Von der Magie der zweiten Chancen, der Schönheit, die im Scheitern liegt und dem Mut, sich aufzubäumen - Der neue flirrende Roman der »Nordstadt«-Autorin
Magisch ist zurück. Natürlich in dem Haus hinter dem Knallerbsenwall, natürlich mit einem Job, der nicht ganz legal ist, natürlich mitten in der flirrenden Hitze des Spätsommers. Und alles fühlt sich an wie in ihren besten Zeiten, als Marie und Magisch erst enge Freunde und dann die erste Liebe wurden. Mehr als fünfzehn Jahre sind vergangen, und jetzt sitzen sie unten am Feldweg bei der Pferdekoppel im Schatten der Büsche und trinken Fanta-Korn als wären sie nie weg gewesen. Doch Andi, Maries Bruder, ist auch noch da, war tatsächlich nie weg, ist mittlerweile in der Partei, und noch immer gefährlich. Als Magisch bedroht wird, ist für Marie der Zeitpunkt gekommen, die Frage nach der Brandmauer in der eigenen Familie neu zu stellen.
Von widerständiger Liebe, Geschwisterschaft, einer eigenwilligen Dorfgemeinschaft und einem Neuanfang am Rande des Ruhrgebiets
Annika Büsing ist als Arbeiterkind im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Punkrock und Bücher. Nach dem Abitur schloss sie zunächst eine Ausbildung in einem Verlag ab, entschied sich dann aber, Germanistik und Theologie auf Lehramt zu studieren. Nach dem Studium zog es sie Richtung Norden, zunächst nach Island zum Jobben und Schreiben, dann nach Hamburg zum Referendariat. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen wieder in Bochum, wo sie an einem Gymnasium unterrichtet. Die Liebe zu Punkrock und Büchern ist geblieben. "Nordstadt" ist ihr erster Roman.
Wunderschön und einzigartig Als Marie und Magisch, eigentlich Paul, sich nach über 15 Jahren in ihrem Heimatort wiedersehen ist vieles neu und vieles wie früher – vor allem die Gefühle. Leider ist auch die Gefahr durch gewaltbereite Rechtsextreme nichts Neues für die Beiden, und auch nicht, dass sie unter anderem von Maries‘ Bruder Andi ausgeht…
„Magisch“ ist ein im wahrsten Sinne magischer Roman, der mich direkt ins Herz getroffen hat. Wie schon in ihrem Debüt „Nordstadt“ fängt Annika Büsing dieses ganze besondere Gefühl von Spätsommer auf dem Dorf, von Nostalgie und den ersten (und zweiten) ganz großen Gefühlen ein.
Ich habe mich sofort sowohl in Marie als auch in Magisch verliebt, ihre Geschichte ist sowohl in den Rückblicken als auch in der Gegenwart sehr schön und authentisch erzählt. Aber auch die Familiendynamiken und vor allem die sehr komplizierte Beziehung von Marie zu ihrem rechtsextremen Bruder Andi sind sehr treffend und nachvollziehbar dargestellt. Der Roman stellt immer wieder schwierige Fragen: Wie geht man mit Familienangehörigen um die auf die schiefe Bahn geraten und Liebsten Gewalt antun? Wie stellt man sich Hass und Hetzte am besten entgegen? Was kann man alles verzeihen?
Doch bei all den ernsten Themen, ist „Magisch“ auch so humorvoll, klug und skurril, so liebe- und hoffnungsvoll und so leicht und warm wie ein wunderschöner Spätsommertag, so dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.
Fazit: Eine wunderschöne und einzigartige Geschichte über zweite Chancen, Widerstand und die ganz große Liebe – unbedingte Leseempfehlung!
Ein ganz besonderer Ton und eine außergewöhnliche Atmosphäre. Bis jetzt mein Jahreshighlight, ich wollte es gar nicht loslassen und denke immer noch oft drüber nach