"The Tools" hat mich vor allem deshalb neugierig gemacht, weil das Buch von zwei (scheinbar renommierten) Psychotherapeuten geschrieben wurde. Einige von Euch haben es ja vielleicht schon mitbekommen, dass ich selbst als Psychologin arbeite und mich derzeit in Weiterbildung zur Psychotherapeutin befinde, deshalb habe ich mir von dem Buch natürlich ein paar wertvolle Tipps für meine Arbeit mit Patienten erhofft.
Was Mr. Stutz zu Beginn des Buches schreibt, klingt sehr vielversprechend. Es wird davon gesprochen, dass die beiden Herren durch ihre langjährige Erfahrung ein paar Tools entwickelt haben, die scheinbar jedes psychologische Problem lösen sollen. Diese Versprechung ist schon mal sehr weit hergeholt, denn auch wenn die meisten (psycho-)therapeutischen Methoden evidenzbasiert sind, wagt es keine Therapierichtung zu behaupten, dass man damit jedes Problem lösen kann. Man kann aber durchaus eine Reduzierung des Leidensdrucks versprechen.
Voller Wissensdurst wollte ich also die Geheimnisse der Psychotherapie entdecken. Doch so enthusiastisch ich das Buch begonnen habe, so schnell ist mein Interesse für den Inhalt auch wieder verflogen. Relativ bald wurde mir klar, dass das Buch sehr viel leeres Gerede enthält, das Mal hier und da mit (für mich teilweise sehr merkwürdigen) Patientengeschichten ergänzt wird. Die vielen Worte sollen vermutlich darüber hinwegtäuschen, dass es tatsächlich einen Inhalt gibt, der hier vermittelt werden soll. Spätestens nachdem man das Ende des Kapitels zum ersten Tool erreicht und sieht, dass jedes Tool kurz und knapp auf maximal 2 Seiten zusammengefasst werden kann, sollte es dem Leser dämmern, wie wenig Konkretes hier einem vermittelt wird. Das Gerede des Autors ist dabei so ausschweifend und unkonkret, dass es mir schleierhaft war, worum es eigentlich geht. Die versprochenen Tools waren ausserdem auch nichts anderes als bereits bestehende psychotherapeutische Techniken, denen die Autoren bloss einen einfacheren und reisserischen Namen gegeben haben. Wenn ich an meine Patienten denken, dann würden sie wohl die Augen verdrehen, wenn ich von ihnen verlangen würde, eine Technik anzuwenden, bei dem sie ihrem vermeintlichen Todfeind "aktive Liebe" entgegen bringen müssen. Der Grundgedanke ist ja nicht falsch, aber das was Mr. Stutz da mit seinem lächerlichen Vokabular zu erklären versucht, wird in der Psychotherapie schlicht und ergreifend als "radikale Akzeptanz" bezeichnet, was meiner Meinung nach auch ein viel treffender Begriff ist. Es würde jetzt allerdings zu weit führen, wenn ich jedem Tool die entsprechend offizielle Technik aus der Verhaltenstherapie o.ä. gegenüberstellen würde. Aber glaubt mir einfach, wenn ich sage, dass die beiden Psychotherapeuten das Rad nicht neu erfunden haben, sondern bekannte Techniken unter anderen Begriffen vermarkten. Dabei sind ihre Erläuterungen teilweise so seltsam, dass ich sie als Laie nur schwer umsetzen könnte, weil sie teilweise einfach übertrieben und lächerlich klingen.
Ich habe das Buch relativ bald einmal nur noch überflogen, weil für mich nichts Hilfreiches erläutert wurde und es reicht, wenn man sich die Kapitelzusammenfassungen am Ende durchliest. Spätestens als von einer höheren Macht die Rede ist, war bei mir die Schmerzgrenze erreicht und ich habe das Buch endgültig abgebrochen.
Fazit:
"The Tools" ist ein Selbsthilfebuch, dessen Inhalt fast ausschliesslich aus Schein-Tiefsinn besteht und damit nichts anderes ist, als leeres Gerede. Das Buch liest sich so wie von einem dieser typisch amerikanischen Prediger, die auf der Bühne stehen und mit ihrem Geschwafel versuchen ihr (angebliches) Erfolgskonzept vor einem Publikum zu vermarkten. Seriös ist das, was dort drin steht, nicht. Ausserdem vermitteln die Autoren den Eindruck, als hätten sie die Tools selbst entwickelt. Tatsächlich haben sie sich aber einfach bloss irgendwelche seltsame Namen für bereits bestehende Techniken aus der Psychotherapie ausgedacht, die aber vielleicht nicht so reisserisch vermittelt werden, wie es in diesem Buch der Fall ist. Ich würde jedem Laien und auch jeder Fachperson von diesem Buch abraten. Es gibt deutlich hilfreichere Selbsthilfebücher auf dem Markt, die mehr als nur leere Worte enthalten. Mehr als ein Stern hat "The Tools" deshalb nicht verdient.