Der Autor schafft es, mit seinem Debut, eine eigene Welt zu erschaffen, die durch starke Charaktere und deren Schicksale lebendig wird. Der Schreibstil, der mit einzelnen kurzen Kapiteln aufwartet, wirkt zunächst so, als käme das World-Building zu kurz, doch das täuscht gewaltig. Durch die erfrischend kurz gehaltenen Kapitel und die verdichteten Erlebnisse der Figuren wird man als Leser quasi durch die Geschichte gezogen. Mit fiebriger Spannung wartet man darauf, ob Bromm die nächste Ernte einfahren kann, wie Lysella sich in Thursted schlägt und was Roen auf seinem Weg noch alles widerfährt.
Lediglich die Entwicklung zwischen Lysella und dem Bauern war mir persönlich zu leicht aufgelöst und hat etwas an tiefgreifender Philosophie im Bezug auf den Weltenwandel in Eindall vermissen lassen. Da hätte man - in meinem Empfinden - noch etwas Tiefe und Konflikte aufarbeiten können bzw. dem Ganzen mehr Zeit geben können.
Was die Zeit angeht: ich finde - wie in einer anderen Rezension erwähnt - die Zeitsprünge nicht hinderlich.
Im Gegenteil: endlich traut ein Autor den Lesenden mal zu, dass man selbst Puzzleteile zusammensetzt und nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommt. Solche Stellen sind nicht als negativ zu betrachten, sondern geben den Lesenden die Möglichkeit, die spannende Geschichte selbst weiterzudenken und sich auszumalen, welche Erzählungen und Hintergründe sich hier noch verbergen dürfen.
Es braucht kein mega komplexes World-Building, das auf 800 Seiten die historischen Strukturen beschreibt, denn die Figuren machen den Konflikt zwischen blauem und rotem Blut so lebendig, nahbar, packend und emotional - und ist es nicht genau das, was man von einem guten Buch will?