicksale ihrer Figuren für sich selbst sprechen. Diese erzählerische Zurückhaltung entfaltet eine bemerkenswerte Wirkung und verleiht vielen Szenen eine stille Intensität. Gleichwohl hätte ich mir insbesondere im letzten Teil des Romans eine stärkere emotionale Annäherung an Miriam selbst gewünscht. Nachdem ihre Vorfahrinnen so ausführlich begleitet werden, bleibt ihre eigene Perspektive vergleichsweise zurückhaltend, obwohl gerade sie den Ausgangspunkt dieser literarischen Spurensuche bildet. Auch der Titel erschloss sich mir erst nach und nach. Zunächst scheint er vor allem auf Miriam zu verweisen, die aufgrund ihrer Hautfarbe Ausgrenzung und Rassismus erfährt. Doch je länger ich über den Roman nachdachte, desto deutlicher wurde, dass jede Generation ihre eigene Form des „Unerwünschtseins“ erlebt. Mal entspricht eine Tochter nicht den Erwartungen ihrer Eltern, mal fällt ihre Geburt in eine Zeit von Krieg und Entbehrung, mal widersetzt sie sich den gesellschaftlichen Rollenvorstellungen. Gerade diese Vielschichtigkeit macht den Titel so treffend. „Unerwünschte Töchter“ ist kein Roman für die flüchtige Lektüre. Er verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich auf unterschiedliche Zeitebenen und Lebensentwürfe einzulassen. Wer dies tut, wird mit einer eindrucksvollen Familiengeschichte belohnt, die weit über das Private hinausweist und grundlegende Fragen nach Identität, Erinnerung und familiärem Erbe aufwirft. Für mich ist Miriam Carbe ein literarisch beeindruckender Roman gelungen, der historische Genauigkeit mit erzählerischer Sensibilität verbindet. Trotz kleinerer Längen und gelegentlicher emotionaler Distanz hat mich dieses Werk nachhaltig beeindruckt. Es lädt dazu ein, über die eigene Herkunft nachzudenken und die Lebenswirklichkeiten früherer Generationen mit größerem Verständnis zu betrachten. Ich vergebe 4 von 5 Sternen und empfehle dieses außergewöhnliche Buch allen, die anspruchsvolle Familienromane und klug erzählte Zeitgeschichte schätzen.
Miriam Carbe ist eine der vier Frauengenerationen, die in diesem fast schon epochalen Debüt durch ihr Leben begleitet werden. Von Urgroßmutter Margarethe, die um 1900 in Dresden in einer edlen, wohlhabenden Familie des Bildungsbürgertums aufwächst, eine moderne Lehre zur Kindergärtnerin absolviert und kurz bevor ihr Mann im Ersten Weltkrieg fällt, zwei Kinder zur Welt bringt. Eins davon ist Marianne, die Großmutter von Miriam, welcher nach dem zunehmenden sozialen Abstieg der Familie nun in Meiningen in Thüringen ansässig ein ähnliches Schicksal ereilt. Als Sekretärin in einer Wehrmachtskaserne lernt sie als ihren Vorgesetzten einen Juristen und Offizier kennen, von dem sie eine Tochter, Monika, erwartet noch während dieser in den letzten Kriegstagen fällt. Alleinerziehend reist sie in den Westen aus und schlägt sich am unteren Ende des sozioökonomischen Gefüges in Ostwestfalen durch. Monika wird die junge Mutter Miriams sein. Sie wird von einem nigerianischen Mitstudenten geschwängert und bekommt ein dunkelhäutiges Mädchen in mitten einer Familie von Nazi-Sympathisanten.
Carbes Roman, welchen sie aus dem umfänglichen Nachlass ihrer tagebuchschreibenden weiblichen Vorfahren herausgearbeitet hat, blickt über ein komplettes Jahrhundert hinweg tief in die Seelen dieser verschiedenen Frauengenerationen. So befasst sich „Unerwünschte Töchter“ nicht nur mit dem Thema Gender und wie dieses den Lebensweg bestimmt, sondern auch Klasse und Race. Dabei geht Carbe recht übersichtlich chronologisch vor, wenn es um den erzählenden Teil des Familienplots geht. Hier kann man sehr angenehm im personalen Erzählstil den Frauen der Familie folgen und vertieft sich soghaft in ihre Leben. Zwischen den historisch-chronologischen Kapiteln fügt Carbe Meta-Kapitel ein. In diesen greift sie einen Themenbereich wie z.B. „Umzüge“, „Das Rauchen“ oder „Weihnachten“ heraus und wechselt in die Ich-Perspektive, um essayistisch angehaucht einen Blick auf das entsprechende Themengebiet generationsübergreifend zu werfen.
Ich muss sagen, dass mich die historisch-chronologische Ebene stärker in ihren Bann gezogen hat, als die eingeworfenen Meta-Kapitel. Im Verlauf dieser Meta-Kapitel hatte ich immer mehr Probleme damit, die einzelnen Frauenfiguren auseinanderzuhalten, da nun, die kurz zuvor noch „Mutter“ genannte Marianne plötzlich die „Großmutter“ ist, weil ja aus Sicht von Miriam Carbe in der Ich-Form erzählt wird. Auch tauchen dort jegliche Kosenamen der Figuren auf. Imma für Margarethe, Nanni für Marianne usw. Das hat mich wirklich verwirrt. So finde ich zwar die Idee, einzelne Themenbereich gesondert zu betrachten und vergleichend alle Protagonistinnen in ein Kapitel zu werfen nicht uninteressant, aber in diesem Rahmen einfach zu unübersichtlich. Auch wurde mit der Plotanteil um Monika, der Mutter der Autorin Miriam Carbe, im letzten Drittel des Buches einfach zu ausschweifend. Hier vor allem die immer wieder auftauchenden Liebeleien und Schwärmereien für Jungs/Männer. Gerade als ich dachte, die Längen gehen mir nun doch etwas zu stark auf die Nerven, erfährt man jedoch von einer psychotischen Erkrankung von Monika ab dem frühen Erwachsenenalter. Nun dachte ich: Ja, jetzt wird es wieder interessanter. Aber leider hält sich Carbe an diesen Stellen recht bedeckt, zumindest im Vergleich zu den Ausführungen zu verschiedensten Schwärmereien noch kurz zuvor. Das finde ich schade, sehe ich hier doch ein vergebenes Potenzial, um auf die Behandlung psychiatrischer Erkrankungen bei Frauen dieser Generation einzugehen.
So hat mir „Unerwünschte Töchter“ wirklich sehr gut in der Gesamtheit gefallen. Ein wirklich epochales Debüt, welches meines Erachtens aber auch noch Luft nach oben gehabt hätte. Trotzdem gibt es auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung von meiner Seite für dieses generationenübergreifende Werk.
In diesem Roman geht es um die Familien Geschichte der Autorin. Vier Generationen. Die Autorin selbst, ihre Mutter, ihre Großmutter und ihre Urgroßmutter schreiben Tagebücher, woraufhin die Autorin ihre eigene Geschichte zu Papier gebracht hat.
Miriam, Monika, Marianne und Margarethe. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen.
Nach der Übersiedlung in den Westen wird die hochintelligente, labile Monika in den Sechzigerjahren schwanger mit einem dunkelhäutigen Kind und will dieses unbedingt austragen und behalten. Dieses Kind ist die Autorin dieses Romans.
Alle vier Frauen haben ihre ganz eigenen Probleme die den jeweiligen Zeiten geschuldet sind.
Die Geschichte beginnt mit Miriams Urgroßmutter Margarethe die sich in einen Juden verliebt und zu allem Übel auch noch eine Ausbildung zur Erzieherin erlernen möchte, was zu diesen Zeiten absolut nicht geduldet wurde.
Die Großmutter Marianne wird zur einer Zeit geboren, als die Familie kaum die Möglichkeit dazu hatte einen zusätzlichen Esser ernähren zu können. Marianne ist eine überdurchschnittlich gute Schülerin, allerdings muss sie die Schule vor dem Abitur verlassen, da ihr Vater eine neue Arbeit weiter weg annimmt und die Familie deshalb weg ziehen muss. Das Verhältnis zu ihrem Vater bzw ihrem Stiefvater ist mehr als schwierig, da er die meiste Zeit mehr als übellaunig ist. Des weiteren hängt sie ständig den falschen Männern nach was ich als sehr überzogen empfunden habe. Sämtliche Liaisonen scheitern. Als Marianne in einer Kaserne arbeitet ergibt sich eine Liebschaft mit ihrem Vorgesetzten, die auch unter keinem guten Stern steht. Alfred hat nebenher noch eine Geliebte und Marianne wird schwanger. Alfred heiratet sie nicht, setzt jedoch ein Schreiben auf, das er der Vater des ungeborenen Kindes ist. Nachdem Alfred dann in den Krieg muss und fällt, lässt Marianne ganz schnell eine Ehe mit Alfred eintragen damit sie ein besseres Ansehen behalten kann. Zu einem späteren Zeitpunkt lernt sie einen nigerianischen Studenten kennen und bringt schließlich ein dunkelhäutiges Mädchen zur Welt, die Autorin selbst ist dieses Kind.
Leider muss ich sagen das dies einfach nicht mein Buch gewesen ist. Es tut mir wahnsinnig leid das ich hier lediglich zwei Sterne vergebe, da es ja die persönliche Familien Geschichte ist worum es hier geht und alles ist / war Realität. Da fühlen sich zwei Sterne nicht gut an.
Allerding habe ich mich eher durch die Geschichte gequält. Am Anfang habe ich mich schon schwer getan überhaupt dran zu bleiben und weiter zu lesen, da mir die Kindheit der beiden Mädchen bereits viel zu ausufernd erzählt wurde.
Für mich persönlich gab es insgesamt zu viele Längen. Es war immer mal wieder zu zäh. Des weiteren hatte ich durchweg Probleme mit den vielen M Namen und dann noch einige Spitznamen die dazu genannt wurden, so dass ich Stellenweise den Überblick verloren habe um wen es eigentlich gerade geht.
Aus Zeitgründen ist es auch mal vorgekommen das ich mal ein, zwei Tage keine Zeit zum Lesen hatte. Als ich das Buch dann wieder zur Hand genommen hatte, hatte ich fast völlig den Faden verloren und musste mich immer wieder neu orientieren, was mir dann letzendlich den Spaß am Lesen vollkommen genommen hat.
Mein Fazit Die wahre Familien Geschichte der Autorin, die für mich leider zu viele Längen hatte und mir dadurch die Lust am Lesen genommen hat.
Leseempfehlung? Schweren Herzens dieses Mal leider ein Nein von mir.
Von Müttern und Töchtern – eine bewegende Familiengeschichte
Am Anfang ist es dieser Schrank, den Margarethe, Miriams Urgroßmutter, 1912 in Dresden fertigen ließ und der nun bei ihr, der Urenkelin, steht. In ihm finden sich viele Notiz- und Tagebücher sowie Erinnerungsskizzen von den Frauen ihrer Familie. Von Urgroßmutter Margarethe, von Großmutter Marianne und von Miriams Mutter Monika. Der älteste Eintrag stammt von 1908 - sie schrieben über ihr eigenes Leben und auch übereinander.
Nach dem Tod ihrer Mutter 2021 hat Miriam diese Erinnerungen geerbt, sie hat sie gesichtet und beschlossen, ihre Familiengeschichte niederzuschreiben. Es ist eine persönliche Geschichte geworden, geprägt vom zeitgeschichtlichen Hintergrund.
Der Roman beginnt um 1900, der Erste und der Zweite Weltkrieg nimmt ihnen ihre Männer, ihre Söhne und ihre Brüder. Der Nationalsozialismus ist allgegenwärtig, rassistisches Denken bleibt nicht aus, genau so sind es Standesdünkel. Sie ziehen oft um, gehen vor dem Bau der Mauer in den Westen, bei John F. Kennedys legendärem Staatsbesuch 1963 ist Monika in Berlin. Nicht unbedingt JFKs wegen, sie ist ja noch jung und verliebt ist sie auch. Dies ist ein kurzer Abriss dessen, was Miriam Carbe von ihnen zu berichten weiß, von den schicksalhaften Begegnungen und Begebenheiten, von ihrem Leben und ihren Lebensentwürfen und den Risiken, die auf die ein oder andere Weise jeder einzelne ausgesetzt ist.
„Unerwünschte Töchter“ waren sie alle, die Gründe dafür unterschiedlich. Literatur ist für sie existenziell, sie haben mit den politischen Unwägbarkeiten zu kämpfen, gesellschaftliche Konflikte bleiben nicht aus, so manch Identitätskrise ist zu bewältigen.
Die oben erwähnten Aufzeichnungen geben die Struktur dieses Romans vor, angereichert durch fiktionale Sequenzen. Es ist ein sehr intensiv erzähltes Buch geworden, festgehalten von der unehelich geborenen Miriam. Was noch nicht mal das Schlimmste war, denn ihr Vater ist Nigerianer- der eigentliche Schock für die Familie. Ihre Urgroßmutter Margarethe, die 96 Jahre alt werden durfte, hat von ihrer Existenz erst erfahren, als sie drei Jahre alt war.
Das Buch ist so viel mehr als „nur“ eine Familiengeschichte. Es dringt tief ein in die Geschehnisse dieser Zeit, vermittelt ein eindringliches Bild über mehr als ein Jahrhundert hinweg, aus Sicht der Frauen über vier Generationen. Zu jeder einzelnen dieser Frauen habe ich Zugang gefunden, wenngleich man den jeweiligen Zeitgeist deutlich spürt, was das Lesen nochmal ein Stück weit intensiver werden lässt. Ein Buch, das ich gerne gelesen habe, eine lesenswerte Geschichte, die ich nicht missen möchte.
Eine Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt, erzählt Miriam Carbe in ihrem Debütroman „Unerwünschte Töchter“. Die Protagonistinnen ihres Romans sind Frauen ihrer eigenen Familie: die Urgroßmutter Margarethe, die Großmutter Marianne und Monika, die Mutter der Autorin. Die Geschichte wurde chronologisch erzählt und beginnt mit der Kindheit von Margarethe und dem bürgerlichen Leben in einer Dresdner Villa. Es war ein Leben im Wohlstand, gefüllt mit Werken von Goethe, Musik und Klavierspielen. Als Margarethe auf den Druck ihrer Eltern auf die Heirat mit dem Juden Goldmann verzichtete, dürfte sie als Belohnung eine Ausbildung zur Fröbelianerin machen.
Nach und nach wurden die Lebenswege der weiteren Generationen geschildert; das ereignisreiche Jahrhundert mit den zwei Weltkriegen hat ihre Schicksale stark beeinflusst. Für die Frauen der Familie bedeutete es den Verlust von Männern, die in beiden Kriegen gefallen sind, den sozialen Abstieg, die ständige Suche nach dem neuen Platz im Leben. Sowohl Marianne, wie auch ihre Tochter Monika wurden zu alleinerziehenden Frauen; Monikas Vater Alfred Carbe, ein Wehrmachtsoffizier, ist in den letzten Tagen des Krieges gefallen. Der nigerianische Vater von Miriam hat ihre Mutter verlassen.
Ich fand vor allem den historischen Hintergrund des Romans sehr interessant: zuerst das gutbürgerliche Leben der wohlhabenden Familie, in der man großen Wert auf Ordnung, Fleiß und Stabilität legte. Und wie sich dann, im Laufe des ereignisreichen Jahrhunderts, das Leben der deutschen Familie veränderte, und gleichzeitig auch einige der gelebten bürgerlichen Werte. Insgesamt entstand ein eindrucksvoller Familienporträt, das nüchtern und distanziert skizziert wurde. Ich fand die im Roman erzählte Geschichte an einigen Stellen zu ausschweifend, langatmig erzählt; statt zum Beispiel der seitenlangen Beschreibungen der Jugendschwärmereien hätte ich gerne hinter die Fassaden der so stolzen Frauen schauen können, mit ihnen fühlen und denken können. So sind mir die Protagonistinnen, trotz aller Hürden, die sie überwinden mussten, kühl und unnahbar geblieben. Fazit: ein interessanter Roman, den ich mit 4 Sternen bewerte.
Dieser Roman erzählt anhand von Tagebüchern und Notizen die autobiografische Geschichte vier Generationen von Frauen einer Familie über das 20. Jahrhundert in Deutschland. Hier werden hundert Jahre deutsche Zeitgeschichte lebendig mit dem Fokus auf der Lebensrealität von Frauen, bzw. Insbesondere Müttern und wie das Weltgeschehen ihr Leben beeinflusste. Es wird chronologisch erzählt mit kurzen Einschüben zwischendurch aus der Gegenwart und der Perspektive der Autorin. Der Schreibstil ist interessant und angenehm zu lesen, aber auch relativ distanziert. Spannend war es zu sehen, wie Traumata und Verletzungen an die nächste Generation weitergegeben wurden, obwohl jede es anders machen wollte als ihre Mutter. Generell wurden die verschiedenen und komplexen Mutter-Tochter-Beziehungen wirklich schön aufgearbeitet. Der Roman war aber auch wirklich keine leichte Kost, da es natürlich um viele schwere, aber wichtige Themen geht, und hatte zwischendurch auch ein paar Längen, sodass ich manchmal wirklich eine Pause vom Lesen brauchte, um das erstmal zu verarbeiten. Dazu muss man sagen, dass das antisemitische und rassistische Gedankengut der Urgroßmutter und Großmutter und anderen Figuren in der Geschichte nicht wirklich eingeordnet wird, was für mich auch in Ordnung war, aber es setzt einen Leser voraus, der sich mit den ganzen Themen und der Geschichte schon richtig auseinandergesetzt hat, was man vielleicht im Hinterkopf behalten sollte. Außerdem war es wirklich relativ distanziert geschrieben, sodass man keine wirklich emotionale Bindung zu den Figuren aufbauen konnte, wobei das andererseits den Roman vielleicht auch zu schwer gemacht hätte durch die Themen und Ereignisse, die behandelt werden. Trotz der emotionalen Distanz und einiger Längen, durch die ich mich ein bisschen kämpfen musste, hat mich der Roman doch sehr beeindruckt und ich konnte viel daraus mitnehmen und wurde zum Nachdenken angeregt. Ich würde ihn allen empfehlen, die ein Interesse an deutscher Geschichte und kein Problem mit ruhigeren und langsameren Roman haben.
Miriam Carbe führt in ihrem generationsübergreifenden Roman vier Frauenleben ihrer eigenen Familie durch ein Jahrhundert deutscher Geschichte: Urgroßmutter Margarete, Großmutter Marianne, Mutter Monika und sich selbst. Die Geschichte spannt sich vom Dresdner Bildungsbürgertum über die Weltkriege bis zur Übersiedlung in den Westen.
Mich hat dieses Hörbuch vor allem durch seine wirklich schöne Grundidee angesprochen, bei der die eigene Familie der Autorin im Mittelpunkt steht und die man über mehrere Jahrzehnte begleitet. Es ist ein sensibles und respektvoll geschriebenes Werk über wichtige Themen. Auch wenn mich die Ereignisse emotional nicht immer komplett fesseln konnten, habe ich diese Familien-Reise dennoch mit Interesse verfolgt.
Die einzelnen Frauenfiguren sind von der Autorin gut gezeichnet und führen mich als Hörerin gut durch die verschiedenen Epochen. Zwar blieben mir die Charaktere insgesamt ein wenig fremd und nicht in jedem Moment habe ich mit ihnen mitgefiebert, doch die Lebenswege an sich bieten berührende Einblicke in die jeweiligen Leben.
Der Schreibstil der Autorin hat mich wiederum völlig begeistert. Schon der Einstieg rund um den Schrank, von dem man im Verlauf immer wieder hört und der von Frau zu Frau weitergegeben wird, hat mich bezaubert. Miriam Carbe nutzt eine wunderbare, oft poetische Sprache. Diese angenehme Erzählweise kommt ohne jede Überdramatisierung aus und entfaltet dadurch eine ganz eigene, feine Wirkung.
Der Aufbau des Romans ist wie ein großes historisches Panorama. Mich haben besonders jene Abschnitte gepackt, in denen die Wirren der Zeitgeschichte das Leben der Frauen direkt berühren und verändern. Dass bei einem so weiten Bogen über ein ganzes Jahrhundert nicht jeder Lebensabschnitt gleichermaßen intensiv ausfällt und manche Episoden etwas langatmiger wirken, ist eigentlich klar, hat mich aber dennoch auch ein bisschen enttäuscht. Denn immer wieder habe ich mich auch dabei ertappt, dass ich mit meinen Gedanken abgedriftet bin.
Die Sprecherin Simone Kabst hat eine klare Stimme, die ich sehr mag, die vielleicht an mancher Stelle etwas zu modern empfunden werden kann. Gleichzeitig fängt sie die Stimmung der einzelnen Passagen passend ein. Manchmal fiel es mir schwer, die einzelnen Personen rein stimmlich sofort voneinander zu unterscheiden, dennoch habe ich Simone Kabst gerne zugehört.
Mein Fazit Ein sensibles und respektvoll geschriebenes Zeitzeugnis, das durch einen angenehmen, oft auch poetischen Schreibstil und eine klare Sprecherin besticht. Auch wenn mich das Familienschicksal emotional nicht in jeder Facette ganz tief erreichen konnte, bleibt es ein sprachlich schönes, wichtiges Buch über vier Generationen hinweg.
Vier Generationen. Wiederkehrende Konflikte. Und generationsübergreifende Probleme. Das versucht Miriam Carbe in den autobiografischen Roman „Unerwünschte Töchter“ darzulegen.
In dem Roman erzählt Carbe von vier Generationen Frauen in ihrer Familie: Urgroßmutter Margarethe, Großmutter Marianne, Mutter Monika und ihre schließlich (Ur-) Enkelin Miriam. Es geht um finanzielle Nöte, (unfreiwillige) Trennungen, Betrug/ Verrat und psychische Belastungen. Carbe greift für ihren Roman auf Briefe, Tagebücher und Erzählungen zurück. Aber auch ihre eigenen Erlebnisse werden geschildert…
Ich finde die Idee verschiedene Generationen zu verknüpfen gut und spannend. Allerdings entsteht in vielen ähnlichen Büchern ein Konstrukt, dass vom Zusammenhang unlogisch und lückenhaft entsteht. Daher war ich neugierig, wie Carbe es macht.
Der Start mit Urgroßmutter Margarete ist etwas holprig. Viele Informationen fehlen, die Gefühle können nicht adäquat wiedergegeben werden (Gefühlskälte zu Kriegszeiten?) und die Beschreibungen sind dürftig.
Das bessert sich mit jeder Generation- Carbe versteht es, Details einzuarbeiten und Dinge detailliert zu beschreiben. Sei es eine Zugfahrt, die Läuse bei einer Freundin oder das vortreffliche Benehmen beim Arzt. Interessant ist dabei, wie sich die Probleme in jeder Generation ähnlich wiederholen. Dies nutzt Carbe als roten Faden, um durch das Buch zu führen. Auch wenn der rote Faden gut durch das Buch führt, sind einige Szenen aus meiner Sicht zu lang gezogen und stören meinen Lesefluss, zum Beispiel die Diskussionen um Monikas Zukunftspläne. Anderes bleibt auf der Strecke und unklar (Welche Gefühle haben die früheren Generationen Frauen wirklich zueinander? Welche Rolle spielt zum Beispiel Irni?). Insgesamt hat mir der Roman aber gut gefallen und ich gebe vier Sterne.
Bewegend, aber stellenweise etwas distanziert Zwischen den Frauen dieser Familie liegt viel Nähe, aber auch vieles, das nie offen ausgesprochen wird. Gerade diese stillen Spannungen geben der Geschichte eine besondere Stimmung. Manche Szenen wirken nah und ehrlich, andere bleiben dagegen etwas auf Distanz. Dadurch entsteht beim Lesen ein gemischtes Gefühl aus Interesse, Mitgefühl und gelegentlicher Ernüchterung. Besonders eindrücklich sind die Passagen über das Leben der Frauen in verschiedenen Zeiten. Der Verlust der Männer durch die Kriege, die Erwartungen an Töchter und Mütter und später auch der Konflikt um ein uneheliches schwarzes Kind zeigen deutlich, wie sehr Herkunft und gesellschaftliche Vorstellungen ein Leben prägen können. Dabei wird nie laut erzählt, sondern eher ruhig und beobachtend. Gleichzeitig zieht sich das Buch stellenweise spürbar in die Länge. Einige Gedanken und familiäre Spannungen wiederholen sich, wodurch der Lesefluss manchmal stockt. Manche Figuren bleiben emotional schwer greifbar, obwohl ihre Geschichte eigentlich viel Stoff für Nähe bietet. Gerade im Mittelteil fehlte dadurch stellenweise die Verbindung zu einzelnen Entscheidungen und Reaktionen. Trotzdem hat das Buch starke Momente. Vor allem die Mischung aus Familiengeschichte und deutscher Vergangenheit wirkt gut recherchiert und glaubwürdig. Es entsteht das Bild mehrerer Frauen, die auf sehr unterschiedliche Weise versuchen, ihren Platz im Leben zu finden. Nicht jede Szene berührt gleich stark, aber manche bleiben lange im Kopf. Insgesamt ist es ein ruhiger Roman mit ernsten Themen und vielen familiären Brüchen. Nicht alles konnte mich emotional vollständig erreichen, doch die Geschichte hinterlässt dennoch Eindruck und zeigt, wie lange Konflikte und Verletzungen innerhalb einer Familie weiterwirken können. 3 Sterne
Gemischte Gefühle Die Autorin erzählt ihre eigene Familiengeschichte und ist damit selbst Teil der Generationenfolge, die im Mittelpunkt des Romans steht.
Die erste Hälfte des Romans ließ sich flüssig lesen. Margarethes Geschichte hat mich gleich gepackt, und die Verbindung von Familien- und Zeitgeschichte hat mir gut gefallen. Auch der damalige Zeitgeist wurde sehr authentisch eingefangen. Spannend fand ich, wie die Autorin zeigt, dass sich bestimmte Muster über Generationen hinweg wiederholen. Die Frauen möchten ihr Leben anders gestalten als ihre Mütter, geraten letztlich aber oft in ähnliche Situationen. Besonders die vielen Verluste während und nach dem Krieg haben mich sehr berührt.
Der zweite Teil des Romans hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst. Monikas Geschichte hat mich zwar bewegt, allerdings empfand ich die Erzählung stellenweise als etwas langatmig. Ihre psychischen Erkrankungen und die Art, wie damals damit umgegangen wurde, sind tragisch. Auch der Umgang ihrer Familie mit der Schwangerschaft macht die Vorurteile und den Rassismus, die sich durch das gesamte Buch ziehen, noch einmal deutlich. Überrascht hat mich, dass die Autorin bis zum Ende den Fokus auf Monika legt. Ich hätte gerne mehr über ihr eigenes Leben erfahren, denn für mich bleiben noch einige Fragen offen.
Insgesamt hat mir ein wenig der rote Faden gefehlt. Zwar wird die Familiengeschichte chronologisch und biografisch erzählt, viele der angesprochenen Themen werden jedoch nur angerissen und für mein Empfinden nicht ausreichend vertieft. Dadurch fehlte mir stellenweise etwas die erzählerische Entwicklung und auch die inhaltliche Tiefe. Vielleicht liegt genau darin mein Problem mit dem Buch, auch wenn ich es gar nicht so leicht in Worte fassen kann.
Interessante Geschichte, aber nicht leicht zu lesen
In ihrem Debütroman „Unerwünschte Töchter“ erzählt Miriam Carbe eine tiefgründige deutsche Familiensaga. Basierend auf den echten Tagebüchern ihrer Urgroßmutter Margarethe, der Oma Marianne und ihrer Mutter Monika berichtet Carbe vom Leben dreier Frauen von Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu ihrer eigenen Geburt.
Stilistisch handelt es sich weniger um einen Roman und vielmehr um eine chronologisch erzählte Biographie. Dabei wird die Geschichte immer wieder durchbrochen durch Kapitel, in denen die Autorin mittels ihrer eigenen Erinnerungen das Geschehen einordnet.
Einerseits kann man den Roman als feministische Geschichte über emanzipierte Frauen einstufen, die das Leben als alleinerziehende Mütter unter herausfordernden Voraussetzungen bewältigen. Andererseits wird deutlich, dass diese schwierigen Startbedingungen im Leben zu einem Trauma führt, das generationenübergreifend weitergegeben wird. Das Gefühl, eine unerwünschte Tochter zu sein, lässt sich nicht einfach abschütteln. In einer von Alltagsrassismus geprägten Umgebung kann für eine Frau mit deutscher Mutter und nigerianischem Vater selbst die eigene Familie mitunter toxisch sein.
„Unerwünschte Töchter“ ist kein leichtes Buch, weder im übertragenen Sinn noch tatsächlich. Die Erzählung schleppt sich bei über 500 Seiten in nur 32 Kapiteln für meinen Geschmack doch manchmal etwas langatmig dahin. Der Fokus liegt vor allem auf der eigenen Familiengeschichte und manche historischen Umbrüche (Flucht in den Westen vor der Wende) kommen etwas zu kurz. Insgesamt fand ich die Geschichte zwar sehr interessant, aber die Art und Weise des Erzählens hat mir weniger gut gefallen.
Aus dem Nachlass ihrer Mutter Monika, die 2021 starb, entwickelte Miriam Carbe ihren Debütroman. Die ältesten Einträge in den hinterlassenen Tagebüchern reichen bis ins Jahr 1908 zurück. Daraus rekonstruiert Carbe die Geschichte ihrer Familie über vier Generationen und verbindet sie mit fiktionalen Passagen zu einem Roman, der zugleich Familienchronik, Erinnerungserzählung und Jahrhundertpanorama ist. Die Frauen Margarethe, Marianne, Monika und Miriam durchleben das gesamte 20. Jahrhundert: Kaiserreich, zwei Weltkriege, Teilung, Wiedervereinigung. Den dramatischen Wendepunkt bildet die Geburt von Miriam selbst als ihre Mutter Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringt. Der Roman macht daraus keine Anklageschrift, sondern verfolgt die Wege, auf denen sich Vorurteile vererben und in alltäglichen Gesten fortsetzen. Erzählerisch überzeugt Carbe durch einen geschickten Perspektivwechsel: Sie wechselt immer wieder aus der Ich-Perspektive auf die fiktionale Ebene und in die Sicht ihrer Vorfahrinnen. So schreibt sie nicht nur Familiengeschichte, sondern macht auch ein Stück deutsche Historie erfahrbar. Der einzige nennenswerte Kritikpunkt: Ausgerechnet Miriams Mutter bekommt verhältnismäßig wenig Raum. Jene Frau, deren Lebensgeschichte wohl die komplexeste und deren Verhältnis zu den Verwandten das ambivalenteste ist. Insgesamt ist Unerwünschte Töchter ein eindrucksvolles Debüt und ein Roman, der nachhallt und dazu einlädt, über das eigene Familienerbe nachzudenken.
Zwei Erbstücke spielen eine Rolle: ein Bücherschrank aus Kirschbaum, der so lebendig von Miriam Carbe beschrieben wird, dass man ihn fast sehen und riechen kann, und die Tagebücher ihrer Vorfahrinnen.
Mit wunderbarer Sprache erzählt die Autorin atmosphärisch von den Frauenleben ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter, und von ihrem eigenen.
Beginnend mit der wilden Margarethe, die im Dresden der 1910er Jahre in der Villa der Eltern in großbürgerlicher Umgebung aufwächst, sich jedoch weniger für das von ihr erwartete Verhalten und vorgesehene Leben als voller Wissbegier für Bildung, die Moderne und Fröbels Erziehungsansätze interessiert. Am Ende heiratet sie dann doch und wird die Mutter von Marianne.
Marianne, die ihre Jugend begeistert im dritten Reich verbringt, in ihrer Liebesbeziehung zu ihrem Vorgesetzten schwanger und die Mutter von Monika wird.
Die Zeiten ändern sich erneut - Monika lebt 6 Jahre in der jungen DDR, bevor die Flucht in den Westen gelingt. Ein schwieriger Neustart und keine einfachen Jahre folgen, bevor 1967 Monikas Tochter Miriam geboren wird, Tochter eines nigerianischen Studenten, eine Herausforderung in Bezug auf Akzeptanz für Marianne und Margarethe.
In diesem großartigen Buch wird Zeitgeschichte über etwa 100 Jahre lebendig anhand von vier Frauenleben erzählt - ein lesens- und empfehlenswerter Roman, in den auch Zitate aus den Tagebüchern von Margarethe, Marianne und Monika einfließen.
In dieser Familiensaga folgen wir vier Generationen von Frauen, vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Im Fokus stehen die Vorfahrinnen der Autorin, die deren Leben mit Hilfe von Tagebüchern rekonstruiert.
Das Buch hat sicherlich einige interessante Aspekte. Besonders, dass das Buch auf echten Geschehnissen und Menschen basiert, bzw. von diesen erzählt, verleit dem Ganzen einen gewissen Reiz. Leider war dies aber auch grösstenteils die einzige Motivation für mich, weiterzulesen.
Man muss sich am Anfang erstmal an den ständigen Gebrauch der indirekten Rede gewöhnen und an die hundert Spitz-/Namen, die immer wieder (und dann wieder nicht) gebraucht werden. Manchmal nehmen Kapitel unerklärte Zeitsprünge, grade war man noch beim zweiten Weltkrieg und plötzlich fährt man nach der Wende durch Ostdeutschland – man weiss immer erst nach zwei bis drei Absätzen, von wem die Rede ist und wo man sich grade befindet. Die einzige Konstante ist der Bücherschrank, der von Tochter zu Tochter weitergegeben und immer mal wieder am Rande erwähnt wird.
Hat man es dann geschafft, über dieses Chaos hinwegzusehen, plätschert der Inhalt so vor sich hin. Es passiert zwar viel, aber durch den Erzählstil hat man das Gefühl, von oben herab drauf zu schauen, ohne jegliche Verbindung zu den Charakteren. Fast ein bisschen, wie bei einer Gute-Nacht-Geschichte für Kinder.
Schlussendlich habe ich das Buch nach ca. ⅔ abgebrochen. Wenn ich es nicht grade lese, vergesse ich, das es existiert. Wenn ich es lese, fange ich an, mich nach maximal 15 Seiten zu langweilen und lege es wieder weg.
Ich lese sehr gerne Familiengeschichten, jede hat etwas Besonderes und gibt Einblicke in familiäre Bereiche, die ansonsten im Verborgenen bleiben. In diesem Roman geht es um Margarethe, Marianne, Monika und Miriam. Die Protagonistinnen stammen aus vier Generationen. 1912 ließ die Urgroßmutter der Autorin einen Kirschholzschrank anfertigen. Dieser machte jeden Umzug mit und wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Obwohl Miriam ihn zunächst nicht bei sich haben wollte, entschied sie sich dann doch anders. Zum Glück, denn dieser hatte für jede der Frauen eine andere Bedeutung und die Autorin entschied sich dafür in ihm die Tagebücher ihrer Urgroßmutter, Großmutter und Mutter aufzubewahren, die ihr als Grundlage für diesen Roman dienten. Die Frauen ihrer Familie haben zwei Weltkriege erlebt und sie selbst wurde als schwarzes Kind in eine weiße Familie hineingeboren. Zur damaligen Zeit war das keine einfache Situation. Überhaupt hatten die Frauen kein leichtes Leben und es wird deutlich wie sehr es sie direkt und indirekt geprägt hat. Dadurch entsteht auch eine Menge Konfliktmaterial. Die Autorin thematisiert so ziemlich alles, was in das damalige Zeitgeschehen passt, egal ob politisch, gesellschaftlich oder kulturell. Dadurch wird der Roman sehr vielschichtig, fordert aber auch beim Lesen. Wer anspruchsvolle Familiensagas mag, könnte an dem Buch gefallen finden.
Auto-fiktional wird die Geschichte der Autorin erzählt. Margarete, welche den ersten Weltkrieg miterlebte und die Nachkriegszeit, ihre Tochter Marianne den zweiten Weltkrieg, Monika die 50er/60er und dann Miriam.
Es ist einer dieser Bücher, welche man immer überlegt, was ist real und was nicht. Es ist, dass ich dachte, oh, das war, aber nett. Oder oh, das habe ich so gar nicht gedacht und aber auch echt vieles, was ich hart fand. Vor allem diese Angst vor der Schande, diesen Zwang heiraten zu wollen und dann doch die Stärke zu haben alleinerziehend zu sein.
Die einerseits Bildungshöhen und dann doch wieder sich den Weg in die Gesellschaft kämpfend. Dänemark fand ich eine schöne Sequenz und auch wenn erzählt wurde, wie die Väter kennen gelernt wurde. Miriam, als farbiges Kind, welches zu Beginn nur durch göttliche Fügnis überlebte mit einer Mutter, welche selbst noch ein Kind war.
Es war traurig zu hören. Auch wie über die Nazizeit gesprochen wurde, ich weiß, es gehört zu unserer Geschichte, nur rumorte es doch in mir, weil man jetzt die Geschichten kennt von damals. Ich finde es ein wunderbares Buch um die Zeitgeschichte kennen zu lernen und ich bin sooo froh, jetzt zu leben.
Simone Kabst liest das Buch mit zum Teil Schalk in der Stimme und ich fand die Stimme angenehm anzuhören. Sie schaffte es, dass ich der Geschichte trotz der Zeitsprünge und zum Teil sehr sensiblen Themen gut folgen konnte.
“Unerwünschte Töchter” von Miriam Carbe erzählt die Geschichte der Herkunft der Autorin, ihrer Mutter, Groß- und Urgroßmutter, vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Als groß angelegtes Familienepos führt es in die Welt der wohlhabenden Dresdner Gesellschaft über die Verwicklungen des Nationalsozialismus’ bis zur psychisch kranken Mutter und dem abwesenden nigerianischen Vater. Im “Jahrhundert der Frauen” sind die Männer nur eine Randerscheinung, die im Krieg fallen oder durch gesellschaftliche Umbrüche nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Ich hatte eine Weile gebraucht, um ins Hörbuch (sehr passend gelesen von Simone Kabst) zu finden, war dann sehr gefesselt, bis es zum Ende hin wieder etwas zäher wurde und durch verschiedene Zeitsprünge in den Ausführungen der Autorin in der Gegenwart verwirrend, weil ich zeitliche Abläufe und Ereignisse nicht gleich einordnen konnte und mir Brüche zu drastisch und verbindungslos waren. Dennoch ist dieses Buch eine atmosphärische Spurensuche und großartiger Familienroman, in den man eintauchen muss, um ihn genießen zu können.
*Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
„Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe ist eine bewegende Familiengeschichte über vier Generationen von Frauen, geprägt von Krieg, Verlust, Stärke und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Schon das Cover wirkt ruhig und zugleich melancholisch und passt wunderbar zur Stimmung des Buches. Der Schreibstil ist eindringlich, emotional und sehr bildhaft, sodass man tief in die Geschichte eintaucht und mit den Figuren mitfühlt.
Besonders beeindruckt hat mich, wie persönlich und gleichzeitig zeitgeschichtlich bedeutend die Erzählung ist. Die Konflikte zwischen Müttern und Töchtern wirken erschreckend echt und vertraut. Da es mein erstes Hörbuch war, war ich anfangs skeptisch. Vielleicht bin ich etwas altmodisch, denn ich dachte tatsächlich, man bekäme noch CDs oder ein richtiges Hörbuch zugeschickt – stattdessen gab es nur einen Link. Trotzdem wurde ich positiv überrascht: Die Vorleserin hat eine sehr angenehme, ruhige Stimme, die perfekt zur Geschichte passt und das Zuhören besonders angenehm macht.
Vier Generationen Frauen Miriam Carbe stammt aus einer deutsch nigerianischen Verbindung. In dem Roman „Unerwünschte Töchter“ verarbeitet sie ihre Familiengeschichte. Ihre Großmutter und Urgroßmutter hinterließen ihr Tagebücher bis 1908. Margarete, Marianne, Monika und die Schriftstellerin Miriam sind die Frauen in dieser Geschichte. Margarete verlor im ersten Weltkrieg ihren ersten Mann und im zweiten Weltkrieg einen Sohn. Mit Marianne erlebten wir die Nazizeit und den Krieg. 1945 kam Monika zur Welt. Ihre Kinderzeit mit alle ihren Emotionen und der Freundschaft mit Mireile war interessant. Leider wurde sie in der Jugend physisch krank. Als sie in Marburg studierte hoffte ich ja, das sie gesund wird. Als sie von ihrem nigerianischen Freund ein Kind erwartet, und sich durchsetzte um es zu behalten, sah-es doch erst gut aus. Marianne war für eine Abtreibung, aber später war sie doch eine liebevolle Großmutter. Das Alles hat Miriam Carbe mit ehrlicher Sprache zu Papier gebracht. Es war ein eindrucksvolles Leseerlebnis.
Zum Inhalt: Vier Frauen aus vier Generationen, die sich lieben, sich weh tun, um Unabhängigkeit kämpfen. Die Männer und Väter fallen den Kriegen zum Opfer, aber richtig schlimm wird es erst nach der Übersiedlung in den Westen. Die zwar hochintelligente aber labile Monika bekommt in den sechziger Jahren ein uneheliches und zu dem auch noch schwarzes Kind zur Welt. Meine Meinung: Was ich besonders beeindruckend fand, dass die Autorin ihre eigene Familiengeschichte erzählt, das macht die Geschichte noch greifbarer, noch persönlicher. Ich hatte die Chance sowohl Buch als auch Hörbuch zu genießen und ich muss sagen, dass mir beide sehr gut gefallen haben. Ich fand es schön, die Frauen mit all ihren Schwierigkeiten durch die Jahrzehnte und vor allem die doch für die Frauen immer wieder völlig anderen Lebensumstände und politischen Verhältnissen. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte sehr authentisch die Verhältnisse zeigte, die Schwierigkeiten, aber auch die Freuden der Frauen. Fazit: Reise durch die Generationen
Interessante Familienfakten Von vier Frauen und deren Leben ab ca. 1912 handelt das Buch, zusammengetragen aus deren Tagebucheinträgen. Die anfängliche Abstammung der Urgroßmutter Margarethe aus bildungsbürgerlichem Hause in Dresden bis zur Autorin Miriam erzählt neben den finanziellen Hürden auch von der Hinwendung zu deutscher Literatur mit Goethe, Schiller, Richard Wagner bis zu Thomas Mann oder Grass. Gesundheitliche Themen wie geschlossene Tuberkulose, endogene Schizophrenie oder Schwermut mancher Familienmitglieder konkurrieren mit historischen Begebenheiten wie z. B. dem Nationalsozialismus mit Ahnenpass, Rassenvorurteilen oder dem Besuch J.F. Kennedys in Berlin. Thematisiert werden aber auch das Familienlaster „RAUCHEN“, der Standesdünkel, die Prüderie und die Ehrbarkeit der Frau. Der rote Faden zwischen den Frauen-Generationen mit den M-Vornamen ist leider nicht immer überschaubar gespannt. Ein Familienstammbaum wäre hier hilfreich. Bewegte deutsche Geschichte!
Solide Familiengeschichte mit ungewohnter Perspektive, aber wenig Tiefe. Der Generationenroman bietet einen interessanten und ungewohnten Blickwinkel auf die Zeit der Weltkriege und die deutsche Teilung aus der Sicht einer bürgerlichen Familie, ohne die typischen Flucht- und Opfergeschichten. Der Schreibstil ist angenehm unkompliziert und flüssig zu lesen. Leider ging durch die ständigen Perspektiven- und Zeitsprünge sowie die vielen ähnlichen Namen und Kosenamen oft die Übersicht verloren. Ich hätte mir klarere Angaben zu Person, Jahr und Ort in den Kapiteltiteln gewünscht. Da es sich um eine reale Biografie handelt, fehlen wahrscheinlich erfundene, dramatisierende Details. Dadurch blieb die Charakterentwicklung für mich jedoch flach, und ich konnte zu keiner der Frauen eine wirkliche emotionale Bindung aufbauen. Auch der Titel und das Cover wirken im Nachhinein unpassend. Ein interessanter aber zu oberflächlicher geschichtlicher Einblick, dem es für mich als Romanleserin letztendlich aber an erzählerischer Tiefe und fehlte.
Mit "Unerwünschte Töchter" hat Miriam Carbe einen bewegender und eindringlichen Roman geschrieben, der auch nach dem Lesen noch in Erinnerung bleibt. Auf Basis von Tagebücher ihrer Vorfahrinnen schreibt die Autorin ihre Familiengeschichte auf. Die Geschichte erzählt von Frauenleben zwischen Anpassung, Schmerz und dem Wunsch nach Selbstbestimmung – sensibel, ehrlich und atmosphärisch dicht geschrieben.
Der Schreibstil ist ruhig und zugleich kraftvoll. Gerade die feinen Beobachtungen und die intensive Atmosphäre machen den Roman besonders lesenswert.
Was mir in dem Buch etwas fehlt, ist der rote Faden zwischen den Personen/Generationen - das ist leider etwas verwirrend geworden und die Übersicht fehlt, beispielsweise ein abgebildeter Stammbaum hätte sehr geholfen.
Von mir gibt es eine Empfehlung - ein bewegendes Buch.
Düstere Familiensaga über 4 Generationen mit dem Wunsch, endlich gesehen zu werden und gut genug zu sein. Das Cover verrät kaum etwas über die Geschichte, im Gegensatz dazu steht der ausdrucksstarke Titel. Fans von mehreren POVs sowie Rückblenden und Zeitsprüngen werden hierbei begeistert sein - sehr häufig springt das Buch zwischen den Generationen und zwischen der Art der Erzählweise. Obwohl alle Figuren aus ihrem vorbestimmten Leben ausbrechen wollen und rebellieren, fügen sie sich letztlich doch (mehr oder weniger) den Erwartungen ihrer Zeit. Der Schreibstil ist leider sehr sperrig, die Handlung wirkt stellenweise langatmig und bleibt trotz vieler (historischer) Ereignisse emotional oft eher oberflächlich. Empfehlen würde ich den Roman jedem, der ausführliche Familiengeschichten schätzt sowie sich für geschichtliches Leben in Deutschland in den letzten 100 Jahren interessiert.