Was sagt uns der Grundriss einer Stadt über den amerikanischen Traum? Wie haben Eisenbahn, Auto und Flugzeug unseren Sinn für Distanzen verändert? Karl Schlögel findet Antworten an überraschenden Stellen: in Fahrplänen, Adressbüchern, auf Landkarten und Grundrissen. Er holt damit die Geschichte an ihre Schauplätze zurück, macht sie anschaulich, lebendig und wunderbar lesbar.
"Ein Buch von tiefem Ernst und großer Leichtigkeit, ein Pamphlet und eine Spurenlese, dicht und welthaltig." Jürgen Osterhammel, Die Zeit
Karl Schlögel (born 7 March 1948 in Hawangen, Bavaria, Germany) is a noted German historian of Eastern Europe who specialises in modern Russia, the history of Stalinism, the Russian diaspora and dissident movements, Eastern European cultural history and theoretical problems of historical narration.
Karl Schlögel ist einer der prominentesten deutschen Osteuropa Historiker. In diesem Werk vertritt er die These, dass die Geschichtsschreibung zu sehr chronologisch (er nennt es vertikal) orientiert ist und sich mehr am Ort orientieren müsse (er nennt das horizontal). Konkret müsse die Geschichtswissenschaft die Erkenntnisse der Geographie stärker berücksichtigen. Das klingt nach grauer Theorie ist aber interessant, da sich Schlögel nicht lange mit theoretischen Ausführungen aufhält sondern gleich beispiele gibt. Angefangen von einer kurzen Geschichte der Geographie, thematisiert Schlögel unterschiedliche Ansätze aus der Vergangenheit und gibt selbst in kurzen Kapiteln, die sich eher wie Romane, als wie Geschichtswerke seine beispiele. Besonders interessant sind die Fälle, bei denen Schlögel als Osteuropa Historiker zu Hause ist. So zeichnet er anhand der anhand der Zimmerverteilung (und deren Änderung) im Hotel Lux die Geschichte der Komintern und der stalinistischen Säuberungen nach. Das selbe tut er Trifonows großartigem Roman folgend mit dem Haus an der Moskwa. Mit Walter Benjamin durchstreift er die Passagen von Paris und beleuchtet Benjamins Blickwinkel auf die Kulturgeschichte. Kurios ist auch der Ansatz, anhand des Zustandes der Trottoirs auf die Freiheit einer Gesellschaft Rückschlüsse zu ziehen.
Insbesondere diejenigen, die Walther Benjamin und W.G. Sebald mögen, werden hier viele interessante Denkansätze finden.
Das Buch ist ein Plädoyer für einen erweiterten Blick auf Geschichte. Nicht als bloße Chronik der Ereignisse, sondern der Ort als Schauplatz von Geschichte soll in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. So ungefähr lässt sich die Idee beschreiben, die den einzelnen Kapiteln als Klammer dient. Jedes Kapitel für sich ist eine Einladung, die eigene Sicht auf die vermeintlich bekannte Vergangenheit neu zu schulen. Sehr detailreiche Ausführungen, dennoch gut lesbar (auch für Nicht-Historiker wie mich).
Un hueso duro de roer (como cabía esperar de una publicación de Siruela) sobre el concepto del spatial turn, el estudio de la Historia desde la perspectiva del espacio y no del tiempo. Está escrita en pequeños capítulos autocontenidos que facilitan solo ligeramente su lectura; de hecho algunos deben ser publicaciones en revistas recopiladas aquí, ya que hay conceptos básicos que se explican de la misma forma hasta tres veces en diferentes capítulos; también hay otros que guardan escasa relación con el tema del libro, aunque no por ello menos interesantes.
El autor tiene una visión marxista moderno y antiestalinista para explicar los desarrollos urbanos europeos tras la 2ª Guerra Mundial (muy curioso su análisis de cómo era más fácil ir de Berlín Este a Pyongyang que a Berlín Occidental o el de Auschwitz-Birkenau y su explotación moderna), así como la evolución urbanística de los Estados Unidos desde su creación hasta el actual Los Angeles, pasando por estudios pormenorizados de Cartografía y cómo el siglo XIX transformó esta ciencia en una herramienta de control político. Sus explicaciones siguen una misma línea atacada desde diversos ángulos, bastante novedosos para un profano en esta perspectiva como yo.
A ratos se atraganta, a ratos te sorprendes con una explicación sublime de un hecho que nunca te habías planteado de esa manera y otros te encuentras pasando la vista por las líneas sin internalizar lo que estás leyendo porque la densidad del texto te ha destruido el entendimiento para el resto de la jornada. A pesar de esto último, es buena lectura para tomarla en sorbos pequeños si el tema interesa; si no, mejor dedicarse a otra cosa porque va a costar que te atrape.
Ausgangspunkt meiner Lektüre war das Interesse daran, wie der geographische Raum den Menschen und seine Entscheidungen beeinflusst; und wie umgekehrt der Mensch den Raum verändert. Mit Karl Schlögels Im Raume lesen wir die Zeit habe ich nicht nur Antworten auf diese Fragen gefunden, sondern weit darüber hinaus neue Perspektiven gewonnen. Schlögel widmet dem Raum über 500 Seiten, in denen er dessen Bedeutung in beeindruckender Tiefe untersucht.
Er beginnt mit der These, dass sich die Wahrnehmung des Raums im Laufe der Zeit stark verändert hat. Während der Zeit lange größere Aufmerksamkeit galt, wurde der Raum eher als Hintergrund verstanden. Schlögel zeigt jedoch, dass die Konzentration auf Zeit – auf Chronik und Abfolge – dazu geführt hat, die Gleichzeitigkeit und Struktur des Raums zu übersehen. Erst mit dem sogenannten Spatial Turn am Ende des 20. Jahrhunderts wurde anerkannt, dass die räumliche Umgebung nicht bloß Bühne historischer und sozialer Entwicklungen ist, sondern aktiv an ihnen mitwirkt.
Ein zentrales Kapitel widmet Schlögel den Karten. Er zeichnet die Geschichte der Kartographierung der Welt nach und beschreibt die Karte als Instrument der Kontrolle, aber auch der Deutung und Geschichtsschreibung. Anschließend wird der Blick konkreter. Schlögel analysiert Räume in unterschiedlichen Maßstäben: von der Großstadt bis zum privaten Wohnzimmer. Überraschend spannend ist beispielsweise sein Kapitel über Adress- und Kursbücher, die er als weit mehr als bloße Orientierungshilfen begreift, nämlich als Spiegel gesellschaftlicher Strukturen und Bewegungen.
Am Ende richtet Schlögel den Blick auf den europäischen Raum des späten 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Er untersucht, wie politische, wirtschaftliche und kulturelle Umbrüche sich räumlich manifestieren und Europa neu ordnen.
Das Buch ist außerordentlich reich an Beobachtungen und Gedanken. Jedes Kapitel eröffnet einen neuen Denkansatz, sodass es schwerfällt, das Werk auf einen zentralen Punkt zu bringen. Die Lektüre ist stellenweise anspruchsvoll und langwierig, doch immer wieder aufs Neue anregend.
(Besonders gefallen haben mir Schlögels Bezüge zu Walter Benjamin. Dessen ausgeprägte Aufmerksamkeit für den Raum, seine Fähigkeit, die Welt anhand der ihn umgebenden Orte zu verstehen und zu kritisieren, sind einleuchend. Diese Ausführungen haben mein Interesse an Benjamins Passagen-Werk geweckt, das ich mir nun vorgenommen habe zu lesen.)
Cambia il modo in cui vedi le cose e il modo in cui le pensi. Vista la struttura a capitoli staccati, consiglio lettura dei singoli saggi a cui si è interessati, perché è abbastanza pesante per chi non studia geopolitica 😅
Una obra profunda y original. Schlögel demuestra que el espacio es una fuente de información geopolítica tan importante como los documentos o los archivos. Al unir microhistorias con grandes procesos globales, logra una interpretación poderosa del tiempo inscrito en la geografía. Un libro que invita a repensar cómo analizamos el poder, la historia y la modernidad.