Eine junge Frau sitzt in Leipzig bei ihrer Psychotherapeutin – hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Nähe und Verbundenheit und dem tief sitzenden Unwohlsein, das Beziehungen für sie bereithalten. Von diesem Ausgangspunkt aus entfaltet der Roman seine eigentliche Erzählstruktur: In einzelnen Kapiteln blicken wir zurück auf das Leben ihrer Urgroßmutter, ihrer Großmutter und ihrer Mutter – und auf deren jeweilige Beziehungen. Ein leichtfüßiges Buch ist das nicht. Vergewaltigung, Suizid und die intergenerationale Weitergabe von Traumata sind zentrale Themen, die schwer zu ertragen sein können. Die Sprache ist dabei bildhaft und tiefgründig – sie schafft es, das Unaussprechliche fühlbar zu machen, ohne ins Plakative abzugleiten. Deutlich wird: Was ungesagt bleibt, wirkt lange nach. Erst in der Generation der Protagonistin Mirabell beginnt tatsächlich eine Aufarbeitung dessen, was über Generationen hinweg verschwiegen und weitergegeben wurde. Umso bemerkenswerter ist, wie es der Autorin gelingt, jeder Figur eine eigene, unverwechselbare Stimme zu geben. Beim Lesen entsteht eine spürbare Nähe zu jeder einzelnen Frau. Trotz der vier biografischen Zeitebenen blieb für mich der Roman jederzeit klar verfolgbar. Besonders die Übergänge zwischen den Kapiteln sind streckenweise fein und assoziativ gestaltet – ein erzählerisches Mittel, das den Zusammenhang zwischen den Generationen spürbar macht, ohne ihn plakativ zu erklären. Wer wissen möchte, wie Traumata über Generationen hinweg weitergegeben werden und wie sie nachfolgende Beziehungen prägen, findet hier einen sprachlich überzeugenden Roman. Es kann beim Lesen durchaus etwas Niederdrückendes entstehen – ich hätte mir gewünscht, dass sich mehr Raum und Phantasie für Bewältigungsmöglichkeiten öffnet, ein Gegengewicht zur Schwere der Themen. Dennoch: ein sehr lesenswerter Roman. Auch die Covergestaltung ist ein echter Hingucker. Fazit: Sprachlich stark, erzählerisch klug komponiert, inhaltlich fordernd – ein Buch für alle, die sich mit Trauma, Familie und Generationen auseinandersetzen möchten, aber auch belastende Themen aushalten können.
Das Buch zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich, mit seinem wunderschönen, farbigen und zugleich geheimnisvollen Cover sowie dem besonderen Titel. Fast könnte man meinen, dass es nicht nur „Über Vier Leben“ geht, sondern auch ums „Über Leben“.
Mehrgenerationenromane, insbesondere über starke Frauen, sprechen mich ganz besonders an. Dieses Buch war jedoch noch einmal außergewöhnlich, da es aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Mirabell erzählt wird. Sie schreibt über die drei Generationen vor ihr, um mehr über sich selbst zu erfahren, während sie im Rahmen einer Therapie über ihre Ängste und ihr Leben reflektiert.
Es zeigt sich, dass auch die Frauen vor ihr mit traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen zu kämpfen hatten, die sich unweigerlich auf die nächste Generation übertragen haben. Diese Zusammenhänge sind unglaublich spannend: wie Entscheidungen oder Ereignisse aus der Vergangenheit mehrere Generationen von Frauen prägen, es sei denn, jemand stellt sich dem Trauma und durchbricht diesen Kreislauf.
Dabei muss ich sagen, dass alle Schicksale sehr intensiv und emotional geschildert sind. Man wird regelrecht in einen Strudel hineingezogen, der einen am Ende gefesselt und erschöpft wieder freigibt. Nach dem Beenden des Buches brauchte ich tatsächlich ein paar Tage, um alles zu verarbeiten. Es sollte erwähnt werden, dass das Buch mehrere Triggerwarnungen beinhaltet, darunter Suizid, Vergewaltigung und häusliche Gewalt.
Diese schweren Themen machen die Geschichte stellenweise sehr bedrückend, gleichzeitig ist die Sprache so einfühlsam und flüssig, dass man förmlich durch die Seiten fliegt. Alle vier Charaktere sind unglaublich nahbar und authentisch beschrieben, stets passend zu den jeweiligen Zeitepochen und den damaligen Lebensumständen.
Ein sehr bewegender und feinfühliger Roman, der eindrucksvoll verdeutlicht, welches emotionale Gepäck wir aus der Vergangenheit mit uns tragen und wie lange es in uns nachhallt.
Ein besonderes Buch! - Über vier Leben hat mich wirklich sehr beschäftigt. Es ist ein Roman über intergenerationale Traumata und vor allem darüber, was Frauen über Generationen hinweg mit sich tragen.
Beim Lesen musste ich immer wieder an meine Mutter und meine Großmütter denken. An ihre Leben, ihre Erfahrungen, ihren Schmerz und an all die Dinge, die Frauen oft einfach aushalten, weitertragen und vielleicht sogar an ihre Töchter weitergeben, ohne es bewusst zu wollen. Das Buch hat bei mir die Frage aufgeworfen, wie viel von dem, was wir heute fühlen und mit uns herumtragen, eigentlich schon vor uns da war. Was geben wir weiter? Und was können wir vielleicht irgendwann durchbrechen?
Ich fand es besonders spannend, wie die Geschichten der Frauen miteinander verbunden sind. Man bekommt zu jeder von ihnen schnell einen Zugang und kann vieles nachvollziehen, auch wenn ihre Leben ganz unterschiedlich sind. Gerade dadurch wird deutlich, wie sich Erfahrungen von Frauen über Generationen hinweg wiederholen können und wie stark gesellschaftliche Erwartungen, Verletzungen und Schweigen das Leben prägen.
Das Buch hat mich auch deshalb so berührt, weil es nicht nur von einzelnen Schicksalen erzählt. Es geht für mich um etwas viel Größeres: um Frauen, um Mutterschaft, um Rollenbilder, um Schmerz und um die Frage, was wir von den Frauen vor uns übernommen haben. Und vielleicht auch darum, was wir unseren Töchtern nicht mehr mitgeben wollen.
Die Sprache hat mir sehr gut gefallen. Sie ist intensiv, aber nicht überladen, und gerade die leisen Stellen sind mir im Kopf geblieben.
Ich habe nach dem Lesen noch lange darüber nachgedacht und meine eigene Familiengeschichte mit anderen Augen betrachtet. Für mich ist das ein Buch, das nicht einfach mit der letzten Seite endet. Es arbeitet weiter.
Manchmal, vielleicht auch meistens, wäre ich lieber eine in sich kohärente Figur in einem fiktiven Text als ein realer Mensch.“ (S. 122) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Mirabell hat ein großes Projekt vor sich: Um Fortschritte in ihrer Therapie zu machen und um sich selbst besser zu verstehen, möchte sie ihre Familiengeschichte rekonstruieren. Da gibt es ihre Urgroßmutter Hannchen, die vergewaltigt wurde und ihr Kind zurücklassen musste, ihre Großmutter Lisa, die jung gestorben ist, ihre Mutter Sabine, die sich nicht aus der toxischen Beziehung zu Mirabells Vater befreien kann und schließlich Mirabell, die ohne Sozialleben in einer Großstadt untergeht. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Pauline Hatschers literarisches Debüt hat mich sehr begeistert. Die Textform allein ist etwas sehr besonderes, denn Mirabell „schreibt“ nicht nur ihren eigenen POV, sondern auch den ihrer Verwandten. Wir lernen die 3 anderen Frauen kennen (oder das, was Mirabells Interpretation von ihnen ist). Dieses Spiel mit der Metaebene hat mir sehr gut gefallen und auch der Schreibstil hat für mich sehr gut funktioniert. Mal mit langen Sätzen und mal fragmentarisch ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild in dieser Rekonstruktion. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Für mich hat sich ein sehr starker Lesesog ergeben, ich habe es innerhalb von 24 Stunden ausgelesen. Die 4 Hauptfiguren zeigen auf, wie gesellschaftliche Erwartungen (besonders an Frauen) ihr Leben in ihren jeweiligen Epochen bestimmt und beeinflusst haben. Die Idee der Rekonstruktion fand ich faszinierend und hat mich auf jeden Fall auch über meine eigene Familie nachdenken lassen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Für mich war es ein Highlight und ich spreche sehr gerne eine Empfehlung aus für alle, die sich für (Frauen-) Familiengeschichten im Zusammenhang mit Überlegungen über Realität und Fiktion interessieren. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 4,5/5 ⭐️
-- Rezensionsexemplar I Vielen Dank @eichbornverlag @kirchnerkommunikation 💜
Mirabell blickt zurück auf die Frauen in ihrer Familie. Ihre Mutter, die sich von ihrem Vater schlecht behandeln ließ, ihre Großmutter, die Suizid begangen hat und eine Urgroßmutter, die durch eine Vergewaltigung schwanger geworden ist. Drei Frauen, die einen Schmerz in sich getragen und über die Generationen weitergegeben haben. Sie hat das Gefühl nichts über diese Frauen zu wissen und bei den Geschichten, die in der Familie überliefert wurden, ist ihr unklar, was wahr ist. Es sind einfach zu viele Leerstellen und diese möchte Mirabell füllen. Der Roman berichtet im Wechsel aus der Perspektive der vier Frauen. Die Autorin erzählt vier Leben, in vier unterschiedlichen Zeiten. Dabei gelingt es ihr gut den jeweiligen Zeitgeist mit seinen unterschiedlichen gesellschaftlichen Zwängen und Normen einzufangen. Die Charaktere der vier Frauen werden authentisch dargestellt. Die Ereignisse sind nicht immer leicht zu lesen, sondern bedrückend, schmerzhaft und voller Leid.
Es ist kein Roman, den man nebenbei liest, sondern einer, der an die Substanz geht und der sich damit beschäftigt wie die Verletzungen unserer Vorfahren an die nächste Generation weitergegeben werden.
Mit diesem Generationenroman ist Pauline Hatscher ein beeindruckendes Debüt über das Verschweigen generationenübergreifender Traumata gelungen, das noch lange nachklingt und zeigt, wie tief die Wurzeln unserer eigenen Identität in der Vergangenheit liegen.
An die schnell wechselnden Erzählperspektiven musste mich erst gewöhnen. Die sind hier natürlich strategisch platziert und eindeutig abgegrenzt, aber mein Hirn kann manchmal nicht so schnell umschalten. Trotzdem habe ich mit allen vier Frauen und ihrer Geschichte mitgefiebert.
Durch die Jahreszahlen werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Heirat und der Rolle der Frau nochmals untermalt. Ich fand es teilweise so schrecklich zu verfolgen und hatte beim Lesen mir als einmal einen dicken Kloß im Hals und hätte mir gehofft, dass sich vor allem Sabine und Hannchen weniger fügen, mehr für sich einstehen und ihnen jemand einen Ausweg aufzeigt.
Die Verknüpfung über die Rekonstruktion der Familiengeschichte fand ich gut gewählt und fand es trotzdem befremdlich, wie Sabine Mirabells teils fiktive Lückenfüllung aufnimmt und auch zu ihrer eigenen Geschichte keine echte Stellung bezieht. Auch, dass Mirabell mit ihrem Vater keine Aussprache sucht hat mich so ein bisschen aufgerieben.
Der Schreibstil ist großartig- emotional ergreifend, authentisch, erschütternd nüchtern in den Schilderungen von Gewalt und Schikanen. Auch wie unbarmherzig hier Frauen miteinander umgehen und wie mentale Gesundheit eher etwas rufschädigendes ist, was man im Stillen mit sich ausmacht hat mich total mitgenommen.
Starkes Buch, gespickt mit wichtigen Themen. Mir hats sehr gut gefallen.
Warum bin ich, wer und wie ich bin und wie beeinflusst mich meine Familie und ihre Geschichte? Diese Frage stelle sich Mirabell im Roman „Über vier Leben“ und beginnt mit einer Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte. Dabei nähert sie sich dem Leben, den Wünschen und Sorgen dreier Generationen vor sich an und indirekt auch sich selbst. Es wird zwischen Ich – Perspektive für Mirabell und 3. Person Singular für die anderen 3 Frauen gewechselt. Oft sind die Perspektiven schnell wechselnd zwischen den verschiedenen Lebensrealitäten und auch der Schreibstil passt sich leicht an die jeweilige Person an. Generell lässt sich der Schreibstil gut lesen, allerdings machen es die Wechsel zwischen den Personen nicht immer einfach, in einen guten Lesefluss zu finden. Was der Autorin herausragend gelungen ist, ist die Herausarbeitung der verschiedenen Generationen, ihrer Weltsicht, besonders im Hinblick welche Erwartungen an eine Frau in der jeweiligen Zeit gestellt wurden. Auch die Individualität der vier verschiedenen Frauen fand ich sehr gut dargestellt, jede hatte eigene Wünsche und Bedürfnisse. Insgesamt ein sehr emotionaler, ergreifender Roman über generationsübergreifende Traumata und wie diese wann zu bewältigen sein. Eine große Leseempfehlung für alle, die nachdenkliche Bücher zu komplexen Themen sehr schätzen.
Das Cover finde ich hübsch und sehr passend. Das Hardcover Buch ist grau, die erste/letzte Seite zartrosa und das Lesebändchen auch zartrosa. Diese Farben passen zu den Gefühlen, die ich während des Lesens durchlebte... Wie das Cover ist es verschwommen... Schwierig zu erklären... Ich las das Buch an einem Nachmittag, da ich es nicht weglegen wollte, um meinen eigenen Gedanken dazu aus dem Weg zu gehen. Es wundert mich an dieser Stelle, dass keine Triggerwarnung gegeben ist... Mich machte es sehr nachdenklich, traurig, depressiv.
Der Schreibstil ist sehr gut. Einzig und allein der Satz, es sei Fiktion, die aber auch auf einem Stückchen Wahrheit beruhe, kam mir zu oft vor. Das war störend. Ich hatte es schon nach dem Lesen des Klappentextes verstanden.
Die 4 Frauen gefallen mir. Sind sie authentisch. Besonders die Gegenwartsperspektive der Ich-Erzählerin gefiel mir sehr. Ihre Geschichten sind alle tragisch. Ich empfinde großes Mitgefühl mit ihnen und allen anderen ähnlichen Schicksalen. Das Lesen drückte meine Stimmung jedoch wirklich, es ist definitiv kein normaler Unterhaltungsroman und nichts für schwache Nerven. Es kann Trost für Menschen spenden, die auch aufgrund ihrer lückenhaften Vergangenheit meinen, ihne fehle etwas.
Über vier Frauen Leben schreibt Pauline Hatscher , über Hannchen 1930 , über Lisa 1968 , über Sabine 1994 und über Mirabell jetzt, Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Tochter alle vier Leben sind zusammen gebunden mit eingeführten Leid und alle vier Frauen probieren das auf eigene Art verarbeiten...
Das Buch ist kein leichtes Kost, Vergewaltigung, Depressionen, häusliche Gewalt , Angst von Beziehungen , Angst von Leuten - alle die schweren Themen ziehen sich durch die ganze Geschichte ABER das Buch finde ich, ist unglaublich gut und feinfühlig geschrieben, nie war mir zu viel von die schweren Themen, nie habe ich irgendwelche psychische Dyskomfort beim lesen gespürt, im Gegenteil, die nüchterne Sprache hat mich berührt und bewegt und die "fingerspitz " Gefühl von die Autorin kann ich nur bewundern.
Der Schreibstil ist nicht schwer , schwer sind die Themen und schwer ist die Atmosphäre , die Autorin durch ihre besondere , sehr direkte und "ungeschminkte " Sprache hat die schwere jedoch auf die Seite geschoben und ich als Leser habe ich ein sehr gutes , solides Buch über Frauenleben und über die Einflüsse von Generationen auf die nachfolgende Personen bekommen .
„Über vier Leben“ von Pauline Hatscher erzählt die Geschichten von vier Frauen aus unterschiedlichen Generationen einer Familie. Besonders gelungen fand ich, wie die einzelnen Lebenswege nach und nach miteinander verwoben werden und sichtbar wird, wie Erlebnisse, Verletzungen und unausgesprochene Wahrheiten über Generationen hinweg fortwirken können. Die wechselnden Perspektiven und Zeitebenen waren interessant aufgebaut und haben dafür gesorgt, dass ich die Zusammenhänge zwischen den vier Frauen immer besser verstehen wollte. Die Geschichte greift viele ernste Themen auf und regt dazu an, über familiäre Prägungen und weitergegebene Traumata nachzudenken. Allerdings war mir die Atmosphäre des Romans insgesamt zu schwer und bedrückend. Die vielen belastenden Erfahrungen der Figuren ließen kaum Raum für leichtere oder hoffnungsvollere Momente. Dadurch fiel es mir stellenweise schwer, eine wirkliche Nähe zur Geschichte aufzubauen. Insgesamt war „Über vier Leben“ für mich ein solides Buch mit einer spannenden Grundidee und vier geschickt miteinander verbundenen Lebensgeschichten. Die tiefgründige Auseinandersetzung mit den Schicksalen der Frauen ist eindringlich, für meinen persönlichen Geschmack überwog jedoch die Schwere des Romans zu sehr.
Ungewöhnliche Leseerfahrung. Obwohl ich sonst eher Sachbücher lese, hat mich der Inhalt dieses Romans angesprochen. Das transgenerationale Trauma ist ein spannendes Feld, wie ich finde und sollte viel mehr Aufmerksamkeit erhalten. Als Teil der Millennial-Generation habe auch ich mich als erste der Familienriege in Therapie begeben - wie viele andere Millennials auch, die wir endlich den Kreislauf durchbrechen - und kann daher die Situation der Hauptprotagonistin auf gewisse Weise nachempfinden. Ich fand es interessant, wie die Autorin den Roman aufgebaut hat. Zu Beginn erfährt man bereits sehr viel über das Schicksal der Familiengeschichte, dennoch wird es im Verlauf der Erzählung nicht langweilig, obwohl wenige weitere Infos hinzukommen. Ich hatte an keinem Punkt der Geschichte das Gefühl, mich durchquälen zu müssen. Zudem ist der Schreibstil wirklich locker herunter erzählt. Ein bisschen so, als würde mir die Hauptprotagonistin die Geschichte in einem "netten Gespräch" erzählen. Lesenswert! CN: Da es um Trauma geht, sollte man sich darauf gefasst machen, unschöne Dinge zu lesen.
In "Über vier Leben" erzählt Pauline Hatscher die Geschichte von Mirabell, die sich auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie macht. Aus den Perspektiven von vier Frauen spricht der Roman über generationsübergreifende Traumata und das Schweigen innerhalb der Familie.
Besonders gut gefallen hat mir die Erzählstruktur: Die kurzen Kapitel und wechselnden Perspektiven der vier Figuren sorgen für Kurzweiligkeit und haben mich direkt abgeholt. Analog dazu auch der flüssige Schreibstil. Für alle vier Frauen habe ich dabei große Sympathie und Mitgefühl empfunden. Besonders Hannchen und Mirabell selbst mochte ich sehr gerne.
Die Themen, die der Roman behandelt sind dabei keine leichte Kost: Suizid, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Depressionen und generationsübergreifende Traumata machen den Roman zu einer eher schweren Lektüre. Das Ende empfand ich als stimmig, auch wenn ich mir persönlich noch einen etwas ausführlicheren Ausblick gewünscht hätte.
Alles in allem ist "Über vier Leben" ein bewegender Familienroman, der zeigt, wie lange das Ungesagte nachwirken kann.
Über vier Leben hat mich von der ersten Seite an gepackt. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich die Familiengeschichte entwickelt. Besonders berührt hat mich, wie die Autorin zeigt, dass unausgesprochene Erlebnisse und Geheimnisse über Generationen nachwirken können. Mirabells Suche nach ihrer eigenen Geschichte wirkt ehrlich und nachvollziehbar, und die Figuren sind sehr authentisch gezeichnet. Der ruhige Schreibstil passt perfekt zur Geschichte und schafft es, auch ohne große Dramatik Spannung aufzubauen. Das Buch regt zum Nachdenken über Familie, Erinnerungen und die Frage an, wie sehr unsere Vergangenheit uns prägt. Für mich war es ein emotionaler und bewegender Roman, den ich sehr gerne gelesen habe und den ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.
Mich hat das Buch sehr berührt und ich habe es innert 3 Tagen gelesen. Generationenübergreifende Traumata und Weitergabe sind gerade mein Thema das mich beschäftigt. Das Einzige was mich teilweise nicht ganz so mitfühlen liess, war wenn die Protagonistin immer wieder erwähnte das sie ja nicht wisse wie es war und es nur eine Fiktion sei. Da dachte ich dann immer mmh was stimmt denn nun. Ich finde es braucht keine Triggerwarnung, die Autorin hat die Szenen sehr feinfühlig geschildert trotz der harten Kost. Ein überaus gelungenes Debüt!
Der Ansatz, die Geschichten von Hannchen, Lisa und Sabine durch Mirabell rekonstruieren zu lassen, sowie der episodische Erzählstil haben mir wirklich sehr gut gefallen. Ich wäre gerne noch ein bisschen länger bei den Figuren verweilt. Ein toller Roman – auch wenn die Stimmung insgesamt etwas bedrückend ist. Aber ich bin guter Dinge, dass Mirabell noch findet, was sie braucht, um glücklich zu werden :)
eine Geschichte voller Lücken und Wirrungen, aber auch voller Feingefühl. Ich habe so viel von mir selbst aus diesen Zeilen herauslesen können. Wie generationsübergreifend Kriegstraumata sind, wie sehr man auf der Suche nach sich selbst versucht, sich an anderen entlangzuhangeln. Der Wunsch, alles wissen zu wollen, auch wenn es gar keine Möglichkeit dafür mehr gibt. Pauline, wie schön, dass du uns an deiner Suche teilhaben gelassen hast. Danke