Geschlagen, gedemütigt und entmündigt: Mit diesen Worten beschrieb der Focus im Mai 2012 die Lebensverhältnisse bei den Zwölf Stämmen, eine Sekte, die seit Jahren in den Schlagzeilen ist. Als Robert Pleyer vor mehr als zwanzig Jahren in diese Sekte aufgenommen wurde, fühlte sich das zunächst wie eine Befreiung an. Doch bald zeigte sich, in welche Abhängigkeiten er geraten war. Denn bei den Zwölf Stämmen gelten allein die Regeln der Sektenführer, die ihre Macht auf umfassende Kontrolle stützen. Vor drei Jahren beschloss Robert Pleyer, die Gemeinschaft mit seinen Kindern zu verlassen. Nun schildert er zum ersten Mal in allen Einzelheiten sein Leben bei den Zwölf Stämmen: die gottgleiche Stellung der Ältesten, die Entmündigung der Frauen, die Gewalt an den Kindern. Sein Bericht offenbart das Unmenschliche einer Sekte, deren Mitglieder kein Privateigentum besitzen, für ihre Arbeit keinen Lohn erhalten und Ärzte nur im äußersten Notfall aufsuchen dürfen.
Der Satan Schläft nie von Robert Pleyer mit Axel Wolfsgruber hat mich tief erschüttert aber irgendwie auch fasziniert. Das Buch handelt von Players Weg in die Sekte Zwölf Stämme und wie er nach 20 Jahren endlich entkommen konnte. Es wird beschrieben wie die "Urchristen" neue "Jünger" anwerben und wie die Struktur innerhalb der Zwölf Stämme funktioniert. Der Brief eines ehemaligen Mitglieds, der auch in der Gemeinschaft in Klosterzimmern geboren wurde, hat mich echt umgehauen. Wie er über die Schläge und seelische Zerissenheit berichtet finde ich bewundernswert. Verwundert hat mich, wie viele Leute diese Gehirnwäsche mit sich machen lassen, ohne Nachzufragen oder ihren eigenen Verstand zu nutzen. Die Kinder dürfen keinen Spaß haben, kein Spielzeug, müssen Arbeiten und dürfen keinen Kontakt zur "Außenwelt" haben. Pleyers Frau Shalomah (bei den Zwölf Stämmen haben alle Mitglieder einen Hebräischen Namen) kann gar nicht mehr ohne die Gemeinschaft leben, sie trennt sich lieber von ihrem Mann und ihren 4 Kindern um wieder mit den Zwölf Stämmen zu leben. Dafür wird sie dann auch noch verehrt?! Ohne die Hilfe seiner Familie hätte es aber auch Robert Player nicht aus der Sekte geschafft. Auch die Kinderarbeit innerhalb der Stämmme wird thematisiert. Ich wusste zwar, dass die Zwölf Stämme in Klosterzimmern wohnten, wusste aber nicht, dass sie auch eine Niederlassung in Stödtlen-Oberbronnen hatten 😱. Dass sich solche Gräueltaten wenige Kilometer von meinem Heimatort abspielen, hat mich wirklich schockiert. Zudem war mir vor der Lektüre gar nicht klar, dass es fundamentalistische Christen gibt🙈. Gewundert hat mich auch, dass alle "christlichen Symbole" wie Kreuze, Heilige und Marienstatuen bei den Zwölf Stämmen verboten sind. Als ich gelesen habe, dass Schweine und Hunde als unrein gelten hat es mein Weltbild über diese Gruppe nochmals verrückt. Wie können Menschen einer Religion folgen, die ihnen Vorschreibt ihre Kinder zu schlagen und welche Tiere sie halten dürfen und welche nicht?
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