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Die Straße

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Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in ihr alles, was Menschen passieren kann.

Ein Junge wird vom Jagdfieber gepackt. Ein anderer weiß nicht, wohin mit seiner Wut. Eine Blumenhändlerin lebt für einen Mann, der sie nicht einmal sieht. Eine Heimleiterin wacht über ihre Schützlinge und ist selbst die Einsamste von allen. Ein Geistlicher kommt seiner Gemeinde abhanden. Sorge rüttelt an den Bewohnern, Sehnsucht treibt sie nachts auf die Straße, die Liebe bringt sie um den Verstand. Sie haben Träume und Geheimnisse. Ihre Wege kreuzen sich täglich, doch was wissen sie voneinander? 

240 pages, Hardcover

First published April 30, 2026

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About the author

Robert Seethaler

21 books844 followers
Robert Seethaler is an Austrian living in Berlin and is the author of four previous novels. A Whole Life is his first work to be translated into English and is already a German bestseller, selling over 100,000 copies. The book has been translated from its original German by Charlotte Collins.

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Community Reviews

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43 (36%)
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20 (16%)
1 star
6 (5%)
Displaying 1 - 29 of 29 reviews
Profile Image for Literatursprechstunde .
198 reviews111 followers
May 17, 2026
Robert Seethalers neuer Roman „Die Straße“ war für mich ein Buch, das sich so gut wegliest (ich hab’s an einem Abend weggesnackt) mich aber trotz dieses Leseflusses nicht emotional abholen konnte. Seethaler entwirft ein Mosaik aus Bewohnern, Beobachtungen und kurzen Begegnungen, die alle in derselben Straße, der Heidestraße, leben und doch kaum wirklich miteinander verbunden sind. Darin steckt eigentlich alles, was mich normalerweise kriegt: Melancholie, leise Poesie, Menschen mit Ecken, Kanten, am liebsten sogar Rissen. Aber je länger ich las, desto deutlicher zeigte sich auch: Diese literarische Idee, Seethalers Konzept, trägt den Roman nicht durchgehend - leider sackt dieses fein gebaute Konstrukt zunehmend in sich selbst zusammen.

„Sitzt da wie ein Sack. Halb ausgekippt. Flecken auf dem Hemd. Schuppen in den Haaren. Und die Fingernägel schwarz. Muss wahrscheinlich alles anfassen beim Vorübergehen. Dabei kein unschönes Gesicht. Stille, braune Augen. Man möchte meinen: friedvoll. Ich könnte nicht mal mehr sagen, wie seine Stimme klingt. Dabei würde es mich schon interessieren, ob er mich manchmal anschaut. Mich richtig anschaut, meine ich, nicht bloß bemerkt.
- Trinkst du noch eins?
- Die Stimme, jetzt weiß ich es wieder. Dünn und leise. Reicht kaum über die Theke. Hab mein Lebtag nichts Traurigeres gehört.“

Man erkennt sofort den typischen Seethaler-Ton - die kurzen Sätze, die stille Melancholie, die Konzentration auf die unscheinbaren Menschen am Rand. Was in früheren Büchern wie „Ein ganzes Leben“ oder „Der Trafikant“ mich abholen und eine regelrechte emotionale Wucht entfalten konnte, wirkt hier jedoch zunehmend affektiert, gestelzt, künstlich. Fast alle Figuren sprechen in derselben gedämpften, abgeklärten Sprache, unabhängig davon, ob es sich um einen Jugendlichen, einen Antiquar, eine Heimleiterin, einen Migranten oder einen Arzt handelt. Den Figuren mangelt es für mein Dafürhalten an sprachlicher Identität, der Roman verliert dadurch leider an Lebendigkeit.

Ich mochte Seethalers fragmentarische Struktur als literarischen Ansatz, aber gleichzeitig erschaffte sie eine emotionale Distanz. Seethaler montiert Szenen, Gesprächsfetzen und Beobachtungen zu einer Art erzählerischen Collage; man soll sich die Straße selbst zusammensetzen. Das kann funktionieren, wirkte aber passagenweise eher anstrengend und künstlich konstruiert auf mich. Manche Figuren tauchen auf und verschwinden wieder, bevor sie wirklich Kontur gewinnen. Bei mir hat sich während der Lektüre das Gefühl verstärkt nur dabei statt mittendrin zu sein - wie jemand der zwar zur Party eingeladen wurde, dann aber die ganze Zeit mit dem Getränk in der Hand am Rand steht und zuschaut, statt wirklich Teil des Abends zu werden.

Und doch sagt mir mein subjektiver literarischer Gerechtigkeitssinn, dass es unfair wäre, den Roman einfach als misslungen abzutun. Seethaler beeindruckt mich immer wieder mit seiner sprachlichen Genauigkeit beim Beschreiben alltäglicher Momente: dieses langsame Ausfransen von Nachbarschaften, Erinnerungen und Zugehörigkeit. Gerade in einzelnen Szenen entfaltet „Die Straße“ eine fast hypnotische Ruhe. Aber vielleicht ist genau diese Ruhe irgendwann auch das Problem: Der Roman (oder der Autor?!) sträubt sich vor echter Reibung, vor Konflikten, Chaos und Widersprüchen. Alles bleibt irgendwie seltsam gedämpft, weichgezeichnet und zuuuu sehr literarisch kontrolliert, wenn Ihr versteht, was ich meine.

„Am frühen Nachmittag vergilbt der Himmel und um vier gehen die Laternen an. In den Pfützen zittert das Licht. Die Dächer sind schwarz. Kaum noch zu sehen, der Dampf über den Schornsteinen. Schlagartig ist es in den Hecken still. Kein Mensch hat je die Amsel schlafen gesehen …“

So bleibt am Ende „Die Straße“ ein Roman für mich, der zweifellos smart komponiert und sprachlich elegant ist, der mich aber deutlich weniger berührt hat, als ich es von Seethaler gewohnt bin und sein literarisches Potential zum Großteil verschenkt - schade Schokolade!
Profile Image for Nadine Schrott.
711 reviews73 followers
May 25, 2026
Ich schätze die stillen Romane des Autors sonst wirklich.....aber "Die Straße " hat mich enttäuscht.....und ehrlich etwas gelangweilt...😞

Die Heidestraße und ihre namenlosen und für mich nebulös bleibenden Bewohner/ innen hätten eindeutig mehr Leben gebraucht, mehr Nähe und Intensität...der seltsame KursmitteilungsErzählStil war für mich ebensowenig hilfreich wie die fehlenden Informationen, um wen es eigentlich gerade im Abschnitt geht.....

Vielleicht einfach das falsche Buch zum falschen Zeitpunkt für mich...!

Bedingt lesbar für Fans des Autors.....an sonsten schweren Herzens:

Lieber im Regal stehen lassen!
Profile Image for LeserinLu.
381 reviews49 followers
May 23, 2026
„Die Straße“ von Robert Seethaler unterscheidet sich stilistisch deutlich von seinen bisherigen Romanen. Statt einer klaren, durchgehenden Handlung entsteht hier ein Mosaik aus vielen kleinen Szenen, Begegnungen und Schicksalen. Unterschiedliche Bewohner der Heidestraße treten kurz ins Zentrum, verschwinden wieder und werden später vielleicht noch einmal gestreift. Diese Struktur fand ich anfangs sehr spannend und kunstvoll umgesetzt.

Sprachlich bleibt Robert Seethaler dabei unverkennbar: reduziert, poetisch und mit einem Gespür für die stillen Momente des Lebens. Viele Beobachtungen über Einsamkeit, Sehnsucht und menschliche Verletzlichkeit haben mir gut gefallen. Allerdings hatte ich im Verlauf der Lektüre zunehmend das Gefühl, dass sich die einzelnen Episoden eher zufällig aneinanderreihen. Teilweise bleibt lange unklar, von wem gerade erzählt wird, und nicht jede Figur oder Szene entwickelt genügend Tiefe, um wirklich etwas auszusagen. Was zunächst wie ein interessantes literarisches Mosaik wirkte, verlor für mich dadurch nach und nach an Spannung.

So blieb am Ende vor allem die Bewunderung für die Sprache und die Idee des Romans, während mich die eigentliche Lektüre irgendwann nicht mehr vollständig fesseln konnte. „Die Straße“ ist sicherlich ein interessantes literarisches Experiment und ein atmosphärischer Blick auf die kleinen Dramen des Alltags, ist für mich aber nicht einer der stärksten Romane von Robert Seethaler.
2,385 reviews14 followers
May 6, 2026
Zum Inhalt:
Es wird eine Geschichte über eine ganz normale Straße erzählt, die nicht im Zentrum liegt, wohin sich vermutlich nie ein Tourist verirren würde, aber dennoch ist hier Leben und es passieren die vielen kleinen Geschichten, die das Leben so schreibt.
Meine Meinung:
Im Grunde weiß man im Vorfeld gar nicht so recht, was einen bei diesem Buch erwartet und man muss sich einfach darauf einlassen und schauen was passiert. Und in der Straße passieren halt die ganz normalen Dinge des Alltags, mal größer, mal kleiner, mal interessanter, mal weniger interessant, aber halt das Leben. Und irgendwie hatte man wirklich das Gefühl irgendwie dabei zu sein, denn so manches hatte ein vertrautes Gefühl im Gepäck. Der Schreibstil ist zurückhaltend, passt aber in dem Fall sehr gut, das war auch in der Hörbuchversion sehr gut umgesetzt. Ein unaufgeregtes Buch, dass aber irgendwie Reiz hatte.
Fazit:
Hat was
Profile Image for Wal.li.
2,643 reviews73 followers
May 24, 2026
Jahreslauf

In der Heidestraße wird auch in jedem Jahr ein Straßenfest veranstaltet. Es gibt ein Altenheim, Mietwohnhäuser, einen Blumenladen und einer eröffnet einen Buchladen. Und natürlich leben etliche Menschen dort. Die Jüngeren erwarten Kinder, erleben die erste Liebe oder geraten ein wenig vom Wege ab. Im Altenheim wacht die Leitung und doch kann sie nicht verhindern, dass einige der Bewohner im Verlauf des Jahres sterben. Der Buchladen läuft so eher schlecht als recht. Doch beim Einkaufen der Blumen kann man sich an der Farbenpracht erfreuen. Liebesbriefe werden geschrieben, doch erreichen sie einen Empfänger?

Ein Kaleidoskop von Menschen und Ereignissen belebt die Straße, die Robert Seethaler seinen Lesern vorstellt. Auch wenn ein paar Menschen im Altenheim sterben, bis dahin können sie sehr lebendig sein. Das Verkaufen von Büchern kann problematischer sein als man denkt. Zum einen kaufen einfach nicht so viele Leute Bücher und man muss auch auf seine Schätze aufpassen. Feuchtigkeit kommt nicht gut an. Und die Stadt hat Pläne, die Straße soll verändert werden. Doch wie erlangt man die Mitarbeit der Bewohner und Anrainer? Da gibt es Mittel und Wege. Und die Blumenhändlerin vergeht fast vor Sehnsucht. Viele kleine Begegnungen, viele Gedanken, Überlegungen. Doch kennen sich die Menschen in der Straße überhaupt.

Das Hörbuch wird von Matthias Brandt vorgetragen, der es hervorragend versteht, den handelnden Personen Leben einzuhauchen.

Beim Hören ist man inmitten des Lebens in der Straße. Erstaunlich, was alles in einem Jahr geschehen kann. Vielleicht fehlt einem ein wenig Fröhlichkeit. Man bekommt das Gefühl auf dieser Straße wird nicht nur gelebt, sondern die Straße erlebt ihren Niedergang. Zwar kann alles so geschehen, doch in so komprimierter Form erscheint es weniger wahrscheinlich. Was kann weniger Schönes geschehen. Man will es nicht verraten. Es könnte auch vieles Schöne passieren. Wenn es im Leben vielleicht nicht so viele Happyends gibt, über ein Jahr kann doch einiges glücklich enden. Dennoch fesselt die tollte Lesung und die Straße ist einem nahe, weil es den Namen wie in über dreihundert anderen Orten vor Ort eben gibt. Da hat man zu den Worten auch ein Bild vor Augen. Das minimalistisch Stil des Covers passt gut zu dem Buch/Hörbuch.

3,5 Sterne
Profile Image for Buchdoktor.
2,445 reviews197 followers
May 1, 2026
In der Heidestraße treffen u. a. eine Heimleiterin, ein Hausarzt, ein Antiquar, eine Blumenhändlerin und ein Jugendlicher aufeinander, der auf Dächern heimisch zu sein scheint. Ihre Begegnungen werden vielstimmig und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Man könnte sich in der Rolle von Neuzugezogenen fühlen, die den Gesprächen schwer folgen können, weil vorausgesetzt wird, dass Personen bekannt sind. Wer mit wem in Verbindung steht, welche Konflikte es gibt, wer befiehlt und wer folgt, wird aus den Dialogschnipseln nur zögerlich deutlich. Verknüpfungen sind zu ahnen mit der Zeit, als der vermietete Laden noch eine Kohlenhandlung war oder dem Moment, als russische Soldaten in die Stadt einmarschierten. Offensichtlich sind Interessenkonflikte zwischen Mietern und Immobilienspekulanten, zwischen Polizeiwache und Staatskasse, auch ein abfälliger Ton schleicht sich ein, in dem über andere Menschen gesprochen wird. Allein das Komitee, das traditionell das Straßenfest organisiert, scheint den Ruf nicht gehört zu haben, dass allen Bewohnern gekündigt ist oder bald gekündigt sein wird.

Fazit
Mit dem unangenehmen Eindruck, dass nur noch die Fassade einer ehemaligen Gemeinschaft existiert, habe ich mich wie der Lauscher an der Wand gefühlt, der den menschlichen Abstieg so genau doch nicht verfolgen möchte. Ein extrem kleinteiliges episodenhaftes Mosaik, das mich an „Winesburg Ohio“ erinnert und an Zanders „Dinge, die wir heute sagten“.
Profile Image for charlymeier.
6 reviews
May 12, 2026
war leider gar nicht mein Buch, ich konnte irgendwann einfach nicht mehr folgen. Durch die ständigen Wechsel zwischen Figuren und Perspektiven und der absolut fehlenden Einordnung wusste ich meistens nicht, wer gerade spricht oder worum es eigentlich geht. Nach der Hälfte habe ich aufgehört zu lesen, weil es mich eher angestrengt als gepackt hat – von mir leider keine Leseempfehlung, eher im Gegenteil.
Profile Image for Michael Madel.
597 reviews13 followers
May 14, 2026
Robert Seethalers Roman hat mich nicht so recht abholen können. Die zahlreichen Notizen, Dialoge, Monologe, Berichte und Beschreibungen runden sich nie zu einem Bild, bleiben größtenteils unzusammenhängende Bruchstücke, einzelne Grundstücke und Häuser, die sich nicht zu einer Geschichte der Straße zusammenbinden. Die Menschen, die dort wohnen, bleiben für mich gesichtslos und anonym, ohne Ausdruckskraft und eigenes Leben.
Profile Image for Elke.
1,949 reviews42 followers
May 23, 2026
Nach gut einem Drittel habe ich das Buch zwar schweren Herzens, aber doch mit gutem Gewissen, damit für mich die richtige Entscheidung zu treffen, abgebrochen. Leider konnte ich dem Buch überhaupt nichts abgewinnen, der sprunghafte Erzählstil hätte mir gefallen, wenn er nicht so abrupt gewechselt hätte - so war ich nie ganz sicher, bei wem ich jetzt wieder gelandet war, und es war mir schlichtweg zu mühselig, diesem Ratespiel weiter zu folgen. Einzelne Szenen waren interessant, verloren sich aber in den vielen Facetten, die ich meist beim Beenden eines Satzes schon wieder vergessen hatte. Die Idee, das Leben in einer.Straße als Mikrokosmos zu schildern, aus den wechselnden Perspektiven der Anwohner, finde ich gut, die Umsetzung hier leider gar nicht. Ich konnte zu keiner der Personen eine Beziehung aufbauen und fühlte mich wie ein unbeteiligter Beobachter, dem das Geschehen einigermaßen egal war. Es gab leider weder eine einzige Person noch einen der vielen Handlungsstränge, die mein Interesse derart weckten dass ich weiterlesen wollte um zu erfahren was noch passiert. Fazit: mit diesem Buch bin ich persönlich leider nicht kompatibel.
94 reviews2 followers
May 18, 2026
In Robert Seethalers neuem Roman stellt er das Leben der Bewohner der Heidestraße in kurzen Absätzen dar. Es geht um Liebe, Verlust, das Altern, das Scheitern, die Veränderung. Alles in sehr kurzen Bruchstücken erzählt, teilweise nur eine Zeile lang. Wo genau diese Straße liegt, wird nicht erwähnt (irgendwo in Österreich, denn es gibt ein Magistrat in der Straße und es werden Buchteln in der Bäckerei verkauft). Wann genau die Geschichten spielen, ist auch unklar (es wird aber noch in Mark und Groschen bezahlt).

Teilweise sind die kurzen Beobachtungen interessant und man möchte gern wissen, wann die erzählenden Personen wieder auftauchen. Oftmals sind sie aber auch belanglos, verworren und verwirrend. Es ist selten klar, wer genau gerade erzählt - bei manchen löst es sich auf, bei vielen aber auch nicht. Viele Erzählstränge bleiben leider offen, was sehr unbefriedigend ist. Insgesamt liest sich der Roman schnell, was aber auch daran liegt, dass man viele Seiten mehr oder minder überfliegt, da die Erzählsplitter einen nicht abholen.
45 reviews
May 20, 2026
Wieder einmal fasziniert Seethaler seine Leser, indem er sie mit unscheinbaren Momentaufnahmen immer tiefer in das Leben einer ganz normal bewohnten städtischen Straße lockt. Es sind oft nur Gesprächsfetzen, die im Vorbeigehen mitgehört werden, Lebensfenster, die sich kurz öffnen. Aber gerade die abgehackte Kürze der Absätze macht neugierig auf das was noch kommen mag. Und nicht nur die Straße, auch die Wohnungen werden immer mehr mit einbezogen und das Unheimliche, was unter dem Pflaster entdeckt wurde - oder die Gewalt, die aus einem jungen Menschen bricht, reißt den erschrockenen Leser aus seiner Beschaulichkeit.
Profile Image for Herwig Oberlerchner.
47 reviews
May 3, 2026
Die Straße

Robert Seethaler

„Der Trafikant“ – ein wunderbares Buch, verfilmt noch besser, „Ein Ganzes Leben“ - eine berührende Biographie eines einfachen Menschen, der nur Arbeit und eine Liebe kennt, in „Der letzte Satz“ mit Mahler am Schiff … und jetzt das: Ein Mosaik aus Steinen, die auch zusammengefügt kein Bild ergeben, Wahrnehmungsbruchstücke und Sequenzen, willkürlich oder zufällig aneinandergereiht wie mit der Shuffle-Funktion, ohne Tiefgang. Schicksale und Ereignisse während eines Jahres in einer Straße, wie es Tausende gibt aus einer affektentkoppelten Beobachterposition.
Ein enttäuschendes, missglücktes Buch – auch wenn in den Medien natürlich breit und nur zart ambivalent und unaufrichtig beworben – eines vielleicht ausgeschriebenen Schriftstellers. Ein schlechtes Buch bleibt ein schlechtes Buch, auch wenn es aus einer berühmten Feder stammt.
Profile Image for David  .
58 reviews
May 19, 2026
Es gibt keinen klaren Handlungsstrang. Noch weniger als bei Das Feld von Seethaler. Leider etwas enttäuschend. Das war Seethaler sonst ausmacht, die lebhaften Welten, die er mit seinen Worten erschafft, fehlen hier gänzlich.
Profile Image for Johanna Berger.
148 reviews6 followers
May 12, 2026
Achtung: Besprechung der Hörbuchfassung (die nicht auf Goodreads zu finden ist)!


Eine Straße, irgendwo zwischen Wien und Berlin, den beiden Wohnorten des Autors. Andreas Platthaus (FAZ) meint, sie in Wien rund um den Karmeliterplatz einordnen zu müssen. Dabei betont Seethaler, die Straße sei "zeit- und ortlos". "Garantiert 300 Figuren" kommen darin vor, sagt er. Ein Wimmelbild, Patchwork aus verschiedenen Genres, aus unterschiedlichen Perspektiven und Erzählsituationen. Seethaler reiht aber nicht beliebig Bausteinchen an Bausteinchen aus dem Setzkasten zu einem Bild der Straße aneinander, sondern komponiert sorgfältig. Viele Motive und Figuren kehren wieder - leicht verwandelt wie die Straße selbst. Vergangenheit erscheint in Statistiken und in unsicheren Erinnerungen der Bewohner (Gab es die Bombentrichter oder nicht?).

Eine durchgehende Handlung entsteht dadurch nicht. Vielmehr vermisst der Autor die Entwicklung und den Stillstand in der Heidestraße innerhalb eines Jahres, von November bis November, von einem Straßenfest zum darauf folgenden. Im Bezirksblatt ist von "spannende[n] Stadtentwicklungsprojekten" und dem "Gemeinwohl" die Rede, wo eigentlich nur die Interessen der Gewerbetreibenden und Immobilienfirmen gemeint sind. Es wird kalt entmietet. Der Anwalt der Betroffenen lässt sich kaufen. Im Altersheim "Haus Abendschein" wird gestorben, gleich darauf werden die Zimmer desinfiziert und die Betten neu bezogen. Die Blumenhändlerin schreibt innige Liebesbriefe und schickt sie nie ab. Der Antiquar bekämpft die Feuchtigkeit und den Brotkäfer, der ausgerechnet die Kulinarikregale seines kleinen Geschäfts im Visier hat, und versucht, dem Untergang seiner Buchhandlung entgegenzuwirken. Ein Ehemann verdächtigt seine Frau des versuchten Giftmords. Der jugendliche Tunichtgut verprügelt einen Polizeischüler ... Es gibt eine Bäckerei, in der getratscht wird, einen Magistrat, eine Kirche, viele Wohnungen, ein Versicherungsbüro, ein Restaurant, eine Kneipe und die sehr geheimnisvolle Statue des Heiligen Jolander (mit der sich Seethaler einen Spaß erlaubt).

Das ganze Leben einer Straße. Seethaler beobachtet genau, aber beschreibt kaum, er lässt seine Figuren selbst sprechen, sich unterhalten, schimpfen, tratschen, offizielle Schreiben verfassen. Eine Straße, irgendwo zwischen Wien und Berlin, den beiden Wohnorten des Autors. Andreas Platthaus (FAZ) meint, sie in Wien rund um den Karmeliterplatz einordnen zu müssen. Dabei betont Seethaler, die Straße sei "zeit- und ortlos". "Garantiert 300 Figuren" kommen darin vor, sagt er. Ein Wimmelbild, Patchwork aus verschiedenen Genres, aus unterschiedlichen Perspektiven und Erzählsituationen. Seethaler reiht aber nicht beliebig Bausteinchen an Bausteinchen aus dem Setzkasten zu einem Bild der Straße aneinander, sondern komponiert sorgfältig. Viele Motive und Figuren kehren wieder - leicht verwandelt wie die Straße selbst. Vergangenheit erscheint in Statistiken und in unsicheren Erinnerungen der Bewohner (Gab es die Bombentrichter oder nicht?).

Eine durchgehende Handlung entsteht dadurch nicht. Vielmehr vermisst der Autor die Entwicklung und den Stillstand in der Heidestraße innerhalb eines Jahres, von November bis November, von einem Straßenfest zum darauf folgenden. Im Bezirksblatt ist von "spannende[n] Stadtentwicklungsprojekten" und dem "Gemeinwohl" die Rede, wo eigentlich nur die Interessen der Gewerbetreibenden und Immobilienfirmen gemeint sind. Es wird kalt entmietet. Der Anwalt der Betroffenen lässt sich kaufen. Im Altersheim "Haus Abendschein" wird gestorben, gleich darauf werden die Zimmer desinfiziert und die Betten neu bezogen. Die Blumenhändlerin schreibt innige Liebesbriefe und schickt sie nie ab. Der Antiquar bekämpft die Feuchtigkeit und den Brotkäfer, der ausgerechnet die Kulinarikregale seines kleinen Geschäfts im Visier hat, und versucht, dem Untergang seiner Buchhandlung entgegenzuwirken. Ein Ehemann verdächtigt seine Frau des versuchten Giftmords. Der jugendliche Tunichtgut verprügelt einen Polizeischüler ... Es gibt eine Bäckerei, in der getratscht wird, einen Magistrat, eine Kirche, viele Wohnungen, ein Versicherungsbüro, ein Restaurant, eine Kneipe und die sehr geheimnisvolle Statue des Heiligen Jolander (mit der sich Seethaler einen Spaß erlaubt).

Das ganze Leben einer Straße. Seethaler beobachtet genau, aber beschreibt kaum, er lässt seine Figuren selbst sprechen, sich unterhalten, schimpfen, tratschen, offizielle Schreiben verfassen. Im Widerstand gegen die Immobilienhaie tritt der Zusammenhalt der Bürger zutage. In den vielen Gesprächen und Monologen wird aber auch die Hilflosigkeit der Bewohner erkennbar, ihr Umgang mit den Nachbarn, der Alltagsrassismus, die Misogynie, die Naivität und die Einsamkeit.

Der Autor entwirft ein Spiegelbild des Alltags, nicht unähnlich der Lyrik von W. C. Williams, den er mit einer Pastiche würdigt. Bei Williams heißt es:

I have eaten/the plums/that were in/the icebox/and which/you were probably/saving/for breakfast/Forgive me/they were delicious/so sweet/and so cold.

Seethaler lässt eine namenlose Figur sprechen oder schreiben: "Ich habe das letzte Stück Kuchen aus der Vitrine gegessen. Ich weiß, du hattest dich schon darauf gefreut. Verzeih mir, es war so gut. Außen knusprig und innen ganz weich."

In einer kurzen Szene rät der Coach eines Literatur-Workshops einer Teilnehmerin: "Wenn es eine gute Geschichte werden soll, muss sie eine innere Wahrheit offenbaren." Vielleicht ist das an der Stelle als ironischer Seitenhieb gemeint, richtig bleibt der Satz aber trotzdem. Und der gilt auch für Seethalers Buch.

Ich habe das Hörbuch gern gehört, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass eine Kürzung dem Buch gut getan hätte.

Matthias Brandt, ein Freund des Autors, liest den Text sehr gut, so, wie der Autor sich das wünscht. Der lehnt des "gefühlige" Lesen ab. Brandt liest wirkungsvoll und abwechslungsreich - je nach Figur oder Textsorte.

An mehreren Stellen fühlte ich mich an Veza Canettis Roman "Die gelbe Straße" (Besprechung hier) erinnert, dem Porträt einer Gesellschaft der Namenlosen. Im Gegensatz zu Seethaler erzählt sie über ihre Straße noch kleine Geschichten. Hier gibt es nur mehr Augenblicke. Identifikation ist bei beiden Erzählungen schwierig.

Hörenswert auch: das Gespräch und die Lesung in Berlin im Rahmen der "Schönen Lesung" des rbb, die online abrufbar ist.
Profile Image for Leserling.
623 reviews2 followers
May 11, 2026
Nachdem mir sein Buch ‘Das Café ohne Namen’ sehr gut gefallen hat, war ich neugierig auf sein neuestes Werk.

Die Synopsis hört sich interessant an.

Anfangs fehlte mir aber der rote Faden, und vor allem der Überblick.

Ich wusste nie, wer gerade erzählt, wer was macht, oder wer zu wem gehört. Zuerst scheint es eine Aneinanderreihung unzusammenhängender Ereignisse und Gedanken unzusammenhängender Personen zu sein, die alle in derselben Straße leben….

Nach ca einem Viertel des Buches schälen sich langsam verschiedene Personen heraus, deren Gedanken oder Aussagen wir folgen können. Matthias Brandt liest sehr schön, aber ich denke, es wäre hilfreich gewesen die Personen durch Modulation der Stimme besser zu unterscheiden. Sie hören sich leider alle gleich an, was es verwirrend macht, aber mit der Zeit erkennt man verschiedene Personen an ihren Aussagen. Namen werden praktisch nicht genannt, nur die eine oder andere Frau, um die sich Männerfantasien drehen, bekommt einen Namen.

Die Sprache ist wunderschön, die Geschichte sehr facettenreich.

Es wird alles angesprochen: Vorurteile, Einsamkeit, Alter, Armut, Alkoholismus, Xenophobie, Glauben, Profitsucht, (häusliche) Gewalt, Behördenwillkür, Krankheit, unerwiderte Liebe — es ist wirklich erstaunlich, wie viel Robert Seethaler in diese insgesamt doch recht kurze Geschichte packt, und alles lediglich wiedergegeben durch Schnipsel von Unterhaltungen der verschiedenen Protagonist/in/en.

Ich habe zwar ein bisschen gebraucht um folgen zu können, aber dann wollte ich den Roman unbedingt zu ende hören.

Eine weitere großartige Geschichte die Stoff zum Nachdenken gibt.

Vielen Dank an #HörbuchHamburg via #Netgalley für mein #Rezensionsexemplar!
1 review
May 25, 2026
Ein außergewöhnlicher Roman

Im Fokus dieses Romans steht die Heidestraße, auf der sich neben Wohnhäusern auch Bäcker, Fleischer, Blumenladen, Restaurant, Kneipe, Magistrat, Altenheim und eine ungewöhnliche Statue befinden. Wir begleiten verschiedene Menschen (Bewohner, Ladeninhaber, Bewohner des Heims und vermutlich auch Passanten) ein Jahr lang von Herbst bis Herbst. In dieser Zeit gibt es Um- und Wegzüge, Läden, die schließen, gestartete und beendete Affären, Entlassungen und andere Ereignisse. Es handelt sich jedoch um keine lineare Erzählung, wie man sie kennt. Vielmehr werden in diesem Werk kurze Textfragmente ohne weitere Erklärungen aneinander gereiht. Kapitel gibt es nicht, sodass man quasi durch die Texte und Seiten fliegt und erst am Ende merkt, was die Straße alles erlebt bzw. man als Leser alles erfahren hat. Die Fragmente sind Dialoge, Briefe, Gedanken, Mails, Wortfetzen, manchmal aufeinanderfolgend zum gleichen Thema, manchmal unabhängig. Stück für Stück ergeben sich so einige Zusammenhänge, auch durch wiederkehrende Perspektiven, die man miteinander verknüpfen kann. Bei einigen Texten ist mir dies jedoch nicht gelungen. Hier weiß ich nicht, ob es an mir lag oder es Absicht und stilistisches Mittel ist. Es liest sich ein bisschen als würde man durch eine Straße laufen und nur Bruchstücke mitbekommen, ohne zu wissen, wie es den jeweiligen Personen vor oder nach dieser Szene geht. Oder als würde man auf dieser Straße leben und einige Nachbarn gut, andere kaum kennenlernen und nichts zu wissen zu ihrer Vorgeschichte oder ab dem Zeitpunkt, an dem sie wegziehen. Wirklich ein außergewöhnliches Konzept, was mir nach anfänglicher Gewöhnungsphase viel Spaß gemacht hat.
77 reviews
May 13, 2026
Mosaik einer Straße

Mit "Die Straße" erzählt Robert Seethaler vom Alltag einer ganz normalen Wohn- und Geschäftsstraße. Über den Zeitraum eines Jahres begleiten wir die Straße und ihre Bewohner, mal länger, mal nur für einen kurzen Moment. Manche Figuren tauchen immer wieder auf, andere verschwinden nach wenigen Seiten wieder.

Die Form des Romans ist dabei wirklich besonders und sicher nicht für jeden etwas. Deshalb würde ich empfehlen, vorher auf jeden Fall eine Leseprobe zu lesen. Das Buch besteht nicht aus einem klassischen Fließtext, sondern eher aus vielen einzelnen Teilen: Gesprächsfetzen, Monologen, Briefen, Bekanntmachungen und kurzen Szenen. Nach und nach setzt sich daraus ein Gesamtbild zusammen, fast wie ein Mosaik. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst durch die Straße zu laufen und überall kleine Eindrücke aufzuschnappen.

Am Anfang fand ich das richtig toll und musste oft über die Bewohner schmunzeln. Mit der Zeit hat mich das Buch allerdings ein wenig verloren. Ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag oder ab welchem Punkt es passiert ist, aber irgendwann hat mich die Geschichte emotional nicht mehr ganz so erreicht wie zu Beginn.

Trotzdem mochte ich die besondere Idee und die Atmosphäre des Buches. Ich habe auch mal kurz in das Hörbuch reingehört und kann das sehr empfehlen: Matthias Brandt spricht die vielen unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen wirklich großartig ein.

Insgesamt ein ungewöhnlicher Roman mit interessanter Form und vielen kleinen Beobachtungen über das Leben. 3/5 Sterne

200 reviews
May 22, 2026
Nachbarschaft

Eine nicht näher festgelegte Straße. Reges Treiben. Leben und Tod. Das alles ist Thema in Robert Seethalers „Die Straße“.

Seetahler schreibt in seinem Roman über eine Straße, die eher abseits liegt. Das sich dort dennoch vieles ereignet, wird in zahlreichen Fragmenten geschildert: vom Heim bis zur Imbissbude, von der Kneipe bis zum Antiquariat- auf der Straße ist immer was los.

Ich durfte die Hörbuchvariante, gelesen von Matthias Brand, hören. Brand ist ein authentischer, souveräner Sprecher, der seine Stimme der jeweiligen Person anpasst. Besonders beeindruckt hat mich, wie motiviert er in die verschiedenen Fragmente eingestiegen ist. Es ist ihm gelungen, mich als Hörerin abzuholen.

Schreibstil und Sprache im Roman sind schnörkellos und ruhig. Das ermöglicht es, dem Hörbuch gut zu folgen und dabei zu reflektieren. Die Szenen sind authentisch dargestellt und ich habe die eine oder andere Szene aus dem Alltag wiedererkannt.

Die Charaktere passen zum Setting. Keine extremen Abweichungen, eher Stereotypen. Ich habe die ein oder andere Person, wie sie einen auf der Straße begegnen kann, identifiziert. Allerdings sind es genau solche Charaktere: Zufallsbegegnungen ohne Tiefe oder Hintergrundsgeschichte. Das finde ich schade, da teils interessante Figuren dabei sind.

Insgesamt gebe ich den ruhigen, authentischen Roman vier Sterne, da die Tiefe bei Charakteren und Handlung zu oberflächlich ist. Wer ein Paradebeispiel einer typischen Nachbarschaft sucht, wird hier dennoch fündig.
199 reviews
May 24, 2026
Nachdem ich „Der Trafikant“ von Robert Seethaler so gerne gelesen habe, habe ich mich sehr auf „Die Straße“ gefreut – und wurde nicht enttäuscht. Der Roman liest sich im Grunde wie Klatsch und Tratsch unter Nachbarn, nur eben auf literarisch höchstem Niveau und in Seethalers unverwechselbar ruhigem, präzisem Schreibstil. So etwas habe ich bisher noch nicht gelesen, und genau das hat mir unglaublich gut gefallen.

Die Straße selbst liegt irgendwo zwischen Zentrum und Stadtrand, unscheinbar und leicht zu übersehen. Doch hinter den Türen ihrer Bewohner verbergen sich Sehnsucht, Einsamkeit, Wut, Liebe und kleine wie große Dramen. Seethaler erzählt von Menschen, deren Wege sich täglich kreuzen, die aber trotzdem oft erstaunlich wenig voneinander wissen. Aus vielen einzelnen Schicksalen entsteht nach und nach ein stimmiges Gesamtbild – fast wie ein Mosaik aus alltäglichen Momenten.

Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig und unaufgeregt Seethaler seine Figuren zeichnet. Selbst die kleinsten Beobachtungen wirken bedeutungsvoll. Man hat beim Lesen das Gefühl, selbst durch diese Straße zu gehen und heimlich den Geschichten ihrer Bewohner zuzuhören.

Warum dann „nur“ vier Sterne? An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe oder Verbindung zwischen den einzelnen Episoden gewünscht. Trotzdem bleibt „Die Straße“ ein außergewöhnlicher Roman, der lange nachhallt – leise, menschlich und sehr besonders.
Profile Image for Tie Buhr.
41 reviews
Review of advance copy received from NetGalley
April 19, 2026
Robert Seethaler zeigt in „Die Straße“ das Bild einer Gegend, deren beste Jahre langsam aber sicher vorbei sind. In der Heidestraße verdichten sich Themen wie Xenophobie, Rassismus, soziale Verrohung, Miet-Verdrängung, Überforderung von Pflege und Polizei sowie ein beklemmendes Maß an sozialer Kontrolle. Die Bewohner reden viel übereinander, aber wenig miteinander. Dadurch entsteht ein düsteres Gefühl, das bei mir Bitterkeit, Sarkasmus und Enge erzeugt.

Gute gelungen finde ich die Lesung von Matthias Brandt, der den Ton des Hörbuchs sehr gut trifft. Im Hörformat fand ich es allerdings teils schwierig, den einzelnen Erzählsträngen zu folgen, auch weil Übergänge und Kapitelenden nicht immer klar erkennbar waren. Zudem blieben mir manche Figuren und Handlungsfäden zu sehr an der Oberfläche. Insgesamt war mir das Hörbuch zu trostlos und ließ für mein Empfinden zu wenig Hoffnung oder einen tieferen Sinn erkennen.
Profile Image for Inge H..
504 reviews9 followers
May 7, 2026
Beobachtungen über ein Jahr

Robert Seethaler ist ein begnadeter Schriftsteller. Seine Darstellung des Romans §Die Straße“ ist ein besonderes Werk.
Er führt uns für ein Jahr in eine versteckte Straße. Wir hören verschiedene Personen miteinander sprechen. Man ist in die Zeit von früher, als die Nachbarn immer alles von den anderen wussten. In dieser Stra0e ist das noch so. Da sind die Gespräche beim Bäcker, beim Metzger und beim Arzt.
Das Hörbuch wird von dem Schauspiel Matthias Brand gelesen. Das hat er ganz gut hinbekommen, obwohl ich im Anfang nicht gleich Es ist manchmal schwierig den Wechsel der Erzählenden mit zu bekommen.
Der Autor lässt einen Brand geschehen. Die Geschichte mit der Katze ist etwas traurig. Witzig war die Invasion der Kanarienvögel, als sie überall als kleine gelbe Kugeln auftauchten.
Robert Seethaler konnte mich da wieder mit seiner Kunst begeistern.




Profile Image for Magnolia .
636 reviews3 followers
May 10, 2026
Lebensgeschichten

Wie das Leben eben ist. So könnte man DIE STRASSE in Kurzfassung beschreiben. Die Heidestraße. Sie ist irgendwo am Rande einer unbenannten Stadt.

Robert Seethaler erzählt in kurzen Episoden von den Leuten, die hier leben. Von den Bewohnern im Altenheim etwa und auch von dem Jungen mit der Steinschleuder, der die Tauben ins Visier nimmt. Ein anderer will Bücher vor dem Verfall retten, er eröffnet in einer ehemaligen Kohlenhandlung ein Buchantiquariat. Es sind alte, staubige Bücher und auch weiß man um den Kohlenstaub, der sich mit den Jahren in den Räumen abgesetzt hat. Es sind die Sorgen der kleinen Leute, deren Hoffnungen und Sehnsüchten Seethaler nachspürt. Der ganz normale Alltag eben in all seinen Facetten ist es mit den Bewohnern, die alle ein wenig wie entrückt wirken…

…was Matthias Brandt als Sprecher dieser ungekürzten Hörbuchfassung (4 Stunden und 9 Minuten) dann doch gerade gerückt hat. Er macht diese Straße mitsamt seiner Bewohner lebendig. Ihn schätze ich sehr, er brilliert in jeder seiner Rollen und auch hier gibt er jedem einzelnen der hier beschriebenen Charaktere seine ganz besondere Note.

Es sind viele Schicksale, die Seethaler in einem ruhigen, unaufgeregten Ton präsentiert. Alltagsgeschichten, wie jeder sie kennt oder von denen man zumindest gehört hat. Kurze Momentaufnahmen, die jede für sich steht, in Seethalers Straße sind sie alle zu finden.
Profile Image for Vera.
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April 29, 2026
Witzig, dass ich dieses Buch direkt nach "Vor dem Fest" von Saša Stanišić gelesen habe - denn zwischen den beiden Titeln gibt es durchaus Paralellen. Beide Bücher haben keine klassische Handlung, sondern bieten einen Einblick in das (Innen)leben verschiedener Bewohner eines Dorfes bzw., bei Seethaler, einer Straße.

Die Heidestraße befindet sich im Umbruch. In kurzen Szenen aus der Ich-Perspektive oder im Dialog schneidet Seethaler sehr subtil viele Themen an: Xenophobie, soziale Verrohung, Mietverdrängung, Herausforderungen im öffentlichen Dienst (Polizie, Pflege), scheiternde Unternehmen, altern, unbeantwortete Liebe... Interessant ist, dass das Buch sich offentsichtlich vor 2002 abspielt (es wird mit Mark bezahlt), und nach 1983, aber eigentlich könnte es genauso heute sein.
Profile Image for Constantin Bona.
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May 10, 2026
Ein klassischer Seethaler: ein in sich geschlossener Roman, der nicht durch Brisanz, sondern durch alltägliche Gewöhnlichkeit überzeugt. Besonders überzeugte mich der fließende Übergang zwischen den einzelnen Subhandlungen, welche jedoch auch den Aufbau einer echten „Story“ etwas schwer erschweren.

Ich habe das Buch gerne gelesen, wenn auch mich andere Bücher von Seethaler (Ein ganzes Leben, Café ohne Namen) aufgrund der konsistenten Geschichte mehr überzeugten.
16 reviews
May 4, 2026
Habe ihn bei der Buchvorstellung im Burgtheater Wien es selber lesen gehört. Genial
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May 22, 2026
Also irgendwie hat mich das gar nicht abgeholt?
Profile Image for Ralf Papendick.
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May 25, 2026
Na ja! An den Trafikanten und das Buch, ein ganzes Leben, kann auch dieses Buch nicht anknüpfen. Ziemlich langatmig!
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