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Mein privates Glück: Roman

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Wie wird man der Mensch, der man ist? Michael Köhlmeiers großer Roman über seine Familie, von ihm selbst gelesen

Alles beginnt mit einem vierjährigen Buben aus Coburg, der nicht weiß, dass er Eltern hat – bis er eines Tages mit der Eisenbahn in Lindau ankommt. Ein fremder Mann holt ihn ab und begleitet ihn in ein Haus ans Bett einer gelähmten Er ist sein Vater, sie ist seine Mutter.

Wie wird man der Mensch, der man ist? Michael Köhlmeier selbst hat sein Lebensbuch eingelesen, den großen Roman seiner Familie. Er erzählt von den Traumata der Weltkriege, die bis in die Gegenwart nachwirken, und vom Alltag in einer erzählsüchtigen Familie. Schonungslos ehrlich und mit der ganzen Kraft der Fiktion dringt er in die Tiefe der menschlichen Existenz. »Alles wird sich irgendwann irgendwie zurechtschütteln, darin liegt die Zuversicht meines Lebens.«

Ungekürzte Lesung mit Michael Köhlmeier
10h 17min

310 pages, Kindle Edition

Published August 18, 2026

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Michael Köhlmeier

115 books120 followers
Michael Johannes Maria Köhlmeier ist ein österreichischer Schriftsteller, Musiker und Moderator.
Er lebt als freier Schriftsteller in Hohenems und Wien.

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Profile Image for Johann Guenther.
844 reviews46 followers
September 22, 2026
KÖHLMEIER, Michael: „Mein privates Glück“, München 2026
Köhlmeier ist einer der bekanntesten und aktivsten österreichischen Schriftsteller. Manchmal denke ich mir, er muss eine Schreibwerkstatt besitzen, wie es die barocken Maler zum Malen von Bildern hatten. Sie machten Vorgaben und die Mitarbeiter und Schüler führten sie aus. Bei so vielen Büchern, wie Köhlmeier schon publiziert hatte, müssen Heinzelmännchen dahinterstehen und schreiben. Da er bekannt und beliebt ist, ist er auch für die Verlage wichtig. Er ist einer, der den Umsatz der Firma erhöht. So ordne ich auch dieses neue Buch ein. Eine Art Biografie, in der er über sein Leben erzählt. Teilweise rechnet er mit Menschen auch negativ ab, weil sie ihm geschadet hatten. Es ist aber keine klassische Biografie. Nicht er selbst ist die Hauptperson, sondern die Menschen um ihn. Vater, Mutter, Geschwister. Er beschreibt Intimes und vielleicht nicht Publikumstaugliches über seine Familienmitglieder. Etwa, dass der Vater drei Freundinnen parallel hatte. Wie er sich dabei verhielt. Der Vater – so der Autor – hatte keine Freunde und wusste nicht, wen er darüber einweihen solle. Er war nahe daran die eigene Tochter, die in diesem Alter selbst Liebessorgen hatte und sich dem Vater anvertraute, zu informieren. Letztendlich beichtete er alles seiner Frau. Ein Priester, den er im Beichtstuhl einer Innsbrucker Kirche aufsuchte, wies ihn ab. Er sei ein Angeber und solle lieber seiner Frau beichten, was er letztlich – nach oftmaligem Aufschieben – tat.
Die Mutter war schwer krank. Oft rechnete man mit ihrem Ableben. Sie aber überlebte ihren Mann, der jünger war. Von ihrem Sohn hielt sie zu Beginn nicht sehr viel. „Ich denke, auch meine Mutter glaubte – tief drinnen -, ich sei ein wenig dumm. Hoffentlich nicht hoffnungslos dumm.“ (Seite 65)
Köhlmeier selbst kommt nur dazwischen vor. Dass er wegen der Krankheit seiner Mutter in Coburg bei der Großmutter aufgezogen wurde. Als er und seine Schwester zur Familie in Vorarlberg zurückkehrte, wusste er nicht, wer der Mann war, der eigentlich sein Vater war. „Unser Vater war an der Erziehung seiner Kinder nicht interessiert. Das wenige beschränkte sich auf die Frage: „Wie waren die Kinder?“ Die richtete er jeden Abend, wenn er nach Hause kam, an unsere Mutter.“ (Seite 124) Die Beziehung zum Vater war immer gestört. „Bis wenige Monate vor seinem Tod konnte er mit mir nichts anfangen. Sein Blick auf mich blieb der Blick eines Enttäuschten. Erst nahe dem Ende sprachen wir wie Freunde miteinander.“ (Seite 192)
Die Mutter hatte eine Seelenfreundin, die viel Einfluss auf sie hatte. Diese Frau mochte aber ihn, Michael, nicht. Sie hielt ihn – wie die Mutter, die das übernahm – für dumm. Deshalb durfte er nicht aufs Gymnasium gehen, sondern kam ein Jahr in die Hauptschule. Er selbst schreibt im Buch: Es tat „mir sehr leid, dass ich im Herbst nicht aufs Gymnasium durfte, sondern erst für ein Jahr in die Hauptschule geschickt wurde.“ (Seite 104) Michael studierte später Germanistik und Geschichte, obwohl ihm die Mutter Philosophie empfahl, weil er ja Schriftsteller werden wollte. „Gute Literatur sei nichts anderes als das Sonntagsgewand der Philosophie.“ (Seite 202)
In einem der letzten Gespräch mit seinem Vater, sprach er über Wahrheit: Ein Schriftsteller solle die Wahrheit schreiben und nichts als die Wahrheit. „Sobald er anfängt zu erfinden, maßt er sich Macht über seine Figuren an. … Mein Vater würde mich verurteilen, wenn er läse, was ich über ihn geschrieben habe. Und nicht nur über ihn. Über seine Frau, seine Tochter, seine Schwägerin, seinen Schwager …“ (Seite 290)
Es ist auch deswegen keine Biografie, weil er seinen Lebensabschnitt im Hinblick auf den Vater und die Mutter schreibt. Mit dem Tod der beiden endet auch das Buch. Der dritte Teil stammt aus der eher heutigen Zeit. In dem Kapitel beschreibt Köhlmeier, wie er versucht in einer Kirche in Innsbruck beichten zu gehen und den im Beichtstuhl „diensthabenden“ Priester eine Geschichte aus seiner Jugend zu erzählen, die sich dann mit jener des Theologen kreuzt. Einen direkten Zusammenhang zum vorangegangenen Buch sehe ich aber nicht. Wenngleich der Titel „Die Blinden sehen, und die Lahmen gehen“ an seine Mutter erinnern soll.
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