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Wir waren Wunder

Maria Anna Mozart: die begabte Schwester - vergessen von der Geschichte

Leopold Mozart hat es als Musiker selbst nie weit gebracht. Er versucht alles, um seine talentierten Kinder Wolfgang Amadeus und Mariann überall in Europa als Wunderkinder zu vermarkten. Mariann, meist bloß »das Nannerl« genannt, wird mit kaum vierzehn Jahren in den Musikmetropolen Wien, Paris und London als Klaviervirtuosin gefeiert. Doch ihr eigener Vater, von Ruhmsucht und Größenwahn getrieben, drängt sie immer mehr an den Rand. Schließlich lässt Leopold Mozart seine Tochter gnadenlos fallen und beendet Marianns vielversprechende Karriere, um sich ganz Wolfgang zu widmen.

394 pages, Kindle Edition

Published July 1, 2026

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Community Reviews

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for LeserinLu.
425 reviews55 followers
July 5, 2026
Mit „Wir waren Wunder“ gelingt es Stefan Cordes nach „Billie“ erneut, eine fast vergessene historische Persönlichkeit so lebendig werden zu lassen, dass sie sich anfühlt wie eine Frau aus der Gegenwart. Der Roman erzählt von der außergewöhnlich begabten Musikerin Mariann Mozart, deren Talent von ihrem eigenen Vater zunächst gefeiert und schließlich systematisch unterdrückt wird. Leopold Mozart erscheint dabei als ein Mann, dessen Ehrgeiz und Geltungsdrang das Leben seiner Kinder bestimmen. Besonders die Vater-Tochter-Beziehung hat mich beim Lesen immer wieder wütend gemacht. Ich habe mit Mariann mitgelitten, ihren Schmerz und ihre Enttäuschung gespürt und ihrem Vater mehr als einmal die Stirn bieten wollen. Gleichzeitig tat mir auch Wolfgang leid, der ebenfalls unter den Erwartungen seines Vaters zu leiden hatte, wenn auch auf ganz andere Weise.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie Cordes erzählt. Trotz des historischen Settings wirkt die Sprache leicht, modern und nahbar. Nie hatte ich das Gefühl, einen klassischen historischen Roman zu lesen. Stattdessen war ich ganz in Marianns Gedanken und Gefühlen und habe jede ihrer Entscheidungen mitverfolgt. Toll fand ich außerdem, dass der Roman das tragische Schicksal seiner Protagonistin nie ausschlachtet. Die Geschichte ist bewegend, ohne kitschig oder überdramatisch erzählt zu werden.

Für mich ist „Wir waren Wunder“ ein Roman, der einen ganz neuen Blick auf die Familie Mozart wirft. Es ist ein Buch über weibliches Talent, das unsichtbar gemacht wird, und über familiäre Machtverhältnisse. Christian Cordes hat mich auch mit diesem Roman wieder überzeugt. Ich werde auch sein nächstes Buch ganz sicher lesen.
192 reviews1 follower
August 2, 2026
Jeder auf der Welt kennt wohl Wolfgang Amadeus Mozart, doch nur wenige wissen, dass er auch eine Schwester hatte. Mariann wird ebenso wie Wolfgang von ihrem Vater auf die Bühne gezerrt. Sie will nicht weg aus Salzburg, aber hat keine Wahl, denn Leopold Mozart hat Großes mit seinen Kindern vor. Mit der Zeit verschiebt sich sein Fokus komplett auf den Sohn und er lässt nicht nur seine Tochter fallen, sondern gefährdet auch die Existenz der gesamten Familie mit seinem wahnsinnigen Ehrgeiz, aber besonders mit seinem Hochmut.
Stefan Cordes widmet sich in „Wir waren Wunder“ einer Virtuosin am Klavier, die immer im Schatten ihres berühmten Bruders stand, und beweist nach „Billy“ ein weiteres Mal, dass er nicht nur Historisches wunderbar in Romanform gießen, sondern sich als Mann auch in eine Frau hineinfühlen kann. Ich lese meist Zeitgenössisches und nur sehr ausgewählt Autoren, vor allem wenn sie mit ihrem Male Gaze über eine Frau schreiben, stellen sich meine Antennen auf. Zu Stefan Cordes Romanen würde ich allerdings immer wieder greifen.
In passender Sprache, aber nicht altertümlich hochgestochen, beschreibt er das Leben der Mozarts, den Kampf um Anerkennung und den unbedingten Willen nach Ruhm, der erst nur vom Vater ausgeht und später auf Wolfgang übergeht. Leopold Mozart erinnerte mich stark an Tigermums und ich habe oft die Augen verdreht, weil er mich mit seinem Getue genervt hat. Was für eine Wohltat waren da die Frauen in der Familie: die Mutter, die dem Ehrgeiz ihres Mannes nur mahnende, manchmal zynische Worte entgegensetzen konnte und auch Mariann, die sich weitaus diplomatischer und bewanderter in den Musikkreisen der Metropolen bewegte. Auch ihre Freundinnenschaften zu den Prinzessinnen und zu Katherl haben mein Herz viele Male aufatmen lassen.
Dabei beschönigt Stefan Cordes nichts, nicht die Zeit, nicht die Erwartungen, die an Frauen gestellt wurden, und auch nicht den Schmerz, den Mariann empfunden hat.
Also egal, über wen er das nächste Mal schreibt, ich werde es lesen. Er gehört definitiv zu den Schriftstellern, die sich einen Platz in meinem Regal erschrieben haben.
Profile Image for Lisa_V.
817 reviews4 followers
July 6, 2026
Ausgebremst vom Patriachat

„Wir waren Wunder“ des Autoren Stefan Cordes erzählt die Geschichte von Maria Anna Mozart, genannt Marian. Erst zusammen mit ihrem Bruder als Wunderkind gefeiert, wird die junge Frau zunehmend von den Gegebenheiten ihrer Zeit gefangen gehalten und ist insbesondere den fragwürdigen Entscheidungen ihres Vaters ausgeliefert. Ehrlicherweise erfahren wir im Roman aber nicht nur ihre Lebensgeschichte. Da sie gemeinsam mit ihrer Familie reist, geht es auch immer wieder um ihren berühmten Bruder, den unfassbar unsympathischen Vater und ihre interessante Mutter. Der Roman liest sich durchaus interessant und man lernt viel über geschichtliche Zusammenhänge, die damalige Zeit, aber auch über Musik. Hin und wieder hatte die Erzählung für mich Längen, gerade zum Ende hin strafft sich aber das Geschehen und nahm mich ganz gefangen. Dem Autor gelingt es finde ich sehr gut patriarchale Strukturen deutlich zu machen welche es Frauen damals unmöglich machten ein unabhängiges Leben zu führen. Dennoch ist Marian eine doch selbstbewusste Figur. Auch wenn sie großes musikalisches Talent aufweist und als Virtuosin am Klavier bezeichnet wird, scheint sie nicht eigenständig komponieren zu wollen. Zumindest nicht im Roman. Schön wäre ein einordnendes Nachwort zu den historischen Gegebenheiten gewesen. Ohne dieses bleibt leider offen welche Details Realität und welche Fiktion waren. Dennoch rückt das Buch eine in Vergessenheit geratene Musikerin in den Mittelpunkt. Wer also ganz nah am aufwachsen der Mozart Geschwister dran sein möchte, ist hier genau richtig.
Profile Image for Alexia.
113 reviews1 follower
September 22, 2026
Wenn aus Wunderkindern Schatten werden…

Stefan Cordes hat das Leben der Familie Mozart auf absolut ergreifende und meisterhafte Weise in Szene gesetzt.
Es ist eine so traurige,
wehmütige Geschichte über Nannerl Mozart
– ein musikalisches Genie im Schatten ihres berühmten Bruders Wolfgang Amadeus.

Das Buch hat mich emotional zutiefst berührt.
Der ständige Zwiespalt mit ihrem Vater,
der Verlust ihrer geliebten Mutter in Paris,
das frühe Ableben ihrer besten Freundin
und schließlich der Abschied von ihrem Bruder… 💔

Ganz am Ende blickt Nannerl als alte Frau auf all die Menschen zurück,
die sie geliebt hat und die viel zu früh aus ihrem Leben verschwunden sind.

Am Ende des Buches,
wo sie ein Portrait ihres Bruders
von der Wand nehmen lässt...
... überkam mich der Gedanke :

"Egal wie viele Erinnerungen wir im Herzen tragen und wie viele Menschen unseren Weg kreuzen oder vor uns gehen – am Ende bleiben wir alle nur ein Porträt an einer Wand."

Ein Foto an der Wand von Menschen,
die uns geliebt haben, als stumme Erinnerung.
Ein unglaubliches, extrem emotionales und geschriebenes Buch, das noch lange in mir nachklingen wird.

Absolute Leseempfehlung!
Profile Image for mali.
3 reviews
August 27, 2026
Zu Beginn erschienen die vielen Dialoge sehr eintönig, die Perspektive Marianns wird der Leserschaft jedoch durch den Erzählstil authentisch vermittelt. Die zweite Hälfte des Buches fand ich im Gegensatz zu den ersten Reisen der Familie interessanter. Die eingeworfenen Blicke in die Zukunft der verschiedenen Persönlichkeiten gegen Ende hin wirken etwas aufgesetzt.
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