Ein großes neues Erzähltalent, das entdeckt werden will: Louise K. Böhms Debüt verhandelt Freundschaft und Herkunft, wie man es noch nicht gelesen hat.
Wenn Jojo ihre Herkunft einfach ausradieren könnte, würde sie es tun. Zwar hat sie das Vorstadtgrau weit hinter sich gelassen, doch an der Uni hat sie trotzdem ständig Angst, jemand könnte herausfinden, dass sie nicht hierhergehört. Einzig die Arbeit im Labor gibt ihr Halt. Als Jakob in ihr Leben tritt, findet Jojo zu einer neuen Leichtigkeit. Doch dann erhält sie ein Lebenszeichen ihrer ehemals besten Freundin, und plötzlich ist alles wieder da: die Jahre mit Yara, mit der sie mehr Zeit verbrachte als mit ihren eigenen Eltern. Die auf jeden Spruch eine Erwiderung parat hatte. Und die von einem Tag auf den anderen verschwand, obwohl sie doch gemeinsam ausbrechen wollten aus der Vorstadt. Voller Klugheit und doch federleicht erzählt Louise K. Böhm die Geschichte einer tiefen Freundschaft. Ein elektrisierender Roman über Herkunft und Zugehörigkeit – mit zwei Heldinnen, die man nicht wieder vergisst.
Wowi, das hab ich jetzt mal an einen Tag so weggesuchtet 🥺 was heißen muss: ich liebe es! Der Schreibstil ist so so toll, methaphorisch aber nicht auf so eine poetische Art und Weise, wenn das Sinn macht, sondern irgendwie auch einfach frech und wild. Genauso wie ich es liebe und es mir einfach Spaß macht. Ich liebe die Repräsentation, habe mich sehr oft gesehen und gehört gefühlt, hatte Spaß und wollte die ganze Zeit wissen: WAS ist passiert mit euch. Es hat sich so echt angefühlt, so wenig glatt gebügelt. Einfach toll.
(Ehrlicherweise muss ich aber sagen auf die letzten paar Zeilen hätte ich verzichten können 🫠) (PS: hab das Buch kostenlos vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen, muss hier aber gar nix beschönigen)
Verstehe den Hype nicht so ganz. Der Schreibstil is wunderbar, total poetisch & ganz originell, das mag ich sehr an dem Buch.
Ich fand auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Herkunft / Identität sehr spannend, auch wenns oft schwer war.
Aber ich verstehe den Plot einfach nicht. Wie sich die Geschichte um Yara so aufgebauscht hat & im Endeffekt kaum etwas passiert ist? Und wie sich am Ende auf einmal alle Probleme so einfach gelöst haben? Das war mir zu simpel. Konnte oft die Charaktere und ihre Handlungen nicht nachvollziehen. Das Buch wurde mir auch als Geschichte mit "großen Plottwist" verkauft, den habe ich auch nicht erkannt.
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Hui ich glaube, dieses Buch zu bewerten, wird richtig schwierig für mich. Es folgt ein chaotischer Versuch, meine Gedanken dazu zu sammeln.
Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass ich es aufgeschlagen und dann eigentlich in einem Rutsch durchgelesen habe, in jeder freien Minute, die ich an meinem letzten Tag vor dem Urlaub hatte, weil es mich so gepackt hat und ich unbedingt fertig werden und wissen wollte, wie es endet. Das ist ein großer Pluspunkt natürlich. Ich mochte Jojo als Protagonistin auch, glaube ich, nicht weil sie mir unbedingt sympathisch war, sondern weil sie sich echt angefühlt hat, vielleicht sogar gerade darin, dass ich viele ihrer Handlungen und Empfindungen nicht nachvollziehen konnte? Dazu schneidet das Buch super viele wichtige Themen an: Klasse, Armut (Kurze Side-Note: ich finde es ultra random, dass hier Reviews sagen, dieses Buch hätte große Ähnlichkeit mit 22 Bahnen? Bis auf die Tatsache, dass das Aufwachsen in Armut und die daraus resultierende kontinuierliche finanzielle Unsicherheit in beiden Büchern eine zentrale Rolle spielt (und bei 22 Bahnen meines Wissens nicht mal besonders gut dargestellt wird?) sehe ich tbh gar keine Parallelen und checke den Vergleich nicht wirklich), toxische Freundinnenschaften und verschwimmenden Grenzen, und die Schwierigkeit seine Themen und Bedürfnisse in Worte zu fassen, wenn die Vorbilder dazu fehlen.
Das klingt alles super, aber leider kommt für mich doch auch ein aber. Denn ich gehe auch irgendwie frustriert aus diesem Buch und leider nicht so ganz auf die gute Art, wie ich es manchmal liebe bei Büchern. Zuerst einmal hat sich für mich am Ende irgendwie alles zu schnell gelöst. Auch wenn es natürlich schön war, zu sehen, dass Jojo so ein rücksichtsvolles Umfeld hat, hat es für mich im ganzen Kontext wenig Sinn ergeben und war zu easy irgendwie, nachdem im Vorfeld alles extrem dramatisch und distanziert wirkte.
Ich fand die Beziehung zwischen Melle und Jojo toll, aber trotzdem habe ich das Gefühl Melle am Ende immer noch nicht richtig zu kennen und das ging mir bei den anderen Nebencharakteren leider ähnlich. Denn was sollte das alles mit Alexis? Das Buch spielt m.E. sehr stark damit, dass zwischen Jojo und ihr romantische Vibes sein könnten, nur um das Ganze dann einfach komplett fallen zu lassen und irgendwie in eine Eifersüchtelei um einen Typen umzudeuten?
Und damit wären wir bei Jakob, der für mich leider gar nicht zugänglich war. Es mag daran liegen, dass sich mir der Anreiz eines Mannes grundsätzlich kaum erschließt, aber irgendwie wurde mir bis zum Schluss nicht wirklich klar, was Jojo und ihn außer Limerenz und sexueller Anziehung verbunden hat (er weiß einen Großteil der Zeit überhaupt nichts über sie, von ihr erfährt man hauptsächlich, wie horny sie auf ihn ist und, dass sie sich auf eine für mich abstrakte und unzugängliche Art zu ihm hingezogen fühlt). All das wäre kein Problem für mich gewesen, wenn das Buch nicht am Ende plötzlich auf Krampf noch eine Lovestory der beiden forciert hätte, die für mich auf sehr wackeligen Beinen stand. Hab’s leider null gefühlt und unnötig gefunden (maybe I‘m too ace and gay for this, kein Plan).
Yara, Yara, Yara. So spannend und so undurchsichtig und ich mochte es gerne, aber bleibe am Ende mit vielen Fragen, die vielleicht auch ok sind, aber ich checke nicht, was so schlimm sein sollte an der Sache mit ihrem Bre, ich bin ehrlich. Ich finds irgendwie krass, wie viel Raum das am Ende hatte und dafür andere und meiner Meinung nach wichtigere Themen, wie der sexuelle Übergriff durch ihn, Jojos Zwangsstörung und ihre Queerness überhaupt nicht vertieft wurden?
Gerade letztere, warum war das nicht mehr Thema?? Ich bin wirklich null der Ansicht, dass alles bis ins kleinste Detail erklärt werden sollte in Büchern, aber dafür, wie zentral die queeren Tendenzen und ja auch queeren Erfahrungen in der Beziehung der beiden Freundinnen sowie die explizite Lesbenfeindlichkeit, mit der sie deswegen konfrontiert wurden, für das dramatische Ende ihrer Freundinnenschaft waren, fehlte mir hier einfach eine vertieftere Auseinandersetzung damit. Von mir aus hätte dafür gerne der ganze Jakob Plot gestrichen werden und zum Beispiel anhand Jojos Beziehungen zu Melle und Alexis das Thema Freund*innenschaft und Queerness und die Verschränkungen davon thematisiert werden können (could again be a personal preference tho). Vielleicht wollte das Buch hier auch einfach bisschen zu viel und konnte dann nicht allem gerecht werden oder ich interpretiere zu viel in alles rein, keine Ahnung.
Ich könnte noch lange weiterschreiben, weil hier offensichtlich viele Gedanken herumspringen gerade, was ja auch gut ist, aber vielleicht mache ich an dieser Stelle erstmal einen Punkt und sage nur noch kurz zum Schreibstil, dass ich ihn generell sehr mochte, aber teilweise auch etwas gewollt fand und bisschen zu metaphernlastig für eine Ich-Erzählerinnen-Perspektive (weil let‘s be real, wer denkt wirklich so?).
Wie nun bewerten, ich habe keine Ahnung. Von der Suspense und den Themen und den Gedanken, die es ausgelöst hat, schwanke ich zwischen vier und fünf Sternen, aber das unbefriedigte Gefühl und die Kritikpunkte, die ich erläutert habe, hinterlassen eher ein Gefühl von 3 bis 4 mit Tendenz zur 3, obwohl ich das Buch auf jeden Fall empfehlen und gerne drüber diskutieren würde. Vielleicht einfach nicht ganz mein Buch, aber trotzdem sehr lesenswert, also sage ich 3,5 und gebe glaube ich drei Sterne, weil es ehrlicher meinen Empfindungen entspricht, auch wenn ich sehr checke, warum es für viele Menschen absolut ein five-Star-Read sein wird!
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tl;dr Wer ein aktuelles Buch mit den Themen (weibliche) Freund:innenschaft, deren Verlust, die Aufarbeitung dessen sowie Klassismusthemen lesen will, der ist mit Orca von Franziska Gänsler deutlich besser bedient.
Rant-Review (!!!) Das Buch ließ sich sehr schnell lesen und hatte irgendwie eine weirde Art von Spannung, die mich doch sehr hat dran bleiben lassen; ich war auf jeden Fall schnell durch. Der Schreibstil hat mir grundsätzlich auch irgendwie ganz gut gefallen und die popkulturellen Referenzen haben mich mehrfach mental auflachen lassen. Außerdem wurden sowohl der Alkoholkonsum als auch einige der unsympathsichen Anwandlungen der Hauptfigur von den Nebenfiguren outgecalled. Und ich finde das Cover hübsch.
Das wars dann aber auch leider schon wieder mit den positiven Sachen, alles andere hat mich wirklich maßlos genervt aufseufzen lassen.
Sprache Die Popkulturellen Referenzen waren ganz witzig, ja, aber es ist schon beim lesen ziemlich klar, dass die überwiegend schlecht altern werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in zehn Jahren eine junge Erwachsene dieses Buch in die Hand nimmt und damit was wird anfangen können (andererseits wird bei dem schnelllebigen Buchmarkt in zehn Jahren vermutlich sowieso niemand mehr dieses Buch in die Hand nehmen, also ists wohl auch irgendwie egal). Keine Ahnung, so eine nischige Sprache nervt mich mittlerweile einfach. Außerdem gab es sehr, and by that I mean SEHR SEHR SEHR viele Sätze a la "Und wie schön sie war", "Und wie es weh tat", "Und wie sehr ein Lächeln heilen kann", "Und wie sehr Hämorroiden dir den Klogang vermiesen können", "Und wie blablabla". Und wie ich da hätte schreien können irgendwann. Und wie mir das spätestens nach dem dritten Mal auf den Sack ging. Und wie ich das nie wieder lesen will. Und wie ich mich jetzt genug beschwert habe und zum nächsten Punkt kommen werde.
Handlung Ja meine Güte, Coming-Of-Age Studi-Bubble Geschichte mit Coming-Of-Age Studi-Bubble Themen und Coming-Of-Age Studi-Bubble Plotpoints. Party, bisschen komplizierte Beziehungen, mittelmäßig gute Kommunikation, Vorlesungen, WG-Blabla, okay gut, auch bisschen BAföG-Struggle, und wie ich da vermutlich einfach nicht mehr die Zielgruppe für bin. Insgesamt passiert relativ wenig und auch relativ wenig interessantes, was ehrlich gesagt verwirrt, da die Themen an sich eigentlich das Potenzial hätten, interessant zu sein. Studieren als Erstakademikerin, Aufwachsen in Armut, weibliche Freund:innenschaft, der Verlust von Freund:innenschaft, queere Selbstfindung + Umgang mit Queerfeindlichkeit, Umgang mit Zwangsstörungen, andere Menschen an sich ran lassen, alles spannende Themen, in der Umsetzung hier aber irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Zwangsstörung wirkte beispielswiese ziemlich random, auch wenn es wohl irgendwie eine Metapher für das Unvermögen von Jojo, Kontrolle abzugeben sein sollte. Hätte man diesen Aspekt rausgelassen, ngl die Story und auch der Charakter Jojo wären 1:1 gleich geblieben, nur weniger nervig. Gleiches gilt für den Armutsaspekt, das wurde so wenig explored, die Story hätte auch so funktioniert. Und wie schade das ist, und wie sehr das eine Verschwendung von Potenzial ist. Oder auch diese komische DVD, sorry aber das war einfach nur ein billiges, absolut austauschbares plot device. Da hätte sie genauso gut ein gemeinsames Fotoalbum von früher oder ein Freundebuch oder gemeinsames Tagebuch oder whatever kriegen können, hätte auch funktioniert, wäre aber 10 Mal authentischer, persönlicher und glaubwürdiger gewesen. Aber ne, muss natürlich ne DVD sein, weil wäre ja nicht besonders genug, wenn sie nicht erstmal auf die Suche nach einem adäquaten Abspielgerät für diese Steinzeittechnologie gehen müsste.
Weiterhin hat die Handlung irgendwie null gezeigt, warum Yara ach so toll und ach so wichtig war. Klar, wurde immer gesagt, aber anhand der Rückblenden hat sie ehrlich gesagt wie eine durchschnittlich enge Freundin und Jojo wie eine absolute Dramaqueen gewirkt, ganz zu schweigen von dem seltsamen Grund, weshalb diese Freundschaft dann geendet hat. Dadurch wirkt auch dieses dreijährige Nachtrauern eher übermäßig dramatisch als glaubwürdig und nachvollziehbar. Statt das mal ordentlich aufzubauen - siehe bspw. Orca von Franziska Gänsler - drehte sich das halbe Buch auf einmal um die nich weniger seltsame Vielleicht-Beziehung zu einem Mann. Der sich natürlich total für Jojo aufopfert, ihr Ewigkeiten hinterherrennt und sich gedanklich nur um sie dreht, ist ja egal, dass sie total weird und unzugänglich drauf ist. Seltsam. Hätte es stimmiger gefunden, wenn die Freundinnenschaften zu Melle und Alexis da der Spiegel von Jojos allmählicher Öffnung und Aufarbeitung gewesen wären, aber hey, lasst doch lieber einen seelen- und charakterlosen Mann als Retter inszenieren!
Am Ende löst sich dann alles irgendwie auf, nachdem die BAföG-Nachzahlung kommt (an der Stelle: warum hat sie eig keinen Minijob oder denkt nicht zumindest drüber nach, sich einen zu suchen? Kenne literarisch keine BAföG-Studis und auch generell kaum Studis, die sich nicht in irgendeiner Form was dazuverdienen, und es wird ja wohl nach drei Jahren Studium auch kaum das erste Mal gewesen sein, dass das BAföG zu spät kam), womit wir wieder beim Thema Armut wären, aber halt auch nur so halb explored. Ich wünschte, die Autorin hätte sich einfach auf ein, zwei Themen festgelegt und die dann richtig behandelt.
Die Charaktere Ähnlich wie bei Weißer Sommer von Eva Pramschüfer existierten die Nebencharaktere irgendwie nur, um die Geschichte der Hauptfigur erzählen zu können, nicht aber als eigenständige Charaktere. Melle und Alexis hätten vertauscht werden können, es wäre nicht aufgefallen. Generell drehen sich alle nur um Jojo, als hätten sie kein eigenes Leben. Jojo dreht sich natürlich auch nur um Jojo, aber auf so eine unsichere und selbstmitleidige Art, dass ich echt die Wände hätte hochgehen können. Die kriegt von mir echt den Unsympathischste-Hauptfigur-des-Jahres-Award, das war echt so ätzend. Die Leute um sie herum haben literarisch Elternteile verloren oder Geschwister kämpfen gerade gegen Krebs, aber klar, alles kreiselt um Jojo. Wer Freude daran hat, 290 Seiten mit einer insecuren, selbstzentrierten, überdramatischen Hauptfigur zu verbringen, mein Gott, tuts euch an aber für mich war das nichts.
Fazit Lest einfach Orca von Franziska Gänsler. Abgesehen davon habe ich Hoffnungen für das nächste Buch dieser Autorin, in dem sie sich hoffentlich auf weniger Themen stärker konzentriert. Das Potenzial sehe ich definitiv, aber das hier... naja
Finde es schön geschrieben und eine nahbare Geschichte. Mir ging es nur viel zu lange um einen mittelmäßigen dude, wo ich gerne mehr über die Freund*innenschaften zu den anderen Charakteren erfahren hätte. Und das sehr versöhnliche Ende hat sich teilweise so angefühlt, als müsste man die Geschichte jetzt zu Ende bringen.
Mich hat „Kaskaden“ leider nicht so umgehauen. Es ist ein gut geschriebenes Buch und es geht um viel mehr als um Freundschaft: es geht um die Liebe zu sich selbst, um das Vertrauen in sich und in andere, um Loslassen, um Vergangenheitsarbeit und um die bittere Realität, in Armut aufgewachsen zu sein und für sein Studium zu kämpfen. An vielen Stellen wollte ich der Protagonistin Jojo mehr Mut und mehr Selbstbewusstsein wünschen, da sie sich selbst so viele Probleme einfach erspart hätte. Für mich hat sie sich zu viel um sich selbst gedreht und das konnte ich beim Lesen kaum „mit anschauen“. An einigen Stellen ist die Geschichte für mich etwas zu konstruiert und auch das Ende ist wenig überraschend oder bewegend.
Mochte den Schreibstil super gern - auch von dem welche Worte und Metaphern benutzt wurden, wurde irgendwie alles so echt und authentisch rübergebracht. Man merkt, dass die Autorin auch Gen Z ist und ich liebs. Stern abzug, weil das Ende bissi zu schnell kommt und nicht so in die Tiefe geht hab ich leider das Gefühl.
All in all hab ich’s aber einfach sehr gern gelesen :)
Der Vergleich mit „22 Bahnen“ liegt auf der Hand, aber im Gegensatz zu Tilda, die sich durch Resilienz und Mitgefühl von anderen Romanfiguren abhebt, haben wir es in „Kaskaden“ mit der sehr selbstbezogenen und extrem labilen Jojo zu tun. Warum so viele Figuren ihre Nähe suchen, bleibt für mich ein unlösbares Rätsel. Auch als Leserin wollte ich ständig auf Distanz zu ihr gehen und lieber mit Melle abhängen. Trotzdem vier Sterne für den tollen Aufbau und den ganz speziellen Stil, der einfach gar nicht gekünstelt wirkt, sondern wirklich der authentischen Sprache einer Gen-Z-Autorin entspricht.
“ich denke oft an die leben, die ich nie leben werde. ich mag es, mir vorzustellen, dass andere versionen von mir existieren.”
mit kaskaden hatte ich insgesamt wirklich eine gute lesezeit, auch wenn ich glaube, dass meine erwartungen nach dem ganzen hype rund um das buch einfach etwas zu hoch waren.
besonders der schreibstil und die charakterentwicklungen haben mir gut gefallen. trotzdem hat mir persönlich an einigen stellen die nötige tiefe gefehlt, um mich emotional noch stärker auf die geschichte einzulassen. dadurch blieb bei mir leider ein bisschen das gefühl zurück, dass aus manchen aspekten noch mehr hätte herausgeholt werden können.
auch beim pacing war ich stellenweise etwas zwiegespalten. einige konflikte wurden für meinen geschmack sehr schnell abgehandelt, während andere plot points deutlich mehr raum eingenommen haben, ohne für mich wirklich zufriedenstellend aufgelöst zu werden. dadurch wirkte die gewichtung der einzelnen ereignisse nicht immer ganz stimmig.
Wahnsinnig eindringlich und nahbar erzählt die Autorin die Geschichte von Joy, genannt Jojo. Die Ich-Erzählerin studiert Molekularbiologie in einer kleinen - namenlosen - deutschen Stadt und schafft sich durch strenge Routinen und einem ausgeprägten Putz- und Hygienezwang eine Struktur, die ihr ein Gefühl der Kontrolle gibt. In ihrem inneren herrscht aber Chaos. Erst kürzlich von einer Beerdigung in der Vorstadt, wo sie aufgewachsen ist, zurückgekommen, kreisen ihre Gedanken primär um die DVD, die ihr die Mutter ihrer besten Freundin Yara nach der Beerdigung überreicht hat. Diese beste Freundin, mit der sie eine so intensive Beziehung hatte, dass sie an eine romantische Liebe herankam, hat den Kontakt zu Jojo abgebrochen und diese weiß nicht warum. Wie eine offene Wunde trägt Jojo den Verlust von Yaras Freundschaft mit sich herum. Als Jojo sich dann in den Tutor Jakob verliebt, der die dicke Mauer hinter der sich Jojo verschanzt aufzubrechen versucht, kehren bei ihr plötzlich lange verdränge Erinnerungen zurück.
Böhm hat ein außergewöhnliches Gespür für Figuren und deren Psychologie und verhandelt, ganz im nebenbei und ohne erhobenen Zeigefinger, klassistische und feministische Themen. Ich mochte auch sehr, wie freundschaftliche Beziehungen verhandelt wurden und wieviel Bedeutung ihnen, im Guten, wie auch im Schlechten zuerkannt wird. Jojo ist auch so toll vielschichtig, lässt sich nicht auf Stereotypen hinunterbrechen und hat trotz ihrer Schattenseiten, die wir ja alle in uns haben, genug Liebenswertigkeit, dass man als Leser:in gern an ihrer Seite ist. Ich hab Kaskaden in einem Satz verschlungen, große Empfehlung.
das letzte drittel hat mich eingesogen, so rasant bin ich durch die seiten gestolpert. so macht lesen richtig spaß, vor allem wenn die sprache so wunderschön ist!! die art, wie lou über klassismus und herkunft schreibt, hat mich sehr berührt.
für meinen geschmack war das buch stellenweise etwas zuuu kitschig (manchmal dachte ich mir echt: wooow so redet doch kein mensch) und zu romantische-beziehungen-fokussiert, insbesondere weil ich dachte, das würde anders sein. zwischen drei und vier sternen schwankend, muss ich wegen der vielen tollen lorde references unbedingt vier geben :—)
what a debut novel! read it in two sessions which says a lot - covers the topics of identity between classes, the chaos that is life in your early twenties and the grief of losing friendships, while also managing to bring in ocd representation. wasn’t the biggest fan of the main character but I also think that was never the goal :)
Das Buch wurde zum Ende hin zwar besser, aber ich war ehrlicherweise entsetzt darüber, wie viele unangenehm klischeehafte Beschreibungen es enthielt. Ein Drittel davon waren tumblrzitate, die in Dialoge gequetscht wurden und die man wirklich schon von 2016 tumblr Posts kannte ( z. B. Sätze, wie „wovor läufst du weg?“ oder „manchmal stelle ich mir vor, wie mein Leben wäre, wäre ich jemand anderes“). Ein anderes Drittel aktuelle Popkultur Bezüge, bei denen man weiß, dass sie schlecht altern werden (ich sag nur Bausa Songs auf der Studentenparty oder Lorde Zitate) und zuletzt Bilder, die ich schon auf jeder Instagram meme Page besser gesehen habe (so langsam ist der joke über boys mit lackierten Fingernägeln wirklich ausgelutscht). Besonders für einen self acclaimed deeper Roman waren das wirklich viele kleine sprachliche Autounfälle, an denen man vorbei fahren musste, um den guten Aspekten des Plots folgen zu können..
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Das Thema des Romans, die Storyline, die Figuren und ihre Beziehungen zueinander waren eigentlich ganz vielversprechend. Ich hatte mich darauf gefreut, das Buch zu lesen, aber mir waren viele Beschreibungen zu repetitiv, verschnörkelt und dadurch zu verwirrend geschrieben und die Dialoge oft sehr cringe.
Manche Gedanken der Protagonistin waren ganz schön beschrieben und die Struggles gut und ungeschönt geschildert, so, wie man es nicht immer liest. Es wurde auch eine Spannung aufgebaut, dadurch, dass man als Leser nicht wirklich weiß, was zwischen den beiden Freundinnen vorgefallen ist. Vor allem der letzte Grund, warum die beiden keinen Kontakt mehr hatten, war ein großer Plottwist für mich. (Hier fand ich aber nicht toll, wie schnell es wieder als kein großes Ding dargestellt wurde, was Jojo getan hat...)
Das Ding ist nur, dass man ca. 200 Seiten immer das gleiche liest: die Protagonistin macht sich Gedanken darüber, was wohl auf der DVD sein könnte, lässt sie aber auf ihrem Tisch liegen. Und dann sind da dauernd diese vielen Rückblicke, die einem nicht immer inhaltlich mehr Infos geben zu ihrer Vergangenheit, sondern nur für die Aestehtics da sind. Sowas wie "Wir in der H&M Umkleide. Yara und ihre dunklen Haare. Das Dino-Duchgel." Die Sätze wirken dabei auch immer so unfertig. Oft war es auch so: erst kommt Dialog, dann eine normale Beschreibung und dann so eine verschnörkelte Beschreibung, die bestimmt schön und deep klingen soll, aber einfach nur vom Inhalt ablenkt. Das war so oft, dass ich eine Stelle fast überlesen habe und nochmal lesen musste, weil ich dachte in dem Absatz würde eh nur diese nicht greifbaren Beschreibungen kommen.
Zudem hatte ich das Gefühl, die Autorin vertraut uns Lesern nicht immer, zu checken, was in ihrer Protagonistin vorgeht. Oft waren die Gedanken von Jojo over explained, vor allem bei Jojos big realisation am Ende. Diese wurde dann auch über die Dialoge ausgeführt und ausdiskutiert, dabei redet niemand so... das meine ich auch damit, dass ich die Dialoge cringe fand. Niemand im echten Leben spricht so reflektiert aus, was derjenige denkt. Und niemand fragt jemand anderen auch: "Wovor läufst du weg?" Ich find's einfach schade, wenn ich einen Roman lese und dann beim Dialog nur mit den Augen rollen kann.
ich schwankte zwischen 3 und 4 sternen. emotional hat mich das buch auf jeden fall abgeholt; leider habe ich mir vorher ein paar wenige rezensionen durchgelesen, die einen vergleich zu 22 bahnen hergestellt haben - dadurch war ich etwas biased, aber kann den vergleich definitiv verstehen 😭
was mir aber immer wieder negativ aufgestoßen ist, ist der umgang bzw. das auftauchen ihrer zwangshandlungen und -gedanken. ich hab mich oft gefragt: hat die geschichte das echt gebraucht? ich checke, dass es in der geschichte viel um kontrolle und loslassen geht, aber hätte man das nicht irgendwie weniger … pathologisch machen können? ich weiß nicht, inwiefern ein buch eine psychische krankheit wahrheitsgetreu abbilden muss / kann / soll, aber leider fand ich den umgang damit nicht so gut gelungen. am ende löst sich irgendwie alles negative in luft auf und ihre vermeintliche zwangsstörung tanzt sie einfach bei nem rave weg. das macht das störungsbild in dem buch irgendwie unglaubwürdig.
was mir auch immer mal wieder auffiel: das buch wollte unglaublich viel. die realität von nicht-akademiker-kindern im studium aufzeigen, über feministische struggles aufklären, über armut sprechen, gleichzeitig aber auch irgendwie einen mix aus smut und coming of age herstellen. ich hab das gefühl, weniger wäre mehr gewesen?
alles in allem ein gutes buch, aber das sind so sachen, die mir immer wieder auffielen 😌
Dieses Buch und ich, wir wurden einfach keine Freunde. Egal ob die Charaktere, die Geschichte oder der Schreibstil, einfach nichts davon konnte mich wirklich abholen.
Um ganz ehrlich zu sein habe ich Jojo als Charakter wirklich nicht leiden können und die Grundgeschichte an sich finde ich total nichtssagend und langweilig.
Dieses Buch war bisher mein größte Flop in diesem Jahr und ich kann jedem nur abraten dieses Buch zu lesen
Manchmal wirkte die Geschichte ein bisschen wirr, bis ich festgestellt habe, dass es einen roten Faden gibt und dass dieses wirre Gefühl beim Lesen einfach Jojos ungefilterten Gedanken sind. Der Schreibstil hat Echtheit als große Stärke. Die Geschichte entwickelt sich langsam und das Buch lebt nicht von krassen Plots (was mit aber sehr gut gefallen hat und ich denke das wird auch Jojos Geschichte treu). Ich hab gerne Schnipsel aus der Vergangenheit erfahren und Jojo auf ihrem Weg begleitet. Zudem finde ich, dass neben des Schreibstils auch die Protagonist*innen sehr echt und unlerfekt dargestellt werden.
Wowowow… Am Anfang dachte ich mir „Boa, wie klischeehaft und möchtegern tiefsinnig, aber eigentlich doch oberflächlich“ - Aber let me tell you I was WRONG. Nicht nur, weil ich mich beim weiter und weiterlesen immer wieder irgendwie in einem der Charaktere wiedergefunden habe (), sondern weil es so vielschichtig wurde. So verworren, aber auch spannend, und vor allem irgendwie echt, gar nicht mehr so wannabe wie ich es am Anfang dachte. Und SO schön geschrieben, teils so romantisch aber gleichzeitig pointiert??? Wenn das geht??? Über Freundschaft und girlhood und Ungerechtigkeit und dem vor sich selbst und anderen wegrennen. Dare I say - einer meiner neuen liebsten coming of age Romane? Dicke Empfehlung Girls
4.5 ⭐️ Fand ich ein richtig starkes Debüt, so ehrlich und authentisch! Paar Sachen fand ich nicht ganz so gut, aber freu mich schon auf weiteres von Louise ✨
Das hätte mir mit 17 oder 18 wahrscheinlich deutlich besser gefallen als jetzt. Der Schreibstil ist in etwa so, wie ich mir als Jugendliche wahre Poesie vorgestellt habe - für mein heutiges Ich an vielen Stellen viel zu gewollt und aufgeblasen. Hat sich teilweise echt angefühlt wie ein buchgewordenes TikTok. Zwischendurch gibt’s immer mal wieder Takes, die ich wirklich nicht mehr lesen kann, oder überrascht es noch irgendwen, dass nicht jeder Mann mit Nagellack total progressiv drauf ist? Was soll das außerdem, dass permanent andere Frauen abgewertet werden, bloß weil sie (vermeintlich!) nicht arm aufgewachsen sind? Das geht mir wirklich auf die Nerven, nicht nur bei diesem Buch. Die Hauptfigur war mir sehr unsympathisch. Sie dreht sich, abgesehen von sich selbst, nur um eine mysteriöse Freundin, die seit Ewigkeiten nicht mehr in ihrem Leben ist, statt sich auf die Leute in ihrem Umfeld zu konzentrieren, die immer und immer und immer wieder für sie da sind (für mich wenig nachvollziehbar, warum sie so lange an ihr festhalten, sie hatte für mich wirklich wenig Liebenswertes an sich).
Zwischendurch gab es mal ganz nette Gedanken, bei denen ich mitfühlen konnte. Ich hätte außerdem gerne mehr von Melle und Alexis gelesen. In Anbetracht des Alters der Autorin bin ich optimistisch, dass die nächsten Bücher vielleicht mehr meinem Geschmack entsprechen könnten. „Kaskaden“ würde ich eher Jugendlichen empfehlen.
Mag den Schreibstil sehr (musste sogar manchmal laut lachen) und finde die Bio facts irgendwie mega! Liebe außerdem Melle und konnte mich auf ne Art auch sehr mit ihr identifizieren. Für 5 Sterne reicht es leider nicht ganz, weil das Ende meiner Meinung nach sehr „plötzlich“ kommt und sich dann irgendwie etwas zu leicht anfühlt. Trotzdem ganz tolles Buch💞
„Wo lebt das vermissen, und muss vermissen immer schmerzhaft sein, geht es nicht auch schmerzlos.“ „Das was einen wirklich fickt, sind nicht die Erinnerungen oder das vermissen. Es ist das, was wäre, wenn.“ „Das alles. Völlig grundlos. Schon wieder. Wegen des Schief-in-mir-selbst-Fühlens“ „Wie viel leichter man sich plötzlich fühlen kann, wenn man Dinge teilt.“