Mit ihrem zweiten Roman etabliert sich Elena Fischer als unverkennbare Stimme der neuen deutschen Literatur
Eine Geschichte über vorgezeichnete Lebenslinien und den Mut, auszubrechen
Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den sechziger Jahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie - sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.
Sein Vater hat ihm Einiges das Haus, den Hof, die Tiere - und damit immer genug zu tun. Was er Joseph nicht mitgegeben hat, ist die Fähigkeit zu reden – über Angst, Krieg oder Liebe. So ist auch Joseph zu einem Mann geworden, den seine Verluste wortkarg machten. Sein Bruder ist ertrunken, die geliebte Großmutter gestorben und seine Frau Lis ist mit dem gemeinsamen Sohn zurück in die Stadt gezogen. Gerade, als Joseph den Tod als besten Ausweg zu akzeptieren beginnt, klingelt es an der Tür und Birdie fällt ihm in die Arme und in sein Leben. Während sie sich langsam erholt und von ihrer Liebsten und ihren Berufsträumen zu erzählen beginnt, stellt sich Joseph Wahrheiten, vor denen er bislang Reißaus genommen hat. Über sich als Bruder und Vater und liebenden Mann.
»Erzähltempo und Cliffhanger treiben die Geschichte voran und machen das Debüt zu einer mitreißenden Lektüre, die man nicht mehr aus der Hand legen kann.«
Mir tut es ja immer irgendwie weh, wenn ich Autor*innen, die ich äußerst sympathisch finde und deren andere Bücher ich wirklich gerne gelesen habe, eine schlechte Bewertung geben muss. So ist es jetzt auch bei Elena Fischer. Ihr Debüt Paradise Garden hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich war so gespannt auf Wirf einen Schatten, ihren zweiten Roman. Als ich dann zu lesen anfing, war mir dann leider schnell klar, dass es diesmal anders sein würde. Natürlich fällt es mir leichter, mich in ein junges Mädchen in der heutigen Zeit hineinzuversetzen, als in einen von seiner Frau verlassenen Bauern in den Sechzigerjahren. Doch das allein war nicht das Problem. Mir war an der Geschichte einfach vieles zu konstruiert, die Zufälle waren mir zu groß. So klopft es genau in dem Moment an die Tür, als Joseph sich erschießen möchte. Dann ist da Birdie, auf der Flucht vor ihrer Familie, die einfach so über Nacht im Haus eines wildfremden Mannes bleibt, ohne irgendwelche Ängste. Und dann ist da noch die Geschichte mit Ada, Josephs Schwägerin. Das war für mich alles ein bisschen zu viel und zu unglaubwürdig. Zwischen den Kapiteln, die aus Josephs Perspektive erzählt werden, werden die Ereignisse aus der Vergangenheit antichronologisch erzählt. Das fand ich wiederum recht gelungen und es verlieh dem Roman etwas eigenes. Insgesamt war das Buch meiner Meinung nach lediglich durchschnittlich, etwas, das man liest, danach jedoch schnell wieder vergisst.
"Es war geisterhaft still.Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen."
"Seit fast sechs Monaten hatte er nichts von Lis gehört. Auf dem Land waren sechs Monate ein halber Zyklus Leben. Mehr als eine Jahreszeit, genug, um über Gedeih und Verderb eines Hofes zu entscheiden. Hier, in den Bergen, in den Dörfern, auf den Höfen, konnte man sich keine Fehler leisten. Der größte Fehler war, nicht mit der Natur zu arbeiten. Wie lange war ein halbes Jahr in der Stadt? Er wusste es nicht. Vielleicht lange genug, um sich an ein neues Leben zu gewöhnen, das im Grunde ja nur das alte war."
"Wie maß man Mut? In der Anzahl der Zweifel, die einem auf dem Weg kamen, den man doch beharrlich weiterging?"
"Wenn andere sich wiedersahen, erzählten sie einander, was sie in der Zwischenzeit erlebt hatten; sie beide hingegen erzählten einander, was sie geträumt hatten. So war es einfacher. Vielleicht."
"Lesen kann die Nacht in uns vertreiben."
"Ihr Lachen hatte ein Unbehagen in ihm ausgelöst, auf das er nicht den Finger legen konnte."
"Beim Essen oder beim Gehen war es leichter, über Unangenehmes zu sprechen. Vielleicht lag es daran, dass der Körper etwas zu tun hatte."
"«Joseph sah in den Himmel, dachte nach. So, wie es beinahe unmöglich war, Gefühle in Worte zu fassen, war es beinahe unmöglich, einen Traum in Worte zu fassen. Es war immer bloß eine Annäherung."
"Alles, was offen war zwischen ihnen, offen und leicht, ist nun geschlossen."
"Er denkt: Wann kennen wir jemanden? Wenn wir seit zwanzig Jahren Bett und Tisch mit ihm teilen? Wenn wir wissen, auf welche Art jemand gerne ein Ei isst?"
"Manchmal, wurde ihm stattdessen klar, weiß man erst in dem Moment, in dem man etwas ausgesprochen hat, dass es das Richtige ist, auch, wenn man noch nicht genau weiß, wie es weitergeht."
Nach dem großartigen Leseerlebnis mit dem Roman „Paradise Garden“ hatte ich hohe Erwartungen an Elena Fischers neuen Roman „Wirf einen Schatten“. Leider konnte mich dieses Buch nicht in gleicher Weise überzeugen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Joseph, ein von seiner Frau verlassener Bauer in den 1960er Jahren, der auf einem Hof lebt und zunehmend mit Einsamkeit, Verlust und seiner Sprachlosigkeit ringt. Als die junge Birdie unerwartet in sein Leben tritt, gerät seine festgefahrene Welt in Bewegung.
Die Grundidee des Romans hat durchaus Potenzial. Besonders Josephs innere Zerrissenheit und seine Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, sind interessante Ausgangspunkte. Dennoch hatte ich während der Lektüre immer wieder das Gefühl, dass die Figuren nicht wirklich in die Zeit passen, in der die Handlung angesiedelt ist.
Das zeigt sich vor allem in der Sprache und den Dialogen. Viele Gespräche wirken erstaunlich modern und eher wie aus heutiger Perspektive geschrieben. Auch Details wie der Spitzname „Birdie“ oder bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen der Figuren erschienen mir für das konservative, kleinbäuerliche Milieu der westdeutschen Provinz in den frühen 1960er Jahren wenig glaubwürdig. Die Hauptfiguren handeln teilweise so fortschrittlich und selbstbestimmt, wie man es eher einige Jahre später erwarten würde – selbst im Umfeld der gesellschaftlichen Umbrüche der späten Sechziger Jahre aber sind manche Einstellungen völlig revolutionär.
Hinzu kommt, dass manche Charaktere für mich nicht immer stimmig gezeichnet sind. Joseph wird als sensibler, nachdenklicher Mensch beschrieben, verhält sich aber in entscheidenden Situationen häufig erstaunlich unsensibel. Auch seine Charakterdarstellung bleibt stellenweise unbefriedigend. So beschließt er am Ende beispielsweise, das Schlachten aufzugeben – eine weitreichende Entscheidung für einen Bauern, die jedoch kaum erläutert oder nachvollziehbar entwickelt wird. Hier hatte ich den Eindruck, dass gegenwärtige moralische Vorstellungen recht unkompliziert in die Vergangenheit übertragen werden.
Darüber hinaus empfand ich einige Szenen als übermäßig kitschig. Beispielsweise die Annäherung zwischen Ada und Joseph bei der Geburt eines Lämmchens wirkte auf mich sehr konstruiert. Dass das Tier später stirbt und damit symbolisch für die Beziehung der beiden steht, erinnerte mich stark an die Dramaturgie klassischer Heimatfilme der 1950er und 1960er Jahre. Ironischerweise ist dies einer der Momente, in denen das Buch seiner dargestellten Epoche tatsächlich nahekommt.
Trotz meiner Kritik liest sich der Roman flüssig, und einzelne Figurenmomente besitzen durchaus emotionale Kraft. Insgesamt konnte mich „Wirf einen Schatten“ jedoch nicht so berühren wie „Paradise Garden“. Vor allem die mangelnde historische Glaubwürdigkeit und die teilweise widersprüchliche Figurenzeichnung haben meinen Lesegenuss geschmälert.
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Am 24. Dezember 1963, Heiligabend, will Joseph nicht mehr weiterleben. Er schreibt eine kurze Liste, 2 kleine Briefe und setzt sein Gewehr an, als es an der Tür klingelt und seine Pläne über den Haufen geworfen werden. Seitdem seine Frau Lis ihn im August 1963 zusammen mit dem gemeinsamen Sohn Samuel verlassen hat, ist Joseph (wieder) einsam, ein Zustand, den er besser kennt als die meisten von uns Menschen. Als nun eine junge Frau vor ihm steht und seine Hilfe benötigt, tut Joseph, was er für das Richtige hält. Der Roman wird in zwei Zeitebenen erzählt - beginnend mit Heiligabend 1963 endet der erste, der Gegenwartsstrang, an Josephs Geburtstag, dem 08. Februar 1964. Der andere Strang beginnt mit dem August 1963, als Lis Joseph verlässt und geht in der Zeit rückwärts bis zum Mai 1957. Diese Erzählweise ist sehr gut gewählt, da der Lesende so nur sehr langsam erfährt, was genau geschehen ist und wie die Protagonisten an den Punkt in ihrem Leben kommen konnten, an dem sie nun sind. Einerseits folgen wir also vor allem Joseph, der im Fokus der Geschichte steht, in seiner Entwicklung und Veränderung und andererseits begreifen wir, warum er so war, wie er war und was der Grund für das Scheitern seiner Ehe war. Das Setting, ein einsamer Bauernhof in einem kleinen Ort, der nicht genannt wird, aber in der Nähe "der Stadt", aus der Lis und ihre Familie stammen, spiegelt Josephs Charakter und ist ein weiterer Baustein, um ihn und Lis besser zu verstehen. Eine weitere wichtige Person ist Lis´ ältere Schwester Ada, die auch, nachdem ihre Schwester ihren Schwager verlassen hat, immer noch Kontakt zu Joseph hält. Die Erzählweise hat mich sehr an das Buch gefesselt - ich wollte immer weiter lesen, um mehr zu verstehen von dem Menschen Joseph, der eine harte Kindheit und Jugend hatte und wahrhaftig kein Mann vieler Worte ist. Das Tempo des Romans ist eher ruhig und langsam und oft - vor allem in dem Rückblendenstrang - stark an den Wechsel der Jahreszeiten auf dem Hof angelehnt, was die Lektüre sehr atmosphärisch macht. Auch die Zeit, die die Autorin gewählt hat, ist interessant - Joseph hat noch das Ende des 2. Weltkriegs erlebt, die junge Frau, der er Unterschlupf gewährt, ist mit 20 Jahren noch nicht volljährig und der Willkür ihrer Eltern ausgesetzt, Frauen, die ohne Partner lebten und Karriere machten, waren eine Ausnahme und Väter brachten sich in die Kindererziehung noch nicht sehr stark ein.
Ich habe das Buch wirklich sehr, sehr gern gelesen und bin sehr berührt worden von den Figuren. Elena Fischer hat mich wieder überzeugt und ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter!
ET: 22. Juli 2026 Kostenloses Rezensionsexemplar TW: Suizidgedanken
In einem Dorf im Nachkriegs-Deutschland bewirtschaftet Joseph einen Hof. Als seine Frau Lis gemeinsam mit dem gemeinsamen Sohn Samuel den Hof verlässt, um in die Stadt zu ziehen, stürzt Joseph in eine tiefe Einsamkeit. Bis kurz vor Weihnachten plötzlich ein junges Mädchen vor seiner Tür steht, das seine Hilfe braucht. Gemeinsam mit seiner Schwägerin Ada versucht er, dem Mädchen zu helfen. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: der Gegenwartsstrang bewegt sich vorwärts, der Vergangenheitsstrang rückwärts.
Wer ein rasantes Erzähltempo, viele Plottwists und eine dichte Handlung erwartet, wird bei diesem Buch nicht fündig. Elena Fischer lässt sich bewusst Zeit und nutzt die Seiten, um die Gefühlswelt ihrer Protagonist*innen ebenso wie die Atmosphäre im Detail zu beschreiben. Genau darin liegt für mich auch die größte Stärke des Romans.
Besonders die Schilderungen von Einsamkeit und den depressiven Gefühlen, die Joseph umgeben, haben mich an mehreren Stellen wirklich tief berührt. Beispiel: „Der Schmerz darüber schwoll an und ab, war zu einem Grundrauschen geworden, war ein Teil von ihm. Die Tage wurden dunkler. Es war eine Dunkelheit, in der man sich verirren konnte, eine, aus der man nicht mehr herausfand.“
Sehr gelungen fand ich auch, wie die Beziehung zwischen Lis und Joseph gezeichnet wird: Man kann sich in beide gleichermaßen hineinversetzen, ohne dass der Eindruck entsteht, hier werde ein „guter“ gegen einen „bösen“ Partner ausgespielt. Die Enge, die Lis im Dorfleben zu schaffen macht, wird sehr gut herausgearbeitet. Auch das Bild von Elternschaft in den Nachkriegsjahren fand ich sehr gut dargestellt: Männer, die nichts anderes gelernt haben, als ihre eigene autoritäre Erziehung weiterzugeben - eine Erziehung, die keine Sanftheit und keine Gefühle (vor allem bei Männern) zulässt. Wie Joseph versucht, sich aus genau diesen Mustern zu lösen, fand ich sehr gut beschrieben.
Das einzige was mich gestört hat, waren ab und an kleine Plausibilitätslücken in der Handlung, z.B. dass ein junges Mädchen ohne Angst auf dem Hof eines fremden, alleinstehenden Mannes übernachtet - das kann ich mir fast nicht vorstellen.
Aber alles in allem ist das Buch für mich vor allem wegen seiner melancholischen, poetischen Erzählweise eine absolute Leseempfehlung!
Ein großartiges Buch, das ich definitiv noch mehrmals lesen werde! Der Plot setzt am Weihnachtsabend 1963 an. Joseph lebt völlig isoliert auf seinem Hof, verlassen von seiner Frau, die auch den gemeinsamen Sohn mitgenommen hat. Ausweglos und von der Einsamkeit erdrückt, steht er kurz davor, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch genau in diesem Moment reißt ihn das unerwartete Klingeln an der Haustür aus seinen Gedanken. Eine junge, hilfsbedürftige Frau bricht in seine Welt ein und zwingt sein Leben auf eine völlig neue Bahn. Trotz der inhärenten Tragik und Schwere von Josephs Schicksal gelingt der Autorin eine bemerkenswerte Balance: Die Erzählung verliert sich nie im reinen Pessimismus. Im Gegenteil, das Buch hat mich von der ersten Seite an so gepackt, dass ich es sprichwörtlich in einem Rutsch verschlungen habe. Man spürt in jeder Zeile die tiefe Empathie, die Herzenswärme und das feine Gespür, mit dem die Charaktere gezeichnet sind. Es kommt wirklich selten vor, dass mich ein Roman so tief bewegt und fesselt, dass ich ihn innerhalb von einem Tag durchlese.
Über dem gesamten Werk liegt zwar eine melancholische, bittersüße Note, aber die Hoffnung obsiegt. Es ist im Kern die Geschichte einer Suche nach dem inneren Licht, selbst dann, wenn die Schatten der Vergangenheit so mächtig scheinen, dass sie einen zu verschlingen drohen.
Stilistisch ist das Buch ein absoluter Genuss. Die Sprache ist elegant und poetisch, ohne überladen zu wirken. Die Autorin schafft es, komplizierte emotionale Zustände in Worte zu fassen, die gleichzeitig wehtun und wunderschön sind. Ihre Beobachtungen des alltäglichen Lebens sind dabei präzise auf den Punkt gebracht und gehen direkt ans Herz. Josephs Weg zurück zu sich selbst in einer Epoche, in der es für Männer absolut unüblich war, das eigene Dasein und tradierte Rollen zu hinterfragen, hat mich restlos begeistert.
Rezensionsexemplar | Triggerwarnung: Das Buch behandelt unter anderem Suizidgedanken, Tod und den Verlust geliebter Menschen.
Mich hat Wirf einen Schatten beim Lesen immer wieder leicht an Alte Sorten und Vom Ende der Einsamkeit erinnert - zwei Bücher die ich im vergangenen Jahr gelesen und geliebt habe, wo mir aber ein bisschen die weibliche Perspektive fehlte. Bei diesem Buch hat mir besonders gefallen, dass die Geschichte zwar aus der Perspektive eines Mannes erzählt wird, die Figuren und ihre Gedanken aber unglaublich reflektiert wirken. Für mich merkt man hier also, dass eine Frau über Männer schreibt – ich bin Fan von dem Schreibstil von Elena Fischer geworden!
Die Atmosphäre ist unglaublich dicht: Bauernhof, Wald, See, Trauer, Heilung und Nächstenliebe ziehen sich durch die Geschichte. Besonders mochte ich, dass vieles zunächst nur angedeutet wird und sich nach und nach erschließt, auch wenn das Gefühl, dass hinter jeder Figur noch viel viel mehr steckt bis zum Schluss bleibt.
„Sie hatten nicht darüber gesprochen, wie lange Birdie noch blieb. Joseph dachte: Es gibt für alles eine Zeit. Fürs Säen und Ernten, fürs Bleiben und Gehen.“
Ein kleiner Kritikpunkt war für mich, dass ich bei den Zeitsprüngen häufiger zurückblättern musste, weil ich den zeitlichen Überblick verloren habe. Außerdem hätte das Buch für meinen Geschmack gerne ein paar Seiten länger sein dürfen. Einige Handlungsstränge bleiben wie gesagt bewusst offen – das mag ich grundsätzlich, hier hätte ich mir an manchen Stellen aber wirklich noch etwas mehr Tiefe gewünscht.
Trotzdem hat mich Wirf einen Schatten sehr berührt. Es ist ein stilles, intensives Buch über Verlust, Hoffnung und Menschlichkeit. Eine klare Empfehlung für alle, die atmosphärische, emotionale Geschichten mögen, aber: das Buch war für mich kein typischer Summer Read, ich würde es empfehlen im oder um den Winter herum zu lesen, weil es auch in der Jahreszeit spielt hauptsächlich.
Mit „Wirf einen Schatten“ ist Elena Fischer erneut ein leiser und eindringlicher Roman gelungen, der langsam und lange nach dem Lesen wirkt. Bereits „Paradise Garden“ hat mich sprachlich begeistert und auch dieses Buch zeigt, wie eindrucksvoll die Autorin menschliche Verletzlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen erzählen kann.
Im Mittelpunkt steht Joseph, der nach der Trennung von seiner Frau und dem Fortgang seines Sohnes allein auf seinem abgelegenen Bauernhof zurückbleibt. Als er keinen Ausweg mehr sieht, verändert eine unerwartete Begegnung seinen Blick auf das Leben. Parallel dazu führen Rückblenden in die Vergangenheit und machen nach und nach verständlich, wie Joseph zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist. Gerade diese Erzählweise hat mir sehr gefallen, weil sich die Zusammenhänge Stück für Stück erschließen und den Figuren große Glaubwürdigkeit verleihen.
Besonders beeindruckt hat mich Elena Fischers Sprache. Sie schreibt ruhig, poetisch und zugleich präzise, ohne dabei jemals pathetisch zu wirken. Viele Gefühle werden nicht ausgesprochen, sondern liegen zwischen den Zeilen. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Roman eine große emotionale Kraft. Auch die Natur und das abgeschiedene Landleben sind atmosphärisch eingefangen und unterstreichen die Melancholie der Geschichte auf eindrucksvolle Weise.
Der Roman lebt weniger von großen Wendungen als von seinen leisen Momenten. Themen wie Einsamkeit, Verlust, Schuld und die Hoffnung auf einen Neuanfang werden mit viel Feingefühl erzählt. Besonders gefallen hat mir, dass Veränderung nicht plötzlich geschieht, sondern als langsamer und glaubwürdiger Prozess dargestellt wird.
Für mich ist „Wirf einen Schatten“ ein sprachlich wunderschöner und emotional tiefgehender Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite eine besondere Atmosphäre entfaltet. Elena Fischer beweist erneut ihre außergewöhnliche Fähigkeit, große Gefühle mit leisen Worten auszudrücken.
Mit "Wirf einen Schatten" erzählt Elena Fischer eine ruhige, tiefgründige Geschichte über Einsamkeit, Verlust und die Kraft menschlicher Begegnungen. Im Mittelpunkt steht Joseph, der nach und nach lernen muss, sich seiner Vergangenheit und seinen Gefühlen zu stellen. Als die junge Birdie unerwartet auf seinem Hof auftaucht, gerät sein festgefahrenes Leben in Bewegung. Gemeinsam mit den Frauen, die ihn auf unterschiedliche Weise geprägt haben – seiner Frau Lis und ihrer Schwester Ada –, beginnt er, längst verdrängte Wahrheiten zuzulassen.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Wie so oft bei Romanen mit Rückblenden haben mich die Kapitel in der Gegenwart deutlich mehr gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, wie Joseph und Birdie ihren Weg finden, während ich die Abschnitte aus der Vergangenheit zwar wichtig für das Gesamtbild fand, sie mich aber nicht ganz so sehr in ihren Bann ziehen konnten.
Besonders beeindruckt hat mich die Botschaft des Romans: Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Elena Fischer zeigt einfühlsam, wie schwer es sein kann, über Ängste, Liebe und Schmerz zu sprechen – und wie befreiend es ist, sich anderen dennoch zu öffnen. Gerade Josephs Entwicklung ist dabei glaubwürdig und berührend erzählt.
Elena Fischers Sprache ist ruhig und atmosphärisch und passt perfekt zu dieser leisen, emotionalen Geschichte. Auch wenn ich die Gegenwartshandlung deutlich lieber gelesen habe als die Rückblicke, hat mich der Roman mit seinen authentischen Figuren und seiner warmherzigen Botschaft überzeugt.
Ein berührender Roman, der zeigt, dass Heilung oft dort beginnt, wo Menschen den Mut finden, ihre Verletzlichkeit zuzulassen.
Zwei Zeitstränge, eine Geschichte: "Wirf einen Schatten" erzählt von Joseph, einem Bauern, den vor sechs Monaten seine Frau verlassen hat – den gemeinsamen Sohn hat Lis gleich mitgenommen. Was bleibt, ist eine Leere, die ihn an den Rand treibt. Und doch geht das Leben weiter, ob man will oder nicht. Parallel dazu blättert der Roman die Geschichte zwischen Lis und Joseph von hinten auf – von der Trennung zurück zu den Anfängen. Vorwärts gelebt, rückwärts verstanden. Und dabei entsteht etwas ganz Neues: Das ist das Herzstück des Buches. Sprachlich ist "Wirf einen Schatten" leise, stellenweise poetisch, mit Bildern und Gedanken, die hängen bleiben ("Lesen kann die Nacht in uns vertreiben." S. 65). Eingestreut sind immer wieder Lebensweisheiten der verstorbenen Großmutter, ach, hätte man doch nur selbst so eine lebenskluge Ratgeberin ("Der eine kann den anderen nicht glücklich machen, aber zumindest unglücklich machen sollte er ihn nicht." S.67). Wo schwächelt der Roman in meinen Augen: Die Figuren bleiben etwas blass, besonders aufgefallen ist es mir bei der jungen Birdie, die Joseph vorübergehend aufnimmt – ihre Entwicklung wirkt nicht ganz schlüssig. Einige Dialoge klingen zudem konstruiert, und das Setting der 50er/60er Jahre hätte ruhig mehr Atmosphäre vertragen. Wer das in Kauf nimmt, bekommt einen Roman, der auf eine stille und warme Weise eine besondere Liebesgeschichte erzählt.
„Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer hat mich sehr berührt. Im Mittelpunkt steht der ältere Joseph, der nach der Trennung von seiner Frau Lis und seinem Sohn Samuel allein auf einem Bauernhof zurückbleibt. Die Einsamkeit bestimmt seinen Alltag, bis Birdie plötzlich in sein Leben tritt. Birdie ist von zu Hause weggelaufen, und obwohl beide ganz unterschiedliche Geschichten mitbringen, entsteht zwischen ihnen langsam eine sehr berührende und besondere Verbindung. Auch Ada, Lis Schwester, hilft Joseph dabei, sich seinen Erinnerungen und inneren Konflikten zu stellen. Besonders gefallen hat mir, wie nahbar die Figuren beschrieben sind. Ihre Gefühle, Ängste und Hoffnungen wirken greifbar, ehrlich und nachvollziehbar. Durch die verschiedenen Zeitebenen versteht man immer besser, warum Joseph sich so sehr zurückgezogen hat und wie aus ihm die Person geworden ist, die er ist. Elena Fischers Schreibstil ist ruhig, bildhaft und voller Atmosphäre. Die ländliche Umgebung, die kurzen Kapitel und die einfühlsame Sprache machen das Buch trotz ernster Themen sehr angenehm zu lesen. Elena Fischers Sprachstil gefällt mir super, alle Fans von ihrem vorherigen Werk „Paradis Garden“ werden auch dieses neue Buch lieben! „Wirf einen Schatten“ ist für mich ein sehr einfühlsamer, intelligenter und gefühlvoller Roman über Familie, Verlust und Zugehörigkeit. Sowie die Hoffnung, wieder zurück ins Leben zu finden. Eine klare Empfehlung <3
Elena Fischer hat mich schon mit ihrem Debüt "Paradise Garden" verzaubert - ihr neuester Roman "Wirf einen Schatten" toppt das für mich noch einmal. Die Geschichte erzählt von Joseph, der von seiner Frau Lis und Sohn Samuel verlassen wurde und nun mit seinem Schicksal hadert. Dann treten mit Ada, der Schwester von Lis und Birdie zwei Frauen in sein Leben, die ihm eine neue Richtung geben.
Die Geschichte spielt in den 60er-Jahren auf dem Land und spricht die Themen Einsamkeit, Schicksalsschläge und die große Liebe an. Es wird abwechselnd auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt: die Zeit, nachdem Joseph verlassen wurde, aber auch die Zeit, als er Lis kennengelernt hatte. Immer mal wieder gibt es auch Einblicke in seine Kindheit auf dem Hof, wo auch sein Bruder eine große Rolle spielt.
Der Roman ist sehr atmosphärisch. Mit einer großen Sprachgewalt schafft Elena Fischer so ein authentisches Setting. Das Buch ist dabei durchweg spannend und ich wollte es gar nicht aus der Hand legen. Dazu tragen auch die recht kurzen Kapitel bei. Die Figuren sind mir sehr sympathisch und ich konnte mit Joseph mitfühlen. Aber auch Ada und ihre poetische Art mochte ich sehr gerne.
Alles in allem eine große Herzensempfehlung für diese tolle Geschichte. Sie hat mich direkt in ihren Bann gezogen.
„Wirf einen Schatten“ war für mich ein Buch, das vor allem durch seine Atmosphäre und seine Figuren gewirkt hat. Ich bin mit anderen Erwartungen an die Geschichte herangegangen und war zunächst überrascht, wie ruhig und entschleunigt sie erzählt wird. Im Mittelpunkt steht Joseph, ein Mann, der sein Leben lang gelernt hat zu funktionieren, aber nie wirklich gelernt hat, über seine Gefühle zu sprechen.
Joseph war für mich eine Figur, mit der ich sehr mitfühlen konnte, gerade weil er so unauffällig und menschlich wirkt. Seine Sehnsucht nach Nähe, sein Bedauern über verpasste Chancen und seine Schwierigkeiten, sich anderen zu öffnen, waren sehr emphatisch dargestellt. Besonders gefallen hat mir dabei die Sprache des Romans. Sie ist ruhig, oft poetisch und transportiert die melancholische Stimmung der Geschichte. Viele Kapitel leben weniger von dramatischen Ereignissen als von Gedanken und Erinnerungen.
„Wirf einen Schatten“ ist kein lauter Roman und keine Geschichte voller Wendungen. Stattdessen erzählt er langsam, nachdenklich und einfühlsam von Menschen, die lernen müssen, sich ihren Wahrheiten zu stellen. Gerade diese Ruhe und Melancholie haben das Buch für mich besonders gemacht.
Dieser Roman hat mich tief berührt und lässt mich so schnell nicht mehr los. Die Geschichte führt uns zurück in die 1960er Jahre auf einen einsamen Hof in den Bergen. Dort lebt Joseph, der nach dem Verlust seiner Familie völlig isoliert und am Boden zerstört ist. Doch genau im dunkelsten Moment klopft das Schicksal an seine Tür: Die junge, hilfsbedürftige Birdie taucht unerwartet auf und bringt Josephs Leben ins Rollen.
Was als traurige Erzählung beginnt, entwickelt sich zu einer wunderschönen Geschichte über den Mut zur Veränderung. Es ist faszinierend zu sehen, wie Joseph durch Birdie und die Unterstützung seiner Schwägerin Ada ganz langsam aus seiner Starre erwacht, seine Rolle hinterfragt und neuen Lebensmut schöpft.
Elena Fischer schreibt unfassbar feinfühlig, poetisch und direkt. Sie schafft es, eine melancholische, aber dennoch hoffnungsvolle Atmosphäre aufzubauen, die einen komplett in den Bann zieht. Ein absolut stimmiges, emotionales und fesselndes Buch, das zeigt, dass es nie zu spät ist, über seinen eigenen Schatten zu springen. Große Leseempfehlung!
Eine ruhige, melancholische Geschichte "Wirf einen Schatten" erzählt von Joseph: seine Frau Lis ist gemeinsam mit deren Sohn Samuel vom Hof weggezogen, Lis wollte weg vom zurückgezogenen Landleben und raus aus einer Ehe, in der die beiden sich kaum mehr etwas zu sagen hatten. Übrig geblieben ist Joseph und eine allumfassende Stille, an der er zu zerbrechen droht. Dann steht Birdie vor seiner Tür, sie sucht Zuflucht und Joseph nimmt sie kurzerhand auf. Nach und nach gelingt es den beiden, sich gegenseitig den Halt zu geben, den sie jeweils dringend benötigen. Elena Fischers Schreibstil ist wunderbar atmosphärisch, poetisch und melancholisch - es fühlte sich an, als wäre man mit auf Josephs Hof. Auch die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit haben mir hier sehr gefallen. Es ist eine leise Erzählung, die ohne große Spannung ganz gut auskommt. Das sollte man wissen. Von mir aber eine Empfehlung.
3,5 Sterne - ich mochte besonders die Verletzlichkeit, mit der Fischer ihre Charaktere skizziert und zugleich aufzeigt, wie hart das Ausbrechen alter Muster und das Zulassen von Gefühlen sein kann. Die erste Hälfte über hat mich das Buch stark an "Alte Sorten" von Arenz erinnert, was vor allem an der Zufälligkeit der zwei Menschen auf dem Hof lag. Insgesamt ein schöner Roman, der trotz großer Einschnitte in der Handlung für mich durch seine Ruhe überzeugt, fast so als stände man selbst im Wald.