Niedecken erzählt. Von einer Kindheit zwischen Trümmern im Nachkriegs-Köln. Vom katholischen Internat und von der Rebellion gegen Autoritäten. Von der Malerei und seinen Ausstellungen. Von den ersten Gehversuchen mit BAP und den späteren Triumphen. Vom Songschreiben und Unterwegssein. Von Liebe, Freundschaften und Abschieden, von Wendepunkten, Zufällen und ein bisschen Glück. Von der Begegnung mit Heinrich Böll und der Zusammenarbeit mit Wim Wenders. Von Flüchtlingslagern und Hilfsprojekten in Norduganda. Niedecken erzählt - gegenwärtig, nah und voller Poesie.
ch muss sagen, diese Autobiografie von Wolfgang Niedecken hat mich sehr überrascht. Eigentlich hatte ich mich auf die normale Musikerbiografie mit dem üblichen zeitlichen Ablauf von Hobby-Band bis weltberühmt vorbereitet.
Was hier aber kam, war wirklich ein tiefer Einblick in den Menschen Wolfgang Niedecken, der zuallererst mal Künstler ist. Da gibt es die lange Auseinandersetzung mit seinem Werdegang als Maler, seine Maler-Exkursion nach NYC in den frühen Siebzigern und da kommt die Bildende Kunst immer wieder im Verlauf des weiteren Buchs zu Vorschein. Manchen Lesern, wie ich anderweitig verfügbaren Kommentaren entnommen habe, ging das auf die Nerven, weil sie einfach nur die BAP-Story lesen wollten. Aber genau darum geht es ja hier nicht.
Und so ist es also eine im wahrsten Sinne des Wortes Künstler-Biografie und man hat das Gefühl an den Künstler-Kern ganz nah ran zu kommen. Schwer zu sagen wieviel Niedecken und wieviel der Co-Autor zum Ton der Sprache und dem Aufbau des Buches beigetragen haben. Man ist gerne überzeugt, dass Wolfgang Niedecken wirklich so spricht, so bildhaft und mit diesem starken Ausdruck.
Na ja, und dann ist da noch die vielleicht umstrittene "Abrechnung" mit Klaus 'Major' Häuser. Und wieder muss ich sagen, dass mir die offene, klare und doch rücksichtsvolle Behandlung des Konflikts über die Stilrichtung der BAP Musik (und Texte, obwohl die letztlich doch alle von Niedecken kamen) sehr gut gefallen hat und sie einfach als eine ehrliche, wenn auch schmerzhafte Schilderung herüberkommt. Letztlich ist BAP Niedeckens Schöpfung und so wie sein Idol Dylan bestimmt eben er, wie die Songs immer wieder neu zu interpretieren sind.
Wunderbar, dass Wolfgang Niedecken seine Krankheit offensichtlich so gut überstanden hat. Wir werden wohl noch viel von seiner Kunst geniessen können.