Am Steuer seines Lebens lenkt man doch meist vergebens Mit 15 hatte er der Neuen Deutschen Welle den Hit »Fred vom Jupiter« beschert und darauf hin beschlossen, sein Leben der Kunst zu widmen. Inzwischen kennt sich Andreas Dorau sehr gut aus im deutschen Kunstbetrieb. Mit Sven Regener als Ghostwriter erzählt er unglaubliche Geschichten aus seinem Leben. Andreas Dorau hat ziemlich viel erlebt. Er kennt den rasanten Aufstieg genauso wie das von der Fata Morgana des Werkbegriffs geleitete Durchschreiten der Ebene. Mit 15 bescherte er der Neuen Deutschen Welle ihren mutmaßlich exzentrischsten Hit: »Fred vom Jupiter«. Mit 30 verwirrte er die Münchener Filmhochschule mit seiner Abschlussarbeit »Schlag dein Tier« – eine fröhliche Quizshow, in der Menschen gegen ihre Haustiere antreten (und bei der natürlich immer die Tiere gewinnen). Mit seiner Oper »Die Überglücklichen« löste er einen Tumult unter Tierschützern aus, weil einige Fische zum Ensemble gehörten.Und als er mit ein paar Freunden den Hinkelstein von Rammstein aus dem Fenster seiner Plattenfirma schmiss, fand das nicht jeder lustig. Wenn Andreas Dorau erzählt, dann sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus. Und man durchlebt mit ihm einen Streifzug durch die deutsche Musik- und Unterhaltungsbranche, der sich gewaschen hat. Das liest sich alles natürlich besonders scharf durch die Brille von Sven Regener.
Was ich recht schade fand, war das chronologische Chaos, wenn ich das mal so bezeichnen darf. Statt die Anekdoten zu sortieren, schien alles ziemlich durcheinander. Gewollt? Wahrscheinlich. Spielt auch keine große Rolle, denn die Anekdoten sind zwar ganz nett zu lesen, aber mehr auch nicht.
Die Musik der Neuen Deutschen Welle ist die Musik meiner Kindheit. Nicht etwa, weil ich in den frühen Achtzigern aufgewachsen bin, sondern, weil es die Musik meiner Eltern war und ich in der Grundschule keine Lust auf Girl- und Boygroups hatte. Bis heute denke ich, dass es nicht die schlechteste Musikwahl für Kinder ist: SEHR eingängige Melodien, SEHR eingängige Texte. Dass letzteres aber mitunter auch daran lag, dass die Songs teilweise selbst von Kindern geschrieben wurden, habe ich erst durch dieses Buch gelernt. Andreas Dorau erzählt darin, wie er – mehr oder weniger unfreiwillig – dank der Projektwoche „Wir machen einen Popsong“ und dem daraus entstandenen „Fred vom Jupiter“ der Kinderstar der Neuen Deutschen Welle wurde. Und von dem Versuch, der Musikwelt mithilfe eines irrsinnig langen und versoffenen Filmstudiums zu entfliehen – nur, um dann in den Neunzigern als Musiker zurückzukehren. Viele Anekdoten (und Zahlen) aus der damaligen klingen dabei aus heutiger Sicht so absurd, dass man sie kaum glauben mag: Etwa, wie einfach es war, die Charts zu manipulieren (= man besteche die Plattenverkäufer einfach mit einen Goodie). Das Ganze wird von Sven Regener erzählt und wie alle Regener-Bücher liest sich das ja immer ein bisschen so, als würde man mit ihm in einer viel zu verrauchten Kneipe am Tresen hocken. Ach, ein großer Spaß.