Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Wie verhandelbar ist die Wahrheit?Sie ist über fünfzig, verheiratet und Chefin eines großen Literaturverlags. Er ist Ende zwanzig und ein aufstrebendes Talent in ihrem Unternehmen. Betty und Fero sind ein perfektes Team – und eine brisante Verbindung auf sehr dünnem Eis.Als Fero eines Tages verschwindet und Betty mit einer Pistole und Falschgeld an der ungarischen Grenze aufgegriffen wird, scheint die Sache Betty ist Feros Mörderin.Der „Loverboy-Fall“ landet vor dem Hamburger Schwurgericht, spaltet die Öffentlichkeit und elektrisiert die Medien. Beweist Bettys Fall, dass Frauen genauso toxisch sein können wie Männer? Oder ist sie das prominente Opfer einer Gesellschaft, die noch immer Prozesse gegen freiheitsliebende Frauen führt?Für Bettys Verteidiger Mark ist es der wichtigste Auftrag seiner Karriere. Doch schnell merkt er, dass er sich auf nichts verlassen kann – nicht einmal auf sich selbst. Wer verfolgt hier welche Agenda? Wer manipuliert wen? Was glauben wir nur deshalb, weil wir es glauben wollen? Und vor Was hat Betty wirklich getan?
Her first book was Adler und Engel (in English: Eagles and Angels), which won the 2002 Deutscher Bücherpreis for best debut novel.
Juli Zeh has lived in Leipzig since 1995. Zeh studied human rights law in Passau and Leipzig, passing the Zweites Juristisches Staatsexamen - comparable equivalent to the U.S. bar exam - in 2003. She also has a degree from the Deutsches Literaturinstitut Leipzig.
Nach Über Menschen und Zwischen Welten(2023) gibt es nun wieder ein neuen Roman von Juli Zeh zu bestaunen: Pony Show, das etwas an „one-trick pony“ erinnert, ein Pony, das einen Trick in der Manege vollführt, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. In der Tat hat Zehs Roman etwas davon. Ein Kriminalfall beginnt, eine spannende investigative Szenerie wird entworfen (die Manege), und eine (zuerst) intensive Figur betritt die Bühne (Bethany Hell), um dann im Grunde nach ein paar hilflosen, erbärmlichen Hopsern wieder im Hintergrund zu verschwinden:
Mit wenigen Sätzen und Gesten hat Betty ihr Publikum einkassiert. Die Journalisten tippen jedes Wort mit, obwohl das alles schon auf Instagram stand. Die Privatleute starren sie an wie einen Popstar, der aus den Höhen der Abstraktion in ihre konkrete Welt herabgestiegen ist. Die Eisprinzessin ist aufgetaut. Sie gehört jedem, der sie haben will. […] Ihre Stimme eine halbe Oktave tiefer als sonst, erstaunlich tief für den kleinen Körper. Sie spricht langsam und macht Pausen, in denen sie die Augen zur Decke richtet, als könnte sie irgendwo dort oben ihre geschliffenen Sätze pflücken. Aber das allein ist es nicht, was die Leute in ihren Bann zieht. Betty erzeugt eine Art instabiles Energiefeld. Ihre Aura schwankt zwischen starkem Selbstbewusstsein und rührender Schüchternheit. On, off. On, off. Die Wirkung ist beinahe hypnotisch, man kann sich ihr kaum entziehen.
In der Tat dreht sich alles in diesem Roman um Betty, die zuerst schweigsam auf der Anklagebank sitzt, sich nur langsam ihrem Anwalt gegenüber offenbart, der sie vor einer lebenslangen Haft zu schützen versucht, denn ihr Assistent Fero Lebed wird vermisst, und Betty wurde an der österreichisch-ungarischen Grenze mit Falschgeld und einer Waffe gefasst, an der sein Blut klebt. Als dann noch Beweise auftauchen, die daraufhin hinweisen, dass Fero und Betty wohlmöglich ein intimes Verhältnis gehabt haben, leckt die Staatsanwaltschaft Blut und will eine Mörderin hinter Gitter bringen. Dr. Mark Steinert, der Ich-Erzähler, setzt alles in seiner Macht Stehende in Bewegung, um dies zu verhindert:
Ich fange an zu schreien, bevor Kaltenbach etwas sagen kann. Ob Ringlow jetzt völlig verrückt geworden ist. Ob er diese Schmierenkomödie ewig fortführen will. Ob er vorhat, systematisch gegen Grundrechte zu verstoßen, um der Verteidigung immer neue Sachverhalte vor den Latz zu knallen?
Der hippe Anwalt mit Yogalehrerin-Frau und zwei Kinder, eigenem Haus und eigener Kanzlei, verliert immer mehr die Contenance, und ja, auf eine gewisse Weise fühlt er sich Betty gegenüber verpflichtet usw … Nur leider gewinnt der Roman auch auf seine außerordentliche Länge hin keine Kontur. Mark bleibt Matt, Betty geheimnisvoll, so geheimnisvoll, dass sie unnahbar wirkt. Leider verpufft die Idee des Romans im letzten Drittel: die Ayn-Rand-Konstellation, eine Frau, um die sich alle Männer balgen, wird umgemünzt in eine Karitas- und Märtyrerveranstaltung. Mit anderen Worten, ein Roman, bei dem das Dickpic der magische Höhepunkt der Handlung verbleibt, und weit hinter dem gleichgearteten Roman von Caroline Wahl Die Assistentin zurückbleibt. Aus Bettys Perspektive wäre Mark und Fero und auch alles andere weitaus interessanter geworden, statt alles aus den Augen eines rastlos-hirnlos-vergeilten, im atemlosen Modi- und Tempi-losen Erzählpräsenz getriebenen Dritten zu erleben, der im Grunde nichts auf die Reihe kriegt.
--------------------------------- --------------------------------- Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich): --------------------------------- ---------------------------------
--> hieraus ergibt sich die Literaturform: Belletristik, ohne zufriedenstellendes Ende, wie ein Witz ohne Pointe
●Ästhetisch-stimmig?
Inhalt: ●Hauptfigur(en): -Dr. Mark Steinert (M), Rechtsanwalt, verheiratet mit Laura, Yogalehrerin, zwei Kinder Mimi und Jojo, Anfang vierzig, Inhaber von Steinert, Bossmann & Finning. -Bethany Hell (Betty, B), 54 Jahre alt, Cheflektorin bei Lysander, Traditionsverlag, verheiratet mit Patrick, Mathe- und Physiklehrer, Sohn Yven, 18 Jahre alt. -Ringlow (R), 35 Jahre alt, Staatsanwalt, karriereorientiert. -Fero Lebed (F), 29 Jahre alt, Ukrainischer Staatsbürger, Mutter Helene (H). ●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: Roman setzt an, als M scheitert, eine Anklage wegen Mordes abzuschmettern, bei dem die Leiche fehlt. Der als sicher empfundene Freispruch findet nicht statt. Richter Kaltenberg bewilligt Rs Verfahren. M hat wieder angefangen zu rauchen. Wird immer besessener von B. Teil 1: Vermeintliches Opfer, F, Assistent im Verlag, halbes Jahr tätig. Im Juli 2025 verschwunden. B wurde im Sommer 2025 mit Falschgeld und einer Waffe, einer Glock, an der Österreich-Ungarn-Grenze festgenommen. An der Waffe befindet sich zudem Blut von Fero. Der Skandal führt dazu, dass sie den Job beim Verlag verliert. B kooperiert vor Gericht nicht, entfremdet sich von Familie und Freunde. Teil 2: Prozesseröffnung. B schweigt, will sich einem Mann gegenüber nicht öffnen. M lässt seinen ganzen Charme spielen. B beginnt davon zu erzählen, wie sich F und sie befreundet haben, über Literatur, wegen seiner Begeisterung. Er nimmt Literatur wie sie ernst. Sie gibt ihm eine Chance und überlässt ihm die Editierung von „Die Wiederabschaffung des Joghurts“ von Trude Detlevsen [in der Vorankündigung erblickt M, dass die Autorin das Buch Fero L gewidmet hat]. An einem Samstag lädt B M ein. Bei sich zuhause erzählt sie weiter. F motiviert, B fördert ihn, die Kollegin Sabine Mertens beschwert sich. B spürt transzendente Verbindung mit F. Durch ihn verspürt sie wieder Lust auf die Existenz. Sabine tritt als erste Zeugin, beschwört ein Verhältnis. Der Grund für das Verfahren kommt heraus: das iPhone von B wurde gehackt und ein Dickpic gefunden – das bedeutet, es gab zwischen dem Verschwundenen/Vermissten und ihr eine intime Beziehung. B erzählt, wie es zum Dickpic gekommen ist. F hat es ihr geschickt, nachdem sie sich beschwert hat, dass Frauen wie sie, erfolgreiche Frauen, keine Dickpic bekommen. Sie gibt öffentlich, zu ihrem Nachteil zu, dass sie das Dickpic von F gewollt hat. Teil 3: B gibt Interview, gegen Ermahnung und Warnung von M, für DER BOTE, und dort sagt sie, dass Frauen nicht Karriere machen können und sexy bleiben, am Ende sagt sie: Go fuck yourself. Was zum Mem wird. F erpresst, mehr oder weniger bewusst B, dass er sich mit der Nobelpreisanwärterin Liese Gretschau treffen darf, Sabines Autorin. Das Treffen verläuft gut. Lieschau gibt ihm ein neues Manuskript: Die guten Jäger. F und B arbeiten daran. Sabine wütend. Sie hat die erfolgreichste, wichtigste Autorin verloren. B sieht, dass F nicht von alleine mit ihr spricht. Sabine reicht eine Compliance-Klage ein. B und F fahren nach Kopenhagen. B stellt F vor, Linos CEO von Henoch, dem Konzern, zudem Lysander mittlerweile gehört, ist zufrieden mit F und zufrieden mit dem neuen Manuskript von Grete Lieschau. Mehr ist nicht wichtig. Nach dem Treffen sitzen F und B zusammen. F erzählt ihr, wie er sich seine Zukunft vorstellt, mit einer willigen blonden Trophy-Wife. B wütend. F geht nicht auf Bs Annäherungsversuche ein. Als sie doch wieder die Initiative ergreift und zum Landhaus fahren, streiten sich F und B wieder, als F von einer Hochzeitsshopping-Tour mit einer Freundin redet, und sie wieder versteht, wie unerwachsen er ist, und welchen patriarchalen Vorstellungen er nachhängt. B weigert sich weiterhin zu erklären, wie das Blut im Landhaus zustande gekommen ist, das mittlerweile zum Tatort erklärt worden ist. M verliert langsam den Halt, kippt sich Rotwein von Hals zu Hals. B erzählt, wie sie zur Waffe gekommen ist. Ihr Vater, Karl in Basel, hat einen Schlaganfall, und will, dass sie im Falle einer Lähmung Sterbehilfe leistet. Hierfür holt sie seine Glock aus seiner Wohnung. F begeistert von ihr, wie sie sich für ihren Vater einsetzt, was sie für ihren Vater tun würde, im Begriff steht, zu tun. Er umsorgt sie, scharwenzelt um sie, hilft ihr über die Trauer. Sie gehen zu einem Schauspieldreh für das Buch von June May, die, die M für B angeheuert hat. Dort gibt es eine Szene mit Falschgeld. M besucht B mitten in der Nacht und macht Annäherungsversuche. B schmeißt ihn raus und bricht fürs Erste den Kontakt ab. Teil 4: Bs BMW wird in der Ukraine gefunden. F Ukrainer. Fs Hintergrundgeschichte. Mutter aus der Ukraine vor gewalttätigen und alkoholsüchtigen Vater geflohen. Auf einem Urlaub trifft F ihn wieder, hat keine Angst vor dem kleinen Mann, und hält Kontakt. Als der Vater eingezogen wird im Krieg, überkommt diesen Angst. Wie B ihrem Vater hilft, will Fero seinem Vater helfen. B und F als Vorbereitung treffen sich. Sie kochen, er stößt sich den Kopf, blutig heftig. Sie essen über dennoch Creme Brulée. Haben das Schießen geübt, deshalb gab es Schmauchspuren in der Ballistik. B wird ein Deal angeboten. Wegen der Ukraine, der Problematik, Schuldspruch, aber auf Bewährung, freier Vollzug. B will darauf eingehen. Beschließt June May zu engagieren, die Bs Leben inszeniert. Am entscheidenden Tag bricht B im Gericht zusammen, wird ins Krankenhaus gebracht, bevor sie gestehen kann, um den Deal einzugehen. Prozessunterbrechung. Versöhnung in der Familie von B [aber nur inszeniert]. Fero wird gesucht. M setzt Plan um, die Schöffen zu beeindrucken, um den Freispruch mittels einer Zwei-Drittel-Mehrheit zu erzwingen. Schreibt illegalen Brief, in welchem er die Macht den Schöffen mitteilt, von der sie mglw. nichts wissen. In der Öffentlichkeit kämpft Ehemann Patrick um Bs Liebe [in Wahrheit nicht]. F und B sollen kein Sex gehabt haben. M besucht die Mutter von F, Helena, die B in einem anderen Licht sieht. Helena ist wütend auf B. Sie hat Fs Leben ruiniert. Teil V: B taucht verändert nach Neujahr auf, hat ihren Kopf glattrasiert. Sie spricht davon, dass sie sich verliebt hat – dass F ihre zweite Hälfte gewesen ist, ein Wunder. Sie will Gerechtigkeit. Spricht von Romantik. Helena unterbricht F, sagt, dass sei alles krank. B gibt zu, dass sie verliebt gewesen ist. B schiebt die öffentliche Reaktion auf den Altersunterschied. Frauen hätten kein Anspruch mehr auf Glück über 50. B erzählt von ihrer Fahrt nach Basel, auf dem Filmdreh. Fs Beschluss, durch die Vaterrettung ein Mann zu werden, Probeschüsse, Creme Brulée. Unterbrechung durch die Mutter, alles Lüge, denn F habe Diabetes und hätte nie Creme Brulée gegessen. M bringt B nach der Verhandlung zurück. Er bekommt mit, dass die Familie sich gar nicht versöhnt hat. M ringt um Worte für sein Abschlussplädoyer. Die Tage vergehen. R legt alles nochmal dar. Ms Antwort, B kann F nicht getötet haben, da sie ihn offenkundig liebt. Tage vor der Urteilsverkündigung. Plötzlich ein Termin auf dem Gericht. Fs Leiche wurde gefunden. F starb an einer Hirnblutung durch den Dunsthaubeninzident. Wegen seiner Diabeteserkrankung verheilte die innere Verletzung nicht. Nach dem Unfall sei F durch den Wald geirrt, elf Tage im Krankenhaus, bewusstlos, am zwölften Tag gestorben. B erhält Freispruch. Vor dem Gericht wartet Helena und richtet eine Waffe auf sie. M springt dazwischen. ●Kurzfassung: Ein Rechtsanwalt wird in einen Mordprozess verwickelt, durch eine Schriftstellerin, June May, deren Cheflektorin Betty ist angeklagt, aber es gibt keine Leiche. Im Laufe der Verhandlung kommt heraus, dass sie eine Art Affäre mit einem Assistentin gehabt hat, Fero Lebed. Als Fero erfährt, dass Betty bereit ist, ihren im Sterben liegenden Vater Sterbehilfe zu leisten, beschließt er seinen Vater, den seine Mutter wegen Alkoholismus und Brutalität verlassen hat, aus dem Krieg in der Ukraine zu retten. Bei dem Versuch verunfallt Fero, unter anderem wegen einer Verletzung am Kopf, und stirbt. Als die Leiche gefunden wird, wird Betty freigesprochen. Vor dem Gericht wartet Feros Mutter und hält eine Waffe auf sie gerichtet. Betty Anwalt springt dazwischen. ●Charaktere: (rund/flach) Betty interessant, eine Art Ayn-Rand-Figur, geheimnisvoll bis zuletzt. ●Besondere Ereignisse/Szenen: die Scham über das Dickpic sehr überzeugend ●Diskurs: alte Frau/junger Mann/Sexismus … erinnert, als Figur, an Meredith aus Crichtons „Disclosure“ … als Diskursroman an Sibylle Bergs „GRM“ und „RCE“, gleichsam hip. Die Prozessverhandlung und auch das unzuverlässige Erzählen erinnert an „Die Brüder Karamasoff“, bei dem auch ein Todesfall bis zuletzt ungeklärt bleibt. … Hauptvergleichsroman jedoch Caroline Wahls „Die Assistentin“, nur von der Lektorinnenseite. … zwischenzeitlich interessant, aber durch die Erzählweise anstrengend, leidlich spannend durch die Detektivroman-Entwicklung. Nicht völlig uninteressant, aber die Figuren wirken unplausibel, unnahbar, und wenig entwickelt. Das Ende jedoch, die Auflösung, schlimm. --> 3 Stern(e)
Form: ●Eindruck: seltsam wenig direkte Dialoge, fast alles im Fließtext versteckt, und auch trotz indirekter Rede, kein Konjunktiv verwendet. Sehr eigentümlich. Auch die Verwendung von Präsens gleich wo, als Einheitszeit, als alles zerfließende, direkte, indikative Erinnerung, unstrukturiert, weder in Zeit noch in Modus. ●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) ja, Spannung, Duktus, klar ein Roman, inhaltlich. ●Wortschatz/Auffälligkeiten/Innovation: keine ●Einschätzung: langweilige, nüchterne, fast entleerte Sprache, keinerlei Poesie, keinerlei Schwung, keine Musikalität, nichts, aber flüssig, und wie ein Regenbogenpresse-Artikel verfasst. Eher illustrativ, plastisch, überzeichnet, karikaturmäßig. Professionell geschrieben, dafür gibt es bei mir immer … --> 3 Stern(e)
Erzählstimme: ●Eindruck (reflektiert, situiert, perspektiviert): gehetzt, präsentisch, in Verfolgerperspektive, das Erzähltempus erlaubt keinen Abstand, keine wirkliche situationsenthobene Reflexion, deshalb eher in sinnlicher Gewissheit verstrickt. Alles Echtzeit-Erinnerung. Hat schon etwas Comicartiges, Betty, Linus, Fero, die Peanuts. ●Einschätzung: schlimm. Mark überzeugt an keiner Stelle, wirkt verfahren, naiv, dümmlich und manipulierbar, und so erzählt er auch. Gefangen in einer rastlosen, unkontrollierten Wahrnehmungsweise. Anstrengend… ein Erzähler, der nicht nur unzuverlässig ist, der sogar Modi und Tempi verwechselt, einfach herum beschreibt, völlig verwahrlost. --> 0 Stern(e)
Komposition: ●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): Fünfteiliges, klassisches Drama: 1. Exposition (ein Mord ohne Leiche); 2. Steigende Handlung (Betty beginnt ihre Geschichte zu erzählen); 3. Höhepunkt und Peripetie (Dickpic-Situation – Beleg für die amouröse Verbindung); 4. Fallende Handlung (Fund des BMWs in der Ukraine, Deal mit Staatsanwaltschaft); 5. Katastrophe: Fero tot, gestorben an Dunsthaubenstoß, und seine Mutter will B töten. Als roter Faden dient das langsame Erzählen, Berichterstatten durch B. Kompositorisch im Mittelteil die Engführung gelungen, das, was B mit F gehabt hat, will M auch mit B haben. Beide sind unzufrieden in ihrer Ehe, wollen diese aber nicht aufgeben – wollen dieses Geheimnis als Motor der Lebensfreude beibehalten. ●Operative Geschlossenheit/Rahmen: Mord/Nichtmord, Schuldig/Nichtschuldig, Sex/Kein Sex – sehr binär und einfach gestrickt. ●Extradiegetische Abschnitte: keine ●Überflüssige Szenen/Charaktere: nein, ziemlich straff inszeniert, aber die Schriftstellerin hätte es nicht beduft, June May, und auch nicht Catherine Muller. ●Einschätzung: Kompositorisch ein Grauen, das Ende eine Katastrophe, völlig inkonsistent und ideenlos … keine substanzielle Perspektive, keine allegorische Dichte, keine Punchline … ein flatus vocis, wie er im Buch steht --> 0 Stern(e)
Leseerlebnis: ●Zusammenfassung: direkt nach Abschluss – ich fühle mich um einen Plot betrogen, und das Ende, obwohl es so viele Varianten der Rettung oder der Konsistenz halber gegeben hätte, aber so bleibt alles zersplittert. Langweilig, nichtssagend, und das Ende setzt dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen drauf. Nee, es hat mich geärgert, fast 10-12 Stunden mit einem undurchdachten Text verbracht zu haben, der sich einfach ausfasert. Habe ich als Frechheit empfunden. ●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) ja ●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) absolut nicht ●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein, gar nicht ●stimmig?(Komposition: ja/nein) es gibt nichts, was stimmig sein könnte ●ein zweites Mal lesen? niemals --> 0 Stern(e)
Eine Abrechnung mit der zeitgenössischen Aufmerksamkeitsökonomie
Als kriminalpolitischer Roman, der tief im Justizmilieu verankert ist, verarbeitet Juli Zehs neues Buch »Pony Show« eine Vielzahl literarischer Themen der Gegenwart, doch stellt sich wie bei fast all ihren Romanen die Frage, ob das ausreicht, um im Endeffekt nicht nur als Unterhaltungsliteratur durchzugehen. Im Zentrum der Handlung steht die renommierte Hamburger Verlegerin Betty, die sich völlig unerwartet mit einer Mordanklage ohne Leiche konfrontiert sieht, nachdem an einer bei ihr sichergestellten Schusswaffe das Blut ihres vermissten, deutlich jüngeren Lektoratsassistenten Fero gefunden wurde. Verteidigt wird sie von Dr. Mark Steinert, einem locker auftretenden, aber perfekt vorbereiteten Strafverteidiger, aus dessen feinsinniger, bisweilen egozentrischer Perspektive sich das gesamte Justizdrama entfaltet. Der Mammutprozess vor dem Hamburger Schwurgericht gerät dabei schnell zu einem Schauplatz, der weit über die reine Schuldfrage hinausgeht und vor allem im Zuge von Bettys provokantem Medien-Interview („Das ist ein Prozess gegen das weibliche Geschlecht!“) zu einem regelrechten Kampf gegen das Patriarchat und die strukturelle Diskriminierung alternder, mächtiger Frauen stilisiert wird. Dass das verhandelte Verbrechen und die vermeintliche Beziehung zwischen Betty und ihrem Mitarbeiter am Ende vor dem virtuellen Internettribunal landen und die Verhandlungssäle durch lautstarke Aktivistinnen regelrecht belagert werden, zeigt die Bruchstellen einer nervösen Gegenwart, die nach Hysterie und Furore lechzt. Verstärkt wird die Thematik durch die komplexen, zutiefst problematischen Beziehungsgeflechte. Da ist zum einen das Verhältnis zwischen der vierundfünfzigjährigen Protagonistin und dem neunundzwanzigjährigen Fero, das sich jedoch im Kern durch eine schmerzhafte Asymmetrie auszeichnet: Während sie in eine obsessive emotionale Abhängigkeit rutscht, agiert er emotional distanziert, indem er Betty mit kalkulierter Nettigkeit manipuliert. Zum anderen entwickelt sich zwischen dem Anwalt Mark und seiner Mandantin eine gefährliche, beruflich unzulässige Intimität. Juli Zeh hat ohne Zweifel einen unterhaltsamen und temporeichen Roman geschrieben, der wie aus der aktuellen Zeit gegriffen scheint und den popkulturellen Zeitgeist präzise spiegelt, was ja seit jeher eine Spezialität der Autorin ist. Doch trotz der geschickt eingewobenen Diskurse kann das Werk letztlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hier von der Autorin im Grunde einen Trivialroman vorgelegt bekommt, wenn auch auf erheblich höherem Niveau. Die Figuren und Konflikte neigen bei genauerer Betrachtung zur Typisierung, und die dramatische Wendung gegen Ende lässt die zuvor mühsam aufgebaute gesellschaftspolitische Schwere in Unglaubwürdigkeit kippen. In seiner Gesamtheit bleibt „Pony Show“ eine handwerklich gelungene, stark überzeichnete Parabel, die zwar hervorragend unterhält, deren erzählerische Tiefenwirkung jedoch hinter den selbstgesteckten literarischen Ambitionen zurückbleibt.
Unterhaltsam und durchaus süchtig machend. Aber eher ein klassischer Kriminal- und Justizroman als ein tiefgründiges smartes Gesellschaftsporträt à la "Unter Leuten" oder eine sprachlich/ erzählerisch vielschichtige Dystopie wie "Corpus Delicti". Die Figuren und Beziehungen wirken reichlich konstruiert, Hauptfigur Mark ist stellenweise schwer zu ertragen (cringe!), und die Figurenmotive – insbesondere Marks Sicht auf Betty?! WTH – überzeugen mich nur bedingt. Der Spannungsbogen wird zudem arg überstrapaziert, ohne dass ein erhofftes geniales Finale dafür entschädigen würde. Das Ende ist auch eher klassisch. Die Frage „WTF.? Was sollte das jetzt?“ bleibt am Ende. Ein feministischer Roman? Ähm, No. Dank der cringen Perspektive von Ich-Erzähler Mark werden die feministischen Botschaften so unangenehm strange verwurstet, dass es peinlich ist. Trotzdem: ein Pageturner. Ich habs gebinged. Man liest weiter, auch wenn man zwischendurch den Kopf schüttelt. P.S. "Zwischen Welten" fand ich so grottenschlecht. Da ist "Pony Show" besser und macht Hoffnung.
Juli Zeh hat in ihren beiden letzten Romanen gesellschaftlich relevante Themen in gelungener Weise verarbeitet. Das hat mir gefallen. Mit großer Freude bin ich also an ihren neuen Roman gegangen. Und er spielt im Verlagsmilieu, das ich aufgrund jahrzehntelanger Tätigkeit in der Branche gut kenne. Es geht um Betty, eine erfolgreiche Verlegerin in einem führenden literarischen Verlagshaus. Sie beginnt eine Beziehung mit einem 25 Jahre jüngeren Mitarbeiter, wobei die Natur dieser Beziehung lange im Unklaren bleibt. Dieser junge Mann ist nun verschwunden und Betty wird beschuldigt, ihn ermordet zu haben. Spannender Aufschlag, interessantes Milieu, relevantes Thema - denn die Frage ist, ob Betty nur angeklagt wird, weil sie sich etwas herausgenommen hat, das gesellschaftlich noch immer tabuisiert ist.
Leider hält der Roman dann nicht, was er anfangs noch verspricht. Im Zuge der Lektüre war ich zunehmend genervt.
(Ab hier kommen Spoiler!)
Zunächst die seltsame Konstellation, dass der Anwalt Betty ihre Geschichte langsam aus der Nase ziehen muss. Das soll Spannung erzeugen, ist aber im Laufe der Handlung immer unglaubwürdiger. Der Anwalt ist ein Weichei, dessen Verhalten mehr und mehr ins Absurde abrutscht. Schon recht früh hoffte ich, dass die Autorin uns wenigstens erspart, dass der Anwalt sich in Betty verliebt. Sie tut es nicht. Die Art und Weise, wie der Fall Bettys gesellschaftspolitisch instrumentalisiert und dann von der Starautorin June May medial orchestriert wird, wirkte aufgesetzt. Die Überlegungen zu dieser Thematik, die die Autorin einflicht, erweisen sich als mehr oder weniger irrelevant, denn am Schluss geht es nicht um die Frage, was man Betty zuschreibt, sondern was sie getan hat (oder eben nicht).
Das Ende kommt dann als eine Anti-Klimax, trotz des Knalleffekts, den die Autorin noch aus dem Hut zaubert. Es wirkte, als sei der Spannungsbogen massiv überdehnt, sodass der Roman am Ende einfach in sich zusammenfiel.
Vielleicht waren andere Leser (oder Leserinnen?) zu mehr Empathie fähig. Ich fand's dann doch schade so.
Zaskakująco dobry thriller prawniczy z solidnym bagażem psychologiczno-społecznym. Autorka jest sędzią Trybunału Konstytucyjnego, wie o czym pisze, a ja lubię takie solidne fundamenty. W dodatku do perfekcji opanowała rzemiosło pisarskie i z wielkim znawstwem wodzi czytelniczki za nos. Mamy więc tu kolejne odsłony i wolty które wywracają do góry nogami perspektywę, mamy kompletnie niewiarygodnych opowiadaczy i w związku z tym nieustanne wątpliwości, czy mamy do czynienia z kruchą, wrażliwą kobietą po pięćdziesiątce, ofiarą własnych uczuć i patriarchalnych, opresyjnych mechanizmów społecznych, czy inteligentną manipulatorką. Powieść ma całkiem sporo nośnych wątków tematycznych, bo jest i feminizm, rola i wolność / zniewolenie kobiet, zwłaszcza tych starszych, niewidzialnych, jest klasizm, awans społeczny, wreszcie wpływ mediów na pozornie niezależną jurysdykcję. I jeszcze na okrasę parę smaczków ze świata wydawców i literatury. A już szczególnym kąskiem, choć może tylko dla mnie jako ławniczki, okazało się, że proces toczy się przed wielką izbą karną, w której niebagatelną rolę odegrają właśnie sędziowie niezawodowi. Jedyną łyżką dziegciu było tylko nieco zbyt dużo dramy w finale.
Abgebrochen. Ob gewollt oder nicht gewollt, Mark ist einfach schwer zu ertragen und nach einer bestimmten Szene kann und will ich nicht mehr in seinem Kopf sein. Ehrlicherweise habe ich zum Ende vorgeblättert um noch zu wissen wie’s ausgeht und stelle fest, dass ich eine komplett andere Vorstellung vom Buch hatte. Aber vielleicht hätte ich, nachdem ich „Über Menschen“ so furchtbar fand, auch nicht solche hohen Ansprüche haben sollen, weder an das Buch noch an die Autorin.
Sie schauen aus dem Fenster auf die Straße. Es sieht aus, als wäre ein Karnevalszug hindurchgerauscht, Getränkedosen, Plastikflaschen, zertretene Tomaten, Plakate mit der Forderung „Free Betty“. Betty schaut zu ihrem Anwalt Dr. Steinert auf, er betrachtet die dunklen Ringe unter den geröteten Augen. Was kann er ihr glauben, fragt er sich. Er hat ein Verhandlungsstop herausgeholt. Jetzt haben die Schöffen, der Staatsanwalt, der Richter und Betty zehn Tage Ruhe. Er wird sich eine neue Strategie zurechtlegen müssen, weil Betty ihm alles über Feros Verschwinden gesagt hat, außer das wichtige. Sie vertraut ihm nicht, weicht aus, windet sich. Er weiß, wie sich Scham anfühlt und er weiß, dass der Staatsanwalt Ringlow ein Ass in der Hand hält, seine Selbstsicherheit und das angedeutete Grinsen verraten ihn.
Komm raus hier, sagt Steinert und greift Bettys Arm. Sie lässt sich zum Fahrstuhl führen. Vor dem Haupteingang behält er die Gegend genau im Auge. Dass die Presse abgerückt ist, heißt nicht, dass nicht irgendwo noch ein Journalist lauert und tatsächlich sieht er eine Frau mit buntem Mantel und großer Tasche auf sie zueilen. Er greift Bettys Hand und spornt sie an, schneller zu laufen. Sie stolpert hinter ihm her. Er drückt seinen Öffner, der Wagen blinkt ihnen entgegen, reißt die Beifahrertür auf, schiebt sie hinein, sprintet ums Auto herum, springt hinein, startet und fädelt sich in den zähen Verkehr ein. Er umkrampft das Lenkrad und fragt, warum sie nicht einmal das machen kann, was er ihr sagt. Betty guckt aus dem Fenster, lässt seinen Ausbruch an sich vorüberziehen. Sie fahren schweigend weiter.
Fazit: Die Verfassungsrichterin und vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin Juli Zeh hat sich in diesem Buch auf einen Mordprozess konzentriert. Ihr Icherzählender Protagonist Mark Steinert vertritt seine Mandantin Bethany Hell, Leiterin eines großen Verlagshauses vor dem Schöffengericht. Der Staatsanwalt Ringlow hat sie wegen Mordes angeklagt. Sie soll ihren 20 Jahre jüngeren Mitarbeiter getötet haben. Ein Mord aus Leidenschaft. Der Prozess ist der erste Fall wegen Mordes, den Steinert führt und für seine junge Kanzlei, im Falle des Gewinns eine Reputation oder im Fall einer Niederlage eine Schande. Auch der junge Staatsanwalt hat triftige Gründe, den Fall zu gewinnen. Steinerts größtes Problem liegt in seiner Mandantin selbst. Sie rückt nur zögernd mit den nötigen Informationen raus, ist berühmt und die Presse erschwert die Verhandlungssituation und sie ist begehrenswert. Die Autorin lässt mich durch die Augen Steinerts zusehen, wirft uns kleine, leicht verdauliche Häppchen zu und beginnt ein Katz- und Mausspiel. Ich beobachte, wie Steinert seiner Mandantin zunehmend verfällt und scheinbar an Objektivität einbüßt. Bettys Geschichte einer leidenschaftlichen, aber platonischen Liebe, weckt in Steinert das Gefühl, mit seiner Familie und besonders seiner Frau, selbst einen zweitrangigen Lebensentwurf zu tragen, der besser sein könnte. Die Selbstzweifel des Anwalts, seine Eifersucht auf das Opfer, die Zweifel an den Darstellungen seiner Mandantin, das sie Beschützen wollen, seine ganze Zerrissenheit, gibt der Geschichte eine enorme Spannung. Ich habe diese über 500 Seiten, von denen keine zufiel war, mit großem, gleichbleibenden Interesse gelesen. Ein bis zum Ende spannender Justizthriller mit liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, bei dem auch das Thema Feminismus einen überzeugenden Platz gefunden hat. Ich mochte auch ihr Buch „Über Menschen“ sehr.
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht, ein verschwundener junger Mitarbeiter und ein Prozess, der zur öffentlichen Inszenierung wird. Je mehr über die Beziehung zwischen Betty und Fero ans Licht kommt, desto weniger geht es um die einfache Frage nach Schuld oder Unschuld. Stattdessen verhandelt der Justizthriller, wer eine Geschichte erzählen darf und wem die Öffentlichkeit glauben will.
Der erzählerische Kniff, die Handlung aus der Perspektive von Mark, Bettys Verteidiger, zu erzählen, verleiht dem Roman eine instabile Dynamik. Mark verliert zunehmend seine professionelle Distanz, sodass sein subjektiver Blick den Prozess stark prägt. Vieles erfährt man erst nach und nach und oft nur, wenn Betty es Mark preisgeben möchte. Zugleich wechselt die Erzählung an manchen Stellen in eine Perspektive, die mehr zu wissen scheint.
Als Betty Fero kennenlernt, einen deutlich jüngeren Mitarbeiter ihres Verlags, gerät ihr geordnetes Leben aus dem Gleichgewicht. Sie glaubt, in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Diese Vorstellung konnte ich von außen nur schwer nachvollziehen. Bettys Sehnsucht hingegen war für mich verständlich – ihre Entscheidungen oft weniger. Aus einer romantischen Fantasie entwickelt sich ein Drama aus Selbstzweifeln und Fremdbildern. Dabei empfindet man zugleich Mitleid und Ärger, was durchaus beabsichtigt scheint. Bettys Widersprüchlichkeit macht es schwer, sie eindeutig zu verurteilen oder zu verteidigen.
Fero wirkte auf mich stark manipulativ und berechnend. Wie ein „weicher Handschuh“ passt er sich seinem Gegenüber an, spiegelt Bettys Bedürfnisse und nutzt ihre Gefühle für seine eigenen, oft vagen Ziele. Dass dieser begabte junge Mann kaum eigene Ambitionen zu haben scheint und sich einfach treiben lässt, macht ihn rätselhaft.
Der Prozess selbst wird zur Bühne: Medienrummel, spektakuläre Auftritte und überraschende Beweise treiben die Handlung voran. Das passt zum Titel und zur Frage, wie sehr sich Wahrheit vor Gericht inszenieren lässt.
Das Machtverhältnis zwischen einer älteren Chefin und einem jüngeren Angestellten bietet viel Stoff zum Nachdenken darüber, wie Geschlecht, Macht und gesellschaftliche Erwartungen unseren Blick auf Schuld beeinflussen. Wie ein Echo hallt immer wieder der Satz „Your body is a battlefield“ durch die Geschichte.
Die wiederholte Anspielung auf einen Film mit Nicole Kidman, die Einbindung aktueller Themen und den überambitionierten Staatsanwalt empfand ich als unnötige Reize in einer stark inszenierten Geschichte. Das Ende konnte mich überraschen und fügt sich in den Showprozess ein, doch der letzte Satz ist entbehrlich.
Als Hörbuch gefiel mir besonders die starke Präsenz des Sprechers. Sie rückt Mark und seine Perspektive noch stärker ins Zentrum und verleiht der Erzählung eine eigene Dynamik.
Insgesamt habe ich den Roman gern gehört: Er hat mich aufgeregt, zum Nachdenken gebracht und immer wieder dazu verleitet, Bettys Entscheidungen zu bewerten.
Ich habe das Buch mit großen Erwartungen gekauft. Juli Zeh hat mich schon oft gut unterhalten und gesellschaftsrelevante Phänome scharfsinnig in Szene gesetzt. Auch der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Aber dann die große Enttäuschung. Warum muss für niedrige Beweggründe der Femunismus herhalten? Warum will Frau Zeh uns weismachen, dass der Anwalt Bettys wörtliche Rede seitenweise aus dem Gedächtnis niederschreiben kann, warum muss er sich derart zum Affen machen? Warum wird die Geschichte auf quälend langen 500 Seiten ausgewalzt? Ich habe bis zum Schluss durchgehalten, weil ich auf ein überraschendes Ende hoffte, das alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Aber auch diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Leider absolut keine Leseempfehlung
Erzählungen, heißt es am Ende dieses Buchs, seien wir das Leben, hätten Anfang, Mitte und Ende. Diese Geschichte hat allerdings kein richtiges Ende. Am Ende geht es zurück auf Anfang, und es gibt keine Auflösung, aber auch nichts anderes. Wollte Juli Zeh etwas Schillerndes schreiben? Etwas Mondänes mit einer gefährlichen, mysteriösen, unwiderstehlichen Protagonistin? Ehrlich, keine Ahnung, aber was immer es war, es hat leider nicht funktioniert.