»Wer war Frieda? Sie hat verdient, dass wir uns an sie erinnern.«
Mit Anfang dreißig erfährt Geraldine Oetken, dass sie eine Urgroßtante Frieda, von der nie jemand erzählt hat. Von der niemand mehr weiß, als dass sie 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben ist. Aber wer war Frieda? Wie sah ihr Alltag aus, und wer hat sie ins Heim gesteckt? Wie endete ihr Leben? Und was hat das mit uns zu tun?
Geraldine Oetken wehrt sich gegen das Vergessen, das sich durch Familien und Generationen zieht, und macht sich daran, Frieda ihre Geschichte zurückzugeben. Sie liest Krankenakten, recherchiert zum Umgang mit psychischen Erkrankungen im Nationalsozialismus, zu dezentraler »Euthanasie« und Hungermorden. Ihre Spurensuche führt sie in Archive und auf Friedhöfe, ins Oldenburg der Nazis und das ihrer Jugend – und in die Untiefen der eigenen Familiengeschichte.
Feinfühlig und akribisch erzählt »Frieda« die Geschichte einer Suche nach Menschlichkeit in einem unmenschlichen System.
Nachdem ich letztes Jahr "Anna oder: Was von einem Leben übrig bleibt" von Henning Sussebach gelesen habe und gesehen habe, das mit "Frieda" von Geraldine Oetken ein Buch mit einer ähnlichen, wenn auch etwas anderen Thematik erscheinen wird, war ich sofort Feuer und Flamme.
In "Frieda" versucht die Autorin etwas über die Geschichte und das Leben ihrer Urgroßtante, von derer Existenz sie durch Zufall erfahren hatte, herauszufinden. Wer war Frieda? Warum wurde nie über sie erzählt und warum landete sie in Blankenburg, einer ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt? Warum starb sie (wirklich)?
Mit vielen Fragen sucht Oetken nach ebenso vielen Antworten, die allerdings schwer zu finden sind. Dabei taucht die Autorin teils in die Geschichte von Blankenburg, des Nationalsozialismus und ihre eigene Familiengeschichte hinein. Der Erzählstil kann dabei manchmal sehr anstrengend sein, weil Oetken viele Sätze stark ausschmückt und durch belanglose Anekdoten gern vom Thema abschweift. Vor allem die erste Hälfte des Buches zieht sich dadurch wie ein Kaugummi, weil man als Leser*in oft das Gefühl hat, dass man sich nur im Kreis dreht und kaum "voran" kommt. Ab dem letzten Drittel konnte das Buch wieder mehr an Fahrt gewinnen, da wieder neue, interessante Aspekte mit einfließen konnten, die aber eher als Randinformationen dienten.
Oetkens Buch ist auf seine Art wichtig, weil die meisten Menschen sich wahrscheinlich nie genug mit der Geschichte ihrer Vorfahren beschäftigt haben und manche Menschen schlichtweg darin "untergegangen" sind. Auch Aspekte wie die Stellung oder Macht/Ohnmacht der eigenen Familie in Bezug auf beispielsweise den Nationalsozialismus und wie weit dieser noch nachhallen kann, sind sehr wichtig gewesen. Ebenso das Aufzeigen der Verbrechen, die die Nationalsozialisten nunmal nicht nur an Juden/Jüdinnen, Sinti*zze, Homosexuellen, Schwarzen (etc.) begangen haben, sondern auch an Menschen mit Behinderung.
Rein thematisch würde ich dem Buch eine viel höhere Bewertung geben und finde, dass eine Familiengeschichte per se gar nicht bewertet werden kann, da sie an sich etwas Kostbares und Einzigartiges ist. Vom Stil hat mir das Buch leider nicht ganz so zugesagt, wie ich es mir gerne gewünscht hätte. Manchmal liegt in der Kürze die Würze. Ich denke wer das Thema spannend findet und "Die Ausweichschule" von Kaleb Erdmann stilistisch mochte, wird "Frieda" gerne lesen.
Angesichts des vor einiger Zeit veröffentlichten Portals der SZ, in dem die NS-Akten der eigenen Verwandtschaft einzusehen sind, kann dieses Werk aktueller nicht sein. Da ich ebenfalls gern in der Vergangenheit meiner Ahnen forsche, hat mich "Frieda" sofort neugierig und betroffen gemacht...
Hinter dem fast schon friedlich, gar heimelig anmutenden Buchcover versteckt sich ein so tiefgreifendes Grauen, dass mir bisweilen beim Lesen schlecht geworden ist. Geraldine Oetken hat sich da ein Mammutprojekt vorgenommen, für das ich ihr meinen größten Respekt ausspreche. Für drei Jahre hat sie sich der Suche nach Frieda verschrieben. Hat sich tief in Archive eingegraben, immer wieder ihre Heimatstadt durchforstet und letztendlich auch die familiären Keller und Dachböden abgesucht. Alles, um nicht nur dem Tod, sondern vor allem dem Leben ihrer Urgroßtante Frieda näherzukommen. Die ganze Recherche ist unheimlich aufwändig gewesen und besonders bei den investigativen Stellen gefiel mir das Reportage-artige Schreiben, womit wir nah am Erleben der Autorin sind, sehr gut.
Oft geht in der Diskussion um die Verbrechen der Nazis die "Aktion T4" unter. T4 bezieht sich auf die Tiergartenstraße 4 in Berlin, von dort aus wurde die systematische Ermordung tausender Säuglinge, Kinder und Erwachsener geplant, welche psychische Erkrankungen, körperliche oder geistige Behinderungen hatten. Zeitgenössisch mit dem Namen "Euthanasie" betitelt - ein Euphemismus, der sich ungefähr mit "schöner/leichter Tod" übersetzen lassen kann - wurden in speziellen Einrichtungen Menschen aus ganz Deutschland durch Giftgas ermordet. Über ihr Schicksal wurde in Einrichtungen und Heimen durch ärztliches Personal entschieden... Zum Wohle des "Volkskörpers", zum "Schutz des deutschen Erbguts" (ich kann hier gar nicht genug Anführungszeichen setzen). Frieda mit vermuteter Epilepsie war in einem dieser Heime.
Oetken arbeitet diese geschichtlichen Zusammenhänge detailliert auf und stellt den Versuch an, sie mit ihrer Familiengeschichte zu verweben und Frieda somit ein Gesicht zu geben. Denn kaum jemand weiß etwas über ihre Urgroßmutter. Es ist unbeschreiblich, wie von einer Unsäglichkeit in die nächste geleitet wird. Wie die Autorin vom großen Ganzen ins kleine Persönliche, aber nicht minder Furchtbare schließen muss: Das Märchen des fast bankrotten, nicht profitierenden deutschen Familienunternehmens während der NS-Zeit löst sich genauso auf wie der angeblich so unscheinbare, natürliche Tod der Urgroßtante im Heim 1941. Auch nach der Aktion T4 ging das Morden still und heimlich weiter. Durch Giftspritzen. Oder schlichtweg durch langsamen Entzug der Nahrung - Hungertod.
Mir fällt es aufgrund der Thematik schwer, meine Kritik an dem Werk zu äußern, da ich die Arbeit von Oetken dadurch nicht abwerten möchte. Dennoch: Teilweise wurde wiederholt, was in anderen Kapiteln bereits herausgefunden und erwähnt wurde. An diesen Stellen bin ich ins Stocken geraten. Das soll wahrscheinlich helfen, wenn man das Buch kapitelweise mit sehr viel zeitlichem Abstand voneinander liest, aber ich fand das etwas anstrengend. Einige Passagen hätten durchaus etwas gerafft werden können - auch, wenn Frieda jeder Platz und jede Seite zusteht. Aber hinsichtlich des Leseflusses habe ich einige Darstellungen als etwas langatmig empfunden.
Insgesamt gebe ich "Frieda" 4 von 5 Sternen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Ich kann und will gar nicht alles wiederholen, was Oetken während ihrer Recherche herausgefunden hat, denn am besten lest ihr es selbst, aber was ich unbedingt wiederholen muss: Schaut euch um, denkt nach, widersprecht. Wenn allen Bürgergeld-Beziehenden Faulheit unterstellt wird - die Nazis maßen den Wert einer Person an der Arbeitstüchtigkeit. Wenn körperlich oder geistig beeinträchtige Menschen "aus Spaß" beleidigt werden - die Nazis sahen diese Menschen als Gefahr für den "deutschen Volkskörper". Wenn die Großeltern mit Demenz im Pflegeheim misshandelt werden - die Nazis hätten dafür gesorgt, dass sie ihr Leben nicht in Würde hätten beenden können. Seid lieb zueinander, seid laut. Seid Menschen.
Nachdem ich "Mein wahrer Name ist Elisabeth" verschlungen und geliebt habe, klang "Frieda" nach dem perfekten Buch für mich. Eine Familienangehörige (die Autorin) auf der Suche nach einer Verwandten, über die kaum etwas bekannt ist. Hier nun mit deutschen Setting und zur NS-Zeit der "Euthanasie-Programme", war ich nach dem Klappentext und dem wunderschönen Cover sehr gespannt auf die Erzählung.
Ich muss leider sagen, dass mir der Schreibstil es gar nicht ermöglicht hat, so richtig in das Buch und die Geschehnisse einzutauchen. Schon im ersten Kapitel fühlt es sich an, wie eine sehr lange Exposition, die nirgendwo ankommt. Auch, dass in der Gegenwart geschrieben wurde, hat mich doch sehr verwirrt. Ich habe immer darauf gewartet, dass der Rückblick losgeht und ich so richtig in die Recherche eintauchen kann. Das ist leider nicht passiert. In unregelmäßigen Abständen wird Frieda von der Autorin auch direkt angesprochen, es gibt viele (unbeantworteten) Fragen. Ich hätte mir da mehr Konsistenz gewünscht, vielleicht auch stilistisch anders gestaltete "Ansprachen".
Ich hätte es sehr gerne besser bewertet, aber "Frieda" war leider nicht mein Buch. Trotzdem großen Respekt an die Autorin, ihre Familiengeschichte so offen mit der Welt zu teilen und die Aufmerksamkeit auf so ein wichtiges Thema wie die menschenverachtenden "Euthanasie-Programme" der Nationalsozialisten zu lenken.
Die Journalistin Geraldine Oetken erfährt vor einigen Jahren von ihrer Urroßtante Frieda, die 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderung gestorben ist. Sie stellt sich die Frage nach dem Warum und beginnt zu recherchieren.
Da auch meine Familie betroffen ist, hat mich dieses Buch direkt angesprochen, obwohl ich ehrlich gesagt auch ein bisschen Bedenken hatte, es zu lesen, denn was mich da erwarten könnte, könnte sehr unschön sein. Tatsächlich ist das Buch keine Biografie der Urgroßtante, wie man vielleicht hätte erwarten können sondern eine Erzählung über die Recherchen, die die Autorin betrieben hat. Frieda bekommt am Ende trotzdem ein Gesicht, wenn auch ein bisschen anders als erwartet.
Die Recherchen stellten sich nämlich als gar nicht einfach heraus, es gibt nur wenige Dokumente über sie während ihrer Zeit im Kloster Blankenburg, das schon lange kein Kloster mehr war, wohin sie 1939 im Alter von 57 Jahren gebracht wurde. Geraldine Oetken musste mehrfach ihre Recherchen ändern, sie auch auf andere damalige Bewohner:innen ausweiten, um vielleicht in ihren Akten Spuren von Frieda zu finden, schließlich auch auf Friedas Leben vor dem Aufenthalt in der Anstalt und damit einhergehend den Fokus auf ihre Familie legen.
Geraldine Oetken beschreibt dabei auch immer ihre Gefühle, Gedanken, Emotionen, das mag das Ganze manchmal etwas langatmig machen, aber auch authentisch. Ich selbst habe beim Lesen auch Emotionen aufgebaut, für Frieda, für die anderen Betroffenen, aber auch für meine eigenen Verwandten, die unter den Nationalsozialisten leiden mussten. Ich wusste natürlich schon vorher von den Verbrechen, die damals an psychisch Kranken und behinderten Menschen verübt wurden, aber hier bekommen Opfer ein Gesicht, werden greifbarer. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes denn am Ende enthält das Buch die drei Fotos, die die Autorin im Text schon beschrieben hat. Frieda erhält so tatsächlich ein Gesicht und kommt einem dadurch noch ein Stück näher. Ich hatte mir während des Lesens gewünscht, die Fotos sehen zu können, und mich sehr gefreut, dass sie abgedruckt wurden.
Im Anhang gibt es außerdem weitere Hinweise zu den Recherchen und Quellen.
Geraldine Oetken macht, auch wenn sie wenige tatsächliche Spuren finden konnte, ihre Urgroßtante Frieda Helms mit diesem Buch greifbar und zeigt gleichzeitig die Unmenschlichkeit des Umgehens der Nationalsozialisten mit Menschen, die sich kaum wehren konnten. Das macht betroffen. Man kann nur hoffen, dass solche Zeiten nie wiederkehren. Das Lesen des Buches ist vielleicht, in mehrfacher Hinsicht, nicht immer einfach, aber, wie ich finde, lohnend.
FRIEDA ist ein Buch, das Zeit braucht. Frieda hat wirklich gelebt, ihre Eckdaten sind bekannt: Frieda Helms, geboren 22.12.1881, gestorben 05.02.1941 im Kloster Blankenburg.
Geraldine Oetken erfährt eher zufällig bei einer Beerdigung, dass sie eine Urgroßtante hatte, die 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderung gestorben ist. Wer war Frieda? Geraldine Oetken will es genau wissen, sie forscht nach, drei Jahre lang. Da Frieda während der Zeit der Nationalsozialisten ums Leben kam, noch dazu in so einer Anstalt, liegt der Schluss nahe, dass ihr Ableben nichts mit einem natürlichen Tod zu tun hatte.
Zunächst sind es Verwandte, die sie aufsucht, auch Historiker. Sie sucht in Kirchenarchiven, auf Friedhöfen und Dachböden, hat unzählige Bücher und Akten in Händen, liest immer wieder von Minderjährigen und Erwachsenen mit angeblich unheilbaren Krankheiten, die sich erschreckend ähnlich waren. Euthanasie war in der NS-Zeit an der Tagesordnung, da wurde „unwertes Leben“ knallhart aussortiert, wir alle wissen davon.
„Die Suche nach Menschlichkeit in einem unmenschlichen System“ ist nicht immer einfach zu lesen, des Öfteren musste ich das Buch beiseite legen, es wühlt auch heute noch zu sehr auf. Die Familien dahinter, denen das Kind, die Mutter, die Tante weggeholt wurden, hatten meist nicht die Gelegenheit oder das Geld für eine Anreise – sie haben ihre Angehörigen nie mehr gesehen, der Totenschein dann war eher ein vorgefertigter Wisch. Oetken geht aber noch weiter, sie befasst sich akribisch mit den Daten, sie gibt Einblick in Statistiken und Tabellen, hat viele Zahlen parat, was mir zuweilen dann doch etwas zu viel war.
Die Autorin wirft auch einen kritischen Blick auf das Heute, auf die immer stärker werdende rechtsextremistische Bewegung, die von skrupellosen Politikern mit ihrer verlogenen Propaganda gefüttert wird. Sie kennen ihr Klientel sehr genau, werfen maßgeschneiderte Lügen unters Volk, ihre Zielgruppe ist sehr empfänglich dafür.
Ist eine Spurensuche nach so langer Zeit, mit so wenigen Infos, überhaupt noch möglich? Geraldine Oetken hat viel recherchiert, sie hat sich mit den Gräueltaten des NS-Regimes auseinandergesetzt, hat viele Infos zusammengetragen und diese in ihr Buch mit einfließen lassen. Ein Buch, das nachdenklich stimmt.
Frieda – Ein Name, ein Schicksal und dennoch das Schicksal vieler. Der Klappentext des Buches sprach mich sofort an. Gemeinsam mit der Autorin wollte ich mich auf die Suche nach Ihrer vergessenen Familienangehörigen begeben. Und dies tat ich auch. Geraldine Oetken nimmt uns mit auf eine Reise in die Archive dieses Landes, auf eine Reise in Ihre eigenen Familiengeschichte und der Frage nach dem Vergessen.
Sehr akribisch und detailliert erzählt sie dabei von Ihrem Vorgehen, von den unzähligen Akten die sie durchforstet hat, und von all den Mühen die sie aufgewandt hat um der Geschichte Ihrer Urgroßtante auf die Spuren zu kommen. Dabei nimmt die den Leser mit in das dunkelste Kapitel der Deutschen Geschichte , dem Nationalsozialismus. Es geht um Euthanasie und die sogenannten Hungermorde,und verbunden mit dieser Zeit auch um die Frage nach Schuld. Aber was bleibt ist nicht nur die Frage nach der Schuld, vor allem der Schuld der eigenen Familie, sondern auch ein riesiger Berg an Mutmaßungen und Annahmen. Es werden Familienanekdoten wiedergegeben, deren Wahrhaftigkeit plötzlich in Zweifel gezogen werden. Dinge die erzählt wurden, stehen plötzlich in einem völlig anderen Licht. Man fühlt sich hin – und hergerissen. Wurde Frieda geliebt? Oder war sie nicht willkommen?
Die Autorin scheut weder Zeit noch Mühen, stellt eigene Berechnungen an und notiert alles bis ins Kleinste. Dadurch wird das Buch aus meiner Sicht leider zu langatmig. Das Buch ist ein Bericht darüber, wie jemand verzweifelt und aufopferungsvoll versucht Erinnerungen an einen Menschen zu schaffen , der durch ein unmenschliches System zu Tode kam. Frieda bleibt die ganze Zeit über schemenhaft, sie ist wie ein Geist, der Autorin und Leser gleichermaßen begleitet. Im harten Gegensatz dazu steht der unermüdliche Drang der Autorin Ihre Urgroßtante sichtbar zu machen. Das Buch ist weder ein Roman, noch ein Sachbuch. Es ist ein dazwischen. So wie die Geschichte von Frieda,
Frieda von Geraldine Oetken ist kein Roman, keine ausgeschmückte Geschichte – es ist die beharrliche Recherche einer Urgroßnichte, die weit über das Leben ihrer Verwandten hinaus in die Abgründe der NS Zeit vordringt. Drei Jahre lang hat die Autorin versucht, Fakten und Spuren über das Leben ihrer Urgroßtante Frieda zusammenzutragen, die 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen starb. Sofort denkt man an die systematische Euthanasie und den grausamen Umgang mit Menschen, die nicht der nationalsozialistischen Norm entsprachen. Doch über Frieda selbst ist kaum etwas erhalten: eine klinisch saubere Akte, ohne Hinweise darauf, wie sie lebte, wer sie war oder wie sie starb. Also beginnt Oetken, in den weiteren Kreisen zu suchen. Sie durchforstet Patientenakten, gräbt tief in der eigenen Familiengeschichte und schreckt nicht davor zurück, als sich zeigt, dass auch ihre Vorfahren Teil des Systems waren – und sie selbst indirekt Nutznießerin der damaligen Erträge ist. Das Buch macht eindringlich klar, dass Nazideutschland nicht nur aus Hitler, Goebbels und der Machtzentrale bestand. Millionen Menschen trugen das Regime mit, oft weit entfernt von Berlin, und wurden so zu Täterinnen und Tätern. Viele der Fakten und Statistiken, die Oetken zusammenträgt, scheinen zunächst nicht direkt mit Frieda verbunden – und doch zeichnen sie das Umfeld, in dem Frieda lebte und starb, mit erschütternder Präzision nach. Frieda ist ein wichtiges, berührendes und aufklärendes Buch. Trotz seines dokumentarischen Charakters liest es sich erstaunlich anregend; der Erzählstil hält einen mühelos im Text. Für alle, die sich mit Familiengeschichte, Erinnerungskultur und der Frage nach individueller Verantwortung im NS Staat beschäftigen, ist es eine klare Leseempfehlung.
In dem Buch schildert die Autorin, wie sie sich auf die Suche nach Spuren über Frieda macht. In der Familie wird über ihre Urgroßtante und ihr Schicksal nicht gesprochen und während sie mit den Nachforschungen beginnt, stellt sich heraus dass sie in der Zeit des Nationalsozialismuses in einer Nervenheilanstalt ums Leben kam.
Ich lese gerne Tatsachenberichte und finde es sehr wichtig, über historische Geschehnisse zu berichten, um zum einen aufzuklären und zu anderen ein Bewusstsein zu schaffen, in welche Richtung sich die Welt keinesfalls mehr entwickeln darf. Gerade die schreckliche Zeit des Nationalsozialismuses birgt viele unbekannte Geschichten, die in die Welt hinausgetragen werden müssen. Ich rechne es der Autorin sehr an, dass sie sich an dieses Thema heranwagt, wissend dass es sich dabei um schwere Kost handelt. So musste ich auch beim Lesen mehrmals schlucken. Vor allem als berichtet wurde, in welchem Zustand sich die Patientinnen und Patienten der Nervenheilanstalt damals befanden und wie damals "Euthanasie" betrieben wurde. Man merkt, wie viel Arbeit hinter diesem Buch steckt und ich finde es beeindruckend, dass die Autorin trotz der recht raren Informationen, die es über ihre Urgroßtante gibt, dran bleibt und jede noch so kleine Spur verfolgt. Dadurch zieht sich das Buch im Mittelteil ein wenig, da es über Friedas Geschichte leider nur wenig zu erzählen gibt. Dafür nimmt sich die Autorin Zeit, um das Thema generell etwas breiter zu behandeln und auch andere Schicksale hervorzuheben.
Ein sehr beeindruckendes Buch, das vielleicht einige Längen hat, aber auf jeden Fall lesenswert ist!
Mich hat bei diesem Buch vorallem der Klappentext direkt angesprochen und ich habe direkt gedacht dies könnte eine sehr intressante Familiengeschichte werden. Ich fand das Buch auch wirklich interessant zu lesen und es ist auch wirklich wichtig und empfehlenswert, wenn ich die Handlung auch streckenweise ein wenig zäh gefunden habe.
Mit Anfang dreißig erfährt die Autorin, dass sie eine Urgroßtante hatte von der ihr nie jemand erzählt hat. Diese Frau namens "Frieda" ist 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben. Ihre Geschichte hat die Autorin recherchiert und in diesem Buch erzählt. Dabei hat sie sich an Krankenakten gehalten und ist in Archive und auf Friedhöfe gegangen um die Geschichte wahrheitsgetreu wiedergeben zu können.
Der Schreibstil ist gut zu lesen und einfach, auch wenn einige Abschnitte immer wieder etwas langatmig werden. Dennoch finde ich es großartig und auch sehr bewegend und toll, wie sich die Autorin auf die Spurensuche gemacht hat und hier ein ganzes Leben aufgeschrieben hat. Das Buch enthält auf jeden Fall Stoff zum nachdenken und erzählt ein Kapitel, welches vielen sicher nicht so bekannt sein düfte. Umso wichiger finde ich dieses Buch, dass stellenweise bedrückende Geschichte zeigt und noch eine Weile nachhallen wird.
Fazit: Eine sehr wichtige Geschichte, die ich interessierten Lesern auf jeden Fall empfehlen kann. Das Buch regt zum nachdenken an.
Das Thema des Buches fand ich sehr interessant, weshalb ich es mir auch gekauft habe. Das Cover und der Klappentext haben mich auch gleich angesprochen. Doch hatte ich mir von der Recherche der Autorin und der Umarbeitung in ein Buch mehr erhofft. Der Schreibstil lag mir nicht; die Ich-Form hätte ich wohl noch hinbekommen, aber die Autorin spricht immer wieder auch ihre Großtante Frieda persönlich an, als wäre sie am Leben. Das hat mich aus dem Lesen heraus gebracht. Gut beschriebt die Autorin, wo sie recherchiert hat, doch wartete ich dann vergeblich auf die Erklärungen, was genau an diesen Orten mit Frieda geschehen ist. Das Thema ist sehr wichtig, auch gerade heute, bei der sich ändernden politischen Lage. Doch wird das Potential der Geschichte von der Autorin leider nicht genutzt. Und zudem hat mich das ständige *Innen mehr als gestört. Das hat das bisschen, was ich noch interessant fand lahm gelegt. Sehr schade, denn die Geschichte hätte viel Potential.
Geraldine sucht ihre Großtante. Nicht, weil sie verschwunden ist, sondern weil sie 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderung gestorben ist und nie jemand darüber geredet hat. Die Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine Suche nach der Wahrheit, nach einem Schicksal, das so viele Deutsche zur Nazizeit erleiden mussten. Sie durchsucht Akten, liest psychologische Berichte und deckt Stück für Stück eine Unmenschlichkeit auf, die man sich heutzutage gar nicht vorstellen kann. Damals wurden Tausende durch dezentrale „Euthanasie“ und Hunger ermordet, viele wissen jedoch davon gar nichts.
Ich kann das Buch schwer bewerten, da es eine Lebensgeschichte und die Realität darstellt, vor der man sich nicht verschließen sollte. Mich hat die Autorin absolut in ihren Bann gezogen und ich habe bis zur letzten Seite an ihren Worten gehangen.
Als Geraldine Oetken zur Beerdigung ihres Großvaters und Seniorchefs des Familienunternehmens nach Oldenburg reist, wird ihr bewusst, dass ihre Urgroßtante Frieda Helms bisher kein Grab und keine Inschrift auf dem Familien-Grabstein hatte. Frieda war 1939 ins Gertruden-Heim für Behinderte eingewiesen worden; es hieß sie litte seit früher Kindheit an Epilepsie. Geraldine Oetkens Suche nach Friedas Grab und ihrer Patientenakte im Heim des Klosters Blankenburg wird wie der Weg von Pontius zu Pilatus mit jeder Antwort neue Fragen aufwerfen, die weitere Recherchen erfordern. Mit einfachen Fragen nähert Oetken sich dem komplexen Problem: Wer bezahlte für Frieda, wer besuchte sie im Heim, wer war ihr Vormund, warum wurde eine große Anzahl Heimbewohner nach Süddeutschland verlegt, wer beerdigte Frieda – und wo ist ihr Grab?
In dieser Familie wurde offenbar weder über Frieda noch über das Geschäft gesprochen, mit dem man den Lebensunterhalt verdiente. Kam die Sprache auf die Zeit des Nationalsozialismus, hieß es über das Bauunternehmen des Großvaters stets automatisch, seine Firma wäre doch so gut wie pleite gewesen. Wie die Firmengeschichte abgeschnitten und verkürzt weitergegeben werden konnte, ist aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar. Die Bauten und Projekte des Großvaters müssen im Stadtbild zu sehen gewesen sein. Ich fragte mich, wie eigentlich Kinder von Unternehmern ihr „Handwerk“ lernen sollen, wenn angeblich nicht über Geschäftliches gesprochen wird und über was Oetkens Großvater überhaupt mit seinen Enkeln sprach. Auch mein Großvater war in der Zeit Bauunternehmer und für mich ist es schwer vorstellbar, dass eine Familie nicht gemeinsam Fotos betrachtet von „unseren Arbeitern“ und „unseren Baustellen“.
Man entledigte sich der unbequemen Firmenunterlagen ebenso wie der behinderten Tante, die von Deportation bedroht war. Neben der Recherche nach Friedas Schicksal gräbt Geraldine Oetken auch den Grund dafür aus, warum sich in Deutschland bis weit in die Nachkriegszeit eine tiefsitzende Abwehr gegen Therapeuten und Psychiatrien halten konnte. Geraldine Oetkens detektivische Recherche konfrontiert sie u. a. mit den privaten und geschäftlichen Fäden, die die Bürger ihrer Heimatstadt miteinander verknüpfen und das Schweigen über die Vernichtung Behinderter im Nationalsozialismus unmöglich gemacht haben sollten. Auch andere Familien hatten Angehörige im Gertrudenheim …
Geraldine Oetkens Spurensuche nach ihrer verschollenen Urgroßtante bringt nur drei Fotos von Frieda Helms zutage. Auf einem konzentriert sich das gesamte Drama: Die Herkunft des Fotos ist offenbar ungeklärt und Frieda wirkt darauf klein, scheu und übersehen. Niemand fühlte sich dafür zuständig, ihr vor dem Auslösen schnell noch den Kragen zurechtzurücken, damit sie ein einziges Mal ebenso wichtig genommen worden war wie ihre Verwandten.
Fazit Geraldine Oetken nähert sich der Person ihrer Urgroßtante aus diversen Perspektiven. Sie fragt sich, wer vom Nationalsozialismus profitierte, welche Rollen Männer und Frauen dabei spielten und was historische Geschäftskorrespondenz sprachlich über eine Epoche preisgibt. Nicht zuletzt versetzt sie sich immer wieder in Frieda und wie sie ihre Welt erlebt haben muss. Ein berührendes Buch, das aufblättert, wie Familien-Erinnerungen komplett abgeschnitten und verleugnet werden können.
In ihrem Buch „Frieda“ beschäftigt sich Geraldine Oetken mit der Geschichte ihrer Urgroßtante Frieda, von der in ihrer Familie lange Zeit kaum etwas bekannt war. Erst als Oetken Anfang dreißig erfährt, dass Frieda 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben ist, beginnt sie, sich intensiver mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie möchte herausfinden, wer Frieda war, wie ihr Leben aussah, warum sie in einer Anstalt lebte und unter welchen Umständen sie starb.
Besonders interessant finde ich den Einstieg in die Geschichte, da die Autorin zunächst selbst nur sehr wenige Informationen über Frieda besitzt. Dadurch entsteht eine Art Spurensuche, bei der man sie auf ihrem Weg durch Archive, Krankenakten und Friedhöfe begleitet. Gleichzeitig erfährt man viel über den Umgang mit psychisch erkrankten und behinderten Menschen während des Nationalsozialismus. Dadurch behandelt das Buch ein sehr wichtiges Thema, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.
Positiv fand ich außerdem die Erzählweise und die Einblicke in die journalistische Arbeit der Autorin. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie aufwendig es sein kann, Informationen über eine Person aus der Vergangenheit zusammenzutragen. Das Buch regt außerdem zum Nachdenken an, besonders darüber, wie mit Menschen im Nationalsozialismus umgegangen wurde und wie lange die Folgen solcher Ereignisse in Familien weiterwirken können.
Allerdings hatte das Buch für mich auch einige Schwächen. Stellenweise fand ich die Beschreibungen der Suche nach Informationen zu ausführlich. Dadurch wurde die Geschichte für mich mit der Zeit etwas langweilig. Außerdem hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass manche Passagen eher dazu dienten, das Buch zu füllen, anstatt die Geschichte wirklich voranzubringen.
Insgesamt ist „Frieda“ ein interessantes und wichtiges Buch, das eine persönliche Familiengeschichte mit einem bedeutenden Teil der deutschen Geschichte verbindet. Auch wenn einige Stellen meiner Meinung nach etwas zu langatmig sind, finde ich die Thematik sehr lesenswert. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin versucht, Frieda ihre Geschichte zurückzugeben und damit gleichzeitig an Menschen erinnert, die während des Nationalsozialismus vergessen oder bewusst aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden.