Als Rena spurlos verschwindet, macht sich ihre beste Freundin Tilla auf die Suche. Doch schnell merkt Nichts von dem, was Rena über sich erzählt hat, ist wahr. Die Verkäuferin, die angeblich Renas Mutter ist, hat gar keine Kinder. Das Haus an der Adresse, die ihre Freundin ihr genannt hat? Eine ausgebombte Ruine. Je verzweifelter Tilla in ihrer Heimatstadt Halle nach Rena sucht, umso klarer treten die Abgründe der noch jungen DDR hervor. Als sich die brodelnde Unzufriedenheit in der Bevölkerung schließlich im Volksaufstand des 17. Juni entlädt, muss Tilla sich entscheiden, wie weit sie gehen will – für die Wahrheit, für ihre Freundin und für die Frage, woran sie wirklich glaubt.
Mitreißend gelesen von Marit Beyer, die mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet wurde.
Gedicht "Wenn einer fragen sollte" Johannes R. Becher. Gesammelte Werke. 18 Bände (Hrsg. vom Johannes-R.-Becher-Archiv der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin); Band 3: Gedichte 1926-1935. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1966 Aufbau Verlage GmbH & Co. KG, Berlin 1966, 2008
Ideale, Schatten und Liebe im Halle der 50er Jahre
Halle (Saale) in den frühen 50er Jahren der noch jungen DDR. Eine Stadt, in der sozialistische Ideale, gleichwohl mit Unterdrückung, Verrat und trügerischer Fassade spürbar beieinander liegen. Eine Stadt in Aufruhr, in der Unzufriedenheit erstmals laut wird und in der eine beste Freundin urplötzlich verschwindet, während sich die Andere, einem inneren Gefühl folgend, auf die Suche nach der Wahrheit macht. Basierend auf die historischen Ereignisse rund um den Volksaufstand des 17. Juni, sowie inspiriert durch die eigene Familiengeschichte, erzählt Eva Kranenburg in ihrem Roman „Falls jemand fragt, wer wir waren“ die ebenso berührende, wie informative Geschichte zweier Freundinnen, einer zarten Liebe und von großem Unrecht.
Zugegebenermaßen habe ich mich mit den historischen Hintergründen und Ereignissen der DDR bislang nie so richtig auseinandergesetzt. Grandios, dass mich dieses Buch nicht nur darauf gestoßen, sondern auch nachhaltig dazu inspiriert hat, neben dem Roman weiter nachzuforschen und meine Wissenslücke, nicht nur mit Neugierde und Begeisterung, sondern auch mit ehrlich angeregtem Interesse, zu schließen. Genau diesen Effekt liebe ich an Büchern und insbesondere an Romanen! Doch davon einmal abgesehen, ist die Dynamik des Romans mindestens genauso spannend, wie die gesamte mitreißende Story und die beeindruckende Entwicklung von Hauptprotagonistin Tilla, welche wir auf ihrem jungen Weg - von blindem, anerzogenem Gehorsam, hin zu eigenständigem Denken, Hinterfragen und Urteilen - begleiten. Auch so ein Thema, das in der heutigen Zeit wichtiger ist denn je.
Fazit: Ein wirklich tolles, tiefgründiges und wichtiges Buch mit wundervollen, authentischen Charakteren, die mich nicht nur in ihren Bann gezogen, sondern auch die damalige Zeit haben spürbar miterleben lassen. Für mich nicht nur ein fantastisch erzähltes Stück Zeitgeschichte, sondern auch ein absolut nachhallendes Lese-Highlight!
Wer ist Rena und wo ist sie? Ein Geheimnis, das nach und nach aufgedeckt wird, in einem historischen Rahmen
Die Freundinnen Rena und Tilla verbringen den Sommer 1953 gemeinsam am Saale-Ufer in einem verlassenen Eisenbahn Waggon. Doch eines Tages verschwindet Rena spurlos. Als Tilla nachforscht, stößt sie überall auf Lügen. Auch die Menschen, die ihr nahe stehen, scheinen nicht die zu sein, für die sie sie gehalten hat. Je verzweifelter Tilla in ihrer Heimatstadt Halle nach Rena sucht, umso mehr muss sie hinter die Fassade der jungen DDR blicken. Als sich immer mehr Unzufriedenheit in der Bevölkerung aufbaut, die sich schließlich im Volksaufstand des 17. Juni entlädt, muss Tilla erkennen, welch hohen Preis die Wahrheit hat.
Die Charaktere und Gefühle von Tilla und Rena werden einfühlsam und glaubwürdig dargestellt. Man kann vor allem Tillas Hoffnungen, Wünsche und Ängste gut nachvollziehen.
Der Roman behandelt die Themen Freundschaft, Liebe, Verlust und Vergangenheit sehr anschaulich und lebensnah und regt zum Nachdenken an.
Ich interessiere mich sehr für spannende Romane über die DDR und hier wird von Eva Kranenburg ein Stück deutsche Geschichte erzählt. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung der jungen DDR, die sich in dem Volksaufstand des 17 Juni entlädt, wurde von ihr sorgfältig recherchiert und bewegend und emotional erzählt.
Eva Kranenburg ist ein besonders feinsinniger und poetischer Schreibstil gelungen. "Falls jemand fragt, wer wir waren" ist ein berührender Roman, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich kann diesen Roman, der deutsche Historie spannend und doch ruhig und gefühlvoll erzählt von ganzem Herzen empfehlen. Fünf Sterne!
Juni 1953 Falls jemand fragt, wer wir waren, erzählt nicht nur die Geschichte von Tilla und Rena, sondern ist zugleich ein Roman über Freundschaft, Wahrheit und das Aufwachsen in den jungen Jahren der DDR. Im Mittelpunkt steht Tilla, deren beste Freundin Rena von einem auf den anderen Tag spurlos verschwindet. Auf der Suche nach ihr tauchen wir ein hinter die Fassade der Gesellschaft der DDR. Eva Kranenburg veranschaulicht sehr deutlich das Leben der Jugendlichen in dieser Zeit. Zerrissen zwischen dem, was sie glauben sollen und dem, was sie möchten. Tilla, selbst überzeugt vom System in der DDR, stößt auf Widersprüche, Geheimnisse und Lügen und beginnt daraufhin alles zu hinterfragen. Die Handlung ist eingebettet in die Zeit kurz vor dem Volksaufstand vom 17. Juni. Der historische Kontext der Ereignisse ist dabei gut eingearbeitet. Es wird deutlich, dass die Autorin sehr genau recherchiert hat. Ergänzt wird das noch durch ein Nachwort, das nochmal Fakten und Fiktion unterscheidet. Die Geschichte ist aus Tillas Sicht geschrieben und sie macht eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Der Roman hat zwar ein paar Stellen, an denen die Handlung etwas an Tempo verliert, bleibt aber lesenswert, authentisch und regt zum Nachdenken an. Insgesamt ein interessanter Roman, der ein Kapitel Zeitgeschichte aufgreift, das bei uns doch eher weniger bekannt ist.
Pflichtlektüre für Jugendliche Allgemein wird beklagt, dass die jüngere Generation kaum noch über Kenntnisse hinsichtlich der deutschen Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfügt, geschweige denn über ihre Variante in Gestalt der Deutschen Demokratischen Republik. Hier kommt der Roman, der Abhilfe schafft!
Atemlos verfolgt der Leser das Geschehen, hat unterschiedliche Charaktere, die zu Identifikation oder Abgrenzung taugen, wird konfrontiert mit den Usancen eines politischen Systems, die für einen Angehörigen der Gen Z schlicht nicht vorstellbar sind.
In diesem Zusammenhang ist es kein Manko, wenn die Sprachgestaltung eher unambitioniert ist. Das kurze Nachwort der Autorin ist mehr als hilfreich, da es nachdrücklich darüber informiert, dass das Handlungsgerüst zwar fiktiv ist, die Ereignisse im Umfeld des 17. Juni 1953, wie er sich in der Stadt Halle gestaltete, aber absolut realistisch und wahrheitsgemäß geschildert werden.
So eindringlich ist die Darstellung, dass auch die Alten und Älteren von der Lektüre profitieren, denen dieser Tiefpunkt deutscher Nachkriegsgeschichte durchaus geläufig und vertraut ist.
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Geschichte nimmt uns mit ins Jahr 1953, mitten in den Alltag der noch jungen DDR kurz vor dem Volksaufstand am 17. Juni. Im Mittelpunkt steht die junge Tilla, die fest an die Ideale des Sozialismus glaubt. Doch als ihre beste Freundin Rena plötzlich spurlos verschwindet und Tilla nach ihr sucht, gerät ihr Weltbild ins Wanken. Sie stößt auf Lügen, Geheimnisse und die düsteren Seiten des Systems.
Besonders stark fand ich Tillas Entwicklung: Es wird total glaubwürdig und emotional beschrieben, wie in ihr langsam Zweifel aufkommen und sie lernt, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Der Schreibstil ist flüssig, klar und baut von Anfang an eine super spannende, fast schon bedrohliche Atmosphäre auf.
Es ist erfrischend, dass ein historischer Roman mal diese spezifische Nachkriegszeit beleuchtet. Für mich eine absolute Leseempfehlung – spannend, gut recherchiert und ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann!
Ich muss gleich vorwegnehmen, dass ich in der Schule leider Nichts über den Volksaufstand 1953 in der DDR gelernt habe und mich dieses Buch deshalb auf verschiedenen Ebenen stark beeindruckt hat. Eva Kranenburg beschreibt in ihrem Roman ein Stück deutsche Zeitgeschichte und veranschaulicht eindrücklich die Anfänge des damals noch jungen Staates der DDR und die mit diesen eingehenden Ideologien. Für mich war das Buch wie eine Geschichtsstunde, ich habe sehr viel lernen dürfen. Besonders gelungen fand ich auch die Entwicklung der Protagonistin Tilla, wie sie anfängt mehr zu hinterfragen und ihre ideologische Haltung reflektiert. Kranenburg schafft es zudem den menschlichen Widerspruch darzustellen, dass man eine Person liebt, auch wenn mit deren Tätigkeiten nicht einverstanden ist. Eine ganz klare Leseempfehlung für wirklich jeden, denn dieses Buch vermittelt einen wichtigen Teil deutscher Zeitgeschichte.
Eine sehr kurzweilige und sehr prägnante Geschichte um die Vorwehen zum und den eigentlichen Tag des 17. Juni 1953. Die Autorin verbindet sehr eindrucksvoll die persönliche Geschichte der Protagonistin Tilla mit den geschichtlichen Entwicklungen der frühen DDR am Beispiel der Region Halle. Besonders gut hat mir die Dynamik der Protagonistin gefallen, die durchaus zu Beginn dem Sozialismus/ Kommunismus sehr angetan ist. Ebenfalls vermag die Autorin Eva Kranenburg auch die Propaganda und Manipulation des DDR Regimes einzuflechten. Wunderbar fand ich, dass die Geschichte mit knapp 220 Seiten auskommt und trotzdem eine wunderbare Atmosphäre kreiert. Das schaffen mitunter Bücher nicht die dreifach so lang oder länger sind. Wer sich für die frühe Geschichte der DDR interessiert, ist hier goldrichtig.
In diesem Roman schreibt Eva Kranenburg über Mathilde, eine junge Frau in der DDR und überzeugte Sozialistin. Sie lebt mit ihrem Vater, der aus dem Konzentrationslager nach Hause kam und entsprechend geprägt aus dieser Zeit ist. Sie trifft sich regelmäßig mit ihrer Freundin namens Rena an einem geheimen Ort und tauscht sich gerne mit ihr aus. Doch eines Tages taucht diese nicht auf. So begibt sich Mathilde auf die Suche nach ihr und merkt, dass vermeintliche Informationen über Rena nicht der Wahrheit entsprechen. Die Schilderungen machen ihr klar, dass Rena nicht die Person ist, die sie vorgab zu sein. Nach und nach fängt Mathilde an, die politischen Leitbilder zu hinterfragen und befasst sich auch mit der Arbeit des Vaters. Der Inhalt wird sehr authentisch dargestellt und der Einblick in das Leben von jungen Menschen zu Zeiten der DDR sind sehr eindrücklich!