Die Umstellung auf »Kriegswirtschaft« bindet gesellschaftliche Ressourcen, Infrastrukturausgaben werden dem Ziel untergeordnet, auch Bahn und Autobahnbrücken kriegstüchtig zu machen. Mit der Militarisierung des Alltags werden Krankenhäuser, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk systematisch auf Krieg vorbereitet, Hochschulen sollen mit der Bundeswehr und Rüstungskonzernen kooperieren. Neue Munitionsfabriken werden medienwirksam eröffnet, die Krise der Autoindustrie soll genutzt werden, um Straßenbahn- und Autofabriken in Rüstungsbetriebe zu verwandeln.
Die Bundeswehr lässt nicht nur bei Schauveranstaltungen Menschen auf Panzern herumklettern, sondern wird auch in Schulen zugelassen, um gezielt Kinder und Jugendliche früh mit Militärischem vertraut zu machen. Pizzakartons, Bäckertüten in Supermärkten tragen das Militärische auf die Tische von Familien.
Private und öffentlich-rechtliche Medien unterstützen diese Entwicklung. Ingar Solty beschreibt das ganze Ausmaß der Inneren Zeitenwende, seine Sorge ist, dass sie Geister hervorruft, die Deutschland nicht mehr loswird.
Pflichtlektüre für alle, die sich mit der aktuellen Weltkriegsvorbereitung der westlichen Staaten auseinandersetzen wollen. Selbst ich, der sich täglich mit dies unsäglichen Thema befassen muss, habe noch viel Neues dazu gelernt, zB über die sehr konkreten Pläne der Charité, 1.000 verwundete Soldaten am Tag zu versorgen. Außerdem bekommt man nochmal eine kleine Auffrischung, was für rechtsradikale Sachen die Politiker:innen der Mitte so sagen.
Eine Starke Flugschrift gegen die Militarisierung und ihre ideologischen Schützenhelfer. In 11 kurzen Kapiteln zeigt Solty in welche Bereiche die Militarisierung vordringt (Schulen, Krankenhäuser, Pizzerien, Universitäten), mit welch heftiger Repression im Namen der Demokratie gegen die vorgegangen wird, die ihre Stimme dagegen erheben und wie sich eine postliberale, autoritäre Wende vor unseren Augen vollzieht. Solty zeigt, mit welchen rhetorischen Kniffen Politiker*innen jeder coleur die Unterordnung des Individuums unter die Staatsgewalt als “sinnstiftend” oder auch einfach nur “unabdingbar” verkaufen, ohne dabei je in Gefahr zu geraten die eigenen Kinder an der Front zu verlieren. Insbesondere das Kapitel zur Mobilmachung des Nachwuchses ist bitter zu lesen. Treffend, wenn es heißt, jahrelang habe man diskutiert, ob Jugendliche Egoshooter spielen dürfen, jetzt kann man es kaum erwarten, sie mit scharfer Munition in der Kaserne auszurüsten.
Bei den vielen aneinandergereihten Zitaten ist es zwar manchmal erforderlich konzentriert zu lesen, um den Faden nicht zu verlieren, diese Schreibart hat aber den Vorteil, dass man die Gleichgültigkeit jeder Menge Journalist*innen und Politiker*innen gegenüber dem Leben nochmal im O-Ton nachvollziehen kann.
Guter Überblick über die Rückkehr der Deutschen zur offenen Kriegsgeilheit in den letzten Jahren. Sehr journalistisch, d.h. Solty zählt viele kleinteilige Fakten und Entwicklungen auf, ist aber in der theoretischen Durchdringung dieses Stoffes eher oberflächlich und kurz angebunden. Insofern ein guter Steinbruch für tiefergehende Arbeiten.
Ein paar Mal kommt Solty auf den Genozid an den Palästinenser:innen durch Israel zu sprechen und meidet jedes Mal die Bezeichnung des Völkermordes. Meines Erachtens zeigt sich da auch bei ihm die innere Zeitenwende.
Ingar Solty beschreibt in bündigen Kapiteln sachlich und deshalb umso erschreckender die zunehmende Militarisierung der verschiedenen Gesellschaftsbereiche. Zum einen ruft es so viele schreckliche Aussagen von irgendwelchen Politikern in Erinnerung, die ich schon ganz verdrängt hatte, zum anderen habe ich auch sehr viel neues gelernt. Am besten fand ich das Kapitel über liberalen Revanchismus und Autoritarismus, das verständlicher macht, wieso die ganzen Grünen-Wähler*innen jetzt für eine Mega-Aufrüstung sind –aber selbst nicht kämpfen würden
Super Buch um die Aufrüstungseuphorie nachzuvollziehen mit schockierenden Aussagen und Aktionen, die aufzeigen, wie im Namen des Kampfes gegen einen autoritären Staat der eigene Staat immer autoritärer wird und dabei dem Rechtsextremismus den Boden bereitet. Solty stellt gut dar, wie die Aufrüstung Deutschland schon jetzt schadet und schaden wird. Im Geiste wie wirtschaftlich (das ist ja das Wichtigste!).
Er zeigt die Absurdität auf, von bspw. dem Tag der Bundeswehr, an dem Kinder durch Panzer klettern (wie auch am Tag der deutschen Einheit in Saarbrücken) und auch selbst mal Scharfschütze "spielen dürfen", die Präsenz von Bundeswehr ab dem Kindergarten und die Repression, die Schüler erfahren, die sich dagegen wehren, von Popcorn- und Eistüten sowie Pizzakartons mit Tarnfarben und flotten Sprüchen und so weiter. Der Militarismus rückt immer weiter in den Alltag.
Solty stellt dar, wie bspw. Militärexperte Sönke Neitzel tickt, der sich gegen eine Umbenennung von nach Nazis benannten Kasernen stark macht, weil diese bspw. "einer der erfolgreichsten deutschen Nachtjäger" und "als Flieger und Truppenführer ein Vorbild war(en)". Frei nach dem Motto: Wir sind gegen Nazis, weil die haben verloren. Auch wird die mediale Berichterstattung treffend kritisiert, die nicht als prüfende, sondern stützende Gewalt fungiert, welche eher noch mehr Militarismus fordert oder beeindruckt von Scharfschützen-Weltrekorden berichtet. Dinge, die man eigentlich gar nicht glauben möchte.
Man erkennt in der Argumentation des Staates zur Kriegstüchtigkeit dasselbe Verhalten wie das gegen die AfD. Autoritarismus, Menschenfeindlichkeit, beschworene Staatstreue gegen jeden Abweichler. Das Falsche machen, damit es nicht die Falschen machen. Wenn man den Autoritarismus bekämpft, indem man ihn nachmacht, was macht man dann eigentlich?
Für alle, die die wichtigsten Infos zur Kriegsvorbereitung der Bundesrepublik überblicken und die teils wirklich heftigen Aussagen von Journalisten und Politikern der letzten Jahre zusammengefasst lesen möchten. Gerne kann man dieses Buch an Bekannte, die die „Innere Zeitenwende“ bereits vollbracht haben oder gerade dabei sind, verleihen. Wie bereits in einem anderen Review erwähnt, hätte Ingar den Genozid an den Palästinensern auch gerne beim Namen nennen können, wobei er die Kriegsführung schon „genozidal“ nennt.
Absolute notwendiges Buch. Die gesammelten Zitate von Journalisten und Politikern sind krass. Würd's gerne jedem schenken der: "aber, wir müssen uns doch gegen ... wehren können" im Munde führt, um die 'Kriegstüchtigkeit' zu rechtfertigen
Sehr gute Zusammenfassung der inneren Mobilmachung, gefüllt mit Beispielen und Aussagen von Politikern und Journalisten, die eventuell an einem vorbeigegangen sind.