Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie lässt alles hinter sich und fängt von vorne Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Es erscheint Michelle zum ersten Mal möglich, ein sorgloses Leben zu führen. Aber es wäre kein Buch von Ruth-Maria Thomas, wenn nicht alle schönen Gewissheiten irgendwann gehörig ins Wanken gerieten ...
Mit großer Sogkraft und berückender Leichtigkeit erzählt das Hörbuch von Aufstiegswünschen, Abstiegsängsten und von der Frage, was Freiheit und Sorglosigkeit für einen Preis haben.
Ruth-Maria Thomas, born in 1993 and raised in Cottbus, worked as a social worker in youth services. She studied at the German Literature Institute in Leipzig and is a co-founder of the erotic literature magazine Hot Topic!. In 2022, she was a finalist in the Open Mike competition.
dieses buch spricht so schlau und differenziert über klasse als würde man mit bourdieu höchstpersönlich sprechen, gleichzeit hat es mein herz in 1000 teile zerfickt
Henry stammt aus einer Welt, in der ihm Türen ganz selbstverständlich offenstehen. Shelly hingegen wächst in einer Realität auf, in der Träume allein nicht ausreichen. Sie muss jeden Tag gegen finanzielle Sorgen und strukturelle Hürden ankämpfen.
Die beiden verlieben sich, doch ihre Beziehung wird immer wieder von den unterschiedlichen Lebensrealitäten geprägt, aus denen sie stammen.
Mit „Die zweitgrößte Liebe“ hat Ruth-Maria Thomas einen fein beobachteten Roman über soziale Ungleichheit und Klassismus geschrieben. Sie zeigt eindrücklich, wie sehr die eigene Herkunft eine Beziehung prägen kann – und wie schwer es ist, einander zu verstehen, wenn man in völlig unterschiedlichen Welten aufgewachsen ist.
also nur durch Wörter so ein beklemmendes Gefühl in meiner Brust auszulösen, mich komplett in die gegensätzlichen Gefühle der protagonist*innen reinzuziehen, das muss man erstmal schaffen! Tolles 2. Buch
Michelle ist in Armut aufgewachsen und arbeitet nun in einem Hamburger Luxushotel als Rezeptionistin. Dort begegnet sie Henry und gemeinsam mit ihm scheint plötzlich ein sorgloses, unbeschwertes Leben in Reichweite. Doch statt einer Cinderella-Geschichte erzählt Thomas von den Schwierigkeiten für Michelle, selbstbestimmt zu leben und zu lieben.
Thomas kann aus meiner Sicht einfach richtig gut schreiben und auch dieser Roman war für mich wieder ein Highlight. Ich bin regelrecht durch die Seiten gerauscht, habe mich in die komplexen Charaktere eingefühlt und die Sprache genossen, die mal rau und mal ganz zärtlich-poetisch ist. Besonders gut gefallen hat mir, wie anschaulich beschrieben wird, wie eine Klassengesellschaft auf der Mikroebene funktioniert – da muss man Bourdieu eigentlich gar nicht mehr lesen.
Thomas schreibt so, dass man als Leserin ständig mitdenken und sich immer wieder neu eine Meinung bilden muss, gleichzeitig aber unglaublich soghaft. Für mich war der Roman wieder ein absolutes Highlight von Ruth-Maria Thomas!
Ich mochte den Schreibstil, bin durch die Seiten geflogen und hatte viele Bilder im Kopf. Ich mochte Henry sehr, seine Perspektive und sein (Un)Verständnis angesichts seiner finanziellen Lage finde ich sehr realistisch dargestellt. Auch seine Versuche sie glücklich zu machen und seine Gefühlslage finde ich sehr nachvollziehbar. Michelle hingegen finde ich recht stereotyp dargestellt an vielen Stellen, ich habe das Gefühl der Charakter soll einer gewissen Ästhetik folgen mit viel Zigaretten, Sex und Zerrissenheit. Der angedeutete Wandel kommt bei mir nicht rüber genauso wenig wie die Chemie zwischen den beiden. Ich glaube ihr nicht, dass sie Gefühle zulassen wollte oder sogar gefühlt hat. Vielleicht war das das Ziel der Autorin, jedoch hätte sie dann einen Schwerpunkt auf Michelles Bindung legen sollen und nicht "nur" ihre finanzielle Situation wiederholen. Ich habe das Gefühl das Buch soll möglichst tief gehen und zum Denken anregen, dafür hätte die Autorin in meinen Augen etwas mehr auf die individuellen Gefühle und Bindung eingehen sollen ausgehend von der finanziellen Situation.
Mishelle und Henry verlieben sich mehr oder weniger auf den ersten Blick ineinander. Sie haben gute Gespräche, guten Sex und ziehen dann sogar zusammen. Doch eine Sache trennt sie permanent: ihr sozioökonomischer Hintergrund. Henry kommt aus einer wohlhabenden Familie und hat durch Erbe und eigene Arbeit all in all ein Vermögen von einer Millionen. Mishelle hingegen kommt aus prekären Verhältnissen mit einer alleinerziehenden Mutter. Jeder Cent wird in ihrem Kopf mehrfach umgedreht, da sie hoch verschuldet ist. Wenn Geld für Henry keine Rolex spielt ist doch alles tutti, sollte man meinen. Doch je länger die beiden zusammen sind, desto deutlicher wird der Graben zwischen ihren vererbten Prägungen und Startbedingungen.
Ruth Maria Thomas nutzt in ihrem zweiten Roman wieder eine Liebesbeziehung um auf ein gegenwärtiges Problem hinzuweisen: die Ungerechtigkeit der sozialen Herkunft, die in Deutschland nachgewiesenerweise sehr gravierend ist. Dies vollbringt sie mit zwei komplexen Hauptfiguren, die in ihrer Zerrissenheit und Prägung sehr authentisch dargestellt sind. Es gelingt ihr dabei, dass man nicht unbedingt mit einer Seite/Klasse sympathisiert. Man versteht Segen und Fluch beider Prägungen. Dadurch öffnet Thomas einen literarischen Raum, der Verständnis schaffen kann. Wie schon in ihrem ersten Roman biedert Thomas sich nicht bei den Leser*innen an, setzt nicht gewollt auf popkulturelle Moden, um ja viele Bücher zu kaufen. Ihr geht es um die Sache und um den Text. Beides transportiert sie durchaus komplex, ambivalent, teilweise schonungslos und dadurch authentisch. Ihre Sprache und ihr Blick fürs Detail sind dabei immer wieder wunderschön und alltagsklug. Ruth Maria Thomas ist für mich eine DER Autor*innen der Gegenwart. Ich hoffe, sie greift sich noch viele weitere gesellschaftskritische Sujets.
ich liebe diese frau 🥹 also ihr erster roman hat mich ja schon komplett mitgenommen, der hier war genauso gut aber auf eine andere art und weise. ich bin jedes mal so beeindruckt davon, wie sie gefühle und kleine empfindungen ihrer charaktere aufnimmt, zwischen die zeilen schaut, dinge sieht wo ich dachte nur ich denke so. ich finde mich auch immer ein kleines bisschen wieder in der art wie ihre charaktere denken. einfach ganz tolles und wichtiges buch mit super viel tiefe. genauso so sollte literatur sein!!
Natürlich könnte man jetzt dezidiert darüber schreiben, wie klug Thomas hier eine Liebe skizziert, die vor dem Hintergrund von Chancen, Gerechtigkeit und Klasse nicht ungleicher sein könnte, aber ganz ehrlich: I support women‘s rights and wrongs und ganz besonders Shellys wrongs, hahahaha.
Ich liebe es, wie absolut kompromisslos Shelly dabei ist, sich das zu holen, was ihr aus ihrer Sicht zusteht. Ja, sie mag arm aufgewachsen sein, aber Thomas zeigt hier gleichzeitig auch eine Hauptprotagonistin, die sich eben nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und schlicht nicht bereit ist, diese Ungleichheit hinzunehmen, die sie nie selbst verursacht hat. Die Art, wie drastisch Shelly vorgeht, ist einfach iconic.
Was mir in den Rezensionen doch etwas fehlt, ist der mentale Blick auf Shellys Situation, denn am Ende entscheidet sie sich sicher nicht nur aufgrund von Henrys fehlendem Klassenbewusstsein gegen ihn, sondern weil sie ihn nicht liebt und nie geliebt hat. Sie liebt insbesondere sich selbst und ihre Freiheit als höchsten Wert. Das zeigt sie mit ihrem Verhalten eigentlich ziemlich konstant. Sie genießt das Funkeln, was er in ihr auslöst, mag den Sex, die Gespräche, die Sicherheit in ihrem Leben, seine Hingabe - aber ihn als Menschen in seinem Sein nimmt sie hin, statt ihn zu schätzen. Während des gesamten Romans wird anhand ihres Bindungsverhaltens immer wieder deutlich, dass sie keine verlässliche Protagonistin ist, denn ich bin mir sicher, dass sie ihn auch dann verlassen hätte, wenn er sie und die soziale Ungerechtigkeit zwischen ihnen wirklich verstanden hätte. Sie ist kein Mensch, der sich an andere Menschen außer ihren Bruder bindet.
Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Lebensentwürfe nicht nur zwischen schwarz-weiß gewandelt wären, denn es gibt Klassenmobilität, nur halt in Henrys Richtung deutlich, deutlich seltener. Ich verstehe aber auch, dass das nicht der Fokus des Buches war, es hätte dem Buch aber keinen Abbruch getan, auch diese Perspektive einzubringen.
Unabhängig davon, habe ich dieses Buch SO genossen. Mit Abstand das Beste in diesem Jahr bisher. So klug, poetisch und schnelllebig geschrieben. Es hatte mich ab der ersten Seite und hat mir so, so viel besser gefallen als „Die schönste Version“. Ich kann es kaum erwarten, das nächste Ruth-Maria Thomas Buch in den Händen zu halten. Ein Fest!
oha!!!!!!!!! gibt schon einiges, was mir nicht so gefallen hat, aber overall wirklich ein starkes buch, was mich, denke ich, ewig begleiten wird. class + relationships + motherhood ……. meine ewigen themen in einem roman ❤️
Hab’s als Hörbuch gehört und war ehrlich gesagt einfach froh, als es durch war. Die Charaktere haben mich zunehmend genervt und ich konnte nichts aus dieser Beziehung ziehen. Verstehe auf jeden Fall die Idee und Hintergründe der Geschichte, fande aber die Zwischen-Anekdoten (Viertel Jahr des Lebens verschlafen, die Unfall- Begleitung etc.) am interessantesten und sonst hat sich die Geschichte zu sehr gezogen.
3,75* Alsooo… Ich mochte das Buch insgesamt gern und vor allem die Auseinandersetzung mit Klasse und Geld. (Von diesen Beobachtungen zu Armut kann Caro Wahl in 22. Bahnen nur träumen). Gerade die Beobachtung dass oft ausgerechnet diejenigen, die Geld haben, behaupten Geld spiele in Beziehungen doch eigentlich keine Rolle fand ich sehr klug.
Die Liebesgeschichte war mir irgendwann aber nur noch egal. Ich konnte von Anfang an nicht so ganz nachvollziehen warum diese beiden Menschen zusammen sind außer das beide irgendwie über Verletzungen und Verluste gebondet haben. Man erfährt also die ganze Zeit wahnsinnig viel darüber was den beiden passiert ist welche Verluste sie erlebt (und ja äh das mit der Frau und dem Unfall?! Wtf wie random) haben aber erstaunlich wenig darüber, was sie eigentlich als Menschen ausmacht. Was mögen sie aneinander und was macht sie liebenswert? Welche kleinen perks haben sie außer das Michelle viel raucht und gern Leute provoziert mit hot takes und Henry gelegentlich wenn er überfordert ist in den Szenen seine Brille putzt? Das ganze “Du hast Geld ich hab keins daher ist es kompliziert” ist wahr aber wurde für mich ein bisschen redundant weil die Konflikte immer die gleichen sind (ist auch wieder schlau von Ruth Maria Thomas weil es in Beziehungen ja oft um das gleiche Problem geht aber es ist halt bisschen langweilig zu lesen…).
Naja ich glaube jedenfalls das Buch wird vielen Leuten sehr gut gefallen (hat es mir ja auch aber bisschen hinter dem Hype). Würde aber jedes Buch von ihr immer lesen weil sie wirklich gut schreibt!
Ruth-Maria Thomas weiß einfach, wie man schwere Themen in so schöne Sprache verpackt, dass man gar nicht aufhören möchte zu lesen, obwohl man längst Herzschmerz hat
Hab bisher nur die Leseprobe auf dem Kindle gelesen, und weiss ja nicht so recht. „Die schönste Version“ hatte mich von Seite 1 an begeistert. Bin gerade nicht bereit, die 18€ dafür zu zahlen. Vielleicht später 🙈
4.75 🌟 // vorbestellt, am erscheinungstag abgeholt & direkt auf einmal durchgelesen - so ein toller, tiefgreifender, schlauer roman! grosse grosse empfehlung meinerseits.
zum inhalt: im gegensatz zu …caroline wahl… setzt thomas sich distinguiert und feinfühlig mit den themen klasse, armut und einfluss derer auf das gesamte leben auseinander & fängt scharfsinnig die probleme ein, die klassenunterschiede in einer beziehung produzieren können/werden. die charaktere sind ehrlich und tiefgründig geschrieben & wirken an keinem punkt des romans eindimensional.
zu erzählung & sprache: die autorin schreibt an einigen stellen fast schon stream of consciousness artig & lässt tief in das innenleben von shelly blicken. jedes wort ist klug gewählt & erfüllt seinen zweck!
fazit: lest alle dieses und auch ruth-maria thomas‘ erstes buch - sie sind beide fantastisch!!!
4,5 🌟 Ich hab Shelly schon sehr gefühlt: Abgehobenheit & Selbstverständlichkeit bzgl. Geld im Bekanntenkreis vs. schlechtes Gewissen über neue eigene finanzielle Spielräume; hat mich erinnert an das Abwägen von finanziellen Ausgaben von Leuten, die monatlich Hunderte von € in ETFs investieren und volle Sparkonten haben. Außerdem: die Arroganz gegenüber Jobs im Dienstleistungsbereich. „Und Henry dachte, sie schämte sich.“
Ruth-Maria Thomas schreibt so leicht und fesselnd über schwere Themen und auch die Sprache mochte ich ungemein, einfach ein wunderschöner Schreibstil.
Ich bin schnell eingetaucht in die Beziehung von Michelle und Henry, ihre Sichtweisen, Herkünfte und welche Ängste Armut, Reichtum und Unterschiede eine Rolle in einer Paarbeziehung einnehmen kann. Richtig ernst konnte ich die beiden irgendwie nicht nehmen, für mich eine fast kindische Entwicklung und keine gelebte gemeinsame Partnerschaft auf Augenhöhe. Schade und daher fehlte mich ein Tiefgang, den ich aus ihrem Debut so toll fand!!
das Hörbuch ist sehr empfehlenswert und wird fast poetry slamartig gesprochen, ganz toll!
der Schreibstil hat mir hier richtig gut gefallen, aber leider hat mir die Geschichte allgemein von Michelle und Henri nicht so zugesagt. und ich hatte Schwierigkeiten dem Verlauf der Geschichte zu folgen und ich hatte das Gefühl, dass Szene oft springen und sich ändern, ohne das es ausreichend erzählt wird. habe manchmal nicht verstanden, worum es gerade geht, wer mit wel spricht, wo man sich aktuell befindet (vergangenheit, gegenwart, zukunft).
Mishelle und Henry, Ost und West, Arm und Reich. „Die zweitgrößte Liebe“ verspricht einen Roman über Liebe und soziale Ungleichheit - enttäuscht jedoch sehr durch Klischees, Wiederholungen und nervige Hauptcharaktere. Ihre Entscheidungen wirken oft unreflektiert und ihre Unsicherheit mündet nicht in Wachstum, sondern immer wieder in Selbstmitleidsmomenten. Leider konnte mich die Handlung nicht fesseln und ist nicht so stark wie das Debüt der Autorin.
Ruth-Maria hat es wieder getan! Auch wenn ich das Ende nicht mag, mit Love Stories aktuell nicht umgehen kann, habe ich jeden Satz, jede Seite, jedes Kapitel genossen und wollte nicht, dass es endet. Die Autorin schafft es einfach immer, ihre Protas so vielschichtig und tief zu beschreiben, dass man am Ende wirklich das Gefühl hat sie zu kennen, sie zwischendrin zu lieben, unsympathisch zu finden und sie dann wieder zu verstehen. Ein Roman der Armut nicht romantisiert oder in Klischees erzählt und Chancengleichheit mit der Liebe misst.
In Die zweitgrößte Liebe geht es um die Beziehung zwischen Michelle und Henry. Henry ist mit viel finanziellem Rückhalt aufgewachsen, während Michelle jeden Cent zweimal umdrehen muss. Wir verfolgen, wie die soziale Herkunft immer weiter einen Keil zwischen die beiden treibt und es immer deutlicher wird, wie unterschiedlich ihre Vorstellungen von Geld, Sicherheit und einem „normalen“ Leben eigentlich sind. Und genau diese Unterschiede lassen sich irgendwann auch durch Liebe nicht mehr einfach ausblenden.
Ruth-Maria Thomas gelingt es auch in ihrem zweiten Roman wieder mit schöner Sprache "leicht" über ernste Themen zu schreiben. Beide Figuren sind manchmal anstrengend, aber gerade dadurch sehr greifbar. Auf jeden Fall ein kluges und sehr gegenwärtiges Buch über soziale Herkunft, Liebe und die Frage, wie viel Unterschiedlichkeit eine Beziehung aushalten kann.
Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen. Ich mag, dass das Buch Klassenunterschiede thematisiert und ich beim Lesen immer wieder von Gedanken und Aussagen der beiden geschockt war. Allerdings hat es mich mit der Pace trotz der wenigen Seiten nicht wirklich gecatcht. Am Ende wollte ich dann aber doch wissen, was letztendlich der Auslöser fürs weglaufen war und hab die letzten circa 80 Seiten verschlungen. Ich konnte mich in die Charaktere nicht reinversetzen und hab ihnen die Liebe nicht abgekauft. Aber vielleicht sollte das auch so sein und ich verstehe es nur nicht richtig?
Michelle muss ihren Schmuckladen schließen und wagt einen Neuanfang in einer großen Stadt. Dort arbeitet sie in einem Hotel und kommt finanziell nur knapp über die Runden. Als sie den gut situierten Henry kennenlernt, verlieben sich die beiden schnell. Doch ihre unterschiedliche soziale Herkunft spielt immer wieder eine Rolle in der Beziehung.
Ich war ab Seite 1 im Leseflow. Feinfühlig, authentisch und klar erzählt Ruth-Maria Thomas eine Liebesgeschichte, die so viel mehr als das ist. Es geht um Klassenunterschiede, unterschiedliche Startbedingungen und wie sie einen Menschen prägen, um Abhängigkeit und Selbstermächtigung. Das alles wird durch so viele kleine Alltagsmomente im Buch deutlich. Die Figuren wirken absolut echt und durchdacht.
Fazit: Worth the hype und schon jetzt eins meiner Highlights 2026.
„Ich habe nicht aufgehört, an mich zu glauben, ich habe gerechnet, kalkuliert und meine realen Chancen erkannt.“ (S. 109) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Zwei Menschen, zwei komplett unterschiedliche Lebensrealitäten. Michelle hat nur noch ihren Bruder und lebt (und denkt) von Monat zu Monat. Nachdem sie ihren Traum vom Schmuckgeschäft aus finanziellen Gründen aufgeben muss, arbeitet sie an einer Hotelrezeption. Sie lernt Henry kennen, der reicher ist als jeder Mensch, den sie kennt. Mit Hunderttausend auf dem Konto kennt er Geldsorgen nur aus der Ferne. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die beiden lernen sich kennen - und lieben. Doch kann es halten, wenn zwischen ihren Lebensrealitäten Welten liegen? Können sie einander verstehen und die jeweiligen Sorgen des anderen nachvollziehen? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Für mich war es das erste Buch von Ruth-Maria Thomas und ich kann absolut verstehen, warum sie so viele begeisterte Leser*innen hat. In der ersten Hälfte hatte ich ein paar leichte Startverzögerungen, doch ab zweiten Hälfte habe ich das Buch wirklich gerne gelesen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Es beleuchtet den Klassenunterschied sehr gut, schrammt dabei immer sehr nah an der Grenze zum Klischee und überschreitet sie zuweilen. Zeitgleich habe ich sehr gefühlt, wie verzweifelt Michelle war und wie naiv Henry. Die Figurenzeichnung ist für mich auf jeden Fall geglückt, ich habe mir einige schöne Stellen im Buch markiert. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Besonders gut gefallen haben mir auch die eingewobenen Rechnungen, die die Unterschiede der beiden gut aufgezeigt haben. Über das Ende der Erzählung denkt man auf jeden Fall noch eine Weile nach, und das mag ich immer sehr. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Für mich persönlich zwar kein großes Highlight, dennoch ein sehr empfehlenswertes Buch! Ich bin jetzt umso gespannter auf die Vorgängerin, die schönste Version, die ich sehr bald nachlesen will. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ein gesellschaftskritischer Roman, der mich in der zweiten Hälfte überzeugen konnte! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 4/5 ⭐️
- Rezensionsexemplar I Vielen Dank @dtv_verlag @vorablesen 💜
Ich hab’s fast in einem Rutsch durchgelesen, der Schreibstil ist so flüssig und flott und echt, das hat richtig Spaß gemacht.
Michelle und auch Henry fand ich als Figuren total interessant und habe ihnen ihre Beziehung auch tatsächlich abgekauft (frage mich bei love stories oft, warum die überhaupt zusammen sind, weil nichts rüberkommt, das war hier nicht so!). Mit Michelle habe ich total mitfühlen und ihre Sorgen und Überlegungen so nachvollziehen können. Ich habe, glaube ich, selten in einem Roman so brutal ehrlich, nachfühlbar und authentisch über Existenzangst gelesen. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin wirklich weiß, wovon sie da schreibt und sich nicht einfach eine Geschichte aneignet (siehe Caroline Wahl). Das war eine total wichtige Repräsentation und ich bin dankbar, dass die Autorin damit vielen vielen Menschen eine Stimme gegeben hat.
Direkt nach dem Beenden des Buches hatte ich das Gefühl, dass mir irgendetwas gefehlt hat. Jetzt habe ich das Buch ein paar Tage nachwirken lassen und ich glaube, ich war innerlich etwas unbefriedigt, weil ich unterbewusst gerne eine Lösung für all das angeboten bekommen hätte. Die gibt es aber nicht, solange es Leute wie Henry gibt 🙃