Die Umstellung auf »Kriegswirtschaft« bindet gesellschaftliche Ressourcen, Infrastrukturausgaben werden dem Ziel untergeordnet, auch Bahn und Autobahnbrücken kriegstüchtig zu machen. Mit der Militarisierung des Alltags werden Krankenhäuser, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk systematisch auf Krieg vorbereitet, Hochschulen sollen mit der Bundeswehr und Rüstungskonzernen kooperieren. Neue Munitionsfabriken werden medienwirksam eröffnet, die Krise der Autoindustrie soll genutzt werden, um Straßenbahn- und Autofabriken in Rüstungsbetriebe zu verwandeln.
Die Bundeswehr lässt nicht nur bei Schauveranstaltungen Menschen auf Panzern herumklettern, sondern wird auch in Schulen zugelassen, um gezielt Kinder und Jugendliche früh mit Militärischem vertraut zu machen. Pizzakartons, Bäckertüten in Supermärkten tragen das Militärische auf die Tische von Familien.
Private und öffentlich-rechtliche Medien unterstützen diese Entwicklung. Ingar Solty beschreibt das ganze Ausmaß der Inneren Zeitenwende, seine Sorge ist, dass sie Geister hervorruft, die Deutschland nicht mehr loswird.
Pflichtlektüre für alle, die sich mit der aktuellen Weltkriegsvorbereitung der westlichen Staaten auseinandersetzen wollen. Selbst ich, der sich täglich mit dies unsäglichen Thema befassen muss, habe noch viel Neues dazu gelernt, zB über die sehr konkreten Pläne der Charité, 1.000 verwundete Soldaten am Tag zu versorgen. Außerdem bekommt man nochmal eine kleine Auffrischung, was für rechtsradikale Sachen die Politiker:innen der Mitte so sagen.
Guter Überblick über die Rückkehr der Deutschen zur offenen Kriegsgeilheit in den letzten Jahren. Sehr journalistisch, d.h. Solty zählt viele kleinteilige Fakten und Entwicklungen auf, ist aber in der theoretischen Durchdringung dieses Stoffes eher oberflächlich und kurz angebunden. Insofern ein guter Steinbruch für tiefergehende Arbeiten.
Ein paar Mal kommt Solty auf den Genozid an den Palästinenser:innen durch Israel zu sprechen und meidet jedes Mal die Bezeichnung des Völkermordes. Meines Erachtens zeigt sich da auch bei ihm die innere Zeitenwende.