4,25/5- Abseits von dem Determinismus mit dem Manow die Globalisierung beschreibt, ist das Buch wieder wahnsinnig gut. Zwar ist mir diesmal auch nochmal stärker aufgefallen als sonst, dass er seine Werke nicht simpel schreibt, aber bei Interesse fürs Fach kommt man da trotzdem gut durch. Seine Herleitung der neuen Spaltungslinie aus der doppelten Liberalisierung der Globalisierung resp. Supranationalität ist sehr gut argumentiert und aufgrund der sehr genauen Arbeit mit Quellen bzw Auswertungen auch nur schwer zu widerlegen. Die Polemiken gegen sein Fach haben mir auch erneut sehr gut gefallen. Alleine die Tatsache, dass er einer der wenig Politikwissenschaftler:innen ist, die noch deskriptiv statt normativ arbeiten und das hierbei, wo es exakt um die Begründung der Einordnung in unterschiedliche „Spalten“ (Cleavages) geht, sehr dienlich für ein besseres Verständnis.
Die Kernthese ist sehr interessant und bringt tatsächlich etwas Licht ins Dunkle. Allerdings bin ich überzeugt, dass man das Argument (sprachlich) etwas zugänglicher ausformulieren könnte… teilweise habe ich mit den Sätzen gekämpft. Vor allem für Laien ist das Buch eher nichts. Zuletzt bin ich nicht davon überzeugt, dass “Wertediskurse” allein in die soziokulturelle Dimension gehören und Verteilungskonflikte eine gesonderte Sphäre darstellen. Meiner Meinung nach sind beide untrennbar miteinander verknüpft.
Die einzige Kritik die ich habe ist, dass Manow die Globalisierung als eine fast schon selbständig laufende Veränderung der Welt ansieht. Diese wird politisch wenig bestimmt und auch kein Interesse der jeweiligen Akteure herausgearbeitet. Das die Folgen dieser dann jede Nation treffen (eben auch das nach Post-Brexit England und die USA) zeigt dass diese Auswirkungen auch nicht durch den Rückzug auf den souveränen Nationalstaat zu stoppen sind. Auf Grund dieser Schwäche liegt der Fokus meines Erachtens zu sehr auf der EU und der europäischen Integration. Trotzdem, wie Manows vorherige Bücher auch, sehr zu empfehlen.