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Diffuses Licht: Roman

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Nach der Scheidung der Eltern lebt Tom mit seiner Mutter wie in einer Wohngemeinschaft zusammen, und mit Till hat er auch die Hürde des Coming-out locker überstanden. Die Frischverliebten fahren in den Urlaub, doch als sie zurückkommen, ist etwas Furchtbares Toms Mutter hat Selbstmord begangen. Tom lernt, dass Nähe und Verlust zusammen gehören, und aus Angst vor weiteren Enttäuschungen zieht er sich in seine Kifferträume zurück. Ein halbes Leben rauscht wie hinter einer Glasscheibe an ihm vorüber, bis ihn eine neue Katastrophe aus der Apathie reißt. Flokatis, Jimi Hendrix und leichte die "fetten" 1970er und 1980er Jahre nehmen in diesem Roman noch einmal Gestalt an. Meyer-Sievers hat mit Tom einen charmanten Antihelden geschaffen, der am liebsten ein Pfeifchen reinzieht und den großen Durchblick sucht. Am Ende gelingt ihm das auch, doch anders als erwartet.

240 pages, Kindle Edition

First published February 18, 2015

4 people want to read

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Olav Meyer-Sievers

3 books14 followers

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Profile Image for Klaus Mattes.
718 reviews10 followers
December 27, 2024
Hamburg zwischen 1962 und 2002. Genre: Autobiografie eines WG-Bewohners, Kiffers, schwulen Vaters, Klinikfotografen und Leichenredners

Olav Meyer-Sievers hat in so vielen Vorträgen und Presseterminen Sequenzen aus dem Buch nacherzählt, dass wir mittlerweile wissen: Was drinsteht, ist sein eigenes Leben. Das klingt erst mal nicht übel: Einer hat in seiner Jugend die Schule abgebrochen, viel gekifft, auch LSD genommen, in der WG seine lebenslange lesbische Freundin kennen gelernt, Fotograf gelernt, Jahre lang als Bauwerkefotograf für eine Hamburger Behörde gearbeitet, wo es gang und gäbe war, ein Drittel der Arbeitszeit beim Shopping, im Hallenbad, im Kino, im Café, auf Spaziergängen zu verbringen, dort eine jüngere Frau kennen und lieben gelernt, die von ihm schwanger wurde, obwohl sie von Anfang an wusste, dass er schwul ist, dann einen Freund gehabt, der sich umgebracht hat, Singen gelernt, als Krankenhausfotograf für OP, Krebsgeschwulste, Amputationen mehr Arbeit, aber auch mehr Geld erhalten, anschließend ins Organisieren von Events (Betriebsfeiern, Produktpräsentationen) eingestiegen, es zum Kreativdirektor einer großen Firma gebracht, sich selbstständig gemacht. Und am Ende ist er nun Trauerredner und ehrenamtlicher Krisenhelfer fürs DRK. Leute, deren Liebste sich umgebracht haben oder solche, deren Leben durch Krankheit oder Schuld eine unumkehrbare Verlusterfahrung erleidet, können sich ihn als Beistand wählen.

„Dein Leben war so voll, darüber könntest du ein Buch schreiben“, sagen manchmal die Freunde zu so einem. Aber eine Autobiografie! Die natürlich kaum jemals irgendwer lesen würde. Wer kennt schon Herrn Meyer-Sievers aus Harburg? Er und der Männerschwarm Verlag wollten jedoch, dass es zum Roman taugt. Von daher zeigt das Buch nun gut auf, wie unverträglich die beiden Genres - Roman und Memoirenbuch - sich zu einander verhalten. Dass es irgendwann haken wird, wenn man sein Erlebtes aus gut und gerne vier Jahrzehnten zu einer 220 Seiten langen „Geschichte“ ernennt.

Die Geschichte, die Meyer-Sievers uns am liebsten erzählt hätte (sie hat er deswegen auch den Zeitungen erzählt), wäre, dass ein Junge, der seit der Scheidung der Eltern allein mit seiner depressiven Mutter ist, als er 17 Jahre alt ist, sein schwules Coming-out gepackt und einen netten Freund gefunden hat, durch den Suizid dieser Mutter den Boden unter den Füßen verliert. Fatal wiederholt sich dieser Schock nach etwa 15 Jahren noch mal, als sein Freund (nicht mehr der Erste) sich tötet. Nach dem ersten Verlust hatte der Jüngling sich vor dem Leben abgekapselt, war in seine eigene Kiffer-Traumwelt abgedriftet, aus welcher ihn schließlich die beste Freundin rausholte. Sie ist es dann auch, die nach dem zweiten Suizid seine depressiven Schübe bemerkt und ihn überredet, eine Therapie zu machen. Der im Roman den Namen Tom Mends tragende Protagonist nimmt den Kampf gegen den Tod auf seine ganz eigene Weise auf. Er fotografiert schwere Krankheiten. Er hält Reden auf Trauerfeiern. Er unterhält sich mit Depressiven.

Das klingt wieder wie eine „Geschichte“. Ein Roman braucht eine um zu funktionieren. Ein Roman muss einen Plot haben. Wenn sich jeder gute Hollywood-Film in drei Sätze bündeln lässt, muss jeder gute Roman auf eine viertelseitige Inhaltsangabe konzentriert werden können. „Es geht da um das Thema/die Frage … Dingens ...“

Männerschwarm-Verleger Joachim Bartholomae ist nicht derjenige, der glaubt, dass ihm viele Schwule einen Roman über den Selbstmord der Mutter des Erzählers und dessen Rückkehr ins Leben nach dem Selbstmord eines (ihm bereits entfremdeten) Geliebten aus den Lagern rauben werden. Vielmehr kratzt er die verfügbare Chutzpe zusammen und schreibt außen aufs Buch eine etwas andere Geschichte, die wohl etwas besser ziehen würde. Demgemäß ginge es um einen Flashback in die Siebzigerjahre. Mit einem verbummelten Indiahemdträger, der Jimi Hendrix hört und sein Pfeifchen raucht, würden wir alles entspannt auf uns zukommen lassen. Die Absurdität dieser Beschreibung ergibt sich allein schon daraus, dass Tom Mends/Meyer-Sievers ein quecksilbrig ruheloser, sich ewig verwandelnder Charakter und durchaus kein Schlaffi ist. Schlaffis schreiben sowieso nie Romane, das strengt viel zu sehr an und lässt viel zu wenig dabei rumkommen!

Leider stimmt es nicht. Der Roman ist keine nostalgische Tour durch die westdeutschen. siebziger und achtziger Jahre. Und der Roman erzählt auch nicht die große innere Verunsicherung eines schwulen Mannes und wie er aus ihr wieder herausfand. Es ist vielmehr gut gemachter Schnelldurchgang durch allerlei Ereignisse aus dem Leben eines Autors. Der Roman ist mit anderen Worten: kein Roman.

Rasch flitzt es vorbei und nie bleibt was stehen. Dank der Oma sind die Nazis sogar noch mit von der Partie. Dann die Hamburger Sturmflut. Synthiemusik in den achtziger Jahren und die One-Night-Stands in Hamburgs Szeneschuppen. (Schwules Leben erscheint nur ganz selten.) Tom Mends ist äußerst monogam gepolt. Aber wenn man schon weiß, dass die zweite große Krise auf den Suizid eines Freundes, von dem man sich eigentlich schon verabschiedet hatte, folgen wird, muss man doch vorher noch schreiben, warum es diesen Freund überhaupt gegeben hatte.
Eine saftig, schmutzige Sexnummer (unter Angetrunkenen) liest sich beim Hanseaten so:
„Die Nacht mit Mike war großartig, leidenschaftlich, geil. Kein Funken von Unsicherheit oder Verlegenheit. Nähe, Lust, Ekstase. Mann, fühlte der sich gut an, roch der gut, war der sexy! Und: Mann, war es toll, dass Mike mich auch so toll fand! - Irgendwann schliefen wir ineinander verschlungen ein.“


Außerdem steht im Buch nichts oder nahezu nichts davon, wie es war, notgedrungen und aus Verlegenheit den Beruf eines Vaters, dem man übelnimmt, wie er sich aus allem rausgehalten hat, dann selbst noch zu ergreifen: Fotograf. Obwohl man keine Chance hat, den Vater einzuholen und dessen kritischem Blick je genügen zu können. Oder was aus jenen Gesangsstunden dann noch wurde, für die man mindestens zwei Lehrerinnen verbraucht hat. Oder, was das für ein Junge ist, Lukas, der eigene Sohn, den man so liebt, wenn man auch nicht mit ihm leben kann. Klar, verstehen kann man's. Er wollte den jungen Mann nicht ins literarische Buch zerren. Aber dann ist es kein Roman!

In einem Roman geht es um etwas. Der Roman entscheidet sich. Wenn es Figuren gibt, dann, weil sie eine Funktion haben bei der Auffaltung des Themas. Mein und dein Leben ist es dann zwar nicht. Unser Leben ist halt kein Roman.

Zeitweise bechert Mends viel Wein. Dem Shit hat er Adieu gesagt, seit er gemerkt hat, dass der ihn in seiner Vereisung nach dem Mutterverlust gefangen hält. Wir fragen uns jetzt, kommt noch der Abstieg in den Alkohol. Doch nein, das kommt dann nie wieder vor! Sein Kollege in der unterlasteten Behörde, mit dem er immer Karten spielt, der horcht auf, als er hört, dass Tom schwul ist. Der Kollege wirkt total unsinnlich, aber „das Technische“ bei der Sexualität spricht ihn an. Eines Tages lädt er Tom ein, ihn und seine Freundin in einen Swinger Club zu begleiten, aber der monogame Protagonist lehnt ab. Man kann fragen, wieso hat er die Kollegenfigur eigentlich ins Buch genommen. Sie war kurz da, dann verschwand sie wieder.

Vielerlei Ingredienzen, aber nie klebt es sich zu einem Pudding. Das ist dem Autor irgendwann auch noch klar geworden. Also holt er immer wieder mal die Omaka, seine Großmutter mütterlicherseits, aus der Kiste. Mit Alzheimer im Pflegeheim begrüßt sie am Ende den eigenen Schwiegersohn als Nazigröße. Wieder eine Figur, die mal da ist, und wir begreifen nie, welche Funktion sie für die Erzählung eigentlich haben sollte. Arbeitsmäßig gibt es gegen Ende hin viele Montagetage und dann auch Beerdigungen. Somit ergeben sich Gelegenheiten, den alten Schulfreund und selbst den in den fünfziger Jahren schon alt erschienenen Nachbarn noch einmal zu sehen. Toms Sohn Lukas lernt Toms erste Flamme kennen und findet, der könnte sich als Schwiegerpapa gut für ihn eignen, doch Tom ist skeptisch und somit tritt der erste Freund schon wieder ab.

Ich hoffe, es ist klar geworden, was ich meine: Es ist nicht übel gemacht, aber es ist durchaus kein Roman. Und darum fesselt es einen überhaupt nicht. Man wartet ein halbes Buch lang, dass die Geschichte endlich anfängt, und resigniert dann, es gibt keine. Nur des Autors Aufruf, als Lebensberater: Man kommt auch aus tiefen Krisen wieder gesund raus!
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