Ich habe dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite geliebt und konnte es ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe mich so gesehen gefühlt in diesem Roman mit diesen Figuren, die so nah an der Realität dran sind und die großen und kleinen Probleme der 20er Jahre meistern müssen. Jojo ist eine sehr interessante Protagonistin, die es in ihrem bisherigen Leben nicht immer leicht hatte, den Sprung aus der Plattenbausiedlung an die uni geschafft hat und im Buch nicht nur mit ihren Unsicherheiten, sondern auch mit Nähe, Zwängen und ihren Gefühlen zu kämpfen hat. Die Dialoge der Figuren waren so wundervoll ehrlich und ungeschönt. Der Schreibstil der Autorin ist absolut fesselnd und unfassbar leicht zu folgen. Der Aufbau des Settings passt hervorragend zum Schreibstil und den Figuren. Kaskaden ist ein gelungenes Debüt von Louise K. Böhm und ich bin schon sehr gespannt auf weitere Bücher von ihr. Ich empfehle dieses Buch allen, die etwas echtes und emotionales und etwas zum mitfiebern möchten. Eine fantastische Geschichte über die Zwanziger und dem Ausbrechen aus Routinen.
Nach der Schule beginnt das Studium. Partys, erste Freiheiten, große Gefühle, Enttäuschungen. Viele Probleme treten zum ersten Mal ins eigene Leben und müssen bewältigt werden. Mitten in diesem Chaos steht Joy, die von allen nur Jojo genannt wird. Von Freude ist bei ihr nämlich wenig übrig. Bis heute leidet sie unter dem Ausgang ihrer ersten großen Liebe, ihre Sauberkeitszwänge bestimmen ihren Alltag und obwohl sie Mikrobiologie studiert, gelingt es ihr kaum, die Kontrolle über ihre Ängste zu halten. Dazu kommen finanzielle Sorgen.
Die LeserInnen begleiten Jojo intensiv durch diese schwierige Lebensphase. Dabei zeigt sie eine junge Frau, die versucht, ihren Problemen ständig auszuweichen. Normalerweise tue ich mich mit solchen Figuren schwer. Verdrängung ist für mich oft frustrierend zu lesen. Dennoch funktionierte es hier überraschend gut, weil Jojos Gedankenwelt so nachvollziehbar dargestellt wird.
Der Schreibstil erinnerte mich stellenweise an Julia Engelmann. Die Sprache ist bildhaft, poetisch und nah an moderner Lyrik. Gerade zu Beginn war mir das fast etwas zu viel. Die langen, verschachtelten Sätze verlangsamten meinen Lesefluss. Mit der Zeit entwickelte die Erzählweise jedoch einen besonderen Sog. Die sprachlichen Bilder passten perfekt zu dem Gedankenkarussell, das viele Menschen Anfang zwanzig kennen dürften.
Nach und nach erfahren wir mehr über Jojos familiären Hintergrund. Lange bleiben die Ursachen vieler Ängste jedoch im Verborgenen. Erst gegen Ende wird deutlich, wie stark bestimmte Erfahrungen sie geprägt haben. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Vor allem die Hintergründe ihrer Zwänge sowie mögliche Wege im Umgang damit hätten mehr Raum bekommen dürfen.
Gleichzeitig mochte ich, dass der Roman keine einfachen Antworten liefert. Nicht jede Wunde heilt sofort und nicht jedes Problem verschwindet nach einer Erkenntnis. Gerade dadurch wirkt Jojos Entwicklung glaubwürdig.
Insgesamt eine emotionale, sprachgewaltige Geschichte über das Erwachsenwerden, psychische Belastungen und die Schwierigkeit, sich den eigenen Dämonen zu stellen. Die Aufarbeitung zum Ende hin gelingt und rundet den Roman stimmig ab.
Was für ein intensives und berührendes Debüt! Luise K. Böhm hat mit „Kaskaden“ einen emotionalen und tiefgründigen Roman über Freundschaft, Herkunft, Klassenscham und das Erwachsenwerden geschrieben. Im Mittelpunkt steht Jojo, die ihre plötzlich verschwundene beste Freundin Yara schmerzhaft vermisst und sich in einer völlig neuen, wohlhabenden Welt zurechtfinden muss. Die Autorin erzählt Jojos Geschichte mit einer enormen sprachlichen Sensibilität – rau, ehrlich und absolut unverkitscht. Der Schreibstil ist sehr poetisch, aber direkt und kommt völlig ohne ablenkenden Schnickschnack aus. Nach einem etwas komplexeren Einstieg entfaltet die Geschichte schnell einen unglaublichen Sog. Jojos innere Zerrissenheit und ihre mentale Entwicklung sind dabei so nahbar beschrieben, dass man jede Emotion selbst mitspürt. Schöne, nostalgische Details wie die Erwähnung von Pimkie oder den Wilden Hühnern wecken zudem eigene Erinnerungen beim Lesen. Zusammenfassend ist „Kaskaden“ ein kluger, extrem mitreißender Roman, den man problemlos an einem Tag durchsuchtet. Das versöhnliche und berührende Ende hallt noch lange nach. Für mich ist es eines der stärksten Debüts seit Langem und eine absolute Leseempfehlung!
Das Buch "Kaskaden" von Louise K. Böhm hat mich ehrlicherweise am Anfang nicht wirklich abgeholt. Ich musste erst einmal in ihren Schreibstil hineinfinden, genauso wie in die Geschichte von Jojo. Jojo ist ihrem alten Leben entflohen, denkt jedoch immer noch an ihre Jugendfreundschaft mit Yara zurück, mit der sie heute keinen Kontakt mehr hat. Diese Freundschaft überschattet ihr heutiges Leben immer noch, vor allem als sie von Yaras Mutter eine Erinnerung von Yara bekommt. Während des Studiums trifft sie Jakob und versucht mit den Erinnerungen an Yara klar zu kommen. Jojo hat Probleme damit sich in Freundschaften zu öffnen und dies stellt sie vor ganz neue Herausforderungen. Die Geschichte von Jojo zeigt, dass es unglaublich schwer sein kann während des Studiums zu sich selbst zu finden und mit der Vergangenheit, egal ob gute oder schlechte Erinnerungen, abzuschließen und mit ihr ins Reine zu kommen. Sie zeigt, wie wichtig Freundschaften sind und das nicht jede Freundschaft fürs Leben bestimmt ist. Am Ende konnte ich das Buch nicht aus den Händen legen und wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte von Jojo endet.
Vom Schreibstil/Klang her ähnlich wie Caro Wahl, relativ modernes Stakkato. Die Story war gut aber hätte hier und da noch ausgefeilt werden können. Die dvd als Auslöser für Erinnerungen war recht einfach und auch die dadurch ausgelösten twists am Ende hätten nicht sein müssen, bzw es wäre auch ohne gegangen und meiner Meinung nach fast besser gewesen. Stabiles Buch, insgesamt, aber hätte ruhig noch ne Runde Überarbeitung haben können.
Eine traurige, aber hoffnungsvolle Geschichte. Man durchlebt gefühlt selbst als Leser die Entwicklung von Jojo, man spürt jede einzelne Emotion von ihr. Luise K. Böhm hat einen mitreißenden Schreibstil, ohne viel Schnickschnack der einen ablenkt. Das Buch hat echt Suchtpotenzial, ich selbst habe es an einem Tag durchgelesen.