Därvarns Reise von Mats Wahl, 1996 mit dem Deutschen Jugenbliteraturpreis ausgezeichnet
Aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch
Ich habe ja eine Schwäche für Literatur aus Nordeuropa und liebe Bücher, die auf Inseln spielen. Därvarns Reise vereint diese beiden Vorlieben und ist zudem sprachlich ein Hochgenuss. Ich kann diesen Jugendroman allen sehr empfehlen, die stimmungsvolle und eindrückliche Romane in einem winterlich-nordischen Setting mögen. Mich hat das Buch tief beeindruckt und ich habe viel über das harte und einfache Leben anfangs des 17. Jahrhunderts auf der heute zu Schweden gehörenden Insel Farö gelernt. Mats Wahl gelingt es, sich sprachlich virtuos der Zeit anzupassen, in der diese aussergewöhnliche und auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte spielt.
“Vor ihnen klaffte ein Spalt im Eis. Der Spalt war so breit, daß Lars Thorbiörnsson nicht einmal mit einem guten Wurf einen Stein hätte hinüberwerfen können. Sie standen auf dem Eiswall, Kari Simesdotter und Lars Thorbiörnsson. Unter ihnen wogte das dunkle, schäumende Wasser.”
Der junge Lars Thorbiörnsson, von allen nur Därvarn, der Verderber, genannt, bricht mit den anderen Männern des Dorfes zu einer winterlichen Robbenjagd auf dem Eis auf. Mit dabei ist auch die schöne, eigensinnige Kari Simesdotter, die gesellschaftlich weit über Därvan steht und bereits standesgemäß verlobt ist. Dies verhindert jedoch nicht, dass Kari und Lars sich zueinander hingezogen fühlen. Als das Eis bricht, treiben die Jäger im Meer, Kari und Lars auf einer eigenen Scholle. Es beginnt ein harter Kampf ums Überleben. Während die Zurückgebliebenen im Dorf beten, treiben Kari und Lars immer weiter von Farö weg.
Mit Därvarns Reise hat Mats Wahl das Romeo-und-Julia-Motiv in das skandinavischen Spätmittelalter verlegt und einen Roman geschaffen, der in meinen Augen auch von Erwachsenen mit grossem Gewinn gelesen werden kann. Die historischen Wurzeln fand der auf Gotland aufgewachsenen Autor auf Votivtafeln in der Kirche von Farö, die zeigen, dass immer wieder Robbenjäger auf Eisschollen aufs Meer hinausgetrieben worden sind.
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