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Aus anderem Holz: Roman

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Gegen Ende der Achtzigerjahre stürzt in einem italienischen Küstenort ein Friedhof ins Meer. Eine Urne, die an den Strand gespült wird, gibt ein Geheimnis Der fünfundzwanzigjährige Pinò erfährt, dass sein Vater vor ihm schon einen anderen Sohn hatte. Als Pinò bewusst wird, dass er immer nur als Ersatz gedacht war, beginnt er die verschwiegene Vergangenheit seines Vaters zu erforschen. Doch dabei riskiert er, dass auch sein eigenes Geheimnis aufgedeckt wird. Die rätselhaften Merkmale seines Körpers drohen ihn zu Sein Bauchnabel fehlt, seine Stimme erzeugt keinen Widerhall, sein Atem hinterlässt in der Kälte keine Spur. Denn Pinò war nicht immer ein Mensch.
In »Aus anderem Holz« interpretiert Giuliano Musio den Pinocchio-Stoff neu. Aus der Puppe ist ein junger Mann geworden, aber das Menschsein ist ihm fremd geblieben. Ein Roman über die Last der Herkunft und die Sehnsucht nach Selbstbestimmung.

279 pages, Kindle Edition

Published August 15, 2026

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Giuliano Musio

7 books1 follower

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Community Reviews

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Anna Carina.
714 reviews407 followers
abgebrochen
August 16, 2026
2. Buch von der Longlist des deutschen Buchpreises 2026.
DNF bei 17%.

Habe heute parallel den Agathon von Martin Wieland begonnen (bin bei 25%). Wer Wieland kennt, wird wissen, wie sehr der Mann die Lesernerven strapazieren kann. Ein Buch aus dem 18. Jahrhundert, mit unsäglichen sophistischen Ansprachen eines Hippias, hat mir um Längen mehr zu sagen als dieses Buch. Und das, obwohl "aus anderem Holz" nicht minder heftigen Stoff verhandelt.

Direkt zu beginnt stürzt ein Friedhof ins Meer. Ein Mann springt ins Wasser, um die Urne seines verstorbenen Sohnes zu bergen und kommt fast dabei um. Sein anderer Sohn, der aus Holz gemacht ist und in Fleisch und Blut verwandelt wurde, kümmert sich um ihn und erfährt erst jetzt, dass sein Vater einen Sohn vor ihm hatte. Man besucht das alte Haus, trifft auf Menschen die den verstorbenen Sohn kannten... sehr viel Ballast, emotionale Verwirrung. Einer der weiß, er ist nicht ganz menschlich. Was macht ihn aus? Wie gelingt es ihm sich zwischen echten Menschen zu bewegen und Anerkennung, vielleicht auch Liebe zu erfahren?

All das versackt bisher in einem formalen Bericht, der sich wie eine Vorgangsbeschreibung liest. Extrem kurze Sätze. Schnelle Szenenwechsel. Gerade zu Beginn: hölzerne Schreibweise, die arg das Gerüst durchblicken lässt. Inzwischen kommt mehr Intensität auf, aber bei weitem nicht so, dass mich die Geschichte am Ball hält.
Mir ist das stilistisch viel zu flach und einfach gehalten.
Ich steh auch überhaupt nicht auf die Symbolik der Heiligenfigur, die inzwischen echt überstrapaziert wird.

Möge es viele Menschen geben, denen du mit deiner Geschichte etwas hinterlässt, lieber Giuliano Musio. Viel Glück beim deutschen Buchpreis!
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
299 reviews54 followers
August 18, 2026
Es wäre eine Sensation, wenn der Mini-Indieverlag Luftschacht aus Wien, der mehr oder weniger aus einer einzigen Person besteht, sich den Deutschen Buchpreis 2026 unter den Gürtel schnallen würde.

„Aus anderem Holz“ nimmt eine der berühmtesten italienischen Märchenerzählungen als Ausgangspunkt, „Pinocchio“. Carlo Collodi, Autor dieses ausgesprochen weirden pädagogischen Entwicklungsromans, dessen Hauptfigur wirklich jede*r kennt, wurde vor 200 Jahren geboren. Giuliano Musio, selbst schweizerisch-italienischer Herkunft, erzählt von der Zeit nach der Menschwerdung der hölzernen Puppe. „Aus anderem Holz“ würde ich moderner als Coming-Age-Roman bezeichnen und als eine Befreiung von der Schwarzen Pädagogik.

Eine toskanische Kleinstadt im Jahr 1988: ein Friedhof rutscht von einer Klippe, ein alter Mann springt hinterher. Giuseppe „Geppetto“ Fabbri kann gerettet werden, aber er ist ein Pflegefall. Geppetto spricht nicht mehr, sitzt vor dem Fernseher, während sein 25-jähriger Sohn Pinò für ihn sorgt.

Geppetto bewahrt seine Geheimnisse. Aber manche kommen trotzdem ans Licht: so taucht die Urne seines ersten Sohnes Pino mit ihm im Meer auf. Dadurch erfährt Pinò zum ersten Mal von seinem Bruder. Und kann nicht anders, als sich ständig mit ihn zu vergleichen. Pinó, dessen hölzerner Körper vor 13 Jahren durch die Gnade einer katholischen Heiligen zu einem aus Fleisch wurde, fühlt sich steif, hat Schmerzen, hat Angst, diesen menschlichen Körper wieder zu verlieren.

Der Sohn packt seinen Vater ein und zieht mit ihm in den Norden, in das kleine Dorf Faragno in der Nähe von Bergamo. Dort lebte Geppetto einst mit seiner Frau und seinem ersten Sohn. Im Dorf wird Pinò für seinen verstorbenen Bruder gehalten. Äußerlich gleicht er Pinuccio, doch muss er ungewöhnliche Merkmale verbergen, nachdem sein Versuch, die Wahrheit zu sagen, missverstanden wird: Pinòs Stimme erzeugt kein Echo und ihm fehlt ein Bauchnabel. Auch die Dorfbewohner verbergen einige Dinge, während Pinò mit sehr menschlichen Gefühlen ringt: Scham, Selbstekel, Lust.

An Musios Neuerzählung ist nicht viel märchenhaftes: dies ist die Geschichte einer Befreiung, vieler Befreiungen. Wie alle jungen Menschen muss sich Pinò beim Erwachsenwerden mit mächtigen Kräften auseinandersetzen: einem gewalttätigen Vater, den seinem katholischen Glauben inherenten Schuldgefühlen, mit Körperdysmorphie, dem italienischen Faschismus und den Roten Brigaden.

Einige Schwerpunkte, einige Figuren in „Aus anderem Holz" hätte ich mir anders gewichtet gewünscht (die für mich unnötige Misogynie der Rolle der Roberta, die Betonung des Terrorismus von links in einer zutiefst faschistischen Umgebung).

Nach einem fulminanten Einstieg und einer sehr langsam erzählten ersten Hälfte, war ich vom zweiten Teil des Buches, der fast ein bisschen wie ein Mystery-Thriller daherkommt, absolut gefesselt.

„'Ich bin nicht Pinuccio.'“
101 reviews
August 29, 2026
Aus anderem Holz hat mir wirklich gut gefallen. Die Neuinterpretation des Pinocchio-Stoffes fand ich sehr gelungen und vor allem überraschend eigenständig. Besonders spannend war für mich die Geschichte um den „verlorenen Sohn“ und die Frage, warum Pinò überhaupt erschaffen wurde. Dadurch bekommt seine Suche nach seiner Herkunft und seiner eigenen Identität noch einmal eine ganz andere Bedeutung.

Sehr interessant fand ich außerdem die Darstellung des italienischen Dorflebens. Die scheinbare Idylle wird immer wieder durch gesellschaftliche Erwartungen, Kontrolle und die engen Grenzen, in denen sich die Menschen bewegen müssen, durchbrochen. Gerade dieses Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und persönlicher Freiheit hat mir gut gefallen.

Auch Pinòs besondere körperliche Merkmale fand ich eine tolle Idee, weil sie immer wieder daran erinnern, dass er zwar versucht, ein Mensch zu sein, aber eben nicht ganz in diese Welt gehört.

Insgesamt ein tolles, ungewöhnliches Buch und eine wirklich interessante Neuinterpretation eines bekannten Klassikers. Besonders die Themen Herkunft, Identität und der Wunsch nach Selbstbestimmung werden auf eine sehr besondere Weise miteinander verbunden.
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