Anne Weber begibt sich auf eine Entdeckungsreise, die in die befremdende und faszinierende Welt ihres Urgroßvaters und damit in die Abgründe und Höhenflüge einer ganzen Epoche führt. Florens Christian Rang – im Buch Sanderling genannt – war Jurist, Pfarrer in zwei Dörfern bei Posen, Schriftsteller und Philosoph. Er korrespondierte mit Hugo von Hofmannsthal, war befreundet mit Martin Buber und Walter Benjamin. Doch auf der Reise zu diesem Urgroßvater stellt sich immer wieder ein gewaltiges Hindernis in den Weg: die deutsche und familiäre Vergangenheit, wie sie nach Sanderlings Tod weiterging. ›Ahnen‹ ist eine ebenso poetische wie reflektierte Zeitreise, die zugleich von den Sehnsüchten und dem Schmerz der Gegenwart erzählt.
Anne Weber ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie schreibt in deutscher wie auch in französischer Sprache. Ihre Werke wurden mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis, dem 3sat-Preis und dem Kranichsteiner Literaturpreis ausgezeichnet. 2020 wurde sie zur Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim ernannt und erhielt den Deutschen Buchpreis. Sie lebt seit 1983 in Paris.
Anne Webers Stil ist leicht zu lesen, und das Thema, die Geschichte des Urgroßvaters auszuarbeiten, fand ich interessant. Im Endeffekt ist es dann aber fast genauso viel die Geschichte des Großvaters, des Vaters, Anne Webers selbst und die der ganzen Nation. Es war irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Oft verliert sich das Buch in Nebensächlichkeiten und Gedankenstrichen. Man ist live dabei, wie sich jemand Gedanken macht. Die sind manchmal interessant und manchmal weniger.
Zum Thema Nationalsozialismus in der Familie und Kollektivschuld, stieß mir der Ton manchmal übel auf. Ich bin ganz und gar niemand, der glaubt, dass man die Vergangenheit ruhen lassen sollte. Aber es gibt auch eine Fraktion, der Weber angehört, die die Erbschuld in ihrer Bedeutsamkeit so auf ein Podest heben, dass man wieder bei Deutscher Exzeptionalität landet. Da ist das Deutschsein so etwas Besonderes (auch wenn es negativ gefärbt ist), dass man im gewissenmaße den gleichen Fehlschlüssen der Andersartigkeit und Besondersheit des Deutschen An Sich verfällt, und eine starke Ich-Bezogenheit entsteht. Dieser Tenor macht das Buch teilweise sehr anstrengend zu lesen. Das ist und das leicht Schwafelige, das an manchen Stellen hervortritt. Dennoch bereue ich es nicht unbedingt das Buch gelesen zu haben.
"Ich verneige mich vor einem, der sein Leben lang den Menschen in sich zu überwinden versuchte und am Ende doch noch Zuneigung zu ihm fasste. Und ich erkenne, dass eben dies - der Mensch- die Mitte war, nach der er in späteren Jahren strebte."
De schrijfster doet een poging om het leven van haar overgrootvader te beschrijven. Er zijn niet zoveel gegevens en bij haar vader stuit zij op een muur. Hij heeft geen zin om er aan mee te werken. Dat komt omdat zijn vader (haar grootvader) een nazi was. het boek gaat uiteindelijk over de schuldvraag: hoe lang kan die nog bij de jongere Duitse generatie worden neergelegd? En wordt dat ook gedaan door haar voornamelijk buitenlandse vrienden? De schrijfster lijkt op dat gebied wat overgevoelig. Maar zij beschrijft prachtig hoe zij heen en weer eist in de tijd om er achter te komen wat er precies is gebeurd. De overgrootvader blijkt ten slotte onschuldig, het oordeel over de grootvader ligt anders.
Florens Christian Rang ist Sanderling, der Urgrossvater der Autorin, auf dessen Spuren sie sich begibt und dabei versucht, das Deutschtum zu erkunden, zu umschreiben, zu umrunden. Dad Deutsche, das jedem Deutschen ab Auschwitz anhängt, das sich nicht abschütteln lässt, mit dem zu leben, das zu reflektieren Aufgabe von Generationen ist. Das Deutsche, das jedes deutsche Individuum vereinnahmt. Packend, wie Anne Weber die in diesen Roman verwebt.
2,5 Punkte. Die Darstellung des Ahnen der Autorin ist in seiner Ungleichheit, seiner Verworrenheit wirklich gelungen, allerdings stört mich der Blick der "Nach-Nationalsozialismus-Generation" auf alles, was zuvor war ziemlich. Eine Person, die vor 193 verstirbt und Dinge denkt, die im NS-Regime aufgegriffen werden, sind nicht Allgemeingut der Nationalsozialisten. Außerdem stört mich dieses "Als Deutsche/r darfst du dich nur schämen, du musst es sogar!", was deutlich im Subtext mitschwingt, sehr. Schade, es hätte eine gute Schilderung sein können :(