120 Jahre Menschheitsgeschichte durch die Augen einer klugen Katze.
Edinburgh, 1902: Grimalkin ist ein viktorianischer Hauskater, der eine außerordentliche Beobachtungsgabe besitzt. Durch einen unglücklichen Vorfall stirbt er, doch zum Glück hat er seine neun Leben nicht verbraucht. Deshalb wird er zur Geisterkatze und darf mit seinen verbliebenen Leben zum Zeitzeugen der folgenden 120 Jahre werden. Unsichtbar streift Grimalkin umher und bringt in seiner unvergleichlichen Erzählung Enthüllungen über unsere banale menschliche Existenz, den unaufhaltsamen Lauf der Zeit sowie die wahre Größe der Katzen ans Licht.Ein verzauberndes, humorvolles Buch, das zum Nachdenken anregt.
"Die Geisterkatze" von Alex Howard, übersetzt von Andreas Decker, ist einerseits eine ungewöhnliche und stellenweise auch berührende Geschichte die mich als Leser mitgenommen hat auf eine kleine Zeitreise. Im Mittelpunkt steht die Geisterkater Grimalkin durch dessen Augen wir einen Blick auf vergangene Epochen und die Menschen werfen die seinen Weg kreuzen. Die Idee des Buches hat mir richtig gut gefallen, besonders die verschiedenen Zeitepochen, durch die man gemeinsam mit Grimalkin reist haben interessante und nachdenklich stimmende Momente geschaffen, denn er legt schon auch Augenmerk auf besondere Menschen aus seinem Katerleben, die ihm am Herzen liegen. Immer wieder gibt es auch Stellen die mich haben innehalten lassen und zum Nachdenken über das Leben und die Menschen und die Vergänglichkeit lassen. Leider konnte mich die Geschichte insgesamt aber nur mittelmäßig überzeugen. Der Humor, der viele Passagen auflockern soll denke ich, hat bei mich persönlich nicht so richtig abgeholt und gleichzeitig hätte ich mir deutlich mehr von Grimalkin selbst gewünscht. Gerade die Perspektive der Geisterkatze fand ich interessant und hätte gerne noch intensiver erlebt wie er die verschiedenen Zeiten und Menschen wahrnimmt. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, dass hier noch viel mehr Potenzial für eine besondere und tiefgründige Geschichte gelegen hätte, und genau diese Tiefe hätte ich besonders auf emotionaler Ebene gerne beim lesen erlebt. Insgesamt ist "Die Geisterkatze" für mich daher ein Buch mit einer schönen und ungewöhnlichen Grundidee, das durchaus seine berührenden und nachdenklich stimmenden Momente hat und dennoch hätte ich mir insgesamt einfach mehr Tiefe gewünscht und einfach mehr Momente die wirklich tief berühren und mir im Leseherzen und Gedächtnis bleiben.
Eine Katze, neun Leben und mehr als hundert Jahre Geschichte. Die Idee hinter diesem Buch ist ungewöhnlich und hat mich direkt neugierig gemacht. Grimalkin ist dabei eine Figur, die man einfach mögen muss. Er beobachtet die Menschen, erlebt den Wandel der Zeit und betrachtet vieles auf seine ganz eigene, herrlich katzenhafte Weise. Gerade seine Gedanken haben mir immer wieder ein Lächeln entlockt.
Echt faszinierend und wirklich gut beschrieben fand ich, wie sich die Veränderungen nicht nur an technischen Entwicklungen zeigen, sondern auch an Sprache, Gewohnheiten und dem Zusammenleben der Menschen. Gleichzeitig steckt hinter Grimalkins Beobachtungen immer eine gewisse Melancholie. Er sieht Menschen kommen und gehen, während er selbst bleibt. Manche Begegnungen sind leicht und humorvoll, andere berühren, und gerade diese Mischung macht für mich den Charme des Buches aus. Allerdings hatte ich auch leichte Schwierigkeiten mit dem Aufbau. Durch die vielen Episoden und Zeitsprünge fehlt mir stellenweise ein stärkerer roter Faden. Einige Geschichten hätte ich gerne länger begleitet, bevor es schon wieder weiterging. Dadurch wirkte manches etwas oberflächlich und stellenweise zog sich das Lesen für mich. Genau das wird auch in englischsprachigen Rezensionen unterschiedlich empfunden: Während einige die episodenhafte Erzählweise mögen, vermissen andere eine stärker zusammenhängende Handlung. Trotzdem sind mir viele kleine Momente im Gedächtnis geblieben. Es ist für mich ehrlich gesagt kein Buch, das durch Spannung oder große Wendungen lebt, sondern durch Atmosphäre, historische Einblicke und einen außergewöhnlichen Protagonisten. Nicht jede Episode hat mich gleichermaßen erreicht und etwas mehr Tiefe hätte ich mir auch ab und zu gewünscht. Aber Grimalkin ist mir ans Herz gewachsen und allein dafür hat sich seine ungewöhnliche Reise für mich gelohnt.
Die Idee dieses Buches fand ich als Katzenliebhaberin natürlich sehr spannend und so musste ich es unbedingt anfragen. Was wäre, wenn eine Katze nach ihrem Tod noch “bleiben” könnte? Alex Howard lässt Kater Grimalkin dieses mystische Unterfangen durchleben.
Das Tier bleibt zwar als eine Art Geisterwesen am selben Ort, aber springt durch die Zeit. Grimalkin sieht, wer zukünftig in “seiner” Wohnung lebt, wie sie aussieht, was die Menschen essen, wie sie sprechen und analysiert die Errungenschaften und Ereignisse, die in der Zwischenzeit und während seiner “Besuche” stattfanden und -finden.
Für Katzenfans sind die Gedanken und Beschreibungen aus Katzensicht witzig und teilweise sehr vertraut. Wir schreiben unseren Katzen ja durchaus viele quasi-menschliche Eigenschaften zu und gehen natürlich davon aus, dass sie uns verstehen. Daher ist es nur logisch, wenn Grimalkin das auch kann. Er kann lesen und Zusammenhänge verstehen, benimmt sich aber abgesehen davon überaus “kätzisch”. Seine Reaktionen auf Lärm von beispielsweise einem Staubsauger lassen einen fast vergessen, wie intelligent er sein kann. Seine Katzeninstinkte sind dann doch immer wieder stärker.
Aber auch für alle, die nicht mit einer Katze zusammenleben, kann dieses Buch einiges Fantastische und Lehrreiche beinhalten. Die Zeitspanne, die Grimalkin erlebt, reicht von 1902 bis 2022. Zwar spielen die Episoden in Edinburgh, aber abgesehen von einigen interessanten Details und Anekdoten über das Leben dort, sind die historischen und zeitgeschichtlichen Aspekte sicher auch jedem anderswo in Europa vertraut.
Was das Buch aber sicher nicht ist: eine süße Tiergeschichte für Kinder. Man könnten ihnen sicher einige Auszüge, Grimalkin betreffend, vorlesen. In Summe steckt aber auch sehr viel Traurigkeit im Buch, die schon Erwachsenen sehr nahe gehen können.
Grimalkin, ein Kater in viktorianischer Zeit, geliebt und in einem Herrenhaus lebend, haucht sein Dasein aus, ohne all seine 9 Leben verbraucht zu haben. Daher darf er durch die Zeiten spuken - 120 Jahre durch die Augen einer Katze. Das geschichtsträchtige 20. Jahrhundert, in kurzen Kapiteln schlagwortartig zusammengefasst. So, wie man sich eben eine typische Katze vorstellt, sind auch Beobachtungen und Schwerpunkte geschildert. Zwischendurch sehr bewegend, immer mal wieder mit herzerwärmenden Momenten und kurzweilig geschildert. Ein Buch sicher auch für Katzen- und Edinburgh Fans und Geschichtsinteressierte, aber nicht nur. Der Wandel der Zeiten und die damit verbundenen Veränderungen regen immer mal wieder zum Nachdenken an.