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Anton und Alma

Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität – doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.

542 pages, Hardcover

First published September 2, 2026

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About the author

Dana Vowinckel

6 books82 followers
Dana Vowinckel wurde 1996 in Berlin geboren und studierte Linguistik und Literaturwissenschaft in Berlin, Toulouse und Cambridge. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2021 wurde sie für einen Auszug aus Gewässer im Ziplock mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet. Für ihre Erzählung In my Jewish Bag erhielt sie beim Wettbewerb »L’Chaim: Schreib zum jüdischen Leben in Deutschland!« den ersten Preis. 2023 wurde ihr ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats zugesprochen. Dana Vowinckel lebt in Berlin.

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Community Reviews

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575 (60%)
4 stars
260 (27%)
3 stars
82 (8%)
2 stars
19 (2%)
1 star
8 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 204 reviews
Profile Image for le.lyssa.
180 reviews660 followers
Review of advance copy received from Publisher
August 28, 2026
Anton und Alma kennenzulernen, hat etwas in mir geheilt, weil das Buch genau im richtigen Moment zu mir gefunden hat. Es zeigt, wie komplex zwischenmenschliche Beziehungen sind, wie unterschiedlich Bedürfnisse sind, je nach dem wie man Liebe im Kindesalter kennengelernt hat und wo politische Meinungsverschiedenheiten Gräben in eine fundamentale Beziehung reißen kann. Dana Vowinckel hat meine Liebe zu dicken Büchern wieder erweckt. Was eine grandiose zeitgenössische Liebesgeschichte!
Profile Image for Alexander Carmele.
568 reviews640 followers
September 12, 2026
Auf zwei Figuren beschränktes Berlin-Drama – zu engmaschig, und daher öde.
Shortlist deutscher Buchpreis 2026

Inhalt: 2/5 Sterne (nur als Beziehungsroman interessant)
Form: 2/5 Sterne (Alltagssprache)
Erzählstimme: 2/5 Sterne (personal-restriktiv)
Komposition: 1/5 Sterne (verfehlt-darstellend)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (zu zäh, statisch, repetitiv)
--> 8/5 = 1,6 = 2 Stern(e)

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Anton und Alma konstruiert entlang eines Beziehungsdramas eine Diskussion rund um den Israel-Palästina-Konflikt. Anton, deutsch-US amerikanischer Jude, entstammt einer gebildeten, wohlhabenden Familie, lernt Alma kennen, die aus der ostdeutschen Unterschicht stammt. Beide haben ihr Päckchen zu tragen: Anton Béla Weiss fühlt sich von antisemitischen Kräften bedroht und hadert mit seinem Judentum; und Alma Bormann sehnt sich nach einer Familie, nachdem ihr leiblicher Vater gestorben ist und ihre Mutter einen Mann geheiratet hat, der lediglich Verachtung für sie übrig hat. Das erste Date zwischen ihnen läuft aber alles andere als gut:

Alma schrieb ihr[er Freundin Sevim] eine Nachricht, mehrere Nachrichten: Ich hab diesen Typen getroffen vor paar Tagen mit dem ich Austausch in der Bretagne gemacht hab in diesem Dreckloch Der war echt heiß und ich dachte es läuft was aber dann hat er nen Rückzieher gemacht als wir schon bei ihm zu Hause waren Er hat mir die Grippe gegeben. Und wir hatten nicht mal Sex. Nicht mal geknutscht

Der Roman von Vowinckel lässt sich als Beziehungsdrama bezeichnen, denn Alma fühlt sich verlassen, isoliert und verletzbar und sucht einen sicheren Hafen, während Anton ebenfalls isoliert, verletzbar und verlassen, aber dazu noch depressiv, sich als beziehungsunfähig und kommunikationsgestört erweist. Dass das dann eine zähe Angelegenheit wird, lässt sich sofort erahnen:

»Nein«, sagte Alma, »nein, [du drängst dich nicht auf] überhaupt nicht. Ich hab einfach Angst, dass du mir wehtust.« »Oh«, sagte Anton, Giraffenaugen trafen seinen Blick, ihre getuschten Wimpern blinkten schwer auf und ab. »Gute Nacht«, sagte Alma nochmal, schloss auf, und Anton stand vor dem Restaurant in ihrem Haus, sah die glücklichen Leute darin, schluckte Tränen weg, ärgerte sich, dass er nichts erwidert hatte.

Der ganze Roman dreht sich darum, ob sie zusammenkommen, zusammenbleiben, wie sie das mit dem Zusammensein hinbekommen oder eben nicht – und das zieht sich über eine unfassbare Statik in die Länge, denn während Alma wenigstens Dinge ausprobiert, sich öffnet, mit neuen persönlichen Einstellungen experimentiert, bleibt Anton von der ersten Seite des Buches bis zur letzten statisch in einem depressiven Identitätsproblem befangen, aus dem er partout nicht herauskommen will:

Er dachte an sein Zimmer in den Wochen vor Alma, an sein Bett, dessen Laken nie kühl geworden waren, weil er immer darin gelegen hatte, er dachte an die Bücher, die er gelesen hatte, an die Schabbat-Essen bei Freunden. Dass er Alma nicht dazu einladen konnte, aber warum eigentlich? Weil sie aus Biesdorf kam und nicht aus Charlottenburg? Weil sie ihn nicht verstehen würde? Weil man ihm damals in Frankreich nicht geglaubt hatte, was passiert war, oder weil er fand, seine Freunde seien etwas Besseres?

Die ganze Beziehungschose wird dann noch mit dem Nahostkonflikt verquickt, mehr oder weniger auf intelligente Art, ohne aber zu einem befriedigenden Abschluss zu kommen. Das Buch ähnelt auf frappante Weise Dana von Suffrins Toxibaby und Nochmal von vorne, sowie wegen Anton an eine entschärfte Version von Philip Roth Portnoys Beschwerden. Da es aber weder satirisch, noch experimentell, noch witzig oder mit Verve und Humor geschrieben ist, bleibt Anton und Alma fad bis auf einen etwas intensiven Mittelteil, der dann aber im Nachhinein auch nicht mehr ins Gewicht fällt.


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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en):
Anton (AT): Mutter Orna, Ärztin an der Charité, große Schwester Paulina, und Gary, ein Privatdozent für Literaturwissenschaften, aus den USA, der gerne wieder in die USA ziehen würde, sehr viel trinkt, sehr gut kochen kann. Großeltern väterlicherseits, MAGA-Anhänger in der Nähe von New York, Safta Irene und Mann. Mütterlicherseits, Safta Hélène und Saba Michel, leben in Israel, weilen für eine Zeit, aus gesundheitlichen und sicherheitstechnischen Gründen in Genf. Bester Freund: Ariel.
Alma (AM): Halbwaise, deren Vater (Manfred) gestorben hat, deren Mutter Bettina Bormann … und Stiefvater Dirk Schlosser, zwei Halbschwestern, Paulina, Dirk ist Weinhändler, hat ein Haus, Geld … Großmutter Lore, Freund Bernd, 15 Jahre jünger, arbeitet bei den Wasserwerken. Beste Freundinnen: Sevim und Luisa, später Dascha.

●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
Wichtige Zeitgeschehnisse: Oktober 2019, Anschlag auf Synagoge in Halle – 2021/22 Corona-Epidemie – 7. Oktober Hamas-Angriff 2023 – Anschlag auf Synagoge ein Jahr später in Kreuzberg (erfunden).
AM und AT lernen sich auf einen Schüleraustausch in der Bretagne kennen. AM verliebt sich sofort in AT, AT verschwindet plötzlich. Später stellt sich heraus, weil seine Familie antisemitische Witze über ihn gemacht hat. AM und AT sind kommunikationsgestört, gehemmt und studieren in Berlin. AM und AT treffen sich auf einen Fachbereichsfest, verabreden sich, aber AT ist krank, steckt AM mit der Grippe an, meldet sich nicht bei ihr. ATs Eltern streiten ständig. AM tröstet sich mit Marlon, einem Kindheitsschwarm seit der Grundschule, der sie für Sex benutzt und immer wieder im Regen stehen lässt. Ein halbes Jahr später treffen AT und AM sich zufällig. AT stürzt, bricht sich das Handgelenk. Marlon benimmt sich daneben, AM nimmt aus Trotz Date-Einladung von AT an, der sich manchmal Beruhigungsmittel von seiner Mutter verschreiben lässt. AT hat eine Ex-Freundin Frederike, die er langweilig findet und die nun mit einem Ludwig zusammen ist. Running-Gag zwischen AT und AM Curry von ATs Mitbewohner. Sie kommen zusammen, verbringen ein paar schöne Tage miteinander. Dann verfällt AT in eine Depression, meldet sich nicht mehr. AM stinkwütend, dann kommen sie wieder zusammen – vor allem, weil AM geliebt werden möchte, und Dirk, der Schwiegervater meint, niemand könne sie lieben. AT nimmt sie mit zu seinen Freunden und dann auch zu seinen Eltern. Streit um eine Reise in die USA, zu Garys Eltern, die Orna nicht mag [es zeigt sich, die Eltern sind MAGA-Anhänger]. Die Reise findet statt, ohne Orna. In den USA hält AT das Gerede von seinem Opa Saba nicht aus, geht zu Fuß alleine in die Ferienwohnung zurück, nimmt sich später einen früheren Rückflug. Orna sperrt daraufhin den Unterhalt, Pauline hat auch schon zu viel Geld über die Kreditkarte in den USA ausgegeben. Dann der Anschlag während Jom Kippur, 9. Oktober 2019. Täter kam nicht in die Synagoge. AT hat Schuldgefühle. Sie kompetitieren um das größte Leidenspotential. AM trauert am Todestag um ihren Vater Manfred, dann ist sie depressiv zu ihrem Geburtstag. AT sucht eine Wohnung, weil er von Malte rausgeschmissen wurde. AT nimmt AM zu einem Treffen mit den Freunden seiner Eltern, dort wird ihnen eine Wohnung in der Reichenbergerstraße angeboten. AT will nicht mit AM zusammenziehen, findet aber keine Wohnung. Dann beginnt der Corona-Lockdown. Sie hängen zusammen ab. AT findet einfach keine Wohnung, keine neue WG. Dann plötzlich, ziehen sie doch zusammen. AM trifft Marlon beim Baumarkt, trinkt mit ihm ein Bier, lügt aber AT darüber an. AT lässt AM alleine streichen. AT beschäftigt sich immer wieder mit Koestlers „Dreizehnter Stamm“, ein Versuch darüber, dass die Juden keine einheitliche „Rasse“ seien … AM schließt ihren Bachelor mit noch sehr gut ab, beschließt sich auf eine Vollzeitstelle im zentralen International Office der Uni zu bewerben, und macht keinen Master. Zwischenzeitlich steht Pandora, ihre Halbschwester, vor der Tür, weil Bettina sie geschlagen hat. Für drei Tage lebt sie bei AT und AM. AT will über die Chasaren im Master schreiben. Sie fahren nach Basel, in den Urlaub, zu ATs Tante Adina, Schönheitschirurgin. Sie fahren weiter nach Italien, verbringen romantische Tage dort (ATs Angst vor Schlangen), und fahren dann zurück. AM beginnt ihren neuen Job. Dort erfährt AT, dass es eine Möglichkeit gibt, 6 Monate in die USA an die Columbia zu gehen. AM vermittelt ihn die Gelegenheit. Er fährt, hat eine gute Zeit und erhält das Angebot, dort zu promovieren. Als er zurückkommt, erwähnt er das nebenbei, und sie streiten sich und trennen sich, denn AM will eine Familie und keine Fernbeziehung. AT zieht aus. Die Freundinnen von AM sind beleidigt, dass nach zwei Jahren wieder Interesse von AMs Seite kommt. Die Trennung bleibt vollzogen. AT wohnt bei seinen Eltern, die sich darüber mokieren. Er schreibt an der Bewerbung, dann erhält er einen Anruf von Nadia aus New York, ein Schriftsteller sucht einen Assistenten, dafür könnte er dann bei ihm wohnen. Der Schriftsteller ist sogar bekannt. AT sagt zu, reist nach New York, beginnt ein neues Leben. AM trifft sich mit Dascha, überlegt mit ihr nach Israel zu fliegen, fliegt stattdessen nach Lanzarote, ertrinkt beinahe, als sie zu weit aufs offene Meer hinausschwimmt, angezogen von fünf Delphinen. Nadia und AT haben ein erstes Date. Nadia hat mit Max, dem Schriftsteller und Arbeitgeber von AT eine Affäre gehabt. Nadia will nichts Ernstes. AT wird für das PhD-Programm angenommen. AM befreundet sich mit Dascha intensiver, beschließt zu konvertieren, fährt mit Dascha nach Tel Aviv, befreundet sich mit Conrad an, auch ein Konvertit. Hakt nochmal bei ihrer Mutter wegen Bormann nach. AT hat kinky Sex mit Nadia. AM versucht wieder mit ihren Freundinnen in Kontakt zu kommen. Es misslingt. Ein Jahr seit der Trennung sind vergangen. AM konvertiert, und AT forscht über die Konversion. ATs Studium beginnt, verabschiedet sich von Lynn, Noah und Max. Dann Einschnitt: Terroranschlag am 7. Oktober. AT und AM telefonieren. Die Welt von AT polarisiert sich. Nadia auf Seiten der Palästinenser – Unwohlsein. Gary, ATs Vater, für Rache und Krieg gegen Gaza. AT zwischen den Welten, streitet sich mit den Großeltern, von denen er finanziell abhängig ist, streitet sich mit den Kommilitonen, und flieht zurück nach Berlin, zu AM, die ihn aufnimmt. Er wohnt wieder bei ihr, sie schlafen miteinander. Die Episode New York erinnert AT an die Bretagne. AM verheimlicht ihren Konvertierungsvorhaben, trifft Conrad, AT erfährt von der Konvertierung, fühlt sich belogen und zieht sich zurück. Sie leben wochenlang nebeneinander her. Er fühlt sich betrogen und ausgegrenzt und unangenehm berührt von AMs Wunsch, Jüdin zu werden. Eines Morgens geht sie allein zur Synagoge, ein weiteres Attentat findet statt. AM wird erschossen, ohne dass AT und sie sich vertragen können. AT hält das nicht aus, verfällt in eine Depression, vermag es aber nicht, sich für AM auszusprechen, dass sie ein jüdisches Begräbnis erhält, so wird sie christlich begraben. Er bleibt still, unentschieden, unsicher, verlässt Berlin, fährt nach Genf zu seinen Großeltern mütterlicherseits, lässt sich dort von ihnen pflegen. Max, Lynn und Noah besuchen ihn, päppeln ihn auf. Er kommt mehr und mehr zu sich, beginnt wieder an seiner Arbeit zu schreiben, kontaktiert seinen Professor, und findet sich nach und nach damit ab, AM verloren zu haben, aber sie in Erinnerung behalten zu können.
●Kurzfassung: eigentliche Hauptfigur Anton – er leidet darunter, Jude zu sein. Bricht Schüleraustausch wegen einer antisemitischen Gastfamilie ab, dort sieht ihn Alma das erste Mal und verliebt sich. Später studiert er Geschichte, trifft Alma wieder. Er kann sich nicht für sie entscheiden. Sie kommen dennoch zusammen. Er beginnt dann aber ein PhD-Studium in New York, Alma trennt sich, aber hat Interesse am Judentum bekommen und beginnt mit der Konvertierung. Wegen der Gaza-Krise kommt Anton zurück, stellt die ganze jüdische Identität in Frage, wird mit dem Konvertierungswunsch Almas konfrontiert, verschließt sich. Alma wird später dann vor einer Synagoge erschossen. Anton wieder allein, empfindet sein Leben als Farce.
●Charaktere: (rund/flach) Anton statisch, undurchschaubar, zögerlich. Alma dynamisch, offen, interessant.
●Überflüssige Szenen/Charaktere: die letzten 12% sind sehr ärgerlich, nach dem Mord von Alma hadert Anton noch ergebnislos vor sich hin.
●Besondere Ereignisse/Szenen: wie Anton aus den USA zurückkehrt, in die Wohnung, nach Hause, wie sie wieder zusammenkommen, nach langer Entfremdung, überhaupt die Beziehungskrise wird sehr glaubhaft beschrieben.
●Diskurs: Israel, Westjordanland, jüdische Identität
… problematische Figur: der Text wird da gut, wo es um die Beziehungskrise und die Trennung geht, Mitte des Buches, Anfang und Ende sind schleppend und zeitweilig kaum zu ertragen, da es keinen Plot gibt, außer eben Antons Angst vor antisemitischen Übergriffen und Almas Angst, alleine zu bleiben. Das führt zu nichts, und ist tatsächlich gähnend langweilig. Vom Plot her uninteressant, bis auf den Mittelteil.
--> 2 Stern(e)


Form:
●Eindruck: insbesondere in den un-emotionalen Stellen sprunghaft und teilweise sogar Kinderbuch-Sprech, viel zu viele Eigennamen, „Anton“ das, „Anton dies, „Alma dies“, „Alma das“ … besitzt keine eigene sprachliche Form, die den Text interessant werden ließen. Wirkt flüssig, aber langweilig, eher alltäglich.
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) durch die personale Erzählweise hoch, nicht durch die Form
●Wortschatz/Auffälligkeiten/Innovation: nichts
●Sprachform:
Poetisch: nein
Episch: nein
Experimentell: nein, bis auf ein paar Absätze, als Bewusstseinsstrom
Werbesprache: nein
kl. Schriftsprache: nein
Umgangssprache: am nächsten an Umgangssprache, und social-media-Sprech
●Einschätzung: nicht ärgerlich, aber langweilig
--> 2 Stern(e)


Erzählstimme:
●Eindruck (reflektiert, situiert, perspektiviert): personal, Erzählinstanz taucht nicht auf, kommentiert scheinbar durch die Figuren hindurch, nur hier und da Vorgriffe, aber nicht prominent, eher unentschieden und naiv
●Erzählform:
Kamera: nein
Allwissend: nicht wirklich, ein wenig
Personal: ja
Ich-Erzählend: nein
Auktorial: ein wenig
Unentschieden: nein
●Einschätzung: traditionell personales Erzählen, das hier die richtige Wahl ist, aber die Beschränkung auf zwei Figuren ist zu eng … bei dem Thema hätten es viele Figuren sein müssen, um von der Statik Antons abzulenken und auch die Problematik deutlich herauszustreichen, aus diesem Buch eben ein Großstadt-Berlin-Roman werden zu lassen. So ist die Wahl der Erzählstimme fade und etwas feige.
--> 2 Stern(e)


Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): wäre der Anfang und das Ende nicht, ginge das Buch kompositorisch auf, so aber nicht. Es zieht sich zu sehr in die Länge. Nur der Mittelteil überzeugt – dort wird Anton mit seinem Judensein in New York konfrontiert, durch den Gaza-Konflikt hinausgeschmissen und auf sich wieder konfrontiert, und Alma nähert sich dem Judensein, um ihre private Isolation zu durchbrechen, also zwei Seiten der Medaille. Anton und Alma bewegen sich aufeinander zu, Anton aus dem Judentum hinaus, Alma in es hinein, dass das zum Konflikt wird, macht Sinn, wird dann aber nicht ausgespielt, sondern Alma stirbt und hinterlässt eine Leere in Anton.
●Operative Geschlossenheit/Rahmen: Zugehörigkeit/Nicht-Zugehörigkeit, Heimat/Diaspora
●Extradiegetische Abschnitte: nein
●Lose Versatzstücke: nein
●Kompositionsform:
Interferierend: nein
Synthetisch: nein
Brüchig-offen: nein
Seriell-offen: nein
darstellend: nur darstellend
●Einschätzung: Anfang und Ende werden verfehlt, der Mittelteil wäre synthetisch, partiell auch interferierend, also interessanter, so bleibt es nur darstellend und aufzählend als Dokumentation
--> 1 Stern(e)


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: hat mich sehr gelangweilt, im Mittelteil überzeugt, im Gesamten nicht.
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) ja
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) ja
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein
●stimmig?(Komposition: ja/nein) nein, da Anton zu statisch für die Erzählweise
●ein zweites Mal lesen? nein, auf keinen Fall
--> 1 Stern(e)


Ästhetik: (jeweils 0-5)
●Kant (Werbesprache-humorvoll-icherzählend-seriell-offen): nein
●Lukacs (Schriftsprache-diskursiv-auktorial-darstellend): 3
●Adorno (experimentell-allegorisch-personal-brüchig-offen): 1
●Hegel (episch-heroisch-allwissend-synthetisch): 1
●Cyberästhetik (poetisch-transgressiv-Kamera-interferierend): 0
●Einschätzung - stimmig?: nicht wirklich, da Erzählweise personal, also eher Adorno zugehörig, von der Form aber ausschließlich Lukacs, und ein Mix Hegel wegen des Mittelteiles.

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Profile Image for Kai Spellmeier.
Author 8 books14.7k followers
August 23, 2026
trotz ner gesamten Seite auf der fünfzehn mal Harry Potter erwähnt wird (why?? die Seite hätte bei 540 weiteren niemand vermisst?) hat es mich umgehauen wie echt und messy und emotional dieses Buch ist.
Profile Image for Helena.
55 reviews4 followers
Read
September 9, 2026
Wow wow was ein Buch, was ein Ritt, was für wahnsinnig tolle komplexe Charaktere und Beziehungen. Und dann wurden auch noch so viele Themen so klug mitverhandelt, ein Roman der nicht aus der Welt gefallen ist sondern ganz fest Teil von ihr. Ich wurde in dieses Buch hereingezogen, habe mich gefreut und geweint und mich aufgeregt und gestresst und viel zu lange nachts weiter gelesen. Ich werde noch lange an Anton und Alma (und ihre Freund*innen und Familien) denken, werde sie vermissen.
Profile Image for Britta Böhler.
Author 8 books2,055 followers
September 2, 2026
Eine banale Liebesgeschichte, bei der - natürlich - die Frau die Liebesbessene ist, und der Mann sich immer wieder entzieht. Ach ja. Auch die Sprache ist überwiegend banal, das passt gut.

Und die 'Aufarbeitung' des 7. Oktobers 2023 ist schlichtweg unterirdisch. Vielleicht sollte die Autorin sich mal über die gewaltreiche Enstehungsgeschichte Israels informieren und über die Tatsache, dass die Gräueltaten an den Palästinensern nicht erst mit dem Genozid nach dem 7. Oktober 2023 angefangen haben? Aber das ist wahrscheinlich zu viel verlangt.

(Teile in der Mitte nur quergelesen und daher als dnf angemerkt.)
Profile Image for Desastroeses.
80 reviews35 followers
September 28, 2026
Content Note: Antisemitismus, Klassismus, Antifeminismus, Ableismus, Sanismus

„Anton und Alma“ habe ich gekauft und voller Vorfreude gelesen, weil ich mehr jüdische Perspektiven lesen und jüdische Autor:innen unterstützen möchte. Besonders gelungen finde ich, wie der Roman antisemitische Erfahrungen sowie moralische und (gesellschafts-)politische Debatten rund um Israel/Palästina aufgreift, einordnet und nicht ausspart.
Diese Themen sind unglaublich wichtig, und die Autorin findet dafür eine Sprache, die mich grundsätzlich überzeugt hat. Ich danke ihr besonders für die Gedanken zu Philosemitismus, zum Erleben des 7. Oktober aus diversen jüdischen Perspektiven und für die Tatsache, dass unterschiedliche jüdische Haltungen und Stimmen sichtbar werden. Auch die Auseinandersetzung mit Ambivalenz, mit Fragen danach, was richtig, falsch oder widersprüchlich sein kann, fand ich an vielen Stellen klug und berührend. Traumatische und konflikthafte Familiendynamiken werden zudem sensibel erzählt.

Sehr berührt hat mich vor allem, wie der Roman transgenerationale Traumatisierung und die Identitätssuche beider Figuren verhandelt. Die Autorin erzählt diese Prozesse nicht glatt oder eindeutig auflösbar, sondern lässt Widersprüche, Verletzlichkeit, Abwehr und offene Fragen bestehen. Gerade darin liegt für mich eine große Stärke: Die Aushandlungen wirken radikal offen und sensibel, ohne einfache Antworten oder abschließende moralische Urteile anzubieten.

Gleichzeitig hat mich die Lektüre wiederholt wütend und traurig gemacht, weil ich mich in der sozialen Welt des Romans kaum wiederfinden konnte. Anton agiert für mich häufig sehr ichbezogen. Alma bewegt sich aus meiner Perspektive in eine stark antifeministische Richtung, die ich gerade vor dem Hintergrund ihres Alters und ihrer Handlungsmöglichkeiten irritierend fand. Beide Figuren bewegen sich überwiegend in einer Berliner akademisch-intellektuellen Mittel- bis Oberschichtswelt. Finanzielle Absicherung, Zugänge zu Schul- und Hochschulabschlüssen sowie familiäre Rückhaltstrukturen wirken darin oft so selbstverständlich, dass sie kaum als Privileg oder Voraussetzung benannt werden.

Als klassismus, sanismus- und armutserfahrene Person, die ab dem 17. Lebensjahr ohne familiäres Sicherheitsnetz leben und arbeiten musste, um zu überleben, die das Abitur abbrechen und eine Ausbildung beginnen musste, war diese Selbstverständlichkeit für mich kaum auszuhalten. Auch, weil ich selbst massiven Klassismus durch Studierende erlebt habe, wenn es überhaupt Berührungspunkte mit akademischen Räumen gab.
Mit vielen Menschen aus bürgerlich-akademischen Milieus hatte und habe ich ich kaum Kontakt, und bis heute erlebe ich alltägliche Ausschlüsse.

Mir fehlt deshalb eine stärker intersektionale Perspektive auf jüdisches Leben. Jüdinnen und Juden sind keine homogene, akademisch abgesicherte oder ökonomisch privilegierte Gruppe. Jüdisches Leben ist ebenso geprägt von Armut, prekärer Arbeit, fehlendem familiären Rückhalt, Bildungsbarrieren, Behinderung, psychischer Belastung, Migration und Klassismus.
Der Roman verhandelt soziale Zugehörigkeit zwar stellenweise, etwa über Bildungsabschlüsse, intellektuelle Szenen und kulturelles Kapital. Für mich bleibt diese Auseinandersetzung jedoch zu oberflächlich. Klassismus erscheint eher als Frage von Habitus, Sprache und kultureller Zugehörigkeit als als materielle Realität, als Frage von Miete, Erwerbsarbeit, Armut, Abhängigkeit, fehlender sozialer Absicherung oder versperrten Bildungswegen.

Gerade weil der Roman so differenziert über Antisemitismus und jüdische Positionen nachdenkt, hätte ich mir gewünscht, dass auch die sozialen und ökonomischen Unterschiede innerhalb jüdischer Lebensrealitäten deutlicher vorkommen. Die wiederkehrende Erzählung eines international mobilen, akademisch etablierten und kulturell gut vernetzten Judentums, zwischen Berlin, der Schweiz, Israel und New York, mit medizinischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Berufsbiografien, wirkt auf mich sehr eng. Nicht, weil diese Biografien nicht existieren oder nicht erzählt werden sollten. Problematisch wird es für mich dann, wenn sie nahezu allein für „jüdisches Leben“ stehen und dadurch andere Erfahrungen unsichtbar bleiben.

Dabei ist mir wichtig: Antisemitismus lässt sich keinesfalls dadurch erklären oder rechtfertigen, welche soziale Position einzelne Jüdinnen und Juden haben. Zugleich können auch Menschen, die Diskriminierung und Verfolgung erfahren, in anderen Bereichen privilegiert sein oder selbst unreflektierte, abwertende Haltungen reproduzieren. Diese Gleichzeitigkeit anzuerkennen, bedeutet nicht, jüdische Erfahrungen zu relativieren. Im Gegenteil: Eine intersektionale Perspektive könnte jüdisches Leben komplexer, vielfältiger und sozial realitätsnäher erzählen, ohne antisemitische Projektionen über vermeintliche „Intelektuelle“ zu bedienen.

Besonders schwierig fand ich außerdem manche Stellen über Menschen ohne Obdach und andere marginalisierte Personen. Hier hätte ich mir eine sensiblere, weniger distanzierende Perspektive gewünscht. Teilweise entsteht der Eindruck, dass marginalisierte Menschen vor allem als Kulisse, Kontrastfolie oder Projektionsfläche für die Entwicklung der privilegierteren Figuren erscheinen. Ein Sensitivity Reading mit klassismuskritischer, ableismuskritischer und sanismuskritischer Perspektive hätte dem Text aus meiner Sicht gutgetan.

Insgesamt bleibt „Anton und Alma“ für mich ein wichtiges Buch, wegen seiner Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Philosemitismus sowie Israel/Palästina, wegen der Sichtbarmachung jüdischer Ambivalenzen, wegen der sensiblen und radikal offenen Auseinandersetzung mit transgenerationaler Traumatisierung und Identitätssuche sowie wegen seiner sprachlich oft überzeugenden Passagen. Gleichzeitig ist es für mich ein Roman über eine soziale Welt, die viele Biografien nicht mitdenkt. Das hat die Lektüre erschwert, auch sprachlich, weil die zahlreichen theoretischen Bezüge und intellektuellen Diskurse für mich teilweise eher ausschließend als einladend wirkten.

Vielleicht gerade deshalb bleibt bei mir eine ambivalente Leseerfahrung zurück: Dankbarkeit für wichtige Perspektiven und Fragen, aber auch Wut darüber, wie selbstverständlich soziale Absicherung, Bildungskapital und Zugehörigkeit in diesem Roman erscheinen.
Profile Image for tollpatschki.
166 reviews7 followers
August 9, 2026
tbh, das waren gefühlt die kürzesten 500 seiten, die ich jemals gelesen habe.
dieses buch verhandelt ganz große fragen im ganz kleinen. also, wenn man bock auf eine liebesgeschichte hat, die weh tut, politisch ist und sich trotzdem easy weglesen lässt: go read „anton und alma“ <3
Profile Image for theresa ᯓ★.
108 reviews33 followers
September 3, 2026
5 ⭐️ // 😃😃😃 uhm wtf dana schatz… ich LIEBE anton&alma #antonundalmafürimmer!

dieser roman hat alles, was es braucht. ich bin zutiefst berührt und mitgerissen von der geschichte und den charakteren und den ereignissen und dem historischen hintergrund. ich habe viel gefühlt und viel gelernt und viel mitgenommen!

alle lesen bitte
Profile Image for Ellinor.
849 reviews386 followers
August 19, 2026
Hattet ihr bei einem Buch schon einmal das Gefühl, dass ihr zu alt für die Geschichte seid? Mir ging es gerade bei Anton und Alma so. Der Roman ist mit eines der Bücher, auf deren Erscheinen ich mich dieses Jahr mit am meisten gefreut habe. Ich habe Dana Vowinckels Debüt geliebt, es damals schmerzlich auf der Longlist für den deutschen Buchpreis vermisst und mich dafür umso mehr gefreut, dass es nun Anton und Alma auf diese Liste geschafft hat.
Als ich dann jedoch mit Lesen anfing, war ich schnell ernüchtert. Dana Vowinckel schreibt zwar wahnsinnig gut. Wie sie ihre Sätze immer weiter ausdehnt, sodass man darin abtauchen möchte, einfach toll, dazu wieder viele kluge Gedanken. Trotzdem bin ich nur sehr schwer in die Geschichte hineingekommen und sie fühlte sich auch sehr zäh an. Schuld waren Alma und Anton, die beiden Hauptfiguren. Sie sind etwa 20 Jahre jünger als ich, Teil einer anderen Generation. Das klingt nun so, als hätte ich kein Verständnis für jüngere Menschen. Das ist es aber mich. Was mich störte war, dass bei den beiden alles so furchtbar kompliziert sein musste. Ich hatte das Gefühl, dass die beiden sich selbst das Leben schwer machen, wenn es doch so viel einfacher sein könnte (das stört mich übrigens auch bei Leuten meines Alters). Auf die Dauer fand ich dies schrecklich ermüdend. Das Ende ist grausam, es zerreißt einem tatsächlich das Herz. Der Weg dorthin ist aber recht mühselig.
Insgesamt ist Anton und Alma leider nicht mein Buch.
Profile Image for Anne.
44 reviews7 followers
September 4, 2026
Anton und Alma könnten entfernte Bekannte von mir sein, sie hören Musik wie ich, lesen die gleichen Bücher, gehen gerne fancy Pizza essen. Das hat es für mich so leicht gemacht in den Roman reinzukommen, die beiden fühlen sich auf eine Art so nah an. Dana Vowinckel macht es einem so leicht zu verstehen, wie die beiden handeln, wenn sie sich gegenseitig komplett komplett widersprechen und es dann von der Romanze in die Satire in die Tragödie übergeht. Ich finde die Themen von Judentum und Jüdisch-Sein in Deutschland, Zugehörigkeit, Konversion und das was am und nach dem 7. Oktober 2023 passiert sind so klug in diese Liebesgeschichte reingewebt. Man kann mir dem Roman und den Figuren politisch diskutieren, über sie lachen und auch mit ihnen, ihr Leiden betrachten und es intensiv nachfühlen. Der Roman stellt viele Fragen und beantwortet kaum eine. Aber ich habe in irgendeinem Interview von der Autorin gelesen, dass das tollen an Romanen ist, dass sie von Widersprüchen leben und sie auch brauchen.
Profile Image for LeserinLu.
422 reviews55 followers
Review of advance copy
August 22, 2026
„Anton und Alma“ erzählt von zwei jungen Menschen, die sich lieben und trotzdem immer wieder an den Umständen und ihrer Herkunft zerbrechen. Anton und Alma kommen aus sehr unterschiedlichen Welten: Er wächst in einer akademischen jüdischen Familie auf, sie in eher schwierigen Verhältnissen am östlichen Rand Berlins. Sie verlieben sich leidenschaftlich und versuchen, ein gemeinsames Leben aufzubauen.

Eine Weile hatte ich das Gefühl, dass der Roman eher vor sich hinplätschert. Gerade dadurch fühlt man sich aber immer stärker in die Beziehung der beiden ein. Anton und Alma wachsen einem mit der Zeit richtig ans Herz. Die wechselnden personalen Erzählperspektiven sorgen dafür, dass man beide Figuren sehr unmittelbar erlebt, ihre Gedanken und Gefühle versteht und nachvollziehen kann, warum sie manchmal streiten. Nach dem 7. Oktober 2023 überschlagen sich die Ereignisse und das Private wird untrennbar mit den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Ich fand, dass gerade die Dynamiken auf social media authentisch dargestellt wurden.

Zusätzlich enthält der Roman viele kluge Gedanken über jüdische Identität, den Umgang mit Geschichte und die Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Es geht um Liebe und Zugehörigkeit, aber auch um Trauer, Verlust, Herkunft und die Suche nach einem Ort, an dem man man selbst sein kann. Dana Vowinckel erzählt all das sehr nah an ihren Figuren. Gerade deshalb hat mich die Geschichte emotional so erreicht.
Profile Image for Manuel.
84 reviews19 followers
September 2, 2026
Anton und Alma haben eine Love Story, der man wirklich gern begegnet. Die beiden sind so unterschiedlich und trotzdem funktioniert ihre Beziehung auf eine Art, die ich sehr gerne gelesen habe. Die wechselnden Perspektiven waren für mich mal wieder ein Highlight, weil man dadurch beide Figuren und ihre unterschiedlichen Lebenswelten viel besser versteht.

Ich finde das Buch insgesamt super stimmig. Besonders das Geflecht aus jüdischer Identität, deutscher Geschichte, den aktuellen Entwicklungen im Nahostkonflikt und der Schwierigkeit, sich klar zu positionieren, ohne gleichzeitig irgendwelchen äußeren Erwartungen gerecht werden zu müssen, fand ich sehr stark. Gerade weil es hier eben keine einfache Antwort gibt, sondern viele verschiedene Perspektiven und Gefühle nebeneinander stehen dürfen.

Auch die Familien von Anton und Alma und die Ereignisse, die ihre Identitäten geprägt haben, werden clever miteinander verflochten. Dadurch wird aus der Liebesgeschichte gleichzeitig eine Familiengeschichte und ein Roman über Zugehörigkeit und Identität. Dana Vowinckel schafft es, die großen politischen und historischen Themen nicht einfach über die Figuren drüberzustülpen, sondern sie aus deren Leben heraus entstehen zu lassen. Besonders die Konversion der Chasaren als historischer Mythos sowie die Anwendung von Whites Theorie der Geschichtsschreibung als Romanze, Tragödie, Komödie und Satire waren für mich erstklassig, gipfelnd in Antons herzzerreißendem Schicksalsschlag.

Für mich ist „Anton und Alma“ ein zeitgenössischer Vorzeigeroman. Die Geschichte hat mich emotional abgeholt und gleichzeitig zum Nachdenken gebracht. Dass das Buch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis steht, kann ich nach der Lektüre sehr gut nachvollziehen.
Profile Image for Isa ◡̈ .
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September 14, 2026
»Er zog sie immer näher zu sich, damit er nicht aufhören musste, sie zu küssen. Sie küsste gut. Sie küsste so, dass er sich fragte, ob sie mehr wollte, als ihn jetzt, hier, zu küssen, zurückhaltend, ein bisschen, als wäre jeder Kuss der Punkt im Fragezeichen.« ANTON (65) 🫦

ANTON & ALMA haben mir mein Herz gebrochen 💔 und ich würde es wieder und wieder lesen. Warum? Weil Dana Vowinckel nicht nur unglaublich gut darin ist, für unser Leben mit all den vermeintlich so kleinen alltäglichen Situationen die passenden Worte zu finden (ich habe mir so viele 💎 Sätze markiert 😮‍💨), sondern auch bewegende gesellschaftspolitische Themen wie Zugehörigkeit, Jüdisch-Sein, Herkunft, Familie, Klassismus, Gesundheit und Liebe spielerisch zu einer extrem gelungenen Geschichte verbindet.

»er schenkte ihr ein Buch über Mülltrennung, das er im Antiquariat gefunden hatte, und am Abend küsste er sie lange, zärtlich, fast zu zärtlich, er schlang seine Arme um sie, nannte sie seine Almi, und Alma vermisste die um die Wände der Wohnung geschlungene Welt nicht mehr, kein bisschen.« (151)

Anton und Alma verlieben und streiten sich, finden sich und ziehen zusammen, machen Fehler und sind ungerecht, verletzlich und verletzend, wachsen an- und miteinander — und die Liebe könnte so einfach sein, wenn das Leben nicht so kompliziert wäre. Und wer kennt das nicht? … A&A kommen aus sehr unterschiedlichen Herkunftsfamilien: akademisch-kosmopolitisch und jüdisch auf der einen, ostdeutsch und geprägt von toxischen Familiendynamiken auf der anderen Seite. Sie studieren an derselben Universität, haben aber ganz unterschiedliche Ambitionen und Vorstellungen von ihrer Zukunft. Die wechselnde Erzählperspektive aus Antons und Almas Sicht lässt beide Figuren und ihre Lovestory unglaublich real werden. Genau diese Relatability macht Danas Schreiben für mich so nachvollziehbar und menschlich. Auch Antons jüdische Herkunft und Religion prägen ihre Beziehung und werden genauso selbstverständlich und vielschichtig erzählt wie die anderen Themen des Romans.

Doch dann kommt der 7. Oktober 2023 – und mit ihm die Momente, die zeigen, wie Weltpolitik und Konflikte ins Private hineinwirken: auf Beziehungen, Familien und Freundschaften, auf die Gespräche und Diskurse am Esstisch. Vowinckel gibt darauf keine simplen Antworten, sondern lässt bewusst Komplexität, Widersprüche und Gefühle nebeneinander bestehen. Und genau das macht »ANTON UND ALMA« für mich so wunderschön und traurig, komplex und klug – und zu einer tragischen Romance.

»Another missed connection, dachte er. Just like us.« (496) 💔
Profile Image for Lena Kuhn.
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September 8, 2026
Bis Seite 350 dachte ich es werden nur 4 Sterne, weil es so gut geschrieben ist, aber ich mich dabei ertappt habe zu denken, dass die Liebesgeschichte sich zieht. Und von da an hat es mich auseinandergenommen. Ich möchte nichts vorwegnehmen, aber so viel mehr als 5 Sterne geben. Ich werde noch viel an Anton und Alma und über dieses Buch nachdenken. Wie kann man so schreiben? Wie kann man so etwas erschaffen?
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September 13, 2026
In seinen schwächsten Momenten leistet "Anton und Alma" lediglich eine Verdopplung der Realität eines Berliner Studenten-Pärchens der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, das gemeinsam prägende Jahre und dabei kaum überraschende Konflikte durchlebt: Darunter Streitigkeiten mit ihren Familien aus unterschiedlichen sozialen Mileus, die sich im Kontext von Krieg und Pandemie bisweilen politisch zuspitzen, sowie mit sich selbst und mit dem anderen. Hierbei steht der Widerspruch von Karriere und Häuslichkeit, Mobilität und Verwurzelung, Gehen oder Bleiben im Vordergrund. Gefangen im Modus der Beschreibung einer allzunahen Lebenswelt aufgebaut aus Falafeln und Fachschaftspartys, Spätibieren und Uniseminaren entwickelt der Roman seine Längen und nimmt erst ab der zweiten Hälfte wieder an Fahrt auf, die zugleich dessen stärkste Momente enthält. Darin verbindet sich eine anspruchsvolle Verhandlung der ideologischen Konfliktlage nach dem 07. Oktober mit anregenden Reflexionen auf die Geschichte des Judentums, eingewoben in eine persönliche Erzählung über religiöse Identität und - nach einer tragischen Wendung ganz zuletzt - Trauer und Trauma.
Profile Image for Hanna.
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September 10, 2026
Das mochte ich wirklich vom ersten bis zum letzten Satz!
Profile Image for Mia.
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September 27, 2026
So, so toll!! Ich will zu einem anderen Zeitpunkt nochmal mehr hierzu schreiben, muss jetzt erstmal schlafen, aber mannomann was für ein Buch!
Profile Image for Francesco Iorianni.
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September 17, 2026
Dieses Buch hat mich wirklich überrumpelt: ich hab viel geweint, Seite um Seite verschlungen und doch auch immer wieder innegehalten, um kleine kritische Aspekte in der Erzählweise zu finden. Viele bemängeln die banale Liebesgeschichte. Doch genau diese hat mich gepackt. Die einfache, plumpe Sprache, die aufgeladenen Dialoge, die unzähligen Trennungen und Versöhnungen. Alles sehr fühlbar und doch auch irgendwie konstruiert. Die politische Entwicklung des Romans wird ab der zweiten Hälfte des Buches intensiviert und dann aber doch wieder fallen gelassen. Es bleibt ein Buch über die Macht der Liebe. Und das passt auch so. Definitiv Mutig, gegenwärtige Diskurse und gesellschaftliche Spaltungen einzubauen - doch das ist definitiv nicht die Stärke des Textes. Spannend, dass die kritischen Stimmen zu diesem Buch kaum zu finden sind. Und doch würden mich genau diese interessieren. Mich hat diese Liebe mitgerissen und gleichzeitig will ich über diese "Banalität" hinausgehen und, nach Gadamer, meinen Horizont in der Lesart des Romans erweitern.
Profile Image for Sophie Kuhn.
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September 5, 2026
puuuh!! was zu sagen ohne zu spoilern?

absoluter ritt, durch alle happenings, durch schmerz durch glück durch liebe durch freiheit durch betroffensein.

„Es gibt keinen Ort in mir, der nicht wehtut«, sagte Anton, »ich will nur eine winzige Ecke finden, die nicht wehtut, Mama, und ich finde sie einfach nicht.«

hab geweint gelacht gegrinst geschaudert
Profile Image for Lotta.
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September 19, 2026
junge, hab ich mies geflennt. anton/alma ist eine der raren heten-romanzen, die einen ehrenplatz in meinem bücherregal verdient haben.

ich will sowas nur noch und gleichzeitig nie wieder lesen! very big feelings!
Profile Image for tilda.
17 reviews1 follower
September 22, 2026
anton & alma haben mich erst laut auflachen und dann bitterlich weinen lassen und trotzdem wollte ich gar nicht mehr dass das buch endet. ANTON & ALMA für immer immer
Profile Image for Fiona.
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September 3, 2026
Dieses Buch hat mein Herz gebrochen. Und trotzdem habe ich es geliebt! Dana Vowinckel hat mit »Anton und Alma« ein berührendes, trauriges und darüber hinaus wahnsinnig kluges Buch geschrieben und beweist unfassbares erzählerisches Talent.

Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen und treffen sich Jahre später auf einer Party wieder. Trotz weniger Gemeinsamkeiten und anfänglichen Schwierigkeiten beginnen sie sich zu verlieben. Immer wieder wird ihre Beziehung auf die Probe gestellt: Anton ist jüdisch und aus einer Akademikerfamilie, Almas Kindheit dagegen war geprägt von Verlust und Vernachlässigung. Dann erhält Anton die Chance, für sein Studium nach New York zu gehen – und lässt Alma allein zurück.

Anton und Alma haben mich über Wochen beim Lesen begleitet. Der Roman geht sehr tief und auf seinen über 500 Seiten lernen wir die beiden so intensiv kennen, dass es sich anfühlt, als wären sie echte Menschen, die wir auf ihrem Lebensweg begleiten. Dana Vowinckel widmet sich einer großen, unvergesslichen Liebesgeschichte sowie großen gesellschaftlichen Themen: dem Judentum bzw. dem Jüdisch-Sein, Herkunft und Familie, Klassenunterschiede, Politik.
All das macht diesen Roman für mich zu ganz großer Literatur!

Ich wage die Vermutung, dass »Anton und Alma« eines Tages ein Klassiker sein und in Schulen als Pflichtlektüre gelesen wird. Zumindest hoffe ich es ganz doll. Nun (mehr als zurecht) auf der Shortlist vom deutschen Buchpreis und ich würde Anton, Alma und Dana den Preis so sehr wünschen!

»Anton und Alma« ist eine unvergessliche Liebesgeschichte, die eine:n lange begleitet und auch nach dem Lesen nicht so schnell wieder loslässt. Für mich definitiv ein Jahreshighlight, das ich allen ans Herz legen kann - auch wenn dieses euch beim Lesen brechen wird.
Profile Image for Kre.
53 reviews3 followers
August 9, 2026
Puh das hab ich geliebt.

In diesem Roman geht es um Anton und Alma, um deren Beziehung, um Identität und Zugehörigkeit und Klasse, um Religion und politisches Geschehen und damit einhergehende persönliche Berührungspunkte.

Anton und Alma haben sich so so echt angefühlt, dass ich deren Beziehung gefühlt miterlebt habe - hatte das länger nicht mehr, dass ich mich so sehr in Charaktere einfühlen konnte. Ihre Beziehung wirkt echt und unperfekt und sie wurde in einem perfekten Maß an Details erzählt. Ich dachte manchmal: Ist deren Zusammensein auch und vor allem ein Vermeiden von Alleinsein? Und gleichzeitig war so vieles an ihrem Wir so schön und nah und innig.

Obwohl das Buch über 500 Seiten hat, war es viel zu schnell vorbei. Manches war sehr treffend und lustig und zeitgemäß beschrieben, manches mit emotionaler Tiefe, fast poetisch.

Ich fand es besonders spannend als es um Konversion zum Judentum und generell um jüdische Bräuche ging und wie sich das in einer Beziehung verhalten kann. Habe dadurch viel Neues gelernt und es hat viele Fragen bei mir aufgeworfen, die das Buch gar nicht beantworten hätte können, aber spannende Überlegungen sind.

Der Genozid in Gaza wurde thematisiert und die Reaktionen darauf schon sehr realitätsnah beschrieben - wie viele Meinungen zu den Themen kursierten und wie jede Person auf Instagram zur Moralapostel wurde und wie viel Spaltung stattgefunden hat. Dass es natürlich eine moralisch richtige Sicht gibt (obwohl hier das Wort Genozid leider nie benutzt wurde), aber das ja nicht auslöscht, dass persönliche Erfahrungen dennoch tragisch sein können und dass daneben auch Antisemitismus weiterhin besteht und teilweise auch instrumentalisiert wird.
Passend dazu folgendes Zitat aus Antons Sicht:

,,Er wünschte sich, der Angreifer könnte auch ihn erschießen, könnte sich aus der Einrichtung befreien, in die sie ihn gebracht hatten, und auch ihn umbringen, damit er nie wieder die bekloppte Phrase die Gleichzeitigkeit der Dinge lesen musste. Es ging nicht um die Gleichzeitigkeit, es ging um die Schrecklichkeit.“

Das alles wurde immer wieder eingebettet in historisches Wissen und die Frage danach, inwiefern Geschichte immer die Wahrheit erzählt.

In diesem Roman steckt sehr viel Wissen, Intelligenz und Tiefe. Ich mochte Anton und Alma nochmal viel lieber als Vowinckels Debutroman & kann es nur jeder Person ans Herz legen.
Profile Image for Kaja.
53 reviews
Review of advance copy received from NetGalley
August 7, 2026
Die Charaktere baden alle in Selbstmitleid. Ganz ehrlich es ist mir rätselhaft wie die beiden überhaupt eine Beziehung anfangen beziehungsweise aufrecht erhalten konnten.
Ich habe selten so unsympathische Charaktere gelesen (und ich bin mir ziemlich sicher, dass man hier als Leser*in eigentlich sympathisieren soll).
Auch der Israel-Palästina-Konflikt allgemein und der Gazakrieg speziell wurden nicht gut behandelt, am Ende dient das in diesem Buch nur als Hintergrund für die persönlichen Probleme der beiden Hauptcharaktere. Bestenfalls ist es respektlos, einen real stattfindenden Genozid für einen Roman so zu zweckentfremden, schlimmstenfalls einfach bösartig.
Auch der Plottwist am Ende wirkt eher aufmerksamkeitsheischend statt ehrlich tragisch und ein bisschen so, als bräuchten wir jetzt noch mal ganz schnell den Beweis, dass Antons Angst vor Antisemitismus tatsächlich begründet ist. Irgendwie seltsam, wenn vorher im gesamten Buch immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass Anton ja noch nie diskriminiert wurde und seine Sorgen fast schon ins lächerliche gezogen wurden.

Zwei Sterne weil mir der Schreibstil persönlich gut gefallen hat und sich das Buch trotz der recht hohen Seitenzahl schnell und angenehm lesen lässt.
Profile Image for garance foncé.
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September 11, 2026
Die über 500 Seiten sind verflogen.
Ich wusste, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen könnte, bis ich es nicht ausgelesen hätte.
Hab sehr mitgefühlt, gelacht, mitgefiebert, geweint, gegrübelt, reflektiert und wurde vollständig in den Bann gezogen… ein Roman mitten aus der Gesellschaft, mitten aus dem echten Leben mit so viel Wärme, schonungsloser Ehrlichkeit und komplexer Intimität, dass der Leser meint, die Charaktere seien real.
Hab viel zu viele Gedanken zu dem Roman und möchte hier nicht spoilern. Ich bin wahnsinnig gerührt. Am Ende hätte ich für meinen Seelenfrieden vielleicht etwas magischen Realismus gebraucht, haha. …C’est la vie
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