Juna ist siebzehn und will trotz ihres schwindenden Augenlichts um jeden Preis Malerin werden. Martha ist dreizehn und versucht alles, um aus dem Schatten ihrer begabten Schwester zu treten. Die zwei wechseln kaum ein Wort miteinander. Doch dann verschlechtert sich Junas Diagnose, und sie erkennen, dass sie sich nur gemeinsam gegen die Welt wappnen können. Einfühlsam und kraftvoll erzählt Cora Wucherer vom unstillbaren Hunger auf das Leben und von einem Sommer, der alles verändert.
Seit sie denken können, teilen sich Juna und Martha ein Zimmer in ihrer engen Familienwohnung in München-Giesing. Doch das ist auch schon alles, was die beiden Schwestern gemeinsam haben. Juna, außergewöhnlich begabt und bedroht von einer seltenen Krankheit, erfährt, dass ihr wohl nur noch wenige Monate bleiben, bis sie ihr Sehvermögen verliert. Ihr Traum, einmal eine ebenso bedeutende Künstlerin zu werden wie ihr großes Vorbild Lotte Laserstein, scheint zu zerbrechen. Ihre jüngere Schwester Martha hingegen kämpft darum, überhaupt gesehen zu werden. Mit Junas Ausweis in der Tasche ergattert sie sich einen Nebenjob in einem Kino – und damit eine völlig neue Unabhängigkeit. Als Juna unbedingt ihr Lieblingsgemälde von Lotte Laserstein in Malmö sehen will, ergreift Martha ihre Chance und organisiert eine heimliche Reise für die beiden. Was als Abenteuer beginnt, wird zu einer ungeahnten Herausforderung – und die Schwestern geraten an die Grenzen dessen, was sie voneinander zu wissen glaubten.
Cora Wucherer, geboren 1994 in Oberbayern, studierte Anglistik und Kunst, Musik, Theater an der Ludwig-Maximilians-Universität München und absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Sie arbeitet als Journalistin beim ZEITmagazin und lebt in München und Berlin. »All die Farben, all das Licht« ist ihr Romandebüt.
Wenn ihr an eure letzten Schuljahre zurückdenkt, fallen euch bestimmt die ganzen Pläne ein, die ihr für diese Zeit und die Zeit danach hattet. Doch was wäre, wenn eine Krankheit all diese Pläne zunichte machen würde? So geht es der siebzehnjährigen Juna. Sie leidet am seltenen Ushersyndrom, bei dem man langsam das Augenlicht verliert und sich gleichzeitig das Gehör verschlechtert. Für Juna ist dies besonders schlimm. Sie hat ein großes künstlerisches Talent und möchte Malerei studieren, um später als Künstlerin zu arbeiten. Ihr großes Vorbild ist Lotte Laserstein, deren Kunst sie über alles bewundert. Als Juna die Nachricht erhält, dass sich ihre Krankheit rapide verschlechtert, beschließt ihre kleine Schwester Martha, mit ihr nach Schweden zu fahren, um eine Ausstellung zu Lotte Laserstein zu besuchen. All die Farben, all das Licht erzählt sehr feinfühlig die Geschichte zweier Schwestern, die sehr unterschiedlich sind. Martha steht schon lange in Junas Schatten und muss ihre Bedürfnisse meistens zurückstellen. Nun beginnt sie langsam, sich zu emanzipieren. Juna versuchte bislang, sich mit ihrer Situation zu arrangieren, das Beste herauszuholen und die Zeit zu nutzen, solange ihr noch genügend Sehvermögen bleibt. Sie neue Diagnose wirft sie jedoch stark zurück. Juna und Martha sind sehr realistisch gestaltete Figuren. Ihre Wünsche und Ängste sind äußerst glaubwürdig und sensibel dargestellt. Auch wenn sie häufig Konflikte miteinander haben, so halten sie doch in den entscheidenden Situationen zusammen. Cora Wucherer hat einen beeindruckenden Debütroman verfasst. Die ganze Handlung und auch die für Juna gefundene Lösung gefielen mir sehr gut. Schön was es lediglich gewesen, wenn als Titelbild ein Gemälde von Lotte Laserstein verwendet worden wäre.
Überzeugender Entwicklungsroman um Krankheit, Trauer und das Miteinander
Ich muss zugeben, dass das Genre des Entwicklungsromans (Coming-of-Age) mich meist weder sonderlich interessiert noch in der Vergangenheit überzeugen konnte. Das vorliegende Romandebüt von Cora Wucherer hat dies jedoch beides geschafft. Ich finde die Geschichte mit dem Dreh- und Angelpunkt der chronisch-progressiven Erkrankung des Usher-Syndroms, durch welches die Betroffenen je nach genetischem Typ sowohl an Schwerhörigkeit als auch an fortschreitender Erblindung leiden, hoch interessant. Sowohl der Plot als auch die Umsetzung konnte mich dann restlos überzeugen von dieser Geschichte, die nicht nur die eine betroffene Person, die 17jährige Juna, in den Mittelpunkt rückt, sondern auch ihr soziales Gefüge, allen voran ihre drei Jahre jüngere Schwester Martha, die zeitlebens als „die Gesunde“ wenig Beachtung erfuhr. Die Familiendynamik bekommt noch einen zusätzlichen Dreh, da die Mutter der beiden bei Marthas Geburt verstarb und damit ein Schleier der Trauer über der Kleinfamilie aus zwei Töchtern und einem Vater bzw. Witwer legte.
Was man hier nicht erwarten sollte: Einen Happy-go-lucky-Roadtrip-Roman, in dem sich alle lieb haben und schön zueinander finden. Der Roman spiegelt mit einfacher, aber mitreißender Sprache die knallharte psychologische Realität wider. Auf einfachster Ebene, dass sich Geschwisterkinder einfach nicht immer gern haben sondern, gerade wenn sie auf beengtem Raum zusammenleben müssen, sich sogar ätzend finden. Krankheit hin oder her. Dann gibt es da den elterlichen Effekt, dem erkrankten Kind mit mehr Aufmerksamkeit und mitunter auch mehr Sanftmut zu begegnen, während das gesunde Kind meist nebenher funktionieren soll. Und da ist das Gewicht der Trauer, welches auf einer Familie lastet, wenn die Mutter bei der Geburt eines der Kinder verstorben ist. Nur wenig in diesem Roman hat mit dem im Klappentext angekündigten Trip nach Malmö zu tun, auf dem die leidenschaftliche Malerin Luna, der nicht nur die Sehkraft schwindet sondern auch ihre Optionen im Leben, da sie eigentlich Malerei studieren möchte und dies unerreichbar scheint, durch die Behinderung der Erblindung, ihre letzte Chance wahrnehmen möchte, ein geliebtes Gemälde der Malerin Lotte Laserstein zu sehen. Und wiederum hat natürlich alles mit diesem Gemälde zu tun und der Fähigkeit es nicht nur zu rezipieren sondern auch zukünftig neue Kunst zu schaffen.
Vielschichtig, psychologisch tiefgründig und äußerst authentisch widmet sich Cora Wucherer den Themen der frühzeitigen Behinderung, der Trauer und dem Miteinander in Familie und Freundeskreis in solch einer schwierigen Lebenssituation. Für viele Teenager und Anfang Zwanzigjährige ist die Findung des Selbst schon an und für sich schwierig genug. Was dies unter den oben genannten Voraussetzungen bedeutet, macht Wucherer sehr deutlich. Dabei stellt sie realistisch die Einschränkungen im Alltag durch eine Behinderung dar, auch wenn sie nicht medizinisch ausschweifend das Usher-Syndrom beschreibt. Das braucht sie gar nicht, denn es kommt auf die menschliche Seite an. Da die Autorin in sich abwechselnden Kapiteln sowohl Luna als auch Martha und sogar einmal kurz den Vater Georg auf der Ich-Perspektive erzählen lässt, bekommen wir einen multiperspektivischen Einblick in die Familie und ihre Themen.
Mir hat dieser Entwicklungsroman sehr gut gefallen und äußerst positiv überrascht. Sehr gern verfolge ich nun den weiteren Weg von Cora Wucherer und freue mich auf weitere Romane von ihr.
„Ich will den Sommer in ein Marmeladenglas packen und all die Wärme und das Licht herausholen können, wenn es Herbst wird [...] Meinen letzten Sommer, in dem es hell ist.“ (S. 91–92) Mit diesen Zeilen fängt Cora Wucherer die bittersüße Grundstimmung ihres Debütromans „All die Farben, all das Licht“ ein, der am 11.07.2026 im Klett-Cotta Verlag erschienen ist. Auf 320 Seiten entfaltet die Autorin eine feinfühlige, unaufgeregte Coming-of-Age-Geschichte über die siebzehnjährige Juna und ihre dreizehnjährige Schwester Martha. Im Kern geht es um den Umgang mit einer existenziellen, unheilbaren Diagnose, um die Sichtbarkeit innerhalb einer Familie und um einen heimlichen Roadtrip nach Schweden, der für beide Mädchen zur emotionalen Zerreißprobe wird.
Meine Meinung Was mich an diesem Roman definitiv fasziniert und berührt hat, war die thematische Auseinandersetzung mit dem Usher-Syndrom; einer Erkrankung, von der ich vor dem Lesen noch nie gehört hatte. Juna weiß, dass sie in wenigen Monaten erblinden wird, und die Autorin beschreibt diese schleichende Verengung der Welt mit einer unheimlichen Intensität: „Alles in meinem Leben ist eine Abwägung: Je gefährlicher etwas ist, desto eher sollte ich darauf verzichten. Aber je mehr ich verzichte, desto gefangener bin ich.“ (S. 212). Dass Juna ausgerechnet Malerin werden will und Halt in den Werken der realen Künstlerin Lotte Laserstein sucht, verleiht der Geschichte eine wunderschöne, melancholische Metaebene über die Vergänglichkeit und den Wert von Kunst. Auch diese historische Facette war für mich völlig neu und ungemein spannend zu entdecken.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist die ungeschönte Dynamik der beiden Schwestern. Zu Beginn herrscht fast eisiges Schweigen zwischen den Betten in ihrem engen Münchner Zimmer. Martha leidet spürbar unter der permanenten Unsichtbarkeit, da sich verständlicherweise alle elterlichen oder besser gesagt väterlichen Sorgen um die kranke Schwester drehen. Juna wiederum kämpft mit ihrer Identität: „Weil ich blind bin. [...] Sie fühlen sich falsch an in meinem Mund, als würde ich lügen. [...] Nicht mehr: Ich bin Juna. Nicht mehr: Ich bin Künstlerin. Nur noch: Ich bin blind.“ (S. 117). Wie diese beiden Mädchen durch den Roadtrip auf engstem Raum schrittweise ihre Schutzmauern einreißen, ist großartig und mit psychologischem Feingefühl konstruiert.
Ein kleiner Wermutstropfen war für mich jedoch die Gestaltung der Dialoge. An der einen oder anderen Stelle wirkten die Gespräche zwischen den Jugendlichen auf mich einfach nicht ganz stimmig; manchmal einen Tick zu konstruiert oder altersuntypisch abgeklärt, was mich kurzzeitig aus dem ansonsten so einnehmenden Lesefluss gerissen hat. Dadurch hat es für mich letztlich nicht ganz zum absoluten Jahreshighlight gereicht.
Nichtsdestotrotz ist Cora Wucherer ein wunderbares Debüt gelungen. Die Geschichte ist trotz der schweren Thematik voller Licht, Mut und Hoffnung. Sie blickt tief in die Abgründe familiärer Schuld(-gefühle) und zeigt gleichzeitig die heilende Kraft von Geschwisterliebe.
Fazit „All die Farben, all das Licht“ ist ein berührender und wichtiger Roman über den unstillbaren Lebenshunger im Angesicht eines schmerzhaften Verlusts. Wer literarische Coming-of-Age-Geschichten mit Tiefgang, einer Prise Roadtrip-Mentalität und einer starken feministischen Note durch die Kunstgeschichte sucht, wird dieses Buch lieben. Wer ein rasant geschriebenes Abenteuer erwartet, sollte sich auf leisere, psychologische Töne einstellen. Eine große Empfehlung, die definitiv die Herzen vieler Leser:innen erreichen wird!
Wunderschöne Geschichte über die Beziehung zweier, sehr unterschiedlicher Schwestern
Bewertung: 4,25 Sterne
In dem Buch "All die Farben, all das Licht" von Cora Wucherer wird die Geschichte zweier Schwestern erzählt, die sich über einen langen Zeitraum immer weiter voneinander entfernt haben, obwohl sie auf engstem Raum miteinander wohnen. Beide leben mit ihrem alleinerziehenden Vater in München, teilen sich ein Zimmer und wachsen in einem Haushalt auf, in dem keine gute Kommunikation herrscht. Juna, die ältere Schwester mit 17 Jahren, leidet an einer seltenen Krankheit, dem Usher-Syndrom, das dafür sorgt dass sie schwerhörig ist und nach und nach erblindet. Zudem ist Juna eine begnadete Künstlerin, die hart arbeitet und deshalb die Diagnose nur schwer verkraften kann. Martha, die 13 Jahre alt ist, kämpft um ihre Unabhängigkeit und darum, aus dem Schatten ihrer begabten Schwester zu treten. Durch die fehlende Kommunikation entstehen immer wieder Konflikte zwischen den Schwestern, die bei einer gemeinsamen Reise an die Oberfläche kommen.
Ins Auge gesprungen ist mir das Buch durch das Cover. Das gemalte Bild von einem Mädchen mit strahlend blauen Augen ist sehr interessant und lässt das Buch aus der Masse stechen. Zudem male ich selbst gerne und war somit auch an diesem Thema interessiert. Besonders gefallen haben mir die Charaktere. Sowohl Juna als auch Martha waren beide sehr realitätsnah beschrieben. Alle Gedankengänge, die wie ein innerer Monolog beschrieben wurden, waren nachvollziehbar und schlüssig, sodass man als Leser den Eindruck hatte, in die Köpfe von realen Menschen zu schauen. Ich finde auch gut, dass beide Schwestern und auch der Vater die Möglichkeit bekommen haben, ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive zu erzählen. Ich glaube das hat stark dazu beigetragen, dass man sich als Leser trotz der großen Unterschiede der beiden Schwestern ohne Probleme in beide hineinversetzen und beide verstehen konnte. Die Spannungskurve war auch sehr gut ausgearbeitet und hat dafür gesorgt, dass ich das Buch in zwei Tagen vollständig gelesen habe. Kein Abschnitt war je langweilig und die Konflikte haben dafür gesorgt dass man mit den Charakteren mitgefiebert hat.
Als einzigen Kritikpunkt kann ich anbringen, dass im Buch teilweise Umgangssprache verwendet wird. Ich gehe davon aus, dass das so mit Absicht von der Autorin gewählt wurde, damit man sich den Charakteren näher fühlt, was auch gut funktioniert hat. Wenn man das allerdings nicht gewöhnt ist, so wie ich, kann das im ersten Augenblick etwas fremd wirken.
Generell kann ich das Buch jedem empfehlen, der noch ein gutes, entspanntes Buch für den Sommer sucht. Durch das Setting in den Sommerferien eignet es sich perfekt für die Jahreszeit. Wer eine schöne Geschichte über die Beziehung zwischen zwei sich immer weiterentwickelnden und verändernden Schwestern lesen möchte, ist hiermit auf jeden Fall sehr gut bedient.
Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag und Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar!
„All die Farben, all das Licht“ von Cora Wucherer hat mich tief berührt. Die Geschichte erzählt von den Schwestern Juna (17) und Martha (13), die sich zunehmend voneinander entfernt haben. Während Juna am Usher-Syndrom leidet und weiß, dass sie in wenigen Monaten fast vollständig ihr Augenlicht verlieren wird, fühlt sich Martha in ihrer Familie übersehen und allein gelassen. Alles dreht sich um Junas Schicksal, auch für den Vater, der seit dem Tod seiner Frau mit der Erziehung der beiden Mädchen sichtbar überfordert ist.
Besonders gelungen fand ich, wie authentisch die Gefühle aller Beteiligten dargestellt werden. Die Entfremdung der beiden Schwestern ist klar spürbar, sie reden kaum noch miteinander und besonders Juna reagiert teilweise sehr aggressiv. Als Leserin konnte ich beide Seiten sehr gut verstehen. Martha beneidet Juna nicht um ihre Krankheit, wohl aber um die Aufmerksamkeit, die sie erhält. Gleichzeitig beneidet Juna ihre jüngere Schwester um die Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven, die ihr selbst verwehrt bleiben.
Junas Situation hat mich besonders betroffen gemacht. Die Vorstellung, bewusst zu erleben, wie man nach und nach sein Augenlicht verliert, ist für mich unvorstellbar grausam. Noch schwerer wiegt es für Juna, da sie eine begabte Künstlerin ist und für ihre Kunst lebt. Ihr Traum ist ein Studienplatz an der Kunstakademie. Mit der drohenden Erblindung scheint ihr größter Traum zu zerbrechen. Ihre Perspektivlosigkeit, ihre Ängste und ihre Unsicherheit sind sehr eindringlich beschrieben.
Martha dagegen steht an der Schwelle vom Mädchen zur Frau. Sie ist lebenslustig, mutig, probiert sich aus und bewegt sich selbstverständlich in der Welt, während Juna Veränderungen eher fürchtet und sich zunehmend zurückzieht. Gerade diese Gegensätze machen die Dynamik zwischen den Schwestern umso interessant.
Die gemeinsame heimliche Reise nach Schweden soll die beiden Schwestern wieder zusammenbringen, endet aber in einer Katastrophe. Juna möchte dort einmal die Ausstellung ihrer Lieblingsmalerin Lotte Laserstein sehen, bevor sie erblindet. Neben der emotionalen Handlung fand ich es schön, durch das Buch auch diese Künstlerin kennenzulernen, von der ich vorher noch nie gehört hatte.
Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Juna und Martha erzählt. Die kurzen Kapitel und die einfühlsame, gut lesbare Sprache sorgen dafür, dass man beiden Figuren sehr nahe kommt und die vielen Missverständnisse zwischen ihnen nachvollziehen kann.
Gefallen hat mir, dass die Geschichte trotz ihrer Schwere nie hoffnungslos wirkt. Der Schluss ist lebensbejahend, ohne die Realität zu beschönigen. Denn auch im echten Leben gibt es bislang keine Heilung für das Usher-Syndrom.
FAZIT: Ein Roman, wie ihn das Leben schreiben könnte: emotional, authentisch und tiefgründig. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die bewegende Familiengeschichten und vielschichtige Charaktere mögen.
Ich habe lange überlegt, was das zentrale Thema des Buches ist, was der eigentliche Schlüsselbegriff. Obwohl im Klappentext und in den Beschreibungen einige Begriffe fallen, die definitiv passen, würde ich „Familie“ als den treffendsten bezeichnen. Die Kapitelsichten wechseln zwischen Martha und Juna, zwei Geschwistern mit einem Altersunterschied von dreieinhalb Jahren. In Büchern liest man meist von Schwestern, die wie beste Freundinnen sind, die einander vertrauen, zusammenhalten und bei denen eine tiefe Verbundenheit direkt spürbar ist. Juna und Martha hingegen leben beinahe getrennte Leben, obwohl sie sich sogar ein Zimmer teilen. Die Autorin konnte diesen Umstand sehr gut in Szene setzen. Die Distanz zwischen den beiden, die unterschwellige Rivalität, manchmal auch die deutlich erkennbare Abneigung, aber ebenso die gut versteckte Zuneigung werden überzeugend dargestellt. Juna ist 17 Jahre alt und hat das Usher-Syndrom, eine Krankheit, die ihr nach und nach nicht nur einen, sondern gleich zwei wichtige Sinne nimmt: das Sehen und das Hören. Nach einem Kontrolltermin rückt diese Entwicklung noch stärker in den Vordergrund. Die Distanz zwischen den Geschwistern wird dadurch nur noch deutlicher. Zugleich schafft es die Autorin, die Auswirkungen der Krankheit eindrücklich darzustellen. Ihren Kontakt zu Betroffenen merkt man hier spürbar. Mit einem sehr angenehmen Schreibstil, dem gelegentlichen Einsatz von Dialekt und einer altersgerechten Sprache erlebt man als Leser die Entwicklung der Charaktere und eine Dynamik, die weit über die Geschwisterbeziehung hinausgeht. Der Vater der beiden arbeitet scheinbar rund um die Uhr und verliert sich in der übrigen Zeit im Alltagsstress: Haushalt, Kinder, Verpflichtungen - keine Zeit für ein eigenes Leben, für Glück. Auf ihm lastet eine Trauer, für die er sich aufgrund tragischer Umstände nie wirklich Zeit nehmen konnte. Erst in Kapitel 20 wird er für mich zu einer greifbaren, nahbaren Figur und erscheint nicht länger nur flächig. Das Kapitel ist aus seiner Sicht geschrieben, als direkte Anrede an seine Frau, die Mutter seiner beiden Kinder, die bei Marthas Geburt ihr Leben verlor. Die Autorin vermittelt in diesem Kapitel besonders viel Gefühl und verleiht der Geschichte eine neue Tiefe, die zuvor noch etwas verborgen lag. Spätestens ab diesem Punkt steigert sich die Handlung stetig und verläuft nicht mehr nur geradlinig - was ausdrücklich kein Makel des bisherigen Verlaufs ist. Die Geschichte erzählt von persönlichen Kämpfen, (fehlender) Stabilität, Selbstverwirklichung, Weiterentwicklung und Familie - letzteres wohl am deutlichsten.
Leben mit dem Usher-Syndrom In drei Teilen mit gesamt 30 Kapiteln erfahren wir in dieser multiperspektivischen Erzählung viel über das oft komplizierte, dynamische Miteinander zweier charakterlich unterschiedlicher Schwestern als Ich-Erzählerinnen. Ihre Dynamik miteinander wandelt sich stark im Laufe der Schulsommerferien in München: Das Spannungsfeld aus Konkurrenz verwandelt sich in gegenseitige Unterstützung. Mit Übernahme von Verantwortung für die Schwester statt bisheriger Hassliebe wachsen beide auch mit ihren ganz persönlichen Problemen. Die 17-jährige Juna ist von Geburt an taub und verliert den den kommenden sechs Monaten fortschreitend ihre restliche Sehstärke. Sie leidet am Usher-Syndrom. Ihren Traum, Malerin zu werden wie ihr großes Vorbild Lotte Laserstein, vermag sie bei ihrer außergewöhnlichen malerischen Begabung kaum aufzugeben. Die charakterliche Darstellung ihrer Wut und Zerrissenheit darüber wird einfühlsam beschrieben. Ihre jüngere, gesunde Schwester Martha, 13, ein Ebenbild der lange verstorbenen und tot geschwiegenen Mutter, fühlt sich übersehen in ihrer kleinen Familie, oft unsichtbar und an den Rand gedrängt. Auf ihre Initiative hin werden z.B. belastende Themen wie Trauerbewältigung bezüglich der Mutter, Schmerz, lebensverändernde Krankheiten angesprochen. Die anfänglichen, klar verteilten Rollen beider Schwestern verändern sich stark bis zu deren Schulbeginn: Die kleine Martha überschreitet in ihrer Direktheit mutig einige Schwellen auch in amouröser Hinsicht, während Juna, die Ältere, von der Jüngeren lernt auch hinsichtlich der Akzeptanz ihrer sinnlichen Beeinträchtigungen, diese sogar offen zu benennen auch bei tief reichenden Verlustängsten als begnadete Malerin. Gregor, der Vater, scheint beruflich und privat überfordert zu sein. Finanziell und emotional läuft bei ihm alles auf Sparflamme hauptsächlich aus Selbstschutz, da die Trauerbewältigung um seine geliebte Frau Resie für ihn immer noch zu schmerzhaft ist. Seine Rolle bleibt eher im Hintergrund, skizziert ihn als verantwortungsbewussten, sympathischen Vater. Die Charaktere wirken authentisch, der Schreibstil ist ansprechend und die Verarbeitung der angesprochenen Themen hat genug Tiefgang.
Georg traute sich längst nicht mehr, seine Tochter Juna an ihre Kontrolltermine bei der Augenärztin zu erinnern. Durch das seltene Usher-Syndrom war seine älteste Tochter seit frühester Kindheit schwerhörig – und nun wird sie auch noch mit der rapiden Verschlechterung ihrer Sehfähigkeit konfrontiert. Das Zauberwort in ihrer Situation wäre Mobilitätstraining, aber die 17-Jährige wehrt sich vehement dagegen, ihre drohende Erblindung zu akzeptieren. Ebenfalls seit früher Kindheit ist Junas künstlerisches Talent bekannt; sie sollte aktuell eigentlich ihre Mappe für die Bewerbung an einer Kunsthochschule erstellen. Sie muss einfach schneller leben, schneller studieren, um ihren Traum zu verwirklichen. Doch zunächst gibt sich Juna nach außen angepasst, verbirgt ihre Sorgen, aber auch den Neid auf Martha, der aus ihrer Sicht alle Möglichkeiten offen stehen. Die 13-jährige jüngere Schwester Martha sieht sich in der undankbaren Rolle des nicht behinderten, nicht gesehenen Geschwisterkindes. Als wäre das nicht herausfordernd genug, hat Vater Georg bisher vermieden, mit seinen Töchtern über den Tod ihrer Mutter zu sprechen, ganz zu schweigen davon, am entgegengesetzten Ende der Republik ihr Grab zu besuchen. Mit einem allein erziehenden Vater, der in Schichten als Krankenpfleger arbeitet, und zwei entwurzelten Jugendlichen gemeinsam in einem winzigen Kinderzimmer lässt sich die brisante Stimmung in der kleinen Familie erahnen.
Empört, weil sie sich übersehen fühlt, hat Martha längst ihre eigene Agenda angelegt. Sie fackelt nicht lange, als Juna andeutet, dass sie mit ihrem Sehrest unbedingt ein Originalwerk der von ihr verehrten Malerin Lotte Laserstein sehen möchte. Als die Dinge eskalieren (beide Töchter sind ja noch nicht volljährig), erkennen die Schwestern das Netz aus Hilfsbereitschaft und Mentoren um sie herum, dessen sie sich bisher nicht bewusst waren. Martha ist in die Welt des Films getaucht und hat eine neue Freundin gefunden. Juna kann auf Freundinnen zählen und springt über ihren Schatten, als sie endlich Kontakt zur Kunsthochschule sucht.
Fazit Erzählt wird das Abenteuer der gegensätzlichen Schwestern im Wechsel aus deren Ichperspektiven, ergänzt durch Georgs Sicht, gerichtet an seine verstorbene Frau. Neben der gelungenen Darstellung einer Jugendlichen, die ihre Behinderung annehmen muss, hat mich „All die Farben, all das Licht“ besonders durch die differenzierte Darstellung der jugendlichen Figuren begeistert. Das Verhältnis der Schwestern, die Beziehung zu Marthas Kollegen „im Job“, Junas platonischer Freund Constantin, von dem sie ein Jahr und Welten trennen, Sophie, die einfach auftaucht und nicht vorhat, sich anzupassen, – und nicht zuletzt der Junge aus dem Park, der Juna in die Realität zurückholt, sie alle finde ich absolut glaubwürdig. Ein sprachlich ansprechendes Debüt mit beindruckenden jugendlichen Figuren.
Zwei junge Schwestern - die eine davon ist nicht nur äusserst hübsch und künstlerisch begabt, sondern auch mit einer schrecklichen Krankheit gesegnet, die sich immer weiter verschlimmern wird. Die zweite steht immer im Schatten und hat das Gefühl komplett übersehen zu werden. Zwei Schwestern, wie sie ungleicher nicht sein könnten. Das Augenlicht zu verlieren ist für die eine ein fürchterlicher Schicksalsschlag wie er grausamer nicht sein könnte. Mit vielen tragischen aber auch schönen Momenten zeigt dieses Buch wieder einmal auf, dass egal wie hart es kommt, es auch ist immer einen zweiten Lösungsweg zur persönlichen Glückfindung und Erfüllung gibt.
Das Thema um das es in diesem Roman geht, ist absolut kein einfaches - aber das lesen kann ich trotzdem zu 100 % empfehlen. Es ist keine lockere Liebesgeschichte, kein spannender Kriminalfall , sondern fühlt sich wie mitten aus dem Leben gegriffen an. Und wie die meisten von uns wissen besteht das Leben nicht nur aus Glückseeligkeit und wunderbaren Momenten, sondern ist nur zu oft enttäuschend und grausam. Geschwisterlos wie wie ich aufgewachsen bin war ich viele Jahrzehnte neidisch auf Schwestern, für mich war das immer der Inbegriff einer ähnlichen Seele, die in greifbarer Nähe ist. So war dieser Roman nun sehr tröstend für mich, da er in aller Deutlichkeit zeigt, wie viel Rivalität und Neid dahinter stecken kann. Die ersten Buchseiten waren für mich etwas schleppend zu lesen, aber schon bald man mich das Buch mit seiner spezielle Schreibweise gefangen. Es fühlt sich nicht wie ein Roman an, sondern wie das echte Leben und brachte mich gedanklich auch oft wieder zurück in meine eigene Kindheit und Gedankengänge Zur damaligen Zeit. Gefühls,intensiv und äusserst berührend konnte ich es mit der Zeit kaum noch weg liegen sondern wollte immer nur noch weiterlesen. Von mir deshalb diese fünf Sterne Bewertung und eine ganz klare Leseempfehlung.
Juna und Martha sind Schwestern - und könnten nicht unterschiedlicher sein. Die 13-jährige Martha hat immer das Gefühl im Schatten ihrer Schwester und deren Krankheit und Schönheit zu stehen, die "gesunde kleine Schwester" zu sein, der nicht viel Aufmerksamkeit geboten werden muss, der es immer gut geht. Die vier Jahre ältere Juna konzentriert sich darauf ihren Traum Malerin zu werden, zu verfolgen. Vernachlässigt ihre Schwester, fühlt sich unverstanden und hatte mit ihrer Krankheit zu kämpfen, die sie in naher Zukunft erblinden lassen wird. Und nun soll dieser Moment, das verschwindende Augenlicht, viel eher kommen, als es Juna lieb ist. Und dann ist es ausgerechnet ihre kleine Schwester Martha, die mit ihr einen Trip nach Schweden unternimmt, damit sie einmal das Werk ihrer Lieblingsmalerin sehen kann. "All die Farben, all das Licht" hat mich berührt, mich nachdenklich gemacht, mich schmunzeln und die Zeit vergessen lassen. Cora Wucherer hat eine Geschichte über Schwesternschaft geschrieben, darüber, was Familie bedeutet, wenn sie das einzige ist, auf das man sich verlassen kann. Wie man zueinander finden kann, auch wenn es so scheint, als hätte man sich meilenweit entfernt. Marthas und Junas Charaktere sind so unterschiedlich herausgearbeitet, ihr Stärken und Schwächen offengelegt. Ich mochte es sehr, dass der Roman auch wirklich ohne große Liebesgeschichten auskommt, die noch in die Handlung gequetscht werden, sondern sich einfach auch Junas und Marthas Entwicklung und ihre Versöhnung konzentriert. Ein Roman, der mich bewegt hat, auch weil ich davor noch nie vom Usher-Syndrom gehört habe und es Cora Wucherer gelungen ist, die Gefühle und Angst, die Juna spürt zu transportieren und es dann dennoch tröstlich war, dass sie damit einen Umgang für sich gefunden hat. Ich kann diesen Roman wirklich sehr, sehr empfehlen.
In „All die Farben, all das Licht“ erzählt Cora Wucherer von den Schwestern Juna und Martha, die gemeinsam mit ihrem Vater zusammen leben und trotz des geteilten Zimmers könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Während die 17-jährige Juna mit der fortschreitenden Usher-Krankheit, diese führt zum Hörverlust und Erblindung, lebt und davon träumt, Künstlerin zu werden, fühlt sich die jüngere Martha oft unsichtbar und an den Rand gedrängt. Als Juna unbedingt nach Malmö reisen möchte, um die Werke ihrer Lieblingsmalerin noch einmal sehen zu können, bevor ihre Erkrankung weiter voranschreitet, beschließt Martha, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Gemeinsam machen sich die Schwestern auf eine Reise, die nicht nur voller Herausforderungen steckt, sondern auch ihre Beziehung zueinander verändert. Die Autorin schreibt in einem weichen, fast poetischen Stil der aber einen leichten Lesefluss ermöglichst. Sie packt viel Bedeutung in die Sätze hinein, wie z.B. "Juna war größer als ich, unerreichbar. Das ist sie immer noch, obwohl ich sie mittlerweile um ein paar Zentimeter überrage." (Pos.163) oder "Ich habe nie daran gedacht, dass das bedeuten könnte, dass sie übersehen wird. Dass ihre Gesundheit sie unsichtbar macht." (Pos. 3589).
Der Roman behandelt Themen wie Familie, Verlustängste, Hoffnung und das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Verständnis auf sehr einfühlsame Weise. Besonders die Beziehung zwischen den Schwestern wirkt glaubwürdig und emotional nah, wodurch man ihre Gedanken und Gefühle intensiv miterlebt. Dies macht die Autorin sehr deutlich durch die wechselnden Sichtweisen in den Kapiteln. Auch der Umgang mit einer degenerativen Krankheit in jungen Jahren arbeitet Cora Wucherer präzise auf. Ich konnte mich durch die Darstellung der Wut und Zerissenheit gut in die Gefühlswelt von Juna einfinden. Sehr schön fand ich auch die Darstellung des starken Willens von Martha und ihrer Resilienz. Dank Cora Wucherer habe ich auch ein neues Wort gelernt: Komorebi - Sonne die durch ein Blätterwerk scheint. (Pos. 3207) Das finde ich ein sehr großartiges Wort.
Ein berührendes und zugleich warmherziges Buch, das lange im Kopf bleibt. Ich habe es gern gelesen und selten aus der Hand legen können.
„All die Farben, all das Licht“ ist das gelungene Debüt der Autorin und Journalistin Cora Wucherer.
Die 17-jährige Juna leidet unter dem Usher Syndrom. Das bedeutet den Verlust des Seh- und des Hörvermögens. Ihr Traum war es Malerin zu werden und es gibt nichts, was sie lieber macht als zu zeichnen. Ihre vier Jahre jüngere Schwester Martha ist vollkommen anders als Juna, wodurch es zwischen den beiden immer wieder zu Unstimmigkeiten kommt. Martha fühlt sich zurückgesetzt und unsichtbar. Als es aber darum geht, dass Juna unbedingt nach Malmö reisen möchte, um ihr Lieblingsgemälde der Künstlerin Lotte Laserstein zu sehen, ist es Martha, die diese Reise organisiert.
Cora Wucherer schreibt lebendig und einfühlsam. Schon nach wenigen Seiten hatte ich eine gute Vorstellung von den beiden Protagonistinnen und ihrer familiären Situation. Da die Ereignisse im Wechsel aus der Perspektive von Martha und Juna erzählt werden, konnte ich mich gut in die beiden einfühlen. Durch die gemeinsamen Erlebnisse und Herausforderungen wird aus geschwisterlicher Rivalität Zusammenhalt.
Obwohl die Autorin hier eine Vielzahl von Themen anspricht, wirkt die Handlung nicht überfrachtet. Der frühe Tod der Mutter, die Krankheit von Juna, die daraus resultierende gefühlte Unsichtbarkeit Marthas, der beschäftigte Vater, die Künstlerin Lotte Laserstein, romantische sowie bedrohliche Momente, ein Roadtrip und vieles mehr werden hier kunstvoll miteinander verbunden.
Mich hat das Buch überrascht und berührt. Es ist ein intensiver Roman über das Leben, der zeigt, dass das Leben keineswegs immer gradlinig verläuft und voller Herausforderungen steckt.
Was für eine bewegende Geschichte über zwei Schwestern, bei denen das Schicksal so richtig zugeschlagen hat. Juna und Martha verlieren schon früh ihre Mutter und Juna, die ältere der beiden Schwestern, hat das Usher-Syndrom und erblindet schneller als die Ärzte es gedacht haben. So viele Träume sind ungelebt. Juna möchte Künstlerin werden. Bei einem geheimen Ausflug mit ihrer Schwester nach Schweden erhofft sie sich Inspiration und Klarheit bei der Ausstellung ihrer Lieblingskünstlerin. Doch die Reise endet anders als gedacht und auch nach der Rückkehr nach München gibt es einige Wendepunkte, die das Leben der beiden auf den Kopf stellen.
Das Buch ist unglaublich schön geschrieben und in dem sehr leichten Sprachstil werden ganz viele Emotionen vermittelt. Der Roman ist ganz einfühlsam, vermittelt Wärme und Verbundenheit und geht dabei ganz tief in die Gefühle junger Frauen. Mir hat besonders die wechselnde Perspektive der beiden Schwestern gefallen, aus der die Geschichte erzählt wird. So stehen beide im Mittelpunkt und können ihr Gedanken mit den Leser*innen teilen. Ein wunderbarer Roman über Schwesternschaft, Liebe und Träume.
Meine Lieblingszitate aus diesem wunderbaren Buch - Deine Erfahrungen und Erlebnisse prägen deine Wahrnehmung. Du kannst nie genau dad sehen, was ich sehe. Aber wenn ich Male, dann schon. Dann siehst du meine Realität, meine Wirklichkeit. - Ich hatte immer gedacht, dass Erwachsenwerden wie Malen ist. Man fügt Erfahrungen hinzu, man lernt Menschen und Orte kennen und lernt Dinge über die Welt und sich selbst, bis durch das fortwährende Hinzufügen ein fertiges Bild entsteht. - Schwestern sind immer da.
Ich wurde von dem Titel und auch vom Cover des Buches angesprochen. Nach dem Klappentext und der kurzem Leseprobe, habe ich mich dazu entschieden das Buch zu lesen. Es war meine Urlaubslektüre und leider viel zu schnell vorbei. Der Urlaub und auch das Buch. In dem Roman geht es um zwei Schwestern, die anfangs eine nicht so schöne Beziehung zueinander führen. Im Laufe des Buches ändert sich diese und die beiden wachsen wieder zusammen und lösen sich teilweise auch wieder voneinander. Die kurze Reise mit den beiden Schwestern hat mir seht gut gefallen, da ich selber auch eine Schwester habe, konnte ich als Leserin vieles auch nachvollziehen oder besser reinspüren. Der Roman hat mich sehr überzeugt auch der Schreibstil von der Autorin. Er ist leicht zu verstehen und auch die Gespräche zwischen den Charakteren haben mich berührt. Das Buch ist aus den zwei Sichten der Schwestern geschrieben und wechselt sich je Kapitel ab. Die Länge der Kapitel ist auch gut gewählt. Zum Ende hin bleibt die Geschichte und auch jedes Kapitel spannend. Es gibt ein offenes Ende, dass ich anfangs ein wenig traurig gefunden habe, aber im Nachgang finde ich es von der Autorin gut gewählt, da es sonst sehr gequetscht wirkt alles in einen Buch zu verpacken.
Fazit: Ich empfehle das Buch jedem Menschen, der selber eine Schwester oder auch nur Geschwister hat. Die Beziehung zu seinen Geschwistern ist die längste deines Lebens und diese sollte man pflegen und achten.
Ich muss ehrlich sagen: Ich habe dieses Buch zuerst wegen des Covers gekauft. Ich konnte im Buchladen einfach nicht daran vorbeigehen. Zum Glück steckt hinter der wunderschönen Gestaltung auch eine Geschichte, die mich berührt hat. Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Juna und Martha. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein und haben sich über die Jahre immer weiter voneinander entfernt. Als Juna erfährt, dass sie durch ihre Krankheit bald ihr Augenlicht verlieren wird, verändert sich plötzlich alles. Gemeinsam machen sich die Schwestern auf eine Reise, die nicht nur sie, sondern auch ihre Beziehung zueinander verändert. Besonders gut gefallen hat mir die Darstellung der Schwesterndynamik. Die beiden streiten, sind verletzt und verstehen sich oft nicht. Trotzdem merkt man die ganze Zeit, dass sie tief miteinander verbunden sind. Genau das hat sich sehr ehrlich und real angefühlt. Auch das Thema der schwindenden Sehkraft wurde einfühlsam erzählt. Dabei geht es nicht nur um die Krankheit, sondern auch um Träume, Angst, Hoffnung und den Wunsch, das Leben auszukosten. Der Schreibstil ist ruhig, gefühlvoll und sehr bildhaft. Die Geschichte nimmt sich Zeit für ihre Figuren und ihre Entwicklung. Dadurch wirkt vieles besonders intensiv. Insgesamt ist All die Farben, all das Licht ein berührender Roman über Familie, Zusammenhalt und den Mut, trotz schwerer Schicksalsschläge nach vorne zu schauen.
In „All die Farben, all das Licht“ erzählt Cora Wucherer von den Schwestern Juna und Martha, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während die talentierte Juna mit einer Krankheit lebt, die ihr nach und nach das Augenlicht nimmt, kämpft Martha darum, nicht immer nur die kleine Schwester im Hintergrund zu sein.
Der Schreibstil hat mich von der ersten Seite an gecatched und ich wollte das Buch gar nicht aus der Hand lesen. Letztendlich habe ich es an einem Tag durchgelesen und bin wirklich begeistert. Cora Wucherer erzählt einfühlsam und sehr lebendig. Besonders Martha ist mir im Laufe der Geschichte sehr ans Herz gewachsen. Ihre Gedanken und ihre Entwicklung hat mich sehr berührt. Überhaupt sind die Figuren meiner Meinung nach sehr authentisch. Auch die Familienkonstellation und das Miteinander der Schwestern fand ich sehr gelungen.
Es gab einzelne Entwicklungen und Verhaltensweisen, die ich nicht immer vollständig nachvollziehen konnte. Das hat aber insgesamt nicht gestört, weil die Geschichte so viel Wärme ausstrahlt.
Alles in allem ist „All die Farben, all das Licht“ ein wunderbarer Debütroman über Familie, Zusammenhalt und große Träume. Absolute Empfehlung.
Zwei Schwestern. Die eine älter, die andere jünger. Eine krank, eine gesund. Die eine im Fokus, die andere unsichtbar. Und ein Sommer, der ziemlich viel verändert! Junas und Marthas Geschichte hat mich sehr berührt. Ich konnte mich sehr gut in beide Charaktere einfühlen und habe mich oft in meine Gefühlswelt als Jugendliche zurückversetzt gefühlt. Auch wenn die Themen nicht immer leicht waren, war es schön, die beiden durch den Sommer zu begleiten und ihre Entwicklungen gemeinsam und unabhängig voneinander mitzuerleben. Wie beide immer wieder über ihren Schatten springen und aufeinander zugehen hat mir gut gefallen. Und auch wie die Kunst in die Geschichte eingebettet war. Es war schön, dass in "All die Farben, all das Licht" der Fokus auf Familie, Freundschaft und Geschwisterliebe gelegt wurde und die romantische Liebe nur eine Nebenrolle spielt. Der Schreibstil in Cora Wucherers Debütroman ist ehrlich, realistisch und gleichzeitig poetisch und hat mir wirklich gut gefallen! Das Coverbild ist sehr faszinierend und intensiv und passt perfekt zur Geschichte. Ganz große Empfehlung!
Dieses Buch hat mich wirklich sehr begeistert. Es ist ein wundervolles Debüt geworden und ich kann es nur wärmstens empfehlen, auch wenn die Protagonisten deutlich jünger sind als ich.
Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Juna und Martha, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich doch auf ihre Weise nach Nähe sehnen. Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte aus beiden Perspektiven erzählt wird, sodass man die Gedanken und Gefühle beider Mädchen sehr gut nachvollziehen kann. Neben den Themen Familie, Verlust und Zusammenhalt spielt auch Kunst eine große Rolle. Außerdem behandelt das Buch mit dem Usher-Syndrom eine Krankheit, von der ich vorher noch nie gehört hatte und ich finde es toll, dass diese Krankheit durch das Buch sichtbar gemacht wird. Juna kämpft trotz ihrer Diagnose für ihren Traum, Künstlerin zu werden, und genau das hat mich sehr berührt.
Der Schreibstil ist wunderschön, voller kluger Gedanken und Gefühle. Ich habe mit beiden Schwestern mitgefiebert und mir viele Stellen markiert!
Juna und Martha sind Schwestern. Juna hat das Usher-Syndrom, eine seltene, unheilbare Krankheit, bei der die Betroffenen Probleme sowohl beim Hören haben, als auch Seheinschränkungen, bis hin zur Blindheit.
Juna und ihre Krankheit stehen im Mittelpunkt der Familie. Martha geht irgendwie unter, läuft so mit. Die beiden Geschwister trennen 3 ½ Jahre und das Verständnis füreinander. Der Vater spielt nur eine untergeordnete Rolle und verbringt die meiste Zeit bei seiner Arbeit im Krankenhaus. Zuhause wird wenig gesprochen, weder über Alltägliches oder Probleme, noch und das ist meiner Meinung nach der zweite große Punkt dieser Geschichte, über die Mutter.
Mir hat das Buch gut gefallen, es war schön zu sehen, wie sich die Schwestern mit der Zeit weiterentwickelt haben, sowohl jede für sich, als auch gemeinsam. Die für mich wichtigste Message der Geschichte ist, dass auch die Geschwister von kranken Kindern immer gesehen werden sollten, nicht vergessen werden dürfen. Jedes Familienmitglied verdient Beachtung.
All die Farben, all das Licht ist ein warmherziger Roman über Verlust, Neuanfänge und die Menschen, die unserem Leben manchmal genau dann begegnen, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Im Mittelpunkt steht weniger die eigentliche Suche als vielmehr die Entwicklung der Figuren und die Verbindungen, die zwischen ihnen entstehen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass der Roman zeigt, wie Freundschaft, Gemeinschaft und neue Perspektiven dabei helfen können, auch nach schweren Verlusten wieder nach vorne zu blicken. Die Geschichte vermittelt Hoffnung, ohne dabei übertrieben sentimental zu wirken, und lädt immer wieder dazu ein, über die kleinen Begegnungen nachzudenken, die unser Leben verändern können.
An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe und etwas weniger Vorhersehbarkeit gewünscht. Insgesamt ist es jedoch ein berührender Roman mit sympathischen Figuren und einer positiven Botschaft, der sicher viele Leser begeistern wird.
Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar.
"Es gibt kein einziges Foto von mir und meiner Mutter; es gab nur sie und dann mich. Es gab uns nie gleichzeitig."
Das Leben ist nicht fair zur 17-jährigen Juna gewesen. Bei der Geburt ihrer nervigen 13-jährigen Schwester Martha ist ihre Mutter gestorben. Ihr Vater arbeitet ständig in Doppelschichten und doch reicht es grade mal für ein geteiltes Kinderzimmer, an Urlaub ist gar nicht erst zu denken. Für ihre Zukunft hat sie sehr konkrete Pläne: ein Stipendium an einer Kunstakademie erhalten und eine bedeutsame Malerin werden - das Talent dafür bringt sie mit. Doch eine seltene Krankheit macht ihr einen Strich durch die Rechnung, so wird in den nächsten Monaten ihr Sehvermögen stark nachlassen bis zur völligen Erblindung.
Martha hingegen hat kein Talent und auch sonst nichts, womit sie aus dem Schatten ihrer begabten Schwester heraustreten könnte. Als Juna sich immer mehr von ihr entfremdet, hat sie nicht einmal mehr ihre Schwester. Dann beschließt sie, ihre Unsichtbarkeit auszunutzen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Cora Wucherer hat mit diesem vielschichtigen Roman ein berührendes Debüt geschrieben, das für mich direkt zum Monatshighlight wurde. Die Figuren sind allesamt so einfühlsam und authentisch gezeichnet, dass ich mich ihnen sehr verbunden gefühlt habe - auch, wenn ich eine Lieblingsschwester hatte.
Obwohl alle Figuren mal schlechte Entscheidungen treffen oder sich gegenseitig nicht immer fair behandeln, auch nicht immer ehrlich zueinander sind, fällt es leicht, Verständnis für sie aufzubringen. Zwischen all dem Ungesagten steht immer wieder die tote Mutter, der unsichtbare Keil der Familie. Diese Textpassagen fand ich immer besonders herzzerreißend.
Für mich ist der Roman ein tolles, vielversprechendes Debüt. Ich freue mich auf mehr von Cora Wucherer!