Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Auster

Rate this book
Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt. Und niemand scheint sich in dieser Welt, wo Glanz und Elend, Armut und Reichtum so entwaffnend aufeinandertreffen, besser auszukennen als die 74-jährige Leonora. Doch kennt sie wirklich alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst?
Die gefeierte Stilistin Yael Inokai inszeniert eine Kriminalgeschichte, die ein feingefügtes Netz menschlicher Schicksale birgt.

224 pages, Hardcover

Published July 21, 2026

Loading...
Loading...

About the author

Yael Inokai

5 books13 followers
Yael Inokai (vormals Pieren) wurde 1989 als Tochter einer Deutschen und eines Ungarn in Basel geboren. Philosophiestudium in Basel und Wien; seit 2014 Studiengang Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie, Berlin. Tätigkeit als Fremdenführerin. Publikationen in verschiedenen Literaturzeitschriften sowie auf Zeit online. Aufenthaltsstipendium Literarisches Colloquium Berlin; Hildesheimer Stadtschreiberin für Bella Triste. Für ihren Roman Mahlstrom wurde sie 2018 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
11 (13%)
4 stars
43 (51%)
3 stars
23 (27%)
2 stars
6 (7%)
1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 30 of 34 reviews
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
294 reviews55 followers
July 29, 2026
Leonora Bloch ist 73. Sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, einer davon ist Putzkraft bei Dr. Bronstett, dem alleinstehenden Geschäftsführer eines dem KaDeWe nachempfundenen Nobelkaufhauses. Als Leonora eines Tages die Tür von Bronstetts Villa im Grunewald aufschließt und Schlieren auf dem Boden entdeckt, macht sie das, wozu sie gekommen ist: sie putzt. Putzt um die Leiche von Bronstett, der mit abgeschnittenen Händen im Wohnzimmer liegt.

„Die Auster“ beginnt wie ein klassischer Krimi. Yael Inokai hat Drehbuch studiert an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, das wird deutlich. Die Auflösung des Falles ist aber nicht das, was Inokai antreibt. Ihre Geheimnisse bergenden Figuren sind es, allen voran die resolute Leonora, die so eigenständig ist wie Olga Tokarczuks Janina Duszejko aus „Gesang der Fledermäuse“. Dreh- und Angelpunkt von „Die Auster“ ist das legendäre Kaufhaus, dessen Menschen Leonora Bloch ihr Leben lang begleitet haben. Sie ist wie eine Wanderin zwischen den (Klassen-)Welten der Kaufhaushierarchie, malochte selbst jahrelang auf der niedrigsten Stufe als Weihnachtsaushilfe, bewegt sich aber auch unsichtbar durch die intimsten Räumlichkeiten des Kaufhauschefs.

„Die Auster“ spielt mit dem Genre, drängt es an den Rand und fokussiert sich auf die Charaktere, auf Themen wie Arbeit, Klasse, Alter und Altersarmut, (Single-)Mutterschaft, Trauer und mehr. Bedächtig nähert sich Inokai nicht nur der Auflösung des Falls an, sondern vor allem ihrer Miss Marple.

Gut gefallen hat mir die Prise schwarzer Humor und der Unwille, alles haarklein zu erklären.

Auch Berlin kriegt sein Fett weg:
„Nicht einmal die Stadt selbst sah an dieser Ecke aus, als wäre sie gern hier. Viel lieber hätte sie ihre Gehsteige, Gebäude, ihre Straßenlampen und Bushaltestellen eingepackt, um über die Bahngleise an einen netteren Ort abzuhauen.“
Profile Image for Majca.
248 reviews12 followers
August 5, 2026
Für einen Moment glaubte sie, es sei die eigene Mutter. Sie war ihr überall begegnet in den Monaten nach ihrem Tod, jedes Mal versenkte es einen Stein in ihr. Leicht hatte sie sich sonst gefühlt, das Gewicht der Liebe von sich genommen. Diese Liebe, die sie als Mutter auch selbst empfand, die nicht loszuwerden war, für die sie ihren Sohn, der ihr diese Liebe zumutete, manchmal geohrfeigt hatte.


4.5 ★
Ich mochte dieses Buch wirklich gern, vor allem wegen seiner Erzählweise.

Der Schreibstil ist ruhig, fein und beobachtend. Vieles erschließt sich über kleine, alltägliche Handlungen und Wahrnehmungen, statt durch Erklärungen oder Einordnungen. Das Buch vertraut darauf, dass seine Leser:innen Zusammenhänge selbst erkennen und sich die Figuren und ihre Beweggründe nach und nach erschließen.

Auch Leonora mochte ich als Protagonistin. Sie ist keine Figur, die sich leicht öffnet, weder anderen noch der Leserin. Und trotzdem entsteht nach und nach ein roher und zugleich zärtlicher Blick in ihr Leben.

Genau darin liegt für mich auch die größte Stärke des Romans. Unaufgeregt, aber eindringlich entfaltet er eine melancholische Atmosphäre, in der Themen wie Verlust und Versöhnung, Einsamkeit und Nähe, das Älterwerden, ein Leben voller körperlicher Arbeit und eine leise, aber deutliche Gesellschaftskritik zusammenkommen. In ihr schwingen mal Frustration und Traurigkeit mit, aber vor allem immer Ruhr und Zärtlichkeit, und eine stille Akzeptanz.

So ergibt sich, dass der Mordfall zwar die Handlung in Gang setzt, aber nicht das eigentliche Zentrum des Romans bildet. Gleiches gilt für das Kaufhaus als Schauplatz, weshalb der Klappentext etwas irreführend sein kann.

Ein kleines Manko ist für mich das Ende. Die Auflösung des Mordfalls findet größtenteils off screen statt und die Verhaftung selbst erfolgt wortwörtlich im Sprint an der Protagonistin vorbei. Danach folgt ein thematisch stimmiger Abschluss, der gut zur offenen Erzählweise des Romans passt, insgesamt wirkte das Ende auf mich aber etwas zu abrupt. Ich hätte mir zwei drei Seiten mehr gewünscht, um die Auswirkungen der Ereignisse gemeinsam mit den Figuren noch etwas nachklingen zu lassen.

Insgesamt eine einfühlsame, nachdenkliche Geschichte, die durch eine authentische Protagonistin und melancholischer Atmosphäre besticht.

Vielen Dank an vorablesen und Hanser für ein Rezensionsexemplar. Alle Meinungen sind meine eigenen.
Profile Image for Marie.
224 reviews15 followers
July 25, 2026
"Dr. Bronstetts Tod ist ein großer Verlust für uns [...] das verstehen Sie am allerbesten. Es ist nicht selbstverständlich heutzutage, jemandem jahrzehntelang die Treue zu halten."

Leonora, die Protagonistin in "Die Auster" von Yael Inokai, ist so eine treue Seele. Mit 73 Jahren verliert sie ihren Jobs als Reinigungskraft beim Dr. Bronstett. Sie findet den ehemaligen Leiter des Kaufhauses, in dem sie ebenfalls über Jahre hinweg geputzt hat, tot in seiner Wohnung. Doch bevor sie die Polizei ruft, macht sie erst einmal ordentlich sauber. Alle die Blutspuren und Abdrücke - das kann man ja so nicht in Unordnung lassen. Die eintreffenden Ermittler sind wenig begeistert und Leonora gerät zumindest zeitweise in den Kreis der Verdächtigen.
Gemeinsam mit dem ehemaligen Lebensgefährten ihres Sohnes beginnt die alte Dame zu spekulieren, wie ihr Arbeitgeber zu Tode gekommen ist. Und dann muss sie sich gemeinsam mit Bronstedts Tochter um die Beerdigung kümmern - so hat der Mann es in seinem Testament verfügt. Ob Leonara wirklich alle Geheimnisse des Kaufhauses kennt? Oder wartet auch auf die eine überraschende Auflösung?

Die titelgebende Auster hat gleich mehrere Bedeutungen: Zum einen verfügt das Kaufhaus über ein hervorragendes Fischrestaurant, in dem auch Austern serviert werden. Sogar Leonora hat dort schon Muscheln gegessen. Pikanterweise ist auch genau dort, bei den Austern, eine Hand des Toten aufgetaucht. Gibt es hier eine mögliche Verbindung zum Fall? Und dann ist da noch die Verschlossenheit, die man der Auster nachsagt. Sie trifft vor allem auf Leonora selbst zu, die niemanden so recht an sich heranlassen mag. Aber auch Bronstett war kein herzlicher Mensch. Das Motiv ist also gekonnt immer wieder in den Roman eingeflochten.

Allerdings scheint es, dass Inokai sich nicht so recht entscheiden konnte, wie sie Leonora nun präsentieren möchte: Als eine alte Dame, die in Marple-Marnier die Ermittlungen übernimmt und durch kluges Nachdenken den Fall löst? Oder geht es doch eher um eine Sozialstudie der treuen, aber vergessenen Frauen, die Tag für Tag zuverlässig für die Reinigung in Kaufhäusern und Büros sorgen? Das mag sich zwar nicht generell ausschließen, aber irgendwo bleibt Leonora nicht fassbar - und damit für die Lesenden unnahbar.

Die Auflösung des Falls ist insgesamt plausibel und wird gelungen von Leonora deduziert. Dabei verweisen sie und andere Figuren an vielen Stellen darauf, dass man sich ja nicht in einem Fernsehkrimi befände. Leider haftet dem Roman aber genau das an: Eine klassische Krimierzählung, 90 Minuten, Sonntagabend. Das mag solide sein, eine überraschende Idee ist dieses Buch aber nicht.
Profile Image for Cirrus Minor.
751 reviews6 followers
July 23, 2026
Die Auster ist mein erster Roman von Yael Inokai. Das Cover trifft nicht meinen Geschmack, passt aber hervorragend zu der Geschichte. Man sieht ein verschwommenes Restaurant, möglicherweise im Glanz alter Tage so wie auch das Kaufhaus, das Dreh- und Angelpunkt der etwas mehr als zweihundert Seiten ist.

Es beginnt mit Leonora Bloch, die die Leiche ihres Arbeitgebers findet und erstmal alle Spuren beseitigt, weil dies seit 45 Jahren ihre Aufgabe ist und er sich sicher über den Schmutz aufgeregt hätte. Besagte Leonora begleiten wir das ganze Buch lang durch ihren Alltag oder das, was nach diesem Erlebnis davon noch übrig ist. Auf der einen Seite scheint sie eine gewöhnliche alte Frau zu sein, die gern ihre Ruhe hat und empfindlich auf starke Gerüche reagiert (wie gut ich das nachvollziehen kann!), auf der anderen Seite zieht sie viele Schlüsse aus dem, was über die Jahre vor sich gegangen ist und was zum Zeitpunkt der Tat geschehen sein könnte.

Für mich ist die Aufklärung des Mordfalles eher nebensächlich gewesen. Die auftretende Polizei war für die Glaubwürdigkeit möglicherweise notwendig, wirkte hier aber eher störend. Wichtig war Leonora. Ihr Leben. Ihr Verhältnis zu ihrem Sohn, ihrer Mutter, ihren Freunden, der Tochter des Verstorbenen. Die Autorin hat es geschafft, mich mit ihrer Art zu schreiben, in ihren Bann zu ziehen, ohne unnötig viel Spannendes zu erzählen. Ich glaube, ich könnte Leonora noch viele Jahre begleiten und von ihr hören wollen.
Profile Image for Carla.
1,137 reviews148 followers
July 27, 2026
„Es gibt Menschen, die sind der festen Überzeugung, dass das Leben ihnen noch etwas schuldet. Damit hält man lange durch.“
⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Leonora ist Putzfrau bei Dr. Bronstett. 45 Jahre schon. Doch diese Ära endet abrupt, als sie ihren Arbeitgeber eines Tages in einer großen Blutlache (und ohne seine Hände) vorfindet. Wie unter Schock reinigt sie die Wohnung, bevor die Polizei eintrifft. Wer hat das getan? Diese Frage stellt sich unweigerlich, als Leonora die Leser*innen mit in den Mikrokosmos des Kaufhauses mitnimmt, das Dr. Bronstett geleitet und in dem sie auch selbst gearbeitet hat.
⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Dieses Buch ist eine sehr gelungene Gesellschaftsstudie. Die Gegensätze von Arm und Reich sind im kleinen Universum des Kaufhauses meiner Meinung nach sehr gelungen dargestellt. Ich mochte Leonora unglaublich gerne, weil sie eine Figur ist, die durch das Ungesagte auffällt. Durch einen persönlichen Verlust ist sie sehr verschlossen, und ich konnte diese Seite von ihr sehr gut nachvollziehen. Generell gibt es in diesem Roman viele interessante Charaktere, die sehr gekonnt in die Geschichte eingewoben wurden und sie beständig getragen haben.
⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Die Erzählung ist eher ruhig, und doch fand ich es auf keinen Fall langweilig. Es hat einen ganz bestimmten Vibe, eine Atmosphäre, die mich direkt in den Bann gezogen hat. Die Aspekte der Kriminalgeschichte fand ich toll, ich hätte mir aber zum Ende hin noch etwas mehr Definition gewünscht. Es war zwar insgesamt alles stimmig, aber das wäre für mich persönlich noch die Kirsche auf der Torte gewesen.
⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter! Ich werde auf jeden Fall noch die anderen Werke der Autorin „nachlesen“.
⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
4/5 ⭐️

-
Digitales Rezensionsexemplar I Vielen Dank @hanserberlin @netgalleyde 💜
Profile Image for Seitenmusik.
474 reviews25 followers
July 29, 2026
In "Die Auster" erzählt Yael Inokai keinen klassischen Kriminalroman. Der Mord an einem Kaufhausdirektor bildet vielmehr den Ausgangspunkt für einen leisen Roman über Arbeit, Würde und die Menschen, die hinter glänzenden Fassaden meist unsichtbar bleiben. Im Mittelpunkt steht die 73-jährige Reinigungskraft Leonora Bloch, die seit Jahrzehnten Teil des Kaufhauses ist und dessen verborgene Seiten besser kennt als jede andere.

Shoutout für den gelungenen Blick auf die Unsichtbarkeit von Care- und Reinigungsarbeit. Leonora bewegt sich täglich durch eine Welt des Luxus, ohne selbst wahrgenommen zu werden. Die Autorin zeigt auf, wie selbstverständlich Menschen übersehen werden, deren Arbeit den Alltag überhaupt erst möglich macht und hält uns sozusagen ein Spiegel vors Gesicht. Das bringt sie für mich in diesem Satz auf den Punkt: „Lange bevor Automaten ihren Job obsolet machen würden, behandelte man sie da bereits wie einen.“ (S. 142).

Sprachlich überzeugt Inokai mit einem präzisen, ruhigen Stil, der von feinen Beobachtungen lebt. Immer wieder entstehen plastische Bilder im Kopf, die mich zum Nachdenken angeregt haben, etwa wenn Leonora sich wünscht: „Sie sehnte sich danach, ein Ding zu sein, ein Möbelstück, ein langweiliges Buch … frei von Mord und Totschlag …“ (S. 114). Darin verdichtet sich für mich die Erschöpfung einer Frau, die ihr Leben lang die Lasten anderer mitgetragen hat.

Trotz dieser starken Motive blieb der Roman für mich aber insgesamt leider hinter meinen Erwartungen zurück. Der Klappentext verspricht einen Mord und zahlreiche Geheimnisse, wodurch ich deutlich mehr Spannung erwartet hatte. Stattdessen entwickelt sich die Geschichte sehr langsam und konzentriert sich stärker auf Stimmungen und Figuren als auf den Kriminalfall. Das ist eine bewusste literarische Entscheidung, ließ die Handlung für mich aber stellenweise eher vor sich hinplätschern. Gerade die erhofften Aha-Momente oder überraschenden Wendungen hab ich vergeblich gesucht. Ich glaube in dem Fall liegt die Stärke des Romans weniger im Krimi als in seiner Gesellschaftsanalyse.

Fazit

"Die Auster" ist ein leiser, literarischer Roman über Unsichtbarkeit, Arbeit und Würde, dessen gesellschaftskritische Beobachtungen mich überzeugt haben. Wer jedoch (wie ich) aufgrund des Krimiplots mehr Spannung erwartet, könnte etwas enttäuscht sein. Für Leser:innen, die ruhige, sprachlich elegante Gegenwartsliteratur mit sozialem Blick schätzen, ist das Buch dennoch einen Blick wert. Mich haben vor allem die Themen begeistert; die Geschichte selbst konnte dieses Potenzial für mich jedoch nicht ganz ausschöpfen. Wer den Roman als literarische Gesellschaftsstudie liest und keinen spannungsgetriebenen Krimi erwartet, wird aber vermutlich sehr viel daraus mitnehmen können. Danke an netgalley.de, vorablesen.de und Hanser Berlin für die Rezensionsexemplare.
Profile Image for Bajo.
100 reviews3 followers
August 10, 2026
Dieser Roman ist eigentlich kein klassischer Krimi. Eher ein stiller Roman, der sich um ein ehemals glamouröses Kaufhaus in Berlin und um die 73jährige Leonora Bloch dreht. Leonora findet ihren Arbeitgeber, den Geschäftsführer des Kaufhauses in seinem Haus im Grunewald ermordet auf. In diesem Haushalt hat sie 45 Jahre lang geputzt.

Hier treffen zwei Welten aufeinander: Die luxuriöse, wohlhabende rund um den Ermordeten und seine Familie und die prekäre Welt Leonoras, die, längst im Rentenalter, finanziell immer noch auf ihren Lohn aus dem Putzjob zweimal die Woche angewiesen ist. Von diesem Gegensatz zwischen arm und reich, von dem Blick Leonoras auf die Welt des Luxus, des vordergründig angenehmen Wohlstands, lebt dieser Roman.

Auch Leonoras Leben ist mit dem Kaufhaus, hier drängen sich Parallelen zum KaDeWe in Berlin auf, eng verbunden, war sie doch jahrzehntelang als Aushilfe dort tätig. In Rückblicken erfährt der Leser von den vergangenen prächtigen Zeiten des Kaufhauses, vom weniger prächtigen Leben seiner Angestellten und vom harten Leben der einst alleinerziehenden Leonora. Man taucht ab in eine längst vergangene Zeit, in der es noch fachkundige Verkäuferinnen gab und ein wirklich elegantes, luxuriöses Warensortiment. Doch jetzt wird auch hier mit Billigwaren Umsatz gemacht, Personal abgebaut und klar ist, die große Zeit des KaDeWe ist vorbei.

Die Autorin erzählt humorvoll, in lakonischer, moderner Sprache. Ein Spannungsbogen ergibt sich durch die Suche nach dem Mörder. Im großen und Ganzen ist es aber ein ruhiger, unaufgeregter Roman. Besonders besticht die Autorin durch die Schilderung alltäglicher Routinen, wie zum Beispiel das Putzen und überhaupt des Alltags der Protagonisten sowie durch die feinziselierten Charakterbeschreibungen der Figuren.

Sowohl das Mordopfer als auch Leonora stechen durch ihre Einsamkeit, ihren Hang zum Einzelgängertum heraus, wenn auch jeweils auf unterschiedliche Art und Weise. Leonora zieht sich zurück, hat kaum Freunde, ist verschlossen, wie die titelgebende Auster. Das Mordopfer hingegen hatte wohl zahlreiche Affären, aber nie eine tiefergehende Beziehung zu anderen Menschen. Eine traurige Verlorenheit durchzieht diesen Roman, wenn auch hin und wieder eine Spur von Humor aufblitzt. Leonora trägt ihr Schicksal fast schon mit stoischer Gelassenheit, ohne mißgünstigen Blick auf die luxuriöse Welt ihres ermordeten Arbeitgebers. In den Rückblicken auf ihr Leben klingt leise Gesellschaftskritik an. In ihrer schroffen Art ist sie keine wirkliche Sympathieträgerin, die man am Ende für ihre Art durchs Leben zu gehen dennoch bewundern muß.

Ein unterhaltsamer, ruhiger Roman, der sprachstilistisch sehr gelungen ist und den ich gerne gelesen habe. Die Unwahrscheinlichkeiten im Krimiplot verzeihe wegen der phänomenalen Sprachkunst. Ich vergebe 4 Sterne.
Profile Image for Wolf Macbeth.
221 reviews2 followers
August 12, 2026
JEDE*R GEFANGEN IN DER EIGENEN WELT

Nach „Ein simpler Eingriff“ und „Mahlstrom“ ist „Die Auster“ mein dritter Roman von Yael Inokai. Im Mittelpunkt steht die 73-jährige Reinigungskraft Leonora Bloch, die seit Jahrzehnten in einem Luxuskaufhaus arbeitet. Als dessen Geschäftsführer ermordet wird, beginnt sich nach und nach zu zeigen, dass Leonora die Menschen und ihre Geschichten vielleicht doch nicht so gut kennt, wie sie dachte.

Ich habe keinen klassischen Krimi erwartet – und genau deshalb wollte ich das Buch lesen. Der Mord und seine Aufklärung waren für mich auch nie das Entscheidende. Leider hat mich der Roman trotzdem ziemlich enttäuscht.

Am Anfang war ich noch sehr angetan. Inokai kann mit wenigen Sätzen unglaublich viel zeigen, ohne es erklären zu müssen. Besonders gefallen hat mir ihr feiner, trockener Humor. Gleichzeitig zeigt sie sehr schön die sozialen Unterschiede zwischen Leonora und der reichen Welt um sie herum. Wenn für die eine ein nicht passendes Kleid zum „Notfall“ wird, während die andere mit über 70 noch putzen muss, weil ihre Rente nicht reicht, braucht es eigentlich keine weitere Erklärung. Solche kleinen Szenen fand ich richtig gut.

Leider trägt das für mich keinen ganzen Roman. Je länger ich gelesen habe, desto mehr haben mich die vielen Alltagsdetails um Leonora gelangweilt. Putzen, Gespräche übers Putzen, Erinnerungen, Freundschaften und immer wieder der Alltag im Kaufhaus – vieles wurde mir irgendwann einfach zu zäh. Die Handlung kommt kaum voran, und obwohl durchaus Gesellschaftskritik vorhanden ist, hat sie mich nicht wirklich gepackt oder mir genügend neue Gedanken gegeben.

Auch sprachlich hatte ich zwischendurch immer wieder diese typische Inokai, die ich an ihren anderen Büchern so mag: knapp, bildlich und verdichtet, ohne alles auszuerklären. Aber als Ganzes funktioniert Die Auster für mich nicht. Gerade die Verdichtung und Tiefe, die Ein simpler Eingriff und Mahlstrom für mich so stark gemacht haben, fehlen mir hier.

Inokai wollte mit „Die Auster“ ausdrücklich etwas Unterhaltsameres und Humorvolleres schreiben. Einzelne ironische Szenen sind ihr auch wirklich gelungen. Insgesamt fand ich das Buch aber ausgerechnet nicht besonders unterhaltsam, sondern teilweise extrem langweilig.

Am Schluss bleibt bei mir vor allem der Eindruck, dass Inokai vielleicht einfach besser ist, wenn sie ernst ist.
1 review
July 27, 2026
Spezieller Kaufhaus-Krimi

Die Geschichte des Romans „Die Auster“ spielt in Berlin, genauer gesagt in einem großen, pompösen Kaufhaus. Die Hauptfigur, Leonora Bloch, findet bei ihrer Arbeit als Putzkraft ihren Chef tot auf. Dr. Bronstett ist nicht nur ihr Chef, sondern auch Besitzer eben dieses Kaufhauses. Das wirft für sie zwei Fragen auf: Wer hat ihren Chef getötet und wo findet sie nun schnell neue Arbeit? Die ältere Dame schleust sich daraufhin als Putzkraft in die Welt des Kaufhauses ein.

An dem Roman „Die Auster“ haben mich besonders die Hauptfigur und der Ort gelockt, an dem die Geschichte spielt. An der Figur fand ich besonders spannend, dass die Handlung aus Sicht einer Rentnerin geschrieben ist. Diese neue, eher seltene Perspektive des Romans barg für mich viel Potenzial. An dem Ort der Geschichte fand ich besonders die Atmosphäre des Kaufhauses interessant. Ich erhoffte mir, mich durch die Beschreibung vieler kleiner Details in den Luxus des Kaufhauses hineindenken zu können.

Dennoch lässt mich der Roman mit einigen Fragen zurück. Für mich kamen die Krimiaspekte eindeutig zu kurz, sodass es für mich kein spannender, packender Krimi war. Gleichzeitig bleibt die Geschichte der Protagonistin dann ebenfalls zu oberflächlich, um mich in ihren Bann zu ziehen. Die Handlung hat mich leider nicht gepackt und ich habe das Buch immer wieder aus der Hand gelegt und bin in keinen Leseflow gekommen.

Für mich ist eine Besonderheit des Romans (ob im positiven oder negativen Sinne), dass das genauere Genre für mich schwer zu fassen ist. Natürlich ist es ein Roman, jedoch ist es für mich weder ein Feelgood-Roman, noch ein klassischer Krimiroman, noch ein Coming-of-Age-Roman, noch die höchste Gesellschaftskritik und ich frage mich ein bisschen, in welcher Stimmung man diesen Roman lesen sollte.

Ich würde dieses Buch nicht empfehlen für Menschen, die einen klassischen Krimi erwarten. Ich denke, dies möchte der Roman auch gar nicht erfüllen. Ich würde dieses Buch Personen empfehlen, die sich auf eine neue Geschichte einlassen möchten, auf ein Buch, geschrieben aus einer interessanten Perspektive und mit kleinen Details in den Worten, die entscheidender sind als eine spannende Handlung. Dennoch wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.

138 reviews
August 3, 2026
Ich hatte bei dem Buch „Die Auster“ von Yael Inokai große Erwartungen, da mir die Leseprobe sehr gefallen hatte, dennoch konnte mich der Roman insgesamt nicht überzeugen.

Die Handlung über die Reinigungskraft Leonora Bloch in einem Luxuskaufhaus, die Geheimnisse hütet und womöglich zu den Ermittlungen zum Mord von dem Geschäftsführer beitragen kann, hörte sich zunächst sehr viel versprechend an. Dennoch habe ich leider die erwartende Spannung nicht erleben können und gerade die Reinigungskraft Leonora blieb sehr blass und ihr Charakter blieb eher flach. Es ist ein sehr ruhiger Roman, der im Kontrast zu dem Mord und den Ermittlungen steht. Leider konnte mich dies nicht ganz packen und ich habe immer auf den einen Punkt gewartet, auf eine Wendung oder Szene die temporeicher wurde. Leider blieb dies aus und ich hatte grundlegend andere Erwartungen an den Roman.

Die Geheimnisse, die Leonora hütet empfand ich zwar als interessant, aber nicht so aussagekräftig. Die Austernbar hatte viele verschiedene Menschen als Kunden und so kamen eben auch viele Persönlichkeiten zum Vorschein. Es geht eher um das Sein hinter dem Schein als um den Kriminalfall in diesen Roman. Die Ermittlungsarbeit habe ich vermisst und hatte doch die Hoffnung, dass die Handlung sich dahingehend weiterentwickelt. Wie schon erwähnt, hatte ich persönlich ganz andere Erwartungen und dies ist eben kein klassischer Kriminalroman.

Leonora ist 73-Jahre alt und arbeitet selbst seit 45 Jahren in dem Kaufhaus und so scheint auch der Schreibstil eher gediegen und wenig aufregend gestaltet zu sein. Der Schreibstil wirkt auch etwas distanziert und man schaut irgendwie von außen teilnahmslos auf die Situation, als mittendrin zu sein.

Die 221 Seiten sind ganz gut zu lesen und ich hoffe, dass das Buch Leser*innen finden wird, die den ruhigen Schreibstil zu würdigen wissen und sich vor dem Lesen intensiver mit der Handlung auseinanderzusetzen, um falsche Erwartungen zu ersparen.
Profile Image for Franzi.
202 reviews1 follower
Review of advance copy
July 18, 2026
Ein Buch, dass auf den ersten Blick eher unscheinbar daherkommt. Eine kleine Kriminalgeschichte, nett, unterhaltsam, relativ ruhig. Aber dahinter versteckt sich mehr. Die Geschichte ist eine sehr schöne Gesellschaftsstudie. Denn Leonore Bosch ist eine fantastische Beobachterin. Als Reinigungskraft ist sie es gewohnt für den Rest der Menschen unsichtbar zu sein. Übersehen zu werden. Das gibt ihr die Möglichkeit ihre Umgebung genau zu beobachten und ziemlich treffsicher zu analysieren. Nicht, dass sie mit ihren Erkenntnissen hausieren gehen würde. Das ist nicht Leonores Stil. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken und lebt dann ihr Leben weiter. Und diese Beobachtungen sind nicht immer schön, liebevoll oder lustig. Ehrlicherweise sind sie häufig sogar traurig. Die Geschichte wird von einer fühlbaren Schwere und Traurigkeit durchzogen. Und dazwischen schleicht sich eine Spur von Humor ein. Galgenhumor oft, im Angesicht der Umstände der Figuren. Bei allem Ernst und Schwere, die man beim Lesen auch merkbar spürt, zucken die Mundwinkel dann hin und wieder doch ganz verschämt. Weil ein Vergleich abstrakt und schräg und doch so zutreffend. Weil man sich Leonores trockenes "Aha" in einigen Situationen so gut vorstellen kann. Aber Lachen fühlt sich in dem Moment auch irgendwie falsch an, auch wenn man als Leser nur der Zuschauer von ganz außen ist.
Alle Figuren sind toll aufeinander abgestimmt, wie in einem gut funktionierendem Uhrwerk. Und Yael Inokei gibt dem Ganzen mit ihrer schönen, ruhigen und präzisen Sprache einen wunderbaren Rahmen. Ich habe irgendwann total vergessen, dass es in der Geschichte ja auch noch einen Kriminalfall zu lösen gibt. Mich hat es daher überhaupt nicht gestört, dass die Auflösung am Ender eher beiläufig erfolgt. Das Drumherum, die Beobachtungen über die Menschen, waren für mich sehr viel interessanter zu lesen.
Profile Image for Barbara.
101 reviews1 follower
August 10, 2026
Viel mehr als ein Krimi

Ein außergewöhnlicher Mordfall eröffnet diese Kriminalgeschichte und weckt prompt die Neugier auf das Buch. Doch der neueste Roman von Yael Inokai bietet seiner Leserschaft viel mehr als nur die Ermittlungen in einem spektakulären Mordfall. Das Opfer, der prominente Geschäftsführer eines Luxuskaufhauses in Berlin, wurde von Leonora Bloch, seiner Putzfrau, tot mit abgetrennten Händen, in seinem Haus vorgefunden. Somit wurde Leonora zur Schlüsselfigur des vielschichtigen Romans.

Mit Leonora wandert man über die Etagen und Abteilungen des Kaufhauses, das die besten Geschäftsjahre bereits hinter sich hat. Dort hat auch die 73-jährige Rentnerin die besten Jahre ihres Lebens verbracht, insgesamt 45 Jahre als Reinigungskraft im Kaufhaus geputzt und für Ordnung gesorgt. Das Putzen und Ordnungsschaffen hat sie also im Blut; wen wundert es schon, dass sie sofort nach dem Auffinden des Opfers den gesamten Tatort gründlich gereinigt hat.

Da der ermordete Dr. Bronstett in seinem Testament die zuverlässige Leonora als Organisatorin seiner Beerdigung bestimmt hat, muss die sonst zurückhaltende, kontaktscheue Rentnerin ihre alten Bekanntschaften und Freundschaften wiederbeleben. Auf diese Weise treten die übrigen Figuren des Romans in Erscheinung; eine bunte Mischung der diversen Charaktere, mit unterschiedlichen Stärken und Sichtweisen, alle ein Teil unserer modernen vielfältigen Gesellschaft.

Ein kritisches Bild dieser Gesellschaft, mit deutlichen Schattierungen und Unterschieden nicht nur zwischen Arm und Reich, skizziert Yael Onokai in ihrem klugen Roman. Die Ermittlungen in dem Mordfall laufen nebenbei, und auch Leonora spielt dabei eine bedeutende Rolle.
Den mehrdeutigen Titel des Romans versteht man erst, wenn man das Buch ausgelesen hat. Das Buch muss gelesen werden. Ich kann es wärmstens empfehlen.
Profile Image for rapunzel xxl.
260 reviews
Review of advance copy
July 20, 2026
Im Vergleich zu einem Krimi ist es eher ein literarischer Roman.

Die Auster ist ein Kriminalroman von Yael Inokai. Das 224-seitige Buch erzählt die Geschichte eines Mordes in einem Kaufhaus.

Leonora, 73, arbeitet als Putzfrau in dem Kaufhaus. Sie ist schon lange dort und kennt viele Geheimnisse. Eines Tages, als sie wie gewohnt zur Arbeit kommt, entdeckt sie, dass der Chef, Dr. Bronstett, ermordet wurde. Seine Leiche liegt auf dem Boden, seine Hände fehlen. Leonora beendet seelenruhig ihre Reinigungsarbeiten, bevor sie die Polizei ruft. Ihr Verhalten ist so unlogisch; ist sie etwa mit dem Mord verbunden?

Die ersten Kapitel des Buches waren in der Tat sehr fesselnd. Ich wollte unbedingt verstehen, warum Leonora die Leiche ignorierte, aber trotzdem weiterputzte; ich wollte die Wahrheit über den Mord so schnell wie möglich aufdecken. Doch je weiter ich las, desto mehr entfernte sich die Erzählung vom eigentlichen Fall und bestand hauptsächlich aus Beschreibungen des Kaufhauses in seiner früheren Pracht und Leonoras Erinnerungen. Ich muss zugeben, der Schreibstil der Autorin ist flüssig, lebendig und prägnant, ruhig und besonnen. Ihre Beschreibungen des Kaufhauses und der Erinnerungen wirken besonders realistisch und haben mich sehr berührt. Allerdings ist mir die Aufklärung des Mörders nicht ganz klar. Dieser Teil der Handlung ging mir zu schnell voran; ich konnte nicht folgen und habe ihn nicht vollständig verstanden.

Kurz gesagt, es handelt sich nicht um einen klassischen Kriminalroman. Die Beschreibungen und die Schlussfolgerungen im Fall wirken zu überhastet. Im Vergleich zu einem Krimi ist es eher ein literarischer Roman.
34 reviews1 follower
Review of advance copy received from Publisher
July 16, 2026
Interessanter und vielschichtiger Roman

"Die Auster" ist ein ruhig erzählter Roman, der mit leisen Zwischentönen daherkommt. Die Protagonistin ist Leonora, eine 73-jährige Raumpflegerin, die viele Jahrzehnte in einem Kaufhaus und dann auch für dessen Geschäftsführer geputzt hat. Als dieser tot aufgefunden wird, erledigt sie zuverlässig wie immer ihren Job und verwischt damit alle Spuren.

Der Kriminalfall steht bei diesem Roman eher im Hintergrund. Im Vordergrund stehen die vielen Geheimnisse und Begebenheiten der Angestellten des Kaufhauses, allem voran Leonoras. Das Buch ist wie ein Mosaik. Man sollte es sehr sorgfältig lesen, damit man es dann zu einem interessanten und vielschichtigen Gesamtbild zusammensetzen kann. Die Spannung wird eher leise aufgebaut durch viele neue Infos und somit erhält man nach und nach einen interessanten Einblick in den Mikrokosmos des Kaufhauses. Ich finde in diesem Buch werden, nett verpackt, viele Themen wie soziale Gerechtigkeit faire Entlohnung und die harte Arbeit, die im Niedriglohnsektor geleistet wird, angesprochen. Daher finde ich den Roman durchaus gesellschafts- und sozialkritisch.

Mir persönlich hat die Geschichte gut gefallen. Es ist mal eine ganz andere Perspektive aus Sicht einer Raumpflegerin, ihrer Erlebnisse, Geheimnisse und Gefühle. Den Schreibstil fand ich wirklich prägnant, eindinglich und wunderbar flüssig. Das Buch verfügt auch über Tiefe und regt zum Nachdenken an. Eine interessante Geschichte, die mich gut unterhalten hat und von der symathischen Protagonistin, die über einen trockenen Humor verfügt, lebt.
Profile Image for wenndann.
7 reviews
August 7, 2026
**2,5/5 ⭐**

Die Prämisse fand ich unglaublich spannend: ein Luxushotel, ein Mordfall und als Hauptfigur eine 73-jährige Putzkraft. Ich lese eigentlich keine klassischen Krimis und hatte mich deshalb besonders darauf gefreut, dass es sich hier zwar im Kern um einen Kriminalfall handelt, aber vielmehr um einen Roman mit ungewöhnlicher Perspektive.

Auch die Kulisse hat mich sofort angesprochen. Dieser Mikrokosmos eines luxuriösen Hotels bietet eine spannende Bühne – ähnlich wie in *The White Lotus* oder *Triangle of Sadness*, wo abgeschlossene Welten mit ihren eigenen Dynamiken entstehen.

Der Anfang hat mich gepackt, aber trotz der geringen Seitenzahl hat sich das Buch für mich leider ziemlich gezogen. Ich habe zu keiner der Figuren wirklich eine Verbindung aufgebaut und musste oft überlegen, um wen es gerade überhaupt geht. Teilweise war ich unsicher, ob ich etwas überlesen hatte, weil ich manche Szenen oder Zusammenhänge nur schwer einordnen konnte.

Diese Unschärfe und Ambivalenz sind vermutlich bewusst eingesetzt und grundsätzlich habe ich mit offenen oder mehrdeutigen Erzählweisen kein Problem, hier hat es für mich allerdings nicht so gut funktioniert, weil ich nicht genug Nähe zur Handlung und den Protagonist*innen hatte.

Trotzdem eine originelle Idee und eine ungewöhnliche Hauptfigur, die man nicht ganz einschätzen kann. Beides hebt den Roman von klassischen Krimis ab, auch wenn mich die Umsetzung am Ende leider nicht ganz überzeugen konnte.
12 reviews
July 21, 2026
Die Auster – Yael Inokai
Dies ist ein etwas seltsamer Roman – eine Mischung aus altmodischem Kriminalroman und einer Milieustudie.
Es gibt einen Toten, Dr. Bronstett, den Geschäftsführer eines großen Kaufhauses. Leonora Bloch ist die Erzählerin dieser Geschichte – Reinigungskraft und über 70 Jahre alt, einige davon hat sie putzend, beobachtend und mehr oder weniger unsichtbar im Schatten Dr. Bronstetts verbracht. Sie kann viel erzählen aus Bronstetts Leben, viele Erinnerungen an alte, gute und schlechte Zeiten kommen hoch.
Leonoras Erzählstimme mochte ich eigentlich ganz gerne. Sie wirkt authentisch und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Etliche spannende Themen werden hier angeschnitten und lenken auch ein wenig vom Mordfall ab. Die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich werden sehr deutlich. Was den Kriminalfall betrifft, geht es hier aber sehr lange in erster Linie um Gerüchte und Vermutungen.
Gestört hat mich eine gewaltige Distanz, mit der diese Geschichte erzählt wird. Ich kam keiner einzigen Figur, auch nicht Leonora, näher – ebensowenig wie der Handlung oder dem Kriminalfall, der gegen Ende ein wenig plötzlich seine Auflösung findet.
Das macht die Lektüre ein wenig anstrengend und unbefriedigend. Trotz toller Ansätze konnte mich dieser Roman nicht wirklich erreichen.
Gerade noch 3 Sterne….
Profile Image for Charlott.
298 reviews75 followers
Review of advance copy
July 21, 2026
"Nicht einmal die Stadt selbst sah an dieser Ecke aus, als wäre sie gern hier. Viel lieber hätte sie ihre Gehsteige, Gebäude, ihre Straßenlampen und Bushaltestellen eingepackt, um über die Bahngleise an einen netteren Ort abzuhauen."

Seit 45 Jahren arbeitet die 74-jährige Leonora Bloch als Reinigungskraft für Dr. Bonstett, Geschäftsführer eines berühmten West Berliner Kaufhauses. Dann findet sie ihn ermordet in seinem Haus auf (und putzt erst einmal im Schock alle Spuren, all den Dreck weg).

Die Auster von Yael Inokai ist ein erstaunlich zarter Roman, der mit einem brutalen Mord beginnt und sich dann zu einem feinen Gesellschaftsportrait, zu einer Geschichte über Trauer, Verlust, Klasse, Tod, Freund*innenschaft und zu einem vielschichtigen Bild von (West) Berlin entspinnt.

Und während Leonora sich langsam dem möglichen Tathergang und Motiv nähert und dabei einige Geheimnisse hinter den Kulissen des Kaufhauses hervortreten, zeichnet der Roman außerdem die langen Nachwirkungen, den wabernden Schmerz der AIDS-Krise nach.

Dies ist kein Roman, der alle Fragen beantwortet, es ist auch kein besonders rasanter Text. Tatsächlich ist Die Auster einfach ein wirklich unfassbar schöner, ruhiger Roman. Inokais Sprache ist fantastisch: die kleinen Alltagsbeobachtungen, der Fluss und Rhythmus und überraschenden Sprachbilder machen den Roman auch neben der Geschichte und den Charakteren (und insbesondere den Freund*innenschaften) besonders lesenswert.
84 reviews
July 21, 2026
Schon die Ausgangssituation – ein ermordeter Geschäftsführer in einem traditionsreichen Kaufhaus – erzeugt eine spannende Atmosphäre, doch im Mittelpunkt steht für mich etwas anderes.
Besonders interessant ist die Perspektive der Reinigungskraft Leonora Bloch. Durch ihre Augen erhält man Einblicke in eine Welt, die sonst oft im Verborgenen bleibt. Sie beobachtet seit Jahrzehnten das Leben der Kundinnen und Kunden sowie der Angestellten und weiß dabei mehr über sie, als diese vermutlich ahnen. Diese stille Beobachterrolle macht den Reiz des Romans aus.
Gleichzeitig schildert das Buch sehr anschaulich, wie hart das Leben für Menschen ist, die körperlich arbeiten müssen und wirtschaftlich stark von ihren Jobs abhängig sind. Es wird deutlich, wie unsicher solche Arbeitsverhältnisse sein können und wie schnell Existenzen ins Wanken geraten.
Die Kriminalgeschichte dient dabei eher als roter Faden, der die verschiedenen Figuren und Schicksale miteinander verbindet. Sie bleibt stellenweise im Hintergrund und wirkt fast wie ein Beiwerk – was aber nicht unbedingt negativ ist, sondern den Fokus stärker auf die gesellschaftlichen Themen lenkt.
Insgesamt ist „Die Auster“ gut und flüssig geschrieben, mit einem feinen Gespür für Atmosphäre und zwischenmenschliche Dynamiken.
55 reviews
July 21, 2026
In "Die Auster" entführt Yael Inokai ihre Leserinnen und Leser in die schillernde Welt eines traditionsreichen Kaufhauses, in dem der Mord am Geschäftsführer für Aufruhr sorgt. Im Mittelpunkt steht die 73-jährige Reinigungskraft Leonora Bloch, die mehr über die Menschen und ihre Geheimnisse zu wissen scheint, als sie preisgibt.

Schon das außergewöhnlich schöne Cover hat mich sofort angesprochen und auch der Inhalt konnte mich schnell überzeugen. Der Schreibstil ist eindringlich und sehr flüssig, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Die etwas mehr als 200 Seiten sind durch die durchweg hohe Spannung in kürzester Zeit gelesen.

Besonders gefallen hat mir die Sprache. Viele Sätze sind knapp formuliert und dennoch voller Bedeutung, wodurch der Roman eine tolle Atmosphäre entwickelt. Auch die Figuren bleiben im Gedächtnis: Sie sind eigenwillig, teilweise skurril und machen den Mikrokosmos des Kaufhauses lebendig.

Nur die Auflösung am Ende hatte ich mir persönlich etwas anders vorgestellt und imit der einen oder anderen größeren Überraschung gerechnet.

Alles in allem ist "Die Auster" ein Kriminalroman mit einer tollen Sprache, ungewöhnlichen Figuren und einem durchgehend hohen Spannungsbogen.
Profile Image for Jana.
255 reviews12 followers
July 23, 2026
Die Bewertung fällt mir gar nicht so einfach. Titel und Cover haben mich direkt interessiert. Es ist auch interessant einen Kriminalroman zu haben, der wie ein Literarisches Werk geschrieben wurde.

Leonora putzt schon seit einer Ewigkeit für den Inhaber eines Kaufhauses in Berlin. Basically das KaDeWe. Sie hat bis zu ihrem 70. Geburtstag auch im KaDeWe gearbeitet, bis sie wegen ihrem Alter entlassen wurde.
Dennoch hat sie in den Jahren viele Intrigen mitbekommen, denn niemand achtet auch die Putzfrau.
Als sie die Leiche ihres Arbeitgebers dann findet, stellt sich die Erwartung ein, das sie die Lösung zur Klärung des Falles sein kann.

Ich habe das Buch über spekuliert was passiert sein könnte. Von selber habe ich das Ende dann nicht vorhergesehen. Allerdings blieben mir die Charaktere auch alle distanziert. Sie wurden alle sehr nüchtern beschrieben. Man lernt niemanden kennen. Das störte mich beim Lesen. Ich musste immer wieder überlegen, über wen es gerade geht.
Gleichzeitig faszinierte mich aber auch die Melancholie.
In meinem Fall wohl auch die ganzen Details zu Beerdigungen. Ich merkte recht schnell, das es auf mich triggernd wirkt, aber konnte nicht aufhören zu lesen.

Ich würde es schon weiterempfehlen, wenn einem nach Melancholie ist.
Danke an netgalley
117 reviews
July 23, 2026
Die Auster, von Yael Inokai

Cover:
Für mich kein High Light.

Inhalt und meine Meinung:
Das Buch hat mich enttäuscht.
Vom Klappentext her habe ich mir eine spannende Kriminalgeschichte vorgestellt. Doch eigentlich ging es mehr um das Leben der 73 jährigen Leonora, die immer noch bei Dr. Bronstett als Putzfrau beschäftigt ist und diesen auch grausam ermordet auffindet. Sie hatte kein leichtes Leben, doch sie wird im ganzen Buch nicht greifbar für mich.
Ganz unspektakulär und ruhig (so ist auch dass ganze Buch) putzt sie erst mal das ganze Haus und ruft dann erst die Polizei.
Soweit so gut der Einstig. Dann geht es aber sehr ausladend und sprunghaft weiter. Wir begleiten Leonora ihren Alltag und ihre Gedanken, und die gehen schon seltsame Wege.Viel davon ist mir irgendwie unverständlich.
Es liest sich für mich zäh und langweilig. Ich bekomme keinen Draht zu irgendwelchen Personen.
Das Ende ist mir dann ein bisschen suspekt (von der Polizeiarbeit bekommen wir ja kaum etwas mit).

Autorin:
Yael Inokai, geboren 1989 in Basel, lebt in Berlin.

Mein Fazit:
Ein brutaler Mord in Berlin, und dann geht es im ganzen Buch eher um die 73 jährige Putzfrau die den Toten gefunden hat. Und das auch noch ziemlich konfus und (für mich) langweilig. Von mir 2 Sterne,.

Profile Image for shrimp.
24 reviews
August 4, 2026
Das Buch Die Auster von Yael Inokai hat mich insgesamt nachdenklich gemacht. Das Cover wirkt schlicht, aber gleichzeitig geheimnisvoll und passt gut zur besonderen Stimmung der Geschichte. Die Handlung ist eher ruhig erzählt und beschäftigt sich mit Themen wie Beziehungen, Nähe und dem Umgang mit den eigenen Gefühlen. Dabei wird nicht alles direkt erklärt, wodurch man beim Lesen selbst viel überlegen und interpretieren kann.

Der Schreibstil ist klar und eher ruhig. Teilweise fand ich ihn sehr schön und passend zur Geschichte, an manchen Stellen aber auch etwas ungewohnt. Die Figuren wirken nicht immer sofort sympathisch, dafür aber interessant und auf ihre eigene Art authentisch. Gerade ihre Gedanken und Beziehungen machen das Buch spannend.

Insgesamt ist Die Auster kein Buch, das nur durch viel Handlung überzeugt, sondern eher durch seine besondere Atmosphäre und die Themen, über die man auch nach dem Lesen noch nachdenken kann.

Fazit: Ich empfehle das Buch Leser*innen, die ruhige und tiefgründige Geschichten mögen. Wer viel Spannung und Action erwartet, könnte das Buch eher langweilig finden. Trotzdem ist es ein interessantes Buch mit einer besonderen Stimmung.
2,441 reviews14 followers
July 21, 2026
Zum Inhalt:
Dr. Bronstett ist tot, ermordet. Doch bevor die Polizei am Tatort auftaucht, ist die Wohnung blitzblank geputzt, so wie die langjährige Putzfee Leonora es gewohnt ist. Eine Hand des Toten wird in der Austernbar des Kaufhauses gefunden, wo Bronnstett Geschäftsführer war. Und irgendwie ist Leonora plötzlich mitten drin in den Ermittlungen ohne dass sie das eigentlich wollte.
Meine Meinung:
Es gibt so Bücher, bei denen man nichts besonderes erwartet und dann positiv überrascht wird. Genau dies ist mir bei diesem Buch passiert. Von der Beschreibung und auch vom Cover war ich nicht so sonderlich angetan, aber letztendlich von der Geschichte schon. Ich fand die Geschichte gut erzählt, Leonora hat mir als Typ ungeheuer gut gefallen, irgendwie eine besondere Frau, auch mit ihrem persönlichen Erlebnissen. Den Schreibstil fand ich auch sehr angenehm, so dass das Buch sehr schnell weggelesen war, ich möchte fast sagen leider, weil mir das Buch wirklich gut gefallen hat.
Fazit:
Hat mir gut gefallen
49 reviews
Review of advance copy received from Author
July 19, 2026
Das Cover ziert ein schönes Gemälde eines Kaufhauses. Und ein großes Berliner Kaufhaus steht auch im Mittelpunkt von Leonora und ihrem Chef Dr. Bronstett, welcher zu Hause einem etwas seltsamen Mord erliegt und seine gute und gründliche Putzfrau Leonora alle Spuren verwischt. Hat sie das nun getan weil sie schuldig ist? Schuldig entweder den Mord begangen hat oder den Mörder kennt und ihn schützen will? Man erfährt es lange Zeit nicht und mir fiel es auch schwer, die Personen entsprechend einzuordnen. Zum Glück wird die Geschichte letztendlich aufgeklärt und sie bleibt trotzdem ein bisschen mysteriös.
Der Schreibstil ist ein wenig kantig, nicht rund und gut lesbar. Die Schriftgröße im Printexemplar wurde zudem ein wenig zu klein gewählt. Die Geschichte an sich ist wirklich ganz gut, für mich hat sich alles aber nicht wirklich rund angefühlt. Ich fühlte mich zu sehr als Zuschauer und bin nie richtig mit den Personen warm geworden.
11 reviews
July 29, 2026
Anders als erwartet

Der Roman ist ganz anders als erwartet. Auch nach der Leseprobe habe ich eine andere Art von Roman erwartet. Yael Inokai schreibt in einem sehr schönen nüchternen Stil. Die Hauptfigur Leonora Bloch ist eine sehr interessante Hauptfigur. Es wird der Mikrokosmos eines luxuriösen Kaufhauses aufgemacht, indem die seltsamsten Menschen umherlaufen. Es wird alles sehr gut beschrieben und man kann sich ganz gut in Leonoras Handlungen hinein versetzen.
So sehr mir auch die Beobachtungen der verschiedenen Personen gefallen hat, hätte ich mir dennoch gewünscht, dass die Kriminal Geschichte auch wirklich eine ist und sich mehr mit dem Mordfall und dementsprechend auch Motiv und Täter:in beschäftigt. Nichtsdestotrotz lässt sich dieser kurze Roman gut weglesen und bietet ganz gute Unterhaltung für ein oder zwei Abende. Ich werde mir definitiv die anderen Bücher der Autorin angucken.
29 reviews1 follower
August 4, 2026
„Die Auster“ von Yael Inokai ist weniger ein klassischer Krimi als ein feinfühliger Roman über eine ungewöhnliche Protagonistin. Leonore, eine zurückhaltende Rentnerin und Putzkraft, findet nach einem grausigen Leichenfund unverhofft Zugang zu einem Mordfall. Doch statt die Ermittlungen in den Mittelpunkt zu stellen, konzentriert sich die Geschichte auf ihre Gedankenwelt, ihre Erinnerungen und die Spuren, die Schock und Lebenserfahrungen hinterlassen haben.

Mit einer ruhigen, oft melancholischen Sprache zeichnet Inokai das Porträt einer Frau, die von vielen unterschätzt wird. Hinter ihrer unscheinbaren Fassade verbergen sich Scharfsinn, Beobachtungsgabe und eine erstaunliche Tiefe. Der Kriminalfall bleibt eher Nebensache, während Leonores Entwicklung und ihre Wahrnehmung der Welt den eigentlichen Reiz des Romans ausmachen.

Ein leiser, atmosphärischer Roman über Einsamkeit, Würde und die verborgenen Perlen in Menschen, die leicht übersehen werden.
Profile Image for Reader123.
7 reviews
August 10, 2026
In die Auster geht es um die Putzfrau Leonora, die nachdem sie ihren Chef tot aufgefunden hat, erstmal gründlich den Tatort reinigt. Und da sie sich am besten auskennt im Kaufhaus, fängt sie auch parallel zur Polizei an zu ermitteln.

Man sollte bei diesem Buch nicht denken, dass man einen klassischen Krimi bekommt. Es ist eher eine Kriminalgeschichte, die am Rande erzählt wird, während die Leser einiges über die Kaufhausstrukturen und die ganze Welt dahinter erfahren.
Es ist sehr interessant geschrieben, sehr verschlossen und pragmatisch, genauso wie auch die Hauptfigur Leonora ist. Sympathisch fand ich sie nicht, eher Mitleid erzeugend und komisch.
Ich konnte das Buch gut und schnell durchlesen, da ich auch auf die Auflösung des Mordfalls hingefiebert habe. Es war nicht ganz so wie erwartet, aber dennoch ganz spannend.
Alles in allem ein irgendwie skurriles Buch, bei dem ich nicht ganz weiß, was ich davon halten soll.
Profile Image for buch_leselust.
232 reviews1 follower
July 24, 2026
Bei diesem Buch bin ich etwas ratlos zurückgelassen worden. An sich fand ich die Protagonistin super spannend und der Blick einer älteren Frau liest man sonst nicht so oft. Auch die Rückblick auf ihr Leben fand ich sehr gelungen. Die Auseinandersetzung mit dem Tod, dem Trauern, den eigenen Wert in der Gemeinschaft und von Freundschaft spielten hier eine zentrale Rollen und sind auch Themen, die so unglaublich wichtig sind.
Die Verwebung mit dem Mordfall fand ich ehrlich gesagt interessant, hat mich jedoch an manchen Stellen irritiert. Ich glaube das ist die Stärke dieses Buches. Durch die Sicht der Protagonistin, die aufgrund ihres Alters und ihres Lebens sehr pragmatisch an die Dinge herangeht, ist die Handlung nicht stringent oder vorhersehbar.
Jetzt nach einiger Zeit sacken lassen, finde es ich sogar noch etwas besser als direkt nach dem Beenden.
28 reviews
August 5, 2026
Ich habe es geliebt! - Was für eine Kapitalismuskritik. Ich habe das Buch wirklich verschlungen. Spannend wie ein Thriller, gleichzeitig absurd komisch und dann wieder so erschreckend nah an unserer Realität.

Ich liebe, wie hier Macht über Wissen verhandelt wird und sich die Verhältnisse ständig verschieben. Und irgendwann weiß man selbst nicht mehr so genau: Wer ist hier eigentlich gut und wer böse? Oder ist genau diese Einteilung schon Teil des Problems?

Besonders schön fand ich den feministischen Blick auf Macht, Abhängigkeiten und darauf, wer eigentlich gehört wird und wer lieber klein gehalten werden soll. Das Ganze ist aber nie belehrend, sondern macht einfach verdammt viel Spaß.

Eine kluge, bissige und ziemlich unterhaltsame Lektüre. Perfekt für einen Sommertag. Ein literarischer Snack, der deutlich mehr hängen bleibt, als man zunächst denkt.
Displaying 1 - 30 of 34 reviews