Rebecca ist Ende zwanzig und hat ihr Leben in Berlin hinter sich gelassen, um in London neu anzufangen. Sie will den Durchbruch als Drehbuchautorin schaffen, mit ihren Freundinnen Champagner trinken, mit interessanten Männern auf Dates gehen, gute Bücher lesen, glamouröse Dinnerpartys schmeißen, sich ganz und gar zugehörig fühlen. Stattdessen lebt sie in einer WG, die sie sich kaum leisten kann, verbringt ihre Tage schreibend in der Bibliothek mit ihren Freundinnen Anne und Melody und versucht, sich mit ihrem Job als Nanny irgendwie über Wasser zu halten. Und sie versucht, ihr gebrochenes Herz wieder zusammenzuflicken, Max zu vergessen. Zu vergessen, wie schlecht er sie behandelt hat, wie lange sie trotz allem bei ihm geblieben ist, wie sehr sie mit der Rolle der Stiefmutter für seinen Sohn gehadert hat. Als sie Jeppe kennenlernt, erinnert sie nichts an ihm an Max, und so lässt sie sich auf eine Sommeraffäre mit ihm ein. Jeppe ist älter als sie und hat die meisten großen Entscheidungen für sein Leben schon getroffen: Er hat zwei Kinder, ist geschieden, ist erfolgreicher Filmproduzent, hat Geld. Sie essen zusammen auf den Terrassen der besten Restaurants, fahren für ein Wochenende nach Paris, übernachten in luxuriösen Hotelsuiten. Wäre das ein gutes Leben? Rebecca erwägt einen weiteren Neuanfang. Doch zu wessen Bedingungen? Sommer und so ist ein Roman über komplizierte Beziehungen – romantische wie freundschaftliche –, über Unsicherheiten und Träume, darüber, was uns prägt, verletzt und hält. Über die Frage, was man vom Leben erwarten darf und was es einem abverlangt. Ein Roman über das Gefühl, mit Ende zwanzig gleichzeitig noch ganz am Anfang und doch schon zu spät dran zu sein.
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Hmm... ich mochte Teile der Handlung, einzelne Figuren und Beziehungen, insgesamt hat mich das Buch aber nicht so gecatched. Ich hab das Gefühl, dass das Buch endet, als sich die Handlung und bestimmte Thematiken grad richtig entwickelt hatten.
"Ich wusste eigentlich schon in diesem Moment, dass es mir gefallen würde, wenn er mir in den Mund spuckte."
"Er hatte Macht durch Geld, durch Erfahrung, durch Wissen, aber natürlich, wie viele Männer ab einem bestimmten Alter, fühlte er sich gewissermaßen machtlos. Ich hatte keine Macht, wenig Geld, begrenzte Möglichkeiten, Kontexte und Konsequenzen einzuschätzen, und fühlte mich, gewissermaßen wie viele Frauen unter 30, in bestimmten Kontexten, und vor allem mit älteren Männern, sehr mächtig."
"»Wenn du das willst, dann wird es auch passieren«, sagte Jeppe.»Einfach bisschen manifesten, dann wird das schon.«"
"Ich weiß nicht, ich hab das Gefühl, auf einmal ist man erwachsen und es passieren ständig Dinge, die anstrengend sind, mit denen man umgehen muss."
"Und trotzdem wurde ich auf einmal so traurig. Als wäre ich ausgekippt worden, aus mir selbst."
"Ich lud auf Annes Drängen Bumble auf mein Handy runter und swipte mich durch endlose Profile von Citybankern. Woher sollte ich wissen, ob ich jemanden attraktiv fand, wenn ich nicht wusste, wie er roch? Wenn ich nicht sah, wie er sich hielt? Wenn ich seine Stimme nicht hören konnte? Wenn ich nicht wusste, ob er höflich mit seinen Mitmenschen umging? Wenn ich jemand anderen vermisste?"
"Der Wind peitschte uns ins Gesicht und färbte unsere Nasenspitzen in die Farbe von in Joghurt gerührter Himbeermarmelade."
"»Danke«, sagte ich, und als ich mich an ihm vorbeiquetschte, roch ich sein Waschpulver und fragte mich, wie es wäre, mit ihm zu schlafen."
"Was wollte ich denn? Ich wollte schöne, junge Männer daten und mit meinen Freundinnen abhängen. Zigaretten rauchen und Champagner und spicy Margaritas trinken. Ich wollte Geld verdienen, ich wollte Dinnerpartys schmeißen und Bücher lesen und mich über das Patriarchat aufregen und über den Rechtsruck und Zusammenhänge verstehen, die ich in großen Teilen meiner Zwanziger mit Ignoranz bedacht hatte. Ich wollte schöne Kleider aus Seide und Merinowolle tragen, meine Nägel lackieren, herausfinden, was für mich persönlich einen guten Film ausmachte und worum es überhaupt eigentlich ging in der Welt und der Kunstform, für die ich mich entschieden hatte. Ich wollte mich mit klugen Leuten unterhalten und jeden Tag vor Lachen vom Stuhl fallen. Ich wollte meine Familie besuchen und Menschen Karten schreiben und Geschenke machen. Ich wollte mich weiterbilden, ich wollte berauschende Musik hören, Rezepte ausprobieren, in der Sonne sitzen und glücklich sein, ich wollte träumen, mehrmals zum Orgasmus kommen und mich von der lähmenden Scham befreien, die ich beim Sex empfand, auf Open-Airs tanzen, die Füße im Sand, oder zu Hip-Hop in der Küche, ich wollte eine Karriere, die mich erfüllte, aber mich nicht in ein Burnout stürzte, und die kompatibel mit dem Wunsch war, eines baldigen Tages eine Familie zu gründen. Ich wollte eine fremde Stadt für mich erobern, ans Meer fahren, aufs Meer schauen, in einem kirschroten Badeanzug zwischen glasklaren Wellen hüpfen. Ich wollte Blumen nach Farben und Formen aussuchen, mich in einer Zedernholzsauna zwischen schneebedeckten Gipfeln ausruhen, von Hütte zu Hütte wandern und Backerbsensuppe essen, diskutieren, dankbar sein, für alles, für das Wunderbare und das Schmerzhafte, für das Lernen und Weitermachen, für all die schönen Sachen, für Klänge, Glitzer, Meinung, Demut, Vögel, Himmel, Hormone, Gefühle, Bilder, Zusammenhalt."
"Am nächsten Tag fuhr Jeppe zurück ans Meer zu seiner Familie und ich vertrieb mir die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges in der Königlichen Bibliothek, in dessen altem Lesesaal Menschen im Schein der grünen Lampen in ihre Bücher und Laptops vertieft waren, Menschen mit anderen Leben, anderen Problemen, anderen Träumen und Sehnsüchten und Familien und Freundschaften, und so ging es mir vielleicht immer, egal wohin ich auch ging, und vielleicht am stärksten in Bibliotheken: Mir wurde einmal mehr bewusst, dass die vielen Leben, die ich gern leben wollte, nicht erreichbar waren, niemals stattfinden würden, und der einzige Ausweg aus dieser Misere war es, sich Tausende von unmöglichen Leben herbeizulesen, sie herbeizuschreiben."
"[..] ihr Geruch war mir so vertraut wie etwas, das ich auswendig kannte."
2,5 ich wollte es so gerne mögen, aber es war leider insgesamt sehr underwhelming. die protagonistin blieb für mich bis zum ende nicht richtig greifbar und ich konnte nicht gut mit ihr mitfühlen, was mich hier ziemlich gestört hat. die beziehungen zu den anderen figuren fühlten sich oberflächlich und fast fake an, sollen aber jahrelange enge freundschaften sein (ausgenommen die zur schwester hanna). das thema der toxischen beziehung und ihrer folgen, die überwunden werden müssen, hat mich hier nicht so richtig interessiert, weil es als handlungselement nicht ganz ausgeschöpft wird und ich das gefühl hatte, das alles schon konsequenter umgesetzt in „die schönste version“ von ruth-maria thomas gelesen zu haben. der schreibstil ist recht unauffällig und alltäglich. ich habe das gefühl, dass es fast wie ein film geschrieben ist, oft kann man sich ganz genau vorstellen, wie eine stelle aus dem buch auf der leinwand aussehen würde. sprachlich hatte ich mir mehr eleganz und poetizität erhofft. leider finde ich auch gar nicht, dass es unbedingt ein sommerbuch ist, das hatte ich mir aufgrund des titels auch ganz anders vorgestellt. und dann kommt noch das unbefriedigende offene ende...
zitate:
„Ich fühlte mich ständig außen vor, als würde ich von außen nach innen schauen. Mein Gott, ich hatte das Land verlassen, um mich dem Gefühl ständiger Bewertung zu entziehen! Wie naiv ich gewesen war, zu denken, dass ich in einem neuen Land, in einer neuen Stadt ein unbeschriebenes Blatt sein durfte. Das, was passierte, lag nicht an einem Land, nicht an einem Kontext, an den erstickenden Schlingen eines gelebten Lebens. Es musste an mir liegen.“
„Am nächsten Tag fuhr Jeppe zurück ans Meer zu seiner Familie und ich vertrieb mir die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges in der Königlichen Bibliothek, in dessen altem Lesesaal Menschen im Schein der grünen Lampen in ihre Bücher und Laptops vertieft waren, Menschen mit anderen Leben, anderen Problemen, anderen Träumen und Sehnsüchten und Familien und Freundschaften, und so ging es mir vielleicht immer, egal wohin ich auch ging, und vielleicht am stärksten in Bibliotheken: Mir wurde einmal mehr bewusst, dass die vielen Leben, die ich gern leben wollte, nicht erreichbar waren, niemals stattfinden würden, und der einzige Ausweg aus dieser Misere war es, sich Tausende von unmöglichen Leben herbeizulesen, sie herbeizuschreiben. In den Stimmen, die vor mir gekommen waren, Trost und Rat zu finden und mit meinen zwei Händen, dem Tippen meiner Tastatur, mir selbst eine Stimme zu geben, die mich aus meiner Ohnmacht befreite.“
Ende Zwanzig sein – das ist chaotisch, frei, wild und wunderbar, aber manchmal auch verletzlich, einsam und verzweifelt. »Sommer und so« fängt genau dieses Gefühl ein: Ein Sommer in London zwischen WG-Leben, Jobsuche & Partynächten, der von komplizierten Beziehungen, Träumen und Neuanfängen erzählt. Für Fans von Sally Rooney & Coco Mellors definitiv ein Must-Read!
Rebecca zieht nach einer gescheiterten Beziehung mit einem gebrochenen Herzen, kaum Geld und großen Träumen aus Berlin nach London, um dort neu anzufangen und mit dem Ziel, endlich als Drehbuchautorin durchzustarten. In der Realität sieht ihr Leben allerdings anders aus: Sie lebt in einer WG, verdient ihr Geld als Nanny bei einer wohlhabenden Vorzeigefamilie und ihren Ex-Freund Max kann sie nicht richtig vergessen. Bis sie den deutlich älteren Jeppe kennenlernt und eine Affäre mit ihm beginnt. Plötzlich sind da Luxus und Geld. Aber will sie all das wirklich?
Rebecca Martin schreibt atemlos, cool und absolut ehrlich vom Loslassen toxischer / alter Beziehungen und Freundschaften, die nicht länger gut tun, von Herzschmerz und Liebeskummer, von Selbstbestimmung und Selbstermächtigung, von Klassismus und Machtstrukturen. Beim Lesen habe ich sehr mit Rebecca mitgefühlt und mich oft auch wiedererkannt. »Sommer und so« ist ein Sommerroman und ein Beziehungsroman mit Tiefgang, den ich sehr empfehle!!
Lies dieses Buch unbedingt, wenn dir eins der folgenden Bücher gefallen hat: - »Normal People« von Sally Rooney - »Cleopatra und Frankenstein« von Coco Mellors - »Writers & Lovers« von Lily King - »Okay Days« Jenny Mustard
Sehr guter Einstieg der mich fesselte, aber leider nicht durch den Roman führte. Schade. Rebecca Martin überzeugt vor allem mit einer sprachlich starken, flüssigen Erzählweise und einer Atmosphäre zwischen Melancholie und Hoffnung. Die Themen des Erwachsenwerdens Ende zwanzig: Geldsorgen, Beruf, Liebe und die Suche nach dem eigenen Platz, wirken nahbar und authentisch. Weniger gelungen fand ich die zahlreichen englischen Begriffe, die zwar zum Setting zwischen London und Berlin passen, den Lesefluss aber immer wieder stören. Auch die Figuren bleiben trotz ihrer Präsenz emotional erstaunlich blass. Das Ende kommt schließlich sehr abrupt und nimmt sich zu wenig Zeit, die Erzählung wirklich einfühlsam zu Ende zu führen. Insgesamt ein atmosphärischer Roman mit sprachlicher Stärke, der sein Potenzial leider nicht ganz ausschöpft und ich leider ähnliches schon gelesen habe.
bringt die verlorenheit der endzwanziger these days auf den punkt. protagonistin nicht gerade eine sympathieträgerin aber wer ist schon immer sympathisch? teils etwas kitschige beschreibung der örtlichkeiten- hat andererseits dabei geholfen die stimmung zu setzen. mochte das wandeln zwischen schauplätzen, die ich alle ganz gut kannte (berlin, london, kopenhagen) - meiner meinung nach ziemlich nah dran an der lebensrealität vieler junger erwachsener.
Ein paar echt pointierte Beobachtungen von London und Berlin, und auch von der Komplexität/Simultanität von Gefühlen von spät 20ern. Aber auch echt Klischee, sexistisch, schwer zu lesen weil schlecht
Gegen Ende wird der Rhythmus viel schneller, als müsse das Buch jetzt schnell zu Ende gehen