Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.
Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«.
Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat – und das Abschiednehmen.
Eva Menasse (born 11 May 1970 in Vienna) is an Austrian author and journalist. She has studied history and German literature. Menasse had a successful career as a journalist, writing for the Frankfurter Allgemeine Zeitung in Frankfurt and as a correspondent from Prague and Berlin. She left the paper to write her first novel, Vienna,[1] and now lives and works in Berlin as a freelance author.
In 2005, she received the Corine Literature Prize. The English translation of her novel Vienna was shortlisted for the 2007 Independent Foreign Fiction Prize in the UK.
Eva Menasse verabschiedet sich in ihrem neuen Roman Alleinruhelage von einem jahrelangen Wegbegleiter, ihrem Wochenend- und Ferienhaus im Norden, der ehemaligen DDR. In verschiedenen Episoden erzählt sie von ihrer Kindheit, ihrer geschiedenen Ehe, ihren Kindern, ihren Freund*innen, ihren Nachbar*innen, deutsch-deutscher Geschichte und von dem Haus. Der humorvolle und einfühlsame Ton, den sie hervorragend trifft, spiegelt wieder, wie emotional diese Revue für sie ist. Ich mag Bücher von mittelalten Frauen, die ohne Mann zurecht kommen. Trotzdem ist das Buch sehr weiß und privilegiert. Für mich ein Herbst Buch, das grade nicht gut gepasst hat.
Ein Ferienhaus, oder besser gesagt ein Zweitwohnsitz in Vorpommern in den Neuen Bundesländern, idyllisch gelegen im Wald am See, im Landschaftsschutzgebiet, erworben nach der Wende von einer Österreicherin, die schon lange in Westberlin lebt: Das ist der Ausgangspunkt des neuen Romans der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse.
Die Ich-Erzählerin lebt seit langem in der Großstadt in Westberlin und sehnt sich nach Wohneigentum, einem Haus in der Natur, in ruhiger Lage, wo sie mit zwei Kindern und Ehemann zur Ruhe vom Großstadtstress kommen kann. So erwirbt sie ein heruntergekommenes Haus, eine ehemalige Kneipe, die "Waldschänke", und renoviert das Haus nebst großem Garten zu einem Wohnhaus.
Zwei Jahrzehnte wird die Ich-Erzählerin hier Wochenenden und Ferien verbringen. Ein Jahrzehnt mit Ehemann und einem weiteren Kind, ein Jahrzehnt allein. In Rückblicken wird die Zeit des Herrichtens des Hauses mit Ehemann und zwei Kindern, mit neugeborenem dritten Kind, aber auch die Kindheit der Erzählerin in Österreich und die Jahre nach der Trennung vom Ehemann aufgerollt. Es ist ein ruhiger Roman, eine Rückschau auf ein Leben, das sich in für die Erzählerin wichtigen Phasen ihres Lebens im Haus in Vorpommern abgespielt hat.
Der Schreibstil von Eva Menasse hat mir schon immer gefallen und gefällt mir auch in diesem Roman wieder. Er ist humorvoll, warmherzig und fängt die besondere Atmosphäre zwischen Menschen in heiklen und auch alltäglichen Situationen gekonnt ein. Als Beispiel seien das sich entfernende Auto mit Ehemann und der auf dem Beifahrersitz sitzenden und bleich wirkenden "spitznasigen" pubertierenden Tochter, die Verbundenheit zu Onkel Walter und Tante "Hupsi" in Niederösterreich, die Szenen mit dem "Senioren Beau" Paul und die on-off Beziehung zum neuen Partner genannt.
Es ist eine Stärke der Autorin, den jeweiligen sogenannten Zeitgeist abzubilden. Den Wunsch nach Ruhe und Abgeschiedenheit der Großstädter, die in der Nachwendezeit zwar auf ein Idyll treffen, aber erkennen müssen, dass das Haus nicht für sich allein steht, sondern mit der Geschichte der Region und ihren Bewohnern verbunden ist.
So nehmen die Erfahrungen der Hinzugezogenen mit den einheimischen Bewohnern Ostdeutschlands großen Raum im Roman ein, was ich in dieser Ausführlichkeit nicht erwartet habe. Sehr schön herausgearbeitet sind hier die Begegnungen und Probleme mit den Datschenbewohnern am See, die Atmosphäre der Sommerfeste mit den so ganz anderen Freunden aus dem sogenannten Bildungsbürgertum aus dem Westen, die Versuche, die Natur zu bändigen, etwa mit der Beseitungsaktion des Schilfs oder den spießigen Versuchen, dem Wald einen grünen Rasen abzutrotzen.
Was mir nicht gefallen hat, war eine Prise zu viel Politisierung, wie etwa der Abschnitt über die in den DDR-Alltag "ausgewilderten" RAF Terroristen. Das mag interessant sein, passte aber m. E. nicht zur Rückschau auf ein Leben, in dem ein Sommerhaus eine tragende Rolle spielt. Zu gewollt erscheint mir insofern die Einflechtung der deutsch-deutschen Vergangenheit der Nachwendezeit mit den persönlichen Erfahrungen der Ich-Erzählerin.
Alles in allem aber ein lesenswerter Roman, dem ich vier Sterne gebe.
*Alleinruhelage* beginnt vielversprechend: Nach dem Ende ihrer Ehe zieht sich die Erzählerin in das Wochenendhaus am See zurück, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Unterstützung bei den Renovierungsarbeiten bekommt sie von den beiden polnischen Handwerkern Alla und Bolek, die in der Leseprobe mit ihrem trockenen Humor und ihrer unkomplizierten Art sofort Sympathiepunkte sammeln. Leider verschwinden sie nach kurzer Zeit fast vollständig aus der Handlung.
Eva Menasse erzählt ihren Roman sehr persönlich, fast autobiografisch. Das hat durchaus seinen Reiz, wirkt auf mich aber häufig sprunghaft und unruhig. Immer wieder wechseln die Zeitebenen, ohne dass klar wird, wo sich die Erzählerin gerade befindet. Dadurch fiel es mir schwer, den roten Faden zu behalten.
Hinzu kommt, dass viele Erzählstränge zwar begonnen, aber nicht wirklich zu Ende geführt werden. Manche Geschichten werden nur angerissen und dann wieder fallen gelassen. Wie sich z.B. die schwierige Beziehung zur Tochter entwickelt, blieb für mich offen. Auch die direkte Ansprache an einen geheimnisvollen „Habibi“ sorgt zunächst eher für Verwirrung als für Spannung. Erst gegen Ende wird klar, wer gemeint ist – doch selbst dann bleibt vieles unausgesprochen.
Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die Figuren. Viele Charaktere wirken recht eindimensional und bleiben trotz ihrer Auftritte blass. Besonders die Bewohner des dünn besiedelten Landstrichs werden fast ausschließlich als verschroben, engstirnig oder skurril dargestellt. Dadurch entstand für mich der Eindruck eines sehr einseitigen Blicks einer Großstadtintellektuellen auf die vermeintlich einfache Landbevölkerung. Mehr Zwischentöne hätten dem Roman gut getan.
**Mein Fazit:** *Alleinruhelage* wird von vielen als feinsinniger Roman über einen Neuanfang gelesen. Für mich blieb er jedoch zu unruhig, zu fragmentarisch und emotional auf Distanz. Die Figuren, die mich anfangs am meisten interessiert haben, spielen später kaum noch eine Rolle, während andere Handlungsstränge unvollendet bleiben. Wer literarische, assoziative Erzählweisen mag, wird dem Buch vermutlich mehr abgewinnen können.
»Alleinruhelage« von Eva Menasse ist ein Roman über Abschied und Neuanfang, über den Versuch, nach dem Ende eines Lebensabschnitts einen neuen Anfang zu wagen, und zugleich über das Gefühl, trotz aller Veränderungen an einem Punkt der Stagnation angekommen zu sein. Sinnbildlich verdichtet sich all dies in jenem Haus, das der namenlosen Protagonistin einst als gemeinsames Zuhause für ihre Familie dienen sollte und nun vor allem ein Ort der Einsamkeit geworden ist. Seine abgeschiedene Lage, fern von unmittelbarer Nachbarschaft, scheint auf den ersten Blick kaum geeignet, einem Menschen nach dem Scheitern einer Ehe neue Zuversicht zu schenken. Genau diese Aussicht bestimmt zunächst auch die Erwartungen der Protagonistin. Doch gerade hierin liegt die eigentliche Stärke des Romans: Anstatt sich ausschließlich auf das Leben der Frau und ihr Haus zu konzentrieren – ein Stoff, der auf knapp zweihundert Seiten leicht ermüdend wirken könnte –, entfaltet Eva Menasse nach und nach ein vielschichtiges Geflecht aus Erinnerungen, Begegnungen und kleinen Episoden, die sich während der Renovierung ergeben und weit über die unmittelbare Gegenwart hinausreichen. Immer wieder führen diese Rückblicke in die Vergangenheit, insbesondere in die frühe Geschichte der DDR und die Jahrzehnte der deutschen Teilung, in denen Migration, politische Umbrüche und das bis heute nachwirkende Spannungsverhältnis zwischen Ost und West eine zentrale Rolle spielen. Dabei bewegt sich Menasse auf einem Terrain, das für ihr Werk typisch ist und zugleich erkennen lässt, wie stark persönliche Erfahrungen in den Roman eingeflossen sein könnten. Als gebürtige Wienerin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, teilt sie mit ihrer Protagonistin einige biografische Berührungspunkte. Dass diese namenlos bleibt, verstärkt den Eindruck zusätzlich, als wolle die Autorin bewusst eine gewisse Offenheit schaffen und die Grenze zwischen autobiografischer Erfahrung und literarischer Fiktion verwischen. Dadurch entsteht eine Erzählerin, die zugleich individuell und stellvertretend wirkt, deren Gedanken sich mühelos auf viele ähnliche Lebensgeschichten übertragen lassen. Gerade dieser Umstand verleiht dem Roman eine besondere Authentizität. Die Renovierung des Hauses wird dabei mehr und mehr zu einem Symbol für den Versuch, nicht nur Räume, sondern auch Erinnerungen neu zu ordnen und Brüche der eigenen Biografie zu verarbeiten. Vergangenheit und Gegenwart greifen ständig ineinander, sodass scheinbar beiläufige Beobachtungen plötzlich historische oder persönliche Bedeutung gewinnen. Immer wieder zeigt Menasse, wie eng private Lebenswege mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden sind und wie stark politische Umstände das Denken und Fühlen eines Menschen auch Jahrzehnte später noch prägen können. Ohne große dramatische Wendungen entsteht auf diese Weise ein stiller, aber eindringlicher Roman, dessen Kraft weniger aus spektakulären Ereignissen als aus den feinen Zwischentönen und den sorgfältig beobachteten Alltagsmomenten erwächst. Stilistisch erinnert »Alleinruhelage« über weite Strecken an ein Tagebuch oder an lose aufgezeichnete Erinnerungen. Vieles wirkt zunächst ungeordnet oder zufällig, ganz so, wie Gedanken und Erlebnisse einem Menschen unvermittelt wieder in den Sinn kommen. Gerade diese scheinbare Beliebigkeit ist jedoch ein bewusstes Stilmittel und passt hervorragend zum Charakter des Romans, der sich ständig zwischen erzählender Prosa und essayistischer Reflexion bewegt. Dadurch entsteht ein hoher Grad an Glaubwürdigkeit. Die geschilderten Erfahrungen wirken selten erfunden oder konstruiert, sondern erscheinen vielmehr wie Erinnerungen realer Menschen, die mit den politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Umbrüchen ihrer Zeit gerungen haben. Menasse gelingt damit weniger ein klassischer Handlungsroman als vielmehr eine literarische Annäherung an das Lebensgefühl einer Generation von Zeitzeugen, ohne ihre Figuren bevormunden oder ihre Erfahrungen vorschnell deuten zu wollen – auch wenn diese selbst ihre Vergangenheit durchaus kritisch reflektieren und bewerten. Eva Menasse gehört zweifellos zu den Autorinnen, deren Romane regelmäßig ein anständiges Niveau erreichen, aber nicht zur ersten Liga gehören. Auch »Alleinruhelage« reiht sich in dieses Bild ein. Angesichts seines Themas ist der Roman stimmig und überzeugt insbesondere als literarischer Beitrag zur deutsch-deutschen Erinnerungskultur. Gleichzeitig bleibt er jedoch stark in seinem Sujet verankert und entfaltet seine größte Wirkung vor allem für Leser, die sich für diese historischen und gesellschaftlichen Fragestellungen interessieren. Über diesen Rahmen hinaus entwickelt er nur begrenzt eine allgemeingültige Strahlkraft, weshalb er sich wohl kaum unter den prägendsten Veröffentlichungen des Jahres einordnen lässt. Als kluger, fein beobachteter und nachdenklicher Roman ist »Alleinruhelage« dennoch eine lohnende Lektüre, die lange nachhallt und gerade in ihrer ruhigen, unaufgeregten Art überzeugt.
Die Ehe längst perdu, die Kinder aus dem Haus, seine und ihre. Was wird aus dem Wochenendhaus mitten drin in Ostdeutschland, das ihr geblieben ist? Die erste Rückkehr nach einer Weile der mehr oder weniger geklärten Fronten war mehr als ernüchternd. Sie traf sich mit dem Makler, sie gingen hinein und dann sah sie etwas, das sie nie im Leben erwartet hätte. Die Kommode im Hauptraum fehlte samt Schubladen, deren Inhalt auf den Boden gekippt wurden. Kinderspielzeug, Nähzeug, ein Kartenspiel, Socken, Batterien und Taschenlampen ergossen sich auf dem Boden. Sehr viele leere Weinflaschen hatten sich dazu gesellt. Ihr Blick fiel auf eine gebrauchte Männerunterhose, die sie mit der Schuhspitze hinter den Kühlschrank beförderte. Er habe schon alles gesehen, merkte der Makler an. Ein Anflug von Lachen erstickte erschrocken in ihrem Hals. Der Makler tat, als habe er nichts bemerkt und fotografierte zuerst einmal von außen. Drinnen zeigte er mit der Handkante welche Notwendigkeiten ihm vorschwebten und sie räumte Zeug von A nach B.
Ihre längste und beste Freundin Amy rückte mit reißfesten Müllsäcken an und half ihr, es zu entrümpeln das Haus, das sie einst so liebevoll wie ahnungslos renoviert hatten, obwohl ihnen die Genehmigung fehlte. Es war eine ehemalige Kneipe auf einem DDR-Campingplatz und als ihr damaliger Partner und sie sich zum Kauf entschieden hatten, stand es plötzlich in einem Landschaftsschutzgebiet der Bundesrepublik Deutschland. Aus dem Campingplatz war eine Schrebergartensiedlung mit mehr oder weniger stabilen Datschen geworden. Die Anwohner beäugten sie, die Zugezogenen, argwöhnisch.
Fazit: Die vielfach ausgezeichnete Autorin Eva Menasse hat mit diesem Buch etwas Neues versucht. Sie erzählt die fiktive Geschichte einer Frau mittleren Alters nach dem Eheaus. Das Wochenendhäuschen, das ihr geblieben ist, bedarf ausgiebiger Fürsorge. Zuerst will sie es verkaufen, aber dank den zwei findigen polnischen Handwerkern macht sie Haus und Garten zu einem paradiesischen Ort. Die Protagonistin lässt die Ereignisse, die sie in dem Haus erlebt hat, revue passieren. Sie spricht über das Fremdsein, das Ankommen, die Liebe und das Abschiednehmen. Ich mochte die zahlreichen Metaphern sehr:
Alles flirrt, summt, bebt vor Sommerfreude. Licht und Schatten spielen miteinander wie die Finger eines Liebespaars. S. 17
Die melancholischen und auch amüsanten, teils komischen Rückblicke lesen sich autobiografisch (sind jedoch fiktiv). Ich hätte mir ein wenig mehr von den im Klappentext eingeführten Handwerkern Alla und Bolek gewünscht, die jedoch nur einen kurzen Gastauftritt hatten. Mir gefielen viele Gedankengänge, aber die Meinung der Protagonistin zu politischen Ereignissen hätte ich nicht immer gebraucht. Ebenso neigt die Protagonistin teils zur Geschwätzigkeit. Den Schreibstil allerdings fand ich großartig, ebenso die Technik vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen. Und ich bleibe der Autorin, die ich bisher nur aus dem „Literarischen Quartett“ kannte, durchaus zugeneigt.
Eine ehemalige Gaststätte an einem vorpommerschen See gelegen wird das neue Feriendomizil und später wichtiger Rückzugsort für eine österreichische Schriftstellerin. So ruhig und allein das Häuschen gelegen ist, so bunt gemischt und archetypisch ist das Figurenpersonal, welches das Haus und die Umgebung bevölkert und bebaut. So lernen wir die wunderbare moldawische Alla und ihren polnischen Mann Bolek kennen, die der Schriftstellerin dabei helfen, das Haus auf Vordermann zu bringen. Und da gibt es diese weit verzweigte ostdeutsche Variante der Sch‘tis, die im nahegelegenen Datschenwohngebiet ansässig sind und ihr das Leben schwer machen. Und da sind noch viele mehr aus Vergangenheit bis zur Gegenwart, die das Leben der Schriftstellerin und die Belange des Hauses prägen. Es liest sich ganz wunderbar und leicht. Man möchte am liebsten noch mehr davon, aber das Haus wird verkauft und alles muss ein Ende haben.
„Alleinruhelage“ ist mein bisher liebstes Buch von Eva Menasse geworden. Mit ihrer einmaligen, klugen Sprache erfasst Menasse in nur wenigen Sätzen ganze Zusammenhänge und spiegelt historische Umbrüche präzise wider genauso wie kleinste Eigenarten ihrer Figuren. Es ist eine wahre Freude dieses Büchlein zu lesen und dadurch viele Nuancen des Lebens in einer Feriensiedlung in der ostdeutschen Provinz zu entdecken.
Dabei blitzen immer wieder kraftvolle Sätze hervor, die man nicht mehr vergessen will. Wie diese knackige wie treffende Erkenntnis zur Zeit ca. 10 Jahre nach Wende:
„Für den Osten war es eine finstere, gewalttätige Zeit, in der man zuließ, dass bergeweise Hoffnungen zertrümmert wurden, Weltvertrauen, Lebensläufe. Die Folgen hängen dem Land bis heute nach.“ (S. 26)
Oder wenn es um die Aneignung von Ländereien, Gebäuden und Firmen in der ehemaligen DDR durch Westdeutsche mit etwas Kleingeld geht:
„Es war ein Lehrstück über Umbruchzeit, Gier und die Ungerechtigkeiten, die eine veränderte Rechtslage automatisch mit sich bringt; ein Lehrstück exerziert an Menschen, die sich den Kapitalismus gewünscht hatten wie Durstige ein paar Schluck Wasser und stattdessen eine Sturzflut bekamen.“ (S. 30)
Es ist als ob die geborene Österreicherin, seit zwanzig Jahren in Berlin lebende, Menasse genau den richtigen Abstand und genau die richtige Nähe zur Region und zum Thema hat, um diese Gemengelage zu streifen und so vorzüglich in kleinen Momenten festzuhalten.
Ich habe das Buch wirklich sehr gern gelesen und in kürzester Zeit eingesogen. Nur hätte ich gern noch ein bisschen länger in diesem assoziativen Bild mit dem Haus im Zentrum verweilt, bevor das Haus schlussendlich verkauft werden wird, wie schon im ersten Satz des Romans angekündigt: „Haus, ich verkaufe dich.“
Ein Immobilienroman. Die Geschichte über ein Haus am See in Ostdeutschland. Für Makler ein sogenanntes „besonderes Objekt“. Es ist Erinnerungsort, Ansprechpartner. Es birgt Konfliktpotenzial. Ein Abschied und ein Aufbruch und ganz viel dazwischen. Leichtfüßig. Ein bisschen wehmütig, oft humorvoll, manchmal böse. Ein erfrischendes Buch, ganz nach meinem Geschmack. Lektüre für Nachmittage am See, im Schatten von Bäumen, in „Alleinruhelage“. Ein Wort, das nach Aussage von Eva Menasse in österreichischen Immobilienanzeigen verwendet wird. Hier bezeichnet es das Haus in Vogelsang, das die Erzählerin und ihr Mann für den Abstand zur Großstadt kaufen. Es überlebt die Ehe. Kinder werden groß, Freunde kommen und feiern, eine neue Liebe erwacht und versiegt. Zu DDR-Zeiten war es ein kleines Gasthaus. Eine moldawische Baufrau und ein polnischer Frührentner erweisen sich als unentbehrlich für die Renovierung. Zwei Anläufe braucht sie, bis sie imstande ist, das Haus zu verkaufen, mit dem sie so viele Erinnerungen verbinden. Die Kämpfe mit der uralten Wasserpumpe, dem Rasen und den Wühlmäusen. Kindheitserinnerungen werden assoziativ eingestreut (mit Figuren, die man bereits aus ihrem Roman „Vienna“ kennt), Familiengeschichten aufgeweckt. Beim Aufräumen findet sie die Dinge ihrer Vergangenheit im Haus: Reste eines Planschbeckens, Sandspielzeug, eine alte Männerunterhose, die schnell vor dem Immobilienagenten versteckt wird. Das Buch ist Zwiesprache mit dem Haus, Innenschau. Er zeigt gleichzeitig die Auseinandersetzung mit der Außenwelt, der unübersehbaren Zeitgeschichte ringsum. Menasses Roman ist eine mal ruhig dahinfließende, mal auch dahinhüpfende, vor- und zurückspringende Erzählung oft mit mündlichem Sprachgestus, gegen allzu viele Nostalgiegefühle für die „Alleinruhelage“, die nicht allein und zuweilen auch nicht ruhig ist. In einem vorangestellten Brief an die Buchhändlerinnen und Buchhändler (im Leseexemplar) betont Menasse, sie habe keine Autobiographie geschrieben: „Die Erzählerin, die als Österreicherin zwischen all den erbittert verteidigten Ossi- und Wessi-Stühlen sitzt, ähnelt mir vermutlich in manchem. Aber das bin dennoch nicht ich, vergessen Sie’s.“ Leseempfehlung! Zum Erscheinungsdatum im August mehr im Blog: www.kultursalon.blog
„Alleinruhelage“ ist ein kluger Roman der in Berlin lebenden Autorin Eva Menasse
„Haus, ich verkaufe dich“, mit diesem Satz der Protagonistin und Ich-Erzählerin startet die Handlung. Ein Haus, das Zeuge ihres Lebens ist, in dem sie mit ihren Kindern und ihrem Mann ihre Ferien mit guten und schlechten Tagen verbracht hat, das aber seit dem Aus der Ehe leer steht und verkommt. Es ist nicht das erste Mal, dass sie verkaufen möchte, aber dieses Mal soll es wirklich so sein. Alleine könnte die Protagonistin das Haus niemals in einen wohnlichen Zustand versetzen, aber sie hat Glück und bekommt Hilfe von dem polnischen Handwerker Bolek und der polnischen Putzfrau Alla.
Der Schreibstil von Eva Menasse ist ruhig und atmosphärisch. Die Stimmung der Datschensiedlung in Vorpommern wird gut vermittelt. Zudem erfährt man viel aus dem ostdeutschen Sprach- und Kulturraum.
Es ist ein vielschichtiger Roman mit sympathischen Protagonisten, der mich zum Lachen gebracht und auch nachdenklich gemacht hat. Besonders amüsant fand ich dabei Alla und Bolek, die mich mit ihren liebenswerten Satzkonstruktionen immer wieder zum Schmunzeln gebracht haben. Ich bin der Ich-Erzählerin gerne durch die Erinnerungen gefolgt und konnte sowohl ihre Gedanken als auch ihre Gefühle gut nachvollziehen. Thematisch spricht die Autorin diverse Alltagsthemen an, in denen sich jede*r Leser*in irgendwo wiederfinden kann. Zwischen melancholischen und amüsanten Themen geht es um Veränderungen, Abschiednehmen, Neuanfang, Heimat, Fremde, Zugehörigkeit, Identität und vieles mehr.
Mich hat dieser vielschichtige Roman nachdenklich zurückgelassen. Er zeigt, wie sich das Leben verändern kann und dass Einschnitte manchmal einen Neustart einfordern, um sein altes Leben loszulassen. Für mich ist „Alleinruhelage“ eine lohnende Lektüre, die durch ihre Authentizität noch lange nachhallt.
Was für ein wundervolles Buch! Es beginnt mit einer direkten Ansage der Ich-Erzählerin an ihr Wochenendhaus – „Haus, ich verkaufe dich.“ – und von diesem ersten Satz an war ich mittendrin. Nach zwanzig Jahren steht der Verkauf des Hauses an einem See in der ehemaligen DDR an. Gekauft in der Nachwendezeit, zusammen mit dem inzwischen geschiedenen Mann. Mit diesem Abschied kommt so ziemlich alles wieder hoch: die Ehe und ihr Ende, die Kinder, die Renovierungen, die Nachbarn, aber auch die eigene Kindheit in Wien, die Eltern, der Tennisklub des Vaters sowie Tante und Onkel. Das klingt nach viel für gerade mal 200 Seiten – ist es auch, und trotzdem wirkt nichts überladen. Menasse springt zwischen den Zeiten und Themen hin und her, aber sie verliert nie den Faden. Sie kommt immer wieder zurück zum Haus, zum See, zum Ausgangspunkt. Und dann ist da noch der Ton, den ich kaum zu fassen kriege: sehr genau, sehr bildreich, mit einem Humor, der nichts verharmlost und trotzdem nie bösartig wird. Selbst die unangenehmsten Figuren und Situationen – und davon gibt es einige – liest man bei ihr mit einer Leichtigkeit, ohne dass etwas beschönigt wird. Nebenbei, fast beiläufig, verhandelt sie den Ost-West-Konflikt: Sie als Wienerin ist für viele Menschen vor Ort erst einmal ein Störfaktor, und das bleibt sie für manche bis zum Schluss. Dazu kommen Themen wie Ghosting, Selbstvertrauen und schwierige Paarbeziehungen mit und ohne Kinder – kurz: das Leben, wie es überall passiert. Nur eben selten so gut erzählt. Für mich eines der besten Bücher des Jahres!
Mein erstes Buch von der ehemaligen Stadtschreiberin Eva Menasse und meine Erwartungen waren schon recht hoch - leider wurde ich dann doch enttäuscht, vielleicht auch weil es wohl ein für die Autorin stilistisch eher ungewöhnliches Buch ist.
Die Ich-Erzählerin verkauft ihr Sommerhaus in der ostdeutschen Provinz und reflektiert dabei die Wendungen die ihr Leben in den letzten 20 Jahren dort genommen hat und allerlei Anekdoten und Reibereien mit den Nachbarn.
Menasse schreibt intelligent, pointiert und witzig. Für mich jedoch gab es die große Frage "Wohin will das Buch?" denn ist es nun eine amüsante Haussanierungsgeschichte? Ein schmerzlicher Rückblick einer mittelalten Frau? Eine Ost/Westgeschichte? Eine Familiengeschichte? Diese Unentschlossenheit, dieser Mix an Stilen war nicht meins.
Was mich beim Lesen auch etwas gestört hat, waren die zeitlichen und inhaltlichen Sprünge, man liest mehr Tagebucheinträge als eine für Lesende bestimmte Geschichte und mehr als einmal wusste ich gar nicht um welche Zeit und welchen Mann es gerade geht. Wie immer bei Büchern bei denen sich Autor und Erzähler augenscheinlich zu 100% decken, fällt es mir auch schwer zu glauben das hier Änderungen und künstlerische Freiheiten vorliegen. Es ist nicht autobiographisch gedacht aber für mich hat es sich doch eben genauso gelesen, warum mich das genau stört weiß ich leider selbst nicht.
Der Roman lässt mich am Ende irgendwie mit ziemlich gemischten Gefühlen zurück. Es war irgendwie ganz anders, als ich erwartet habe. Die Story dreht sich um eine Frau, die nach gut 20 Jahren ihr Wochenendhaus an einem See in Brandenburg verkauft und dabei auf ihr Leben und ihre Familie zurückblickt. Was ich richtig toll fand, ist der Schreibstil: Die Autorin kann verdammt gut schreiben, findet tolle Metaphern und haut Sätze raus, die im Kopf bleiben. Weil die Hauptfigur aus Wien kommt, hat sie einen coolen, neutralen Blick auf das ganze Ossi-Wessi-Ding in der Nachbargegend und erzählt immer wieder witzige Anekdoten über die Nachbarn aus der alten Datschensiedlung oder die polnischen Handwerker. Allerdings macht es das Buch einem nicht gerade leicht. Die Erzählweise ist total sprunghaft und unchronologisch wie ein Tagebuch, sodass man bei den vielen Beziehungen der Protagonistin schnell mal verwirrt den Faden verliert. Dazu kommt, dass die Ich-Erzählerin ziemlich arrogant rüberkommt: Sie lästert viel, schaut ein bisschen auf die Landbevölkerung herab und lässt einen als Leser total auf Distanz. Es fehlt einfach an echter Zuwendung und Gefühl, weshalb alles etwas unverbindlich bleibt. Wer Bock auf eine poetische, etwas chaotische Familiengeschichte mit viel Nachwende-Vibe hat, für den ist das Buch trotzdem ein guter Griff!
Ruhiger Roman Das Buch „Alleinruhelage“ von Eva Menasse ist das erste Buch von ihr, dass ich gelesen habe. Die Autorin hat einfach den Titel zum Buch gemacht. In dem Buch geht es um eine Frau und die Geschichten und Eindrücke aus dem Leben in einem Haus, das eine Alleinruhelage hat. Die Autorin schreibt den Roman sehr anschaulich und man kann sich als Leser sehr gut in der Umgebung vor Ort hineinversetzen. Ihr Schreibstil strahlt auch sehr viel Ruhe aus. Das Buch ist im gesamten nicht wirklich spannend, aber die Autorin hat mich mit ihrer Erzählweise immer wieder gebracht das Buch in die Hand zu nehmen und weiter lesen zu wollen. Das Buch hat mich sehr fasziniert, da die Handlung einen durchgehenden gleichen Spannungsbogen hat und nicht wirklich mehr Spannung aufbaut. Die Geschichte und die verschiedenen Charaktere in diesem Buch haben mich angesprochen und ich wollte jeden einzelnen ein wenig mehr verstehen.
Fazit: Der Roman ist für Menschen, die Ruhe und nicht viel Drama in einem Buch suchen. Mit dem Buch kommt man sehr gut zur Ruhe und hat einen schönen Einblick in die Gedanken der Autorin ohne zu viel Spannung aufzubauen. Das Buch ist ein schöner Sommerroman ohne viel Spannung.
„Für Menschen im Süden und Westen des Landes, auch für die südöstlichen Österreicher klang der Preis fast unglaublich, ein massives, unterkellertes Haus an einem See und mit einem großen Garten, dazu in Alleinruhelage - wie man in Osterreich sagt, wo es auch sprachlich immer ein bisschen mehr sein darf.“ Das Haus, um das es hier geht, scheint etwas störrisch zu sein: Erst macht es Schwierigkeiten, überhaupt als Wohnhaus genutzt zu werden, wo es doch früher als Gaststätte eingetragen war. Nun, wo es verkauft werden soll, ist es zu wild, so dass ihm zunächst polnische Hilfsarbeiter zu Leibe rücken müssen. So verwundert es nicht, dass die Ich-Erzählerin ihre Worte direkt an das Haus richtet. Und dadurch lernen wir auch die Umgebung (einen See, wo früher die Bonzen lebten), die Nachbarn (wollen ungestört bleiben) und die Familie der Frau (ist nicht mehr da) kennen. Die DDR-Vergangenheit, für die zugezogene Eigentümerin nur Hörensagen, ist ebenfalls omnipräsent. Die Autorin hat mich an manchen Stellen verloren, weil die Handlung zu viele Abbiegungen nimmt. Einzelne Szenen waren dann wieder großartig herausgearbeitet, so dass ich dort gerne verweilt wäre. Der Ton und das sprachliche Mittel, das Haus direkt anzusprechen, finden schließlich meine Begeisterung.
Alleinruhelage von Eva Menasse hat mir ausgesprochen gut gefallen. Vor allem ihr Schreibstil hat mich sofort überzeugt: leicht, elegant und mit einem feinen, oft trockenen Humor erzählt sie von einem Neuanfang nach dem Ende einer Ehe. Trotz der eher alltäglichen Handlung gelingt es ihr, große Themen wie Verlust, Veränderung, Heimat und Identität auf eine sehr tiefgründige und zugleich unaufdringliche Weise zu behandeln.
Besonders gefallen haben mir die Begegnungen mit Alla und Bolek, den polnischen Handwerkern, sowie die vielen kleinen Beobachtungen über das Leben, zwischenmenschliche Beziehungen und die deutsch-deutsche Geschichte. Menasse schafft es, ihre Figuren lebendig und glaubwürdig wirken zu lassen, ohne sie zu überzeichnen.
Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die Dialoge mit dem Haus. Diese haben mich eher aus der Geschichte herausgerissen und konnten mich nicht überzeugen. Sie wirkten auf mich etwas konstruiert und hätten für meinen Geschmack nicht unbedingt sein müssen.
Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass das Buch viel zu kurz ist. Gerade weil mir die Figuren, der Humor und die Atmosphäre so gut gefallen haben, hätte ich die Protagonistin gern noch länger begleitet.
Insgesamt ist Alleinruhelage ein kluges, warmherziges und humorvolles Buch, das trotz seiner Leichtigkeit lange nachhallt. Wer literarische Romane mit feinem Humor und viel Tiefgang schätzt, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Zum Inhalt: Als die Ehe zu Ende geht, steht die Frau plötzlich allein da mit dem ehemals durchaus geliebten Ferienhaus und beschließt es zu verkaufen, aber zuvor gibt es einiges zu tun, Zum Glück gibt es Alla und Bolek, die tatkräftig helfen. Bei den Arbeiten gehen der Frau viele Dinge durch den Kopf, die im Laufe der Zeit geschehen sind. Meine Meinung: Das ist so ein Buch in dem im Grunde nix passiert, aber dennoch einen ungeheuren Sog hat, dass man immer weiter lesen will. Allein das Verhalten der übrigen Datschisten hat schon was, man erfährt auch viel über das immer noch vorhandene Ost-West-Denken, dass für die gebürtige Österreicherin wahrscheinlich noch befremdlicher wirkt als auf einen Deutscher, denn die haben mehr von der Geschichte erlebt. Ich fand den Schreibstil sehr angenehm, mir gefiel auch, dass die Frau geradezu mit dem Haus auch spricht. Also, mir hat das Buch gut gefallen. Fazit: Hat mir gefallen
Ich habe dem Buch eine Chance gegeben, hatte total Lust auf das ruhige Setting, die Natur, eine Geschichte für den Sommer, mit der man ein bisschen runterkommt, kein Handy etc. Aber ich habe nach etwa den ersten 60 Seiten abgebrochen, nicht weil etwas an der Story oder dem Schreibstil schlecht war, sondern weil es einfach nicht mein Fall war. Irgendwie brauchte ich doch ein bisschen mehr Handlung, ich war den Charakteren noch gar nicht nah und habe auch nicht gedacht, dass das auf den wenigen Seiten, die das Buch insgesamt hat, noch passieren wird. An sich heißt das aber nicht, dass der Roman nicht jemand anderem total gut gefallen könnte. Ich habe einfach nur eine andere Sommer-Geschichte erwarte und eine bekommen, die nicht ganz zu passt. Die Autorin schreibt relativ poetisch, nicht so locker, wie ich es gerne in sommerlichen Büchern habe.
Alleinruhelage ist der ungewöhnliche Titel des neuen Romans der österreichischen Schriftstellerin Eva Menasse. Eine Frau kehrt zu ihrem Wochenendhaus zurück. Es stellt sich die Frage: renovieren oder verkaufen. Die Erzählerin steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Eine Trennung beschäftigt sie sehr. Es sind Entscheidungen für einen Neuanfang zu treffen. Sie erinnert sich an die alten Zeiten, z.B. an die Zeit mit ihren Kindern und Freunden, dann auch an ihre eigene Kindheit.
Es dauert nicht lange, bis man in den Sog des Erzählflusses hinein gesogen wird. Das Ganze ist sehr intensiv! Es wird ein Buch der Erinnerungen und des Bilanz-ziehens.
Eva Menasse verfügt über eine Sprache, die es ihr ermöglicht, den Text so klar und dicht zu gestalten.
„Doch wenn die Lust am Aufbauen unauflöslich mit der Lust an der nachfolgenden Zerstörung verbunden ist, müsste man dem anderen doch zumindest anbieten, auch dabei mitzumachen.“ (S. 133)
Die Protagonistin der „Alleinruhelage“ verabschiedet sich von ihrem Haus. Nach vielen Jahren und vielen Hin- und Her Entscheidungen diesmal endgültig. Während der Verabschiedung geht sie sämtliche Momente durch, die sie im und rund um das Haus erlebt hat. Seien es Familienmomente, Ereignisse bei Renovierungen und Verkaufsgespräche mit dem Makler.
Ich habe mich direkt ins wunderschöne Cover verliebt und fand auch den Klappentext sehr ansprechend. Der Schreibstili ist sehr angenehm zu lesen, es liegt einiges an Witz in ihm. Das hat mir gut gefallen.
Eine wirkliche Rahmenhandlung gibt es nicht. Die Rückblicke bzw. Zeitsprünge ohne erkennbare Kennzeichnung haben es mir schwer gemacht, der Erzählung aufmerksam zu folgen. Ich war öfters auf der Suche nach dem roten Faden und habe oft quergelesen. Die Charaktere waren mir zum Teil zu klischeeüberladen, trotzdem fand ich sie auch witzig und unterhaltsam.
Ich hatte erwartet, dass es mehr um das Haus geht. Aber es bleibt, obwohl es hier und da direkt angesprochen wird, eher eine schemenhafte Randfigur, was ich schade fand.
Das Buch und ich waren nicht das perfekte Match. Einige Szenen haben mir aber sehr gut gefallen, und ich schätze den Schreibstil der Autorin. Ich werde vielleicht nochmal ein anderes Buch von ihr in die Hand nehmen.
3/5 ⭐️
--- Rezensionsexemplar I Vielen Dank @vorablesen @kiwi_verlag 💖
Eva Menasses namenlose Icherzählerin lebte in einer Patchworkfamilie mit ‚deinem, meinem und unserem‘ Kind, als sie mit ihrem Mann im fiktiven Vogelsang ein Haus mit Seegrundstück kaufte. Es liegt so weit östlich, dass dort Deutsche in Polen einkaufen und Polen im Westen Wohnungen mieten. Inzwischen sind 20 Jahre vergangen, die Kinder sind erwachsen, die Ehe gescheitert und die Erzählerin schmachtet aus der Ferne einen „Habibi“ an. Kurz: das Haus soll verkauft werden und auf Kaufinteressenten einen gepflegten Eindruck machen. Ich war mir sicher, dass sie ihr Haus jeden Tag vermissen würde.
Die Vorgeschichte des Hauses wirkt nur aus westlicher Perspektive speziell. Es war zu DDR-Zeiten die Kneipe eines Campingplatzes, der zwangsläufig genehmigt werden musste, weil die Leute dort einfach zelteten, angelten und schwammen. Als die Familie einzog, war noch immer ungeklärt, ob sie umbauen dürfen oder ob Gemeinschaftsduschen zum Bestandsschutz zählen. Anekdoten vom Umbau, über Nachbarn, die noch Datschen mit Seeblick aus DDR-Zeiten besaßen, und besonders über Alla und Bolek, die alle Handwerke beherrschen und für jedes Problem einen Fachmann kennen, wecken unweigerlich Erinnerungen an Badestege meiner Jugend. Als die Österreicherin, die hier „die Münchnerin“ geschimpft wird, den Verkauf beschließt, hatte Bolek protestiert: „So ein Haus kaufst du nur einmal im Leben“! Dieser Habibi jedoch hatte offenbar nicht signalisiert, dass er mit dem Beseitigen von Schilf, Algen und undichten Dachpfannen behelligt werden wollte.
Als Österreicherin und Zugezogene aus dem Westen ist die Erzählerin in der ostdeutschen Provinz doppelt leicht zu kränken, seziert jedoch aus dieser Perspektive voller Ironie Befindlichkeiten der Nachwendezeit. Ihre Erinnerungen spannen sich vom Exil- und Fluchttrauma ihrer jüdischen Familie bis zur „roten Socke“, ihren Nachbarn Paul, der zu DDR-Zeiten seine Aufgabe darin sah, als Schlichter Protest möglichst zu ersticken, bevor jemand auch nur daran denken konnte. Und spätestens hier verdeutlicht Eva Menasse, warum es bis heute an Blühenden Landschaften mangeln muss, wenn man keinen Handwerker für Pumpen, Abwassertanks u. a. Zumutungen finden würde ohne eine Alla, die stets jemanden kennt, der jemanden kennt.
Fazit Die Geschichte eines fiktiven Sommerhauses besteht aus Rückblick, Ansprache an das Haus selbst und an einen fernen Liebhaber. In ironisch-spitzfindigen Anekdoten zerlegt Eva Menasse das Ost-West-Verhältnis nach der Wende und macht sich den bevorstehenden Abschied von ihren mittleren Lebensjahren bewusst. Die Szenen rund um Haus und See waren für mich ein Highlight, weil ich vom Schrebergarten meiner Kindheit schwer loslassen kann. Auf den neuen Mann im Roman und das personifizierte Haus hätte ich gern verzichtet.