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Poppkultur

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Ausgehend von eigenen Erfahrungen, der Verunsicherung einer jungen Frau im Prozess sexueller Selbstfindung, ihren Beobachtungen toxischer Männlichkeitsbilder und ihren eigenen Fantasien geht die Autorin und Schauspielerin Bianca Nawrath der Frage nach: Was sagt unsere Fantasie über uns aus, über unsere Zeit und über unsere Freiheit? Wenn alles schneller, lauter und digitaler wird und alte Machtverhältnisse fortbestehen – wie wirkt sich das auf unser Fühlen, Denken und Begehren aus? Und wann kippt Nähe in Entfremdung?
Bianca Nawraths persönliche und gesellschaftliche Erkundung von Sexfantasien legt den Fokus auf die Rekonstruktion von Begehren und Fantasie entlang medialer, sprachlicher und emotionaler Prägungen. Sie untersucht die Poppkultur in der Popkultur – wie beispielsweise Filme, Werbung, Pornos, Songs und Comedy unsere Vorstellung von Sex prägen, warum es so schwer ist, offen über Fantasien zu sprechen, und wie Fantasie ein therapeutisches Werkzeug werden kann. Mit Interviews, Storytelling, Reflexionen und praktischen Impulsen soll die Lust enttabuisiert werden: Fantasie ist Macht, wenn wir sie verstehen. Und es gibt einen Weg, sie neu zu entdecken.

448 pages, Hardcover

Published August 27, 2026

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Bianca Nawrath

9 books6 followers

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Review of advance copy received from NetGalley
August 15, 2026
“Poppkultur” hat mich positiv überrascht - und enttäuscht. Es geht um sexuelle Fantasien, ja, aber das Thema wird sehr inklusiv und aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. Leider bleiben aber auch einige Themen dünn und oberflächlich.

Die Autorin ist Schauspielerin (das wusste ich vorm Lesen nicht) und was mir besonders gefallen hat, ist die kritische Betrachtung ihrer früheren Rollen. Sie wirft einen ehrlichen Blick auf die Filmlandschaft und nimmt uns manchmal kurz mit ans Set. Ich fand das sehr interessant, weil ich dazu kaum Berührungspunkte habe.

Ebenfalls toll haben mir die Abschnitte zu Themen wie Menschen mit Behinderung oder Male Gaze gefallen, Queerness wird nicht ausgespart, sondern ganz selbstverständlich mitgedacht.

Ich bin auch froh, dass die Autorin betont, dass nicht jede Fantasie ausgelebt werden will. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall! Und auch wenn sie anfangs schreibt, dass dieses Buch kein feministisches Manifest sein soll, so wird doch alles durch eine intersektional-feministische Brille betrachtet. Dass Sozialisation eine große Rolle bei Fantasien spielt, sollte endlich allen klar sein.

Ein bisschen enttäuscht bin ich aber zB von den Kapiteln zu Mangas/Animes und Reality TV.

Bei ersterem merkt man, dass die Autorin wenig Bezug hat. Trotzdem hat sie sich Mühe gegeben, differenziert zu bleiben. Boyslove wird ganz kurz erwähnt und erklärt, aber schade war, dass Yaoi (Männer, die sich verlieben, explizite Sexszenen) und Yuri (Frauen, die sich verlieben, explizite Sexszenen) gar nicht vorkommen. Dabei ist doch grade so etwas bei einem Buch über sexuelle Fantasien wichtig. Außerdem wäre es interessant, mal zu hinterfragen, warum sich diese queeren Geschichten in einem konservativen Land wie Japan (und natürlich darüber hinaus) so gut verkaufen.

Beim Thema Reality war mir dann alles zu dünn. Die Autorin mags nicht, hat für den Abschnitt ein paar Folgen Love Island VIP geguckt und hatte das Gefühl, sie verblödet. Schade, denn es gibt ja unterschiedliche Formate und nicht alle basieren auf Dating. Ich habe mich letztens komplett in der ersten Staffel “The Power” verloren, was wohl mit meiner Liebe zu Spielen wie “Secret Hitler”, “Das Chamäleon”, “Agent Undercover” usw zu tun hat. Man kann an Reality sicher einiges kritisieren und spannenderweise tun das vor allem die Fans selbst. Ich finde es aber schade, dass die vielen Youtuberinnen und Podcasterinnen damit abgetan werden, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Die meisten sind sehr feministisch und kritisieren Reality stark. Bei den “Trashologinnen” (Franzi und Dinah, beide mit Doktor in Psychologie, beide Feministinnen, Franzi ist queer) sehe ich regelmäßig Kommentare von Frauen, die dank der Einordnung der beiden ihre nicht so glückliche Beziehung hinterfragen, mehr Grenzen setzen und zB nur noch Sex haben, wenn sie wirklich wollen und nicht um ihren Partnern einen Gefallen zu tun (was diese schockiert). Mich berührt das immer sehr und ich denke mir, wenn auch nur eine Frau aufwacht, haben diese Videos und Podcasts ihren Zweck erfüllt. Außerdem gibt es queere Formate wie Princess Charming, das zu Recht als super wholesome, feministisch und aufklärend gilt.

Social Media und verschiedene toxische Männerströmungen werden kurz erklärt, aber wenn man sich damit schon mal befasst hat, wirkt auch das oberflächlich. Bei der Erklärung zu Red Pill fehlt zB die wichtige Info, dass die Creatorinnen und Regisseurinnen von Matrix trans sind und die Szene eben darauf anspielt, die eigene Identität zu akzeptieren. (Umso absurder, dass das Ganze von transfeindlichen, toxischen Männern gekapert wurde.)

LARP und Pen and Paper werden super kurz abgehandelt, bei der Erklärung zu letzterem bekommen Leserinnen, die dazu keinen Bezug haben, den Eindruck, dass es nur ein Spiel gibt, das halt “Pen and Paper” heißt, weil nicht erwähnt wird, dass es unterschiedliche Systeme gibt. Die Autorin erwähnt auch nicht, was genau sie nun gespielt hat.

Beim Thema Gaming geht es immerhin auch um die massive Misogynie in der Szene und Gamergate wird angerissen.

Literatur wurde zum Glück recht differenziert behandelt. Ich bin da selbst noch zwiegespalten, weil ich zum einen die Misogynie sehe, mit der bestimmte Bücher, die Frauen mögen, kritisiert werden. Auch über die Leserinnen selbst wird sich erhoben und lustig gemacht. Auf der anderen Seite ist es wahr, dass viele dieser Bücher eine sehr heteronormative, christlich geprägte und konservative Darstellung von Beziehungen zeigen, deren Geschlechterrollen oft starr sind. Allerdings kritisieren zB Männer sie ja nicht deshalb, sondern weil “ihh, pfui, Romance, Mädchenkram”. Schwierig.

Ich halte es auch für keinen Zufall, dass Dark Romance parallel zu steigender Misogynie und Faschismus boomt. Janice A. Radway hat für ihr 1984 erschienenes Buch “Reading the Romance” klassische historische Romanzen gelesen, die damals grade einen Hype hatten. Auch da gab es große, furchteinflößende und häufig grenzüberschreitende Männer, die jungfräuliche, zarte Frauen entführen. Natürlich immer mit Happy End. Radways Theorie ist, dass sich die Leserinnen durch diese Geschichten der Fantasie hingeben, dass wahre Liebe in der Kälte des Patriarchats möglich ist. Wenn man das weiter spinnt, kommt man heute eben bei Dark Romance raus.

Auch mit dem Abschnitt Fanfiction bin ich nicht ganz so zufrieden. Ich glaube, mein größtes Problem ist, dass sich dieses Buch an Leute richtet, die von nichts in der Fandom-, Pop- und Nerdkultur eine Ahnung haben und deshalb alles oberflächlich und von Null auf erklärt bekommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es viele Menschen gibt, für die das Buch eine interessante und spannende Lektüre ist, bei der sie viel lernen. Daher trotz Kritik Empfehlung!
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