Eigentlich wollte Valerie nur kurz in die Stadt und dann ihren Sohn Lio von der Kita abholen. Doch als der Bus ohne sie abfährt, läuft sie einfach los. Valerie steckt in der Überforderung des Alltags als Single-Mom und ihrem Drang, ihre Probleme durch Instagram-Self-Care-Posts zu analysieren. Doch auf ihrem ungeplanten Fußmarsch hilft kein Wischen und kein Tippen mehr. Während sie Kilometer um Kilometer zurücklegt, kämpft sie gegen die Stimmen ihrer Vergangenheit mit der Frage, wer sie eigentlich ist.
Wir alle kennen diesen einen Moment, in dem man losgehen und nicht mehr stehen bleiben will. Nina Hennings Debütroman erzählt berührend und humorvoll über den Mut, alles hinter sich zu lassen, während die Welt weiterscrollt.
»Und immer wieder ertappt man sich dabei, diesen oder jenen Gedanken auch schon gehabt zu haben.« Vera Zischke
Als Valerie den Bus in die Stadt zum Kindergarten ihres Sohns Lio verpasst, läuft sie einfach los. Kilometer für Kilometer entfernt sie sich von ihrem Alltag und gerät dabei immer tiefer in ihre eigenen Gedanken, Erinnerungen und die Frage, ob sie eigentlich weitermachen will. Besonders mochte ich, wie Valerie immer wieder in ihren eigenen Gedankenschleifen versinkt. Valeries Überforderung konnte ich deshalb insgesamt gut nachvollziehen. Der Roman liest sich trotz der teilweise harten Themen schnell und unkompliziert.
Dennoch bin ich zwiegespalten. Ich hatte durch den Vergleich mit „Pina fällt aus“ einfach etwas ganz anderes erwartet. Dieser Roman beschäftigt sich mit deutlich schwereren Themen und hat deutlich weniger Lichtblicke wie das fast märchenhafte „Pina fällt aus“ : Trauer, Überforderung, der Verarbeitung eigener Erfahrungen und der Frage, wie man als Mutter weitermacht, wenn man eigentlich selbst Unterstützung bräuchte. Gerade dieser Aspekt hat mich beschäftigt: Valerie hat eigentlich niemanden, der sie wirklich auffängt. Die anderen Menschen in ihrem Leben sind alle in irgendeiner Form auf Distanz gehalten.
Insgesamt wirkt der Roman auf mich dadurch nicht ganz so rund wie „Pina fällt aus“. Für mich ist er ein klassischer Fall von: kein schlechtes Buch, aber der Klappentext weckt völlig falsche Erwartungen. Ich hätte ihn eher als Roman über Trauer, die Verarbeitung eigener Traumata, das Großziehen eines Kindes und die Rolle von Social Media angekündigt. Mit dieser Erwartung wäre ich wahrscheinlich ganz anders an die Geschichte herangegangen. So bleibt für mich ein durchaus guter, schnell zu lesender Roman mit interessanten Gedanken und wichtigen Themen, der aber vermutlich keinen ganz nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen wird.
Ich bin bei „Valerie geht“ ehrlich gesagt ziemlich ratlos zurückgeblieben, vor allem, weil der Anfang vielversprechend war.
Die ersten vier Kapitel habe ich in einem Rutsch gelesen und war sofort in der Geschichte. Es geht um Valerie, alleinerziehende Mutter, der ihr ganzes Leben lang vermittelt wurde, dass sie zu laut, zu wild, zu anders und schlichtweg zu viel sei. Irgendwann übernimmt sie diesen Blick auf sich selbst und hält sich sogar für sozial inkompetent. Genau diese Frage fand ich zunächst sehr spannend: Wie viel davon ist tatsächlich Valerie und wie viel wurde ihr so lange eingeredet, bis sie selbst daran glaubt?
Auch ihre Suche auf Instagram nach möglichen Störungen oder Erklärungen für ihr Verhalten fand ich zeitgemäß und interessant. Dieses Bedürfnis, sich selbst verstehen zu wollen und irgendwo eine Erklärung für das eigene Anderssein zu finden, ist für mich durchaus nachvollziehbar.
Auch die Ausgangssituation mochte ich: Valerie verpasst ihren Bus und macht sich zu Fuß auf den Weg zur Kita, mehrere Ortschaften entfernt. Während dieses Weges holen sie Erinnerungen, Ängste und die eigene Vergangenheit ein. Gerade zu Beginn hatte ich viel Mitgefühl mit ihr. Ihre schwierige Kindheit, die fehlende Geborgenheit und vor allem die Beziehung zu ihrer Großmutter haben mich zunächst sehr berührt.
Leider hat sich dieses Gefühl bei mir zunehmend ins Gegenteil verkehrt.
Was anfangs interessant und nachvollziehbar war, wurde für mich irgendwann schlicht ermüdend. Die Selbstzweifel, die Rückblicke, die ständigen Telefongespräche mit ihrer besten Freundin Carina und die Suche nach möglichen Diagnosen drehen sich immer wieder um dieselben Punkte. Irgendwann hatte ich das Gefühl, nicht mehr in eine Geschichte einzutauchen, sondern Valerie dabei zuzusehen, wie sie unaufhörlich um sich selbst kreist.
Auch die Gespräche mit Carina wirkten auf mich zunehmend konstruiert und die Figur Immanuel blieb für mich letztlich bis zum Schluss rätselhaft. Vor allem aber fehlte mir irgendwann eine erkennbare Entwicklung. Natürlich prägt uns unsere Vergangenheit. Aber irgendwann stellt sich für mich auch die Frage, was wir mit dem anfangen, was uns widerfahren ist.
Hier lag für mich das größte Problem: Was möchte dieses Buch eigentlich erzählen?
Die Grundidee finde ich nach wie vor spannend. Wie sehr können die Zuschreibungen anderer unser eigenes Selbstbild bestimmen? Wie lange glauben wir an die Geschichten, die andere über uns erzählen? Daraus hätte für mich eine wirklich starke Geschichte entstehen können.
Leider wurde dieser Gedanke für meinen Geschmack so häufig wiederholt und variiert, dass er irgendwann seine Wirkung verloren hat.
Ich habe tatsächlich selten ein Buch gelesen, bei dem mir nach der Lektüre so wenig Positives einfällt. Das klingt vielleicht hart, ist aber tatsächlich mein ehrlicher Eindruck. Und gerade weil mich der Einstieg so schnell gepackt hat, finde ich es umso bedauerlicher, dass mich die Geschichte im weiteren Verlauf immer mehr verloren hat.
Vielleicht habe ich einfach keinen Zugang zu diesem Buch gefunden. Aber momentan bleibt bei mir vor allem die Frage zurück, welches Gefühl oder welcher Gedanke am Ende eigentlich bleiben sollte. Und genau das muss ich wohl noch ein wenig sacken lassen.
Kurzmeinung: Eine wichtige Geschichte mit starken Bildern, die mich anfangs berührte, durch das repetitive Innenleben aber zunehmend verlor.
Themen wie Überlastung, Mutterschaft, gesellschaftliche Normen und der Einfluss moderner Medien rücken immer mehr in den Fokus und treffen unseren aktuellen Zeitgeist. Diesen Themenkomplexen nimmt sich Inke Hummel an, die unter dem Pseudonym Nina Henning ihren ersten Roman „Valerie geht“ veröffentlicht.
„Valerie geht“ ist ein einfühlsamer Roman über eine junge, alleinerziehende Mutter, Valerie, die mit ihrem 5-jährigen Sohn Lio in der bayrischen Provinz lebt. Als sie Lio von der Kita abholen will, verpasst sie den Bus und beschließt kurzerhand zu gehen. Und dieser Weg ist eine Art Selbstfindung. Sie reflektiert ihre Vergangenheit und Gegenwart.
Mich hat das sonnenscheingelbe Cover sofort angesprochen und auch die verträumt blickende Frau, die sich durch ihre eigene Umarmung selbst Halt gibt, hat mir gefallen. Den Schreibstil auf den ersten Seiten empfand ich als leicht zugänglich und emotional offen. Auch die Mischung aus den verschiedenen Themenkomplexen fand ich sehr ansprechend. Es ist wichtig, den Druck und die Erwartungen, die von außen an uns herangetragen werden, sichtbar zu machen. Ebenso wie die Probleme, die damit einhergehen. Die Autorin vermittelt glaubhaft eine überforderte, verunsicherte Mutter. Sie schafft immer wieder spannende Bilder. Wie zum Beispiel, dass Valerie in der Hitze eines Sommertages losläuft, unvorbereitet, ungeplant. Dabei steigt mit jedem Meter ein immer verzweifelteres Verlangen nach Wasser. Dieses langsame „Verdursten“ in der Hitze ist für mich eine ziemlich klare Metapher für Valeries gesamten Umgang mit ihren Problemen. Sie geht lieber stur weiter, bis sie fast zusammenbricht, als einmal stehen zu bleiben und um Hilfe zu bitten. Sie will es unbedingt allein schaffen und steht sich mit ihren eigenen Hemmungen ständig selbst im Weg. Das eigentlich Tragische ist, dass die Hilfe da wäre. Sie müsste nur danach greifen. Stattdessen entscheidet sie sich immer wieder dafür, weiter zu Leiden. Und genau dadurch wird das Verdursten zu einem ziemlich treffenden Bild für ihre gesamte Situation.
Leider schafft es der Roman allerdings nicht, mich so konsequent weiter zu fesseln. Der stetig fließende Gedankenstrom von Valerie fühlte sich irgendwann bedrückend und repetitiv an. Das innere Monologisieren wurde nach dem ersten Reiz irgendwann langweilig. Auch das manische Scrollen durch Instagram und die verzweifelte Suche nach Diagnosen von Valerie haben mich nicht greifen können.
Vor allem waren mir alle Nebenfiguren zu eindimensional. Sie kamen einfach nicht zu Wort und konnten keine eigene Geschichte entfalten.
Meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternen
Mich konnte „Valerie geht“ nicht überzeugen. Die Grundidee ist sehr wichtig und sollte auch immer mehr in den Fokus rücken. Allerdings war das Lesen eher ein zähes Vergnügen, welches nur durch gelegentlich spannende Abschnitte durchwirkt wurde. Valeries Innenleben soll Nähe schaffen, erzeugt bei mir aber irgendwann einfach nur noch Distanz.
"Valerie geht" baut auf einer eigentlich interessanten Ausgangslage auf: als sie den Bus verpasst, geht Valerie einfach drauf los. Was im Klappentext noch nach einem spannenden Selbstfindungstrip in Nirgendwo klingt, stellt sich in der Geschichte schnell anders dar. Valerie geht zwar unerwarteter Weise los, jedoch mit einem festen Ziel: ihren Sohn Lio aus dem Kindergarten in der benachbarten Kleinstadt abzuholen. Auf dem Weg reflektiert die alleinerziehende Mutter allerlei Aspekte ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit mit Hilfe von Social Media.
Der Aufbau des Romans ist an sich interessant. Wir folgen Valerie durch einen Tag, der morgens mit dem Verpassen des Busses beginnt und nachmittags
Während ihres spontanten Fußweges setzt sich Valerie mit sich selbst auseinander und stellt in jedem Kapitel einen neuen Verdacht auf, mit was sie wohl diagnostiziert werden könnte: ADHS, Depression, oder Narzissmus, um nur einige Beispiele zu nennen. Bestätigung holt sie sich nicht von professioneller Seite, sondern von Social Media. Für jede mögliche Diagnose hat Valerie ein passendes Instagram-Profil parat, deren User ihre Diagnose mit der Welt teilen und deren Eigenschaften Valerie nun auf sich überträgt. Was anfangs als netter Einfall wirkt, wird über die 15 Kapitel jedoch langatmig und wiederholend. Richtig zünden kann die sicherlich gut erdachte Idee daher für mich nicht, vielmehr lese ich sie nicht nur als Kritik sondern als Satire an der Social Media Abhängigkeit vieler. Die doch sehr realen und auch ernstzunehmenden Diagnosen werden dadurch etwas ins Lächerlich gezogen, insbesondere, da Valerie auf jeden Fall professionelle Hilfe zu brauchen scheint. Seit dem Tod ihres Mannes ist die Mutter nun mit ihrem Sohn alleine, weitere Familienangehörige, die sie unterstützen, gibt es nicht, und die Überforderung der noch trauernden Mutter und Ehefrau ist deutlich. In Anbetracht dieser Situation hätte ich mir ein anderes Ende des Romans gewünscht, bzw. einen Epilog.
Valerie musste in ihrem Leben schon viel mitmachen: schwere Kindheit, nun durch den Verlust des geliebten Mannes weiter alleine gelassen. Trotzdem konnte ich mir ihr als Figur nie ganz warm werden. Auch die Nebenfiguren bleiben sehr blass und teilweise etwas wahllos: die Rolle Immanuels bleibt bis zum Ende schleierhaft; ihre beste Freundin Carina wird als Übermensch gezeichnet, die perfekte Freundin ohne Makel, stets hilfsbereit - auch während der Arbeitszeit immer erreichbar. Beide erscheinen mir eher imaginiert denn real,
Teilweise empfand ich auch den Schreibstil als sehr gestellt, insbesondere zu Beginn des Romans. Dies besserte sich zwar mit dem Verlauf der Geschichte, aber ganz flüssig wird der Stil auch hier für mich nicht. Als Beispiel: 'Am Ende hat sie die Tasche an der Wohnungstür gefunden: "Klar, ich hab ja den Schlüssel gebraucht und rausgeholt. Mmmmroar!" ' (S. 9). Diese als wörtliche Rede gekennzeichnete Aussage Valeries, scheinbar laut in den Raum gesprochen, empfinde ich als sehr gekünstelt. Meiner Meinung nach hätte die Geschichte besser aus der Ich-Perspektive von Valerie erzählt werden können. Durch die Erzählweise aus der dritten Person wird automatisch eine Distanz aufgebaut, die es erschwert, mit Valerie mitzufühlen und ihre Gedanken und Handeln nachzuvollziehen. So kämpft man sich eher durch die Seiten, als dass diese ein anregendes Leseerlebnis bieten.
Leider konnte mich der Roman daher nicht überzeugen.
… wahrlich kein Spaziergang: Nachdem sie auf dem Weg in die Stadt den Bus verpasst hat, macht sich die junge Mutter bei brütender Hitze zu Fuß auf den Weg zur Kita, um ihren Sohn Lio pünktlich abzuholen. Tief traumatisiert nach dem Tod des Ehemannes und innerlich zerrissen bei dem Spagat zwischen verantwortungsbewusster Mutter und unsicherer Frau, stellt sich Valerie auf dem unbequemen Fußmarsch ihren eigenen Gefühlen und Ängsten.
Nach und nach legt die Autorin die Vergangenheit von Valerie offen und verlegt sich dabei vor allem auf die problematische Kindheit und die tiefe Liebe, aber auch schwierige Beziehung zu ihrem ebenfalls vorbelasteten, leider verstorbenen Ehemann Tobi. Aufgrund fehlender Liebe, die als Wurzel ihrer Unsicherheit gilt, entsteht hier das intensive Psychogramm einer jungen Frau, die ihren Platz im Leben sucht und sich bei dem Versuch in von der Gesellschaft erwartete Rollenbilder zu finden, in der Welt von Instagram verloren hat, um ihre „Diagnose“ zu finden und Heilung zu erfahren.
Mach dem Ausschlussprinzip werden einige Themen wie ADHS, Dyspraxie und Angststörungen durchleuchtet. Manchmal leider stark wiederholend oder doch sehr oberflächlich, aber stets eindringlich. Dabei gibt auf dieser Reise einige Wegbegleiter, die eine – teils symbolische – Rolle übernehmen und Valerie bewusst und unbewusst leiten und auch die Sprache spielt zum Teil eine bedeutende Rolle.
„Ihr ist alles egal, Hauptsache, sie kann wieder in ihren Schuhen laufen.“
Die Autorin präsentiert keinen Wohlfühlroman mit Happy End, sondern eine Analyse einer verwundeten Seele in der modernen Zeit - auf der verzweifelten Suche nach einer Schublade, in die sie passt, um von dort einen Weg herauszufinden. Ich denke, genau dieses war die Intention: Ein authentisches Psychogramm mit aktuellem Bezug und dem Verweis, dass es keine Patentlösungen für die Wogen des Lebensweges gibt, sondern der Schlüssel in der Eigenverantwortung liegt und
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch und als es da war, musste ich es direkt aufschlagen und reinschmökern. Leider hat es meine Erwartungen nicht wirklich erfüllen können. Valerie verpasst den Bus, nachdem sie mehrfach etwas vergessen hatte und umdrehen musste. Und in dieser Sekunde ist das der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – sie läuft los, mit dem Ziel, ihren Sohn aus der Kita abzuholen. Während dieses Spaziergangs verliert sie sich in Gedankenspiralen, eine wirrer als die andere. Wie schnell Selbstdiagnosen gestellt wurden und die Gedanken immer mehr in Teufelsspiralen abgedreht sind, war für mich schwer nachvollziehbar. Generell konnte ich gut den Druck und die Situation von Valerie nachempfinden und auch über ihren Hintergrund erfährt man einiges. Allerdings fand ich es schwer nachvollziehbar, wie genau sie in gewisse Gedankenspiralen abrutscht und was genau sie sich wünscht. In ihr Vergangenheits-Ich konnte ich mich oft besser einfühlen, als in das Ich, dass sie jetzt ist. Der Schreibstil hat es für mich gut lesbar gemacht, die Erzählweise war eher umgangssprachlich. Letztendlich begleiten wir eine Frau, die Erklärungen für ihr Verhalten sucht und dabei eigentlich einfach nur verzweifelt versucht, mit sich und ihrem Leben klarzukommen. Dadurch, dass kaum etwas im Außen passiert ist und die Gedanken sich mehrfach wiederholt haben, war das Buch teilweise etwas langweilig für mich. Ein nettes Buch, um es mal nebenher gelesen zu haben, allerdings nichts, was bei mir lange nachhallen wird.
Ein schönes Hardcover mit tollen Details schon vor der eigentlichen Geschichte.
Valerie hat den Bus in die Stadt verpasst, bevor sie ihren Sohn vom Kindergarten abholt, wollte sie eigentlich noch ein paar Einkäufe machen. Statt nun einen späteren Bus zu nehmen, macht sie sich einfach zu Fuß auf den Weg. Wir begleiten sie auf diesem Weg, der vor allem mit vielen Gedanken gefüllt ist.
Nachdem ich nur eine Kurzbeschreibung des Buches gelesen habe, hatte ich tatsächlich eine komplett andere Erwartung an das Buch. Daher rate ich in diesem Fall jedem, sich vor dem Kauf eine Leseprobe anzusehen bzw. einmal reinzulesen.
Denn bereits der erste Satz hat mich die Augen verdrehen lassen. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich nicht per se ein Problem mit neuro divergenten Personen habe, aber aus persönlichen Gründen habe ich ein Problem mit Personen, die jede persönliche Unzulänglichkeit mit irgendeiner “Diagnose” entschuldigen. Hätte ich das Buch nicht im Zuge einer Leserunde lesen “müssen”, hätte ich es vermutlich schon nach den ersten Kapiteln weg gelegt.
Auch den häufig gelesenen Vermerk “für Fans von z.B. Pina fällt aus” sehe ich hier nicht. Ich finde, die Bücher haben nichts miteinander zu tun und sind absolut nicht vergleichbar.
Die Hardware, also das Buch an sich, finde ich wirklich schön, das Cover, die Innengestaltung, auch der Schreibstil ist gut und flüssig lesbar. Einzig und allein mit dem Inhalt habe ich persönliche Probleme.
Valerie ist unfreiwillig alleinerziehende Mutter von Lio, einem recht bezaubernden fünfjährigen Kind. Sie ist mit der Gesamtsituation überfordert und flüchtet sich auf Instagram. Dort findet sie nicht nur schöne Bilder, sondern viele Labels, die sie sich verpassen kann. Damit stellt sie sich selbst die aberwitzigsten Diagnosen, statt jeden Tag, sich selbst und ihr Kind so zu nehmen wie sich selbst. Diese Reflexionen lesen wir, als Valerie eines Tages den Bus verpasst, aber eigentlich Lio aus dem Nachbardorf abholen muss. Und so geht sie einfach los. Ohne Geld, ohne Wasser, aber mit jeder Menge Trauer und Wut im Gepäck - und natürlich ihrem Handy.
Valerie steht damit typsich für eine Generation, die ihr Seelenheil auf Social Media sucht, für Menschen, die sich als Hobbypsychologen begreifen, nur weil sie medizinische Fachbegriffe nutzen.
Valerie ist aber nichts davon, sie will nur ihrer Unruhe, ihrem Elend, ihren Fehlern einen Grund suchen. Manchmal aber gibt es den nicht. Statt ihr Leben anzunehmen, verstrickt sie sich in die Suche nach Labels.
Ich mochte dieses Buch so sehr. Es ist einfach erfrischend anders in dem Einheitsbrei des restlichen Buchmarktes. Kein Glitzer, keine Therapie am Ende und keine Love Story. Das ist echt.