Nicht alle Bücher sind es wert, gelesen zu werden. Aber die wenigsten sind es wert, vergessen zu bleiben. Der neu gegründete Das vergessene Buch - Verlag mit Sitz in Wien hat es sich zum Ziel gesetzt, zu Unrecht vergessene Preziosen der deutschsprachigen Literatur einem neugierigen und aufgeschlossenen Lesepublikum neu zugänglich zu machen. Mit der Neupublikation von "Die Vergiftung", dem lange vergessenen Debütroman der österreichisch-jüdischen Autorin Maria Lazar, wurde nun der Grundstein gelegt für eine auf mehrere Bände angelegte Reihe: Maria Lazar (1895-1948) entstammte einer jüdisch-großbürgerlichen Wiener Familie. Sie absolvierte das berühmte Mädchengymnasium der Eugenia Schwarzwald, in deren Salon Oskar Kokoschka sie 1916 portätierte und in dem sie mit zahlreichen prominenten Figuren der damaligen Wiener Kulturszene zusammentraf, darunter Adolf Loos, Hermann Broch und Egon Friedell. 1920 lieferte sie mit ihrem fulminanten Debütroman „Die Vergiftung“ einen der überzeugendsten weiblichen Beiträge zum literarischen Expressionismus: Eine gnadenlose Abrechnung mit der bürgerlichen Lebenswelt vor 1914. Ein Roman über die zerstörerische Macht der Liebe und den unbändigen Drang einer jungen Frau nach persönlicher Freiheit. Michael Rohrwasser urteilt über die Neuauflage des Romans in der "Wiener Zeitung" vom 21./22. Februar 2015: "Und dann das: Da wird ein Roman von 1920 wiederaufgelegt, in einem Verlag mit dem schönen, aber gefährlichen Namen "das vergessene buch", von einer Autorin, deren Namen so unbekannt wie nur möglich ist. Eine so eigenwillige und eine so starke Sprache hat man lange nicht mehr vernommen, und wie hier erzählt wird, das verrät Souveränität, Gestaltungsvermögen und auch literarisches Selbstbewusstsein - dreizehn Kapitel, die eigentlich kleine Erzählungen sind, die sich im Laufe der Lektüre allmählich zu einem Ganzen zusammenschließen. Man vergisst bei dieser eindringlichen Bilderfolge schnell alle Versuche einer literaturhistorischen Einordnung ("Expressionismus" oder "Impressionismus"), aber wenn man die Nachbarschaften dieses außergewöhnlichen kleinen Romans benennen will, dann sind das große Namen wie Ernst Weiss, Hermann Ungar oder Veza Canetti - kurz: es handelt sich um eine kleine Sensation." Prof. Dr. Johann Sonnleitner von der Universität Wien, ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Österreichischen Literatur zwischen den Weltkriegen, hat ein umfangreiches und literarhistorisch fundiertes Nachwort dazu beigesteuert.
Maria Lazar, 1895 geboren, entstammte einer großbürgerlichen jüdischen Wiener Familie. Sie absolvierte das berühmte Mädchengymnasium der Kugenia Schwarzwald, in deren Salon Oskar Kokoschka sie 1916 porträtierte und in dem sie mit zahlreichen prominenten Figuren der damaligen Wiener Kulturszene zusammentraf. Als engagierte Publizistin schrieb sie seit den frühen Zwanzigerjahren für renommierte Wiener Blätter und Schweizer Zeitungen. Als sie 1930 zum "nordischen" Pseudonym Esther Gronen greift, stellt sich literarischer Ruhm ein; ein Erfolg, der allerdings durch Hitlers Machtergreifung ein Ende findet. Aufgrund des repressiven Klimas verlässt sie schon 1933 mit ihrer Tochter Österreich und geht zuerst, gemeinsam mit der Familie Bert Brechts, ins Exil nach Dänemark. 1939 flüchtet sie nach Schweden und scheidet 1948 nach einer langwierigen, unheilbaren Krankheit freiwillig aus dem Leben.
"Penetranter Weibsgeruch" schrieb Thomas Mann am 17. April 1920 in sein Tagebuch, nachdem er die Lektüre von Maria Lazars Die Vergiftung abgebrochen hatte.
Mich hat der Roman tief beeindruckt. Lazar hat ihn 1915 geschrieben, sie war gerade zwanzig Jahre alt. Angesichts ihrer Jugend und des Entstehungsjahrs kann man über dieses Erstlingswerk nur staunen. Es ist ein autobiografisch gefärbtes Psychogramm der ebenso 20-jährigen Protagonistin Ruth und zugleich eine Entblössung der chauvinistischen Verlogenheit der bürgerlichen Gesellschaft vor dem ersten Weltkrieg. Der Text ist sowohl formal als auch inhaltlich erstaunlich in seiner Radikalität.
Ruths Innen- und Außenwelt entsteht eher bruchstückhaft in ausdrucksstarken und düsteren Episoden als in einer linearen Handlung. Stilistisch seiner Zeit weit voraus wirkt der Roman auch heute noch ungewöhnlich modern und ist aufgrund der verdichteten Sprache und der fragmentarischen Struktur gar nicht so einfach zu lesen.
Sehr interessant fand ich auch den Anhang. Die tragische Biografie der hochbegabten Autorin wirft nebenbei ein bezeichnendes Licht auf die männlich dominierte Geschichte der Literatur. Ich möchte vorallem allen Leserinnen die völlig zu unrecht vergessene und wirklich bemerkenswerte Maria Lazar dringend empfehlen!
Seltsam, sprunghaft, düster, aber doch so packend, dass ich die letzten 100 Seiten an einem Abend durchgelesen habe. Für eine 20-jährige Schriftstellerin jedenfalls bemerkenswert.
Hace unos días pasé por mi librería favorita. Bueno, antes tenía más pero fueron cerrando. No buscaba ningún libro en particular, pero siempre releo la primera página de algunos de ellos y a veces alguno me sorprende. Este es un de ellos.
El libro cuesta leerlo por la densidad de texto. A veces incluso hay que releer para no perderse, y aún una vez acabado tengo la sensación de no haber entendido el último capítulo (lo releeré). Algún día me gustaría contrastar su lectura con otras personas.
Para mi, la protagonista, Ruth se siente decepcionada por toda la sociedad. Por supuesto su furia hacia su madre y en general a todos los hombres esta en cada linea, pero al final incluye en ella a la familia y al perro. En todos ellos ve un comportamiento de cobardía y sumisión que llevan a Ruth a despreciarles e insultarles. A todos los va dejando en el camino. Y de todos se siente decepcionada. La verdad es que es una lectura que no esperaba que su autora la escribiera a principios del XX. Hoy día tenemos vías de escape, pero en aquellos días con esos sentimientos de la autora me cuesta entender la fuerza de una persona para no quitarse la vida, y más cuando se acercaban los días de odio y guerra.
Wie kann so ein Werk nur fast 100 Jahre missachtet worden sein? Seit 2014 ist es wieder verlegt, zum Glück möchte ich sagen.
Ruth ist 20 Jahre alt und lebt in einer Welt voller Geheimnissen und Doppelmoral. Die großbürgerliche Familie mit ihren Dramen, Prestigestreben und Versteckungen - Ruth reagiert auf diese Widersprüche auf pathetischste Weise. Sie lügt, betrügt, versucht auszubrechen. Selbst- und fremdzerstörerisch.
Lazars Schreibstil muss dem Expressionismus zugeordnet werden. Ein Paradebeispiel, für die Schullektüre geeignet, so expressiv. Die gerade erst 20-Jährige Lazar verfasste es 1915, das erste Mal verlegt wurde es 1920.
Die Vergiftung wird mich noch eine Weile begleiten, das merkte ich schon beim Lesen. Die Konstruktion verlangt nach großer Aufmerksamkeit, ich werde es wieder lesen, da bin ich mir sicher, hier lässt sich noch viel entdecken.