Zunächst einmal möchte ich mich bei NetGalley und dem Ullstein Verlag für das Vorabexemplar bedanken.
Ich hatte dieses Buch bereits vorbestellt, da ich seit Jahren Fan der Autorin bin, und auch alle vorhergehenden Titel von ihr gelesen habe. Dass ich es ein paar Tage früher beginnen konnte, bedeutet mir daher sehr viel, vor allem, da ich verhindert war, mir das physische Exemplar am ET zu holen.
Nach 11 vorangegangenen Bänden weiß man ja, worauf man sich einlässt, insofern wundert es mich nicht, dass ich das Buch sehr mochte und auch (wieder) sehr schnell in der Geschichte drinnen war. Wie so oft bei Neuhaus gibt es zu Beginn ein Personenverzeichnis (das braucht man, ist aber im Ebook, wenn man nicht daran denkt einen Screenshot zu machen etwas unpraktisch) und dieses Mal auch einen Stammbaum (auch der ist notwendig). Hier merkt man schon, dass es wirklich sehr viele Personen sind, und diese stehen leider auch in etwas komplizierteren Verhältnissen zueinander (was im Buch auch angemerkt wird), sodass einem der Überblick selbst mit Hilfsmitteln nicht allzu leicht fällt.
Weiters wird immer wieder auf mehrere alte Fälle von Bodenstein und Pia verwiesen, sodass es nicht empfehlenswert ist mit diesem Band einzusteigen, vor allem in Bezug auf Band 11. Die anderen angesprochenen Fälle nennen eher ein paar Namen und alte Bekannte, aber gerade das vorangegangene Buch hat noch Auswirkungen auf diesen Band und daher werden in diesem Fall auch Täter benannt.
Trotzdem fand ich es toll, dass immer wieder Verweise gemacht werden, und ich habe dadurch schon auch Lust bekommen das ein oder andere ältere Werk der Autorin nochmal aus dem Regal zu holen.
Was den Fall selbst betrifft, so ist er gewohnt spannend und verwinkelt. Ein wenig schade fand ich, dass die beiden Hauptfiguren doch recht wenig alleine miteinander ermitteln, was, soweit ich mich erinnere in den älteren Bänden häufiger der Fall war.
Hier wird auch wieder etwas mehr auf Pias private Situation mit ihrem Mann/Ex-Mann eingegangen (ich musste tatsächlich nachschauen wie es bei Bodenstein aussieht, weil seine Familie dieses Mal kaum erwähnt wurde). Die Spannungen in dieser Hinsicht waren bereits im letzten Band spürbar, und als Zusatz hat mir der Erzählstrang gefallen, auch wenn ich nicht so ganz weiß, wie ich das Ergebnis einordnen soll... ich denke, ich habe einfach bei jedem Band die Befürchtung es könnte der letzte gewesen sein, und wenn etwas zu gut zusammen passt im Privatleben der Figuren, dann werde ich nervös.
Insgesamt geht mir aber auch die Rivalität von Henning und Kröger ab...
Was das Thema KI angeht, war ich sehr überrascht, wie diese eingebracht wurde. Ich fand es gut, mir hat aber am Ende dann doch ein wenig Info gefehlt, wie mit der KI, die eine nicht unwichtige Rolle auf die eine oder andere Weise spielt schlussendlich verfahren wurde. Etwa ein halbes Duzend Morde später weiß ich nämlich, warum die Figuren sterben mussten, und wie, und wer, aber eben leider nicht, ob das Programm noch existiert, verkauft wird, verwendet wird oder welche Firma danach noch besteht, und das waren doch auch nicht unerhebliche Punkte im Buch.
Schlussendlich fand ich persönlich den Vergleich von BDSM und Cosplay zu weit hergeholt. Es geht an einer Stelle (und es ist wirklich nur ein Satz) um eine Katzen-Maske, die angeblich in beiden Szenen Verwendung findet, und ich denke, dass das zu pauschal über einen Kamm geschoren wurde. Natürlich gibt es immer Leute, die sich auch auf Conventions so kleiden, aber das hat dann mit Aufmerksamkeit zu tun, nicht damit einen Charakter darzustellen, was ja die eigentliche Intention von Cosplay (costume play) ist. Ich finde es daher schade, dass für Unwissende nur das Bild einer "Sex-Maske" hängenbleiben könnte.
Auch wenn es also ein paar Sachen gibt, die mich stören, und man für 4,5* plädieren könnte, war das Buch einfach super spannend. Ich wollte es nicht aus der Hand legen, bin damit eingeschlafen und habe es gerne wieder aufgenommen, und das macht im Endeffekt einen guten Krimi aus. Außerdem merkt man einfach an der Art und Weise wie alles geschrieben und durchdacht ist, dass die Autorin nicht nur sehr lange im Geschäft ist, sondern ihr Handwerk auch beherrscht. KI ist bestimmt nicht mein liebstes Thema, aber es ist modern, es geht mit der Zeit und ich war wirklich gut unterhalten.