Ein toter Lehrer auf einer unbewohnten Insel in der Flensburger Förde. Jan Olsson wurde erschlagen und verstümmelt. Die Flensburger rufen das LKA, denn die Urlaubszeit steht vor der Tür. Da kommt ein Toter ungelegen. Finn und Merle ermitteln, doch sie stoßen schnell an ihre Grenzen: Warum musste der junge Lehrer nicht nur sterben, sondern wurde auch noch kastriert? Eifersucht? Rache? Oder eine wahnsinnige Liebe? Als eine schwangere Schülerin auftaucht, scheint klar, dass es einen Zusammenhang gibt. Doch jede Spur läuft ins Leere, jedes Alibi scheint wasserdicht. Ein Fall, der Wissen, Geschick und Geduld bis zur Schmerzgrenze fordert.
Die unbewohnte Insel in der Flensburger Förde dient sonst nur Pärchen für ein Schäferstündchen. Nun wurde dort am Strand aber die verstümmelte Leiche eines Lehrers gefunden. Die Hauptkommissare Merle Sanders und Finn Randers vom LKA reisen an die Ostsee und machen sich auf die Suche nach Täter und Motiv.
Die Ausgangssituation des Krimis fand ich sehr gelungen: ein toter Lehrer, viele mögliche Verdächtige im schulischen Umfeld und ein Ermittlerteam des LKA, das den Fall in Kiel bearbeitet. Das Setting und die Grundidee haben auf jeden Fall Potenzial und waren für mich auch der Hauptgrund, dranzubleiben.
Leider hatte ich immer wieder das Gefühl, dass dieses Potenzial nicht ausgeschöpft wird. Die Ermittlungen sind zwar zunächst interessant angelegt und es gibt mehrere Spuren, aber die Auflösung wirkte auf mich am Ende zu knapp und zu schnell abgehandelt. Nach dem ganzen Hin und Her hätte ich mir ein runderes, ausführlicheres Finale gewünscht.
Mit der Dynamik im Ermittlerteam bin ich ebenfalls nicht warm geworden. Die Figuren sind offiziell LKA-Ermittler, verhalten sich aber eher wie eine Gruppe sehr pubertärer Anfangzwanziger auf Klassenfahrt. Es geht auffallend häufig um Sex, Anzüglichkeiten und derbe Sprüche, teilweise mehr als um die eigentliche Ermittlungsarbeit. Ob man diesen Humor und die deutliche „Gossensprache“ mag, ist sicher Geschmackssache – mir wurde es auf die Dauer zu viel und ich fand es für die Rollen und das Thema unpassend.
Der Schreibstil hat für mich zusätzlich zum durchwachsenen Eindruck beigetragen. Das Buch besteht zum großen Teil aus Dialogen. Häufig fragte ich mich, wer gerade spricht oder wo genau die Szene spielt. Ein wenig mehr beschreibender Kontext hätte dem Lesefluss sehr gutgetan. Dazu kommen einige Rechtschreibfehler, sodass das Ganze auf mich eher wie ein nicht vollständig überarbeitetes Manuskript wirkte. Insgesamt hatte ich oft den Eindruck, dass die Dialoge im Vordergrund stehen und der eigentliche Plot dahinter zurückbleibt.
Unterm Strich bleibt für mich eine Geschichte mit guter Idee und interessanter Ausgangssituation, aus der aber zu wenig gemacht wurde. Wegen des erkennbaren Potenzials lande ich noch bei 3 von 5 Sternen, würde mir für weitere Bände jedoch eine reifere Figurenzeichnung, weniger pubertären Humor, einen sorgfältiger ausgearbeiteten Stil – und vor allem deutlich mehr Fokus auf die eigentliche Geschichte wünschen.
Der tote Jan ist ein Krimi, der vor allem durch sein ungewöhnliches Ermittlerduo auffällt. Die beiden arbeiten auf eine Art zusammen, die man so nicht alle Tage sieht – mal frech, mal chaotisch, mal überraschend effektiv. Genau diese Mischung macht den Reiz aus und sorgt dafür, dass die Ermittlungen trotz ernster Themen immer eine gewisse Leichtigkeit behalten.
Der Stil ist direkt, modern und streut immer wieder frivole Anspielungen ein, die dem Buch einen besonderen Ton geben. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber für mich hat es funktioniert und der Geschichte eine eigene Note verliehen. Gleichzeitig bleibt der Krimi spannend genug, um einen durchgehend mitzuziehen – man möchte einfach wissen, wie alles zusammenhängt.
Insgesamt ein Krimi, der sich traut, anders zu sein: frech, ungewöhnlich, manchmal derb, aber immer unterhaltsam. Wer offen für eine etwas andere Art der Ermittlungsarbeit ist, bekommt hier definitiv etwas Besonderes geboten.